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AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
Liebe anny,
ich habe auf Hinweis von, ich glaube es war Andrea, mich eingedeckt mit Literatur. Ich habe eine Menge von Elisabeth Kübler-Ross und anderen gelesen, es war auch vor kurzem ein Bericht über Kübler-Ross im Fernsehen. Ich habe in unserer Stadtteilbibliothek alles abgeräumt, was es zu diesem Thema gab. Auch über Nahtoderfahrungen habe ich einiges gelesen, aber wie es überall ist, auch hier gibt es zwei Seiten der Darstellung. Das einzige, dem ich zustimmen kann, ist das jetzt meine liiebe Frau keine Schmerzen mehr hat. Also das wird wohl jeder bestätigen (müssen). Ich kann doch nicht 28 Jahre schönste Erinnerungen so wegstecken, dass ich nicht mehr traurig bin (vielleicht ist das ja so schlimm, weil es so schön war). Ich habe keinen Schalter in mir, der umgelegt wird, weil meine Frau nicht will, das ich traurig bin, weine und leide. Gerade sie müßte doch verstehen, wie sehr ich leide, weil diese schöne Zeit über die Hälfte unseres Lebens gedauert hat. Meine Frau war immer zurückhaltend und etwas ängstlich Neuem gegenüber und ich habe sie alleine in diese Ungewißheit gehen lassen, wo wir 28 Jahre alles geminsam gemacht haben. Das werde ich mir nie verzeihen. Liebe Grüße Gerhard |
AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
Hallo an alle,
lieber Gerhard, ich lese Eure gefühlvollen, klugen Beiträge mit denen jeder auf seine Art, mit seinen Erfahrungen, versucht zu trösten, zu helfen. Keiner kann sich wirklich in den anderen hinein versetzen, aber ich erinnere gut meine Trauer, die schmerzhafter und länger war als ich es mir je hätte vorstellen können. Es tat mir innen und außen alles weh, ich war nichts als Schmerz. Wenn mir in dieser Zeit etwas geholfen hat, dann der Gedanke, daß es ihr (meiner Mama) nun besser geht, das Leiden ein Ende hat. Sonst haben mir nur jene Menschen geholfen, die einfach zuhörten, die mit mir traurig waren, die begriffen wie groß mein Verlust war. Alles braucht seine Zeit. Keine leichte Sache, daß zum richtigen Zeitpunkt, der richtige Mensch, die richtigen Worte sagt. Wahrscheinlich ist das hier, im Forum ein Ding der Unmöglichkeit, eine reine Glücksache. Wenn ich z.B. nach einer schmerzhaften Behandlung beim Zahnarzt heimkomm, dann will ich in den Arm genommen werden, will hören, daß das arg ist und ich arm bin. In diesem Moment hilft es mir wenig zu hören, daß es in ein paar Tagen nicht mehr weh tun wird, das nun sein musste und die Ärzte heutzutage feinere Instrumente haben. Lieber Gerhard, es tut mir leid, daß Deine Frau gestorben ist, sie lange krank war und es tut mir auch leid, daß Du nicht weißt wie und ob Du weiterleben kannst ohne sie. Eben ist mir Frau Dr. Lingens eingefallen, sie war in einem Konzentrationslager, sie war Ärztin. Ich habe sie bei einer Diskussion in Wien gehört, - vor vielen Jahren. Ein anderer Teilnehmer erzählte von Menschen, die hoch erhobenen Hauptes in die Gaskammer gingen. Frau Dr. Lingens sagte – und das werde ich nie vergessen – es ist auch eine Frage des Zuckerspiegels ob man stolz, mit hoch erhobenem Haupt geht, oder gebeugt hineinwankt. Du hast jeden Anlass Dich kaputt, trostlos, vollkommen fertig zu fühlen. Ich weiß, da gäbe es noch sehr viele Vokabel für den Zustand. Ein Grund (EINER – lieber Gerhard !) daß Du Dich über alle Maßen elend fühlst ist auch weil Du nicht isst, weil du nicht schläfst, weil die letzten Monate nicht nur seelisch und geistig Dir alles abverlangt haben, auch körperlich. Dagegen kann „man“ schon etwas tun. Voraussetzung dazu wird wohl der Lebenswille sein und Du sagst, den hast Du nicht. Könntest Du mit folgendem Gedanken etwas anfangen?: daß Du Dir sagst, ich versuch es jetzt einmal, ich versuche auf mich zu achten, ich versuche diese kleinen Dinge zu tun wie essen, schlafen, ich versuche achtsam mit mir umzugehen, mir selbst wert zu sein. Und dann sehe ich weiter. Mir ist klar, so Aussagen wie, die Zeit heilt, oder, fast alle Hinterbliebenen können nach einiger Zeit wieder ein lebenswertes Leben leben, die empfindet man in Deiner Situation unnötig wie einen Kropf. Es gibt eben auch Menschen bei denen wird es nie gut, die sterben, wie man sagt, an gebrochenem Herzen. Stimmt das eigentlich? Oder sterben sie weil sie nicht mehr auf sich achten können und wollen? Ich weiß es nicht. Ich möchte nur für den Gerhard plädieren, der schon noch als eigenständiger Mensch existiert. Man kann das Leben eh nur vorwärts leben und rückwärts verstehen (ist nicht von mir) und so gesehen wär es schade, wenn Du Dich wider Erwarten plötzlich in einer Situation vorfindest in der es dir leid tut nicht gut auf Dich geschaut zu haben. Nun möchte ich noch ein wenig auf andere Beiträge eingehen, bzw. auf die Botschaft, die ich beim Lesen mitgenommen habe. Nicht nur in meiner eigenen Trauer, auch sonst tu ich mir immer sehr, sehr schwer wenn mir Aussagen über den Tod, das Sterben, das Danach vorgelegt haben die irgendwie den Anspruch auf Realität erheben. Wer kann es denn wissen? Ich vermisse dann den kleinen Zusatz .... so denk ich`s mir, so stelle ich es mir vor..... Auch ich habe mir einiges zurecht gezimmert, Vorstellungen, die es mir leichter machen, aber WISSEN tu ich natürlich rein gar nichts. Woher kann ich wissen was meine Eltern wollen, auch ob sie überhaupt etwas wollen? Natürlich hab ich auch gehört ich soll nicht so traurig sein, soviel weinen, denn das macht meine Mama traurig und ich muß sie loslassen, damit sie frei sein kann. Diesen Gedanken habe ich immer recht überheblich gefunden. Ehrlich gesagt, wenn danach etwas ist, nach dem Tode, dann glaube ich nicht, daß das gleich abläuft wie hier, eine reine Fortsetzung ist und ich über den Tod hinaus Einfluss auf das Glück oder Unglück, das Behagen oder Unbehagen meiner Toten habe. Bevor das nun alles endlos wird, schick ich es ab. Liebe Grüße Briele |
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Meine liebe Briele,:knuddel:
zum Glück hast du geschrieben. Du hast nun endlich meine Gedanken und Gefühle in Worte gefasst, ist mir leider seit gestern nicht so recht gelungen >>Nicht nur in meiner eigenen Trauer, auch sonst tu ich mir immer sehr, sehr schwer wenn mir Aussagen über den Tod, das Sterben, das Danach vorgelegt haben die irgendwie den Anspruch auf Realität erheben. Wer kann es denn wissen? Ich vermisse dann den kleinen Zusatz .... so denk ich`s mir, so stelle ich es mir vor.....>> genau das ist es, was mich die ganze Zeit an diesem Austausch hier etwas gestört hat, leider fand ich in meinem aufkommenden Ärger darüber nicht mehr so treffende Worte. Weißt du Anny, ich finde es ganz toll, dass du WEISST, was wir alle hier nur hoffen können. Da ich es leider nicht WEISS, sondern nach wie vor nur HOFFE ergibt sich für mich irgendwie auch, dass ich dadurch, dass ich mit Gerhard FÜHLE auch mit ihm LEIDE. Ob ihm dein WISSEN, das nicht sehr viele teilen können werden, oder mein WISSEN wie er sich fühlt, ihm helfen wird, vermag ich nicht zu sagen. Mir jedenfalls hilft es sehr viel mehr, wie Briele es bereits treffend geschrieben hat, wenn mich jemand, der es auch mitgemacht hat, einfach in den Arm nimmt (wenn auch nur virtuell) und mir anbietet, mich ausweinen zu dürfen bis der Schmerz ein wenig gnädiger wird. LG Andrea |
