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  #46  
Alt 06.10.2013, 19:15
evelyn-wieda evelyn-wieda ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Wie immer ein nettes Hallo in die Runde,

nachdem mein lieber Besuch weg ist und ich wieder Zeit für den PC finde, besuche ich das Forum und bin einfach erstaunt, denn es ist ja hier richtig viel Interessantes, Nachdenkens wertes geschrieben worden. Wirklich schön, wie offen hier alle diskutieren.

Ach ja, und da streite ich wieder mit mir selber wegen diesem Wort „Kampf“, was ich für mich irgendwie nicht mag. Jedoch bin ich nach dem Lesen und auch gerade wegen Ilses trefflichen Worten etwas nachdenklich geworden, musste über mich selber schmunzeln. Ich habe wohl gekämpft und kämpfe nach wie vor, nur, ich nenne es anders – für mich ist es ein Handeln, ein vielleicht manchmal straffes Vorwärtsgehen auf meinem Weg oder so etwas. So möge man es mir nachsehen, wenn ich nach wie vor das Wort kämpfen für mich selber nicht verwende, es eventuell mit meiner Benennung jedoch meine.

@ Kerejon
Schön wieder von dir zu lesen und dieses Mal klingt es für mich mutiger, weil es mutig macht, kraftvoller, weil es Stärke vermittelt und Raum fürs Vorwärtsgehen lässt. Und Helden sind wir irgendwie alle, jeder auf seine Art und Weise und du bist auch ein Held, der seinen eigenen Lebensweg meistert.

@ Ilse
Herzlichen Dank noch einmal für deine Worte und das Augenzwinkern, es hat mich über mich selber schmunzeln lassen und ja, Du hast Recht. Ist schon manchmal niedlich, wie man über sich und die Dinge nachdenkt und hingewiesen wird.

@ Simi
Mein tiefes Mitgefühl für dich und deine Familie. Du beschreibst sehr intensiv, wie sich Angehörige fühlen, wie sie leiden und oft an ihre Grenzen stoßen und dann noch schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen. Und ja, liebe Simi, du, ihr musstet Entscheidungen treffen so oder so – weil eure Tochter das noch nicht konnte. Und eure Entscheidung war die Entscheidung für die Hoffnung.

Im Nachhinein sieht es vielleicht falsch aus, doch es hätte auch anders ausgehen können, dann würde die Entscheidung richtig aussehen.

Von Herzen wünsche ich dir, dass du mit dir und deinen Entscheidungen irgendwann Frieden schließen kannst und dein tägliches Gefühlschaos aufhört sich zu drehen.
Alles erdenklich Liebe und viel Kraft für euch.

@ Helmut
Wie immer mag ich deine Diskussionsbeiträge sehr gerne lesen. Du drückst dich sehr gut aus und sprichst ehrlich an, was du empfindest und wissen möchtest.
Du schreibst z. B.
Zitat:
"Dazu muss man sich als Angehöriger/Betroffener/Arzt sehr wohl in die Psyche und die Lage des oder der (anderen) Erkrankten hinein versetzen oder es zumindest versuchen.“
Das ist ein heikles Thema. Es gab eine Zeit, da wollte ich z. B. nicht, dass meine Lieben mich im desolaten Zustand sehen, dass ich vor ihnen jammere oder so und meine Lieben wiederum wollten nicht, dass ich ihre Ängste kenne, dass ich ihre Schuldgefühle wahrnehme. Ein Drama auf beiden Seiten. Bis wir uns ausgesprochen haben, bis wir offen miteinander geredet haben. Heute gehen wir alle sehr offen mit unseren Gefühlen um. Doch ich von mir kann nicht sagen, dass ich mich wirklich in die Psyche oder die Lage von meinen Kindern, meinem Freund, meinen Lieben … hinein versetzen kann, ich kann sie erahnen. Aber wir haben in dieser Zeit viel voneinander gelernt, ja sind sogar mehr zusammen gewachsen und wir achten und respektieren einander sehr. So ist für mich mein persönliches Umfeld einfach schön, harmonisch trotz vieler unterschiedlicher Meinungen und es trägt halt mit dazu bei, dass ich meinen Weg gehen kann.

