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AW: Verzweifelt, traurig und wütend
Hallo ihr Lieben,
meine schrulligen Onkel bringen noch mehr Leben in die Bude. Kaum angekommen verstrickten wir uns in eine Diskussion über Homosexuelle in der Gesellschaft. Der Lehrer meinte, dass Homosexuelle erst dann akzeptiert sind, wenn man überhaupt keine Anmerkung mehr macht, ob jemand schwul ist oder nicht. Der Mönch meinte, dass man eine Bemerkung fallen lassen kann, ohne dass es diskriminierend sei...im Grunde waren wir alle einer Meinung, nämlich dass man niemanden ausgrenzen darf, aber typisch Spanisch: wir diskutierten trotzdem. Man hat im Süden eine Komminikationstechnik entwickelt, die es einem ermöglicht zeitgelich zu reden und zuzuhören. Sprich: wir redeten alle gleichzeitig, durcheinander und nahmen uns gegenseitig das Wort ab. Ich verstehe gut, wenn meine deutschen Freunde etwas überfordert sind. Adrian findet es manichmal witzig, manichmal anstrengend. Meine deutsche Schwägerin spricht unglaublich gut Spanisch und da sie und mein Bruder viele Jahre zusammen sind, lacht sie über das wilde Durcheinander. Meine Onkel waren beide Lehrer, auch der Möch.Sie lieben es Kinder zu erziehen, zu fördern und zu begleiten. Beide sind eher schmalbrüstige Männer mit vielen Weh Wehchen, die die virile Kraft meines Vaters immer bewundert haben. Sie waren sehr jung als mein Großvater an Leberkrebs starb und ich glaube, dass mein Vater unterbewußt seine Stelle eingenommen hat. Der Lehrer bleibt tatsächlich einen ganzen Monat, der Mönch fliegt nächte Woche zurück. Mein Sohn, der immerhin erst 17 Monate alt ist, hat auf anhiebt die beiden unterscheiden können und wenn er gefragt wird, wer wer ist, zeigt er selbstbewußt auf den richtigen Onkel- was natürlich zu viel Gelächter und viel Lob führt. Vorallem mein Vater ist stolz auf "seinen Jungen". Es geht ihn immer noch sehr gut. Der Lehrer meinte, dass er viel mehr Energie hätte als er selber und es stimmt: wenn die drei Brüder nebeneinandersitzen, sieht mein Vater gesünder aus als die Zwillingsonkel. Aber er muss aufpassen, dass er es nicht übertreibt. Er ruht sich zu wenig aus und das sorgt meinen Bruder und mich. Morgen essen wir alle zusammen, sicher wird der Mönch ein Tischgebet sprechen (die ganze Familie meines Vaters ist sehr gläubig) und sicher wird mein Bruder mit den Augen rollen, da er Agnostiker ist und die katholische Kirche sehr kritisiert. Aber es wird sicher ein schönes Essen werden! Liebe Grüsse, e |
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Viel Spaß noch!!! :) :lach2: :rotier2: :rotier: :lach: :laber: :winke: Irmgard
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Liebe Estella,
ich habe mich köstlich amusiert über deine Schilderung und hatte das Gefühl, mit dabei zu sein - mitten im prallen Leben! Man fühlt so richtig den Sonneschein Spaniens, der sicherlich deinem Vater sehr gut tut. Ulla |
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Hallo Estella,
auch mir hat Dein Bericht sehr gut gefallen. Es ist schön, daß ihr mit deinem Vater so schöne Tage verbringen könnt. Weiterhin wünsche ich Euch alles Gute. Liebe Grüße Jani |
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Siehst Du, Estella, inzwischen bist Du selbst eine geworden, die anderen Mut macht, mit dem was Du über Deinen Vater schreibst und wie Du es schreibst.
Ich wünsche Deinem Vater viel Erfolg bei der Therapie und Eurer großartigen Familie weiterhin gute Zeiten miteinander. |
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Hallo ihr Lieben,
da einige von euch sich über meine Familiengeschichten gefreut haben (Danke für eure freundlichen Worte!!!!), will ich euch von dem Essen bei meinem Bruder berichten. Aber keine Angst: ich werde fortan keinen täglichen Bericht über unsere Familie abliefern! Das Essen verlief völlig anders als sonst: ruhig, gesittet und ohne nennenswerte Diskussionen. Der Grund lag an dem, was sie am Vorabend erlebt hatten: mein Vater hatte sie in die Oper eingeladen. Es gab Höhepunkte von Wagner Opern. Brünhildes Schlußgesang, der Chor der Meistersinger und Isoldes Liebstod. Der Mönch meinte diplomatisch, dass er Rossini bevorzugen würde. Der Lehrer war eindeutiger: "Alles was komplizierter als ein Schlager ist, finde ich anstrengend". Später flüsterte der Mönch in meine Richtung, dass man von Wagner Kopfschmerzen bekommen würde. Der Mönch war so platt, dass er sogar das Tischgebet vergaß. Mein Vater wirkte wie ein Energiebündel an der Seit seiner kleinen Brüder und die beiden hörten nicht auf ihn dafür zu bewundern. Der Mönch hat das merwürdigste Gastgeschenk mitgebracht: zwei extrem häßliche Plastiksonnenbrillen, die so groß sind, dass sie mein halbes Gesicht verdecken und drei Dalí Poster, die er in eine Plastikfolie hat einschweissen lassen. Plastik scheint ihn zu faszinieren. Eines der Poster zeigt Gala, Dalís Frau, mit entblöster Brust. Er hielt dieses Poster gegen eine Wand unseres Wohnzimmers und schlug ernsthaft vor es sofort dort aufzuhängen. Gut, dass sein Zwilling ihn stoppte und meinte, dass wir das Poster vielleicht lieber im Schlafzimmer hätten...sein Gastgeschenk ist übrigens auch originell. Es ist ein orangenes T-Shirt, dass er trägt und das ich unvorsichtigerweise lobte."Ich schenke es dir, wenn ich fahre" meinte er und grinste mich fröhlich an, erleichtert etwas gefunden zu haben, dass er mir schenken kann. Mein Vater nennt die beiden "muchachos", was so viel wie "Jungs" bedeutet und in der Tat kommen sie mir wie Jungs vor. Während des unüblich entspannten Essens wurde ich plötzlich traurig. Mir wurde bewußt, dass wir in dieser Konstellation wohl nie wieder zusammenkommen werden. Ich finde es so nett, dass sich beide nach Berlin aufgmacht haben, um meinen Vater zu besuchen! Der Mönch zückte irgendwann einmal seine Kamera und er blitze so oft, als seien wir das britische Königshaus. Heute waren die drei fast den ganzen Tag in der spanischen Kirchengmeinde Berlins. Mein Vater engagiert sich sehr intensiv in der Gemeinde und ich kann mir vorstellen, dass er stolz war seine "muchachos" den anderen Mitgliedern vorzustellen und umgekehrt. Am Mittwoch fängt sein dritter Zyklus an. Ich werde zur Praxis gehen, in der Hoffnung etwas über den Verlauf der Chemo zu erfahren. Bis dahin ist der Mönch in Spanien. Der Lehrer bleibt hier und das ist ein große Freude, nicht nur für meinen Vater... Schöne Woche, e |
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Hallo!
