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  #1  
Alt 19.04.2017, 15:29
volvo volvo ist offline
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Standard Sterbebegleitung oder schon Sterbehilfe im Hospiz?

Hallo!

Mich beschäftigt der Tod meiner Großmutter im Hospiz sehr und ich möchte gerne die Sache für mich klären/abschließen (muss oft darüber nachdenken).

Meine Oma (88 Jahre) war immer wieder mit Magenproblemen im Krankenhaus. Einmal war sie wieder dort, da wurde volles Programm (Spiegelung, MRT u.v.a.) gemacht. Gefunden wurde nichts, außer dass die Bauchspeicheldrüse entzündet ist, da gab es dann Tabletten gegen. Sie wurde entlassen, war 2-3 Wochen zu Hause und dann wieder notfallmäßig (bekam keine Luft mehr) in ein anderes Krankenhaus eingewiesen. Dort wurde wieder alles untersucht und auf einmal gab es die Diagnose "Bauchspeicheldrüsenkrebs". Die Ärzte wollten keine Prognose abgeben, außer, dass sie höchstens noch ein halbes Jahr haben würde. Nachdem meine Oma dann die Diagnose erhalten hatte, ging es ganz schnell bergab. Sie wurde sehr schwach, hatte viele Beschwerden mehr und wünschte sich sehr zu sterben. Die Ärzte waren selbst überrascht wie schnell es ging. Vor dem Krankenhaus konnte sie noch laufen, sich waschen, selbst essen machen usw.

Sie kam dann nach einigen Tagen in ein Hospiz. Die Leute dort kümmerten sich rührend um sie.

Allerdings (und darum drehen sich meine Gedanken): meine Oma war geistig wach, erkannte einen und freute sich über die gute Umgebung. Sobald sie Schmerzen hatte oder Luftnot gab es Schmerz- und/oder Beruhigungsmittel. Das ging dann so rasend schnell, dass sie von den Medikamenten immer nur schlief oder im Dämmerzustand war. Essen und Trinken bekam sie nicht mehr, weil man im Hospiz die Leute nicht mehr zum Essen/trinken zwingt. Nur gegen das Durstgefühl gab es Wasser in den Mund. Ich habe das als ziemlich krass erlebt, dass ein Mensch mit Medikamenten so ruhig gestellt wird, dass es nicht verwunderlich ist, wenn er nicht isst und trinkt. Es wurde innerhalb von 1 1/2 Tagen ein Zustand durch die Medikamente hergestellt, dass sie immer nur schlief oder benommen war. Und sobald sie unruhig wurde, wurde nachgespritzt. Nach Einlieferung im Hospiz war sie nach 6 Tagen tot.

Mir ist das Hospizi-Prinzip schon klar und ich bin sehr dankbar, dass sie nicht leiden musste. Ich weiß auch, dass es sehr schnell gehen kann, wenn man erstmal die Diagnose kennt und auch den Wunsch nach Sterben hat. Aber mir kommt es schon fast wie Sterbehilfe vor, wenn man den Patienten mit Medikamenten einfach ausschaltet und einen ohnehin geschwächten Körper ohne Nährstoffe lässt. Sie war kurz vorher ja noch klar beisammen und relativ fit. Ich hatte das Gefühl, dass da dann irgendwie keine eigene Entscheidung meiner Oma mehr hinter stand und es seit dem ersten Dämmerzustand einer Schmerzspritze es kein Erwachen mehr gab, weil dieser Zustand immer durch Spirtzen aufrecht erhalten wurde. Klar kann man sie nicht zum Essen zwingen, aber man hat sie ja durch die Behandlung auch schon davon abgehalten, es wollen zu können.

Ich bin wirklich froh, dass sie dort war und dass sie nicht lange leiden musste. Aber mich beschäftigt ihr Tod doch sehr und ich kann diesen Sterbeprozess nicht richtig einordnen.

Habt ihr vielleicht Erfahrungen? Vielen Dank fürs Lesen meines langen Textes!

Anne
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  #2  
Alt 19.04.2017, 18:03
Adlumia Adlumia ist offline
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Standard AW: Sterbebegleitung oder schon Sterbehilfe im Hospiz?