Noch schwieriger wird es ja mit den Ärzten und Therapeuten. Ein offener, guter Arzt, der sich Zeit nimmt, der sich ehrlich mit mir auseinander setzt ist gar nicht so einfach zu finden. So bin ich ganz sehr dankbar, dass ich einen tollen Hausarzt gefunden habe, dass mich eine gute, taktvolle Onkologin begleitet, dass ich einen Internisten habe, der an mich glaubt, und ich Therapeuten an meiner Seite weiß, die mich alle so nehmen wie ich bin, die mich respektieren und achten und mit mir diskutieren und meine Einstellung kennen und anerkennen. Aber ich würde nicht behaupten, dass sie sich in mich hineinversetzen können und auch wollen oder müssen, jedoch finden sie oftmals die zur rechten Zeit die rechten Worte.

Und was mir persönlich total wichtig ist, ich vertraue ihnen total.

Ferner schreibst du:
Zitat:
„Das Ziel? Friede. Mit sich, dem Krebs, dem Leben. Glückwunsch an jeden, der das schafft. Auch dann, wenn es so ausgeht: es war schwer, aber auch sehr schön.“
Wunderbar ausgedrückt. So wünsche ich, Frieden in sich spüren, in der Mitte sein und gut leben trotz all der Umstände, die so sind, wie sie sind und dann am Lebensende nicht nur an der letzten Phase gemessen zu werden, sondern als Person gesehen zu werden, die gerne gelebt hat, die das Leben genossen hat und glücklich war.
Danke.

@ Matthias
Ja, du, ich, wir entscheiden einzig und alleine, wie es weitergeht, ob es weitergeht.

@ J.F.
Schön das du wieder dabei bist, deine Beiträge bereichern die Diskussion und sorry, wenn ich in dir einen männlichen Schreiberling gelesen habe. Soll nicht noch einmal vorkommen, versprochen.
Da kannst du einmal sehen, dass ich mir wenig Mühe gegeben habe, herauszufinden, wer hinter J.F. steckt. Du hast dir hingegen verdammt viel Mühe wegen mir gegeben. Mir ist ja gar nicht bewusst gewesen, welchen „Schreibrhythmus“ ich hier im Forum zu Tage lege.

Doch warum denkst du, das hat etwas mit meiner aktiven Krankheitsphase zu tun? Hm, und überhaupt, was verstehst du unter einer „aktiven“ Krankheitsphase?
Und wenn du mit „esoterisch“ Glauben meinst, dann ist mein Weg nicht nur angehaucht, sondern dann ist er so. Ja, ich glaube und stehe auch dazu.

Nun möchte ich noch allen einen guten Abend wünschen, viele Momente, die einem gut tun.

Alles Gute
Evelyn

Geändert von evelyn-wieda (06.10.2013 um 19:17 Uhr) Grund: Fehlerteufel
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  #47  
Alt 06.10.2013, 23:43
Kerejon Kerejon ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Liebe Evelyn,

Vielen Dank für Deinen Beitrag, ja für alle Deine Beiträge. Es ist in meinen Augen schon interessant, wie sehr dieses Thema und folgende Beiträge einen großen Zuspruch bringen. Ich lese Beiträge von Angehörigen ( teils trauernd) und Betroffenen, doch ein Muster in den niedergeschriebenen Gedanken sehe ich nicht, teils, weil es meine Situation nur unzureichend wiedergibt und ich mir auf keinster Weiße anmaßen möchte, diese zu beurteilen. Darum der Satz mit den Helden, denn... Um ehrlich zu sein, kostet es mich ein jedes mal eine nicht unerhebliche Überwindung hier etwas zu schreiben. Kämpfen oder nicht? Ist das überhaupt ein Kampf? Machen meine Zellen nicht sowieso was sie wollen? Ich stecke mittendrin in diesem Zwist und warte nur noch auf die Richtung in die sich die Waage neigen wird... Dann sehe ich weiter...

Euch meine besten WÜnsche und liebe Grüße

Kerejon

Geändert von Kerejon (06.10.2013 um 23:46 Uhr)
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  #48  
Alt 07.10.2013, 01:55
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HelmutL HelmutL ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Naja, Kerejon,

es schadet bestimmt nicht, wenn man auf die Waage mal ein kleines Gegengewicht legt, um sie für sich günstiger zu stimmen. Deine Zellen machen nur scheinbar das, was sie wollen. Höchstens das, was sie nach den Regeln von Chemie und Physik tun müssen. Leider sind uns diese Abläufe, die Regeln, nicht so genau bekannt, als dass wir immer genau das richtige Gegengewicht fänden. Ein Gegengewicht gibt es, welches immer passt: das mentale, emotionale. Nicht zu unterschätzen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man als Betroffener oft mitten im Wald steht und nicht weiß, für welchen Baum man sich entscheiden soll. Versteht mich nicht falsch. Ich meine das in dem Sinne: welchen Baum verarbeite ich zu Brennholz, damit die Suppe am köcheln bleibt.