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Daaaanke, Briele - du hast dem ganzen wieder Gefühl gegeben und nicht nur nüchterne Worte der Eklärung ! Das Zahnarztbespiel und auch das "WISSEN" über die Dinge finde ich sehr gut beschrieben - habe bei deinem Beitrag aufgeatmet. Es geht doch nicht um "richtig" oder "falsch" und ich denke eine stumme Umarmung zu richtigen Zeit ist tröstlicher als eine sicher vernünftige "Anleitung"! :knuddel: :knuddel: :knuddel:
Liebe Grüße Petra |
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Liebe anny,
ich danke Dir für Deine Zeit, Geduld und Mühe, aber wie hat Andrea (wieder fast meine Worte) in meinen Augen richtig geschrieben Zitat:
Liebe Grüße Gerhard |
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Lieber Gerhard,
und ich hab mich eben nicht gerade erschrocken, aber doch gewundert, daß es Anny`s Beiträge nicht mehr gibt. :confused: Liebe Grüße Briele |
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Liebe Briele,
was ist denn da passiert? Liebe Grüße Gerhard |
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Lieber Gerhard,
Anny hat sie gelöscht. Briele |
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Hallo Anny,
eigendlich wollte ich heute nicht mehr an den ollen PC, hab den ganzen Tag davor gesessen... Obwohl natürlich grundsätzlich jeder mit seinen Beiträgen machen kann was er will, aber diese Reaktion verstehe ich jetzt nicht - keiner hat gesagt, dass alles Quatsch ist was in deinen Beiträgen stand. Bist du sauer und meinst keiner will lesen/ hören was du zu sagen hast? Widerspricht das nicht der Meinung, dass man sich selbst hinterfragen muss/ sollte? Ich finde es sehr schade, dass du offensichtlich verletzt bist, dabei müsstest du doch auch diese Phasen, in denen man nicht so empfänglich für die theoretische Trauerverarbeitung ist, durchlebt haben oder hast du das schon immer vom Kopf her einsortieren können? Aber vielleicht hat dir dann geholfen, wenn du einen Ratschlag bekamst, wie du es sehen soltest? Vielleicht sind doch Narben aufgeplatzt? Ganz sicher habe ich das nicht gewollt ! Es tut mir leid, wenn du traurig bist - bitte schreib doch was dich bewegt hat die Beiträge rauzunehmen! Liebe Grüße Petra |
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Lieber Gerhard,
ich möchte jetzt gar nicht viel schreiben... ich habe meinen Vater verloren. Das ist irgendwie "natürlich". Partner hingegen sollte ewig leben. Ich kann nur erahnen, wie es in dir schmerzt und reißt. Du schriebst, du hättest Schlafprobleme. Ich schubse mal einen Beitrag hoch. Dort habe ich Tropfen beschrieben, die den Schlaf anschubsen, jedoch nicht den Schlaf dauerhaft schädigen wie Schlaftabletten. Es handelt sich um eine Empfehlung eines Schlaflabors. Ohne Schlaf kannst du dich nicht regenerieren. Schon Schlafentzug allein ist eine Qual, zusammen mit Trauer unerträglich. Du wirst auf dieser Welt hier gebraucht. Dessen bin ich mir sicher. Lieben Gruß, Sonja |
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Liebe Sonja,
danke für den Tipp, aber das Medikament habe ich von meiner Ärztin verordnet bekommen. Ich hab's zweimal ausprobiert, 25 Tropfen vor dem Schlafengehen. Ich hatte nur eine völlig betäubte Zunge, aber geschlafen habe ich genau so wenig, wie ohne Tropfen. Liebe Grüße Gerhard |
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Lieber Gerhard,
probiere es doch bitte nochmals, aber diesmal für längere Zeit als für zwei Tage. Hier kannst du lesen, dass man die Wirkung gegebenenfalls erst nach 4 Wochen bewerten kann: http://www.schlafgestoert.de/Medikam...dikamente.html Hast du die Tropfen direkt auf die Zunge genommen? Mit ein wenig Wasser wären sie angenehmer einzunehmen. Manche Menschen verspüren auch erst bei 35 Tropfen eine schlafanstoßende Wirkung. Gib nicht so schnell auf in Sachen Schlaf. Das wird schon klappen. Lieben Gruß, Sonja |
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Lieber Gerhard,
ich habe auch vor jetzt fünf Wochen meinen Mann verloren, mit dem ich über 22 Jahre ein wunderbares und erfülltes Leben geführt habe, kann mir also vorstellen, wie Du Dich fühlst. Auch bei mir haben sich Schlafstörungen und Appetitlosigkeit festgestellt - ein für uns Hinterbliebene normales Phänomen? Ich habe keine Antwort darauf. Ich weiß nur, dass mein Mann es nicht gewollt hätte, dass ich an dem Verlust mich vergräme, und nur für ihn halte ich bis jetzt durch. Für mich ist es wahrlich ein kleiner Trost, dass ich ihn in meinen Armen halten konnte, als er unsere Welt verlassen hat um in eine andere einzutreten. Und ich wußte, dass er von seinen Leiden erlöst wurde, es war für ihn besser so, als noch tage-, wochen- oder vielleicht auch monatelang dahin zu "vegetieren", denn das wäre kein Leben mehr gewesen. Als ich vor einigen Tagen meine Post durchschaute, habe ich eine Grußkarte gefunden mit einem Spruch von Heinrich Heine, den ich Dir nicht vorenthalten will: Anfangs wollt ich fast verzagen, und ich glaubt, ich trüg es nie, und ich hab es doch ertragen - aber fragt mich nur nicht - wie? Viele liebe Grüße Beate |
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Ich kann Anny verstehen, daß Sie sich zurückzieht mit ihren Beiträgen. Das hat sie so für sich entschieden. Das Lesen, Nichtlesen, Erscheinen und Verschwinden von Beiträgen ist vollkommen freiwillig.
Die Beobachtung vor allem des Hinterbliebenforums seit einigen Jahren bringt mich zur persönlichen Einschätzung: - Unendlich viel Leid wird mitgeteilt - Sehr viel Mitgefühl ausgesprochen - Jeder teilt auf seine Weise eigene Erfahrungen und Wegschritte mit und tritt in Kommunikation zu anderen Betroffenen Dabei sind - so glaube ich fest - die sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten der einzelnen Betroffenen fast ohne Belang. Jeder teilt SEINE Einschätzung mit (so wie er es es kann), so wie er es sieht und versucht das klar und verständlich rüberzubringen. Der eigene Weg - aus den eigenen Blickwinkeln beschrieben - findet seinen Platz in den Beiträgen, vielleicht als Möglichkeit für andere, Anregungen aufzunehmen. Ich glaube nicht, daß das so schwer aus jedem der Beiträge herauszulesen ist, wenn man gutwillig ist. Das wird nicht immer mundgerecht für andere Betroffene sein, muß es aber auch nicht. Dazu sind einfach die Ausgangspunkte und Schicksalswege zu unterschiedlich. Ich habe noch nicht entdecken können, dass es hier im Hinterbliebenenforum Glaubenskriege über den RICHTIGEN Weg gegeben hat Trauer zu verarbeiten. Wohl aber eher bissige Tendenzen, bestimmte Äußerungen eher als andere durch Gegenrede zuzulassen oder nicht zuzulassen ("wegzubeissen"). Diese Verhaltensweisen sind mir aus dem Berufsleben geläufig, im Hinterbliebenforum sind sie mir neu. Es ist aber wohl eine Überforderung anderer Betroffener es jedem Trauernden zeit- und mundgerecht zu machen und die Qualität (Geeignetheit, Richtigkeit) danach plakativ (ab)bewertend zu taxieren, ob die gemachte Bemerkung gerade für mich passt oder ob ich sie gerade hören will (oder nicht). Wenn einem Äußerungen nicht zusagen, die ein anderer Mensch vielleicht für sich als angemessen erachtet hat, die Trauer zu verarbeiten, kann man das doch auch einmal (sprachlos, widerspruchslos, ohne Bissigkeit) stehen lassen. Auch Fragen und Anregungen gehören dazu, denn sie beschreiben ja durch die Art der Fragestellung schon, welchen Weg der Fragesteller für sich als geeignet empfunden hat. Nach meiner Einschätzung ist Kommunikation "GEBEN" UND "NEHMEN". Ist doch gar nicht so schwer: Guten Willen zeigen und auch das Nachdenken (Hineindenken, Mitdenken) beim Schreiben nicht vernachlässigen. Wie sagt man es aktuell in diesem Thread so schön: Nichts für ungut. LG Shalom |
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Hallo alle zusammen!