Hallo Anne,

mein aufrichtiges Mitgefühl zum Tode deiner Oma.
Vorab muss ich dazu sagen, dass keine 'Erfahrung' beim Thema Hospiz, jedoch möchte ich dir trotzdem meine Erfahrung bzw. meine Sicht als Angehörige schildern.

Mein Vater wollte nicht in ein Hospiz, daher nahmen wir die ambulante Palliativversorgung in Anspruch.
Er hatte sehr starke Schmerzen, konnte nicht mehr aufstehen, kein drehen und wenden ohne Schmerz war mehr möglich, Dekubitus etc., das volle Programm. Er hatte eine Morphinpumpe und weitere Medikamente aber so lange ein Mensch noch selbst entscheiden kann, muss er diese Entscheidung treffen, inwieweit er sediert werden möchte oder nicht, ich meine eben diesen Dämmerzustand, den du auch beschreibst.
Mein Vater wollte dies bis zu seinem Todestag nicht, er wollte klar bleiben.
Aber der Preis waren höllische Schmerzen und das müssen auch die Angehörigen mit(er)tragen.

Was ich dir damit sagen will: Man muss aus meiner Sicht immer einen Preis bezahlen. Wer sehr viele Schmerzen hat, kommt kaum drum herum, die Dosis der Schmerzmittel dementsprechend anzupassen. Dass darunter auch bei allgemeingeschwächten Zustand dann das Bewusstsein leidet, ist leider die Folge aber auch "gewünschter" Nebeneffekt. Keine Schmerzen mehr, kein Leid mehr, keine Konfrontation mehr mit z.B. Todesängsten, gerade wenn es um Luftnot geht.

Deine Oma wünschte sich zu sterben, ich nehme an, sie hat auch eingewilligt in diese palliative Sedierung. Es war ihr Wunsch so wenig wie möglich zu leiden.
Dass deine Oma nicht mehr essen und trinken konnte/wollte lag sicher zum Einen an ihrem Bewusstseinszustand aber vor allem an der Tatsache, dass sie im Sterben lag.

Die andere Frage, die du dir stellen kannst ist: Was hättest du ihr stattdessen gewünscht?
Ich verstehe dennoch sehr gut, dass es dich wahnsinnig trifft und mitnimmt, wie schnell so ein Menschenleben doch zu Ende gehen kann. Vor Wochen war es noch so und dann geht das Leben unaufhaltsam dem Ende entgegen. Wir wollen immer begreifen, mit aller Macht verstehen, wir suchen nach Antworten auf dieses Unbegreifliche, den Tod, den wir nun mal nicht vorerfahren können, bis es uns nicht selbst trifft. Aber ich glaube, es gibt keine Antwort.
Diesen Schmerz muss man aushalten lernen, akzeptieren lernen und das braucht seine individuelle Zeit. Es ist gut, dass du Fragen stellst, es ist (so denke ich) einfach Teil deiner Verarbeitung des Todes deiner geliebten Oma.

Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Weg ohne deine Oma und dass wieder Momente/Tage kommen werden, in denen du das vor Augen hast, was sie dir als Mensch vielleicht mitgegeben hat.

Grüße
Adlumia
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  #3  
Alt 20.04.2017, 16:36
Safra Safra ist offline
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Standard AW: Sterbebegleitung oder schon Sterbehilfe im Hospiz?

Liebe volvo,

Zitat:
Ich habe das als ziemlich krass erlebt, dass ein Mensch mit Medikamenten so ruhig gestellt wird, dass es nicht verwunderlich ist, wenn er nicht isst und trinkt.
Deine Oma war sehr schwach und wollte sterben. Es ist normal, dass dann das Verlangen nach Nahrung und Flüssigkeit eingestellt wird. Die Patienten leiden auch nicht darunter. Ich glaube, das Schlimmste, was man todkranken Menschen antun kann, ist, dass man sie noch an die künstliche Ernährung hängen lässt. M.E. Egoismus der Angehörigen, die nicht loslassen können und wollen. Damit wird nur der Sterbeprozess verlangsamt. (Und es kann ja auch gut abgerechnet werden von der entsprechenden Einrichtung) Insofern glaube ich, dass Deiner Oma einiges Leiden erspart wurde. Und ihren Wunsch zu Sterben hat man sicher bei dieser Behandlung berücksichtigt.