Das ist auch genau das Gegengewicht von dem Evelyn und andere schreiben: "Sich nicht bestimmen lassen", "sich auf das Leben konzentrieren". Im Prinzip ist es ja auch ziemlich egal, wie man das ausdrückt. Ob so oder so. Der Weg ist das Ziel und da sind viele Mittel einfach nur recht.

Oben irgendwo hab ich mal von Wortbedeutung gesprochen. Oft lohnt sich auch die Mühe, mal bei Tante Wiki oder ihren Verwandten rein zu schauen, woher ein Wort kommt und was es im eigentlichen Sinne bedeutet. Der heutige Gebrauch, bzw. der persönliche Sinn, kann sich davon gewaltig unterscheiden.

Evelyn, ich gebe dir recht, was das Hineinversetzen in die Psyche anderer betrifft. Das ist ne gefährliche Kiste und Irrtümer können fatale Folgen haben. Ich bin ja kein Psychologe oder ähnliches und selbst die liegen manchmal daneben. Nur, ich habe eine wichtige Erfahrung gemacht: wenn man es zumindest versucht, sich der Gefahr bewusst ist, sich bewusst ist, vielleicht den anderen zu verletzen und/oder auch sich selbst und die eigene Angst davor beherrschen kann ... wie kann man sonst jemandem ernsthaft helfen? Im realen Gespräch schaue ich meinem Gegenüber in die Augen: sie sind das Fenster zur Seele. Ich beobachte ihn (oder sie) und mit etwas Erfahrung kann man durchaus sehen, ob man richtig oder falsch liegt und entsprechend reagieren und ganz vorsichtig weiter tasten oder einen Rückzieher machen. Das braucht schon etwas Mut. Hier, im geschriebenen Leben, ist das schon wesentlich schwieriger, manchmal unmöglich.

Zum Thema Entscheidungen. Eine Entscheidung ist immer richtig, wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen gefällt wurde. Selbst dann, wenn sie falsch war.

Für mich ist das eine eiserne Regel geworden. Hat lange gedauert. Ohne diese Regel hätte ich heute noch an so manchen Dingen gehörig zu knabbern. Nur die wenigsten Betroffenen oder Angehörigen sind Mediziner oder gar allwissend. Der Arzt hat seinen Beruf studiert und besitzt entsprechende Erfahrung und ein großes Fachwissen. Der Betroffene oder Angehörige ist meist absoluter Laie und soll von Null auf Hundert quasi zum Arzt werden? Man sollte sich dieses Umstandes schon bewusst sein oder es zumindest später werden. Natürlich gibt es Betroffene, die nach einiger Zeit in Bezug auf ihre Erkrankung so manchem Facharzt mehr als nur das Wasser reichen können. Doch das ist nicht die Regel.


Eine gute Nacht,

Helmut

PS: Übrigens, J.F., die Blumen behalte ich, die bekommst du nicht mehr zurück.

Nochn PS: Wieso nur zwei (2) Sätze?
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  #49  
Alt 07.10.2013, 11:15
J.F. J.F. ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Zitat:
Zitat von HelmutL Beitrag anzeigen
Oben irgendwo hab ich mal von Wortbedeutung gesprochen. Oft lohnt sich auch die Mühe, mal bei Tante Wiki oder ihren Verwandten rein zu schauen, woher ein Wort kommt und was es im eigentlichen Sinne bedeutet. Der heutige Gebrauch, bzw. der persönliche Sinn, kann sich davon gewaltig unterscheiden.

PS: Übrigens, J.F., die Blumen behalte ich, die bekommst du nicht mehr zurück.

Nochn PS: Wieso nur zwei (2) Sätze?

Hallo Helmut,

och , ich weiß die Definition von Diskussion schon und bin mir auch nicht zu schade Begriffe nachzuschlagen. Und sie dann trotzdem aus meiner Sicht nicht zu mögen und dies auch zu erläutern .
Und ist dies nicht gerade der Grund dieses Threads? Definitionen, Auslegungen zu besprechen, Vergleiche heranzuziehen?

Keine Angst, die Blümchen darfst Du getrost behalten . Ich habe Dir diese schon des öfteren offeriert Wer kann, der kann ...

Ja, ich habe mich nur zweimal gefragt, hmmm, watt soll mir das sagen
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Viele Grüsse
JF



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  #50  
Alt 07.10.2013, 17:25
simi1 simi1 ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Hallo,

vielen Dank für eure Beiträge, die mich zum weiteren Nachdenken angeregt und auch ein wenig Entlastung für mein Gewissen gebracht haben.