Habe die Beträge noch mal gelesen und kann, wie von Shalom beschrieben Rede und Gegenrede finden, so wie es jeder empfunden hat, sicher auch nach Gefühlslage. Die "Bissigkeit" von der Shalom spricht, die mag jeder woanders finden. Ich hoffe, ich habe niemanden gebissen und meine Meinung als Gesetz dargestellt. Ich glaube, dass kann ich auch garnicht, denn ich fühle mich nicht als "Wissende", sondern als "Suchende". Liebe Grüße und viel Kraft für diesen Tag euch allen zusammen! Petra :knuddel: |
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Hallo an Alle,
ich hab jetzt nicht so viel Zeit, erst wieder am Abend,und möchte nun nur einen Gedanken weiterleiten: Vielleicht sollten wir einen eigenen thread aufmachen - geeigneter Titel ? - Hilfe für Trauernde ? Das hier ist Gerhards thread. Du hast schon recht, Schalom, in einem Forum kann jeder überall mitschreiben, sich zurückziehen, auch löschen. Das Löschen halte ich persönlich nicht für so gut. Aus zwei Gründen: Man hatte ein Motiv sich einbringen zu wollen und wenn dann die Resonanz nicht wie erwartet ist, anders ausfällt, dann ist das wie im Leben sonst auch. Man kann darüber diskutieren, man kann sich zurückziehen, man kann sich ärgern, aber im wirklichen Leben kann man nichts löschen. Beim zweiten Grund weshalb ich es nicht gut finde, erinnere ich mich an meine erste Zeit im Forum. Da hab ich nur gelesen und das hat mir auch geholfen. Dabei hab ich bedauert so spät einen Computer zu haben. Wenn nun ein Teil fehlt, fehlt eben etwas. So als ob in einem Buch über Briefwechsel ein paar Seiten herausgerissen worden sind. Natürlich kann das jeder halten wie er will, aber hier ist nichts Böses, Bissiges passiert. Gerhard, wie geht es Dir? Liebe Grüße Briele |
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Hallo Briele, hallo Ihr Lieben,
mir geht es so, wie in den letzten sechs Wochen auch. Sch.... Heute um 12:05 Uhr sind es SECHS Wochen her, das mich meine geliebte Frau verlassen hat. Ich sehe es noch genauso vor, das Pflegebett, das schwachen Atmen und dann.......oh Gott (!!!!) warum hast Du das zugelassen. Ich bin eben von meiner 6 Therpaiestunde gekommen. Ich muss sagen, das Forum hier hilft mir eher, wie diese Therapie. Ich weiß nicht, was da noch kommen soll? Soll es mir irgend wann besser gehen? Ich danke noch einmal allen, die sich meine Wut und meinen Hilfeschrei (?) anhören. Liebe Grüße Gerhard Meine geliebte Frau, mein lieber Schatz und Engel, heute Nacht werde ich Dir wieder schreiben. |
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Lieber Gerhard,
Du hast von vielen lieben Menschen Mitgefühl und Anteilnahme bekommen und jeder gibt Dir das Beste seiner Gedankenanstösse, wie "man" mit Trauer umgehen könnte. Eigentlich ist dem nichts mehr hinzuzufügen...Dennoch möchte ich Dir schreiben, einfach weil mich Deine Geschichte sehr berührt hat. Vielleicht sollte ich es nicht tun, da ich ein denkbar schlechtes Beispiel an Trauerverarbeitung bin. Mein Mann, mit dem ich dreissig Jahre innig in Zweisamkeit verbunden war, ist ebenfalls kläglich an Krebs gestorben und es zerreisst mich heute noch vor Schmerz und Trauer. Heute heisst in meinem Fall 3 Jahre und 10 Monate!!! Auch ich wäre am Liebsten im Eiltempo hinterhergelaufen...und auch mich "tröstet" es nicht, zu hören, dass er jetzt keine Schmerzen mehr hat (wäre ja noch schlimmer..) oder er wollen würde, dass ich wieder fröhlich bin. WOHER wissen das die Menschen. Ich weiss, es soll Trost sein, klingt aber häufig einfach nur hilflos. Aber Du siehst, ich bin noch hier! Vielleicht könntest Du den Versuch wagen, einfach einen Tag nach dem anderen zu überstehen,- Dich um das Grab Deiner geliebten Frau zu kümmern...wer ausser Dir würde das mit Liebe tun? Dich um die Dinge kümmern, die Deiner Frau am Herzen lagen...vielleicht Pflanzen oder Bücher..oder....???? Was würde mit all den geliebten Gegenständen und Erinnerungen geschehen, wenn Du auch nicht mehr da wärst? Ich weiss, das zählt alles nicht,- nicht wirklich, aber es hält einen "kurzzeitig am Leben". Der Tod läuft Dir nicht davon! Wie ich Dir schrieb, bin auch ich (trotz dieser Zeit) immer noch verzweifelt und sehne nichts mehr herbei als meinen Mann und unser Leben. Mein Mann war der wichtigste Mensch in meinem Leben und auch mein bester Freund. Eigentlich sollte ich Dir das nicht schreiben, da es Dich demotivieren könnte und ich sicherlich den Unmut der anderen Schreiber(innen) auf mich lade. Aber selbst ich in meiner Verzweiflung kann Dir sagen, dass sich Deine Trauer verändern wird. Die Bilder der Krankheit und der Qualen werden etwas verblassen, es kommen manches Mal aufeinmal blitzartig Erinnerungen an bestimmte Dinge und Ereignisse im Leben, die Dir Fragen "beantworten". Auch wenn Du nicht an eine Art Weiterleben glauben magst,- Du wirst sehen, es gibt Momente, in denen Du eine Art Anwesenheit Deiner geliebten Frau verspürst und sei es nur in Form von immenser Ruhe und Gelassenheit, die über Dich kommt. Ich wünsche Dir sehr, dass Du die kommenden Wochen und Monate ein wenig Zuversicht erreichen kannst. Mir hat das Schreiben hier im KK sehr geholfen und ich habe auf diese Weise gerade in den ersten Monaten Mitgefühl bekommen, das ich in meinem Umfeld nicht bekam. Lass Dich hier trösten, soweit das möglich ist und fühle Dich hier in diesem Kreise etwas weniger alleine. Alles Gute, Laetitia (früher Nadine, da aber mittlerweilen soviele Nadines hier sind, musste ich auf einen anderen Namen ausweichen) |
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Lieber Gerhard,
es werden demnächst Phasen kommen, wo du dich besser fühlst, zumindest kann es passieren, dass du nicht permanent daran denkst. Diese kurzen Momente zum Luft nehmen werden dich wahrscheinlich zunächst irritieren, weil irgendwie gewöhnt man sich sogar an den schrecklichen Schmerz. Wirklich besser? Ich weiß nicht, es verändert sich. Der Kloß im Hals und der Druck im Magen werden wahrscheinlich nie mehr ganz vergehen, aber sie hören irgendwann einmal auf, dich zu bestimmen, du lernst damit zu leben. Dann wird es auch wieder Phasen geben (bei mir Mitte November nachzulesen), wo sich das Loch auftut und unverhofft das Trauertier zum Angriff ausholt und du wirst wieder am Anfang stehen. Und irgendwann - vielleicht sogar schon bald - wirst du auch wieder lachen können und das sind, für mich zumindest die Augenblicke, in denen ich die meiste Kraft schöpfe. Dass du deiner Frau schreibst, ist ausgezeichnet. Ich denke, dabei gibst du dir selbst die Gelegenheit, deine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Und auch hier wirst du vielleicht bald eine Veränderung feststellen derart, dass es fast wie ein tatsächlicher Austausch zwischen dir und deiner lieben Frau ist, du wirst beim Schreiben fühlen, dass die Antwort auf manches Problem sich auftut, als hätte sie sie dir gegeben. Lieber Gerhard, ich schick dir ein paar Sonnenstrahlen und eine feste :knuddel: Irgendwie werden wir es schon schaffen :knuddel: LG Andrea |
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Liebe Andrea,
danke für die netten Zeilen, den Thread von Dir habe ich gefunden, vom 28.11.2005, 16:42. Und das Gedicht ist so schön zum :weinen: :weinen: wunderbar, so etwas würde ich gerne meiner Frau auch schreiben, das bekomme ich aber nicht zusammen (viellecht noch nicht). Lieb Grüße Gerhard |
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Guten Morgen mein geliebter Schatz und Engel,
ich habe Dir schon länger nicht mehr geschrieben, aber Du hast ja sicher mitbekommen, was hier für hitzige Diskussionen geführt wurden. Ach ja, wenn Du GOTT sehen solltest, sag ihm Bescheid, wenn ich komme, kann er sich warm anziehen. :twak: Hier gibt es so viele nette Menschen, die trotz ihrer eigenen Schicksale und Belastungen für andere da sind, Trost spenden und zuhören. Diese Menschen wissen, wo von gesprochen wird, die haben mehr Ahnung als alle Psyhotherapeuten. Ich bin sehr traurig, wenn ich von diesen Schicksalen, die es hier gibt, lese und denke dann immer, was stelle ich mich an. Aber ich kann nicht anders, ich bin traurig und muss viel weinen. Der Schmerz ist immer noch so groß. Du bist jetzt vor genau sechs Wochen und 12 Stunden von mir gegangen. Mir gehts immer noch so schlecht. Ich wollte gestern unsere Tochter holen, doch habe ich ihr abgesagt. Ich wollte alleine sein. Ab Deiner Todesstunde habe ich dann bis abends geweint. Ich habe dabei unsere Lieder gehört, bald kann ich alle Texte auswendig. Jetzt höre ich die Lieder auch. :weinen: :weinen: Ich habe vorgestern unsere Betten endlich neu bezogen. Ich habe 4 Stunden dafür gebraucht. Ich musste immer wieder unterbrechen. Ich habe Deinen Geruch in der Wäsche bemerkt. Das hat sehr weh getan. Gut das Du mir damals beigebracht hast, wie man die Wäsche wäscht, sonst hätte ich wieder im Internet nachsehen müüsen, wie man das macht. Aber bügeln werde ich die Bettwäsche nicht, auch wenn Dir das nicht gefallen wird, aber das kannst Du nicht von mir verlangen. Ich kann auch immer noch nichts essen, ich ernähre mich von Mineralwasser. Der Kühlschrank ist seit Wochen völlig leer. Ich kann auch nicht einkaufen gehen, mich stören die Menschen, die schwatzen und lachen. Ich habe jetzt neben das Bett an die Wand ein Bild von Dir aufgehangen, dann kannst Du mir immer zusehen und wir können uns unterhalten. Ich bin so unendlich traurig, ich möchte so gerne bei Dir sein. Ich habe hier den Text von dem Lied "In Gedanken" von der Gruppe Pur. Als ich dies das erste Mal gehört habe, war ich wie angewurzelt, der Text passt zu Deinem Leben. Ich habe das gestern Morgen beim Autofahren gehört und musste anhalten, weil ich vor lauter Tränen nichts gesehen habe. Sie stand mitten im Leben hat das Glück angelacht. Für den Mann und die Kinder die treibende Kraft. Sie war liebenswert, freundlich - was man herzensgut nennt; jemand der gerne hilft, den man auch gerne kennt. Sie war noch zuversichtlich, nach dem ersten Befund. und Sie glaubte und hoffte, denn es gab keinen Grund. Von Gerechtigkeit hielt diese Krankheit nicht viel; sie verfolgte heimtückisch und sinnlos ihr Ziel. Das Grab längst verschlossen; die Schmerzen vergeh´n. Die Tränen vergossen; das kann keiner versteh´n. Die Zeit bringt Vergessen, doch was auch geschieht: Sie lebt in Gedanken; und in diesem Lied - diesem Lied. All die Operationen. all die Therapien begannen dem Körper die Kraft zu entzieh´n. Doch sie wollte kein Mitleid: Mit Löwinnenmut oh, lachte sie weiter, als ging es ihr gut. Ich sah sie und weinte; sie tröstete mich. Ja das war echte Größe - mir war jämmerlich. Sie hat sich auf´s nächste Konzert so gefreut; das sie´s nicht mehr erlebt hat, tut mir mehr als leid. Das Grab längst verschlossen; die Schmerzen vergeh´n. Die Tränen vergossen; das kann keiner versteh´n. Die Zeit bringt Vergessen, doch was auch geschieht: Sie lebt in Gedanken - und in diesem Lied - diesem Lied Jetzt hat's mich wieder, ich werde jetzt schliesen. Nachher komme ich wieder in Deinen Garten. Ich liebe Dich unendlich :1luvu: :1luvu: Gerhard |
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Ich habe immer einen dicken Kloß im Hals, wenn ich deine Texte lese, lieber Gerhard...
