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  #1  
Alt 01.11.2017, 11:37
desireh desireh ist offline
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Standard Mami

Allerheiligen und der Himmel ist mittlerweile strahlend blau. Sehe keine einzige Wolke. Mir fällt gerade ein, wie wir uns über diesen Feiertag "lustig" gemacht haben. Da er hier in Zürich kein Feiertag ist aber alle katholischen Kantone frei haben und dann die Bahnhofstrasse verstopfen. Wie du dich darüber aufregen konntest...

Ach Mami.

Gestern waren es drei Wochen, seit dem sie für immer eingeschlafen ist. Ich war den ganzen Tag irgendwie wütend und von der Rolle. Musste wieder auf einem Amt anrufen um Informationen zu bekommen und wiedermal war die Frau am anderen Ende richtig unfreundlich. Bei der Arbeit habe ich wieder den riesen Vorweihnachtsstress, die ganze Weihnachts-Kampagne läuft auf Hochtouren und ich sehe vor lauter Mäppchen meine Tischplatte gar nicht mehr. Bei der Arbeit haben alle schon vergessen, was passiert ist. Oder es scheint einfach so. Drei Wochen und es kommt mir vor wie gestern.

Am Samstag waren wir bei ihr und sie hat noch rumgeblödelt. Sie war aber auch sehr müde und wir sollen wieder gehen. Sie hatte schon etwas Schmerzen in der Leiste. Auch wenn wir eigentlich bleiben wollten, haben wir natürlich ihren Wunsch akzeptiert, wir kommen ja morgen wieder. Sonntag hat die Pflege angerufen, sie wisse das wir kommen aber ob es evtl. etwas früher ginge? Ihre Schmerzen werden immer mehr und die Morphiumtropfen nützen nichts mehr, sie werden dir jetzt das Morphium spritzen. Den ganzen Nachmittag war ich bei ihr, sie hat einfach geschlafen und ist immer wieder aufgeschreckt, aber ich war da. Montagmittag bei der Arbeit klingelt wieder das Telefon... Wenn ich möchte soll ich doch vorbeikommen, sie glauben es geht nicht mehr lange... Von 14.30 Uhr bis nach Mitternacht war ich bei ihr. Sie hat nur geschlafen aber ist immer wieder aufgeschreckt und hat geschrien. Sie hat mich aber nicht mehr taxiert, ich weiss gar nicht ob sie gemerkt hat, ob ich da war? Immer wieder hab ich Mama von unserer neuen Wohnung erzählt oder sonst was, sie ist dann gleich wieder weggedöst.

Nach Mitternacht konnte ich dann nicht mehr. Mein Kopf hat richtig gehämmert. Die Rasselatmung wurde immer stärker. Habe mich verabschiedet und ihr versichert, dass alles gut ist. Dass ich ihr schon lange verziehen habe und sie kein schlechtes Gewissen mehr haben muss. "Ich komme um 8.00 Uhr wieder, Mami!"

Die letzten 3.5 Monate habe ich sie an jeden Termin gefahren, habe Bücher gewälzt und habe für sie bei den Ärzten gesprochen. Irgendwie brauchten wir diese Monate, diese plötzlich enge Bindung. Sie hat mir immer wieder gedankt: "Wieso machst du das nur alles. Was du alles machst, es ist einfach der Wahnsinn!" Wieso ich das mache? Weil du doch meine Mama bist. Egal was alles schief lief, egal wenn wir uns nie so nahe waren und auch egal, dass ich mit 14 in eine Pflegefamilie musste, weil du Probleme hattest. Du bleibst halt einfach meine Mama.

Natürlich habe ich zu Hause auch kaum geschlafen. Am Morgen habe ich noch Mails für die Firma geschrieben, dass der Lehrling sicher auch Arbeit hat und man auf ihn schaut. Mama's Schwägerin hat dann auch noch angerufen, sie kämen am Nachmittag. Das Telefonat hat gefühlte Stunden gedauert. Auf dem Weg war noch ein Traktor vor mir und statt 60 konnte ich nur 30 fahren. Bin wieder viel zu spät! Um 8.24 Uhr bin ich auf den Parkplatz gefahren und als ich beim Wohnheim klingelte, hatte ich ein ganz komisches Gefühl. Irgendwas stimmte nicht... Ich lief durch die Pflegewohnung, es lächelten mich alle an. Also ist noch alles in Ordnung? Nein, irgendwie ist gar nichts in Ordnung. Meine Schritte wurden schneller und als ich um die Ecke zu ihrem Zimmer abbog, kam die Stationsleitung mit Tränen in den Augen aus dem Zimmer und ich wusste: "ich bin zu spät!"