Zitat:
Zitat von evelyn-wieda Beitrag anzeigen
Im Nachhinein sieht es vielleicht falsch aus, doch es hätte auch anders ausgehen können, dann würde die Entscheidung richtig aussehen
Du hast natürlich recht, Evelyn: Wir haben bei Erstdiagnose und den beiden vorangegangen Rezidiven im Nachhinein nie überlegt, ob unsere Entscheidung richtig war. Sie war ja in Remission, es ging ihr besser und wir hatten die Hoffnung, dass die Leukämie nicht wieder kommt. Im übertragenen Sinne galt das alte Sprichwort: Wer heilt hat recht!

Dennoch lassen sich Zweifel und Schuldgefühle nicht unterdrücken. Es drängt sich stets die Frage auf, ob uns die Hoffnung blind für die Realität gemacht hat. Oder um bei den Sprichworten zu bleiben: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

Haben wir es vielleicht doch zu "weit getrieben"? War unser Handeln durch und durch verantwortlich? Gab es nicht im Therapieverlauf Stationen, an denen wir hätten innehalten und eventuell unsere Entscheidungen revidieren müssen?
Und die Kernfragen: Hat unser Verhalten möglicherweise unserer Tochter das Gefühl vermittelt, für uns kämpfen zu müssen? Haben wir sie unbewusst unter Druck gesetzt - ihr eine selbstbestimmte Entscheidung unmöglich gemacht?

Mit dem Wissen um den Ausgang, haben wir jedenfalls ganz klar zu lange gekämpft. Sie hatte keine Lebensqualität mehr. Wir konnten langgehegte Wünsche nicht mehr erfüllen.
Das sei alles nicht wichtig, meinte sie in ihren letzten Tagen, Hauptsache wir seien bei ihr und ließen sie nicht alleine. Alleine dieser Wunsch hat Erfüllung gefunden.

Lieben Dank und alles Gute euch allen
Simi

Geändert von simi1 (07.10.2013 um 17:35 Uhr) Grund: Tippfehler
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  #51  
Alt 07.10.2013, 20:31
evelyn-wieda evelyn-wieda ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Einen netten Gruß in die Runde,

Lieber Kerejon,
ich glaube, ein Muster wirst du auch nicht finden können. Weißt du, wir alle, ob Betroffene, Angehörige, Behandelnde sind alle anders mit eigenen Vergangenheiten, unterschiedlichsten Gedanken, Gefühlen, Diagnosen und all das prägt das JETZT des jeweiligen.

Genau aus diesem Grund sind für mich Krebsformeln, Prognosen oder Statistiken so was von wurscht, es ist für mich ein Zahlensalat, der mir nicht schmeckt. Ich bin kein Zahlenmix, ich bin ein Mensch und Menschen fallen aus all den festgeprägten Mustern heraus oder passen nicht hinein, weil sie so unterschiedlich sind wie Regentropfen und ja, auch hin und wieder Wunder erleben. Und davon gibt es glaube ich mehr, als wir denken.

Vielleicht magst du ja auch ein wenig Glaube, Hoffnung, Vertrauen in die eine Waagschale deiner Lebenswaage legen und aus der anderen Seite etwas Zahlensalat, Angst, Kopfkino nehmen.
Dein gemaltes Bild mit der Waage ist schön und treffend und ich male einfach einmal weiter. Denn ich weiß, wie schwer es war, sich überhaupt zu bewegen, weil ich eine Heidenangst hatte, in welche Richtung die Waagschale ausschlagen könnte.
Ich habe auch ausgeharrt, ich war versteinert.
Dann erkannte ich, dass das nur ein Stillstand war, ein immer tieferes Versinken und das wollte ich nicht mehr, ich wollte vorwärts gehen – egal wohin, nur vorwärts gehen und aus dem schwarzen Tal wegkommen. Und siehe da, schon mit einer kleinen Veränderung meiner Position sah ich Sonnenlicht – sprich, ich veränderte meine Einstellung und meinen Fokus.

So wünsche ich dir von Herzen, dass du ein ganz klein wenig die Waagschale beeinflusst und freue mich sehr, wieder von dir zu lesen.

Lieber Helmut
Na, was soll ich schon schreiben, wie: du hast dich wieder perfekt ausgedrückt. Bist ein Meister des Wortes und es ist gut, dass du hier bist.