Bin grad zurück vom Onkologen. Als ich meinen Vater abzuholen ging, sah ich ihn vom Eingangsbereich aus durch eine Türe auf einer Liege liegen, das Hemd offen, die Chemo träufelte in seinen Körper. Er hatte ein Buch über den spanischen Bürgerkrieg auf seinen Schoß und las. Mein Vater war ein kleiner Junge als der spanische Bürgerkrieg vorbei war. In der darauf folgenden Zeit lebten viele Familien in bedrohlicher Armut, so auch die meines Vaters. Mein Großvater verdiente zu wenig, um seinen Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen. Deswegen kamen die drei Söhne auf ein Internat nach Mallorca, dass von Mönchen unterhalten wurde. Die Kosten für die Schulausbildung übernahm die katholische Kirche, im Gegenzug verpflichteten sich die Kinder nach Beendigung der Schule in den Orden einzutreten. Die drei wurden tatsächlich Mönche, aber nach dem Tod meines Großvaters traten der Lehrer und mein Vater aus - ein Onkel blieb im Orden. Die Kirche ist wie eine zweite Familie für meinen Vater und seine Brüder. Mein Vater beschäftigt sich sein ganzes Leben lang mit dem Krieg und seinen Folgen. Er hat viel darüber gelesen und eine der vielen Debatten, die wir in dieser Woche führten, ging über einen General und seine letzte Schlacht. Die Zwillinge und er stritten sich über irgend ein Detail und konnten das Problem am Ende nicht lösen. Nach der Chemo, rief uns Dr. Schwaner, der Onkologe in sein Besprechungszimmer. Er frug Einiges und strahlte dann meinen Vater an: "Sie haben eine eiserne Konstitution!", meinte er. Mein Vater nickte und lachte:"Ja!Ja!", ganz so als ob er nichts anders erwartet hätte. Dr. Schwaner meinte, dass man anhand der Werte sehen könne, dass die Chemo "ankommt" und da er kaum Nebenwirkungen hat, beglückwünschte er meinen Vater. Man kann sich vorstellen, wie glücklich ich bin! Ich hoffe sehr, dass die Chemo den Tumor hat schrumpfen lassen! Am 20.8 haben wir einen Termin bei einem Radiologen - vorher wollen wir nach Spanien, zur Familie meines Vaters, denn mein Vater hat nicht nur zwei schrullige Brüder, sondern auch zwei schöne Schwestern. Die OP soll Ende August erfolgen. So der bisherige Fahrplan. Liebe Grüsse und noch eine schöne Woche, estella |
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Hallo ihr Lieben,
mit dem dritten Zyklus sind Nebenwirkungen gekommen. Die halten sich in Grenzen, mein Vater mußte sich übergeben, er ist schlapper und er leidet seltsamerweise unter Verstopfung (es ist durchaus merkwürdig, über die Verdauung seines Vaters zu berichten...), aber mit der ihm eigenen Stärke, lebt er weiterhin so intensiv wie er kann. Seine Haut ist irgendwie transparent geworden, gelblich, verletzbar. Er hat weniger Elan, er wirkt gedämpfter als sonst. Doch das hindert ihn nicht, seine Chor-Mädels zu sich nach Hause einzuladen und mit ihnen Kirchenlieder einzustudieren. Da seine Schluckbeschwerden nicht viel besser geworden sind, habe ich Angst, dass die Chemo den Tumor nicht angreift. Sie sind allerdings auch nicht schlechter geworden - er hat seitdem er das Virchow verlassen hat zugenommen und so bleibt mir nichts anderes übrig, als das CT abzuwarten. Mein Onkel hat beschlossen bis nach der OP in Berlin zu bleiben. Er hat in Spanien einige Deutschkurse besucht und spricht die Sprache überraschend gut. Er findet, dass Deutsch aus dem Munde einer schönen Frau, eine der schönsten Sprachen überhaupt ist. Und er findet, dass es viele schöne deutsche Frauen gibt. Nur das deutsche Bier ist nicht wirklich gut. San Miguel findet er viel besser, weswegen es in unserem Kühlschrank jetzt spanisches Bier gibt. Berlin gefällt ihm ausserordentlich und selbst der miese Sommer, den wir gerade hier haben, kann seinen Optimismus nicht schmälern. Er bleibt, hofft dabei sein Deutsch zu verbessern und ich freue mich, denn er ist so kauzig und so unterhaltsam, dabei aber auch so unabhängig, dass er meinem Vater die beste Begleitung ist. Gemeinsam gehen die beiden auf Abendessen, mittags sind sie bei uns und ansonsten macht jeder, das was ihm gefällt. Ich habe meinem Onkel so gut ich konnte von der OP erzählt (Marks Thread ist sehr informativ) und er schaute kurzfristig verängstigt, um mir dann von der Tücke mit dem Dativ und dem Akkusativ zu erzählen. Er wird eine große Hilfe sein, liebe Grüsse, e |
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Hallo Gärtner
Es erschreckt mich etwas wie du dich an statistiken klammerst. Klar kann man nach 1 2 oder auch 3 Jahren nicht behaupten man ist geheilt aber auf Statistiken schaue ich schon lange nicht mehr. als ich anfang des Jahres in Wuppertal in der Reha war sprach ich mit dem Klinik Onkologen auch über Statistiken er sagte zu mir"Sie haben die Op einigermaßen gut überstanden hatten danach laut Statistik eine Überlebenschance von 19%gehabt. Danach haben Sie auch noch das Recidiv bis jezt erfolgreich bekämpft entgegen aller Statistiken also ist Ihre Chance wenn man es so sieht auf 40% gestiegen.alle Statistiken gehen immer vo einem allgemein bekannten Krankheitsverlauf aus nicht von einen einzelnen Patienten. auch sagte er das das positive Denken die Heilungschancen nochmals sehr erhöhen. also halte die Ohren steif und ich wünsche dir alles gute für Deine Bevorstehende Untersuchung ,meine steht am 24 07 an alles gute peter |
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Lieber Peter!
