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Russisch Roulette.......
Hallo,
ich habe das dringende Bedürfniss zu schreiben, denn ich habe gerade einen extremen Durchhänger. Ich weiß nicht mehr woher noch die Kraft zu nehmen, um das Kapitel Krebs zu überstehen, und meiner Mutter eine starke Begleiterin zu sein. Die ganze Zeit tatenlos zuzusehen, wie sie sich durch die Chemos quält, die höllischen Schmerzen der Knochenmetastasen , etc. Aber auch die Angst in ihren Augen zu sehen, die Angst vor der Zukunft. Seit sie Krebs hat, bin ich in Angst(wie wahrscheinlich jeder andere auch). Manchmal kann ich die Angst unterdrücken, manchmal eher weniger. Und die Zeit vor wichtigen Untersuchungen ist die Schlimmste. So wie jetzt. Ich weiß, dass sie eine sehr agressive Form von Nierenkrebs hat, und die schnelle & starke Metastasierung nicht für eine lange Zukunft spricht.Und das es kaum Möglichkeiten für eine Behandlung gibt. Jetzt hat sie bald die 3-monatige Chemo durch, und wird Anfang März kontrolliert, ob es angeschlagen hat. Und ich habe so eine Angst vor diesem "russisch Roulette": Tod oder Leben. Bis zur nächsten Untersuchung. Ich kann nicht mehr, wie soll ich ohne sie leben???? Wir sind noch so jung! Ich würde sie so gerne beschützen, aber ich kann es nicht. Und auch dieses komische Gefühl während jeder Minute, die ich nicht bei ihr sein kann. Diese ständige Frage aus dem Unterbewußtsein: wie lange haben wir noch zusammen???? Ist das nicht einfach traumatisch? Wie kann man besser durch diese Zeit gehen? Und dem geliebten, kranken Menschen das Beste ermöglichen? Es tut einfach verdammt weh.....Saphir |
Russisch Roulette.......
Hallo Saphir,
ich kann mir glaube ich ganz gut vorstellen was Du jetzt durchmachst. Mein Vater ist letztes Jahr an Darmkrebs gestorben bzw. an den Komplikationen nach einer OP und danach lag er dann noch 9 Wochen auf der Intensiv und konnte wegen der Beatmung nicht sprechen und war häufig auch nichgt mehr ansprechbar und er wurde immer dünner, das war ziemlich schrecklich. Ich wohnte ausserhalb und auch wegen den Kindern konnte ich nicht jeden Tag hin und man wusste ja auch nicht ob er es noch schaffen würde, das ganze auf und ab. Man steckt drin und es ist nur wie ein Alptraum. Ich wünschte jetzt ich hätte mir schon in dieser Zeit Bücher zum Thema Sterbebegleitung besorgt, aber davor hatte ich in der Zeit die Augen verschlossen, er lag ja "eigentlich" nicht im Sterben sondern war wg. Rezidiv operiert worden um noch etwas Zeit zu schinden und dann Lungenembolie und dann lag er da und von Tag zu Tag und Woche zu Woche sah es mal besser und mal schlechter aus. Ich bin, und das finde ich jetzt am furchtbarsten, ganz oft nicht meinen Impulsen gefolgt. Ihm eine duftende Blüte in die sterile Intensiv zu bringen, mich (ganz am Ende) zu ihm in den Arm zu legen (wäre doch alles egal gewesen mit den Schläuchen usw.), oder auch mal den KH-Seelsorger anzusprechen obwohl ich garnicht gläubig bin aber da hing immer so ein Zettel im Vorraum der Intensiv und manchmal wenn ich da warten musste und keine Kraft mehr hatte dachte ich warum nicht einfach mal hingehen, vielleicht kann ich den mal mit zu meinem Vater nehmen oder einfach nur mit ihm reden.... aber ich habe mich dann nicht getraut oder es war mir peinlich oder was auch immer... jetzt wünschte ich, ich wäre mehr meinen Impulsen gefolgt und hätte mich auch besser informiert. Aus eigener Feigheit habe ich meinem Vater immer wieder gut zugeredet obwohl mir oft der Satz in der Kehle steckte "oder willst Du nicht mehr"... er hatte lebenslangen Horror vor Ärzten und KH und vom Personal hörten wir mit der Zeit immer häufiger "er verweigert sich" bei der Pflege und weigert sich die Augen aufzumachen (wenn er denn mal wach war), und vielleicht hätte ich es ihm und mir erlauben sollen das auchmal auszusprechen. Aber ich war auch unsicher ob ich nicht IHN damit zu sehr belaste wenn er da so liegt und seine Ängste nicht mal artikulieren kann. Ich denke jetzt man sollte sich auch als begleitender Angehöriger viel mehr Hilfe suchen: den Seelsorger ansprechen oder in einem Hospiz nachfragen wie sie einem evtl. bei der Sterbebegleitung helfen können oder eben Bücher (siehe auch die vielen Buchtipps hier im KK zu diesem Thema). Ich habe mich damit zwar auch beschäftigt, aber erst hinterher weil ich so viel gezweifelt habe was ich alles falsch gemacht habe. Ich denke man muss auch auf sich selbst achten - DAMIT man zu dem was getan werden muss auch die Kraft hat solange es eben dauert. Vielleicht kannst Du Dir auch Hilfe für Dich selbst besorgen, einen Psychologen oder eine Trauergruppe. Es ist ein Alptraum. Man wird die Bilder an die Zeit noch lange mit sich herumtragen. Aber mir tut am meisten weh was ich NICHT getan habe. Ansonsten bin ich egal wie schwer es war jetzt froh es getan zu haben, anders als mein Bruder der "gekniffen" hat und nicht mal gekommen ist als ich anrief dass er nun im Sterben liegt. Wenn ich manchmal nicht mehr konnte dachte ich nur "ausruhen oder mich erholen kann ich auch hinterher". Mein Vter war zum zweiten Mal verheiratet, seine Frau kannte ich vorher kaum aber am Ende haben WIR zusammen gehalten, und das ist immer noch so. Die letzte schwere Entscheidung für meinen Vater habe ich seine Tochter getroffen, ich habe tränenüberströmt vor dem Arzt gestanden und gesagt "Ja tun Sie es" (Lmitierung der Intensivmassnahmen)und manchmal denke ich wie kann man sowas tun müssen, aber trotz allem bin ich froh dass ich da war. Mein Bruder hat sich bei allem gedrückt aber bitte das war seine Entscheidung. Damit muss er ja nun weiter leben. Ich hätte gern noch mehr getan, aber man weiss ja immer nicht vorher wie und wann alles passiert. Irgendwas bereuen wird man wohl immer, man kann nur versuchen im Rahmen seiner Kräfte dass man hinterher möglichst wenig zu bereuen hat... so sehe ich das jetzt. Manches geht veilleicht auch nicht. Ich bin z.B. nicht bis zum Schluss geblieben, was ich jetzt bitter bereue. Die Frau meines Vaters war schon weg (weil ihr die Ärzte schon gesagt hatten er ist nicht mehr wikrlich bei uns) und ich war schon den ganzen Tag im KH und abends um 10 konnte ich nicht mehr, die Ärzte konnten nicht sagen ob es noch die ganze Nacht oder 2 Tage dauern wird, das Herz schlug ganz schwach immer noch und immer weiter, auch nach Stunden noch, ich war total entkräftet und verheult und allein und vollkommen überfordert und so ging ich nachdem die Ärzte mir auch noch mal sagten "er ist schon nicht mehr bei uns, er kann nichts mehr hören und fühlen, es sei nur noch MEIN Abschied, nicht mehr für ihn spürbar", und am nächsten Morgen ist er dann kurz nach 8 Uhr gestorben. Ich konnte damals nicht anders ich war so allein und hatte solche Angst aber wenn ich es nochmal tun könnte würde ich sagen gebt mir eine Matratze ich bleibe hier, oder irgendwen anrufen bitte komm ich kann das nicht allein (wenn die Familie schon kneift dann wenigstens eine Freundin, ist doch egal was die im KH denken), aber so war es nunmal nicht. Es würgt mich immer noch und ich fühle mich so entsetzlich dass ich ihn allein gelassen hab, der Arzt rief dann am Sonntag früh an, er sagte er und die Schwester haben zum Schluss seine Hand gehalten. Sie haben mir später noch mal bestätigt da das Gehirn fast nicht mehr durchblutet war und er sehr stark sediert war KANN er nichts mehr gemerkt haben er war schon ganz weit weg... und trotzdem. Aber damit MUSS ICH jetzt weiter leben. Ich muss mich damit trösten dass ich getan habe was ich konnte. So war es nun mal. Ich weiss nicht iob dir das jetzt irgendwie weiterhilft..... Wie alt bist Du denn? Ich bin 40 J. mein Vater war 68 J. Du sagst ihr seid noch so jung? Hast Du Geschwister? Alles Gute und viel Kraft für Dich Kerstin |
Russisch Roulette.......
Liebe Kerstin,
ich habe meine Mama und meinen Papa jahrelang in ihrer Krankheit und ihrem Sterben begleitet. Ich hatte vorher viele Bücher zu diesem Thema gelesen, sogar Seminare besucht. Liebe Kerstin, ich glaube man kann sich auf so etwas kaum vorbereiten. Jeder Mensch empfindet seine Krankheit anders, jedes Sterben verläuft anders. Man ist auch nicht allein auf seiner Sterbeinsel, das Verhalten von Ärzten, Schwestern, Angehörigen, es spielt so vieles mit hinein, man hängt von anderen Menschen ab und wie in allen Situationen im Leben, gibt es auch in dieser so etwas, wie Glück haben. Mein Bruder hat auch, wie du es nennst, gekniffen. Zumindest habe ich es so empfunden. Heute weiß ich, er hatte schlicht und einfach Angst. Das kann man verstehen, oder auch nicht. Auch nach Mamas und Papas Tod hat mich sein Verhalten oft befremdet. Inzwischen habe ich von so vielen ähnlich gelagerten Erfahrungen gehört, daß ich fast annehmen muß "Männer trauern oft anders". Aus Deinen Zeilen spricht viel Liebe und man merkt, Du hast Dich aufmerksam, liebevoll verhalten. Glaub mir, egal was man und wie man alles macht, in der Endgültigkeit des Todes findet man immer noch etwas was man lieber anders, besser gemacht hätte. Dich plagen Vorwürfe, daß Du in der Sterbestunde Deines Vaters nicht bei ihm warst. Du warst vorher bei ihm. Du hast Dich verabschiedet. Und wer weiß, vielleicht wollte er alleine sterben. Als meine Mama im Sterben lag, sagte ich zu ihr, ach Mama, ich hab dich so schrecklich gern. Uund sie antwortete, ich dich auch, und das bleibt auch so, das mußt du dir merken, daran wird sich nie etwas ändern. Und ich glaube, das bleibt für uns alle so, die unsere Lieben nicht mehr so ums un haben, wie wir es kannten. Ich wünsch Dir alles Gute Briele |
Russisch Roulette.......