Was du über das Hineinversetzen in die Psyche anderer schreibst ist höchst interessant und ja, es gehört eine gehörige Portion Mut und Fingerspitzengefühl dazu. Selber bin ich auch gerne so eine Zuhörtante und gebe meinen eigenen Senf kund. In einem anderen Thread habe ich einmal darum gebeten, dass mir die Beteiligten erklären, warum sie so denken. Ich konnte es nicht verstehen und wollte es unbedingt. Eine Frau antwortete mir sinngemäß: Du musst das auch nicht verstehen, weil du es auch gar nicht verstehen kannst, sondern es ist schon gut, wenn du es akzeptierst.
Und richtig. Sie hatte recht. Ich kann gar nicht wie andere fühlen und denken, aber ich kann sie achten, respektieren und akzeptieren. Dabei ist für mich wichtig, dass ich ungeheuer viel lernen kann und dass mich solche Diskussionen zum Nachdenken anregen und mir wieder neue Wege eröffnen.

Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.

Ferner schreibst du:
Zitat:
Eine Entscheidung ist immer richtig, wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen gefällt wurde. Selbst dann, wenn sie falsch war.
Dem möchte ich mich einfach nur gerne anschließen.

Liebe Simi,

deine Zeilen berühren mich und ich kann es mir gar nicht vorstellen, wie schwer es ist, ein Kind zu verlieren. Aus all deinen Worten geht Traurigkeit und Ohnmacht hervor, die euch begleitet. Ich bin voller Mitgefühl für eure Situation, für dich.

Was ich lese, ist Liebe zu euer Tochter, große tiefe Liebe und das man um das Leben eines Kindes ringt, das man nicht verlieren will. All deine vielen Fragen, die du als Mutti stellst, verstehe ich.

Doch weißt du, wir sind Menschen mit Gefühlen und du kannst nicht einfach als Mutter mit einem Schalter deine Gefühle, deine Liebe zu deinem Kind ausschalten und plötzlich völlig rational denken und handeln. Das geht nicht. Hier sind andere Partner gefragt, wie Ärzte, Pflegepersonal, Therapeuten – sie sollten den anderen, klaren Blick haben und beratend zur Seite stehen. Es ist und war eine Ausnahmesituation, die so viele Entscheidungen gefordert hat und wo ihr einfach nach euren Empfindungen mit eurem Kind entscheiden musstet.

Keiner weiß, wie viel mehr und wie lange sie wirklich Lebensqualität gehabt hätte, wenn ihr euch anders entschieden hätte.

So erlaube ich mir einfach, dich zu umarmen. Danke, dass du so offen bist und ich ein Stück von deinem Weg spüre.

Ich wünsche dir liebevolle Erinnerungen mit deinem Kind und Kraft dafür, dass du irgendwann dein Kopfkino ausschalten kannst.

Alles Liebe
Evelyn

Und allen anderen wünsche ich eine Lebenswaage, die sich meistens in der Waage hält, und immer das eine oder andere Gewicht für einen positiven Ausgleich.

Evelyn
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  #52  
Alt 08.10.2013, 08:57
eldo eldo ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Ihr Lieben Alle,

es ist wohltuend, Eure Beiträge zu lesen und zu verarbeiten.

Dem, was die Evelyn geschrieben hat, ist nichts hinzuzufügen.

Ich wünsche Euch eine gute Zeit mit viel Kraft und auch Mut.

Manfred
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  #53  
Alt 08.10.2013, 11:48
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HelmutL HelmutL ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Liebe Simi,

dem, was Evelyn dir geschrieben hat, ist nichts hinzu zu fügen. Ich möchte dir nur noch folgendes sagen: den Satz über Entscheidungen und das, was Evelyn über Gefühle schreibt, das habe ich sehr früh gewusst, doch bis ich das auch begriffen, verinnerlicht, akzeptiert habe, hat lange gedauert. Das Wissen alleine ist noch lange nicht die Erkenntnis. Ich weiß, das nagt und zerrt im Gewissen und lässt keine Ruhe. An anderer Stelle habe ich dir schon mal geschrieben: du brauchst Zeit. Nimm sie dir.