8.25 Uhr hat Mama im Beisein der Putzfrau aufgehört zu atmen (welche sie über alles mochte!). Sie hat ausgesehen als würde sie einfach schlafen aber das Zimmer war so ruhig. Keine Rasselatmung, nichts. "Wir haben sie auf den Parkplatz fahren sehen und ich habe ihrer Mutter gesagt, dass sie gleich da sind!" Von allen Seiten habe ich schon gehört, dass die Sterbenden selber auswählen wie sie gehen. Aber dennoch habe ich noch immer Mühe damit. Hätte ich nicht die ganze Nacht bei ihr bleiben sollen?

Die Beerdigung war sehr schön. Blauer Himmel wie heute. Der Hund durfte auch dabei sein. Ihr Hund, den ich aber seit 2009 bei mir habe, da Mama ja den Schlaganfall hatte und alles neu lernen musste. Der Hund hat bei der Beerdigung noch gejammert, hat sie gemerkt was los war? Oder war es einfach die Stimmung von mir?

Vor der Beerdigung hatte ich noch Knatsch mit Papa. Seine blöde Schwester (und meine blöde Tante) die Mama sowieso nie gemocht hat, war sauer, weil sie kein Todeskärtchen erhalten hat. Aber warum sollte ich ihr auch eins schicken? Sie hat immer blöd über Mama gelästert, meine Eltern sind seit 17 Jahren geschieden und sie hat auch nie nach Mama gefragt. Aber dann an die Beerdigung kommen wollen und eingeschnappt sein? Verstehe ich nicht.

Ich habe das Gefühl ich konnte noch gar nicht richtig trauern. Die ganze Zeit rufe ich auf irgendwelchen Ämtern an oder habe die Beiständin von meiner Mama am Telefon. Es sind noch Schulden offen, obwohl Mama noch etwas Geld hatte. Habe 3 Monate Zeit um die Erbschaft anzunehmen oder abzulehnen und keiner möchte einem helfen. "Das weiss ich leider auch nicht! Frau XY ist 2 Wochen in den Ferien, rufen sie dann nochmals an!" Alles Geld der Welt ist mir eigentlich egal, am Besten schlage ich das Erbe einfach aus und muss mich nicht mit Behörden rumschlagen die noch Geld möchten... Wieso wurden denn Schulden nicht einfach beglichen? Nächste Woche geht es zum Anwalt.

Kann mich auf nichts konzentrieren und es fällt mir alles so schwer.
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Mami, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs
28.8.1950-10.10.2017

Papi, Prostatakrebs

Geändert von desireh (02.11.2017 um 12:52 Uhr)
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  #2  
Alt 07.11.2017, 10:06
desireh desireh ist offline
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Dienstag, zwar stimmt das Datum nicht aber heute vor vier Wochen konnte mein Mami für immer einschlafen. Die Welt steht für mich noch immer jeden Tag um 8.25 Uhr kurz still. Ich fühle mich wie in einer Blase. Manchmal wähle ich die Nummer von Mama, nur um zu hören, dass dieser Anschluss nicht mehr gültig ist. Das Blumenherz am Grab war am Samstag noch immer da, ein paar Blumen sehen noch mega schön aus. Auch wenn ich sonst "gefestigt" wirke, überkommt es mich an ihrem Grab immer wieder. Tränen über Tränen.

Wir mussten dann noch an die Beerdigung denken und lachten. Mama's Lieblingsmitbewohner in der Pflegewohnung war auch an der Beerdigung und hat nicht verstanden, was jetzt passiert (als jeder etwas Erde über die Urne schütten konnte). "Was müssen wir jetzt machen? Ach ja, Dreck drüber und gut ist." So unpassend, dass wir nur lachen konnten. Mama, du hättest mit mir zusammen am lautesten gelacht.