Ich habe es bei einer guten Bekannten erlebt, Darmkrebs seit 4 Jahren, Lebermetastasen und dann Leberversagen. Sie war immer der blanke Optimist, und dadurch, dass sie so benommen war durch die Schmerzmittel, hat sie ihren Zustand gar nicht richtig begriffen. Vielleicht ist das manches Mal wirklich das Beste.

Alles Gute! Safra
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  #4  
Alt 20.04.2017, 16:59
Chari Chari ist offline
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Standard AW: Sterbebegleitung oder schon Sterbehilfe im Hospiz?

Hallo

Ich denke hier sind sicherlich viele Faktoren zusammengekommen, welche das Hospiz berücksichtigt hat, das sehr hohe Alter, die Schmerzen, den Wunsch zu Sterben und den sehr aggressiven Krebs.

Der Arzt auf der Palliativstation hat uns damals gesagt, dass der Mensch nicht stirbt weil er nichts mehr trinkt und isst sonder er isst und trinkt nichts mehr weil er stirbt. Selbst ohne Betäubung hat der sterbende Körper kein Bedürfnis mehr nach dem "irdischen" wie Nahrung. Der Körper fährt sozusagen langsam runter.

Was natürlich klar ist, ist das man durch die Erhöhung der Schmerzmittel den Tod schneller herbeiführen kann. Ob man dies nun als Sterbehilfe bezeichnen soll?

Meistens werden hier auch die Angehörigen gefragt wie man mit den Dosen der Schmerzmittel umgehen soll. Vielleicht haben das andere Verwandte geregelt oder sie schon selbst im vorhinein.
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  #5  
Alt 21.04.2017, 15:07
Clea Clea ist offline
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Standard AW: Sterbebegleitung oder schon Sterbehilfe im Hospiz?

Hallo,

meine Ma war auf einer Palliativstation, die sich auch rührend gekümmert hat.
An diesem Donnerstag, der das Ende einläutete, hatte sie morgens KG und die Physios haben sich große Mühe gegeben, haben sie hingestellt und anschließend so gesetzt, dass sie frühstücken könnte.
Das hat sie dann auch gemacht, Brötchen und einen Tee gab es.
Davon war sie so geschafft, dass sie das Mittagessen verschlafen hat.
Sie bekam es am späten Nachmittag und hat wieder gut gegessen.
Nachts hatte sie dann Blut im Stuhl und die Rasselatmung war morgens da.
Das war dann der Freitag, an dem uns die Ärztin sagte, dass sie sich auf den Weg macht. Wir sollen uns soviel Morphin holen, wie wir verantworten können.
Viermal am Tag gab es Novalgin. Sie hatte noch einen Zugang.
Ich besprach mit dem Arzt, dass wir die Flüssigkeit einstellen, nur noch das Lösemittel vom Novalgin und wenn sie zu Trinken verlangt.
Der Arzt von Freitag sprach auch davon, dass jeder Tropfen das Leid verlängert.
Wir bekamen eine kleine Sprühflasche, in die wir geben könnten, was sie mochte. Mein Bruder holte dann ihr Altbier. Sie nahm es geradezu gierig, aber schluckweise wollte sie es nicht, sondern gesprüht.
Sie hatte nur noch Minutenweise Wache Momente.
Am Samstag hatte sie kaum noch welche, obwohl sie nur zwei Morphinspritzen bei Unruhe bekommen hat. Sie war nicht mehr fähig, sich zu bewegen. Beim Lagern machte sie Bewegungen wie ein Säugling, der erschreckt wird. Das ist ein Reflex, keine gezielte Reaktion mehr.
Sie schluckte ihren Speichel nicht mehr, so dass sie ein Speichelunterdrückendes Pflaster bekam. Das half.
Sonntags starb sie. In der Nacht gab es nochmal eine Spritze, aber die war zu lange her, um ihr in den letzten Sekunden noch zu helfen.
Ich frage mich andersherum, ob wir sie nicht noch viel mehr hätten "abschießen" (bitte entschuldigt den "Schwesternslang, er trifft es aber) sollen, ihr zuliebe.
Ich weiß nicht, ob sie hinter der Schwäche nicht schreckliche Angst erleiden musste, was mit ihr geschieht, oder doch Schmerzen hatte, obwohl sie sie zu wachen Zeiten immer verneint hatte.
Sie hat mit dem Arm gerudert, sagt mein Vater, daraufhin ist er an ihr Bett und hat die Hand eingefangen und festgehalten und dann war es auch schon vorbei.
Wäre es nicht besser gewesen, sie wäre einfach sediert entschlafen, hätte ihn nicht kommen sehen?
So fragt man. sich, je nach Perspektive, eigentlich immer dieselben Fragen, was wäre besser gewesen und hätte man anders handeln können?
Ich denke, wir könnten nicht loslassen und haben sie deshalb so wach wie möglich gehalten, haben vom Angebot der Ärzte nur den nötigsten Gebrauch gemacht, um sie vielleicht nur eine Stunde oder auch nur eine Minute länger im Leben zu halten. Stand uns das zu?