Liebe Kerstin,
erstmal vielen Dank für Deinen langen Brief. Aber meiner Meinung nach hast Du wirklich alles getan, was Dir möglich war, und Du brauchst Dir in keinster Weise Vorwürfe zu machen. Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass wir Menschen sind, und keine ferngesteuerten Maschinen. In so einer Zeit befinden wir uns doch mehr oder weniger die ganze Zeit im Schockzustand, so dass in unserem Körper einfach ein Gefühlswirrwarr herrscht. Ich kann mir vorstellen, dass man hinterher immer auf der Suche nach Gründen ist, sich irgendwie Vorwürfe zu machen. Weil diese Krankheit einfach unberechenbar ist, und wir Menschen so hilflos daneben stehen müssen. Egal was immer wir auch tun, wie sehr wir kämpfen, wir können nicht gewinnen, wenn das "Schicksal" es nicht zuläßt. Dein Vater, da bin ich mir sicher, weiß wie sehr Du ihn geliebt hast, und was Du für ihn getan hast. Das Du bei ihm warst und ihn begleitet hast. Meine Mutter weiß auch, wie sehr ich sie liebe, wie stark ich mich für sie einsetze, aber ich denke immer, es ist nicht genug. Auch wenn es idiotisch klingen mag....solange der Krebs stärker ist, fühle ich mich als eine Verlierein, die sich nicht genug bemüht. Auch wenn mein Verstand weiß, wie blöd sowas ist. Ich bin 25, meine Mutter 53. Und wie bei Dir, habe ich auch dasselbe Problem mit meinem 21-jährigen Bruder. Er drückt sich davor, Mama zu besuchen und bei ihr zu sein. Klar, er hat Angst, aber die habe ich genauso. Und ich denke, es wird sehr problematisch für ihn sein, wenn die Krankheit siegt. Dann hat er doch mit dem Tod zu kämpfen, und zusätzlich muß er sich immer sagen, dass er Mama "im Stich gelassen" hat, oder???? Es wäre schön, wenn er das ändern würde. Dann könnte er wenigstens dasein, wenn ich nicht kann. Aber ich kann ihn nicht zwingen. Vor Büchern zum Thema Sterbebegleitung oder einer Therapie habe ich Angst. Ich bin feige, ich kann mich dem Thema Tod nicht stellen. Ich will, dass Mama überlebt. Und wenn ich an ihren Tod denken muß, fange ich an durchzudrehen. Was soll ich da machen? Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute. Saphir P.S. Wie schaffst Du das, mit dem Tod umzugehen? |
Russisch Roulette.......
Hallo Briele,
Danke für deine Antwort. Du hast sicher recht dass man sich mit Büchern oder auch persönlichen Gespächen nicht WIRKLICH auf das vorbereiten kann was da pssiert wenn jemand stirbt. Nur geht es mir jetzt so dass ich bestimmte Dinge nach denen ich mich dort gefragt hatte ("kann man sowas tun..") hinterher erst gelesen habe, und ich denke es wäre zumindest etwas hilfreich gewesen wenn ich mich damit schon mal auseinander gesetzt hätte. WIE es dann ist das kann man sich vorher sowieso nicht vorstellen. Ich denke das ist so wie mit dem Thema eigene Kinder: Du hast tausende Kinder gesehen und trotzdem ist wenn es Dein eigenes ist alles anders, auch darauf ist man nicht wikrlich vorbereitet was sich da alles an Gefühlen in einem findet.... egal wie viele Kinder man gesehen hat oder wieviele Bücher man gelesen hat. Trotzdem denke ich es kann hilfreich sein sich schon mal an das Thema anzunähern, gerade wenn man es vorher so weit von sich geschoben hat wie ich es immer getan hatte. Ausserdem zerbreche ich mir immer gern anderer Leut#s Kopf und denke "geht das jetzt" und "was denken die" und wenn ich mir vorher diese uznglaubliche ENDGÜLTIGKEIT auch nur annähern hätte klarmachen können dann hätte ich mich in vielem anders verhalten, auch gegenüber dem Personal. Manchmal denke ich jetzt (das ist zwar fies aber es ist so) warum konnte nicht jemand anders erst sterben denn jetzt habe ich es "geübt" und würde wenn es noch mal meinen Vater träfe vieles anders machen....naja was einem halt so durch den Kopf geht. Übrigens habe ich neulich im Buchladen tatsächlich ein Buch mit dem Titel gesehen "Männer trauern anders" und eine Sekunde (etwas hämisch) überlegt ob ich es für meinen Bruder kaufen soll... aber das hätte sich garnicht gut gemacht denn seit dem Tod meines Vaters geht alles mit der Familie den Bach runter, mein Vater wollte dass seine zweite Frau alles bekommt und hatte das zu Lebzeiten schon mit uns besprochen und anstatt sich daran zu halten klagt mein bruder jetzt seinen Pflichtteil ein, und das kann ich alles überhaupt nicht verstehen, ausserdem hat er sich schon als mein Vater noch im KH lag geweigert mit mir über all das zu sprechen. Es ist als hätte ich keinen Bruder, wir (die Frau meines Vaters und ich)haben alles gemacht, die Beerdigung und das Grab und den Stein, und mein bruder holt sich jetzt sein Geld.... naja ich kann garnicht mal so böse auf ihn sein weil er sehr verzweifelt sein muss wenn er versucht so "das letzte Wort gegenüber dem Vater zu behalten" aber es tut weh und ich bin enttäuscht und ich denke immer ob mein Vater gemewrkt hat dass mein Bruder in all den Wochen nur 3 Mal im KH war..... Männer trauern anders..... ;-(... mit dem Titel ist sicher was anderes gemeint ich hoffe wenn Männer dies lesen verstehen sie dass ich das SOOO verallgemeinernd natürlich NICHT meine. Ich habe das Buch ja auch nicht gekauft.... Aber es tut trotzdem weh. Wir alle hatten auch vorher kein SEHR enges Verhältnis aber jetzt geht man sich aus dem Weg. Es ist jetzt irgendwie alles richtig kaputt und ich habe nicht nur meinen Vater verloren. Meine Mutter hat sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert und mich nicht unterstützt als mein Vater im KH lag ich hätte mir gewünscht dass sie mal sagt "ich nehme die Kinder und passe auf lass Dir Zeit"... aber statt dessen hatte ich immer nur ein äusserst knappes Zeitfenster (musste bis in die nächste Stadt fahren)und schliesslich habe ich einen Babysitter bezahlt und sie hat auch nie wieder gefragt "willst Du mal zu deinem Vater fahren".... das tut auch weh. Und bruder und Mutter nehmen mir sehr übel dass ich zu der Frau meines Vaters halte (auch wenn ich sie vorher nicht gut kannte, ist alles ziemlich verworren) aber ich denke er würde das wollen denn er hat sich immer um alles gekümmert, sie ist nicht so der zupackende Typ, udn ich dachte er würde sich freuen wenn sie nicht so allein dasteht udn ausserdem verstehen wir uns sehr gut. Und die Tage und Wochen im KH werden uns sowieso für immer verbinden. Viele Grüsse Kerstin |
Russisch Roulette.......