Ich glaube, der Schlüssel liegt darin, dass es für so einige Fragen keine Antwort gibt und die menschliche Lösung darin liegt, mit ihr irgendwann Frieden schließen zu können. Dazu vielleicht dieser Satz deiner Tochter:
Zitat:
Zitat von simi1 Beitrag anzeigen
Das sei alles nicht wichtig, meinte sie in ihren letzten Tagen, Hauptsache wir seien bei ihr und ließen sie nicht alleine.
Damit hat sie vollkommen recht. Mit 'nicht alleine' meinte sie nicht nur, dass ihr ihre Hand gehalten habt. Ihr habt zusammen gekämpft, gerungen, wie immer man es ausdrücken will und noch was ganz Wichtiges: ihr habt euch auch zusammen gefreut, wenn es ihr gut ging und habt sicher auch zusammen gelacht und hattet glückliche Stunden, Tage, Zeiten. So intensiv, wie ihr sie anders nicht gehabt hättet. Ihr habt auch schöne Dinge erlebt, für die andere ein ganzes Leben brauchen oder vielleicht niemals erleben. Ihr zusammen, die ganze Familie. Ihr habt das für sie und mit ihr gemeinsam getan. Alles! Nicht, weil 'man das so macht als Mutter oder Vater', sondern weil ihr euch geliebt habt. Dafür dankt sie euch in diesem Satz.

Der Professor meiner Frau rief mich auf dem Nachhauseweg aus dem Auto an und sagte mir entsprechendes. Ich wusste sofort, dass er recht hat. Doch es hat lange gedauert wirklich auch zu begreifen und zu verinnerlichen, dass das mein Schlüssel ist.

Zitat:
Zitat von evelyn-wieda Beitrag anzeigen
Ich kann gar nicht wie andere fühlen und denken, aber ich kann sie achten, respektieren und akzeptieren. Dabei ist für mich wichtig, dass ich ungeheuer viel lernen kann und dass mich solche Diskussionen zum Nachdenken anregen und mir wieder neue Wege eröffnen.
Wie andere fühlen und denken, das geht nicht. Stimmt. Doch bei aller Achtung und allem Respekt darf man Fragen stellen, wenn man verstehen will. Das mit dem Akzeptieren ist schon komplizierter. Den zweiten Satz kann ich voll unterstreichen. Ist ja auch der Sinn des miteinander Redens. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass ich danach meine eigene Meinung revidieren muss.


Liebe Grüße und einen guten Tag,

Helmut
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  #54  
Alt 10.10.2013, 12:13
simi1 simi1 ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Liebe Evelyn,
lieber Helmut,

seit Tagen versuche ich nun eine Antwort auf eure wertvollen Beiträge zu formulieren. Leider vergeblich ...

Es wirbelt soviel in Kopf und Seele: Trauer, Schuld, Angst, Verzweiflung, Ohnmacht, Resignation, Hoffnungslosigkeit, Sehnsucht ... unbeschreiblicher Schmerz.

Andererseits ist da auch die Einsicht, dass nicht alles mit dem Verstand beherrschbar ist. Immer wieder blitzt ein Hoffnungsschimmer auf, irgendwann meinen Frieden mit allen Entscheidungen schließen und das Schicksal akzeptieren zu können.

Ja, beim Lesen und Überdenken eurer Worte spüre ich Hoffnung, dass eines Tages die schönen Gefühle die Oberhand gewinnen können: Erinnerung, Dankbarkeit, Freude, Zuversicht, Stolz, Frieden ... unendliche Liebe. Das gibt neuen Mut, die Tage anzugehen, sich durchzukämpfen, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Will jetzt gar nicht weiter Drumherum reden, wo passende Worte fehlen, sondern euch einfach von Herzen Dankeschön sagen - für eure Gedanken, für euer Einfühlungsvermögen, für eure Zuwendung, für euren Trost!

Liebe Grüße
Simi

Geändert von simi1 (10.10.2013 um 12:14 Uhr) Grund: Tippfehler
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  #55  
Alt 10.10.2013, 19:41
evelyn-wieda evelyn-wieda ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Liebe Simi,

manchmal braucht es keine Worte, weil man es fühlt. Ich mag dich ganz lieb still umarmen und ein wenig festhalten, mehr nicht, denn alles ist gesagt.

Es gibt da dieses Sprichwort: Die Zeit heilt alle Wunden.

Ich persönlich mag es nicht so. Viel treffender wäre für mich vielleicht, dass die Zeit einen anderen Blickwinkel ermöglichen wird und man dadurch etwas klarer sehen und loslassen kann. Wie ich Kerejon schrieb, steht man manchmal in einem schwarzen Tal und versinkt immer mehr. Doch irgendwann verändert man seinen Standpunkt nur durch eine kleine Bewegung und kann plötzlich die Sonne sehen. Für deine kleine Bewegung nimm dir Zeit, Helmut schrieb es dir ja schon, egal wie lange es dauert, denn die Sonne wartet immer auf dich.

@ Manfred
Schön von dir zu lesen.

So wünsche ich allen, dass ein Lichtblick scheint und man danach greifen kann.

