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AW: Russisch Roulette.......
Saphir,
Ich habe auch mitgelesen. Dein Entsetzen und die Verzweiflung kann ich nachempfinden. Ich wünsche Dir jetzt noch mal ganz viel Kraft. Ich weiss, das fühlt sich jetzt nicht so an, aber Du wirst auch das schaffen. In der Übersetzung des Gedichts habe ich "ihn" durch "sie" für Dich ersetzt. Du hast jetzt im Moment sicher nicht den Sinn für sowas, aber vielleicht magst Du es irgendwann mal lesen. Ich denke bei diesem Gedicht immer an meinen Vater, ich finde, es drückt so vieles so gut aus, was man bei einem sehr schmerzhaften Verlust empfindet. Kerstin ----------------- A Poem by W.H. Auden Funeral Blues Stop all the clocks, cut of the telephone, Prevent the dog from barking with a juicy bone, Silence the pianos and with muffled drum Bring out the coffin, let the mourners come. Let aeroplanes circle moaning overhead Scribbling on the sky the message He Is Dead, Put crepe bows round the white necks of the public doves, Let the traffic policemen wear black cotton gloves. He was my North, my South, my East and West, My working week and my Sunday rest, My moon, my midnight, my talk, my song; I thought that love would last for ever: I was wrong. The stars are not wanted now; put out every one: Pack up the moon and dismantle the sun; Pour away the ocean and sweep up the woods: For nothing now can ever come to any good. ---------------------- Stoppt jede Uhr Stoppt jede Uhr, laßt ab vom Telephon, Verscheucht den Hund, der bellend Knochen frißt, die roh'n. Laßt schweigen die Pianos und die Trommeln schlagt, Bringt heraus den Sarg, ihr Klager klagt. Laßt die Flieger kreisend - Trauer sei Gebot An den Himmel schreiben: Sie ist tot. Straßentauben gebt um den Hals starre Kreppkragen, Polizisten laßt schwarze Handschuh' tragen. Sie war mir Nord, mir Süd, mir Ost und West; Des Sonntags Ruh' und der Woche Streß Mein Tag, mein Gesang, meine Rede, meine Nacht. Ich dachte, Liebe währet ewig - falsch gedacht. Sterne sind jetzt unerwünscht, will nichts sehn davon, Verpackt den Mond, zertrümmert die Sonn'. Fegt weg den Wald und des Meeres Flut, Nie wird es sein, so wie es war. Nie wieder gut. |
AW: Russisch Roulette.......
Saphir , Liebes,
war gerade heute mal länger unterwegs und sehe nun deine Zeilen. Ach, jetzt ist es also geschehen, deie Mama hat sich verabschiedet.Trotzdem ich weiß, dass sie nun von ihrem armen Körper befreit ist, bin ich trotzdem erschrocken und traurig. Ich bin so froh, Saphir, dass sich alles noch so gut ausgegangen ist, dass sie zuhause sein konnte und dass du sie tatsächlich bis zur Schwelle begleiten konntest. Saphir, gut kann ich mich noch an meine Angst vor dem Begräbnis erinnern.Jetzt kann ich dir sagen:Verzweifle bitte nicht, du wirst auch das Begräbnis "schaffen", ganz bestimmt.Wie Briele schon schrieb: Deine schwerste Herausforderung hast du hinter dir, du hast deine Mama begleitet, von Anfang bis zu Ende . Diesen Schritt wirst du sie auch noch begleiten können, denn sie wird bei dir sein. Du wirst wissen, wie sie ihr Begräbnis gerne haben möchte, welche Musik, welche Rituale deiner Mama würdig sind, welche sie gewählt hätte.Das Begräbnis ist noch einmal ein Liebesdienst an sie.Und wenn du dabei viel weinen musst, dann ist das so, sind ja Tränen um deine liebe Mama ! Saphir, ich schreibe morgen wieder,heute zünde ich noch eine Kerze an für deine Mama und denke an sie, an dich und deinen Bruder. Ich umarme dich ganz fest, deine Alina |
AW: Russisch Roulette.......
Ihr lieben, treuen Menschen,
vielen Dank für eure lieben Worte. Es tut gut, euch bei mir zu haben. Ich kann es noch immer nicht realisieren. Wenn ich aufwache, muß ich immer erst auf meine Hand schauen. Mama hat sich gewünscht, dass ich ihren Ring bekomme und trage. Als sie in den Sarg gelegt wurde, habe ich ihn mir angesteckt. Sie hat ihn so geliebt. Und wenn ich die Augen öffne, und den Ring an meiner Hand sehe, dann merke ich, dass es kein blöder Traum war. Er ist jetzt so wertvoll für mich. Nun bin ich dabei, schöne Sachen und Fotos zu suchen, die ich zu ihr in den Sarg lege. Sachen, die mir wichtig waren/sind. Heute fahren wir ein letztes Mal zu ihr. Wißt ihr was? Ich habe sie noch geschminkt. Sie sah so schön aus. Als sie gestorben ist, haben wir alle zusammen um sie herum gestanden, und mit Martini auf sie angestoßen. Es war ihr Lieblingsgetränk. Auch das war sehr schön. Gestern habe ich mir einen weißen Hosenanzug und einen großen weißen Hut gekauft. Mama möchte kein Schwarz auf ihrer Beerdigung sehen. Und den Hut habe ich mir für meine persönliche Anonymität gekauft. Da kann ich mein Gesicht verstecken, und keiner kann mich sehen. Mein jetziger Schockzustand schützt mich vor dem tiefen Fall. Gut, dass der Körper solche guten Schutzreflexe besitzt. Vielleicht stell ich mal ein Foto von dieser großartigen Mama hier rein. Irgendwann. Danke für eure Anteilnahme, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Hallo,
nochmal bin ich hier. Habe jetzt eigentlich noch viel zu erledigen, aber ich klammere mich erstmal an euch. Ich habe so Angst vor der morgigen Beerdigung. Und ich weiß nicht wohin mit meiner Panik.......um 11h ist es soweit. War eben ein letztes Mal bei Mama. Es tut so weh. In so einer Situation gibt es wohl auch keinen Baumstamm, an den man sich klammern kann. Dafür nehme ich euch, falls es euch nichts ausmacht. Viele von euch kennen den Schmerz. Schon wieder bin ich ohne Worte. Aber das reicht mir jetzt erstmal für einen Moment. Nun beiße ich die Zähne zusammen, und gehe da durch. Ich glaube, Mama ist fest bei mir. Sie wird mich da wohl heile durchbringen. Alles Liebe, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
Morgen um diese Zeit liegt das, wovor Du Dich heute so fürchtest, hinter Dir. Ich bin ganz sicher, daß Du es packst. Du hast alles so gut und umsichtig gemacht, das ganze Jahr über. Als ich heute gelesen habe, daß Ihr mit einem Martini auf Mamas Übergang angestoßen habt, dachte ich da hat Deine Mama bestimmt mit einem traurig-stolzen Lächeln auf Euch geblickt. So hätte ich es auch einmal gerne. Die Art und Weise wie Du alles bedenkt, wie Du alles machst, rührt mich an. Daß Du Deine Mama noch einmal geschminkt hast, überlegst, was Du in den Sarg legen willst, Dir die Kleidung kaufst in der sie Dich morgen sehen möchte, all das und vieles mehr ist Beweis Deiner Liebe, Deines Respekts, Deiner Aufmerksamkeit und Achtung. Gerne würde ich nun bei Dir sein. Ich weiß, ich werde es nie vergessen, wie verloren, heimatlos und verwundet man sich fühlt. Man ist so angefüllt mit Entsetzen, daß man sonst gar nicht viel anderes spüren kann. Es braucht einfach eine gewisse Zeit bis wieder Platz wird für andere Empfindungen. Spätestens morgen, beim Begräbnis, wirst Du Deine Mama nah fühlen, sie steht vor, hinter, neben Dir, genauso wie Du es das ganze letzte Jahr getan hast, sie ist bei Dir und daran wird sich nie etwas ändern. Leg Deine Hand auf Mamas Ring. Gestern dachte ich, später einmal werde ich Dich fragen ob Du mir nicht ein Bild von Deiner Mama schicken willst. Meine Liebe, wenn Du heute noch einmal mit Deinem Hund hinaus gehst, lehn Dich vielleicht doch an einen Baum, in Gedanken an Alina und an mich und Du weißt, Du kannst immer anrufen. Zu jeder Zeit. Gut, daß Du die Uhrzeit geschrieben hast. In Gedanken bin ich morgen bei Dir. Ich umarme Dich ganz fest. Deine Briele |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
