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  #16  
Alt 28.06.2017, 17:40
Clea Clea ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Das hast du sehr schön geschrieben.
Danke dafür.
Das ist der Grund, warum wir uns hier
angemeldet haben, in schweren Stunden etwas Zuspruch zu erhalten
von Menschen, die dasselbe durchmachen.
Fühl dich gedrückt.
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  #17  
Alt 21.08.2017, 20:02
Verena_Gr Verena_Gr ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Hallo Ihr Lieben,

lange ist es her, dass ich hier in das Forum hineingeschaut habe..
ich habe immer wieder daran, gedacht, aber das Arbeitsleben hat mich zurück und ich versuche irgendwie wieder in meinen "neuen" Alltag zu finden.
Dennoch denke ich jede Minute an Mama...
Gestern war die Taufe von meinem Patenkind. Ich habe mir eben die Fotos angeschaut und das alles macht mich einfach nur traurig, obwohl ich mich ja auch freuen sollte.
Ich habe eine Fürbitte für Mama lesen wollen, habe es zumindest versucht, aber es ging so ziemlich in die Hose.
Mein Patenkind Lina ist das Kind meiner Schwester. Mama hat sich so gefreut, dass nach 2 Jungs endlich ein Mädchen auf dem Weg ist. Meine Schwester war hoch schwanger, als wir die Diagnose bekommen haben, sie tut mir auch so leid. Sie ist eher verschlossen, aber ich weiß, dass es ihr so weh tut, dass Mama die kleine Maus nicht mehr sehen durfe. Das war ihr größter Wusch. Meine Schwester musste knapp 2 Wochen nach Mamas Tod die Geburt "durchstehen"... woher sie die Kraft genommen hat, weiß ich bis heute nicht. Ich bin sehr stolz auf meine Schwester.
Als wir noch guter Hoffnung waren hat Mama immer gesagt: hoffentlich sehe ich unser kleines Mädchen noch...
Für mich war es ganz klar, dass Mama sie noch sieht.. falsch gedacht..
Heute habe ich versucht einen Termin beim Psychologen zu bekommmen.. 6-10 Monate Wartezeit - na danke...
Ich kann mich an nichts wirklich erfreuen und wenn es mir "gut" geht nur, weil ich verdränge was passieren musste.
Ich will meine geliebte Mama zurück!!!

Liebe Grüße an Euch alle, ich hoffe es geht Euch gut / besser...
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  #18  
Alt 22.08.2017, 14:13
rocketpocket rocketpocket ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Hallo Verena,

schön, mal wieder was von Dir zu hören.
Mir geht's auch ähnlich.. die Tage streichen dahin und irgendwie ist seit dem Tod meiner Mutter alles anders. Ich kann mich auch an manchen Tage über Garnichts freuen, fühle mich leer und traurig.
Familienfeste meide ich soweit es geht, da mir da "der leere Platz" meiner Mutter am meisten auffällt.. das kann auch nicht jeder verstehen, aber mir ists egal- Hauptsache ich "überlebe"...
Habe auch bis letzte Woche durchgearbeitet und nun fliegen mein Mann und ich morgen für 16 Tage nach Kreta. Ich freue mich schon sehr auf den Urlaub, da ich seit der Erkrankung und dem Sterben meiner Mutter noch nicht wirklich zur Ruhe gekommen bin... Ich hoffe die freie Zeit hilft mir, alles nochmal zu verarbeiten und eine innere Akzeptanz zu erreichen.. das fällt mir manchmal noch schwer ich werde die nächste Zeit nutzen, mich auch mal von allem "abzumelden" und mich mal wieder nur um meinen Mann, mich und um unsere Beziehung zu kümmern... da ist in den letzten Monaten auch vieles auf der Strecke geblieben, aber genau das ist jetzt auch wichtig: gute Zeit mit den Lieben zu verbringen!
Ich hoffe auch für Dich und Deine Schwester, dass die Tage besser werden, schön, dass Ihr Euch gegenseitig habt..