Ich "klammere" mich nicht an Statistik, aber ich respektiere sie. Für mich als Ökonom ist Statistik eine Widerspiegelung der Realität. Sie liefert keine Aussage über den Einzelfall, aber sie ist eine gute Grundlage zur Entscheidungsfindung. Würdest Du in ein Flugzeug steigen, wenn man Dir sagt, dass das Flugzeug schlecht und die Absturzwahrscheinlichkeit über 81 % ist? Wohl kaum. Du würdest Dich da an die Statistik "klammern" und lieber zu Fuß gehen. Wenn Du aber nach einem Unfall am Verbluten wärst und mit 100 %er Wahrscheinlichkeit sterben würdest, wenn Du nicht schnellstens in ein entlegenes Krankenhaus kämest, dann würdest Du Dich vielleicht auch an die Statistik klammern und mit dem maroden Flugzeug fliegen, in der Hoffnung, dass die 20 % eintreten und Du gerettet wirst. So ist das. Ich spiele nicht Lotto, weil die Statistik mir sagt, dass ich mein Geld auch in die Spree werfen könnte, mit dem (fast) selben Effekt(außer dass ich es dann wenigstens plumpsen hören würde).;) Mir hilft die Statistik, mit der neuen Situation nach der Krebsdiagnose klarzukommen. Sie sagt mir: Die Wahrscheinlichkeit, diese Diagnose zu überleben, ist 19 %. Also stelle Dich darauf ein, dass Du stirbst. Aber Du lebst. Also lebe so, dass Du viel Freude und Genuss am Leben hast und tue noch Gutes, wo Du kannst. Ansonsten will ich mich nicht wiederholen. Wenn's Dich interessiert, kannst Du ja nochmal meinen Beitrag in diesem Thread vom 19.2. lesen, wo ich zu den "Toten auf Urlaub" geschrieben habe. Ich stimme Dir zu, dass eine optimistische Einstellung die Heilungschancen erhöht und wünsche Dir deshalb weiterhin so guten Optimismus und gute Untersuchungsergebnisse am 24! |
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Die Antwort an Peter hatte ich schon aufgesetzt, bevor ich die MRT-Untersuchungsergebnisse hatte. Jetzt habe ich sie; zumindest im Ansatz. Man hat im Bauchraum mehrere kleine Verdachtsmomente auf Metastasen gefunden. Die Ärztin wollte am Telefon nicht richtig rausrücken, welche Organe denn befallen sind. Es stellte sich heraus, dass es offenbar mehrere Stellen in mehreren Organen sind, darunter auch Leber und Wirbelsäule. Bingo! Ich will, dass sie mir den Befund faxt, aber sie findet Ausreden und ich soll doch ruhig verreisen und mich erholen. Nächste Woche ist sie auch selbst in Urlaub. Es wäre besser gewesen, wenn ich heute gar nicht angerufen hätte. Ich hätte dann mehr Freude an den Ferien gehabt.
So mache ich mir doch ständig Gedanken darüber, was auf mich zukommt. Vor einer Chemo habe ich Angst. Und viel anderes wird es nicht geben, wenn es mehrere Befunde sind. |
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Hallo Gärtner,
ich habe einen Kloß im Hals seitdem ich das gelesen habe. Das ist ja diese Art von Nachricht, die wir überhaupt nicht wollen! Es sah doch bisher so gut bei dir aus. Also ich hätte definitiv ein Riesenproblem damit, wenn ich auf die genaue Auswertung und ein Gespräch über das weitere Vorgehen so lange warten müsste. Aber da ist ja jder anders und ich wünsche dir, dass du den Urlaub doch irgendwie genießen kannst. Was denie Angst vor der Chemo betrifft, da bist du in sehr guter Gesellschaft. Ich hatte einen Riesenbammel davor, man hört ja immer Horrormeldungen darüber, wie schlimm das ist. Ich kann dir aber aus eigener Erfahrung sagen. Es war kein Spaziergang, aber auch nicht die Hölle. Gegen die Nebenwirkungen kann man heute wirklich viel machen und für einen Außenstehenden sieht das viel schlimmer aus, als man es selbst empfindet. Aber was rede ich hier über Chemo? Ich wünsche dir von ganzem Herzen, das deine Bilder fehlinterpretiert wurden. Das kommt öfter vor als du glaubst. Du bist bisher eher optimistisch mit der ganzen Sache umgegangen, deshalb bleibe dabei!!! Liebe Grüße Ulla |
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Ja, Ulla, mach ich!
Danke für die schnelle Antwort! Das hilft. Mit den Fehlinterpretationen das stimmt. Ich hatte ja im CT schon vor 1 1/2 Jahren den Verdacht auf Metastasen. Dann wurde in 3 Sonographien in Folge nichts gefunden, danach im CT waren sie wieder da, aber nicht gewachsen, wurden also als gutartig eingestuft. Im nächsten CT im Februar waren sie wieder weg. Jetzt nun 5 Monate später das. Na, jetzt heißt es abwarten und Tee trinken. Bier vertrage ich ja nicht mehr so gut:D (Übrigens: hatte ich Euch schon erzählt, dass ich mir vor 14 Tagen mein erstes Bier gebraut hatte?. Jetzt ist es alle und es war mir ausnahmsweise ausgezeichnet bekommen). |
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Lieber Gärtner,
tut mir sehr leid mit Deinem Befund. Klar, dass Du den Urlaub nun nicht mehr so genießen kannst. Ist ja verständlich, würde ja jedem so gehen. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass es auch dieses Mal ein Irrtum ist. Und falls nicht, dann hoffe ich sehr auf den Erfolg der Chemo. Rede mit den Ärzten und frage gleich nach den Medikamenten, die Dir vor bzw. während der Chemo verabreicht werden. Als mein Vater seine erste Chemo bekommen hat, ging es ihm so richtig besch.... Das lag aber daran, dass er nur Tabletten gegen Reiseübelkeit bekommen hat. Nach einem etwas heftigem Wortwechsel mit den Ärzten meinerseits hat er dann Zofran und noch ein anderes Medikament (weiß jetzt nicht mehr wie das hieß) erhalten. Da waren die Nebenwirkungen aber schon zu stark und es hat nichts mehr gebracht. Bei der 2. Chemo (in einer anderen Klinik) hatte er fast gar keine Nebenwirkungen. Am 3. Tag hatte er schon wieder richtig guten Appetit. Alles Gute für Dich und trotz allem einen wunderschönen Urlaub. Liebe Grüße Viola |
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Zitat:
Ich glaube die Ärzte sind alle gleich. Sie drucksen um die harten Nachrichten rum. Und wir hacken manchmal zu hartnäckig nach. Ja, dass sind nicht die Nachricht die man hören will. :embarasse: Verreis und erhol dich erst mal und vielleicht kannst du Kraft tanken, für die Nächste Zeit. :knuddel: Liebe Grüße Gabi |
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Hallo Gärtner,
ich hoffe für Dich, dass Du die Aussage der Ärztin fehlinterpretiert hast und es Dir gelingt den Urlaub trotzdem zu genießen. Ich kann mir vorstellen dass das nicht so einfach sein wird. Ich finde es unmöglich und ziemlich herzlos von der Ärztin über deinen Befund nur Andeutungen zu machen. Deine Angst vor einer evtl. bevorstehenden Chemo kann ich gut verstehen. Aber in diesem Forum haben ja doch einige sie gut ohne bleibende Schäden überstanden. Ob es zu dieser Behandlung kommt steht doch noch nicht fest. Versuche weiterhin optimistisch zu denken. Ich wünsche Dir einen wunderschönen Urlaub mit nur positiven Gedanken . Liebe Grüße Jani |
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Lieber Gärtner, klingt komisch diese Anrede, aber ich habe das Bedürfnis nicht nur einfach Hallo zusagen. Dies zu lesen zieht mir im Inneren einiges zusammen. Und glaub mir, nicht nur, weil man dabei an seine eigenen anstehenden Befunde denkt. Angst vor Chemo hätte und habe ich auch. Letztens habe ich eine ganze Nacht im Traum damit zugebracht und diese Perspektive intensiv "erlebt". Ich wünsche dir alles erdenklich G U T E! Versuche trotzallem aus deinem Urlaub was P0sitives zu machen. Liebe Grüße und versuche die Zeit, die du warten musst einigermaßen aus und durchzuhalten Irmgard:pftroest:
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Hallo Gärtner.