Alles Gute! |
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Lieber Gerhard,
ich weiß nicht wie lange man leben kann ohne zu essen, ohne zu schlafen. Ich weiß es nicht. Ich habe gehört man kann verlernen zu essen, man braucht dann Hilfe um überhaupt wieder Nahrung aufzunehmen. Ich weiß auch nicht ob das stimmt. Leider weiß ich auch nichts über Schlafmittel. Gestern hab ich das Schlafmittel in der Apotheke geholt das mein Mann nimmt, aber es macht doch keinen Sinn wenn ich Dir nun dieses Mittel nenne, oder? Gerhard, ich denke wenn Du Hilfe willst, dann ist es jetzt einmal Dein Körper der ganz dringend welche braucht. Vielleicht schauen hier ja auch medizinisch Gebildete herein, die etwas dazu sagen können. Vor einiger Zeit hast du geschrieben, Deine Ärztin sei erschrocken als sie Dich sah. Hat sie Dich seither wieder gesehen? Wenn sie nun Grund hat noch mehr zu erschrecken, wird sie Dir dann konkrete Vorschläge machen? Vielleicht auch den, in ein Krankenhaus zu gehen? Mir ist schon klar, jeder Mensch kann entscheiden wie er will. Wenn jemand die Entscheidung trifft, ich kann und will ohne meinen verstorbenen Partner nicht mehr weiterleben und ich hungere mich zu Tode, so soll das wohl akzeptiert werden. Aber gibt es nicht auch so etwas wie unterlassene Hilfeleistung? Ich kenn Dich nicht, aber ich mach mir trotzdem Gedanken über Dich. Die Bilder, die Vorstellung, die ich von Deiner Situation habe stimmen vielleicht gar nicht. Vielleicht aber doch? Meine Vorstellung ist, daß Du allein, zurückgezogen lebst und kaum einer SIEHT wie es Dir wirklich geht. Wir hier, LESEN darüber. Erst dachte ich, er hat eine Tochter, aber nun lese ich das Verhältnis ist so, daß sie nicht einfach kommt um nach Dir zu sehen, sich um Dich zu kümmern. Mir scheint es gibt nur einen Menschen der sich um Dich kümmert, Dir helfen kann, und der bist Du selbst. Weißt Du was ich wirklich schade fände und sehr traurig wäre? Wenn Du den Zeitpunkt versäumst. Wenn Du immer schwächer wirst, zu schwach um Dir noch Hilfe zu suchen, es dann aber möchtest? Du dann daliegst und Dir vielleicht sagst, ach das war jetzt doch ein Fehler? Ausschließen kann man glaube ich nichts. Vor einigen Jahren hatte ich einen Unfall mit dem Rad. Vom Krankenhaus humpelte ich ins Taxi und sank jammernd auf den Sitz. Der Taxifahrer sagte, das wird schon wieder. Ich jammerte ein bisschen weiter. Dann erzählte er mir seine Geschichte: Mit dem Motorrad hatte er einen Unfall auf der Autobahn. Über 30 Brüche, manche davon sehr gefährlich. Über ein Jahr war er im Krankenhaus und zur Reha. In dieser Zeit ließ sich seine Frau von ihm scheiden. Frau weg, Gesundheit weg, Beruf auch. Nach einem Jahr, zu seinem Geburtstag veranstalteten Freunde für ihn eine Grillparty. Er saß da, der Grill flog in die Luft, vielleicht auch mehr auf ihn und er hatte schwerste Verbrennungen. Er wurde in ein künstliches Koma gelegt, danach folgten viele Transplantationen. Die Schmerzen waren so, daß er nur eines wollte, um eines bettelte: zu sterben. Und das immer wieder. Er sagte zu mir, sehen sie mich an, ich bin wieder da, das Leben ist wieder schön. Ich hätte das nie für möglich gehalten. Vergessen sie meine Geschichte nicht, geben sie ihr Leben nie vorschnell auf auch wenn sie meinen es geht nicht mehr. Du wirst nun vielleicht sagen, was sollen mir die Geschichten und Du hast ja Recht, was helfen sie. Ich habe mir heute gedacht was würde ich machen wenn ich nicht mehr schlafen kann. Das kann ich mir eher vorstellen als nicht mehr zu essen. Also nicht mehr schlafen kann, ich war beim Arzt, das Mittel hilft nicht, ich war ein zweites Mal dort, auch das zweite half nicht. Ich würde mich dann an ein Hospiz wenden, weil ich mir denke (und hoffe) daß die da viel Erfahrung haben, sich ja auch um Angehörige kümmern. Was würde ich machen wenn es einem Mensch neben mir so geht wie Dir? Wenn meine ganzen Kochkünste nichts bringen, mein gutes Zureden, dann würde ich alles versuchen ihn in ein Krankenhaus zu bringen, damit er dort aufgepappelt wird. Gerhard, wenn Du keinen hast der es für Dich macht, dann, wie gesagt, musst Du es für Dich tun, so Du es willst. Drück Dich. Briele |
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Hallo Gerhard,
ob es etwas nützt wenn hier *Gebildete im Bereich der Medizin* etwas dazusagen....weiß ich nicht. Ich könnte dir nun sehr vieles in Punkto Insomnie,Kachexie etc. aufzählen......aber möchtest du es überhaupt hören ? Wir können dir die Hand reichen.......nehmen musst du sie,du entscheidest in deinem Fall ob du bereit bist Hilfe zur Selbsthilfe anzunehmen. Liebe Grüße anny |
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Lieber Gerhard, schon eine Weile lese ich Deine lieben Briefe an Deine Frau, und es bricht mir jedes Mal fast das Herz.