spätestens um 11.00 werde ich morgen Arbeit Arbeit sein lassen und an dich denken und hoffen, dass ich dir Kraft so schicken kann, dass sie auch ankommt. Saphir, es sind keine leeren Worte, wenn ich dir sage, dass du das Begräbnis morgen sicher schaffen wirst.Vertraue auf deine Mama, halte dich an ihrem Ring fest und rede mit ihr. Ich glaube, es ist beim Begräbnis einer der schwierigsten Momente, wenn du den Sarg siehst. Man hat Angst vor diesem Moment, weil er nochmal deutlich macht, dass alles wirklich passiert ist. Dann greif nach Mamas Ring und denke dir, dass nur ihre Hülle dort im Sarg liegt, sie selber steht dir gerade in diesen schweren Momenten zur Seite, sie lässt dich nicht alleine. Wenn die Angst heute noch ganz groß wird, dann denke dir aus, was das Schlimmste sein könnte, was dir morgen passiert und was du dann machst. Vielleicht kannst du ja auch an deinem Bruder einen Anker finden und mit ihm ausmachen, was er machen soll, wenn´s dir ganz schlecht geht. Er könnte dich dann fest umarmen oder dir nur die Hand geben oder mit dir etwas zur Seite gehen, bis du durchgeatmet hast. Aber, Saphir, ich glaube wirklich ganz fest, dass die Angst morgen, wenn es soweit ist, dich nicht mehr so im Griff haben wird. Du wirst deiner Mama einen schönen Abschied bereiten. Was soll dir passieren ? Du bist mit ihr durch die Krankheit gegangen, hast sie nach Hause gebracht, sie gepflegt und bis zuletzt warst du da. Du hattest während dieser Zeiten auch immer wieder auch große Ängste und durch alle bist du durchgegangen. Das wirst du morgen auch tun. Die Seele ist außerdem klug, sie lässt nicht alles ungebremst auf dich einwirken ! Ich hatte damals auch so große Angst, Saphir, deine Zeilen könnten wieder einmal auch die meinen von damals gewesen sein. Es ist gutgangen und das Begräbnis ist für mich bis heute eine wertvolle Erinnerung. Du schaffst das auch. Ich wäre gerne bei dir morgen, zusammen mit Briele, um deine Mama begleiten, um da zu sein. Vielleicht hilft dir ja aber die Gewissheit, dass wir gedanklich aus ganzem Herzen bei dir und dabei sind . Ein Foto von deiner Mama würde ich als ein großes Geschenk an uns empfinden.Öfter schon habe ich versucht, mir ein Gesicht zu deiner Mama vorzustellen. Hab´keine Angst, es wird gut gehen, ich umarme dich, Alina |
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Hallo,
ich lebe noch. Das wollte ich euch hauptsächlich mitteilen. Meine Finger sind momentan noch ein wenig zu "gefroren", um ausgiebig zu schreiben. Die Beerdigung lief wie ein Film ab. An das gesamte "Drumherum" kann ich mich nicht erinnern, wer alles da gewesen ist, etc......Der Schmerz hat mich vollkommen eingehüllt. Noch immer begreife ich garnichts! Bis bald, ihr Lieben. Eure Gedanken waren bei mir am Freitag....das habe ich gespürt. Danke!!! |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
ich verstehe schon was Du meinst, wenn Du schreibst .... ich lebe noch..... Ich kann mich gut an alles erinnern, ich werde es nie vergessen, auch nicht das etwas erstaunte Gefühl, daß man lebt und nicht vor Entsetzen stirbt. Meine Liebe, ich denke viel an Dich, aber das wirst Du wissen. Ich denke mit Trauer an Dich und Deine Mama. Es sind durchmischte Gefühle, ich bin auch froh (so entsetzlich dieses Wort in Verbindung mit dem Tod klingt), daß sie nicht mehr leiden muß, daß die schreckliche Zeit zu Ende ist, es ihr nun gut geht. Dein Schmerz macht mich traurig. Ich weiß, Du wirst der Trauer ebenso wenig davonlaufen, wie Du der Krankheit und dem Sterben Deiner Mama davon gelaufen bist. Wenn Du willst, dann begleiten wir (ich denke ich kann da ganz ruhig „wir“ sagen) Dich so gut wir es vermögen. Es ist schon so, wie es in einem Spruch heißt: der Tod der Mutter ist der erste Schmerz, den man ohne ihren Trost erleidet. Manchmal kommt es einem aber doch vor, daß sie einen tröstet. Im Laufe der Zeit lernt man diesen Trost zu spüren und dabei die schmerzhafte körperliche Sehnsucht auszuhalten. Alles Liebe und eine feste Umarmung Von Deiner Briele |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
durch Zufall bin ich auf deine Beiträge gestossen... Es tut mir sehr leid, dass deine Mama auch gestorben ist, und ich kann sehr gut verstehen, was in dir vorgeht! Deine Erfahrung mit dem Sterben deiner Mutter hätte von mir geschrieben sein können. Meine ist mit nur 54 Jahren am 26.02.06 an Lungenkrebs und den Hirnmetastasen gestorben. Meine Trauer und den Verlust kann ich auch noch nicht richtig begreifen. Aber ich merke schon an kleinen Dingen, dass es kommt und ich es nicht aufhalten kann/will. Am Anfang habe ich mich gefragt, ob das normal ist...aber alles braucht seine Zeit. Alles Liebe wünsche ich dir! Gaby |
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Liebe Gaby,
danke für deine Anteilnahme. Auch dir wünsche ich alles Liebe und viel Kraft. Es tut mir leid mit deiner Mutter. Ich stecke momentan in dem ganzen Bürokratiekram....was man alles so erledigen muß?!?! Ich versuche die ganze Zeit Mama zu orten. Sie ist noch so lebendig für mich! Denke wirklich zwischendurch, wann ich in die Klinik fahre, will sie anrufen....usw. Gaaaaanz selten kommt dann der Moment der Warheit und Realität. Das haut mich dann so weg, es tut so weh, und ich schiebe es mit aller Kraft beiseite. Schon lebt sie einfach wieder. Natürlich alles tief im Unterbewußtsein. Seit der Beerdigung konnte ich auch nicht mehr weinen. Dabei tut weinen so gut, es erleichtert so. Doch es ist wahrscheinlich zuviel zu erledigen. Und die kommende Leere (wenn alles erledigt ist) schaut mir so finster entgegen. Wie ein grollender, dunkler Berg. Davor habe ich Angst. Liebe Grüße, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Hallo Saphir,
anfangs gibt es zig Sachen, die erledigt werden müssen und dabei werden die aufkommenden Gedanken oder unsere Trauer erstmal ins Abseits gestellt. Das geht vermutlich den meisten so. Unsere Seele lässt nur soviel Schmerz zu wie wir ertragen können. Würde alles auf einmal über uns kommen, dann wäre das zuviel. Setze dich mit deiner Trauer nicht unter Druck, aber verdränge sie auch nicht, denn irgendwann "drängt" es zurück und will raus. Ich habe mir für die schlechten Zeiten in meinem Leben ein innerliches Bild geschaffen. In meiner Fantasie sind das Berge. Momentan befinde ich mich bergab und bin noch nicht unten angekommen. Es geht noch tiefer...aber auch das werde ich schaffen. Und vergiss' nicht: Deine Mama wird immer bei dir sein, in Gedanken und im Herzen. Viele Grüße Gaby |
AW: Russisch Roulette.......