Fühl Dich umarmt
rocketpocket
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  #19  
Alt 22.08.2017, 16:24
Verena_Gr Verena_Gr ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Hallo rocketpocket,

schön, dass Ihr erstmal in den Urlaub fahrt.
Ich versuche meinen Freund seit Wochen zu überreden, dass wir weg fahren, auch wenn es nur für ein paar Tage ist.
Ich habe jetzt auch 2 Wochen Urlaub, den ich aber Zuhause verbringe.
Mein Freund ist selbstständig und da ist in den letzten Monaten augrund der Situation auch einiges liegen geblieben, was nachgeholt werden muss.
Dennoch würde ich gerne weg fahren, aber ohne ihn kann ich mir das auch nicht wirklich vorstellen - also bleibe ich Zuhause.
Ich habe versucht mir ein bisschen was vor zu nehmen, wenn ich nur alleine Zuhause bin denke ich nur nach, habe die letzten beiden Tage noch mehr geweint als "normal". Liegt wahrscheinlich auch ein bisschen an der Taufe, aber auch daran, dass ich jetzt Zeit habe.
Heute Mittag musste ich mit meiner Schwester das erste Mal wieder in DAS Krankenhaus, da wir einige Unterlagen brauchten. Es war so unwirklich, diesen Ort wieder zu betreten.
Ich habe gedacht, jetzt gehe ich einfach wieder auf´s Zimmer 309 und besuche Mama, ich war ja ohnehin immer da. Aber das geht nicht, weil auf Zimmer 309 keine Mama mehr ist, auch nicht Zuhause und auch sonst nirgendwo, zumindest kann ich sie nicht mehr sehen und "anfasen"....
Ich bin nicht besondern gläubig, aber ich denke trotzdem, dass unsere Lieben bei uns sind. Vielleicht bin ich verrückt, aber ich denke manchmal spüre ich das. Das gibt mir ein bisschen Hoffnung. Auf der Beerdigung kam zum Schluss das Lied "Amoi seg ma uns wieder", das haben Mama und ich oft gehört und dabei geweint.. jetzt höre ich es alleine und weine...

Was meint Ihr, sehen wir unsere Lieben irgendwann wieder?
Gibt es da was nach dem Tod?
Ich stelle mir diesen Fragen jetzt sehr oft und der Gedanke, dass das nicht so ist zerreißt mich.

Ich wünsche Dir einen wundervollen Urlaub rocketpocket, genieß die Zeit und hab (trotz allem) eine schöne Zeit mit Deinem Mann! Das die Beziehnung auf der Strecke bleibt kenne ich, ich dachte zwischenzeitlich kurz, dass wir das nicht überstehen, aber ich denke wir sind übern Berg, wenn es darum geht.

Umarmung zurück

Geändert von Verena_Gr (22.08.2017 um 16:26 Uhr)
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  #20  
Alt 22.08.2017, 23:31
Annelie1984 Annelie1984 ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Ich glaube und hoffe auf ein Wiedersehen! Meine Tante ist jetzt 3 Monate tot, aber wirklich glauben kann ich das nicht. Oft lasse ich das letzte Jahr Revue passieren (weil meine Tochter am Sonntag 1 Jahr wird) und dann ist es für mich noch viel unvorstellbarer, dass sie nicht mehr da ist und auch nicht mehr kommen wird, wo ihr Kampf letztes Jahr um diese Zeit begonnen hat. Für mich gab es keinen Zweifel, dass sie wieder gesund wird.
Auf ihrem Begräbnis wurde auch "amoi seh ma uns wieder" gespielt. Hab das Lied gestern das 1. Mal im Radio gehört und einmal mehr kann ich nicht begreifen, dass es ist, wie es ist...
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  #21  
Alt 23.08.2017, 05:22
rocketpocket rocketpocket ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Liebe Verena, hallo an alle hier,

vielen Dank für die lieben Wünsche. Ich werde versuchen eine gute Zeit zu haben.
Das ist doch schön, dass Du nun auch zwei Wochen Urlaub hast. Natürlich denkt man viel darüber nach, was alles passiert ist, wenn man so viel Zeit hat und nicht durch Arbeit oder den Alltag abgelenkt wird.
Ich habe mir vorgenommen das zu nutzen, mir die Zeit auch zu nehmen zum Weinen, zum Erinnern aber auch um darüber nachzudenken, wie es nun weitergeht. Wie ich mein Leben nun ohne meine Mutter weiterleben werde.

Ich wünsche Dir jedenfalls auch eine erholsame Zeit und gute Gedanken. Und wenn man dann mal wieder so richtig weinen muss, dann ist das eben so. Danach fühle ich mich meistens besser.