Evelyn
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  #56  
Alt 18.10.2013, 01:20
Kerejon Kerejon ist offline
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Ihre lieben,

Ich würde gerne ein nicht so ganz geliebtes Thema anschneiden, welches mIch gerade betrifft, aber zu dem ich leibend gerne eine Antwort hätte.

Aufgabe, bzw. Aufgeben. Wie bereits erwähnt setzt mir die Tablettenchemo extremst zu und ich bin gerade an einem Punkt gekommen, an dem mir das Leben einfach keinen Spass mehr machen will. Bisweilen tue ich gar nichts mehr, halte mich von Laboruntersuchungen fern. Verweigere selbst ärztliche Hilfe und esse kaum noch irgendetwas. Es ist ja gar nichts weltbewegendes passiert aber so ganz langsam und schleichend ist bei mir so etwas wie Resignation eingekehrt. Ich nehme meine Chemos und nicht mehr am Leben Teil. Um ganz ehrlich zu sein verlässt mich auch die Lust am Leben.

Wie ist das bei Euch? Gab es gleiche Phasen in Eurer Krankheitsbewältigung?

Liebe Grüße

Chris
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  #57  
Alt 18.10.2013, 02:46
Wangi Wangi ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Hallo Chris,

mir kamen zum Ende der Bestrahlung/Chemo auch solche Gedanken. Mir ging es sehr schlecht, ich konnte kaum noch etwas machen, war da schon 3 Wochen im Kh und konnte mich noch gerade so aufs WC schleppen.
ABER, meine beide erwachsenen Söhne waren zu der Zeit im Ausland, konnten mich nicht besuchen und ich hatte sie dadurch ja auch länger nicht gesehen. Und die wollte ich unbedingt wiedersehen und deshalb habe ich nicht aufgegeben!
Ich hatte regelrecht immer ein Bild vor Augen wie ich mich selber an den Haaren aus dem "Mist" heraus ziehe.
Ich kann deine Gedanken also verstehen, aber gib denen nicht nach so lange es sich lohnt weiter zu kämpfen.
Die Beschwerden der Behandlung gehen vorbei und danach ist das Leben meist wieder Lebenswert!
ich bin froh es überstanden zu haben und freue mich über jeden neuen Tag!

Liebe Grüße
Wangi
__________________
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  #58  
Alt 18.10.2013, 12:46
evelyn-wieda evelyn-wieda ist offline
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Lieber Chris,

ja, ich hatte auch so eine Phase.

Weißt du, mir ging es ja schon bescheiden schön, bevor überhaupt die Ursache gefunden wurde – ich konnte kaum noch essen und musste mich permanent übergeben. Dann, nach der ersten Chemo fiel ich in ein Loch, mental wie körperlich. Ich habe nur noch gek… - es ging gar nichts mehr. Also ab ins Krankenhaus und dort hat man sich alle Mühe gegeben, mich zu stabilisieren. Ganze 10 Tage dauerte dieses Spiel bis ich wieder heim konnte. Entlassen wurde ich in einem jämmerlichen Zustand, schwach, matt, so, als ob jemand alle Freude, Kraft und Mut aus mir gezogen hätte. Ehrlich, damals dachte ich wirklich, ich schaffe das nicht und war auch dabei, mich aufzugeben. Aber da kam mein Freund ins Spiel. Er hat mich aufgerüttelt und mir klargemacht, dass ganz viel von meiner eigenen Denkweise abhängt, dass ich der Entscheider in meiner Welt bin.

Chris, damals entschied ich mich für das Leben, für das Annehmen der Diagnose und der Begleitumstände der Behandlungen. Und glaube mir, ich habe es bis zum heutigen Tag nie bereut. Das Leben ist einfach schön, wenn auch anders.

Klar gab es auch in der zurückliegenden Zeit schwere Stunden, da denke ich einfach an Anfang letzten Jahres, wo ich 8 Wochen in einer Spezialklinik war, und es ziemlich knapp war mit dem Leben. Aber da habe ich nicht an mir gezweifelt und ich hatte ganz viel Vertrauen in meinem Körper und in die Ärzte. Aufgeben kam für mich nicht in Frage, sondern vorwärts gehen und wenn es auch manchmal nur winzig kleine Schritte waren/sind.

Chris, ich mag dich noch fragen, was für dich momentan so schwer ist. Sind es körperliche Begleitumstände, die dich umhauen oder ist es die Psyche, die dich nicht zur Ruhe kommen lässt, die dich ständig anspannt, so dass dein Körper sich auch nicht erholen kann? Was verursacht deine Resignation, deinen Stillstand?

Wangi hat da ein schönes Bild für sich entwickelt, das finde ich richtig gut. Danke dafür.