Ihr Lieben,
danke, Gaby. Wir sitzen alle im selben Boot, und können uns gegenseitig Kraft geben. Ich bin froh, dass wir alle diese Möglichkeit haben. Eben mußte ich mir die letzten Seiten durchlesen. Meine ersten Worte nach Mamas Tod. Ach, es ist doch so unwirklich. Tief in mir ist ein unheilbarer Schmerz verankert. Ich kann ihn annähernd spüren. Doch an der Oberfläche ist nur Unverständnis, Planlosigkeit und das MUSS der Routine. Wie kann sie von jetzt auf gleich weg sein????? Sie hat mich doch 26 Jahre begleitet. Wenn wir uns nicht sehen konnten, haben wir mindestens einmal täglich telefoniert. Und das soll jetzt vorbei sein? Einfach so? Ich war dabei, als sie starb. Aber es geht mir nicht in den Kopf. Ich beneide mich, als ich hier anfing zu schreiben. Das war zwar die Hölle, aber was ist es denn jetzt? Eine vollkommen andere Art von Schmerz, wenn man es denn begreifen kann. Liebe Briele, mir ist gerade was aufgefallen. Du hast wenige Stunden vor Mamas Tod geschrieben, dass du besonders an sie/uns denkst. Erinnerst du dich? In diesem Sinne, alles Liebe, Saphir P.S. Ich stoß´jetzt mit einem Glas Wein auf alle "Weggefährten"an. Und natürlich auf die einzigartige und großartige MAMA. |
AW: Russisch Roulette.......
Hallo,
immernoch fühle ich mich nicht als "Hinterbliebene". Ich frage mich, wie lange es dauert, bis man begreifen und den Schmerz zulassen kann. Wenn ich hier im Forum lese, habe ich das Gefühl, ich bin noch mittendrin. Nur das ich jetzt "Pause"habe...ist komisch, oder? Es ist ja auch immernoch viel zu tun. Das brauche ich auch. Von 100 auf 0 geht nicht. Ich hatte eine Phase, da dachte ich, der ganze Kampf war umsonst. Gegen Krebs hat man keine Chance. Aber das stimmt nicht. Immer wieder würde ich den Kampf aufnehmen. Und es war gut zu kämpfen. So hatte ich noch viele schöne Momente mit Mama. Und sie mit uns. Liebe Grüße, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
nun antworte ich Dir hier. In letzter Zeit haben wir uns per E-mail ausgetauscht, wir werden ja sehen ob eine Rückkehr ins Forum möglich ist, denn „so“ frei und offen kann man sich hier halt doch nicht schreiben. Ehrlich gesagt hab ich mir auch gedacht, daß dieser thread nicht so abrupt enden sollte. Anscheinend nicht nur ich, denn ich bin bereits gefragt worden, ob wir Dich nun im Stich lassen. Liebe Saphir, Du fühlst Dich „noch“ nicht als Hinterbliebene. Das glaub ich Dir. Ich glaube das geht auch nicht, daß man eben noch eine Tochter war, eine Mama hatte, und von einem nicht mehr erfolgten Atemzug an, das alles nicht mehr ist. Ich hab ganz lang gebraucht bis ich so Sätze sagen konnte, wie: meine Mama ist tot, meine Mama ist gestorben, meine Mama lebt nicht mehr. Kaum hatten solche Worte meinen Mund verlassen, erschrak ich über mich. Wie konnte ich so etwas Ungehöriges, Unerhörtes, so etwas Schreckliches überhaupt sagen? Es gibt Leute die sagen, schreiben, die Toten befänden sich in eine Zeitlang in einem Zwischenreich. Ich weiß nicht, ob und wie das ist und noch weniger weiß ich wie jemand das mit Sicherheit behaupten kann. Im Prinzip halte ich vieles für möglich und suche mir das aus, was mir am besten gefällt, womit ich am besten leben kann. Als Mama ihr Leben aushauchte, und bei Papa war es dann auch so, hatte ich augenblicklich das Gefühl, sie sind weg. Hingegen hatte ich das Gefühl lange, wirklich lange, in einem Zwischenreich zu sein. Es gab Momente, in denen fühlte ich mich fast euphorisch, ich empfand Glück, daß das Leid, das Entsetzen ein Ende hatte, daß sie in Sicherheit sind. Ich dachte, das geht schon, das pack ich schon, der Gedanke war noch nicht zu Ende und ich hatte das Gefühl ich geh in die Knie vor Schmerz und Sehnsucht. Ich hatte unglaublich intensive „Erlebnisse“, nahe, zärtliche Begegnungen, die mir kurz Trost brachten um mir gleich darauf das Gefühl zu geben, ich halt das nicht aus. Es gab Träume in denen viele Gefahren zu bestehen waren und es gab andere in denen ich liebevoll umfangen wurde. Mit einem Wort, liebe Saphir, es ist wahrhaftig schwer. So wirklich kann man auch keinem raten. Ein paar Dinge kann man vielleicht sagen. Ich find es gut wenn man sich austauschen kann. Siehst Du, meine Mama war schon mehr als fünf Jahre tot als ich vor einem Jahr hier zu lesen und schreiben begann. Zuerst hab ich nur gelesen. Dabei hab ich mir selbst leid getan, daß ich diese Möglichkeit nicht hatte, als Mama starb. Ich hab dann einen thread eröffnet und lange mit Alina geschrieben, später kam auch Isa dazu, eine Zeitlang waren mehrere dabei. Das war für mich sehr wichtig, es ist ja immer ein Geben und Nehmen, aber ich habe das Gefühl dieser Austausch hat meine Trauer „abgerundet“. Ich hatte mir nach Mamas Tod viele Bücher gekauft. Ein Rat war, man solle im ersten Jahr keine großen Entscheidungen treffen, keine großen Veränderungen machen. Das hat mir eingeleuchtet, daran hab ich mich gehalten. Für jeden wird das nicht stimmig sein, für mich war es das. Deiner Mama und Dir steht, wie soll ich das sagen, Ihr habt das Ausmaß an Trauer, das sich aus Eurer Beziehung ergibt. Und das will und soll durchlebt werden. Manchmal fühlt man sich dabei wie ein wehrloser Ball, wie eine einzige offene Wunde, aber nicht immer. Man kann eine Trauer auch gestalten. Und man kann zu anderen sagen, bitte hilf mir dabei. Wir sind da. Aber das weißt Du ja. Ich umarme Dich Deine Briele |
AW: Russisch Roulette.......