Zu Deiner Frage, ob es nach dem Tod ein Wiedersehen gibt... Ich weiß es natürlich auch nicht, aber ich hoffe und glaube es!
Die Energie meiner Mutter ist bei mir geblieben, auch wenn ihre Hülle nicht mehr da ist. Ich merke das ganz oft, wenn ich zum Beispiel ihre Sachen sortiere.. dann fühlt es sich an, als wenn sie neben mir steht und sagt: "das kannst Du der Oma geben" oder "das kannst Du wegwerfen" etc... und es fühlt sich völlig normal an. Ich genieße dieses Gefühl jedes Mal.

Dir Verena eine gute Urlaubszeit!
Herzliche Grüße an alle, die hier mitlesen!

rocketpocket
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  #22  
Alt 10.11.2017, 22:24
Verena_Gr Verena_Gr ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe Euch geht es allen gut.

Ich hatte ständig den Gedanken, mal wieder etwas zu schreiben.

In der letzten Zeit habe ich mich in die Arbeit gestürzt und den Schmerz mehr oder weniger verdrängt. Wenn ich meine Gefühle zu lasse und mir alles hervor hole bekomme ich sofort Weinkrämpfe und habe das Gefühl, keine Luft zu bekommen (passiert mir komischerweise meist beim Auto fahren).

Meine Freunde denken, dass ich den Verlust gut kompensieren kann, vor anderen kann ich gar nicht mehr wirklich weinen und wirke scheinbar abgestumpft, was ich normalerweise überhaupt mich bin.

Ich beschäftige mich oft und immer wieder mit der Frage, wo Mama jetzt ist und ob wir und irgendwann wieder sehen. Oder ist das doch nur naiv und nach dem Tod ist alles vorbei?

Heute Abend habe ich sehr viel geweint, die Zeit ohne Mama.. jetzt schon ein halbes Jahr. Es gab keinen Tag in meinem ganzen Leben, an dem wir keinen Kontakt hatten. Wir haben nachdem ich ausgezogen bin jeden Tag telefoniert, jeden Morgen eine SMS und ganz oft nach der Arbeit war ich bei ihr. Das ist nun alles nicht mehr. Ich vermisse meine Mama... Kein Kaffee nach Feierabend, keine Stimme die mir immer das Gefühl gegeben hat, dass mir nichts passieren kann und das alles gut wird. Mama hat eine so unglaublich Wärme ausgestrahlt, ich kann das gar nicht beschreiben.

Meine Mama ist tot, das zu schreiben ist immer noch so unwirklich....

Traurige Grüße,
Verena
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  #23  
Alt 11.11.2017, 22:42
Jusy Jusy ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Mir geht es ein bißchen wie dir, wenn man das überhaupt so sagen kann... Bei mir ist es nun ein Jahr her. Meine Mami hatte nach dem Rezidiv auch nur sieben Wochen. Sie ist an Allerheiligen ein Engel geworden. Vor einem Jahr. Und irgendwie wird die Trauer nicht besser, die Sehnsucht wird größer...
Ich bin jetzt auch zum 2. Mal Mutter geworden und wenn mein Baby etwas neues lernt oder kann bin ich stolz, aber weine, weil es die Mami nicht mehr erlebt, wir es nicht gemeinsam als Mutter und Oma erleben können...
Ich wünsche dir alles Gute
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  #24  
Alt 12.11.2017, 15:55
rocketpocket rocketpocket ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Hallo Verena,

schön, dass Du mal was von Dir hören lässt.. ich lese hier immer noch sehr oft mit und auch im Angehörigen-Forum lese ich oft noch.. einen eigenen Thread wollte ich nicht mehr eröffnen, zu weit weg erscheint mir doch alles aus heutiger Sicht.
Bei mir sind es jetzt auch schon 8 Monate, seitdem meine Mutter gestorben ist und die Zeit verändert die Trauer. Es gibt immer noch sehr schlimme Tage. Da wache ich morgens schon auf mit Tränen in den Augen und der ganze Tag fühlt sich an, als wenn ein trauriger Schatten mich umgibt.
Dann gibt es auch Tage, an denen ich mich schon wieder stark und gut fühle und alles was passiert ist, besser annehmen kann.
Ich denke auch oft darüber nach, ob wir uns irgendwo wiedersehen und ich versuche positiv zu denken. Ich kann von mir noch nicht sagen, dass ich mich über die gemeinsame Zeit freue und mir die Erinnerungen an meine Mutter gut tun. Eher ist es so, dass diese Gedanken noch mehr schmerzen und mir der Verlust dadurch ganz nah kommt... Vielleicht ändert sich das ja noch??
Ich habe hier im Forum so viele Geschichten gelesen, die mich sehr traurig gemacht haben und mir wurde durch dies alles sehr bewusst, wie endlich das Leben doch ist.. trotzdem habe ich Halt gefunden durch das Gefühl nicht alleine zu sein.. Vielen Dank Euch allen, die ihr hier schreibt und unterstützt!!
Ich versuche mich wieder dem Leben zuzuwenden, aber ich werde hier auch immer mal reinschaun und hoffe für alle hier, dass die Dinge entweder noch gut ausgehen oder jeder zumindest so viel Kraft hat alles gut zu überstehen..
Ich wünsche allen hier nur das beste!!