Hallo Saphir,
wie schaffe ich es mit dem Tod umzugehen? .... Ich weiss es nicht. Irgendwie hat sich aber alles verändert seit dem Tod meines Vaters. Der Tod war bei uns in der Familie immer ein Tabu. Mir ist JETZT aufgefallen warum ich immer solche Angst + Scheu vor Friedhöfen hatte: weil wir nie mit unseren Eltern zu Gräbern von Grosstanten oder Grosseltern mit gegangen sind. Wer starb war irgendwie nur weg.... "keine Friedhofskultur".... Soweit ich jetzt weiss sind beide Eltern eigentlich nie auf den Friedhof gegangen. Und ich hatte damals im KH auch eine unglaubliche Angst vor dem Moment wenn er aufhört zu atmen, als wäre er dann nicht mehr ER sondern irgendwas unheimliches. Die Bestatterin fragte auch ob wir einen offenen Sarg wollten und wir hatten beide Angst davor (Frau meines Vaters und ich). Aber von einer Freundin bekam ich den Tipp ihn im Sarg fotographieren zu lassen und etwa 2 Wochen nach der Beerdigung habe ich die Fotos angesehen und ich sehe sie mir jetzt ganz oft an. Mein Vater sieht ganz normal aus und ich glaube diese Angst vor einem toten Angehörigen ist jetzt weg, naja nicht ganz weg aber nicht mehr so dass Gefühl es wäre gespenstisch.... er war ja immer noch er. Man hätte ihn noch anfassen können. Er war ja sowieso nur noch bewegungslos und hat nur ganz schwach geatmet als ich ihn zuletzt sah, nichts zuckte im Gesicht usw. über Stunden, also kann es nicht mehr viel anders gewesen sein. Und auf den Fotos (schön geschmückt mit Efeu und Blumen) sieht er sehr friedlich aus, so wie zuletzt im KH. Und ich habe inzwischen Dinge getan die ich mir früher nie hätte vorstellen können, wir haben mit ca. 20 - 30 Schubkarren den Grabhügel selbst abgetragen und als die Erde absackte Säcke hingeschleppt und nachgefüllt und Blumen gepflanzt und Laterne + Kerzen aufgestellt und Grabstein ausgesucht und der Friedhof ist jetzt mein Ort der Ruhe, ich gehe dort gern umher, es ist ein sehr schöner Dorffriedhof. Und natürlich setze ich mich jetzt viel mehr mit der eigenen Endlichkeit auseinander. Natürlich macht es mir noch grosse Angst aber nicht mehr so kopflos-panisch wie früher. Neulich sah ich im Buchladen einen Bildband (den ich mir auch kaufen will) der heisst "Nochmal Leben vor dem Tod" und dokumentiert Menschen vor und nach dem Tod in Hospizen. Früher hätte ich sowas nie NIE ansehen können aber jetzt zieht es mich an.... und die Fotos sind für mich nicht mehr beängstigend, oder nicht mehr NUR beängstigend sondern irgendwie auch schön und tröstlich.... Ich erzähle das hier nur weil es für mich eigentlich eine unglaubliche Veränderung ist. Das habe ich nicht geplant, es hat sich so ergeben. Sicher ist mein Therapeut dabei sehr hilfreich gewesen dass ich mich dem Thema stellen konnte. Aber Du bist jetzt an einem ganz anderen Punkt. Ich hoffe es tut Dir nicht zu sehr weh wenn Du hier liest was ich alles schon erlebt habe und was Du ja hoffentlich nicht bald erleben musst. Natürlich willst du das deine Mutter lebt, und ich wünsche Dir und ihr sehr dass ihr noch viel viel Zeit zusammen haben könnt. Ich denke Du wirst Dich mit den Themen dann auseinandersetzen wenn es soweit ist - wenn für Dich die Zeit da ist. Ich hatte den Gedanken es könnte wirklich passieren ja auch immer wieder verdrängt, konnte es nicht realisieren. Ich konnte es mir nicht vorstellen, mal abgesehen dass man natürlich immer hofft und hofft... Trotzdem, vielleicht überlegst Du noch mal ob eine Unterstützung (Psychotherapeut ?) für Dich nicht sinnvoll wäre einfach um über die Dinge reden zu können auch die Dich ängstigen (mit Ängsten kenne ich mich aus... :-) ) denn man kann wirklich lernen mit den Dingen anders umzugehen. Und um ihn oder sie dann schon zu "haben" wenn es mal schlimmer werden sollte.... Aber ich kann schon verstehen dass Du Angst davor hast. Das muss jeder wissen wie er/sie durch die Dinge hindurch geht und sie bewältigt, und wann man was bewältigen und zulassen kann. Ich bin mir ganz sicher ohne die 1,5 Jahre Therapie die ich schon vor dem Tod meines Vaters hatte und dann die Begleitung durch den Thera wäre vieles anders gelaufen, aber ich bin nur froh dass er da war. Naja das hört man sicher auch aus meinen Worten heraus aber ich will hier auch nicht missionieren, das musst Du selbst wissen welchen Weg Du gehen willst und kannst. Das soll sich jetzt nicht herablassen danhören aber Du bist ja auch viel jünger und ich möchte nicht wissen WIE überfordert ICH mit alldem in deinem Alter gewesen wäre.... Du tust was Du kannst und das finde ich ganz grossartig, ehrlich - Du solltest nur auch ein bisschen auf Dich achten... Viele Grüsse Kerstin |
Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
bevor ich gestern die Zeilen für Kerstin schrieb, hatte ich für Dich etwas geschrieben, aber das Senden hat nicht funktioniert - ich bin ganz neu auf diesem Gebiet. Also nun ein neuer Versuch ...... ..... wie gerne würde ich Dir etwas sagen können, was Euch hilft, einen Katalog der guten Ratschläge senden. Ich kann Dir nur von meinen Erfahrungen erzählen, ob etwas für Dich und Deine Mutter dabei ist, weiß ich nicht. Jede Geschichte ist anders. ANGST - mein Gott, es ist doch logisch, daß man sie hat. Versuch für Euch beide etwas zu finden, was diese Angst reduziert. Ich habe, sowohl für meine Mama, als auch für mich, gute Erfahrungen mit den Bachblüten gemacht. Auch die Homoöpathie bietet einiges, ich habe auch nicht gezögert ein Medikament zu nehmen, bin dann aber wieder zu den Bachblüten zurückgekehrt. Da gibt es Hilfe für Deine Mutter und für Dich. SCHMERZEN - sind die Schmerzen nicht beherrschbar? Da muß man manchmal ein bißchen Druck machen. KRAFT -ich glaube wenn man die Angst ein wenig in den Griff kriegt, gewinnt man Raum für die Kraft. Es klingt vielleicht banal, aber versuche, Dich gut und gesund zu ernähren, zu schlafen, mal an die Luft zu kommen und ich hoffe Du hast Menschen bei denen Du Dich ausheulen und anlehnen kannst. Ich verstehe Dich, ich kenne das Gefühl von Angst, Kummer, Panik, Hilflosigkeit, das Mitleiden. Bei Euch kommen sicher noch Gefühle von Ungerechtigkeit, Wut und so dazu, weil Ihr jung seid. Was könnte ich Dir raten? Ich denke, der Kranke gibt den Rhythmus vor, die Themen, was er will, gilt. Ich hatte mir einiges anders vorgestellt, aber Mama traf ihre Entscheidungen und es war recht so. Manchmal lohnt es aber, ein wenig nachzuhaken. Versuch ein paar Fäden zu spinnen, was Hilfe betrifft. Es gibt fast überall eine Hospizbewegung. Die helfen nicht erst in den letzten Stunden, die sind auch eine Hilfe wenn es um die Themen geht, die du ansprichst. Bestimmt fällt mir noch etwas ein, dann schreib ich dir wieder. Für heute alles Liebe Briele |
Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
hier bin ich wieder, ich habe im Laufe des heutigen Tages mehrmals an Dich und Kerstin gedacht, habe nun alles auf dieser Seite nochmals gelesen. Ich hoffe Du fühlst Dich von Kerstin und mir ein wenig aufgefangen. Wie Kerstin schreibt, Du bist in einer anderen Phase, vielleicht bräuchtest Du Gespräch- Schreibpartner, die in Deiner Situation sind. Meine ersten "Tipps" - wenn man das Wort gebrauchen kann, - waren pragmatischer Art. Ich habe mich zurück versetzt in die Zeit der Krebserkrankung meiner Mama, ich hoffe Du fandest das nicht zu banal. Aber ich bin ziemlich bald darauf gekommen wie wichtig es ist, daß ich gesund bleibe, das ich vor ihr, neben ihr, hinter ihr stehen kann und nicht selbst umkippe. Ich habe keine Erfahrung mit Therapien. Ich habe damals bedauert nicht eine Technik zu beherrschen wie autogenes Training, Qigong, Atemtechnik, irgend so etwas in dieser Richtung. Ich lerne nun Qigong, das entspricht mir, aber es gibt ja eine ungeheure Palette von Angeboten. Die Termine der Untersuchungen sind immer schrecklich.Da kann man gar nichts dagegen tun. Es muß aber nicht immer ein schlechtes Resultat herauskommen! Ich kann nur von meiner Erfahrung sprechen, wenn das Ergebnis der Untersuchung nicht erschreckend war, dann ging die Erleichterung bald in Selbstverständlichkeit über. Wenn es wieder einmal schlimm war, dann hab ich gemerkt, daß es einfach eine gewisse Zeit braucht bis das Entsetzen in das Innere vordringt, irgendwie, irgendwo dort einen Platz findet und dann lebt man auch erst einmal wieder weiter. Es tut mir leid, daß Dein Bruder da irgendwie ausfällt. Versuche (es ist nicht leicht) nicht zu viel Energie in vergebliche Bemühungen, Wut und Groll zu investieren. Du brauchst sie für Dich und Deine Mutter. Und - wie ich schon das erste Mal schrieb, wenn Du keine Hilfe im Umfeld hast,bitte such sie Dir! Weißt Du was ich versäumt habe? Ich habe keine Fotos von meiner Mama in ihren letzten Jahren. Wir haben nie groß fotografiert, das tut mir sehr leid. Ich hätte auch gerne ihre Stimme auf einem Tonband. Von meinem Papa hab ich das dann gemacht, bis jetzt konnte und wollte ich das Band nicht hören, aber es ist wie ein Schatz, den ich da habe. Zu Beginn der Erkrankung meiner Mama habe ich - man kann es beten, oder flehen nennen - da war in mir das Flehen, bitte, bitte, laß sie bei mir bleiben, später änderte sich diese Bitte, bitte, es soll das geschehen, was für SIE das Beste ist und zum Schluß betete ich, daß sie sterben kann, weil es das war, was sie wollte. Rückblickend betrachtet muß ich sagen, daß die gemeinsam verbrachte Zeit während Ihrer Erkrankung unglaublich intensiv war, geprägt von Nähe, Liebe, Dankbarkeit. Für heute hör ich auf. Ich wünsche dir alles Gute Briele |
Russisch Roulette.......
Ich habe meinen Vater auf seinem letzten Weg begleitet, dachte immer, dies könnte ich nicht, aber in diesen Momenten, denkt man überhaupt nicht nach, man handelt einfach spontan und KANN es. Mein Vater starb, als seine Frau, mein Mann und meine Kinder aus dem Zimmer waren und ich ganz alleine mit ihm war....
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Russisch Roulette.......