Tut mir leid dein Ergebnis und ich hoffe das es doch noch zu einer guten Aussage kommt und drücke Dir alles was ich habe .es ist manchmal wirklich gemein was dieser Krebs mit uns macht. Nochmals ich hoffe wirklich das alles gut wird ganz liebe grüße Peter |
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Lieber Gärtner,
das ist echt S C H ..... ! Ein schlechter Befund ist das Eine, aber so eine Halbinformation von einem Arzt ist das allerletzte. Das müsste ihr genauso ergehen. Na ja. Ich weiss nicht, ob ich Dir einen schönen oder einen schnellen Urlaub wünschen soll, damit Du danach Klarheit hast und evtl. ganz schnell eine Behandlung beginnen kannst. Besteht denn wirklich nicht die Möglichkeit mit einem anderen Arzt den Befund zu besprechen bevor Du in den Urlaub gehst? Tröstende Worte finde ich nicht- nur denk daran, dass auch Rezidive bekämpft werden können ( siehe Peter ) und wenn es nur mit Chemo geht, dann rein damit ( ich hoffe Du verstehst meine Worte richtig ). Ich denk an Dich:pftroest: Elke |
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Lieber Gärtner,
ich bin heute zurück vom Fleesensee, wo Adrian, der Kleine und ich sechs Tage Urlaub gemacht haben und deine Nachricht über das CT ist alles andere als erfreulich... Zunächst muss man wissen, ob es erneut falscher Alarm ist (was dir ja häufiger passiert ist, wie du schreibst). Lass uns die Daumen drücken, dass dem so ist!!!!!!! Wenn nicht, solltest du deine Angst vor der Chemo abbauen. Mein Vater ist ein gutes Beispiel für jemanden, der eine harte Chemo macht und der trotzdem fünf Stockwerke hochrast und wie heute erneut geschehen, seinen kleinen Bruder regelmäßig beim Treppen steigen überholt. Mein Onkel kam außer Atem hier an, während mein Vater zu meinem Sohn raste und ihn in der Luft wirbelte. Warum sollte es bei dir anders sein? Und wenn es anders ist, dann gibt es Medikamente gegen die Übelkeit, dann hast du deine Familie und du hast uns alle aus dem Forum, die dir zur Seite stehen und dich unterstützen. Verstehe mich nicht falsch: wenn ich vor einer Chemo stünde, dann würde ich vor Angst zittern und weinen. Respekt jedem, der das mitmacht und durchsteht! Aber ich will versuchen dir Mut zu machen - solltest du eine machen müssen, kann es durchaus sein, dass du sie besser verträgst, als du denkst! Der Rat deiner Ärztin ist zwar nett gemeint, aber kaum umzusetzen: wie will man einen entspannten Urlaub machen, wenn man nicht genau weiß, was man hat? Ich wünsche dir, dass es dir trotzdem halbwegs gelingt, falls du nicht vorher Details des Befundes erfahren kannst. Alles Liebe, estella |
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Ich konnte nochmal mit meiner Ärztin telefonieren. Sie hat sich entschuldigt und wohl eingesehen, dass sie mir mit der halben Information keinen guten Dienst erwiesen hat. Sie hat mir den Befundbericht gefaxt und ich weiß nun genauer, wenn auch nicht genau, woran ich bin. Es gibt eine Leber-Läsion und mehrere Verdachte auf Lymphknoten-Metastasen nahe der Bauchaorta. Die sind 5-8 mm groß. Da wird es mir wohl so gehen wie Irmgard, dass man die noch nicht punktieren kann. Ich weiß auch nicht, ob man so nahe an der Aorta überhaupt punktiert. Na ich werde nach dem Urlaub ja weitersehen. Jetzt mache ich erstmal einen schönen Urlaub. Nachdem ich den Bericht in Händen halte bin ich tatsächlich ruhiger und freue mich auf den Urlaub.
Danke an alle für die guten Wünsche! :) |
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Hallo Gärtner
Ich wünsche dir einen wunderschönen urlaub und erhole dich gut..Ich hoffe das sich bei dir alles zum guten wendet.ich muß morgen ins Kh zur untersuchung bin mal gespannt was es gibt Alles Alles gute Peter |
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Hallo Gärtner,
Ich wünsche Dir ebenfalls einen wunderschönen Urlaub und das sich bei Dir alles zum Guten wendet. P.s. Machst Du schon eine Misteltherapie ? Wenn nicht ist das vielleicht doch eine Hilfe im Kampf gegen diese Krankheit. Liebe Grüße Jani Hallo Peter Alles Gute für die morgen durchzuführende Untersuchung und daß das Ergebnis deinen Wünschen entspricht. Liebe Grüße Jani |
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Hallo Gärtner, ich freu mich, dass es jetzt ein bisschen klarer ist. Es wird dir sicher trotzdem auf der Seele liege, aber es ist nicht ganz so vage und nebulös und daher , denke ich ein bisschen weniger beängstigend. Auch, wenn die Angst natürlich da ist, was wird sein.
