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Alt 25.03.2009, 15:16
herda99 herda99 ist offline
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Standard AW: Wie lange haben wir noch Zeit?

Hallo,
ich fühle mich so machtlos. Wir haben jetzt schon wieder so viele Wochen geschafft. Meinem Mann geht es schleichend schlechter. Wir wissen nicht, sind es noch die Nebenwirkungen der Bestrahlung oder wütet der Krebs schon wieder herum. Er hat Kopfschmerzen, mal mehr, mal weniger. Zur Zeit sind die Schmerzen im Mundraum unerträglich. Betreut wird er von Hausarzt und Onkologe, was sich im Moment jedoch auf monatliche Hausbesuche beschränkt. Ich kann aber jederzeit anrufen und bekomme Medikamente und Unterstützung.
Anfang März hatte ich es endlich geschafft, ein Bett für meinen Mann auf der Palliativstation zu bekommen. Er sollte schmerzmitteltechnisch eingestellt werden und war nach vielem Zureden auch bereit, ein paar Tage im Krankenhaus zu bleiben.
Dann beim Aufnahmegespräch mit der Ärztin kam jedoch der Hammer: Am Ende des Gespräches fragte diese doch tatsächlich, ob er im Falle seines Todes bereit wäre, seine Augen der Medizin zur Verfügung zu stellen. Seine anderen Organe kämen für eine Organspende ja nicht in Frage, sie könnten ja mit Metastasen befallen sein. Noch am selben Tag habe ich ihn abends um 23.00 Uhr aus dem Krankenhaus geholt, weil er es vor Angst nicht mehr dort ausgehalten hat.
Jetzt weiß ich, dass mein Mann, solange er noch bei vollem Bewusstsein ist, kein Krankenhaus mehr betreten wird, was ich auch vollkommen verstehen kann. Er fühlt sich nur noch zu Hause sicher.
Noch gehe ich arbeiten, jeden Tag verlasse ich ihn morgens mit einem schlechten Gewissen. Auf Arbeit kann ich mich schlecht konzentrieren und die Probleme dort scheinen alle so banal.
Er ist so tapfer, versucht sein Leiden zu verbergen. Ich muss zusehen und kann ihm nicht wirklich helfen.

Gruß Dagmar
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