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Alt 13.02.2015, 10:10
Blausaxo Blausaxo ist offline
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Standard Was darf ich meinem krebskranken Bruder sagen?

Hallo, ich bin neu hier.
Ich heiße Ingrid, bin alleinerziehend mit zwei Kindern (15 + 20 Jahre) und kümmere mich um meinen schwerkranken Bruder. Er ist seit dem letzten Sommer an einem kleinzelligen Lungentumor mit Metastasen in Halslymphknoten und Nebenniere erkrankt. Da er alleinstehend ist, bin ich seine nächste Bezugsperson.
Er hat im letzten Jahr 5 Chemozyklen mitgemacht und dabei erschreckend abgebaut. Vor zwei Wochen hat er sich selber ins KH eingewiesen, weil er nicht mehr konnte. Er hatte mich vorher wochenlang nicht in seine Wohnung gelassen, kam nur regelmäßig zum Essen zu mir (Wir wohnen nur ein paar hundert Meter auseinander). Ich war dann in seiner Wohnung um Sachen für ihn zu holen und war entsetzt, wie es dort aussah. Ich habe dann eine Grundreinigung veranlasst.
Bei meinem Bruder wurde im KH eine Lungenentzündung diagnostiziert und da er über Sehstörungen klagt auch ein Kopf CT gemacht, bei dem mindestens 10 Hirnmetastasen festgestellt wurden. Auch die Tumore in der Lunge und in der Niere sind nach Beendigung der Chemo wieder gewachsen. Er bekommt nun Bestrahlungen für den Kopf und anschließend soll eine medikamentöse Chemo gegen den Lungentumor eingesetzt werden.
Mein Problem ist nun, dass mein Bruder unausstehlich geworden ist. Meine Kinder und ich haben ein sehr enges Verhältnis zu ihm, weil er uns nach der Trennung sehr unterstützt hat und auch eine Art Ersatzpapa für meine Kinder war.
Er kommt im Moment täglich zu uns, mein Sohn und ich fahren ihn auch (er selber darf aufgrund der Sehstörungen und Koordinationsprobleme nicht mehr fahren) und ich koche für ihn. Nun ist er aber dermaßen aggressiv, dass es für uns schwer erträglich ist. Ich arbeite Vollzeit und meine Kinder sind in Schule und Studium sehr engagiert, dass es fast über unsere Kräfte geht. Und er fordert nur, meckert herum und dankt nicht einmal.
Belastend finde ich auch, dass er jedem Gespräch über Vollmachten usw. ausweicht. Er plant für die nächsten Jahre und lässt keine Gespräche über seine Aussichten zu.
Ich bin mir nun nicht sicher, in wie weit ich drängen soll, sich um die Zukunft Gedanken zu machen und ihm sagen darf, wie sehr wir unter der Situation leiden.
Ich habe auch den Eindruck, dass meine Kinder allgemein nicht gut mit der Situation umgehen können. Mein Neffe (Sohn eines anderen Bruders) und guter Freund meiner Kinder ist vor drei Jahren mit 19 Jahren tödlich verunglückt und dass kommt jetzt bei meinen Kindern wieder hoch. Wie finde ich nur den richtigen Weg, allen gerecht zu werden????
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