Wo geht es in deinem Urlaub hin? Was Beschauliches oder Aktiveres? Erhole dich gut und lass dir das Essen schmecken.:winke: liebe Grüße Irmgard |
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Hallo ihr Lieben,
zunächst: viel Glück allen, die jetzt untersucht werden (Peter, Irmgard, Mark...)!!!! Morgen ist die Chemo meines Vaters beendet. Um 8.30 haben wir ein abschließendes Gespräch beim Onkologen. Der dritte Zyklus hat meinen Vater zwar nicht umgehauen, aber doch leicht ins taumeln gebracht. Er versucht vor "uns Kindern" ganz der Alte zu sein, aber seine Haut ist gelb und transparent und er ißt nicht ein ganzes Steak, sondern nur ein halbes. Er klagt über Rücken-, bzw Beinschmerzen. Genau konnte oder wollte er mir den Verlauf des Schmerzes nicht erklären. Als Angehöriger ist man nie entspannt, jede Bemerkung gibt Anlass zur Sorge und wenn der Betroffene einen schonen will und sich nicht mitteilt, dann wird jedes Zucken zum Beben. Ich hoffe, dass die Schmerzen, die er hat tatsächlich nicht mit dem Krebs in Verbindung stehen - sein Arzt, mit dem ich telefonierte, meinte, dass er letztes Jahr ähnliche Beinschmerzen gehabt hätte (was ich natürich auch nicht wußte) und es eine Nervenentzündung sei... Kaum zurück aus dem Mini-Urlaub, hat der Alltag mit der Angst um meinen Vater inklusive, uns wieder. Dabei waren es wichtige sechs Tage, denn Adrian und ich haben seitdem die Diagnose kam, kaum Zeit füreinander gehabt. Das Lesen von Artikel im Netz, die Gespräche mit Bekannten und Freunden über das Thema Krebs, die Recherche zum SPK, der Besuch meiner Mutter, meine Kündigung, mein neuer Job, dazwischen unser Sohn, die Besuche im Virchow, die Besuche beim Onkologen - all das hat meine Zeit völlig beansprucht und ich habe Adrian sehr vernachlässigt. Dabei ist er ein wunderbarer "Begleiter" der Situation: er leidet mit, er freut sich, er unterstützt mich, er macht alles, damit es uns gut geht. Er ist dabei so herzlich, so freundlich und lustig. Und dass, obwohl er selber sehr viel arbeiten mußte. Es war gut ein paar Tage abschalten zu können.Die Krankheit spielte keine Rolle, wir waren baden (der Fleesensee liegt in Mechlenburg Vorpommern, in einer wunderschönen Landschaft), spazieren, haben sehr gut gegessen, das Hotel war perfekt - ich konnte sogar einen Roman lesen. Pablo wollte gar nicht mehr aus dem Wasser raus und war überglücklich mit uns beiden rumtollen zu können. Am Donnerstag fliegen Pablo, mein Vater, mein Onkel und ich nach Spanien. ich fahre für elf Tag in die Heimatstadt meines Vaters. Ort, wo ich 8 Jahre nicht war, denn ich bin meistens in Madrid, bei meiner Mutter. Ich freue mich sehr auf meine Familie. Eigentlich bin ich den Nordspaniern ähnlichiger als der Familie meiner Mutter, sowohl äußerlich, als auch charakterlich. Man sieht die genetische Nähe zu meine Cousinen im Norden. Mein Vater freut sich unendlich auf die Reise, denn kaum bin ich mit Pablo weg, kommt mein Bruder mit meien Nichten. Wäre nicht das Gefühl, dass es das letzte Mal ist, dass wir alle gemeinsam im Norden sind, dann wäre auch meine Freude größer. Zeitgleich ärgert mich mein Pessimismus! Warum sollte es die letzte Reise sein?!! "Genieße den Besuch und hör rumzuspinnen...", sag ich mir. Wir werden soragr die Fiestas mitmachen - eine Woche versinkt die Stadt in ekstatische Feierlaune, dagegen ist der Köllner Karneval eine lahme Veranstalltung...ehrlich! Eien ganze Stadt imrausch von Musik, Rummel, Stierkampf (ja, ja..auch das), Stierläufe, Umzüge...keine Ecke, an der nicht gefeiert, getrunken, gegessen, getanzt wird. Pablo wird aus dem Staunen nicht raus kommen... Mein Onkel hat mir übrigens sein orangenes T-Shirt geschenkt.Gewaschen und gebügelt: ich war sehr gerührt. Er kommt im September wieder. Ist lang geworden, merke ich gerade... Liebe Grüße, e |
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Hallo ihr Lieben,
der Onkologe meinte eben zu meinem Vater:"Ich bin beeindruckt! Besser kann eine Chemo nicht laufen! Ihre Nierenwerte sind während der Therapie sogar besser geworden!". Mein Vater saß neben mir und glühte vor Stolz und ich glühte gleich mit. Die Harnwerte waren vor der Chemo nicht übermäßig gut, da mein Vater -wie viele- zu wenig Wasser trank. Das hat er durch die Chemo geändert. Sowohl im Virchow als auch Dr.Schwaner haben uns eingebläut, dass es sehr wichtig ist, die Nieren zu schonen, in dem man viel Flüssigkeit zu sich nimmt. Unglaublich, dass trotz der Belastung seine Nieren so gut reagieren! Auch die anderen Werte sind wohl hervorragend - wenn die Chemo gewirkt haben sollte und der Tumor tatsächlich geschrumpft sein sollte, dann ist alles optimal gelaufen. Weniger Nebenwirkungen kann man kaum haben, meinte der Onkologe. Mein Vater wird sich von den Strapazen der Chemo in den fünf Wochen, bis er eingewiesen wird, gut erholen können und dementsprechend kräftig in diese aufwendige OP gehen können. Am 20. ist der Termin beim Radiologen. Ich hoffe so sehr, dass die Chemo irgendeine Wirkung gezeigt hat!!!! Die Schmerzen im Bein sprach ich an, aber Dr. Schwaner versicherte mir, dass sie nicht vom Tumor oder von einer möglichen Metastase herühren, sondern eine "Nervenreizung" (mein Terminus) sind. Er nahm sich viel Zeit, hat alle Fragen, die wir hatten beantwortet und uns mit einem positiven Gefühl entlassen. "Mitte September sehen wir uns wieder!" meinte er lachend. Mein Vater freut sich darauf, ordentlich und lange duschen zu können. Trotz der guten Nachricht, ist er seltsam gedämpft. Ich glaube, dass ihn die bevorstehende OP beschäftigt. Gut, dass wir so lange wegfahren. Am 16. kommt er zurück, am 20., ist die CT, am 27. wird er eingewiesen. Jetzt kann auch ich mich ungetrübt auf unsere Reise freuen - positive Meldungen sind wirklich wichtig, um Mut zu schöpfen, liebe Grüsse, estella |
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Liebe Estella,
ich freue mich sehr, dass Dein Vater die Chemo so gut verträgt. Wollen wir hoffen, dass auch das Erfolg dementsprechend ist! Mit Deiner frohen Art hilfst Du ihm sicherlich sehr, die Belastung zu verkraften und seine Tapferkeit hilft umgekehrt Dir, mit der Belastung fertig zu werden. Macht weiter so! Und schreibe ruhig weiter so viel! Die Normalität, die Ihr lebt, trotz der Ungewissheit, hilft auch allen anderen bestimmt, mir jedenfalls, selber weiter froh in die Welt zu schauen. Schönen Urlaub!:winke: |
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Hallo Estella,
schön das von deinem Vater zu hören. Ich wünsche Euch einen wunderschönen Urlaub und freue mich schon auf Deine Urlaubsberichte. Bis bald Jani |
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Hallo ihr Lieben,
huete fangen die fiestas an -die ganze Stadt wird weisse Kleidung tragen, mit einer roten Scherpe und einem roten Tuch um den Hals und weisse Stoffschuhe mit roten Baendern. Der Urlaub ist ein Traum: das Wetter warm tagsueber und kuehl nachts, meine Familie ist vorallem von meinen Sohn begeistert und Pablo wird die ganze Zeit bespielt, herumgetragen, beschmust und verwoehnt. Dementsprechend lacht er die ganze Zeit, plappert ohne UNterlass und erfreut alle mit seiner Freude. Mein Vater ist der stolzeste Grossvater der Welt! Ihm geht es blendend! Natuerlich ist er schlank, da er weniger als sonst isst, aber er laueft ueberall mit Energie hin und gestern abend sah ich ihn mit einer seiner alten Flamme an der Plaza der Stadt. Don Juan wie er nun mal vom Wesen her ist, flirtete er ganz im alten Stil... Nordspanier reden ungerne ueber Krankheiten (anders als der Rest der Bevoelkerung, die sehr detailliert alles besprechen), daher wird er fast gar nicht auf den Krebs angesprochen. Alle bewundern ihn hingegen, sie finden, dass er besser aussieht denn je und das bringt ihn immer wieder zum lachen! Die Stadt brummt vor Menschen, die nichts anderes wollen als eine gute Zeit zu haben- genau wie wir! Ganz in Weiss gehen wir gleich auf die Strasse und feiern mit... Gruesse an alle, e |
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Hallo Estella!!