Hallo,
ich springe jetzt ein wenig zwischen privaten e-mails und öffentlichem Thread hin und her. Natürlich kann man nicht alles hier erzählen.....aber vielleicht tut es einigen Menschen gut, hier ein wenig zu lesen. Ich kann euch beruhigen: Alina und Briele lassen mich nicht im Stich. Im Gegenteil: wir schreiben uns jetzt sehr viele e-mails. Aber diesem Thread möchte ich mich jetzt noch nicht völlig entziehen. Hier habe ich immer einen so guten Rückhalt erfahren, was bis heute anhält. Und auf Menschen getroffen, denen es genauso geht, wie mir. Wo kann man das woanders finden? Ich glaube, durch diesen Thread konnte ich mir eine Therapie sparen. Alles Liebe, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
ich habe sehr oft an dich gedacht und dich keinesfalls vergessen. Aber weißt du, manchmal fehlen mir einfach die Worte und ich habe Angst, mich vielleicht falsch auszudrücken. Ich bin ein besserer Zuhörer und persönlicher Ratgeber als Schreiber glaube ich. Meine Trauer ist zur Zeit auch in der "Pausenphase". Ich melde mich am Montag wieder, denn zuhause bin ich noch nicht online. Liebe Grüße Gaby |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Gaby,
ich fühle mich nicht von dir im Stich gelassen. Jedoch bin ich immer froh von dir zu hören. Mit der Trauer ist das bei mir so eine Sache. Ich bin der Meinung, ich habe hier richtige Defizite. Noch immer habe ich den Tod von Mama nicht realisiert. Daher frage ich mich, wann kann ich denn dann mit dem trauern beginnen, wenn ich es noch nicht mal wahr haben kann?!? Aber man kann ja keine Gefühle erzwingen. Meine innere Psyche blockt dieses Thema so sehr ab.....weiß nicht, wie ich es beschreiben soll?! Habe Angst, dass mich die Trauer irgendwann schlagartig überrumpelt. Was soll ich dann machen? Irgendwann bricht es mit Sicherheit raus. Hoffentlich nicht dann, wenn ich mitten im Arbeitsleben unterwegs unter vielen fremden Menschen bin. Wie geht es dir ansonsten? Liebe Grüße, Saphir P.S. Wenn man mit dem Herzen schreibt, kann man nichts "falsches" schreiben. Habe mit Sicherheit auch nicht immer die "perfekten" Worte gefunden. Aber wer will das denn hier. Hier geht es doch um viel wichtigere Dinge: unsere Gedanken und Gefühle!!! |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Saphir !
Ich erlaube mir zu behaupten, dass du ganz sicher keine Trauerdefizite hast. Vielmehr bist du so lange unter Spannung gestanden, musstest gerade in der letzten Zeit ganz schnell vieles organisieren, dich dann ganz auf deine Mama konzentrieren,mit vielen Ängsten umgehen....Da ist die Seele nun müde, sie will nicht schon wieder "arbeiten", nicht den ganzen Schmerz auf einmal empfinden ! Es war bei mir ganz ähnlich, Saphir, ich war sogar einige Zeit nach Mamas Tod ein bisschen euphorisch und auf ganz eigene Art glücklich, dass es doch so gut zu Ende ging für Mama und für mich. Danach hatte ich lange das Gefühl, als sei sie auf einen langen Urlaub gefahren, von dem sie irgendwann mal zurück kommt. Die Trauer hat mich nie völlig von den Beinen gerissen, aber sie beanspruchte mich sehr intensiv, wirklich ein Jahr lang. Aber es war durchaus keine schreckliche Zeit, ich hatte so viele intensive Gefühle der Liebe und Sehnsucht und ich hatte Briele und Isa, die für mich da waren. Vermissen werden wir sie aber immer, unsere Mamas ! Weißt du, Saphir, auch du hast wahrscheinlich schon während des Krankheitsweges deiner Mama viel an vorweg genommener Trauerarbeit geleistet. Ab einem bestimmten Zeitpunkt hast du mehr oder weniger gewusst, worauf ihr zugeht oder zugehen könntet, schon da begann deine Trauer. Ich bin daher zuversichtlich, dass dich die Trauer nicht ko schlagen wird. Sie werden wohl kommen, die tiefen Trauergefühle, aber so, wie ich dich bisher kennengelernt habe, wirst du da durchgehen.Ich glaube, du wirst deine Arbeit erledigen wie immer und dann abends die Tränen kommen lassen, die Gedanken, die Sehnsucht. Deine Mama ist außerdem an deiner Seite ! Ich umarme dich, Alina |
AW: Russisch Roulette.......
Hallo Saphir,
tut mir wirklich sehr,sehr leid für dich. Ich steh noch auf der Stufe davor. Warten heisst es bis Sie einschläft. Das kann heute sein oder morgen, keiner weiss das. Wollt nur damit sagen, dass ich dir nachempfinden kann was es heisst zwischen hoffen und bangen zu sein und nicht zu wissen was der nächste tag bringen wird. Ich wünsche dir für deine zukunft auf alle fälle sehr serh viel kraft und einen lieben Menschen an dn du dich lehnen kannst Mit lieben Grüßen Dat Lischen |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Köhlerliesel,
danke. Dasselbe möchte ich an dich richten. Es ist wirklich wichtig, dass man in so einer Situation nicht alleine da steht. Vorallem wünsche ich mir für dich, dass du trotz allen Strapazen jeden Moment, der euch bleibt, geniessen kannst. So wie ich das konnte. Im Nachhinein war es für mich sehr wichtig, dass ich diese intensive Zeit mit Mama hatte. Dir viel Kraft und alles Liebe, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
ich kann mich Alina nur anschließen, in dem was sie über die Trauer schreibt. Seit August wusste ich, dass meine Mama nie mehr gesund werden würde. Und im Dezember kamen dann die vielen, von den Ärzten angekündigten, Ausfallerscheinungen. Da wurde es mir zum ersten Mal richtig bewusst. Von einer guten Freundin, die vor 7 Jahren innerhalb von 4 Wochen ihr eigenes Kind mit 6 Monaten und die Mutter verloren hatte, habe ich Ratschläge bekommen. Ich solle jeden Tag mit meiner Ma genießen und sie ganz oft in den Arm nehmen. Bin froh, dass ich es getan habe. In den letzten 8 Wochen ihres Lebens haben wir schon getrauert und ganz viel zusammen geweint. Sie sagte zu mir, dass ich nicht weinen solle und denken soll, dass es ihr besser geht, wenn sie stirbt. Ein schwerer Gedanke...aber das Leben, was sie zuletzt geführt hat, war unwürdig. Im Moment fühle ich mich innerlich sehr gelassen und irgendwie mit Liebe erfüllt. Das hört sich - auch für mich - merkwürdig an, denn bisher war ich oft "zerissen" und irgendwie war mein Leben mit Höhen und Tiefen übersät. Jetzt ist es nur noch ab und zu Traurigkeit. Täglich empfinde ich Trauer, wenn ich z. B. die Lieblings-CD meiner Ma auf dem Weg zur Arbeit höre, oder wenn ich ihr Grab besuche. Letzte Woche war der 1. Geburtstag ohne meine Ma. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass so viele liebe Menschen an mich gedacht haben. In den letzten Wochen hat wohl eine Veränderung in und mit mir stattgefunden. Sehr zum positiven. Ich bin ein dankbarer Mensch geworden und sehe das Leben mit anderen Augen. Im Büro habe ich einen "Weisheiten-Kalender". Diese von Erich Kästner passt sehr gut zu mir: Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen. Mein Leben war die letzten Jahre - und das hat nicht nur mit meiner Ma zu tun - nicht leicht und teilweise empfand ich schon Verbitterung. Ich will versuchen, meinem Leben eine neue Richtung zu geben. Unsere Seele lässt die Trauer nur scheibchenweise zu, genau das, was sie verkraften kann. Ich habe meiner Ärztin erzählt, dass ich das Gefühl wie bei Liebeskummer habe (etwas schlimmer ist es schon). Darauf sagte sie, dass das die Trauer ist....nur geht sie nicht so schnell vorbei. Setze dich nicht unter Druck, aber halte die Tränen nicht auf, wenn sie kommen wollen. Ich habe keine Ahnung, ob es hilfreich für dich wäre, mal ein Buch über das Thema Trauer zu lesen (Trauern/Verena Kast und Es wird alles wieder gut, aber nie mehr wie vorher/Jochen Jülicher). Die beiden habe ich und letzteres fand ich gut, das andere habe ich noch nicht gelesen. Hast du meine Geschichte aus dem Hospiz schon gelesen? Du findest sie im Forum Gedanken und Gedichte (Zwei Bäume im Park). Ich hoffe, dass sie dich - wenn du traurig bist - etwas trösten kann. Ich wünsche dir einen schönen Tag! Viele Grüße Gaby |
AW: Russisch Roulette.......