Heute geht es noch zur Anwältin, ich hoffe fest, dass sie mir mit den Erbschaftsfragen etwas weiterhelfen kann. Blick da überhaupt nicht mehr durch.
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Mami, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs
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Papi, Prostatakrebs
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  #3  
Alt 09.11.2017, 22:19
sailha sailha ist offline
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Hallo,
wollte nicht gehen ohne was geschrieben zu haben. Fühle mich ähnlich. Schwipa am 2.11. für immer gegangen, morgen Verabschiedung und ich fühle mich, wie wenn ich nur bei Ämtern und Banken anlaufe. Alle halten gleich die Hand auf, nur damit es schön einfach ist. Ich fühle mich traurig und gleichzeitig grantig, weil nichts geregelt wurde.
Ich wollte nur sagen, ich verstehe, wenn Du schreibst, die Trauer ist überschattet.
LG
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Ilse gestorben 13.03.2011 (Bauchspeicheldrüsenkrebs) - 6 Wochen zwischen Diagnose und Tod

Gustl gestorben 02.11.2017 (Blasenkrebs und Diabetes)
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  #4  
Alt 10.11.2017, 10:18
Sammy84 Sammy84 ist offline
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Jetzt habe ich deinen Thread auch gelesen und ich finde, dass du wirklich sehr berührend schreibst. Deine Mama hat sich schon nach einem Schlaganfall wieder ins Leben kämpfen müssen und dann kam auch noch der Krebs? Obwohl ich weiß, dass jeder im Leben sein Päckchen zu tragen hat und niemand vor solchen Dingen verschont bleibt, frage ich mich zur Zeit wieder immer öfter, warum manche Menschen mit vielen Schicksalschlägen gestraft werden und andere kaum. Es ist nicht fair, es würde auch nicht besser werden, wenn es allen gleich schlecht ergehen würde, aber es macht einfach irgendwie keinen Sinn. Man muss es hinnehmen, ob man will oder nicht. Ich bin mit meinen Eltern auch durch lange Zeiten gegangen, in denen wir uns nicht gut verstanden, aber ich bin sehr froh und dankbar, dass wir seit Jahren eine sehr innige Beziehung hatten. Wäre schön gewesen, wenn wir länger was davon gehabt hätten, aber man kann es nun nicht ändern. Weihnachten wird seltsam anders werden. merkwürdiger weise freue ich mich tatsächlich auf diese besinnliche Zeit, fast noch mehr als all die Jahre davor. Wahrscheinlich, weil dieses Jahr einfach so furchtbar war und ich mich nach etwas ruhe sehne. aber lebkuchen kaufen, dekorieren und all das, das kann ich noch nicht... wir werden es in diesem Jahr ohnehin ganz anders machen als sonst. Mir erscheinen viele dinge momentan einfach sehr unwichtig.

Die Nummer meines Vaters wähle ich zwar nicht bzw. das ist ja noch die Festnetznummer meiner mutter, aber ich sehe immer noch jeden Tag sein Facebookprofil und alte Nachrichten, die wir geschrieben haben. Es gibt kaum Bilder von ihm, aber ich bin froh über einige Videoaufnahmen auf denen er gemeinsam mit meiner Nichte drauf ist. Auch meine Kinder, sollte ich je welche haben, werden ihren opa nicht kennenlernen. genauso wie ich als kind, weil mein opa schon lange vor meiner geburt an muskelschwund verstorben war. Ich hätte ihn gern kennen gelernt, ich hab es immer vermisst einen opa zu haben. nun wird es meinen kindern genauso gehen, aber ich habe wenigstens diese videoaufnahmen, damit ich mich erinnern kann, wie er als opa war und damit meine kinder sehen, was für einen tollen opa sie gehabt hätten.
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  #5  
Alt 10.11.2017, 15:06
Oregano Oregano ist offline
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Standard AW: Mami

Ich lese still bei dir mit und bin auch sehr berührt von deinen Zeilen....
Fühl dich ganz lieb gedrückt....
O.
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  #6  
Alt 12.11.2017, 19:42
desireh desireh ist offline
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Standard AW: Mami

Liebe sailha
Mein herzliches Beileid zu deinem Verlust. Ich hoffe die Beerdigung war bei euch schön? Danke für deine Worte. Bin irgendwie froh, geht es mir nicht alleine so. Fühle mich teilweise so unmenschlich, weil mich das ganze so nervt und ich eigentlich nur traurig sein sollte.