Liebe Briele,
ich danke Dir sehr für Deine Antworten, und vorallem für Deine Anteilnahme. Das hilft schon wahnsinnig, zu merken, dass ich nicht alleine da stehe, in so einer Situation. Und Banales hast Du mir auch nicht geschrieben: ich habe am eigenen Leib zu spüren bekommen, wie mein Körper auf alles reagiert. Denn nebenbei habe ich ja auch den Spagat zu meiner Arbeit zu erledigen. Und das ist ein Job, wo ich es mir nicht leisten kann, meine Gefühle zu zeigen. Da muß ich immer gut drauf sein, und darf mir nicht anmerken lassen, in was für einer Situation ich stecke. Und gerade da hat mein Körper gestreikt. Ich bekam während der Arbeit starke, kalte Schweißausbrüche, starke Zitteranfälle, und hatte mich überhaupt nicht mehr im Griff. Dazu kamen dann auch Panikattacken, wegen wirklich banalen Dingen, die ich nie vorher hatte. Seitdem nehme ich Antidepressiva. Sonst könnte ich meinen Job garnicht mehr professionell ausüben. Seitdem kann ich auch wieder besser schlafen. Mit dem essen ist das so eine Sache. Ich esse wirklich gut ( sonst wäre ich schon längst zusammengebrochen), aber ich habe das Gefühl, der Stress nimmt 70%von meiner Nahrung für sich in Anspruch....so habe ich schon gut an Gewicht verloren. Was soll man da machen?!? Mit den Antidepressiva ist das auch keine Lösung für immer, ich weiß das. Nur halten diese mich echt aufrecht. Ich habe ja auch nicht viel Zeit neben meiner Mutter und der Arbeit, um z.B. eine Therapie zu machen. Aber ich denke, auf lange Zeit muß ich etwas finden, um mein Inneres zu stärken. Sonst kann ich meiner Mama ja auch keine große Hilfe sein, wenn ich da irgendwann kollabiere. Ich finde es sowieso erstaunlich, zu was der menschliche Körper imstande ist. Zurück zu Dir. Deine Worte tun gut, und es ist hilfreich, was Du schreibst. Einfach zu sehen, wie Du mit allem umgegangen bist, gibt mir Mut. Ich habe noch eine Frage. Hattet ihr einen Schmerz-therapeuten? Ich glaube, das ist das nächste, was ich jetzt bald machen muß. Jemanden zu finden, der meiner Mama besser die Schmerzen behandeln kann. Ich danke Dir aus ganzem Herzen, alles Gute, Saphir. |
Russisch Roulette.......
Liebe Saphir, mein Vater ist wegen der Schmerzen sehr gut auf einer Palliativ-Station behandelt worden.
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Russisch Roulette.......
Liebe Kerstin,
auch Dir möchte ich mit ganzem Herzen für Deine liebe Anteilnahme danken. Und das was Du mir schreibst, tut mir nicht mehr weh, als es diese Krankheit ohnehin tut. Es tut mir nur leid, was Du erlebt hast, und bei Dir auch noch Schuldgefühle hinzukommen. Im Gegenteil, Du zeigst mir ganz selbstverständlich auf, wie so ein Krankheitsverlauf auch "enden" kann, und was bei uns logischerweise auch der Fall sein könnte. Es gibt ja nur 2 Möglichkeiten. Und das ist für mich auch wichtig zu sehen. Wie man gerade im schlimmsten Fall damit umgehen kann. Gerade das ist eine gute Art von Hilfe. Sich auszutauschen, zu merken, man ist nicht allein damit, und sich hier und da etwas raus zu picken, was für einen in Frage kommt, und in der jeweiligen Situation eine gute Hilfestellung sein könnte. Nun ja, jetzt muß ich erstmal wieder die Zeit bis zur nächsten Untersuchung überwinden, was mir doppelt hart kommt. Denn ich muß Anfang März, genau in der Zeit, beruflich für eine Woche in die Staaten. In so einer wichtigen Zeit nicht bei ihr sein zu können, ist grausam. Viele sagen vielleicht: ja, dann kannst Du Dich doch mal ablenken und verschnaufen, aber bei mir ist das unmöglich. Auch an Dich hätte ich nch eine Frage. Habt ihr einen Schmerztherapeuten hinzugezogen? Ich glaube, meine Mama kann bald nicht mehr ohne.....Viele liebe Grüße, und alles Gute, Saphir |
Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
danke für Deine Zeilen. Zuerst zu Deiner Frage - wir hatten keinen Schmerztherapeuten, den gab es in dem kleinen Krankenhaus nicht. Zu Beginn von Mamas Krebserkrankung habe ich dieses Thema mit dem Arzt besprochen, ich wollte wissen wie die das handhaben wenn es zu Schmerzen kommt, ob ich mich verlassen kann, daß alles getan wird, was getan werden kann.Ich war nach diesem Gespräch beruhigt und als die Zeit der Schmerzen kam, da hat sie genug Mittel bekommen. Mama war dann oft im Dämmerschlaf, das haben wir beide bedauert, aber vor die Wahl gestellt sie mit Schmerzen präsent zu haben, oder ohne Schmerzen schlafend, war es wiederum leicht zu entscheiden. In meinem letzten Brief habe ich geschrieben "man muß dahinter sein". Damit meinte ich, man muß beide - Patient und Arzt - abfragen um auf einen Nenner zu kommen.Den Ärzten und Schwestern im Krankenhaus werde ich bis ans Ende meiner Tage dankbar sein, aber für manche Fragen war unser Hausarzt sehr wichtig. Er hat befürwortet, daß Mama Mistelspritzen bekam, und immer ein Selen Vitamin A,C,E, Präparat.Im Grunde genommen weiß ich natürlich nicht ob ihr diese Dinge geholfen haben, aber wir hatten das Gefühl, wir machen da selbst auch etwas. Wenn Dir das Medikament gegen Depression hilft, dann nimm es einfach. Ich kenn mich mit Depressionen nicht aus, mir wurde damals auch eines angeboten, ich dachte, bin ich depressiv? Nein, ich bin traurig und habe allen Grund dazu, ich bin überarbeitet, übermüdet, ich habe Angst und weiß weshalb. Ich hab dann beim Arzt weitergefragt und ich habe ein Medikament bekommen, das die Stimmung aufhellt. Ich habe auch ein Multivitaminpräparat genommen.Ich hatte schon geschrieben, daß ich damals bedauerte nicht auf eine Entspannungstechnik zurück greifen zu können. Mit Hilfe eines Buches habe ich es mit der Atemtechnik versucht. Das ging so so la la, aber ein wenig half es manchmal. Ich verstehe, daß es Dich bekümmert nicht an Mamas Seite sein zu können, wenn sie den Arzt- Untersuchungstermin hat. Liebe Saphir, es ist wie es ist und es kommt wie es kommt. Wichtig ist Deine Bereitschaft und die spürt man mit jeder Zeile. Du weißt,Du mußt in die Staaten, Deine Mama weiß das auch. Was Du vorher tun kannst, wirst du tun und dann bist Du wieder bei ihr. Für diese Woche wünsche und hoffe ich für Euch, daß Ihr jemanden habt. Wenn es möglich ist, versuche manchmal Deine Ängste zu bändigen, so wie man ein wild gewordenes Pferd bändigt. Das ist nicht leicht, ich weiß. Aber manchmal dachte ich, eigentlich bin ich vollauf beschäftigt mit dem was IST fertig zu werden und will mich nicht noch ängstigen, was alles sein KANN. ein Beispiel dafür war die Prognose des Arztes, daß Mama vermutlich einen Darmverschluß bekommen wird. Ich habe mich drei Jahre lang davor gefürchtet und war so etwas wie die Oberwächterin ihrer Verdauung. Sie ist nicht daran gestorben. Du hast viel um die Ohren, Saphir. Ich schlage Dir vor, daß ich Dir schreibe wenn ich glaube etwas sagen zu können, wenn Du Zeit hast freue ich mich von Dir zu hören, aber es ist auch o.k. wenn Du keine Zeit hast. Es tut mir im Herzen weh, daß Ihr beide so jung seid und dem Kummer ausgesetzt seid. Ich bin sehr beeindruckt von Dir und Deine Mama hat eine bemerkenswerte Tochter. Ich denke an Euch wünsche alles Liebe Briele Seit wann ist denn Deine Mama krank? |
Russisch Roulette.......
Hallo Saphir,
mit Schmerztherapeuten habe ich keine Erfahrungen weil es meinem Vater noch gut ging als er wegen des DK-Rezidiv zur OP ins KH ging. Nach den OP-Kompliaktionen lag er mehr oder weniger stark sediert seine letzten 9 Wochen auf der Intensiv, was man ihm da wann im einzelnen gegeben hat weiss ich nicht, er schlief oft gerade nach kleineren Eingriffen oder Untersuchungen die unter Narkose durchgeführt wurden und ansonsten haben die Anästhesisten immer versichert sie würden ihn versuchen so einzustellen dass er keine Beschwerden oder Schmerzen hat, er konnte sich wegen der Beatmung ja nicht mehr äussern aber wenn er z.B. während der Pflege wach war und gestöhnt oder das Gesicht verzogen hat wurde er gefragt ob es weh tut und dann haben sie darauf reagiert. Wie gesagt die Details weiss ich nicht. Aber ich würde an deiner Stelle mal den behandelnden Onkologen fragen, oder in dem KH in dem Deine Mutter zur Behanldung war oder ist, oder einen sonstigen Arzt deines/Eures Vertrauens fragen was man machen könnte, oder einfach aus den gelben Seiten Schmerztherapeuten heraus suchen und anrufen und da durchfragen wer helfen kann und Erfahrungen auf dem Gebiet hat. Soviel habe ich mitbekommen: wenn man sich nicht selbst kümmert passiert meistens garnix.... am besten durchfragen und nicht locker lassen. Was sagt denn deine Mutter dazu? Du hast ganz oben von den höllischen Schmerzen geschrieben: was wird denn bisher dagegen getan, hast Du das Gefühl die behandelnden Ärzte tun nicht genug? Ich kenne mich nicht damit aus was man ambulant machen kann aber in dem KH haben sie mir versichert gerade zum Ende hin dass sie meinem Vater ein Opiat gegeben haben das wäre "so ca. 100 mal stärker als Morphium" (den Namen habe ich vergessen), was nicht nur Schmerzen stark dämpfen sondern auch ein warmes, behagliches angstfreies Gefühl schaffen sollte. Aber vermutlich ist das dann nur der Fall wenn es ohnehin dem Ende zugeht, weiss ich nicht. Daran habe ich mich jedenfalls festgehalten. Im Nachhinein habe ich noch gelesen über die Folgen/Nebenwirkungen von Langzeitbeatmung und Patienten im Koma (in dem er ja auch Zeitweise lag) und besonders langem Intensiv-Aufentahlt, wodurch die Wahrnehmung sich stark verändert, d.h. seine mangelnde Wachheit war vermutlich eine Mischung aus alldem und auch dem zunehmenden Organversagen (v.a. Leber) und ich hoffe nur dass das alles durch die Medikamente gemildert war und er sich vielleicht garnicht so schrecklich gefühlt hat. Auf jeden Fall gibt es Medikamente die so stark sind dass man nichts mehr mitbekommen soll, aber ich nehme an ein Preis den man dafür zahlt ist dann die mangelnde Wachheit... Sonst würde ich im Internet nochmal suchen unter Krebs und Schmerztherapie. Aber am besten die Ärzte ausquetschen, die müssen doch was tun!! Viele Grüsse Kerstin |
Russisch Roulette.......