Hört sich richtig gut an. Freu mich mit euch und wünsche euch noch alles Liebe und viel Spaß ganz in Weiß!!!! LG Lilly |
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Hallo Estella,
dein Urlaubsbericht hört sich richtig gut an. Am liebsten würde ich dabei sein. Noch eine schöne Zeit. Liebe Grüße Jani |
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Eine schöne Zeit, in der ihr manchmal fast die Probleme vergessen könnt, selbst wenn es nur für kurz ist. Das ist schön!!!!!!!!!!!!!!! Liebe Grüße Irmgard:prost: :smiley1: :augendreh
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Hallo ihr Lieben,
wir sind gestern Abend zurück aus Spanien. Mein Vater bleibt bis zum 16. August in Spanien und freut sich auf meinen Bruder, der am 11 in Estella (so heißt die Stadt, aus der mein Vater stammt) ankommen wird. Es war ein schöner, bunter Urlaub - mein Sohn ist heute ganz durcheinander. Meine Familie hat sich so rührend um ihn gekümmert, kein Wunder, dass er alle vermißt. Acht Jahre war ich nicht in Estella. Vieles hatte sich geändert. Die Stadt ist sehr gewachsen, die alten Häuser sind weitgehend rennoviert und man spürt, dass das Problem mit den Basken größer geworden ist. Estella liegt mitten in Navarra, einer kleineren Provinz im Norden Spaniens. Da ein Teil des Jacobswegs durch Estella führt, gibt es viele prächtige Kirchen. Ein Fluss fließt durch das Städtchen, dass auf mehreren Hügeln errichtet wurde. Die Gassen sind eng und schattig, die Plätze haben meist einen Brunnen in der Mitte. Der Hauptplatz ist hingegen groß und flächig. Arkaden umsäumen die Plaza. Überall gibt es Cafés und Kneipen und Läden und Restaurants. Donnerstags ist Markt, dann kommen Bauern aus der Region und verkaufen ihre Waren. Mein Vater liebt den Markt, weil er so lebendig ist. Nordspanier sind wegen ihrer Dicköpfigkeit berühmt, sie sind derb, lachen viel, feiern noch lieber, essen gerne gut und reden viel über das Essen. Die Männer machen alberne Witze, die Frauen belächeln die Männer deswegen. Sie sagen geradeaus das, was sie denken und ihre Art hat immer etwas poltriges. Typisch für die Region ist die "Jota", der Tanz, der auf allen Fiestas getanzt wird. Außerhalb Spaniens kennt man hauptsächlich den Flamenco, aber jede Region des Landes hat einen eigenen Tanz und die "Jota" ist die Tanzform des Nordens. Anders als der Flamenco, der traurig, sehnsuchtsvoll und leidenschaftlich ist, ist die Jota ein durchweg lustiger Tanz. Männer wie Frauen hüpfen umeinander herum, werfen die Beine in die Luft, wirbeln um die eigene Achse, wirbeln um einander und man kann nicht anders als mitwippen. Die Jota zu tanzen ist wegen der vielen Sprünge anstrengend - es ist jedoch eine Freude zuzuschauen. Nicht die Gitarre, sondern ein Blasinstrument, dass irgendwie quäkig klingt ist das Instrument der Jota. Dazu gibt eine Trommel den Takt an. Ich liebe die Jota, weil sie so schwungvoll ist. Leider kann man Musik so schwer beschreiben... Mein Vater und seine Brüder sind, vielleicht weil sie in ein Internat geschickt wurden, nicht typische Navarra-Männer. Die beiden Schwestern meines Vaters hingegen, blieben in Estella und wurden Schneiderinnen. Alicia, meine ältere Tante (jetzt 76) bekam vier Kinder mit einem herzensguten, aber sturen "Estelleso" namens Florentino. Meine jüngere Tante Florinda, heiratete einen Basken. Leider hat das die Familie entzweit: viele Basken beanspruchen die politische Unabhängigkeit und unterstützen deswegen die Terrorgruppe ETA. Meine beiden Tanten, die jeweiligen Kinder und Enkel reden kaum miteinander. Darunter leidet vorallem mein Vater. Selbst jetzt, da er krank ist, haben wir es nicht geschafft die ganze Famile an einen Tisch zu bringen. Wir aßen mal im Haus einer Tante, mal im Haus der anderen. Die Onkel sind beide uneingeschränkt auf Seiten der Anti-Basken, was auch nicht wirklich zur Verständigung beiträgt... Abgesehen davon haben wir den Aufenthalt sehr genossen. Die Spuren der Chemo sind zweifelsohne spürbar. Mein Vater schläft viel mehr als früher. Wenn er müde wird, fällt sein Gesicht zusammen, er wird bleich und die Augen glänzen nicht. Wenn er sich erholt, sieht er allerdings sehr gut aus. Kräftig, braun, fast jünger als vorher. Er macht ein recht normales Leben: er geht aus, er redet mit seinen Kumpel auf der Straße, er trifft abends seine "Flamme" und ihre Clique. Zu den Eigenheiten Navarras gehört, dass man von Jugend an in einer Clique ist. Die meisten heiraten untereinander, die Kinder sind dann ebenfalls miteinander befreundet. Man geht am Wochenende mit der Clique aus und feiert die Fiestas in der Clique - bis ins hohe Alter bleibt das so. Die Clique der "Flamme" meines Vaters besteht mittelerweile nur aus Frauen (sie sind alle älter und verwitwet). Mittendrin: mein Vater. In T-Shirt und Jeans. Jeden Abend sitzt er in einem Café der Plaza, während die Stadt an ihnen vorbei zieht. Um elf Uhr abends, also recht früh für spanische Verhältnisse, geht mein Vater zu meiner Tante Alicia, die mittlerweile ebenfalls verwitwet ist und bei der wir alle gewohnt haben. Nordspanier reden anders als alle anderen Spanier NIE über Krankheiten und nur ungerne über Negatives. Man berichtet einander nur Gutes. Das führte dazu, dass ALLE so taten als ob sich mein Vater lediglich von einen Leistenbruch erholen müsste. Anfangs nervte mich diese Haltung, später jedoch merkte ich, dass es meinem Vater gut tut, mal nicht an diesen blöden Krebs denken. Er kann so ganz der Alte sein - er wird nicht nur auf