Hallo, ihr Lieben!!!
Ihr habt sicherlich recht, was das Trauern betrifft. Genau heute vor einem Monat ist Mama gestorben. Kann es nicht glauben, dass das schon wieder so lange her sein soll. Wisst ihr, ich fühle mich total neben der Spur. Bin aber froh, dass ich soviel zu tun habe. Das brauche ich noch. Noch, weil ich glaube, dass ich danach auch mal die absolute Ruhe brauchen werde. Ganz extrem ist jetzt auch der Wunsch nach eigenen Kindern, eigener Familie, Geborgenheit etc. Habt (hattet) ihr ähnliche Sehnsüchte? Natürlich sagt mir mein Verstand, dass ich mich erstmal um mich kümmern muß. Vielleicht denke ich auch einfach zuviel. Ich sollte die Dinge besser auf mich zukommen lassen. Allmählich überkommen mich auch tiefe Schmerzgefühle. Zum Beispiel war ich heute auf dem Markt. Da war ich mit Mama immer. Das tut dann extrem weh. Sowas wird in Zukunft wohl öfter passieren. Ach, es tut gut, meine Gefühle mit euch teilen zu können. Und zu wissen, dass ich auf Verständnis stoße. Gerade in solchen Momenten. Eigentlich fehlen mir die Worte. Dafür bringt mich in diesem Moment der Schmerz und die Sehnsucht nach Mama fast um den Verstand. Liebe Gaby, schön von dir zu lesen. Ich werde in einer ruhigen Minute deine Zeilen aus deinem Thread lesen. Bin gespannt. Alles Liebe, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
habe mich lange nicht gemeldet. Entschuldige! Aber mir geht es seit den letzten beiden Wochen sehr schlecht. Es ist ein totales Gefühlschaos. Ein paar Stunden gut, dann wieder schlecht. Bin im Moment bestimmt ein ganz schlechter Ratgeber. Deine Wünsche kann ich sehr gut nachvollziehen. Partner, eigene Familie und Kinder, das wünsche ich mir sogar schon sehr lange. Ein paar Monate dachte ich, dass es besser wäre z. Z. niemanden zu haben und mit der Trauer selbst fertig zu werden. Aber das ist wohl ein Trugschluss. Ich hätte zumindest gerne einen Partner, aber herbeizaubern kann ich leider keinen. Die Freunde und Verwandten gehen mit mir nicht anders um, als wenn meine Ma noch leben würde. Von der Verwandtschaft kümmert sich fast niemand um mich. Auf die Ostermails habe ich bis heute keine Antwort bekommen. Einige meiner Freunde sind ebenfalls komplett überfordert mit dem Thema und sie melden sich auch nicht mehr so oft bei mir. Wenn ich nicht von mir aus komme, dann kann ich lange warten. Aber es sind nicht alle so, dass muss ich trotzdem erwähnen. Mein Vater kann mich nicht trösten, er hat selbst genug mit sich zu tun. Wie geht es dir? Würde mich über eine Nachricht freuen. Viele Grüße Gaby |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Gaby,
dann geht es Dir wohl so wie mir....ich befinde mich auch in genau dem Zustand. Die Fassungslosigkeit sowie das "nicht wahr haben" sind dem grenzenlosen Schmerz und der Trauer gewichen. Und dieser Schmerz überfällt mich regelrecht, in allen möglichen Situationen. Auch wenn ich mal weg bin, unter Menschen. Das ist schrecklich. Mit diesem Gefühlsüberfall kann ich garnicht umgehen. Der Schmerz ist so groß, dass ich dann richtig gelähmt bin. Und in solchen Momenten kommt niemand zu mir durch. Nach einiger Zeit kann ich dann weinen. Und will nur zu Mama. Man ist auf einmal so allein. Man fühlt sich durch eine Mutter beschützt, auch wenn sie krank ist. Ich liebe sie so!!! Du sollst Dich nicht nur hier melden, wenn Du einigermaßen "gut" drauf bist. Ich bin doch so froh, wenn wir uns austauschen können, genauso wie es uns geht. Ich konnte auch eine Zeit lang nicht schreiben. Ich habe überlegt, ob ich mich aus diesem Thread verabschieden soll. Noch bin ich zu keinem Entschluß gekommen. Ich fühle mich irgendwie fehl am Platz. Diese Angehörigenforum ist jetzt mit das Einzige, was ich noch von/mit Mama habe. Montag mußte ich das Bankkonto kündigen. Und so wird Mama Stück für Stück aus diesem Leben gelöscht. Das tut weh und fällt mir schwer. Ich bin vielleicht aus diesem Grund auch noch nicht in der Lage zum Hinterbliebenen-Forum zu wechseln. In diese weitere Endgültigkeit. Es soll jetzt nicht allzu konfus werden, doch so denke und fühle ich nun mal. Ich lasse jetzt alles auf mich zu kommen. Eines Tages werden sich die Dinge entscheiden. Durch mich oder von sich selbst. Liebe Gaby, ich freue mich immer, von Dir zu hören! Sei gedrückt, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Hallo Saphir,
da bin ich schon wieder :-). So wie du schreibst, sind wir beide in der gleichen Trauerphase angelangt. Es gibt kein Zurück mehr und das Endgültige wird uns bewusst. Ich liebe meine Mama über alles, sie war der wichtigste Mensch in meinem Leben überhaupt und das nicht nur die letzten beiden Jahre. Wir beide waren Seelenverwandte und es macht mich wütend, dass mir Menschen genommen werden, die ich liebe. Ich würde meiner Ma gerne so viel erzählen....was hier passiert und wie es mir geht. Manchmal tu ich das in meinen Gedanken und stelle mir vor, was sie mir raten würde. Heute bin ich nicht arbeiten, denn mich hat ein Virus erwischt. Im Dezember war ich auch schon mal krank und da hat Ma noch gelebt. Sie kam schwerstkrank zu mir und hat mich mit Suppe und lieben Worten wieder aufgepäppelt und jetzt....keiner ist da! Das macht mich sehr traurig. Ich habe mich schon mehrmals erwischt, wie ich sie mir zurück gewünscht habe. Aber dann müsste sie wieder so schlimm leiden, das will ich mit Sicherheit nicht. Bevor sie starb hat sie mir gesagt, dass ich nicht so traurig sein soll, denn es würde ihr dann besser gehen. In meinem Esszimmer habe ich mir 3 Bilder meiner Ma hingestellt. Ihr Hochzeitsfoto (da war sie 19!), eines auf dem sie gesund ist und total glücklich aussieht und eines, das ich etwa 2 Monate vor ihrem Tod aufgenommen habe. Auf dem letzten Bild schaut sie direkt in die Kamera und oft sehe ich mir dieses Bild an und möchte wissen, was in ihr vorging und wie sie sich gefühlt hat. Ich vermisse sie mit jedem Tag mehr, geht es dir auch so??? Ganz liebe Grüße und hoffentlich bis bald. Gaby |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Gaby,
ja, es geht mir genauso. Täglich passieren Dinge, wo Mama automatisch eine Rolle gespielt hat. Und nun ist sie nicht mehr hier. Es ist wirklich alles eine Nummer zu hart. Wenn ich sie nicht gesehen habe, haben wir mehrmals täglich telefoniert. Ihre Nummer steht noch in meinem Handy, ich kann und will sie nicht löschen. Ich habe auch überall Fotos von ihr, damit ich sie immer ansehen kann, um mich habe. Oft ist es ja so, dass man Gesichter nicht mehr ins Gedächtnis rufen kann, wenn man jemanden länger nicht gesehen hat. Bei ihr nicht. Ich kann sie genau sehen, auch riechen und unsere "Küßchen" fühlen. Selbst als ich sie zum letzten Mal geküßt habe....das wird nicht aus meinem Kopf verschwinden. Nur eine schmerzhafte Sache, die mich sehr berührt: am späten Abend des 06.03. mußte ich nach Hause, da ich ein paar Nächte hintereinander "Nachtwache" gehalten habe. Der Arzt riet mir eindringlich, nach Hause zu fahren und zu schlafen. In dem Haus meiner Mutter habe ich kein Auge zugekriegt, auch tagsüber nicht. Doch bevor ich fuhr, habe ich mich ans Bett meiner Mama gesetzt, um mich von ihr zu verabschieden. Ob ich es im Gefühl hatte????? Jedenfalls habe ich