Hallo ihr beiden,
1. ich nehme auch Antidepressivum seit November '04 weil es mir mit der Zeit nach dem Tod meines Vaters immer schlechter statt besser ging, jetzt also trotz bzw. ergänzend zu der Psychotherapie 2. Von meinem Thera hatte ich als Hilfe zu den Entspannungsübungen mal eine Kassette bekommen das nennt sich "Progressive Muskelentspannug", das fand ich besser als ein Buch zu lesen: man macht die Kassette an und folgt dann der einschläfernden Stimme, es ist immer ein Wechsel aus Anspannung und Entspannung. Bei mir hat das gut geklappt. Kerstin |
Russisch Roulette.......
Liebe Kerstin,
danke für Deine Zeilen. Du erlaubst sicher, daß ich bei meiner Antwort auch Deinen Brief an Saphir mit berücksichtige. Deine Worte über Deinen Bruder und Deine Mutter geben einem wirklich zu denken, da kann man eigentlich gar nichts dazu sagen, nur, daß es einem leid tut und daß es sehr schade ist. Ich verstehe nichts von Psychologie, aber ich kann mir vorstellen, daß Du es mit der Trauer um Deinen Vater doppelt schwer hast. Zu der Trauer, dem Verlust, kommen auch noch Enttäuschung und das Gefühl im Stich gelassen zu sein dazu, sicher auch Wut. Weißt Du was mir bei Deiner Erzählung auffällt, ich bemerkenswert finde? Daß Du eine Nähe zur Frau Deines Vaters gefunden hast, daß Ihr miteinander gut auskommt. Manchmal denke ich, wir alle schenken oft zu viel Aufmerksamkeit den Defiziten und achten zuwenig auf Situationen in denen es gut geht. Zum Beispiel habe ich (für mich) oft die körperliche Verfassung meiner Eltern beklagt. Wenn andere meinten, welch ein Glück es sei, daß meine Eltern geistig und seelisch so gut drauf sind, na ja, das habe ich fast selbstverständlich genommen. Als ich jetzt Deine Worte über Dich und die Frau Deines Vaters las, dachte ich, das hätte auch ganz anders sein können, für alle Teile schwer erträglich. Ganz gut gefällt mir das Bild, Ihr zwei, 20 bis 30 Schubkarren Erde hievend auf dem Friedhof. Das ist kreatives Leben und Dein Papa hat das bestimmt mit Wohlgefallen betrachtet. Ich möchte noch einmal auf Deinen - glaube ich ersten - Text zurückkommen, in dem Du schmerzhaft bedauerst nicht bei Deinem Papa gewesen zu sein, als er sein Leben aushauchte. Weißt Du, ich glaube worauf es wirklich ankommt, ist die Bereitschaft, da zu sein. Und die hattest Du. Ob sich das dann so ausgeht, daß man genau in dem Augenblick da ist, das ist Glück! Mir tut es im Herzen weh, wenn ich immer wieder höre oder lese, daß Angehörige so schwer damit leben, sich zusätzlich das Herz schwer machen, wenn sie nicht dabei waren. Es gibt Menschen, denen es möglich ist, sozusagen immer beim Kranken zu sein. Dann gehen sie aufs Klo, duschen sich und wenn sie zurückkommen ist der Mensch tot. Wann ist Dein Vater gestorben? Ich hab Dir geschrieben, daß ich mich schon vor dem Tod meiner Eltern, ja so früh, daß es sogar vor ihren Erkrankungen war, mit diesem Thema beschäftigt habe. Das MYsterium Tod war nie ein Tabuthema. Aber das eigene Erleben hat alles aus den Angeln gehoben. Ich glaube durch dieses Tal muß man durchgehen um verstehen zu können.Man ist danach nicht mehr derselbe Mensch - im positiven Sinn. Ich kann heute ganz anders mit Kranken, mit Trauernden umgehen, ich weiß jetzt einfach WIE das ist. Und jetzt wäre ich jemand, den man anrufen kann, an seine Seite bitten kann, so wie Du das gebraucht hättest, als Du bei Deinem Papa warst. Und das meinen wir beide, wenn wir Saphir bitten, sich um Hilfe umzusehen. Wie alles sein wird, das weiß keiner, aber es tut gut, wenn man ein bißchen gewappnet ist. Für heute schicke ich Dir liebe Grüße Briele |
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Hallo ihr da draussen!
Ich kann euch nur zu gut verstehen. Mein Papa hat BSDK mit MEtastasen und ich kann jeden Tag zu sehen wie es ihm schlechter und schlechter geht. Ich würde ihm sogerne helfen doch ich kann nicht mehr als da sein. Ich weiss es ist für ihn schon eine grosse hilfe aber ich fühle mich mit meinen 22 Jahren einfach zu überfordert. Ich träume davon wie es sein wird wenn er stirbt wie ich mich verabschiede. Das macht mich fertig. Ich schaffe das alles nicht. Ich kümmere mich um Papa unterstütze psychisch meine Mutter soll noch für meinen Mann die Ehefrau spielen. Mir wird das alles zuviel. Ich schaff das nicht liebe Grüsse Lollo |
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Hallo Lollo,
das was Du da alles zu leisten hast ist auch unglaublich viel, und schwer. Ich habe auch Mann + zwei Kinder und mal abgesehen von den "logistischen" Problemen die ich hatte um zu meinem Vater zu können war es die ganze Zeit auch ein Spagat zwischen dem was man da bei dem Kranken leisten muss + will und dem "normalen" Leben drumherum das auch weitergeht. Mein Mann hat mich zwar schon unterstützt, z.B. dass er sich am WE um die Kinder gekümmert hat und ich konnte zu meinem Vater fahren, aber ich glaube nicht dass er erfassen kann WIE schwer das alles für mich war und es auch jetzt noch so viele Monate nach dem Tod meines Vaters ist. Oft liege ich abends im Bett und denke an alles was passiert ist und kann mit ihm aber nicht darüber sprechen. Ich bin nur froh dass ich meinen Therapeuten habe. Freundinnen wollen auch nicht wirklich IMMER NOCH über das Thema hören. Manchmal denke ich (etwas unschön...) "warte mal ab..." wenn ich sehe dass eine Freundin nicht darüber reden will, schnell ablenkt... bis man es ganz lässt den Versuch zu machen. Weitestgehend mache ich das mit mir selbst ab und hier im Forum, und eben bei dem Therapeuten. So wie Du schreibst denke ich Du bräuchtest auch dringend Unterstützung FÜR DICH. Was kannst Du Dir denn vorstellen was Dir helfen könnte? Du musst deine Last doch auch teilen können - hat Dein Mann denn kein Verständnis für Dich? Ich kann gut verstehen dass Du das Gefühl hast das alles nicht schaffen zu können. Das ist ganz normal. Versuch auch für Dich Hilfe zu organisieren. Viele Grüsse + Alles Gute Kerstin |
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Hallo Briele,
ich will Dir zu deiner letzten Antwort auch noch was schreiben aber ich liege im Moment mit Grippe flach und kann nicht klar denken. Melde mich. LG Kerstin |
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Liebe Kerstin,
schnelle und gute Besserung! Liebe Grüße Briele |
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Liebe Kerstin, liebe Briele, liebe Lollo und lieber Christoph,
Ich kann erst jetzt schreiben, da ich erst heute Nacht von einer beruflichen Reise zurück gekommen bin. Jetzt sitze ich hier vor dem Computer, und bin wirklich gerührt. Zu sehen, dass ihr "da" seid, und so viele für mich wichtige Worte verfasst habt. Wenn man es alles bisher allein ertragen hat, und sich dann doch mal traut, einen Hilfeschrei in die Öffentlichkeit zu entsenden, und dann sieht, was man für Feedback bekommt, ist ein gutes Gefühl. Zu sehen, wir sitzen alle im selben Boot, und bemüht sind, nach vorne zu rudern, ist einfacher zusammen als allein. Obwohl ja jeder letzendlich für sich selbst "zuständig" ist, ist diese Seite ein guter Zufluchtsort, um sich wieder voran zu treiben. Oder voran treiben zu lassen!!! Ich danke Euch. Meine Mutter bekam bisher immer Valoron gegen die Schmerzen. Bis ich Anfang dieser Woche ein Schmerzstöhnenden Anruf meiner Mutter bekam, das die Schmerzen, da wo die Metastasen sitzen(Schädelknochen, Schienbein, Hüfte, Fußgelenk, hintere Rippe...)fast unerträglich sind. Bin dann sofort zur Onkologin mit ihr, und nun hat sie Morphiumpflaster bekommen. Mama zeigte leider immer eine extreme Unverträglichkeit bei oraler Morphiumgabe, sie hat danach immer stark erbrochen. So ist das wohl nicht ganz so einfach. Deswegen meine Frage zu spezialisierten Schmerzspezialisten. Es gibt doch tausende Schmerzmittel, die sie nicht belasten oder ganz "wegtreten"lassen. Sie soll ja noch am Leben teilhaben. Der Nierenkrebs ist im August´03 diagnostiziert worden. Da war er schon sehr groß, hat sich schon halb um die Niere geschlungen. Im Juni´04 kamen wie in einer Schwemme die Knochenmetastasen. Liebe Kerstin, ich wünsche Dir gute Besserung! Und Euch allen alles Liebe, Saphir |
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Und natürlich auch liebe Stina, wollte ich Dich nicht vergessen. Dich habe ich natürlich auch angesprochen!