Aber jetzt muss ich Dich wirklich bitten: Such Dir Hilfe!!! Ich glaube nicht, dass Deine Frau gewollt hätte, dass Du nichts mehr isst. Oder hättest Du im umgekehrten Falle gewollt, dass sie sich zu Tode hungert? Ganz bestimmt nicht!!!! Ruf ganz schnell Deine Hausärztin an, oder einen Freund, Pfarrer, Seelsorgetelefon... Bitte unternimm etwas!!!!! Liebe Grüße Andrea |
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Hallo Ihr Lieben,
ich möchte mich herzlich dafür bedanken, dass ihr Euch solche Sorgen macht. Das habe ich aber nicht gewollt. Ich habe seit dem Weggang meiner Frau ca. 13 Kg abgenommen, aber das kann wohl nicht so schlimm sein, da ich 183 cm groß und 104 Kg gweogen habe. Also bin ich immer noch 8 Kg über meinem Idealgewicht. Es ist auch nicht so, dass ich gar nichts gegessen habe. Wenn ich bei meiner Schägerin war, esse ich eine Kleinigkeit mit. Aber das ist dreimal bis jetzt gewesen. Ich mache mir zu Hause nichts zu essen. Frühstück gibt's nicht mehr. Die Tiefkühltruhe ist bis oben gefüllt. Aber ich kann nicht's essbares runterkriegen. Ich trinke dafür aber 2 - 3 Flaschen Mineralwasser am Tag. Ich bin ja auch ständig bei meiner Ärztin, sie hat sich nur erschrocken, wegen meiner 104 Kg und jetz 91 Kg und die starken Augenringe. Gestern habe ich von 03:00 Uhr bis 06:00 Uhr geschlafen. Ist ja nicht so, dass ich gar nicht schlafe, das kommt zwar zwischendurch auch vor, find ich aber nicht so schlimm, solange ich mich noch aufrecht halten kann. Die Ärztin hat mir ja auch Tropfen verordnet, aber ich möchte ohne Medikamente auskommen. Wenn's gar nicht mehr gehen sollte, werde ich diese nehmen. Es stimmt, dass ich ganz alleine hier sitze. Ich möchte das aber, ich will niemanden mit meiner Trauer belästigen. Ich möchte weinen, wann ich will und wenn mir danach ist. Das kann ich nicht wenn jemand da wäre, außer meiner Tochter. Meine Tochter habe ich heute zu mir geholt, deshalb konnte ich mich auch jetzt erst auf Eure Antworten melden. Nur geht's ihr auch nicht besser. Wir haben heute viel erzählt, zusammen geweint, die gemeinsamen Lieder gehört und sind in den Garten meiner Frau gegangen. Ich danke allen, die mir ihre Hilfe und Ratschläge anbieten. Bitte macht Euch keine Sorgen um mich, ich werde diesen Weg nicht wählen, um meiner Frau zu folgen. Liebe Grüße Gerhard |
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Guten Morgen mein geliebter Schatz und Engel,
oh je, ich habe hier bei einigen netten und lieben Menschen für Aufregung gesorgt, mit meinen Schlaf- und Nahrungsproblemen. Ich werde demnächst vorsichtiger in der Wahl meiner Wörter sein. Es ist aber erstaunlich, wieviele nette und liebe fremde Menschen sich Sorgen um mich machen. Vielleicht bin ich ja doch nicht so alleine, als Du von mir gegangen bist. :weinen: :weinen: Gestern Morgen habe ich ja unsere Tochter geholt, wir haben uns lange darüber unterhalten, wie wir uns kennen gelernt haben. Wir haben geweint und uns getröstet. Ich wusste ja gar nicht, dass Du ihr alles einmal erzählt hattest, wie Du mich damals zu Deinem Geburtstag eingeladen hast, als ich Deinen Eltern das Radio repariert hatte. Da hat es bei uns beiden gefunkt. :weinen: :weinen: :weinen: :weinen: :weinen: :weinen: :weinen: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: Das hat dann 28 Jahre gehalten. Das ist heute fast unvorstellbar. Deine Mutter, der Drachen :twak: , wollte ja immer einen "beseren" Mann für Dich, vor allen Dingen einen, der nicht nur "Facharbeiter" ist. Das wußte unsere Tochter aber nicht. Aber das Du immer mit mir zufrieden warst, das hast Du ihr aber erzählt. Das hat sie mir eben in Deinem Garten erzählt. Das hat wieder sehr weh getan. :weinen: Deine Mutter ist ja nicht einmal zu Deiner Beisetzung erschienen. Ich habe ihr eine Danksagungskarte geschickt, warum eigentlich? :mad: Unsere Tochter hat Angst, die Bindung zu Dir zu verlieren, da sie noch keine Verbindung zu Dir herstellen konnte. Im Garten bei Dir ist ja gestern was seltsames passiert, exakt Dein Name auf dem Holzkreuz wurde von der Sonne angestrahlt, aber wirklich nur der Name. Wenn ich das nur alleine gesehen hätte, mir ist das jetzt aber schon zum drittenmal passiert, ich hätte das für mich behalten, aber da unsere Tochter dabei war, konnte ich sicher sein, dass das nichts mit meinem Schlafentzug zu tun hatte. Ich habe ihr gesagt, siehst Du, da ist deine Bindung. Irgendwie kam sie mir, als ich sie nach Hause brachte, etwas zufriedener vor. Könnte das denn sein, das Du uns ein Zeichen gegeben hast? Ich würde das nur zu gern glauben. Aber die Sonne war ja nun mal da und schien eben genau auf das Kreuz. Aber das schon viermal hintereinander und dann auch immer zu unterschiedlichen Zeiten. Na ja, schauen wir mal. Morgen kommen meine Schwester mit ihrem Chaoten und meine Mutter. Die bringen mir bestimmt wieder einen Eintopf mit, da kann ich dann 4 Wochen von essen. Vielleicht probiere ich ja diesmal etwas davon, ich werde mich aber bestimmt dazu zwingen müssen. Ich kann ja nicht immer alles wegschmeißen, die geben sich solche Mühe. Uschi, ich glaube, es hat etwas genutzt, das heute Morgen mir einige liebe Menschen hier ins Gewissen geredet haben. So meine geliebte Uschi, ich wälze mich gleich mal im Bett hin und her, vielleicht kann ich ja mal länger als 3 Stunden schlafen. Ich liebe Dich unendlich, bis nachher in Deinem Garten :1luvu: :1luvu: Dein Gerhard |
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Lieber Gerhard,
die Mädels hier haben mir aus der Seele geschrieben. Ich finde in deiner Antwort spielst du das Ganze ehrlich gesagt etwas runter. Was heißt wenn es nicht mehr geht, dann nimmst du die Tropfen? Ich finde es geht schon jetzt nicht mehr so weiter mit dir. Du sollst auch nicht künftig deine Wortwahl ändern. Es sind ja nur die Fakten, die uns Sorgen gemacht haben oder noch immer machen. Ich hoffe du fühlst dich von mir jetzt nicht angegriffen, aber wir wollen doch nur versuchen dir ein kleines Stücken zu helfen. Ich denke das Treffen und reden mit deiner Tochter war schon ein guter Schritt und wie du schreibst kriegst du auch Besuch von deiner Mutter und deiner Schwester. Ich hoffe du kannst es etwas genießen. Ich denke der Tag ist lang genug um auch noch in Ruhe und ganz für sich um deine Frau zu trauern. Aber deshalb solltest du nicht 24 Stunden alleine sein und nur trauern. Bitte sei mir nicht böse für meine schonungslosen Worte. Liebe Grüße Wolke :winke: |
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Lieber Gerhard,
mich zerreist es innerlich richtig, wenn ich Deine Beiträge lese. Ich hab Dir schon mal geschrieben, das ging aber in der Fülle der Beiträge unter. Macht nix. Mein Beitrag war ein Appell an Dich, das ganze mal von der anderen Seite zu sehen. Ich möchte Deine Trauer nicht runterspielen, im Gegenteil, ich kann sie bestens nachvollziehen, habe dieses Jahr meinen innigst geliebten Dad verloren. Da ich Einzelkind bin und unsere kleine Familie intakt war und das Verhältnis zu meinen Eltern sehr gut war, ist mehr für mich kaputt gegangen, als den Vater zu verlieren. Zwar wohnte ich nicht mehr daheim, aber mein Elternhaus war immer mein "Nest". Das Elternhaus steht noch, aber es ist mir kein Nest mehr. Leider. Zurückgeblieben sind meine Mum und ich. Und meine Mum schmerzt ihre Trauer ähnlich wie Dich. Ich als Tochter stehe hilflos daneben und mir zerreist es das Herz, wenn ich merke, dass ich so gar nichts tun kann, kein bisschen aufmuntern wollen, was Gutes tun wollen, die himmelbesten Wörter fruchten nicht. Ich denke, Deine Tochter wird sich da ähnlich hilflos fühlen. Ich bin andauernd in Sorge um meine Mum, sie weint viel, meistens aber nicht vor mir, raucht wie ein Schlot, spricht davon, dass es sich zu zweit sowieso am besten stirbt und macht mir damit Angst. Wir sprechen auch über meinen Dad, es endet meistens in Tränen. Lieber Gerhard, vielleicht empfindest Du meine Zeilen als unangebracht, weil ich hier von mir erzähle und wie ich das als Tochter empfinde. Denk auch mal an sie, es tut ihr sicherlich auch sehr weh, wenn sie merkt, wie es Dir geht. Damit meine ich nicht, dass Du es vor ihr verheimlichen sollst. Aber mach nicht zu, lass andere Menschen an Dich ran, vor allem Deine Tochter. Du gerätst dabei sicher auch mal an Menschen, die Deine Situation nicht verstehen. Aber es werden sicherlich auch andere