mich für alles bedankt, ihr gesagt wie sehr ich sie liebe, was für ein wertvoller Mensch und herausragende Mutter sie ist. Die beste, die ich mir vorstellen kann. Und so weiter!!!! Alles was mir auf dem Herzen lag, und von mir nochmal gesagt werden mußte. Dann hatte ich das Gefühl, ich muß jetzt stark sein, und ihr "erlauben" zu gehen. Mit Sicherheit hat sie darauf gewartet. Sonst hätte sie sich wahrscheinlich noch länger für uns gequält. Zu dem Zeitpunkt konnte sie schon länger weder sprechen noch die Augen öffnen. Aber während dem Gespräch hat ihr ganzer Körper gewackelt, da sie richtig gewimmert hat. Ich sagte ihr, dass ich mich freuen würde sie noch einmal sehen, nachdem ich geschlafen habe. Aber das ich auch durchaus glücklich bin, wenn sie entscheiden würde zu gehen, da es ihr damit besser gehen würde. Und das wäre das wichtigste für mich, dass sie glücklich ist, und es ihr gut geht. Gaby, ich vermisse sie. Noch nie mußte ich so stark sein, sowas über meine Lippen zu bringen. Als ich dann um Mitternacht zuhause war, rief mein Bruder an. Das ihr weißes Zeug aus Mund und Nase lief. So schnell ich konnte war ich da. Und sie gab uns das Geschenk bei ihr zu sein, als sie einschlief. Ich konnte ihre Hand halten und sie auf die Stirn küssen. Als ihr letzter Atemzug kam, habe ich dann doch ein großes "NEEEEIIIIIIN" geschrien. Um 2:45h, wenige Stunden nach unserem Gespräch. Es ist alles so klar vor mir. Und der Schmerz bringt mich fast um. Um den Verstand auf jeden Fall. Und dann das Leben weiter zu meistern, mit der Leere. Sie hat soviel Platz und Raum in mir gehabt. Das zu füllen wird unmöglich. Ich bin dennoch froh, dass wir uns hoffentlich gegenseitig ein wenig stützen können, indem wir unsere Gedanken und Gefühle teilen. Bis hoffentlich bald, und gute Besserung! Saphir |
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Hallo Saphir,
aus deinen Beiträgen erkenne ich immer wieder Ähnlichkeiten. Wir haben sehr an unseren Müttern gehangen, was wohl auch normal ist, wenn man ein gutes Verhältnis zueinander hat. Ich habe meiner Mama 2 Mal "erlaubt" loszulassen, beim 1. Mal war sie noch zu Hause und befand sich in der Abschiedsphase. Sie wurde zunehmend abwesender; sie schaute zum Fenster raus mit ihren traurigen Augen und stützte ihren Kopf immer auf die Hand. Das tat sie früher nie, weil sie immer optimistisch war und sich nie aufgegeben hat. Mir blutet das Herz, wenn ich an ihre traurigen Augen denke. Als sie auch noch ihren ersten epileptischen Anfall hatte, der Krankenwagen mehrmals da war und Gangstörungen aufgetreten sind, sagte ich ihr, dass sie loslassen kann, wenn sie es nicht mehr schafft. "Kann ich wirklich", fragte sie mich. Für mich war klar, wenn auch nicht bewusst, dass sie keine Kraft mehr hatte. Beim 2. Mal war sie schon im Hospiz...sie saß im Rollstuhl, konnte sich seit fast 3 Wochen nicht mehr bewegen, kaum noch sprechen...habe ihr nochmals erlaubt, dass sie in Ruhe gehen darf, wenn sie es möchte. Sie sagte nur ganz leise "okay" und von da an ging es täglich/stündlich bergab und es dauerte nur noch 3 Tage, bis sie für immer eingeschlafen ist. Es fällt so verdammt schwer loszulassen. Aber mein größter Wunsch, dass ich bei ihr sein darf, wenn sie stirbt, den hat sie mir erfüllt. Es verlief etwas erschreckend für mich, da sie zum Schluss ihre Augen aufriss (ich wusste nicht, dass das passiert) und ein paar Mal schwer atmete. Diese Erfahrung möchte ich trotzdem nicht missen, denn die Schwestern im Hospiz haben mich vorher darüber aufgeklärt, was passieren kann und dass ich nicht den Fehler machen soll, mich nicht richtig von ihr zu verabschieden. Bin froh, dass ich auf sie gehört habe. Kurz bevor meine Mama starb habe ich ihr noch viele Sachen gesagt, so wie du. Ich bin dankbar, eine so tolle Mutter gehabt zu haben...Nein, zu HABEN. Als sie dann schon für immer eingeschlafen war, habe ich ihr weiterhin die Hand gestreichelt und am Tag später (sie war im Hospiz noch aufgebahrt) - obwohl ich vorher einen riesigen Bammel hatte - da habe ich sie ganz mutig auf die Stirn geküsst. Das musste einfach sein und es war gut so. Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, dabei sind es morgen schon 9 Wochen! Ihr Gesicht vergesse ich nie, sie sah so hübsch aus wie die letzten beiden Jahre nicht mehr. Als ob alle Sorgen und Quälereien von ihr abgefallen wären in diesen Stunden nach dem Tod. Das hat mich beruhigt. Deine Mama hat bestimmt gehört, was du zu ihr gesagt hast, auch wenn sie ihre Augen nicht mehr öffnen konnte, weil sie schon zu schwach war. Meine Ma war auch bis zuletzt bei Bewusstsein. Selbst der Arzt konnte uns das nicht eklären, da sie in ihrem Zustand eigentlich hätte im Koma liegen müssen. Wir haben schon starke Mütter gehabt, Saphir. Vielleicht sehen sie uns von irgendwoher, aber wir können sie nicht sehen?! Wer weiß! Gehst du oft auf den Friedhof? Bei mir ist es so, dass ich in den ersten Wochen absolute Panik verspürte und gar nicht alleine hingehen konnte. Inzwischen gehe ich gerne alleine dorthin. Fühle mich sehr wohl dort, da der Friedhof eine angenehme Ruhe ausstrahlt, und das ist in einer Großstadt schon was ganz Besonderes. In 6 Wochen hat meine Ma Geburtstag, das wird dann wieder ein ganz nachdenklicher und emotionaler Tag für mich werden. Schade, sie durfte nicht mal 55 werden. Niemand wird den Platz von unseren Müttern füllen können, denn sie sind EINZIGARTIG. Ich denke sagen zu können, dass sie uns sehr lieb haben und stolz auf uns sind. Auch ihnen ist es verdammt schwer gefallen loszulassen. Ich möchte nicht wissen, was in ihnen vorgegangen sein muss. Trotz allem Kummer wünsche ich dir ein angenehmes Wochenende! Liebe Grüße Gaby |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Gaby,
ich bin sicher, dass unsere Mütter immer fest bei uns sind, wenn wir an sie denken. Seit der Beerdigung (10.03.) war ich vielleicht 4mal auf dem Friedhof. Ich weiß auch nicht, ich kann das nicht so richtig mit Mama in Verbindung bringen. Aber wenn die Kränze entfernt worden sind, werde ich das Grab ganz schön in ihrem Sinne bepflanzen. Vielleicht kommt dann auch eher das Gefühl Mamas Körper zu besuchen. Ihre letzte Ruhestätte. Ich fühle mich immer näher bei ihr, wenn ich an Orten bin, an denen ich oft mit Mama war. Zum Beispiel im Wald an einem ganz bestimmten Baumstumpf, auf dem wir regelmäßig Pause gemacht haben. Da saßen wir dann, haben geredet, den Hunden zugeschaut etc..... Und Gaby, unsere Mütter sind nur vorraus gegangen. Wir werden sie wieder sehen!!! Heute bin ich ein bisschen wortkarg....das nächste Mal werde ich wieder mehr schreiben. Ist nicht der beste Tag für mich. Ich hoffe, es geht dir einigermaßen ok. Und schreib immer, ich bin da! Liebe Grüße, Saphir |
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Liebe Gaby,
momentan verdränge ich wieder viel. Daher schreibe ich auch kaum. Doch so wie es zur Zeit läuft, kann sich das auch wieder schlagartig ändern. Ach, ich denke ich muß Dir nicht viel erklären, bei Dir wird es wohl ähnlich sein. Hauptsächlich wollte ich Dir ein Lebenszeichen von mir geben. Wie ist es bei Dir? Alles Liebe, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe saphir!