Herzliche Grüße
rocketpocket
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  #25  
Alt 12.11.2017, 18:52
desireh desireh ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Liebe Verena

Habe gerade deine Geschichte gelesen und wollte einfach liebe Grüsse dalassen. Mein Mami hatte auch Lungenkrebs und es ging alles so schnell... Ich glaube fest an ein Leben nach dem Tod. Es gibt einfach zuviel, was ich mir manchmal nicht erklären kann und bin darum fest der Überzeugung, dass wir alle wieder einmal sehen.

Liebe Grüsse aus der Schweiz
Désirée
__________________
Mami, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs
28.8.1950-10.10.2017

Papi, Prostatakrebs
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  #26  
Alt 14.11.2017, 20:12
Verena_Gr Verena_Gr ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Hallo Ihr Lieben,

mein Wochenende war nicht so toll, ich habe das Gefühl, dass nicht nur die Tage, sondern auch meine Gedanken dunkler werden.
Wenn ich an Weihnachten denke könnte ich ... naja, lassen wir das.
An Heiligabend habe ich den Abend immer mit Mama verbracht und wir haben gekocht, da meine Schwestern ja schon eine "eigene Familie" haben. Mama hat am 2. Weihnachtstag Geburtstag und dann waren alle bei uns Zuhause, also bei ihr und mir. Ich weiß nicht, wie ich diese Tage und auch die Vorweihnachtszeit überstehen soll und habe unheimlich Angst davor.

@ rocketpocket: das mit den Erinnerungen kenne ich nur zu gut, ich denke auch ich müsste mich über das ein oder andere freuen, aber ich kann nur mit Traurigkeit erinnern.

Ich bin auch wirklich froh, dass es dieses Forum gibt. Hier fühle ich mich verstanden. Auch wenn ich meine lieben Schwestern habe, ist es doch etwas anderes.

Ich wünsche Euch allen einen guten Wochenstart und alle Liebe!!
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  #27  
Alt 22.11.2017, 14:54
rocketpocket rocketpocket ist offline
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Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Liebe Verena,

ja da sagst Du was. Die besonderen Tage werden sehr schwer, weil man dann so sehr daran erinnert wird, wie man die Zeit gemeinsam verbracht hat, als unsere Mütter noch da waren.

Vorgestern hat meine Oma ihren 93. Geburtstag gefeiert. Es war richtig schlimm für mich. Sonst war meine Mutter immer diejenige, die sich um alles gekümmert hat. Auch für meine Oma war es furchtbar und es sind viele Tränen geflossen.

An Weihnachten werden wir nun dieses Jahr einfach die "Flucht nach vorne" unternehmen. Meine Oma fährt zu ihrer Schwester und ich werde mit meinem Mann ein langes Wochenende in Amsterdam verbringen. Einfach die Umgebung wechseln und nicht genau den gleichen Ablauf wie sonst planen. Das schmerzt noch zu sehr.

Ich hoffe, dass das irgendwann besser wird und man wieder Lust auf das Feiern bekommt. Meine Mutter würde es nicht gut finden, wenn ich das Leben nicht mehr genießen würde. Aber das ist alles so leicht gesagt.

Freue mich, wenn Du wieder mal was von Dir hier hören lässt.

rocketpocket
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  #28  
Alt 27.11.2017, 18:40
Verena_Gr Verena_Gr ist offline
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Beiträge: 16
Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Hallo Ihr Lieben,

gestern war eine Andacht auf dem Waldfriedhof, wo meine Mama beigesetzt worden ist. Die Pfarrerin hat einen ganz tollen Text gelesen, der mich sehr berührt hat. Habe ihn eben gefunden und möchte das gerne mit Euch teilen.
Der Text lohnt sich wirklich zu lesen, ich zumindest finde, es trifft es auf den Punkt.