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Hallo Briele,
die Grippe habe ich jetzt so halbwegs hinter mir, ich glaube so heftig hatte ich das noch nie. Ich wollte ja noch mal auf deinen letzten Beitrag zurück kommen. Du hattest gefragt wann mein Vater gestorben ist. Also die Diagnose Darmkrebs (Zufallsbefund) bekam er Anfang 2002, dann wurde er schnell operiert und bekam Chemo da auch schon Metastasen da waren. Dann gab es noch div. kleine Eingriffe aber insgesamt ging es ihm gut, er hat sogar weiter gearbeitet, das war auch sein Halt und Lebensinhalt. Im März '04 bekam er bei Kontrolle die Diagnose dass wieder Metastasen/Lokalrezidiv aufgetreten sind und er ging dann am 6.4. zur OP in eine Uniklinik. Bei/nach der OP gab es Komplikationen hauptsächlich wohl wegen Lungenembolie, dann lag er ca. 2 Wochen im Koma und dann wurde er zwar ab und zu noch mal wieder wach, sie versuchten ihn wieder aufzubauen, es ging schliesslich mit andauernden Infektionen in seinem Körper (durch die vielen Infusionen und Katheter usw.) immer wieder auf und ab und er wurde immer dünner und ganz kraftlos und durch die Beatmung konnte er nie wieder sprechen. Insgesamt hat er über 9 Wochen auf der Intensivstation gelegen wo er dann starb. Er ist dann am 13.6.04 einen Tag vor seinem 68. Geburtstag eingeschlafen. Das Furchtbare ist dass er keine (kaum) Beschwerden hatte, er sah völlig OK aus, dann kam die Routinekontrolle und man sagte man müsste schnell operieren und er hatte Angst aber er hoffte noch einmal Zeit zu gewinnen. Man wusste es wird eine grosse OP aber wer hätte entscheiden können es lieber nicht zu tun, dann hätte er zwar noch mehr Zeit gehabt aber wer weiss wie jämmerlich er dann (inzwischen vermutlich...?) doch gestorben wäre.... Also im KH fingen die Organe nach und nach an zu versagen, schlechte Leberwerte usw., und am Ende (nach div. Gesprächen in den ganzen Wochen mit den Ärzten und den entsprechenden gefühlsmässigen Achterbahnfahrten) hiess es schliesslich er würde es keinesfalls mehr schaffen. Am Freitag hiess es schon er würde evtl. das WE nicht mehr schaffen da bin ich abends noch schnell für ein paar Stunden allein ins KH gefahren, das war eine komische aber sehr intensive Atmosphäre, kein Tagesbetrieb mehr, aber da es so um ihn stand durfte ich auch lange bleiben. Am Samstag Mittag bin ich dann wieder hingefahren, dass war dann der letzte Tag an dem ich ihn sah. Die Ärzte sagten, wenn die Intensivmassnahmen aufrechterhalten werden könnte es noch lange dauern aber er würde es nicht mehr schaffen. Also musste ich an diesem Samstag die schwerste Entscheidung meines Lebens treffen. Mit der ich immer noch hadere weil ich immer wieder überlege: wenn man die starken Medikamente reduziert hätte, hätte er dann doch noch mal wach werden können? So wie die Ärzte es damals beschrieben wäre das wohl nicht mehr möglich gewesen weil die Organe (Leber) nicht mehr richtig arbeiteten und selbst wenn: wozu, man hätte ihn ja nicht wirklich FRAGEN können, seinen Willen dazu hatte er auch nie irgendwo hinterlegt, das Thema Krebs + Tod mit seiner Frau immer ausgeklammert.... trotzdem denke ich ob ich nicht egoistisch war weil ich auch irgendwie nicht mehr konnte... nachher wäre ich mit Freuden immer noch ins KH gerannt, als er dann wirklich nicht mehr da war, habe sogar diesen (ätzenden) KH-Geruch vermisst, wenn er denn nur noch am LEBEN gewesen wäre... obwohl das ja AUCH egoistisch wäre denn den wirklichen Preis hätte ER ja dafür zu bezahlen gehabt... aber so ganz komme ich nicht damit klar dass IChH das OK dafür gegeben habe, seine Frau sagte mir zwar natürlich dass sie einverstanden ist aber sie konnte es dem Arzt nicht sagen also tat ich es.... und dann ging es eben nicht so schnell wie (auch laut Arzt) erwartet, die Intensivmassnahmen wurden so ca. 16 Uhr reduziert und er ist am nächsten Morgen gegen 8 Uhr gestorben, er hatte nur noch ganz schwachen Puls, man sagte uns auch das Gehirn sei so gut wie nicht mehr durchblutet und er würde wirklich nichts mehr spüren oder denken können, dazu ja auch noch die starke Sedierung... Trotzdem habe ich ihn im Stich gelassen als ich dann Abends gegangen... auch wenn ich weiss dass das nicht rational gedacht ist aber es fühlt sich trotzdem furchtbar an. Ein bisschen so als hätte ich ihn umgebracht. Natürlich haben die Ärzte es uns sehr nahe gelegt es ihm leichter zu machen, ihn gehen zu lassen, er war doch auch äusserlich inzwischen ein Sterbender, so dünn mit komischen Flecken überall, trotzdem hatte ich auch diese furchtbaren Gedanken dass es dann auch für mich vorbei wäre....das finde ich so furchtbar dass ich dachte im Juli wollten wir in Urlaub fahren (als es vorher mit ihm etwas bergauf ging hatte ich überlegt nicht mitzufahren damit ich bei ihm bleiben kann, aber der Gedanke war irgendwie auch doof für die Familie und ich konnte den Gedanken nicht ertragen WEG ZU MÜSSEN und nicht bei ihm zu sein, und so war ich irgendwo auch erleichtert dass es jetzt passierte und nicht wenn ich vielleicht nicht da sein würde, auch wenn es hiess dass er dann früher stirbt... hört sich bestimmt alles reichlich verworren an, ich höre jetzt leiber auf. Wenn ich anfange an all das zu denken dann spielen die Gedanken verrückt.... Und jetzt vermisse ich ihn so sehr! Kerstin |
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Liebe Kerstin, auch ich mußte diese Entscheidung Mitte Oktober treffen, ob mein Vater noch eine Intensiv-Medizin bekommen sollte, künstliche Beatmung usw. Und auch ich habe mir lange Vorwürfe gemacht, ob es richtig war, daß ICH so etwas entscheiden durfte, auch heute überlege ich noch manchmal...
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Liebe Kerstin,
Danke für Deine Zeilen aus denen viel Schmerz und leider auch viel an Selbstvorwurf zu lesen ist. Vielleicht beginne ich mit Deinem letzten Satz ".... und jetzt vermisse ich ihn so sehr!... Das impliziert, der Verlust wäre erträglicher, der Schmerz linder, hättest Du seinen Tod mit erleben können. Liebe Kerstin, ich glaube, was das Vermissen, die Sehnsucht betrifft, hätte das nichts geändert. Der Mensch ist nicht mehr da, man will ihn zurück haben, es fällt so ungeheuer schwer die Beziehung zu diesem Menschen auf eine andere Ebene zu heben.Im Kopf weiß man das, aber man will den Körper, man will den Menschen spüren, hören, riechen, diese Sehnsucht ist oft kaum auszuhalten. Es gibt, meiner Meinung nach, nur einen Verbündeten und das ist der Faktor Zeit. Es ist ja nicht so, daß man den Umweinten dann vergißt, die Beziehung erhält nur langsam, langsam, eine neue, andere Qualität. Ich nehme an, wenn etwas unsere Verstorbenen mit tiefem Kummer erfüllt, dann die Tatsache, daß uns ihr Tod vernichtet zurückläßt. Ich kann sehr gut verstehen, daß die Entscheidung nun Maßnahmen zu beenden eine ganz schwere ist, das ist wahrscheinlich die schwerste Entscheidung vor die man gestellt ist. Aber Du hast es richtig gemacht, Kerstin und man kann sich vor Dir, vor jedem Menschen, Stina, ich darf Dich da mit hineinnehmen, weil Du das sicher liest, man kann sich da nur vor Euch verneigen. Diese Entscheidung ist und war der größte Liebesbeweis den Ihr geleistet habt. Ich hoffe von ganzem Herzen, daß an meiner Seite auch einmal ein Mensch sein wird, der die Entscheidung für mich trifft, wenn ich es selbst nicht mehr kann. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, wenn er schlimm krank war, alles aussichtslos wurde, dann kann man für diesen Menschen fast froh sein, daß es zu Ende ging, so makaber das klingt.Die bitteren Tränen weint man um sich selbst. Wenn ich mir meine Mama und meinen Papa so zurückwünsche, dann denke ich auch, meine Güte, um welchen Preis wäre das, was würde das für sie bedeuten? Manchmal, wenn ich das Gefühl hatte diese Sehnsucht nicht mehr auszuhalten, wenn die Trauer und der Verlust richtig weh taten, dann dachte ich, das ist jetzt wirklich schlimm, aber es ist jetzt nur mehr MEIN Schmerz, es waren auch die Zeiten der Krankheit, der Ängste, der Sorgen, des Mitleidens, der Ohnmacht schlimm und schwer. Kerstin, Stina, Ihr habt aus Liebe und Barmherzigkeit das einzig Richtige getan. Eure Väter sind stolz auf ihre tapferen Töchter. Keiner weiß, wie und was nach dem Tod ist. Weil es mir Trost und Hoffnung ist habe ich für mich entschieden, daß es eine Verbindung gibt, zwischen meinen Toten und mir. Ich weiß es nicht, aber ich denke mir, wenn Ihr Euch mit Vorwürfen quält, dann quälen sich vielleicht auch Eure Väter mit Vorwürfen, daß sie Euch in so einen Gewissenskonflikt gebracht haben. Keiner, weder Eure Väter noch Ihr, haben sich dieses Schicksal ausgesucht. Was die Trauer, den Verlust, die Bewältigung betrifft, da gibt es sicher keine Rezepte. Im ersten Jahr hatte ich das Gefühl einfach Stunde um Stunde, Tag um Tag irgendwie hinter mich zu bringen, das alles einfach auszuhalten. Dann habe ich fest gestellt, daß es Zeiten gab, in denen es mir richtig gut ging, daß das aber nichts bedeutet, denn die Trauer springt einen wie ein wildes Tier an dann hab ich den Wechsel akzeptiert. Wenn es mir richtig schlecht ging, dann hatte ich eben schon x-fach die Erfahrung gemacht, daß das jetzt nicht für immer so bleibt,es wird wieder leichter und umgekehrt genauso. Was mir wirklich gut tut? Meine kleinen Neffen im Arm zu halten, da halt ich auch ein wenig meine Eltern im Arm.Den guten Eigenschaften meiner Eltern Leben zu verleihen, mit Interesse sehe ich, daß mir das gar nicht schwer fällt, zunehmend Freude bereitet. Für heute schicke ich Dir liebe Kerstin, und Dir liebe Stina liebe Grüße und gute Wünsche. Briele |