Geändert von Clea (21.04.2017 um 15:09 Uhr)
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  #6  
Alt 03.05.2017, 09:03
Mathias974 Mathias974 ist offline
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Standard AW: Sterbebegleitung oder schon Sterbehilfe im Hospiz?

Hallo,

ich schreibe hier als Betroffener mit folgender Situation.
Seit 4 Jahren erkrankt und mittlerweile unheilbar. Bin gerade im dritten Block der Chemo, hatte auch schon Bestrahlungen und drei OP´s.
Als Betroffener habe ich die volle Verantwortung übernommen, da ich Frau und Kind habe. Somit stellt sich die Frage nach dem sterben zuhause erst gar nicht.

Für mich würde nur Hospiz oder Pallistation in Frage kommen, da meine Familie hier weiter leben muss.
Der Krebstot kann lang und schrecklich sein, deswegen ist es bei mir festgelegt, dass ich ab dem Punkt wo nichts mehr hilft, dass sterben unabwendbar ist, ich nur noch abgeschossen werden will, ohne jegliche Nahrung.
Desweiteren finde ich es auch wichtig sowas vorher schriftlich zu erklären. Denn Angehörige haben immer noch die persönliche Bindung, die das ganze noch in die Länge ziehen könnte.



LG
Mathias
__________________
Gallenblasenkarzinom 06/13
pT2 pN1 (2/2) pMX L1 V1 Pn1 G2 R0

Radikal OP 07/13
6 Zyklen Gemcitabine und Cisplatin
12/15
2. Leberteilresektion Segment 6 und 7, Entfernung LK Metastasen
3/16 LK Metastasen entlang der Bauchaorta
5/16 Lebermetastase Segment 3, Gallengänge verändert
7/16 6 Zyklen Gemcitabine / Cisplatin
12/16 - 2/17 30 Bestrahlungen vom Solarplexus
2/17 - 6/17 4 Zyklen 5 FU und Docetaxel
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  #7  
Alt 03.05.2017, 10:33
Benutzerbild von micha54
micha54 micha54 ist offline
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Standard AW: Sterbebegleitung oder schon Sterbehilfe im Hospiz?

Hallo Matthias,

es fühlt sich irgendwie für mich richtig an, wie Du das Thema beschreibst.

Meine Frau und ich haben beide eine Patientenverfügung beim Notar gemacht und unsere Kinder wissen, dass es unser Wille ist, dass wir nicht zuhause von ihnen gepflegt werden, denn jeder ist immer für sich selbst verantwortlich und muss sein Schicksal tragen.

Mit meinen Eltern habe ich es anders erlebt, wollten bis zuletzt zuhause gepflegt werden, immer sollte jemand verfügbar sein, was aber ambulant gar nicht möglich ist.

Liebe Grüße,

Michael
__________________
Malignes Melanom pT4bN0M0, Clark IV TD12mm, Stadium IIC, 20 Jahre verschleppt
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  #8  
Alt 04.05.2017, 02:20
Thymus Thymus ist offline
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Standard AW: Sterbebegleitung oder schon Sterbehilfe im Hospiz?