ich bin für dich eine unbekannte wollte dir aber mitteilen das cih dich so verstehe. Meine mama ist 2002 an Krebs gestorben und ich vermisse sie huete noch mehr denn je. ich hatte auch nach dem meine mama gegangenist , den drang kinder zu bekommen , was ich dann auch 1 jahr später tat. Nun bin ich 26 , habe einen sohn und eine lieben ehemann und wohnen bei meinen papa im haus. vor nicht ganz 1 monat wurde bei meinem vater krebs imendstadion diagnostiziert. Es ist ein teufelskreis... ich bin mit meinen kräften völlig am ende. Ich wünsche dir viel kraft und viel mut für die zukunft. Ich drück dich! LG Petra |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
ich hatte bis zum Wochenende eine ziemlich schlechte Phase, habe mit meinem bisherigen Leben gehadert, konnte mich teilweise auch selbst nicht mehr ausstehen. Das hat mich ziemlich wütend gemacht, aber das gehört wohl auch zur Trauer dazu. Jetzt geht es wieder besser und ich muss sagen, dass ich z. Z. gar nicht mehr diese tiefe Trauer verspüre. Vermutlich hängt das aber auch mit meinen Urlaubsvorbereitungen zusammen, denn ich bin ab Donnerstag für 8 Tage am Gardasee. Ich denke, dass ich während des Urlaubs komplett abgelenkt sein werde. Keine Ahnung, ob das gut oder schlecht ist. Werde es merken, wenn ich wieder zuhause bin. Könntest du dir vorstellen, Tagebuch zu schreiben? Deine ganzen Gefühle, Sorgen, Ängste da hineinzupacken? Ich ertappe mich dabei, dass ich Freunden doch nicht alles erzähle, was in mir vorgeht. Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Kraft und lass den Kopf bitte nicht hängen. Es werden wieder bessere Tage kommen, für dich und für mich auch. Selbst wenn man manchmal nicht daran glauben mag. Liebe Grüße und bis bald! Gaby |
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Liebe Petra,
auch ich wünsche dir viel Kraft. Du hast leider schon viel mitgemacht, und stehst schon wieder mitten drin. Das tut mir wahnsinnig leid. Ich hoffe, deine Familie gibt dir genug Kraft stark zu sein. Ich fühle mich sehr schwach, nicht so richtig fähig mit dem Tod umzugehen. Ich denke, ich stehe noch ganz am Anfang. Die "Trauerarbeit" liegt noch vor mir, wann sie beginnt, kann man ja nicht sagen. Liebe Grüße, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Gaby,
wie eben geschrieben, geht es mir momentan immer noch nicht gut. Ich habe keine Ahnung, was in mir vorgeht, jedoch versuche ich den Tod von Mama von mir zu schieben. Ich denke täglich ganz oft an sie, aber mit dem Gefühl, als ob sie nur für längere Zeit verreist ist. Sie fehlt mir, doch die Vorstellung, dass sie nicht wieder kommt, ist zu heftig! Könnte jetzt schreien.... Dazu kommt auch meine körperliche Verfassung. Ich habe so schlimme Allergieprobleme, und nichts hilft. Bin richtig lahm gelegt. Dabei würde ich mich jetzt so gerne in Aktivitäten stürzen, mich ablenken, aber mein Körper macht nicht mit. Tagebuch schreiben ist nicht so mein Ding. Ich würde mich da wahrscheinlich zu sehr in schlimme Gedanken vertiefen, davor habe ich Angst. Vor der Konfrontation mit allem, was passiert ist. Vielleicht später einmal. Selbst wenn ich hier schreibe, wird mir ganz anders. Dann ist alles so klar vor mir, und ich könnte bis zum Nervenzusammenbruch heulen. Gleichzeitig ist es aber auch so wichtig für mich, dass ich mich austauschen kann. Mit Menschen, denen es genauso geht. In meinem Umkreis fehlt das völlig. Wie soll das jemand verstehen, dem das nicht passiert ist???? Heute geht es mir aber auch richtig dreckig. Liebe Gaby, ich hoffe dein Urlaub ist schön. Und das du danach ein wenig gekräftigt bist. Alles Liebe, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Hallo Saphir,
ich bin wieder zurück aus dem Urlaub! Die 8 Tage am Gardasee waren sehr schön und haben mich abgelenkt. Bis gestern war auch noch alles ok bei mir. Ich fühlte mich voller Energie. Heute war ich das 1. Mal nach meinem Urlaub auf dem Friedhof. Es hat mich wieder sehr mitgenommen. Ich merke, wie ich wieder "rückfällig" werde. Aber es ist gut so, auf alle Fälle besser, als es zu verdrängen. Es tut mir sehr leid, dass es dir schlecht geht. Wenn du nicht hier schreiben möchtest, was dich speziell bedrückt, dann kannst du mir auch gerne eine PN schicken. Sicher können einige Menschen nicht nachvollziehen, wie es uns geht, da sie es glücklicherweise selbst noch nicht erleben mussten. Aber du hast doch bestimmt Freunde, die etwas Mitgefühl aufbringen bzw. sensibel genug sind, um mit dir "umzugehen". Ich habe in meinem Freundeskreis auch nur eine Freundin, der ich noch immer meinen Kummer mitteile. Bei den anderen habe ich das Gefühl, dass sie es gar nicht wirklich hören wollen, selbst die Familie mütterlicherseits nicht. Die gehen halt weiter zur Tagesordnung über. Ich habe für mich gelernt und beschlossen, dass ich damit selbst zurecht kommen muss. Keiner kann mir dabei helfen. Ich lasse mir auch nicht vorschreiben, wie lange ich trauern darf. Am Sonntag vor genau 3 Monaten ist meine Mama eingeschlafen. Irgendwie kann ich es noch immer nicht glauben...sie fehlt mir sehr. Liebe Grüße Gaby |
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Liebe Gaby,
ich freue mich, dass Du in Deinem Urlaub entspannen konntest. Du hast recht, wenn Du die Trauer an nimmst. Da bist Du weiter als ich. Jetzt ist es so, dass es mir wirklich ganz gut geht. Habe viel zu tun, und um aufzutanken, habe ich wieder angefangen zu reiten. Das tut mir sehr gut. Pferde haben immer schon eine ganz besondere Wirkung auf mich gehabt. Aber es macht mir auch Angst, dass es mir "gut" geht. Wie kann es mir "gut" gehen, wenn ich meine Mama vor nicht einmal 3 Monaten auf grausame Art und Weise verloren habe????!???? Ich denke, da wird bestimmt ein derber Hammer irgendwo lauern, der bald sehr schlimm zuschlagen wird. Zwischendurch habe ich ja schon öfter einen "Vorgeschmack" erfahren. Da wo ich mich jetzt befinde, kann es ja nicht lange gut gehen....... Wobei ich täglich so oft an Mama denke, sie so unendlich vermisse....und soooooooooo liebe. Aber sobald ich zuviel an sie denke, lenke ich mich sofort ab. Habe Angst vor den Schmerzen der bitteren Realität. Was Du geschrieben hast, stimmt so sehr. Wir müssen einfach dadurch. Niemand kann uns etwas abnehmen. Daher rede ich auch kaum über die "Sache". Weil es doch nicht hilft. Im Gegenteil, dann geht es mir im Nachhinein noch schlechter. So rede ich einfach mit Dir, mit Euch, die dies alles kennen. Wenn ich mit Freunden darüber rede, fühle ich mich immer so ausgeschlossen, so stark im Abseits. Auch wenn ich wirklich liebe Menschen um mich habe. Ich hoffe, Dir geht es jetzt einigermaßen gut. Zuhause. Ich denke an Dich, bis hoffentlich bald. Eine warme Umarmung, Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