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Hallo,
endlich finde ich die Zeit zu schreiben. Ich bin sehr nervös. Samstag früh fliege ich in die USA, und nächste Woche ist die Untersuchung meiner Mutter, wo es um sehr viel geht. Habe verdammte Angst, da meine Mutter mir gestern ihr Schienbein gezeigt hat. Und da sieht man jetzt, ohne auch nur darüber zu streichen, das eine Wölbung auf dem Knochen ist. Da wo die Metastase sitzt. Wenn es das ist, wonach es aussieht, hat die Chemo ja anscheinend nicht sehr viel gebracht. Habe soooo Angst vor der Untersuchung. Nachdem ich Eure Briefe gelesen habe, bin ich tief in mich gegangen, um zu sehen, was ich für mich tun kann. Und mir ist was Gutes eingefallen. Ich werde wieder reiten gehen, was ich seit dem Tod meines Pferdes (Jahr 2000) nicht mehr getan habe. Und ich glaube, das ist momentan das Einzige, wo ich Kraft schöpfen kann. Was für mich eigentlich schon immer die beste Therapie war. Das werden bestimmt die Pferdebegeisterten unter Euch verstehen. Und nun habe ich noch etwas, wovon vielleicht auch viele andere profitieren können. Vor ein paar Tagen hat meine Mutter mir ein Buch in die Hand gedrückt, mit dem Titel: Über den Tod und das Leben danach. Es beinhaltet die Erforschung vom Tod und dem Sterben, mit Erfahrungsberichten von Menschen, die schonmal auf der Kippe standen. Klar, man muß offen für so etwas sein, aber da dies ein ziemlich verschwiegenes Thema ist, fällt es einem doch leicht. Gerade mir, die absolut nichts vom Tod wissen will, tat es gut zu lesen. Denn es zeigt den Tod von einer sehr positiven Seite, und nimmt schon recht viel von der Angst, einen geliebten Menschen "gehen" zu lassen. Was darin stand, hat in mir und meiner Mutter was verändert. Schließlich ist es auch gerade das, was mich in Panik versetzt(Mama wahrscheinlich auch): nicht zu wissen, was mit meiner Mama passiert, wenn sie von unserer Erde, aus unserem Leben gerissen wird. Wo kommt sie hin? Wie wird es ihr da gehen? Ist sie alleine? Ich könnte weinen, wenn ich diese Fragen formuliere. Denn nicht mehr bei ihr sein zu können, sie alleine in das "Ungewisse" gehen zu lassen, ist mit das Schlimmste für mich. Die Buchautorin ist Elisabeth Kübler-Ross, die mehrfach den Ehrendoktortitel für ihre Arbeit erhielt. Das Buch "Über den Tod und das Leben danach" ist beim Silberschnurverlag zu erhalten: ISBN 3-923 781-02-4. Für alle, die Interesse haben. Gut, nun werde ich durch die nächste Woche müssen. Ich hoffe, dass ich mich mit einer positiven Nachricht von meiner Mutter wieder melden kann. Liebe Grüße, Saphir |
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Liebe Saphir,
vielleicht guckst Du noch einmal ins Forum vor Deiner Abreise, daher beeile ich mich Deiner Mama und Dir alles Gute zu wünschen. Die Untersuchung, die Krankheit, die ganze Situation, das ist mit Angst besetzt und das versteht auch jeder. Man kann rein gar nichts machen, man kann nur versuchen das alles irgendwie auszuhalten und dem Kranken dabei noch eine Stütze zu sein. Über zwei Dinge bin ich - wenn man das Wort überhaupt in den Mund nehmen kann - froh, nämlich, daß Du etwas gefunden hast, was Dir Freude machst und woraus Du Kraft schöpfen kannst. Ich kann nicht reiten, aber ich stelle mir vor, was Besseres kannst du nicht machen, etwas was Du gerne tust, Bewegung in der Luft und Begegnung mit einem Tier. Das zweite finde ich ganz wichtig und darüber bin ich richtig froh: daß DEINE Mama DIR dieses Buch in die Hand drückt. Wenn Du einmal in einer Buchhandlung bist, wirst Du sehen, daß es über dieses Thema Meter um Meter Bücher gibt. Vielleicht ist der nächste Schritt der, daß Ihr beide darüber redet. Ich glaube ich habe das schon einmal geschrieben, meine Meinung ist, daß da man in dieser Beziehung nur seine Bereitschaft signalisieren darf, man dem anderen zu verstehen gibt, wenn Du darüber sprechen willst, ich bin da und ich will und kann mit dir darüber reden. Wie alles sein wird, was sein wird, weiß letztlich keiner. Man kann das eine, das andere glauben. Für mich habe ich entschieden, daß es danach etwas gibt und wenn es etwas gibt kann es nichts Schlechtes, Böses sein. Wie und was es ist weiß ich nicht und in Wirklichkeit kann mir das auch keiner erklären. Und manchmal denke ich wenn es nichts gibt ist das auch nicht das Schlechteste. Als meine Mama und mein Papa starben hatte ich für mich das Gefühl - und sagte es zu ihnen auch - bis zum Schluß bin ich bei Dir, dann mußt du nur einen kleinen Schritt alleine machen und auf der anderen Seite sind dann deine Eltern. Diesen Text lesen nun auch Menschen die schwer daran tragen eben nicht bis zum letzten Atemzug bei ihrem Angehörigen sein konnten. Daher schreibe ich es noch einmal: es geht meiner Meinung nach um die Bereitschaft da zu sein, es auszuhalten, es ist Zufall, Glück, was weiß ich, wenn man dann wirklich genau in dieser Minute dabei ist. Aber so wie man seine Verstorbenen spirituell erreicht, man sie mit seiner Liebe erreicht, so erreicht man auch die Sterbenden. Und nun liebe Saphier nochmals meine besten Wünsche. Briele |
Russisch Roulette.......
Hallo,
nun bin ich durch die Woche gegangen, und habe heuten einen sehr "unschönen" Tag gehabt. Heute war die Besprechung bei Mama´s Onkologin. Nun sitze ich hier mit einem Glas Wein und einer Portion emotionalen Chaos. Fühle mich knallhart und versteinert, nicht fähig zu weinen! Die Chemo hat in keinster Weise gewirkt. Die Metastasen sind wortwörtlich explodiert, und das körperliche Befinden meiner Mama hat sich auch verschlechtert. Fakt ist, dass alle Möglichkeiten der deutschen Medikation nicht angeschlagen haben. Weder Bestrahlung noch die 3 Chemo´s haben etwas Positives bewirkt. Die Chemo mit den starken Nebenwirkungen wurde abgesetzt, da es jetzt nur noch darum geht, dass Leben meiner geliebten Mama "lebenswert" zu machen. Wir werden jetzt um ein Medikament aus den USA kämpfen, was hier noch nicht zugelassen ist, weil es die letzte Chance wäre, den Krebs aufzuhalten. Ich kann und will nicht aufgeben. Meine Mama hat die Onkologin gefragt, wann es Zeit ist, sich eine Fahrkarte für "oben" zu kaufen. Ich kann nicht warhaben, dass dies alles passiert. Es ist einfach wie in einem ganz üblen Film. Und was mich gerade verwirrt ist, dass ich in die Stahlhülle eines Roboters geschlüpft bin. Ich kann nicht mehr, werde aber irgendwoher gezwungen, zu können. Ich will fühlen, mich bis zur Erschöpfung ausweinen, werde aber mit irgendeiner Macht davon abgehalten. Nun sitze ich hier, und der ganze Tag, all die ausgesprochenen Wörter spulen sich immer wieder in meinem Kopf ab, als würde ich vor einer Leinwand sitzen, dessen Bilder sich immer wiederholen. Nebenbei meine ich, bald haltlos durchzudrehen. Ich habe mich nicht unter Kontrolle. Meine Gefühle knallen gegen eine riesige Felswand. Mein Körper wird immer schlapper, aber ich komme nicht zur Ruhe. Es tut mir leid, wenn ich Euch das Gefühl gebe, es mit einer absolut "Irren" zu tun zu haben, aber genauso fühle ich mich. Ich glaube, wir sind jetzt in den Strudel geraten, der einen mit einer rasanten Geschwindigkeit bergab zieht. Vielleicht erwischen wir ja noch einen Ast, der uns doch noch vor dem absoluten Abstieg bewahrt. Ich jedenfalls würde alles dafür tun, diese Chance zu bekommen. Denn sonst weiß ich nicht weiter. Bin einfach am Ende. Nur wie wird es, wenn dem jetzigen und starken Schock, der mich gerade noch umhüllt, die Realität folgt???? Glaube nicht, dass noch soviele Reserven da sind, aber meine Mutter braucht mich, und zwar nicht als kaputtes Wrack. Viele Grüße, Saphir |
Russisch Roulette.......