Hallo Anne,

ich selbst habe Krebs im Endstadium, d.h. da keine Therapie mehr erfolgversprechend ist, bekomme ich nur noch Schmerzmittel, und im vergangenen Herbst hatte mein Onkologe den Mut mir auf meine Frage, wie lange er glaubt, dass ich noch habe, die Jahreszahl 2017 zu nennen.

Ich dosiere die Schmerzmittel selbst, wobei ich "gewöhnliche" Schmerzmittel wie Novaminsulfon und Ibuprofen verwende, aber auch Morphinderivate, Oxycodon und Fentanyl. Die Dosierung ist relativ konstant, ich erlebe aber immer wieder Schmerzschübe, die ein, zwei Tage andauern, und in denen ich dann die Dosis entsprechend erhöhen muss. In dieser Zeit habe ich aber auch absolut keinen Hunger und bleibe den ganzen Tag im Bett. Aus Vernunft, weil Schmerztropfen und Tabletten als einzige Nahrung natürlich auch Gift für meinen Magen sind, esse ich auch mal einen Zwieback und trinke ein Glas Tee oder Cola (ja, ich weiß, Cola ist krebserregend ), aber ich weiß inzwischen, dass es nach ein paar Tagen wieder besser wird. Natürlich nimmt man auf diese Weise auf Dauer auch ab. Doch obwohl ich in den letzten 3 Jahren etwa 30 Kg verloren habe, wiege ich jetzt bei 176 cm Körpergröße etwas unter 70 Kg - habe jetzt also beinahe mein Idealgewicht. Jetzt will ich versuchen, nicht weiter abzunehmen. Aber ich lebe allein in meiner Wohnung und versorge mich selbst, und kann das bislang auch noch bewältigen.

Worauf ich aber hinaus möchte: Wenn Deine Mutter keine Schmerzen hatte in ihren letzten Tagen, so ist das sehr gut. Und auch wenn sie die meiste Zeit geschlafen hat, die Schmerzmittel mögen einen zwar benommen machen, aber man wird damit nicht ruhig gestellt, wie dies z.B. mit bestimmten Psychopharmaka der Fall ist. Du hättest ganz sicher bemerkt, wenn Deine Mutter sich nicht wohl gefühlt hätte damit, und vermutlich war ihr schon länger klar, dass es mit ihr zu Ende geht. Es ist eine gute Art zu sterben, wenn man ohne Schmerzen langsam einschläft. Und um mit dieser Krankheit weiter leben zu können braucht man einen festen Willen, Zuversicht und Kampfgeist. Und wenn jemand im Inneren entschieden hat, dass die Zeit gekommen ist, dann trifft der Krebs auf keinen Widerstand mehr.

Ein gutes Hospiz, in dem der Patient mit Respekt behandelt wird und keine Schmerzen leiden muss, ist ein guter Ort zum Sterben, so, wie man ihn sich nur wünschen kann.

Lieben Gruß

Stefan
__________________
Wer bis zum Hals im Wasser steht sollte den Kopf nicht hängen lassen......
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  #9  
Alt 05.05.2017, 11:52
Clea Clea ist offline
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Registriert seit: 13.01.2017
Beiträge: 147
Standard AW: Sterbebegleitung oder schon Sterbehilfe im Hospiz?

Liebe Betroffene, Thymus und Mathias,

es ist bemerkenswert, wie ihr euch mit der Situation beschäftigt und auch im Sinne eurer Angehörigen entschieden habt.
Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Wenn du bedenke, mein Sohn könnte mich nur vergleichsweise kurz am Tag sehen, weil ich in einem Hospiz wohne, der Gedanke schnürt mir schon die Kehle zu. Mag egoistisch sein, aber ich würde versuchen, jede Minute noch bei ihm zu sein.
Bei meiner Mutter hat es keinen Unterschied gemacht, ich war jede freie Minute bei ihr.
Mein Vater hat sich in den letzten zwei Tagen auf der Station mit einquartiert.
Für uns war es besser als Zuhause.
ich weiß aber, sie wäre lieber dort gewesen. Und das nagt. Aber mein Rad hätte das nicht gewillt. Er ist Banker, kein Krankenpfleger.
Ich ziehe meinen Hut vor euch. Seid weiter stark!
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