es ist toll, dass du dein Hobby wieder für dich entdeckt hast. Es ist wirklich ganz ganz wichtig, dass du weiterhin dein Leben lebst, auch wenn mal wieder ein ganz trauriger Tag dazwischen ist. Bei mir ist das nicht anders, glaube mir. Auch wenn ich total stark wirke, aber manchmal hauts mich doch noch um. Ich habe mich einige Tage nach dem Tod meiner Ma wieder im Fitness-Studio angemeldet, da ich das letzte halbe Jahr - als sie noch lebte - keine Lust mehr auf Sport hatte. Anfangs dachte ich noch, wie ich das jetzt schon wieder machen konnte, muss doch erstmal zu mir kommen. Ich bin aber wirklich froh darüber, denn der Sport lenkt mich ab und baut auch Streß ab. Außerdem könnte ich mir Mama bildlich vorstellen, wenn ich mich total hängen ließe :o . Träumst du oft von deiner Mama? Ich habe wochenlang überhaupt nicht geträumt und seit Muttertag bestimmt schon 4-5 mal. Kann mich immer nur daran erinnern, dass es schöne Träume sind, einmal hat sie mich nur umarmt. Das war ganz toll für mich. Aber ich sehe sie immer "krank" und nie als sie noch gesund war... Von einer Kollegin bekam ich den Tipp, mich bei einer Trauergruppe anzumelden. Die startet Ende Juni...irgendwie denke ich, dass es bei mir gar nicht mehr so schlimm ist und ich damit selbst gut zurecht komme, aber ich will lieber auf Nummer sicher gehen und werde daran teilnehmen. Wäre das vielleicht nicht auch etwas für dich? Ich wünsche dir einen schönen Abend und genieße bitte die Momente, in denen es dir gut geht! Deine Mama wäre sehr froh, wenn sie es sehen könnte. Aber wer weiß, vielleicht kann sie ja?! Viele liebe Grüße Gaby |
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Liebe Gaby,
ja, immer dieses Auf und Ab. Mittlerweile habe ich einen neuen Namen: der Düsenjäger. Bin angesprochen worden, warum ich mir keine Erholung gönne. Und mir wurde bewußt, dass ich wirklich nur so mit einer rasanten Geschwindigkeit durch die Zeit düse. Aber weißt Du was? Ich kann nicht anders. Ich brauche das so. Die Ablenkung. Und man kann sich doch nicht einfach hinsetzen, und sagen, so, jetzt trauer ich erstmal und setze mich mit dem Geschehenen auseinander!?! Man kann doch keine Trauer oder Derartiges erzwingen??? Und wenn ich jetzt rastlos bin, dann darf ich doch auch so sein, oder? Schön, dass Du Dich erholen konntest. Ich habe es Dir von Herzen gewünscht. Ich bin gespannt, wie die Trauergruppe für Dich ist. Bei uns ist so etwas nicht....glaube ich. Und Du bist momentan viel stärker.....ich kann mich jetzt nicht so intensiv damit auseinander setzen. Sei froh, dass Du es kannst. Denn das ist wichtig, denke ich. Alles Liebe, Gaby!!! Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Hallo Saphir,
endlich komme ich dazu, dir in Ruhe zu schreiben. Wie geht es dir, du Düsenjäger? ;) Mit Sicherheit kann man die Trauer nicht erzwingen. Wie sollte das auch funktionieren? Der Körper holt sich diese Phase, wenn er vielleicht etwas mehr Kraft gefunden hat. Die Seele lässt die Trauer nur scheibchenweise zu und nur dass, was sie verarbeiten kann. Jeder geht mit dem Thema anders um. Mir fällt auf, dass ich nur noch traurig bin, wenn ich alleine bin. Auf der Arbeit oder bei Freunden kommt das so gut wie überhaupt nicht vor. Liegt auch daran, dass sie mich nicht mehr darauf ansprechen. Ich merke halt, dass meine Konzentration manchmal sehr schnell nachlässt. Mit meinen Gedanken bin ich unterbewusst dann ständig bei Mama. Mein Gehirn rattert wohl in einer Tour :augendreh . Morgen habe ich einen verdammt schweren Gang vor mir. Wir wurden vom Hospiz, in dem Mama ihre letzte Reise angetreten hat, eingeladen. Sie laden ein zum 1-jährigen Bestehen und wollen den Gästen gedenken. Mein Vater sieht das als persönliche Einladung und denkt, er bzw. wir MÜSSEN dahin. Ich bin nicht so erfreut, versuche aber, das Beste daraus zu machen. Liebe Grüße Gaby |
AW: Russisch Roulette.......
Ihr Lieben,
nach über einem Jahr in diesem Forum möchte ich mich von Euch verabschieden. Seit dem 7. März bin ich nun schon keine Angehörige mehr, und langsam begreife auch ich es. Ich danke allen hier für die wundervolle Unterstützung in dieser schweren Zeit mit diesen vielen "Hochs und Tiefs". Ihr habt mich wirklich oft aufrecht erhalten, doch nun muß ich weiter gehen. Vielleicht werde ich mich in Richtung "Hinterbliebenen-Forum" begeben, um mich mit "Gleichgesinnten" auszutauschen, mal schauen..... Ich wünsche jedem hier alles Gute und Liebe, viel gegenseitige Unterstützung und aufbauende Worte. Viele Grüße, Eure Saphir |
AW: Russisch Roulette.......
Liebe Gaby,
entschuldige für meine späte Antwort. Wie war Dein Tag im Hospiz? Wie Du sicherlich gelesen hast, habe ich mich hier verabschiedet. Wir können uns aber gerne weiter schreiben. Wenn Du magst, dann schicke mir einfach eine P.N. Wenn mir danach ist, werde ich mich mal in das "Hinterbliebenen-Forum" bewegen. Bisher hat sich alles so sehr gesträubt. Aber ich bin nun mal keine Angehörige mehr, und ich fühle mich dort nicht mehr zugehörig. Ich werde da so an meine letzte Zeit mit Mama erinnert, und das tut sehr weh. Dafür ist der Abschied wohl zu frisch. Schreibe mir einfach, alles Liebe, Saphir P.S. Ich hoffe, Dir geht es einigermaßen gut!!! |
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