Liebe Sammy
Genau, im August 2009 kam der Schlaganfall. Mein Mami musste alles neu lernen. Laufen, reden, etc. Alleine wohnen ging nicht mehr, darum kam sie in eine Pflegewohnung. Wo es ihr aber zum Glück sehr gefiel und sie immer voller Stolz "die Jüngste" war. Sie war auf jeden Fortschritt unglaublich stolz. Am 26. Juni kam dann die Diagnose Lungenkrebs. Es ging so unendlich schnell! Die Frage "Warum?" habe ich schon lange aufgegeben. Wir hatten schon ein paar Schicksalsschläge und das Schönste was man machen kann, ist einfach positiv und fröhlich zu bleiben. Das gibt sehr viel Kraft! Aber unfair ist es sowieso. Du bist also der totale Weihnachtsfreak? Finde ich schön, ich mag Weihnachten überhaupt nicht... Und habe darum auch noch mehr Angst als sonst davor. Finde zur Zeit musst auch nur DU wichtig sein! Alles andere lass einfach mal unwichtig! Wünsche dir ganz viel Kraft!


Liebs Mami
Der Freitag 10.11. war schrecklich. Ich habe mich so davor gefürchtet, 1 Monat ist es her (nach dem Kalender). Mein Freund wollte mich noch aufmuntern, Kalender haben nur bescheuerte Menschen erfunden. Es ging mir bis am Nachmittag gut und dann kam es wie ein Hammerschlag. Auf einmal begann ich am Platz im Büro zu weinen. Es hörte gar nicht mehr auf und ich hatte diese peinlichen "Schnappatmungen" wo ich mich anhöre wie eine süsse Maus – meinte die Arbeitskollegin. Toll!

Bei der Arbeit muss ich einfach funktionieren und es wird keine Rücksicht genommen. Es gibt Tage da funktioniere ich ohne Probleme, aber dann gibt es auch sehr oft die anderen Tage: Ich kann die Arbeit einfach nicht koordinieren und wenn ich um Hilfe bitte, wird gesagt "ja wir schauen dann mal!" Warum wird den einfach erwartet, dass man funktioniert als wäre nichts? Oder ist das bei anderen normal, dass nach einem Monat alles wieder wie gewohnt läuft? Auch wenn ich sage, ich habe zuviel! Und andere gehen in die Kaffeepause und ratschen rum, und dann wird noch gesagt, man versprüht Negativität!

Ich gebe mir soviel Mühe und doch denke ich ständig an dich. Auch wenn wir nicht die beste Beziehung hatten, waren die letzten 3.5 Monate so intensiv und haben uns so Nahe gebracht. Du warst so froh, dass ich da war. Und ich war froh, dass ich da sein durfte! Ich glaube fest an das Leben nach dem Tod und habe dir mal im Spass gesagt, dass du mich ruhig besuchen darfst wenn du dann weg bist! "Klar mache ich das, und wehe es ist nicht aufgeräumt!" - Was haben wir gelacht. Mami, der Ordnungsfanatiker und ich, der Chaot. Du hast es nie verstanden. Bis jetzt habe ich noch nichts von dir gehört und hoffe nur, es geht dir gut wo du bist.

Wir haben diese Woche die Reservation für unsere Eigentumswohnung überwiesen... Shira humpelt leider wieder etwas und haart uns die ganze Hütte voll. Habe ihr eine neue Kuscheldecke gekauft und filme sie dabei, wie sie sich "reinrobbt". Wie du diese Videos geliebt hast! Bei der Anwältin war es auch gut, ich muss nur noch ein paar wenige Telefonate machen, aber die habe ich nicht geschafft. Ich mag einfach nicht. Teilweise ist mir schon das abräumen der Teller zuviel. Bäh!
Disneyland im Dezember ist auch geplant. Ich höre dich gerade "Disneyland??? Da waren wir als du 5 warst!!!"

Ach Mami, ich hätte einfach gern mehr von deinen positiven Vibes. Du hast die letzten Monate immer mit dem Satz: "hauptsache ich kann lachen!", durchgestanden. Hast Spässchen gemacht und hast fast nie geweint! Ich bewundere dich so sehr dafür und war in dieser Zeit immer stark für dich. Die Stärke hat mich aber scheinbar verlassen.
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Mami, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs
28.8.1950-10.10.2017

Papi, Prostatakrebs

Geändert von desireh (12.11.2017 um 19:57 Uhr)
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  #7  
Alt 12.11.2017, 21:02
rocketpocket rocketpocket ist offline
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Liebe desireh,

heute habe ich auch wieder mal einen schweren Tag.. Ich vermisse meine Mama auch so sehr. Habe deine Geschichte auch verfolgt und wollte dir einfach mal ein lächeln und einen ganz lieben Gruß da lassen...
Ich denke an dich.