dabei sein, die Dir doch sowas wie Trost geben können. Dass Du einen riesengroßen Verlust erlebt hast und nun betrauerst, verstehe ich, wirklich. Aber das Leben geht nun mal weiter, so grausam sich das auch anhört. Du kannst nicht dagegen an, tust Dir damit nur noch mehr weh. Sie es mal so: Du hattest 28 schöne Jahre mit der Frau, die Du innigst geliebt hast und sie Dich und ihr habt eine Tochter zusammen. Dafür kann man auch dankbar sein, bei aller Wut auf "Gott", an den ich nebenbei bemerkt, nicht glaube, zumindest nicht in dieser personifizierten Form und in dem Zusammenhang das Wort barmherzig zu gebrauchen, macht mir große Mühe. Dennoch, Deine Frau war und ist Teil Deines Lebens und lebt in Dir und Deiner Tochter weiter. Sie hat Dir ihre Liebe gegeben und davon kannst Du zehren. Kannst zurückblicken auf 28 schöne Jahre. Verzeih, wenn mein Beitrag vielleicht ein bisschen unbeholfen klingt, die Worte vielleicht etwas holperig rüberkommen, ohne Zusammenhang. Für die Traueranzeige meines Vater's haben meine Mum und ich den Spruch gewählt "Leuchtende Tage, weine nicht, weil sie vorüber, lächle, dass sie gewesen!" In diesem Sinne ist mein Beitrag gemeint, ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du diese schwere Zeit gut meisterst und bald hinter Dir lässt und dann gestärkt Dein Leben meisterst. Für Dich und für Euer Mädel. Herzlichst, mit den allerbesten Wünschen Für Dich, Karleen |
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Meine geliebte Uschi, mein Schatz und Engel,
jetzt kennen Dich mittlerweile so viele hier, jetzt werde ich Dich immer mit Deinem Namen anreden. Heute haben wir unseren 26.ten Hochzeitstag. :weinen: :weinen: :weinen: Ich denke heute noch mit Stolz an den Tag, an dem ich Dir den Heiratsantrag machte. Was hab ich für einen Klos im Hals gehabt, der Druck in der Magengegend war enorm. Ich hätte dann, als ich es geschafft habe, mit meinem Gestammel und Gemurmel, Dich zu fragen ob Du mich heiraten willst, die ganze Welt küssen können, als Du ja gesagt hast. :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: Wir haben den Termin der Hochzeit auf den Tag gelegt, an dem meine Eltern Silberhochzeit hatten. Meinen Eltern hatten wir diese schöne Nachricht sofort überbracht. Oh je, wie sagen wir das Deinen Eltern, besonders Deiner Mutter. Dein Vater hat sich sehr gefreut, dass konnte man merken. Der einzige Kommentar Deiner Mutter war, ob es nicht zu früh wäre, wir würden uns ja erst zwei Jahre kennen. :mad: :mad: Dann kam der Tag der Hochzeit, mein Gott, als ich Dich in der Kirche sah, wie warst Du schön. :rotier2: Ich habe gedacht, wieso habe ich das Glück, so eine liebe und schöne Frau kennen gelernt zu haben. Die anschließende Feier mit meinen Eltern und unseren Verwandten und Bekannten war auch wunderschön. Ich habe mir eben unsere Hochzeitsbilder angesehen. Das tut wieder unendlich weh. Mir schnürt sich der Hals zusammen. Du bist die schönste, liebste und anständigste Frau der Welt. Wenn ich mal überlege, wie viele von den damals anwesenden Verwandten nicht mehr leben. Hast Du sie eigentlich alle, da wo Du jetzt bist, schon wieder gesehen? Ich will hoffen, dass sie Dich alle herzlich empfangen haben. Anderthalb Jahre später ist dann unsere Tochter geboren worden, sie war ein wirkliches Wunschkind. Ich erinnere mich daran, dass ich immer die Schwangerschafstests habe ablesen müssen und als es dann soweit war, habe ich Dich in Deiner Firma angerufen, Du hast Dir direkt frei genommen und wir sind zusammen zu Deinem Frauenarzt gegangen. Der Jubel war riesig groß, als feststand, dass wir ein Kind bekommen. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Silberhochzeit „gefeiert“. Du lagst ja schon im Pflegebett, aber für uns war das trotzdem eine Feier. Dann geht’s leider hier weiter :weinen: :weinen: http://www.krebs-kompass.org/Forum/s...5&postcount=17 Wir haben all die Jahre immer harmonisch miteinander gelebt, haben uns gegenseitig geachtet und respektiert. Wir haben fast nie Streit gehabt, ich kann mir nur an ganz kleine Sachen erinnern, das waren aber mehr Meinungsverschiedenheiten. Wir sind nie laut zueinander gewesen. Wir haben die gleichen Interessen auch in Bezug auf unsere Urlaube gehabt (oder haben sie mit der Zeit entwickelt). Es passte einfach alles zusammen. Warum wurde diese wunderbare Liebe auf solch brutale und unmenschliche Art beendet? In dieser Welt, wo es nur vor Neid und Missgunst, Ellebogengesellschaft und Egoismus nur so strotzt, war kein Platz für diese große Liebe. Und das soll keine Strafe sein, dass ich hier in dieser Sch…Welt zurück bleiben soll? Es waren unbeschreiblich schöne 28 Jahre mit Dir. Die schönen Augenblicke und das wunderbare Leben mit Dir, können die übergroßen Schmerzen nicht aufwiegen. Ich danke Dir für Deine übergroße Liebe und die wunderbaren 28 Jahre. Ich werde keinen Augenblick unseres gemeinsamen Lebens vergessen. :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: Ich liebe Dich unendlich, meine Liebe nahmst Du mit, Deine trage ich im Herzen Gerhard |
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Lieber Gerhard,
Ich denke an Dich und möchte Dir nur Folgendes schreiben: Und wenn die Sonne des Lebens untergeht, leuchten die Sterne der Erinnerung !!! Die Erinnerung ist das Fenster durch das wir Dich sehen können, wann immer wir wollen... http://www.cheesebuerger.de/images/m...aurig/a020.gif Fühl Dich mal ganz lieb in den Arm genommen und gedrückt !!! Viele liebe Grüße Jutta |
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Hallo Gerhard!
Bin grad durch Zufall hier gelandet, aber es freut mich hier zu sein. Und es tut mir unsagbar leid, das Du diesen Schmerz fühlen mußt. Du hast wundervolle Jahre mit Deiner Frau gehabt, das können nicht mehr viele Menschen heut zu Tage von sich behaupten. Darum glaube ich auch ganz fest da dran, das sie noch bei Dir ist. Ein Mensch verläßt einen erst dann, wenn man nicht mehr an ihn denkt u. das wird bei Dir mit gewißheit nicht passieren. Aber bedenke auch, das Deine Frau bestimmt ich gewollt hätte, das Du Dich nur verkriechst, nicht mehr ißt u. nicht mehr schläfst. Sie würde bestimmt nur das beste für Dich wollen. Es gut, das Deine Tochter bei Dir ist. Und es ist noch besser, das ihr über alles redet. Das kann ich leider mit meinem Vater nicht. Und bitte überlege Dir nicht zu viel was Du hier rein schreibst. Sei einfach Du selbst, schreibe wie es Dir geht u. was Du fühlst, wenn Dir da nach ist. Du wirst sehen, Du bist niemals allein!!!!! Ich drücke Dich u. schicke Dir ein dickes Kraftpacket. Möge die Sonne morgen wieder für Dich scheinen! Lieben Gruß Chantalle |
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Hallo meine geliebte Uschi, mein übergroßer Schatz und Engel, :1luvu: :1luvu:
ich habe Dir die Zeilen von Andrea, die über meinen Brief an Dich gestern geschrieben hatte, vorgelesen. Ich musste wieder ganz schlimm weinen. Diese Zeilen sind mir so nah gegangen. Fremde Menschen lesen etwas über den Hochzeitsantrag, den ich Dir damals gemacht habe und finden dies wunderbar. Was ist mit unseren Verwandten? Meine beiden Brüder melden sich seit Deiner Beisetzung überhaupt nicht mehr. Deine Schwester hat auch schon seit anderthalb Wochen ihre Nachfragen eingestellt. Denen würde ich überhaupt nicht zumuten wollen, auch nur ansatzweise etwas über uns zu erzählen. Wir waren sowieso Außenseiter, mit unserer eintönigen Ehe, wo einfach alles ohne Komplikationen ablief. Die einzige, die mir dann geblieben, ist unsere Tochter, aber die hat mit sich selber genug zu tun. Du fehlst ihr auch sehr. Aber die hat ja ihren Freund, mit dem sie reden kann. Andrea hat auch geschrieben, sie meinte, dass meine Worte nicht mehr so verzweifelt klingen würden, sondern glücklich. Das habe ich so noch nicht gesehen, aber bei all der Verzweiflung, glaube ich, sie hat vollkommen Recht. Liebe Andrea, meine Uschi und ich möchten Dir noch nachträglich zum Geburtstag gratulieren, Petra habe ich auch nicht vergessen. Wir sind ja eine Menge Steinböcke hier. :prost: Liebe Uschi, Du weißt ja, wie ich früher immer, wenn ich mich abreagieren wollte, morgens früh um 07:00 Uhr auf die Autobahn gefahren bin. Wie schnell unser Auto ist, brauche ich Dir ja nicht zu sagen, die Geschwindigkeit jenseits der 240 km mochtest Du nie. Am letzten Sonntag bin mit wieder mit Höchstgeschwindigkeit