Ich stelle mir z. B. auch bildlich vor, dass ich völlig gesund, frei und leicht tanze, umher springe, laufe und renne und glücklich bin.

Und ähnliche Bilder wünsche ich allen, die sich aus solchen Phasen ziehen.
Alles Gute
Evelyn
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  #59  
Alt 21.10.2013, 21:16
Benutzerbild von Chilipeperli
Chilipeperli Chilipeperli ist offline
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Lieber Chris

Ich denke die Phase der Resignation macht jeder Krebspatient früher oder später durch.
Mir ist diese Phase auch nicht unbekannt. Sie kam, als ich durch die Bestrahlung vor Schmerzen im Rachen, dem Geschmacks - und Speichelverlust auf Astronautenfood angewiesen war. Und ich aufgrund dessen meine Ausbildung unterbrechen musste. Dass ich die Ausbildung trotz der Therapie weiterfahren konnte, auch wenn es nicht immer einfach war, gab mir Halt. Das Essen bedeutete Lebensqualität für mich und auch die wurde mir genommen. Da hab ich mir ernsthaft überlegt, macht das alles noch Sinn. Ist es mir dieses Leiden wert?
Ich denke, du weisst selbst, dass eine Krebserkrankung nicht nur eine körperliche Erkrankung ist sond. auch die Psyche regelrecht herausfordert.
Aber was sind denn überhaupt die Gründe, weshalb du ans Aufgeben denkst? Vielfach ist ja nur ein kleines Problem der Auslöser dafür. Aber diese kleinen Probleme haben es oft in sich und wenn sie nicht ernst genommen werden, entsteht daraus ein grosses Problem.
Aber ich finde jede/r darf auch mal schwach sein. Man muss nicht immer stark sein. Es steht dir zu auch mal zu sagen:"Ich mag nicht mehr, ich kann nicht mehr". Das heisst nicht, dass du aufgeben tust. Viel eher ist es auch eine Stärke, einmal Schwäche zuzulassen.
Redest du denn mit irgendjemandem über deine Gefühle bzgl. der Krebserkrankung od. schreibst du einfach hier? Ich kann mir vorstellen, dass es für dich als Mann vom Fach nochmals viel schwerer ist gerade über eine Erkrankung zu sprechen die einem selbst betrifft. Ich kann mir vorstellen, dass du das Gefühl hast, dass man von dir erwartet, dass du stark bist und es schaffst. Aber du bist auch nur ein Mensch, ein Mensch mit Gefühlen der sich auch mal zugestehen darf schwach zu sein. Nimm deine Gefühle ernst und stehe dir zu, dass du momentan, die Schnauze voll hast.

Viel Kraft und alles Gute
Chili
__________________
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
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  #60  
Alt 22.10.2013, 01:02
Kerejon Kerejon ist offline
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Standard AW: Kämpfen - Diskussion um das Kämpfen gegen die Krankheit

Hallo Chili,

Um mal ganz ehrlich zu sein, hab ich die Schnautze gerade gestrichen voll.
Auslöser war ein Abendessen mit meinen Wltern, die es nach wie vor ignorieren, meine Situation anzunehmen. Bei jedem Telefonat muss ich sagen..." Hallo? Ich habe Krebs... " ... Und ich muss ein jedes mal wieder erklären, wie es um mich steht... Ganz einfach, weil meine Family überhaupt keinen U Gang mit der Erkrankung kennt. Ich schon. Kennst Du die Canditis? Ist die Phase, in der jeder Student im klinischen Stadium sich die schlimmsten Erkrankungen, die er sieht auf sich selbst ummünst.... Ich dachte eine lange Zeit, dass ich ALS erkrankt sterben werde.... Später hat sich das alles relativiert und auf einmal... BUMM?.. Krebs, und damit es auch gleich interessanter wird, einer der seltensten seiner Art.... Prima. Mit vierzig. Und dann nehme ich an Treffen meiner Familie Teil und alles stürzt in sich zusammen, ich will es nicht wahrhaben, wiegele ab und verdränge alles... Mit dem Erwachen am nächsten Tag setzten die Nebenwirkungen meiner Chemo wieder ein, und alles stürzt wie eine Welle über Dir zusammen. Trotzdem gehst Du arbeiten, und es ist Dir peinlich, dass Du bei der Patientenaufklärung Schweißausbrüche bekommst.Spätestens um 12 ist dann Schicht weil es nicht mehr geht .... Hier eine Lebensqualität zu finden fällt mir zumindest zur Zeit sehr sehr schwer....

Lieben Gruß

Chris
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