Rocketpocket

Geändert von rocketpocket (12.11.2017 um 21:05 Uhr)
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  #8  
Alt 13.11.2017, 13:43
Clea Clea ist offline
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Liebe Desi,
vielleicht kannst du deiner Mama sagen, wenn sie kommt, dass sie meine Ma schön grüßen soll. Ich würde auch gern mal was von ihr hören.
Ich drück dich!
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  #9  
Alt 20.11.2017, 23:10
desireh desireh ist offline
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Ich fühle mich teilweise so leer und verloren. Ich vermisse dich sehr und die kalten und dunklen Abende machen das ganze nicht besser.

Ich frag mich täglich, ob ich genug für dich da war. Die Schuldgefühle lassen mich nicht los und ich fühle mich selber eingesperrt. Es fragen immer alle wies den geht, ich nicke und lächle. Du fehlst.
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Mami, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs
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  #10  
Alt 23.11.2017, 16:40
desireh desireh ist offline
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Liebes Mami

Gestern hat deine grosse weisse Orchidee wieder zu blühen begonnen. Die, die ich dir dieses Jahr zum Muttertag geschenkt habe. "Die Schönste, die du je hattest!", waren deine Worte. Unser Wohnzimmer sieht sowieso aus wie in einem Tropenwald. All deine Orchideen sind schön am Balkonfester und geniessen die Morgensonne. Ich bade sie jede Woche, in der Hoffnung ich mache das richtig. Du weisst ja, wie schnell die Blumen bei mir umkommen Kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie du all die Blumen in einem kleinen Zimmer haben konntest.

Es hat mich so gefreut, dass sogar der Hund wissen wollte, was den hier so spannend ist. Im gleichen Moment war ich aber auch traurig. Ich stell mir all die neuen Erinnerungen vor, die ich einmal haben werde. Die ich dir nicht erzählen oder zeigen kann. All die Momente die noch kommen mögen und du dich nicht für mich/uns mitfreuen kannst. Darf ich so überhaupt denken?
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Mami, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs
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  #11  
Alt 23.11.2017, 22:54
Gerbera Gerbera ist offline
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Liebe Desireh

Du schreibst, dass du die Erinnerungen nicht erzählen kannst... Ich weiss genau was du fühlst.

Ich habe ganz stark gespürt, dass ich es nicht aushalten werde, meinem Vater nichts mehr erzählen zu können. Deshalb habe ich mir gestern ein schönes Notizbuch gekauft, so ein richtig teures mit wunderschönem Einband ;-), und ich schreibe ihm jetzt immer in diesem Notizbuch.... Mir hilft das sehr! So kann ich ihm alles erzählen.
Vielleicht wäre so was auch was für dich.... nur so als Idee.

Fühl dich umarmt.
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  #12  
Alt 08.12.2017, 18:51
desireh desireh ist offline
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Liebes Mami

Schon wieder sind einige Wochen verstrichen und übermorgen sind es schon 2 Monate. Der Schmerz ist aber noch derselbe. Ich denke täglich an dich, manchmal lächle ich dabei und habe eine lustige Erinnerung.

Paris steht nun endlich vor der Tür und ich freue mich auf die nächsten Tage. Ich freue mich auch aufs Disneyland. Bin gespannt auf die Bahnen und werde mich sicher an unsere Zeit dort erinnern. An die Piratenbahn die du zweimal machen musstest, weil ich so ein Angsthase war und das erste mal nicht mitwollte (aber nachher uuuuunbedingt auch drauf wollte, weil der kleine Cousin so begeistert war )

Irgendwie ging es mir diese Woche besser. Auch wenns draussen stürmt und schneit, denke ich an dich. "Hütt gömmer sicher nöd use, es windet!!", und ich schmunzle wieder.

Aber so nah die Freude ist, überkommt mich auch wieder die Trauer. Habe vorhin meine Mails sortiert und eine vom 28.6. gefunden. Am 27.6. haben wir dir die Diagnose erzählt, zusammen mit deiner Betreuungsperson. Es war so ein schöner Sommertag auf dem Balkon. Aber du hast gewusst, dass etwas gar nicht gut ist. Wir haben es dir erzählt, da dein blöder Hausarzt überhaupt keine Empathie hatte. Du hast so schrecklich geweint und ich ich habe nur leer geschluckt. Ich wollte dir keine Angst vermitteln. Ich musste doch für dich stark sein und dich trösten. Mein Freund hatte selber ganz rote Augen und wir haben dir versprochen, dass wir immer für dich da sind.