@ rocketpocket: schön, dass Du über Weihnachten weg fährst. Das hatten mein Freund und ich eigentlich auch vor, aber ich kann das meinem Patenkind und meinen Neffen nicht antun und meinen Schwestern auch nicht...

Das der Geburtstag Deiner Oma schlimm war kann ich mir vorstellen. Ist das die Mutter Deiner Mama? Das muss ja schrecklich für sie sein.
Ich drücke Dich!

Ich wünsche Euch allen einen guten Wochenstart und viel Kraft in den regnerischen Tagen.


Sie ist, wie eine kleine graue Katze.
Sie kommt, wann sie will, manchmal bleibt sie tagelang weg, manchmal
ist sie anhänglich, liegt lange auf meinem Schoß, will gar nicht wieder
gehen.
Sie ist, wie eine kleine graue Katze.
Eine Katze, die ich mir nicht ausgesucht hat, die zu mir kam, ohne, dass
ich mitreden durfte, sie war einfach da und ich ahne, dass sie noch lange
bleiben wird.
Sie ist, wie eine kleine graue Katze – meine Trauer.
Sie kommt, wann sie will, manchmal bleibt sie tagelang weg, manchmal
ist sie anhänglich, liegt lange auf meinem Schoß, will gar nicht wieder
gehen.
Und manchmal, manchmal, da halte ich sie auch fest, die kleine graue
Katze, will sie nicht gehen lassen, halte sie fest und lasse den Tränen
freien Lauf, den Tränen, von denen ich gar nicht wusste, wie viele ich
davon besitze.
Ich weine, weil Du nicht mehr bist. Weil ich Dich für immer verloren
habe.
Seit Du weg bist, kommt die Katze, seit Du weg bist, kommen die
Tränen.
Ich weine, weil meine Mutter starb.
Ich weine, weil es weh tut,
obgleich ich weiß, dass meine Mutter nun dort ist, wo sie ohne Schmerz
sein darf, ohne Leid und ohne Tränen.
Das weiß ich, das glaube ich – und trotzdem tut es mir weh, trotzdem
weine ich,
obgleich ich fühle, da, wo meine Mutter ist, der Ort, den ich Gott nenne,
da wo sie ist, da werden ihr alle Tränen abgewischt. Jede Träne, die die
Krankheit brachte, jede Träne, die ihr ihre Lebensjahre brachten, jede
Träne wischt er ihr zärtlich von der Wange. Wie schön! …für sie.
Doch für mich, hier, fließen meine Tränen weiter,
denn die, die sie abwischte, die die meine Tränen Tag für Tag und Jahr
für Jahr abwischte, sie ist nicht mehr und meine Tränen fließen
hemmungslos.
Meine Tränen fließen, weil ich unendlich traurig bin und noch nicht so
recht weiß, wie es weitergeht. Nur: dass es weitergeht, das weiß ich
inzwischen, alles geht weiter, alles geht einfach so weiter, obwohl alles
anders ist, geht alles einfach so weiter.
Jeden Morgen geht die Sonne auf, jeden Abend geht sie wieder unter.
Der Sommer war wieder durchwachsen, der Herbst war wieder golden,
der November ist immer noch grau, alles wie immer.
Der Bus morgens ist voll, die Schlange an der Kasse ist lang, die
Menschen, die immer grüßten, grüßen weiterhin,
immer kommen Tage und immer wieder gehen die Tage wieder.
alles ist wie immer?
Nein!
Nichts ist wie immer.
Da ist die kleine graue Katze, die kommt, wann sie will und da fehlt die
Mutter, die anrief, wann sie wollte.
Nichts ist mehr wie immer, denn der Ehemann starb, unerwartet nach
jahrzehntelanger Ehe, er war immer da, schraubte und reparierte und
tat und machte und nun, ist alles furchtbar still.
Nichts ist mehr wie immer, denn die Tochter starb, unerwartet, viel zu
früh, noch mitten im Leben, sie lässt ihre Mutter zurück und ihre
Tochter, beide haben einander, doch sie, sie haben sie nicht mehr.
Nichts ist mehr wie immer, denn die Mutter starb, Anfang des Jahres
schon starb und dennoch hört die Tochter noch immer Geräusche im
Haus, und sie denkt: Sie ist noch da, meine alte Mutter, gepflegt zuhause
bis zum Ende.