Chemo, Krebs, Metastasen und dergleichen reduziert. Die Beschäftigung damit kommt noch früh genug. Irgendwann einmal konnte auch ich "Urlaub" von der Krankheit machen. Ich habe fast vergessen, dass mein Vater SPK hat. Das tat wirklich gut!!! Seit Ende April gibt es eigentlich nur dieses Thema in meinem Kopf. In Estella war ich hauptsächlich Mutter von Pablo, der wie jedes Kind viel Blödsinn macht. Abends konnte ich sogar ausgehen und traf "meine" Clique, die die Clique meiner Cousine Ana ist. Ich hatte viele über zehn Jahre nicht gesehen und es war trotzdem so, als wäre ich lediglich zehn Tage weggewesen. Interessanterweise war alles so wie immer: die mittlerweile ergrauten "Jungs" blödeten die ganze Zeit herum und die "Mädels" taten so, als würden sie sich für ihre Männer schämen. Ich traf auch die Kinder meiner Clique. Die Menschen in Estella heiraten alle sehr jung und kriegen schnell Kinder. Als ich das letzte Mal dort war,waren die Kinder 3,4, 5 Jahre. Jetzt traf ich auf großgewachsene Jungendliche, die oft so aussahen wie die Eltern, als sich meine Clique formte. Es war bewegend, denn zum ersten Mal konnte ich mir vorstellen, was meine Eltern berührt, wenn sie uns mit unseren Kindern sehen. Wir erinnern sie an die Zeit, da sie selber junge Eltern waren. Meine baskische Tante hat angekündigt, dass sie im September nach Berlin kommen wird. Sie ist die Lieblingsschwester meines Vaters, der ihre politischen Ansichten absurd findet, sie jedoch als Mensch mag. Mein Lehrer-Onkel kommt bereits Ende August. Der Uraubsbericht ist lang geworden.... Alles Liebe, e |
AW: Verzweifelt, traurig und wütend
Hallo ihr Lieben,
mein Vater ist zurück aus Spanien. Ich finde, dass er sehr gut aussieht, sogar etwas zugenommen hat und wenn ich ihn mir so anschaue, dann hasse ich dien Krebs mehr als ohnehin. Wie unverschämt sich in dem Körper meines Vaters einzunisten, denke ich. Natürlich ein äußerst alberner Gedanke, aber ich kann das, was passiert manchmal immer noch nicht fassen. Die Tage mit meinen Nichten und meinem Bruder waren genauso bunt wie die Tage mit meinem Sohn und mir. Die Familie bestaunte meine beiden extrem hübsche und süße Nichten, die Mädchen spielten mit ihren Cousins und Cousinen, mein Bruder besuchte in viel zu kurzer Zeit viel zu viele Menschen. Nächsten Montag ist der Termin beim Radiologen. Dann wird die CT zeigen, ob der Tumor geschrumpft ist. Ich habe solch eine Angst, dass mir wortwörtlich schwindelig wird. In den letzten Wochen kam manchmal die Illusion auf, dass alles so wie früher ist, dass es die Krankheit und die Bedrohung, die von ihr ausgeht, gar nicht gibt. Jetzt in Hinblick auf den Termin am Montag, kommt die Angst mit voller Wucht wieder hoch... Werde berichten und grüße alle, e |
AW: Verzweifelt, traurig und wütend
Hallo Estella,
ich kann mir denken was dich nun für Gefühle plagen, auch ich habe das alles Hinter mir mit meinem Dad, immer diese Angst im Rücken. Aber so wie sich das Anhört geht es deinem Dad ja wircklich sehr gut und da sist das alles beste wo nur passieren kann und für den Weg wo ihr noch habt die besten Vorrausetzungen, ich wünschte bei meinem Dad wäre das auch so. Ich wünsche euch alles alles gute und das ihr das alles weiterhin so gut schafft. Viele Grüße Manu |
AW: Verzweifelt, traurig und wütend
Liebe Manu,
ich habe eure Geschichte verfolgt. Es ist schön, dass dein Vater Zuhause seinen Geburtstag feiern kann, es ist noch schöner, dass du so liebevoll für ihn da bist und dass du durch deinen Beruf genau weißt, wie man Menschen pflegen muss. Trotzdem wirst du wohl Hilfe brauchen, denn gerade hilfreiche Menschen neigen dazu alles zu tun und sind dann am Ende selber ganz k.o.. Die Diagnose der Ärzte tut mir sehr sehr leid. Die Zeit, die ihm noch bleibt, kann er allerdings wunderbarerweise mit euch verbringen. Immer wieder muss ich an Worte, die Thomue irgendwo schrieb denken, dass es leider Kranke gibt, die keine Familie haben, die alleine im KH bleiben. Dieser Gedanke verfolgt mich - wie schrecklich muss das sein... Mein Vater kam heute früh mit einem Strauß Sonneblumen. Seit seiner Erkrankung der dritte Strauß, den er mir schenkt. Am liebsten hätte ich die Blumen getrocknet und für immer aufbewahrt. Ich habe manchmal sentimentale Attacken. Ich bildete mir ein, dass er außer Atem war, als er hier oben im fünften Stock ankam. Sofort kam der Gedanke: "Hoffendlich hat er keine Metastasen in der Lunge...?!". Später erzählte er mir, dass er immer noch Schluckbeschwerden hat, wenn er größere Speisestücke zu sich nimmt. Dass er die Speisen dann nur mit Wasser runter kriegt. Wäre der Tumor "weg", hätte er die Schluckbeschwerden nicht. "Die Chemo hat nichts gebracht!" dachte ich. Die Angst ist schneller als der Verstand. Ich verabscheue es, dass ich jede Bewegung von ihm auseinanderreisse. Es gab eine Zeit, da wog ich viel zu wenig, obschon ich genug aß (wenn ich Stress habe, nehme ich sehr schnell ab, leider). Meine Mutter kontrollierte jeden Bissen, sie beobachtete mich genau - ich hasste diese Kontrolle, denn ich fühlte mich nicht beschützt, sondern entmündigt. Jetzt mache ich nichts anderes und hasse mich selber dafür. Aber die Angst ist wie gesagt schneller als der Verstand. Heute Abend gibt es ein Familienessen bei meinem Bruder. Die Schwester meiner Schwägerin ist mit ihrem Mann zu Besuch. Sie ist schwanger und bekommt Zwillinge (wie süß!!! welch Neid!!) und das ist Grund genug gemeinsam zu feiern. Mein Bruder läd uns oft zum Essen ein und da mein Vater wirklich sehr fit ist, super aussieht, sich prächtig erholt hat und voll Optimismus zu sein scheint, wird es sicher ein besonders schöner Abend werden! Ich werde an dich und deine Familie denken und wüsche euch einen schönen Geburtstag!!! Liebe Grüße, e |
