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  #16  
Alt 15.08.2017, 22:59
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Ibis Ibis ist offline
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Standard AW: Krebsforschung + Ärzte

Hallo Lotol,

Du hast ja ziemlich eigenartige Vorstellungen, wie klinische Studien so ablaufen...

Ja, es ist richtig, dass Ärzte eine Aufwandsentschädigung für die Durchführung von Studien erhalten. Die Höhe dieser Summe muss aber vorher von einer Ethikkommission genehmigt werden und der Arzt wird damit nicht nur für den (oft nicht unerheblichen) Zeitaufwand honoriert, sondern er muss davon auch alle anfallenden Untersuchungen (Labor, Röntgen, Ultraschall, Lungenfunktion etc etc) aus eigener Tasche bezahlen, weil die Kassen im Rahmen von Studien nicht dafür aufkommen.

Auch scheint Dir nicht bewusst zu sein, dass klinische Studien gesetzlich (!!) streng reglementiert sind und engmaschig überwacht werden. Du kannst gerne mal nachlesen:
http://www.gesetze-im-internet.de/gcp-v/
http://ichgcp.net/de/
http://www.bundesaerztekammer.de/fil...ki_2013_DE.pdf

Zum Fälschen, Tricksen und Beschönigen von Ergebnissen bleibt da eher kein Raum... Und als probates Mittel gegen Voreingenommenheit werden die meisten Studien sowieso doppelblind durchgeführt - d.h. weder der Patient noch der Arzt wissen, wer welches Mittel bekommt (Prüfpräparat oder Standardbehandlung/Placebo).

Ibis
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Wenn das, was Du sagen willst, nicht schöner ist als die Stille - dann schweig.
(altes chinesisches Sprichwort)

Meine im Krebskompass verfassten Beiträge und eingestellten Bilder dürfen nicht ohne meine persönliche Zustimmung kopiert oder veröffentlicht werden.

Geändert von Ibis (15.08.2017 um 23:01 Uhr)
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  #17  
Alt 19.08.2017, 03:51
lotol lotol ist offline
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Standard AW: Krebsforschung + Ärzte

Hallo Ibis,

danke für die interessanten Hinweise zu klinischen Studien.

Ohne die vorher so genau zu kennen, ging ich schon davon aus, daß entspr. gesetzliche Regelungen existieren, um sicherstellen können, daß z.B. bei der Verabreichung von Krebs-Bekämpfungs-Medikamenten der Nutzen dominant überwiegend ist.

Zitat:
Zum Fälschen, Tricksen und Beschönigen von Ergebnissen bleibt da eher kein Raum...
Nachdem ich von Täuschen und Tricksen - in Analogie zum Dieselskandal - schrieb, nehme ich an, daß Du inzwischen Gelöschtes vorher im vorherigen Beitrag von mir noch gelesen hattest.

Die Löschung geht i.O., weil das von mir überspitzt bis polemisch formuliert war.


Bzgl. der (evtl. langandauernden) Beschönigung von Ergebnissen bin ich mir da nicht ganz so sicher, wie Du.
Denn m.E. dürfte das mehr oder weniger "systemimmanent" sein, weil so lange an Bewährtem "festgehalten" wird, bis es "nachweisbar" (z.B. durch Studien) als "überholt" eingeordnet werden kann.

Was Mehreres für die "Investoren" von ergebnisorientieren Studien beinhaltet:
1) Sie können ihre Investitionen kommerziell möglichst lange (rentabel) nutzbar machen.
2) Sie können sich dabei - unter Hinweis auf die Gesetzeslage - zurücklehnen und alles andere (neuere Erkenntnisse) "abtropfen" lassen.
Unter Hinweis darauf, daß erst mal Studien zu machen seien, bevor von 1) überhaupt "abgerückt" werden kann.
3) Mit 2) (Gesetzeslage) haben sie natürlich ein "starkes Argument" auf ihrer Seite, um 1) weiterhin laufen lassen zu können.

Zu 3):
Das ist v.a. deshalb ein sehr starkes Argument, weil es deckungsgleich mit mehreren Interessen ist:
a) Dem von Patienten, sowie
b) Dem des Gesetzgebers, und nicht zuletzt
c) Dem der Investoren

Definitiv kann man so ein Argument wohl nur dadurch "entkräften", indem man nachweist, daß es für Patienten Besseres gibt.
Und wer soll das nachweisen?
- Patienten können das nicht tun, weil sie Einzelfälle sind
- Der Gesetzgeber "hält sich dabei raus"
- Investoren sind nur dann daran interessiert, wenn ihre "alten Felle" auf Grund neuer Erkenntnisse "den Bach runtergehen"

Zitat:
Und als probates Mittel gegen Voreingenommenheit werden die meisten Studien sowieso doppelblind durchgeführt - d.h. weder der Patient noch der Arzt wissen, wer welches Mittel bekommt (Prüfpräparat oder Standardbehandlung/Placebo).
Im Endeffekt gibt es Ergebnisse, mit denen sich die Leute, die daran arbeiteten, "identifizieren".
Weshalb ich auch nicht glaube, daß irgendjemand unvoreingenommen sein kann.

Denn Unvoreingenommenheit ist zwar ein hehrer Anspruch, der aber in der Realität kaum durchführbar sein dürfte.
Weil wohl jeder im "Elfenbeinturm" seines Denkens befangen ist.
Bzw. voreingenommen durch das, womit er sich permanent erfolgsorientiert beschäftigt.

Wie man so etwas "durchbrechen" kann, weiß ich auch nicht.
Vielleicht durch mehr staatlich finanzierte Grundlagenforschung?


Liebe Grüße
lotol
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Krieger haben Narben.
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  #18  
Alt 19.08.2017, 12:44
Cecil Cecil ist offline
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Beiträge: 557
Standard AW: Krebsforschung + Ärzte

Dass es Studien gibt und dass sie so vermeintlich bürokratisch ablaufen, haben wir Fällen wie Contergan und Tegenero (TGN1412) zu verdanken:
https://de.wikipedia.org/wiki/Klinis...e_Studientypen
Und das ist mE (selbst ehemals Teilnehmerin einer Phase-II-Studie, die inzwischen kurz vor Ende der Phase III steht) auch gut so.

Der Problematik durch Sponsoring ist man sich durchaus bewusst:
https://de.wikipedia.org/wiki/Klinis...udie#Sponsoren
und versucht dem mehr oder weniger energisch zu begegnen, hier für D:
https://de.wikipedia.org/wiki/Arznei...lle_Neuerungen
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  #19  
Alt 20.08.2017, 12:21
Safra Safra ist offline
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Beiträge: 492
Standard AW: Krebsforschung + Ärzte

Hallo,

Zitat:
Denn Unvoreingenommenheit ist zwar ein hehrer Anspruch, der aber in der Realität kaum durchführbar sein dürfte.
Weil wohl jeder im "Elfenbeinturm" seines Denkens befangen ist.
Das mag zwar sein, aber wenn ich nicht weiß, was ich da einsetzte, und die Auswertungen an anderer Stelle vorgenommen werden, dann kann ich nicht erkennen ,wie sich Voreingenommenheit äußern soll.

Zitat:
Vielleicht durch mehr staatlich finanzierte Grundlagenforschung?
Wer, lieber lotol, soll das denn bezahlen? Noch höhere KK- Beiträge, Steuern usw.? Ist dann ausgeschlossen, dass keine Beeinflussung stattfindet. Grundlagenforschung findet auch so nicht nur durch Pharmafirmen statt.

Safra
__________________
"Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens."
Friedrich Wilhelm Nietzsche
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