über die Bahn gejagt. Ich habe zwei Brückenpfeiler rechts gesehen, die nicht sonderlich gesichert waren und habe kurz darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn man mit dieser Geschwindigkeit auf diesen Pfeiler zufährt. Ich bin die nächste Abfahrt runter und wieder in die gleiche Richtung aufgefahren. Beim ersten Anlauf, waren um diese Zeit drei Wohnwagengespanne unterwegs, sonst ist hier niemand unterwegs gewesen. Ich bin dann runter von der Bahn und einmal im Kreis wieder rauf. Ich habe wieder auf den Pfeiler zugehalten und im letzten Augenblick war mir als ob ich unbewusst das Lenkrad nach links drücken würde, also weg von dem Pfeiler. Ich möchte gerne glauben, dass Du Dich vielleicht da eingeschaltet hast und mir ein Zeichen geben wolltest. Oder war es doch nur diese sch.. Angst, dass dies nicht so abläuft wie man sich das wünscht? Und wenn es doch so ist, das wir uns direkt in die Arme nehmen könnten, dann hab ich hier meine Zeit unnötig verbracht und solange ausgehalten, bis ich auf dem „normalen“ Weg zu Dir kommen kann. Heute Morgen bin ich diese Strecke wieder gefahren, ich bin nur so um die 170 km gefahren, aber es war niemand vor und niemand hinter mir. Ich habe die Pfeiler gesehen, ich bin ganz ruhig und gelassen daran vorbeigefahren, bin 30 km geradeaus und dann wieder gemütlich nach Hause gefahren. Ich glaube, diese Gedanken schiebe ich erstmal beiseite. Vielleicht muss ich ja doch noch eine Aufgabe in diesem Leben erfüllen. Ich dachte immer, ich habe hier schon alles erledigt. Was kommt denn noch, mir reicht’s eigentlich. :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: :1luvu: Ich habe heute, nachdem ich bei Dir im Garten war, den Tag alleine verbracht. Wie sonst auch. Aber der heutige Tag ist ja für uns etwas Besonderes. Dein Bild auf dem kleinen Tischchen wird die ganze Zeit von der Sonne angestrahlt und es strahlt eine solche Ruhe aus, ich kann mich gar nicht satt genug daran sehen. Stell Dir mal vor, um 15:30 Uhr hatte unser Kaplan bei mir angerufen und sich mit mir unterhalten. Was ist denn auf einmal in den gefahren. Hat das noch nachgewirkt, was ich vor einiger Zeit für einen Wirbel veranstaltet habe? Oder hast Du da auch wieder mitgewirkt? Ich werde heute mal mit unserer Ärztin sprechen, ob es nicht noch andere Möglichkeiten gibt. Ich habe etwas von Kurkliniken gelesen, die akute Belastungsstörungen und depressive Reaktionen behandeln. Nur die wöchentliche Therapie bringt mich nicht weiter, morgen muss ich auch wieder hin. Ich werde Dir heute Abend darüber berichten was die Ärztin sich ausgedacht hat. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. Dietrich Bonhoeffer Meine Liebe zu Dir ist unendlich :1luvu: :1luvu: Gerhard |
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Lieber Gerhard,
als ich deine Zeilen gelesen habe dachte ich: Das kann er doch unmöglich wirklich in Erwägung ziehen. Lieber Gerhard, wir alle sind verzweifelt, wir alle sehnen uns zurück in unser altes Leben. Aber über eines solltest du wirklich einmal nachdenken: Überleg einmal, was du anderen Menschen mit solch einer Pfeileraktion antun würdest. Von deiner Tochter einmal abgesehen, die du mit dem Gefühl, versagt zu haben, zurücklassen würdest. Diese Gewissensbisse, die sie haben würde, wünsche ich keinem Menschen und du eurer Tochter doch ganz gewiss nicht. Aber es wäre nicht nur deine Tochter. Mir sind spontan die Menschen eingefallen, die den Unfall bemerken, die erste Hilfe leisten und Bergungsarbeiten leisten müssten. Ich kann mir lebhaft vorstellen, welche psychische Belastung dies für die Helfer bedeutet. Vielleicht wärst du sogar verantwortlich, dass ein anderer Mensch deinetwegen Ess - und Schlafprobleme hätte, die dich zur Zeit quälen. Im schlimmsten Fall könntest du Schuld daran sein, andere in diesen "Unfall" zu verwickeln, einer Frau den Mann zu nehmen, Kindern ihren Vater, Müttern ihren Sohn u.s.w, weil er das Pech hätte, dir zu begegnen, egal wie scheinbar unbefahren die Straße auch sein mag. Du fragst nach deiner Aufgabe? Nun, das frage ich mich auch häufig, vor allem, wenn die Sehnsucht nach meinem geliebten Mann wieder einmal so schmerzhaft ist, dass ich nicht weiß, wie ich es aushalten kann. Gut, ich bin im Vorteil, meine Kinder brauchen mich, das ist eine greifbare Aufgabe, nicht abzustreiten und macht manche Überlegungen ganz einfach hinfällig. Nun habe ich deine Uschi in deinen Briefen jedoch als liebevollen Menschen kennengelernt. Als eine bescheidene Seele, die sich niemals in den Vordergrund drängen wollte, noch nicht einmal für den kurzen Augenblick des Fotografierens. Deine Uschi - so wie ich sie einschätze - hätte keinem Menschen Schmerz zugefügt, hätte alles getan, um Kummer von anderen fernzuhalten. Weißt du Gerhard, ich bin sicher, dass sie dich sieht, dass sie sich weiterhin um dich sorgt. Mit diesen Gedanken sagst du ihr: Du hast mir so weh getan, du bist Schuld an meinem Schmerz, deinetwegen möchte auch ich nicht mehr leben. Versuch es einmal von dieser Warte zu sehen. Es ist wie ein Vorwurf an deine liebe Uschi. Das hat sie nicht verdient. Sie hat es verdient, dass du um sie trauerst. Sie hat es verdient, dass du dich nach ihr sehnst. Aber sie hat es nicht verdient, Schuld an deinem Tod zu sein. Deine Aufgabe? Den Schmerz umzuwandeln, irgendwann. Aktiv zu werden, irgendwann. Dich zu erinnern, wie weh es tut und anderen deine Hilfe anzubieten. Du wirst gebraucht, lieber Gerhard. Auch ich brauche dich. Ich brauche dich, um teilhaben zu können am Leben meiner Leidengenossen, um die Möglichkeit zu haben, mich auszutauschen, zuzuhören und zu erzählen. Du hilfst mir, gesund zu werden. Das ist ein erster Schritt zu einer neuen Aufgabe. Vielleicht wäre Hospizarbeit in Zukunft eine weitere. Zunächst eventuell als Betroffener in einem Gesprächskreis. Dort, wo sich Trauernde gegenseitig helfen durch Gespräche, durch gemeinsame Aktionen. Lieber Gerhard, bitte leg diese Gedanken zur Seite. Gönn Uschi ihren Frieden im Regenbogenland und vertrau darauf, dass Zeit relativ ist und sie dich bald erwartet dort, wo sie jetzt ist, bald! Und bis dahin, hilf uns, unser Päckchen zu tragen, versuch gemeinsam mit uns wieder lachen zu lernen und schau in die Zukunft. Je sinnvoller du deine verbleibende Zeit nutzen wirst, desto schneller wirst du Uschi wieder in den Armen halten, dessen bin ich mir sicher. Wir brauchen dich! LG Andrea |
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Lieber Gerhard,
gestern haben wir per PN gesprochen ich habe dir versucht zu erklären das ein Suizid gewisser Maßen nach hinten losgehen kann. Es gibt sehr viele Menschen die haben diesen überlebt und siechen nun wirklich ihr weiteres Leben dahin. Sie liegen auf Wachkomastationen und können keinen Einfluß mehr auf ihr Leben nehmen....im irdischen Sinne gemeint. Bei mir war es anders,Gott sei Dank sag ich in diesem Moment,nur bei mir war es ein Ausweglosigkeit und wirklich schwere Depressionen. Liebe die uns mit den *Verstorbenen* verbindet ist allgegenwärtig,versuch dies zuzulassen und versuch wirklich auf deine innere Stimme zu hören. Es lohnt sich zu leben,es lohnt sich Erfahrungen zu sammeln........Gerhard,irgendwann wenn es denn sein soll,dann wirst auch du nach Hause gehen und Uschi wieder in deine Arme nehmen. Auch deinen Schmerz den du momentan verspürst,deine Hilflosigkeit,deine Schuldzuweisungen alles kann ich nachvollziehen. Ja,weißt ich bin auch ein Mensch sogar ein sehr sensibler und sensitiver,mehr als mir lieb ist fühle ich.....ich fühle es wie es dir geht. Mit meinen Erlebnissen versuch ich nur die Angst zu nehmen,ich versuche nicht Leute zu bekehren.....das liegt mir fern. Nur ich drücke mich anders aus,anders als viele Menschen hier in diesem Forum....ich kann es nicht anders. Liebe Grüße anny |
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Lieber Gerhard,