Nichts ist mehr wie immer, egal wie lange man schon damit rechnete,
egal, wie lange der Mann, die Schwiegermutter, die Tochter, der Vater,
ganz egal wie lange sie schon nicht mehr sind.
Nichts ist mehr wie immer, denn unsere Liebe ist heimatlos geworden.
Unsere Liebe (zu ihnen) hat nun keinen Ort mehr, irrt umher und findet
nicht, was sie sucht, unsere Liebe irrt umher, sucht nach ihrer Heimat,
irrt und weint und weint und sucht…
Von Zeit zu Zeit findet sie etwas, für einen Moment nur, findet es und
hält sich daran fest:
den Pullover der Großmutter, sie schlüpft hinein und fühlt sich ihr ganz
nahe.
Von Zeit zu Zeit findet sie etwas, für einen Moment nur, findet es und
hält sich daran fest:
das Rezeptbuch der Mutter, sie weiß nun wieder wie der Hefeteig geht.
Apfelkuchen kauend ist sie wieder Kind und wieder wischt die Mutter
alle Tränen ab.
Von Zeit zu Zeit findet sie etwas, für einen Moment nur, findet es und
hält sich daran fest:
die Drechselbank des Vaters, er kennt fast jeden Handgriff, hatte ihm oft
genug zugeschaut, am Ende aber nicht alles gelernt, zu wenig
miteinander gesprochen.
Wenn meine Liebe umherirrt, bin ich froh, dass ich weiß, wo ich
hingehen kann:
Dorthin, wo sie begraben liegt, dorthin, wo er seine letzte Ruhe fand.
Und das mach ich nicht nur, mit der grauen Katze im Arm, sondern
auch ohne sie, dann wenn Mama Geburtstag hat, dann kaufe ich wie
jedes Jahr, einen großen bunten Blumenstrauß. Dann zünde ich wie
jedes Jahr eine Kerze an, dann stoße ich wie jedes Jahr mit einem Glas
Sekt auf sie an.
Mit ihr kann ich nicht mehr feiern, mit ihr kann ich nicht mehr
anstoßen, aber auf sie und auf ihr Leben.
Dann ist alles wieder ein bisschen wie immer,
obgleich doch alles ganz anders ist.
Es ist gut, die zu erinnern, die gestorben sind.
Es tut gut, ihre Namen zu hören.
Es ist gut, der heimatlos gewordenen Liebe wieder Halt zu geben.
Alles ist wie immer und zugleich ist alles anders …
Wir wissen, dass die Welt da draußen nicht untergeht, wenn ein Mensch
stirbt – aber hier drinnen (auf Herz klopfen) da ist eine Welt zu Ende.
Wir wissen, dass die Katze immer seltener kommen wird - aber hier
drinnen (auf Herz klopfen) da ist auch die Angst zu vergessen, zu
verstummen oder zu erkalten.
Wir wissen, dass jeder von uns eines Tages sterben wird - aber hier
drinnen (auf Herz klopfen) da ist auch die Freude und die Hoffnung,
wieder vereint zu sein, mit denen, die wir jetzt so sehr vermissen wieder
vereint zu sein und frei zu sein, frei von Schmerz und Leid,
denn dann ist da wieder einer, der die Tränen abwischt
Das glaube und hoffe ich
und das wünsche ich uns allen,
nicht, weil es uns hilft, leichter zu leben,
sondern weil es uns das Schwere ertragen lässt
nicht, weil es uns verführt, einfacher zu leben,
sondern weil es uns dankbar sein lässt für das, was wir hatten
miteinander
und weil es uns getröstet auf das zuleben lässt,
was wir haben werden, miteinander und mit Gott.

Geändert von Verena_Gr (27.11.2017 um 18:54 Uhr)
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  #29  
Alt 27.11.2017, 21:19
Clea Clea ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 13.01.2017
Beiträge: 408
Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Danke, Verena.
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  #30  
Alt 27.11.2017, 22:51
Jusy Jusy ist offline
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Registriert seit: 19.05.2016
Beiträge: 22
Standard AW: Meine Mama hat den kurzen Kampf verloren

Danke für die schönen Worte ❤
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