Der Tag ist nicht einmal sechs Monate her und dein Todestag ist schon fast zwei Monate her... In so einem Moment möchte ich es noch immer nicht glauben. Ich habe deine Nummer noch immer im Handy. Wahrscheinlich denke ich mir, solange "Mami Zuhause" steht, bist du auch noch da.

Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich am Sonntag nicht da bin und dir eine Kerze am Grab anzünden kann. Aber warscheinlich hast du sowieso ganz viele (auch wenn es nur die von deinem sehr jungen Nachbarn sind). Vielleicht bringt dir mein Freund ja eine. Er denkt auch viel an dich.

Shira vermisst dich glaub auch fest. Sie darf ja nicht in den Friedhof rein, aber wartet immer ganz brav vor dem Tor. Als wüsste sie, dass sie jetzt nicht rumjaulen sollte.


-
Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.
__________________
Mami, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs
28.8.1950-10.10.2017

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  #13  
Alt 14.12.2017, 14:48
desireh desireh ist offline
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Standard AW: Mami

Liebs Mami

Heute war ich zum ersten mal ganz alleine bei dir auf dem Friedhof. Hab dir zwei Kerzen mitgebracht und als hättest du es bemerkt, begann es zu schneien. Es macht mich so unendlich traurig. Habe im Disneyland so oft an dich gedacht, wie du mich als kleines Kind motiviert hast, damit ich auch auf die Bahnen mitkomme. Heute Morgen ging auch alles glatt auf dem Notariat! Wir sind jetzt tatsächlich Wohnungseigentümer. Auch wenn es noch 13 Monate dauert. Ich freu mich. Ich seh dich dauernd vor mir, wie du die Pläne kurz angeschaut hast. "Schön!", hast du nur gesagt. Papa's CT war soweit auch gut. Zwei geschwollene Lymphknoten aber der PSA Wert soweit einigermassen stabil. Er hat heute auch über dich gesprochen.

Ich würde dir so gerne alles erzählen und dein Lachen hören. Am Wochenende fliegen wir nach Wien, da nehme ich dich natürlich auch mit. Es ist so komisch ohne dich. Kein Uno mehr, keine "lästigen" Pflegeheim-Events mehr.

Von dir geträumt habe ich auch noch nicht. Ich hoffe dir gehts gut, wo du bist.
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Mami, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs
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Papi, Prostatakrebs
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  #14  
Alt 15.12.2017, 21:39
Gerbera Gerbera ist offline
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Hoi Desireh

Ich wollte dir vor ein paar Tagen schon schreiben aber es hat dann alles gelöscht...

Mir geht es sehr ähnlich wie dir. Ich hab auch noch seine Handynummer und kann noch die SMS lesen von ihm. Sein lachendes Gesicht ist auch mein Hintergrundbild auf meinem Handy.
ich vermisse ihn auch so schrecklich!

Ich wünsche dir eine tolle Zeit in Wien!
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  #15  
Alt 20.12.2017, 11:22
desireh desireh ist offline
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Standard AW: Mami

Danke für deine lieben Worte, Gerbera! Sie muntern mich immer etwas auf.
Es gibt Tage da geht es mir gut und ich denke mit einem guten Gefühl an Mami. Und dann gibt es wieder die Tage wir heute.


Liebes Mami

Wien war wunderschön. Was für eine tolle kulturelle Stadt mit vielen feinen Sachen zum Essen. Ich bin jetzt sicher 3 Kilo schwerer.
Du warst immer dabei und wir haben viel an dich gedacht. Ich musste keine Postkarte kaufen, in den Himmel kann ich ja leider keine schicken.

Es waren schöne Tage aber heute kann ich es wieder nicht glauben. Am Samstag warst du noch ansprechbar und hast Witze gerissen.
Sonntag, nach dem Morphium hast du nur noch geschlafen und am Montag, warst du manchmal nur Sekunden "wach" und hast vor Schmerzen (?) geschrien.
Und am Dienstagmorgen - war alles vorbei. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, ob sie das Morphium zu hoch und falsch eingestellt haben?

Ich wollte dir doch noch sagen, dass alles gut ist und du dir keine Sorgen mehr machen musst und ich dankbar bin.
Dankbar, dass ich für dich da sein durfte.

__________________
Mami, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs
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Papi, Prostatakrebs

Geändert von desireh (20.12.2017 um 11:26 Uhr)
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