Andrea hat es richtig und schön gesagt, bleib ein bißchen bei uns und hilf somit auch uns. Es läßt sich vieles leichter ertragen, wenn man es in Worte fasst. Und hier geht das Papier nie aus. Und sicher hatten wir alle schon mal diese Gedanken. Aber wir sind noch immer hier. Ich komme mir manchmal vor wie eine Märchentante, trotzdem möchte ich es Dir erzählen. Ich denke, meiner Freundin macht es nichts aus, hat auch sie mit 35 Jahren ihren Lebenspartner durch einen Unfall verloren. Sie erzählte mir, daß sie immer den Gedanken hatte, zu ihm zu gehen, sie wollte einfach nicht auf dieser Welt bleiben. Dann eines Tages, es sind wohl 8 - 9 Monate vergangen, platze ihr ein Reifen auf der Autobahn und sie dachte: Nein, ich will nicht sterben. Mittlerweile sind schon 2 Jahre vergangen, natürlich fehlt er ihr immer noch. Aber auch sie sagt, der Schmerz verändert sich, wird erträglicher. Vergessen wird sie ihn jedoch nie. Ich mag es nicht, wenn jemand sagt, das heilt die Zeit. Vielmehr denke ich wir müssen vom Wind ein bißchen abgeschliffen werden und können dann auch wieder Freude an diesem Leben finden. Und es sind doch ganz besondere Glücksmomente, wenn Du ein Zeichen von Deiner Uschi bekommst. Und glaub mir, immer wenn es wirklich nötig ist, gibt sie Dir einen Wink. Und immer möchte sie Dir sagen, bleib noch ein bißchen... Lieber Gerhard, schreib Dir alles von der Seele, es ist immer Jemand da und das Papier geht nie aus.... Blue |
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Meine geliebte Uschi, mein Schatz und Engel, :1luvu: :1luvu:
ich habe den Arzttermin auf morgen verschoben, wie so häufig in den letzten Wochen, ich schiebe immer alles vor mich her. :mad: Mit der Therapeutin habe ich jetzt mindestens 2 Termine pro Woche ausgemacht. Die Abstände waren mir zu groß. Ich habe ihr die Bilder gezeigt, die ich mühsam aus den Videofilmen heraus gearbeitet habe. Sie hat mir, wie alle anderen auch, bestätigt, wie hübsch Du bist. Das hat wieder für eine Lage Taschentücher gereicht. :weinen: :weinen: :weinen: Auf meinen letzten Brief an Dich, habe ich wieder gehörig die Leviten gelesen bekommen. :megaphon: Wie hat mir jemand geschrieben, „von der aktiven Frauenpower, die soviel Mitgefühl und Hilfestellung anbietet, verschlägt es einem schier den Atem“. Dem stimme ich voll und ganz zu, alle Frauen hier verdienen Hochachtung, Respekt und Anerkennung. Sag mir meine geliebte Uschi, wohin soll ich denn gehen? :confused: Jeder Schritt schmerzt und die Stachel der Trostlosigkeit und Verzweiflung reißen die Wunden immer tiefer auf. Das Gefühl der Unwirklichkeit lässt in mir in manchen Momenten den Eindruck entstehen, das sei alles nicht wirklich war und Du kommst jeden Augenblick zur Tür herein. :weinen: :weinen: Der Gedanke erweist sich natürlich als Trugbild und löst sich in nichts auf. Ich erlebe alles wie in einer trostlosen Wüste, mich hat die Wirklichkeit des Alleinseins erreicht. In mir tobt das furchtbare Gefühl von Leere und Einsamkeit. Ich bin in der Seelenlandschaft des finsteren Tales angelangt und stehe in der Dunkelheit. Vor mir liegt ein Weg, der ins Ungewisse führt. Das Herz ist mir schwer, wie soll ich alleine weiterleben? :confused: Wie kann ich den Schmerz der Einsamkeit ausschalten? :confused: Ich bin traurig darüber, dass ich Dich verloren habe und ich bin dankbar dafür, dass ich Dich bekommen habe. :1luvu: :1luvu: Ich bin traurig, weil ich nicht mehr die vertraute Nähe von Dir spüre, aber viel mehr bin ich darüber traurig, dass Du nicht mehr in dieser Welt bist. :weinen: :weinen: :weinen: :weinen: :weinen: Ich habe Mitleid mit mir selbst. Ich habe vorhin einen Sahnejoghurt gegessen, der macht die Rolle vor- und rückwärts in meinem Magen. Wie kann so ein kleines Teil so wehtun? Mal sehen, ob ich wegen Deiner Rente morgen ins Amt fahre, aber ich befürchte, ich verschiebe das schon wieder. Ach was soll’s, es gibt wichtigeres, Deine Bilder ansehen, unsere Musik hören und zu Dir in Deinen Garten kommen. Ich liebe Dich unendlich und immer :1luvu: :1luvu: :1luvu: Gerhard |
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Guten Morgen Gerhard,
ich hoffe du bist heute Nacht für ein paar Stunden am Stück eingeschlafen. Eben beim lesen deines Beitrages fiel mein Blick auf den Spruch in deiner Signatur. Vielleicht solltest du dir diesen nochmal zu Herzen nehmen. Der Kampf geht nämlich weiter. Nur anders. Jetzt musst du um dich selber und um deinerwillen kämpfen. Ist es nicht auf der einen Seite unendlich schön, dass du so eine tolle Frau für dich gefunden hast, die dazu noch das selbe empfindet für dich? Nicht jeder hat dieses Glück und wenn hält es nicht immer so lange an. Das was du jetzt empfindest ist in meinen Augen sozusagen der Preis für diese schöne Zeit. Wie ich aus deinen Zeilen immer wieder entnehmen kann lohnt sich dieser Preis, weil es einfach wundervoll war. Also erfreue dich an dem, was du erleben durftest und das kannst du nur, solange du noch einigermaßen bei Kraft bist. Verschieb nicht alles und pass auf dich auf! Wolke :pftroest: |
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Guten Morgen lieber Gerhard (ich hoffe, dass dieser Morgen vielleicht ein winzig kleines Stück besser ist als der gestrige :knuddel:)
Ich weiß nicht, ob du nachliest, in anderen Unterhaltungen die Gespräche verfogst. Es sind ja Unmengen, kaum zu bewältigen. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle mal wieder wiederholen, ganz einfach, weil ich diesen Spruch so unglaublich passend finde: "Trauer ist der Preis, den wir für unsere Liebe bezahlen müssen" So ist es! Wir, die wir hier miteinander um unsere Partner trauern hatten ein unglaubliches Glück. Wir sind unseren Männern/Frauen begegnet und durften glücklich miteinander leben. Wir hatten Menschen an unserer Seite, die uns ergänzt und vollendet haben. Und nun schau dich um. Wieviele in deinem Bekannten-Freundes-Verwandtenkreis können das von sich behaupten? Ich unterstelle einmal: NIcht viele. Das sind die Menschen, die ihr Leben lang auf der Suche sind nach dem, was wir haben durften. Sie sind nie wirklich glücklich, weil etwas wichtiges fehlt. Sie tun sich vielleicht mit einem Partner zusammen, finden aber nicht dieses Glück, diese Zufriedenheit. Eigentlich sind sie bereits zu Lebzeiten voneinander getrennt, weil sie sich nie wirklich nah waren. Wenn der Tod dann die Bande durchtrennt, verhält sich auch der Schmerz gnädig. Aber möchtest du das? Möchtest du jetzt weniger Schmerz haben, wenn dies bedeuten würde, dass deine Uschi und du euch bereits zuvor auseinandergelebt habt? Es ist der Preis, den wir zahlen. Aber das was wir haben durften, ist es wert. Niemals möchte ich tauschen, niemals ein Nebeneinanderherleben zu meinem Partner in Kauf nehmen, damit ich heute wenig Schmerz hätte... Ich weiß nicht, wie du es handhabst. Ich habe die Briefe, die ich Claus seit seinem Tod geschrieben habe, mit Datum versehen ausgedruckt und in einen Ordner geheftet. Und manchmal lese ich nach. In diesen Momenten erkenne ich, was ich so offensichtlich eigentlich noch nicht spüre, ich erkenne Veränderung. Ich kann mich an die Gefühle erinnern, erschrecke über manche Gedanken, weiß, dass es so war aber lese stellenweise mit einem gesunden Abstand, was ich damals meinem Claus zu sagen hatte. Alles ist irgendwie Trauerarbeit. Und das Wort Arbeit hat wirklich seine Berechtigung. Alles, womit wir uns beschäftigen, hilft uns, zu verarbeiten, was geschehen ist und bringt uns - wenn auch nur in winzig, eigentlich unmerklich kleinen Schritten weiter auf unserem Weg durch die Trauer. Ob du die Filme bearbeitest, die Bilder rausschneidest, zur Therapeutin gehst, dich hier mit uns austauscht, deiner Uschi Briefe schreibst, all das ist harte Arbeit, die dir eine gewisse Nähe verschafft, die du so dringend brauchst. Wenn du es archivierst, wirst du bald selbst merken, was du schon alles geschafft hast, langsam und sicher, ganz behutsam. Es braucht Zeit, unendlich viel Zeit, die du dir nehmen musst. Aber irgendwann wirst du bestimmt auch für dich erkennen: Ja, so, genauso habe ich gefühlt und es war schrecklich, das waren meine Gedanken, sie waren in diesem Augenblick richtig, aber heute sehen meine Briefe anders aus, heute sieht mein Tagesablauf ein wenig sonniger aus, so langsam beginne ich die Erinnerung in Dankbarkeit zu verwandeln. Lass dich mal wieder :knuddel: LG Andrea |
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Lieber Gerhard,
ich kann mich Andrea in allen Worten nur anschließen und Dir mal ein walisisches Sprichwort hier hinein schreiben, dass ich heute morgen zufällig in einem Trauer-Memorandum entdeckt habe: Es ist besser, etwas gehabt und wieder verloren zu haben, als es nie gehabt zu haben. In diesem Sinne weiterhin viel Kraft wünscht Beate. |
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