AW: Verzweifelt, traurig und wütend
Hallo Estella,
danke für deine Guten wünsche. Wie gesagt ich kann deine Angst wircklich sehr nachvollziehen und das man auf alles reagiert, was einem anders vorkommt. Auch ich habe das gemacht und mache es immer noch. Auch wenn ich den Beruf gelernt habe, bei einem Familienmitglied ist alles anders und man reagiert auch anders, zum teil auch viel Ängstlicher. Wichtig ist wenn du das Gefühl hast, er isst sehr schlecht oder leidet an schmerzen oder sonst was. Spreche ihn klar darauf an und rede dann auch evt mit den Ärzten darüber. Den das er Schluckbeschwerden hat kann durch aus. Dies entsteht durch die Chemo auch sehr gerne als Begleiterscheinung. Sollte dies dann wircklich der Fall sein, könnte euch auch Trinnahrung helfen. Den er braucht die kcal das er nicht zu sehr abnimmt. Schließlich habt ihr ja auch noch die OP vor euch, die sicher nicht einfach wird. Daher muß man ihm gutes tun und wo er daran aufbauen kann. Ich denke das er so Positiv denkt ist ein sehr gutes Zeichen und daher denke ich auch das er ein sehr großen lebenswillen hat. Mein Dad hat den auch noch immer und er weiß auch nicht wie es um ihn eig steht. Ich möchte einfach nicht das er es weiß. Ich hoffe ihr habt ein richtig schönen abend und viel spaß. Genießt es !!! Viele Grüße Manu |
AW: Verzweifelt, traurig und wütend
Liebe Estella,
dass Dir die Angst fast den Verstand raubt, ist doch ganz normal. Auch wenn man die Angst beiseite schieben will ... es geht nicht. Gerade vor Untersuchungsterminen ist es am schlimmsten. Ich dachte auch immer: "ach wird schon alles in Ordnung sein", aber im Hinterkopf war die große Angst und auch der Hass auf diesen Scheißkrebs. Dass Dein Vater, nachdem er im 5. Stock angekommen ist, außer Atem war, ist glaube ich ganz normal. Da würde ich auch pusten. Versuch Dich nicht total fertig zu machen. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Ich weiß es ja noch aus eigener Erfahrung. Wenn jemand in der Familie so schwer krank ist, dann macht man sich über vieles Gedanken, natürlich auch über den Tod. Die Angst, dass der geliebte Mensch vielleicht sterben muss, bringt einen oft um den Verstand. Stimmt, ich habe auch alles beobachtet. Jede kleine Grimasse oder irgendein leichtes Stöhnen hat mich total fertig gemacht. Da ist mein Blutdruck immer gleich in die Höhe geschnallt. Oft, wenn ich große Angst hatte, bin ich meinem Vater bestimmt sehr auf die Nerven gegangen. Aber er wusste, dass wir es nur gut meinen. Denk positiv. Deinem Vater geht es doch ganz gut. Er kann 5 Stockwerke hoch laufen. Und er hat eine positive Einstellung zu seiner Krankheit. Versuche sie ihm zu bewahren. Dein Vater hat Euch und Ihr seid eine tolle Familie. Gerade der Zusammenhalt der Familie ist für die Kranken sehr wichtig. Sie wissen, dass sie nicht allein sind und dass alle sie lieb haben. Aber ich weiß, wie es Dir geht. Ich wünsche Deinem Vater alles Gute für die bevorstehende Untersuchung am Montag. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass alles gut ist. Liebe Grüße Viola |
AW: Verzweifelt, traurig und wütend
Liebe Viola,
gestern abend kam ich nach dem lustigen Abendessen bei meinem Bruder völlig außer Atem oben an. Ich dachte sofort an meinen Vatert und daran, dass ich mit meiner hysterischen Angst aufpassen muss, nicht die positive Stimmung "kaputt" zu machen... Ich finde es bewundernswert, wie beständig du alle im Forum begleitest, jeden, der neu ist "begrüßt" und dabei eure Geschichte immer wieder einbringst. Danke dir für die lieben Worte. e |
AW: Verzweifelt, traurig und wütend
Liebe Manu,
hab jetzt erst deine Antwort gelesen! Vielen Dank für die lieben Worte!!! Habe euch gestern in Gedanken zu geprostet, denn es ist so oder so ein besonderer Geburtstag für euch! Mein Vater meinte gestern plötzlich zu mir: "Was wird am Montag eigentlich gemacht werden?". Er hatte vergessen oder verdrängt, dass ein CT gemacht wird und man sich den Tumor für die OP anschauen wird. Ich bekam einen riesigen Schreck, erklärte ihn den Sachverhalt und dann meinte mein Vater plötzlich ganz versonnen: "Ach, ich glaub nicht, dass die Schluckbeschwerden was mit dem Tumor zu tun haben...". Er war den Rest des Abends super gelaunt und ich beließ es dabei. Da eine Zwillings-schwagerschaft viel Stoff hergibt und auch mein Bruder bester Laune war, genoss ich den Abend sehr. Wir haben viel gelacht, denn meine Schwägerin war neulich mit zwei Freundinen in den beliebtesten Tanz-Clubs Berlins aus und sie erzählte, dass es mittelerweile Mode unter den jungen Männern ist, mit Täschchen auszugehen und alle Jungs fast wie die Mädchen aussehen...wir stellten fest, dass wir alt werden und uns die neuesten Modeentwicklungen lächerlich vorkommen. Aber lustig wars auf jeden Fall von den Täschchen und den langen Popperhaaren und den dünnen Körpern zu hören... Heute früh erzählte ich Adrian den Vorfall mit meinem Vater und er meinte, dass es doch gut sei, dass er alles so weit ausgeblendet hat, dass er sich wirklich von der Chemo hat erholen können und es besser so sei, als wenn er sich den Tag mit bitteren Gedanken vergiftet hätte. Wir werden sehen, woher die Schluckbeschwerden kommen... Denke an euch, e |
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