Liebe Saphir, ich kenne genau dieses Gefühl. Nach der Krebs-Diagnose meines Vaters (Juli 04) bis zu dessen Tod (Okt. 04) habe ich auch ALLES versucht, noch einen Arzt, ein Krankenhaus, eine Chemo, eine OP, eine Bestrahlung, ein Medikament zu bekommen. Habe bis morgens vor dem Internet gegessen und gesucht und war zudem noch täglich bei meinem Vater im Krankenhaus oder auf der Palliativ-Station oder habe ihn zu Hause gepflegt. Ich funktionierte auch wie ein Roboter, anders wäre es auch nicht gegangen.... Nach seinem Tod kam dann der Zusammenbruch...Ich wünsche Dir sehr viel Kraft. LG
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Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
.....ich sitze vor der Anrede "liebe Saphir" und das schon einige Minuten und denke vielleicht leben wir gar nicht weit voneinander entfernt, dann würde ich fragen. soll ich zu Dir kommen, und das denke ich weil ich nicht recht weiß was ich sagen soll und doch jetzt irgendwie da sein will. Lass Dich erst einmal umarmen. Das ist alles sehr traurig. Wie hat Deine Mama auf diese niederschmetternde Nachricht reagiert? Ich meine, was sagt sie, was möchte sie? Ich kann nur von meiner Erfahrung sprechen, ich hatte immer das Gefühl, daß eine neue Diagnose, ein Schock einfach eine gewisse Zeit braucht bis der sozusagen vom Verstand in die Seele sickert, ich das alles kapiere und erst dann fähig bin zu reagieren. Rückblickend betrachtet wundere ich mich wie ich alles bewältigt habe und wundere ich mich auch wie wir uns immer wieder an neue (schrecklichere) Gegebenheiten anpassen konnten. Was das Weinen betrifft ist das etwas womit ich eigentlich nie Probleme hatte,aber in Situationen die mit Deiner vergleichbar sind, habe ich auch nicht geweint. Ich hatte das Gefühl wenn ich einmal anfange dann kann ich nicht wieder aufhören und dann wird mir die letzte Kraft genommen. Mach das, wonach Dir ist! Du klingst nicht "irr" Du bist außer Dir vor Angst und Kummer und hast auch allen Grund dazu. Es hilft Dir nicht, wenn ich mit so Ratschlägen komme, hast Du nicht jemanden der Dir zur Seite steht.Ich weiß nicht ob Du schon für Dich, Deine Probleme beim Arzt vorgesprochen hast, ob Du Urlaub nehmen kannst, ob es besser für Dich ist zu arbeiten. Ich weiß nicht so gut Bescheid über die Möglichkeiten der deutschen Krebshilfe, weiß aber, daß z.B.in Österreich es viele Angebote auch für Angehörige gibt. Das heißt, daß man mit der ganzen physischen und psychischen Problematik als Kranker und Angehöriger kommen kann und die einen Hilfen zeigen, an die man selbst vielleicht gar nicht gedacht hat. Leider wußte ich das in unserem Fall erst hinterher, so wie ich überhaupt vieles erst danach wußte. Das gleiche gilt für die Hospizbewegung. Jeder Mensch regaiert anders, aber, liebe Saphir, es muß nicht sein, daß Deine Gefühle, so wie Du sie jetzt im Schock hast in der Realität noch multipliziert werden. Wenn Du magst, erzähl mir doch was Deine Mama sagt. Ich weiß jetzt auch nicht mehr was ich Dir sagen kann. Ich habe oft an Euch gedacht. Traurige Grüße Briele |
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Hallo,
Nun hat es mich wieder hier hin gezogen. Es hilft mir unwahrscheinlich, mich hier mit Euch auszutauschen, und meinen Kummer hier von der Seele zu schreiben. Ich habe enge Freunde mit denen ich reden kann, aber das hilft mir nie richtig. Eher habe ich das Gefühl, dass ich mich danach noch mehr alleine fühle. Wahrscheinlich, weil niemand diese Situation erlebt hat. Und ich habe ein bisschen Angst und das Gefühl, ihnen zur Last zu fallen, mit meinem momentan sehr dunklem Leben. Auch wenn sie das Gegenteil behaupten. Tja, meine Mama.....sie (ist) war immer soooooooo positiv. Doch das heutige Gespräch hat wohl auch ihr viiiiiiieeeeel Hoffnung genommen. Wie kann es auch anders sein?!? Sie hat oft mit verzweifeltem Blick während des Gesprächs zu mir geblickt, so als ob sie fleht:" bitte, weck mich aus diesem bösen Traum auf". Den Blick werde ich nie vergessen. Und dann hat sie doch wieder die starke Rolle angenommen, um mir das alles zu erleichtern. Sie will nicht, dass ich leide. Doch vor diesem Arzttermin haben wir nochmal über den Tod geredet. Und ich habe ihr meine Ängste mitgeteilt. Sie hat gesagt, dass sie keine Angst hat, aber es ihr doch zu früh erscheint, endgültig zu gehen. Sie meint, wenn es soweit ist, dann ist es soweit. Ist das nicht schrecklich? Dass ich sowas hier schreiben muß? Ich will nicht selbstmitleidig wirken, doch sowas bricht mir das Herz. Die Onkologin wird sich jetzt um die letztmöglichen Maßnahmen kümmern, Donnerstag haben wir einen Termin. Dann wissen wir, was wir noch machen können. Und liebe Briele, Du BIST bei mir. Es tut mir gut, dass zu wissen, und dafür bin ich sehr dankbar. Ehrlich gesagt, in so einem Zustand wüßte ich nicht, was ich ohne diese Seite machen sollte. Bis bald, Saphir |
Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
ich bin noch einmal zum Laptop zurück gekehrt. Wenn ich darüber nachdenke kann ich verstehen,daß Dir Gespräche im Freundeskreis nicht unbedingt helfen. Es ist so, daß man jedes Thema nur hilfreich bereden kann, wenn man weiß worum es geht. Und wer muß schon in Deinem Alter damit konfrontiert sein. Ich habe dieses Forum vor ein paar Wochen entdeckt -bin ziemlich neu in der Welt des Computers und ich habe für einen erkrankten Nachbar etwas nachgesehen. Ich war ganz perplex über diese Fülle an Informationen und Hilfen. Und mir wurde gleich bewußt was mir da entgangen ist. Sowohl in Zeiten der Erkrankung, als auch an Austausch und Trost. Also ich kann mir vorstellen, daß Du einerseits Ratschläge für praktische Hilfe findest und es Dir einfach gut tut Dich mitzuteilen. In irgend einem Beitrag las ich den Satz "laß auch ein bißchen Platz für Hoffnung". Angesichts Eurer heutigen Erkenntnisse ist das sicher schwer, aber ich hoffe für Euch, daß Deine Mama ohne Schmerzen sein kann, daß Ihr Euch nicht nur voll Angst anblickt. Heute ist heute und das ist ein Tag des Schreckens. Ich bin sehr berührt über Deine Liebe, ich wollte ich könnte etwas für Dich tun. Für heute sage ich gute Nacht. Briele |
Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
ich kann gut verstehen dass das alles ein furchtbarer Schock für Dich ist. Die Dinge passieren einfach so und es fühlt sich in der Tat wie ein Alptraum an und man kann es nicht aufhalten, jedenfalls nicht wirklich. Ich wünsche Euch, dass das Schlimmste nicht so schnell eintreten wird. Aber, ich hoffe Du nimmst mir das jetzt nicht übel... meiner Ansicht nach solltest Du diesen Gedanken auch langsam an Dich heran lassen dass es passieren kann..... Versteh mich nicht falsch, das heisst nicht dass man aufhört zu kämpfen oder trotz allem weiter zu hoffen.... aber man muss auch der anderen Möglichkeit irgendwann ins Auge sehen. Ich habe es damals, denke ich jetzt, viel zu lange verdrängt. Nach dem Tod meines Vaters wünschte ich, ich hätte mich zeitiger (nämlich nicht erst nachdem er gegangen war) mit dem Sterben und dem Tod auseinander gesetzt... im Nachhinein habe ich viele Bücher geradezu in mich aufgesogen und dort dann - zu spät - einige (nicht alle) Antworten auf Fragen gefunden die ich mir nicht beantworten konnte als ich an seinem Bett stand. Ich bin meinen Impulsen viel zu wenig gefolgt weil ich nicht wusste "wie ist das möglicherweise...", "kann man sowas machen"..... Man findet natürlich nirgendwo ein Rezept für die Richtige Sterbebegleitung, aber man kann sich ein wenig Hilfe und Anleitung aus dem Internet oder aus Büchern oder von Menschen holen die damit schon Erfahrungen haben, und die hatte ich nicht.... es war für mich das erste Mal, ich hatte SOLCHE Angst und habe so vieles unterlassen weil ich unsicher war und ich bin mir jetzt ganz sicher dass ich mir selbst mehr zugetraut hätte wenn ich das vorher gelesen hätte... es wäre deswegen bestimmt nicht weniger schwer oder entsetzlich gewesen aber es wäre mir vielleicht nicht ganz so fremd vorgekommen. Schwer zu erklären aber so sehe ich es jetzt. In unserer Familie wurde das Thema Tod und Sterben immer sehr tabuisiert. Vielleicht ist das für Dich ja anders. Aber ich denke ich hätte mich dem Thema vorher annähern sollen, anstatt immer so zu tun als wäre diese Möglichkeit nicht wirklich "in echt" vorhanden.... und ich wünschte vor allem meinem Vater eine bessere Begleitung gewesen zu sein, ich war oft so feige..... Wollte ich Dir nur erzählen. So war es bei mir. Kerstin |
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Hallo nochmal,
heute war der erste Tag seit langem, an dem ich mal ein bisschen ausschlafen konnte. Doch wäre ich am liebsten garnicht aufgestanden. Beim Aufwachen überfielen mich sofort wieder die Angst und Panik, die mich seit einigen Tagen massiv begleiten. Waren gestern wieder bei der Onkologin, was nicht so positiv war. Wir haben jetzt nur noch die Chance mit einem Medikament, was hier noch nicht auf dem Markt ist. Und evtl. können wir noch was mit Autovakzinen probieren, was aber nicht sehr viel verspricht. Und die Uhr tickt. Zusätzlich werde ich mich jetzt um einen guten Schmerzspezialisten kümmern müssen. Hätte nie damit gerechnet, dass dies alles so schnell passieren wird. Bin sehr verwirrt, und noch garnicht in der Lage, mich so einer Situation zu stellen, geschweige denn mich damit auseinander zu setzten. Aber das Leben spielt anders, und ich kann nicht mehr davor flüchten. Liebe Kerstin, ich bin mehr als feige, obwohl ich mich damit auseinander setzte. Jetzt habe ich noch viel zu tun, kann mich in den Kampf um das Überleben meiner Mutter stürzen (das Medikament auftreiben, einen guten Schmerzspezialisten suchen...etc). Aber ich habe Angst davor, wie ich weiterhin stark für meine Mutter sein kann, wenn ich sowas nicht mehr habe. Wenn es nichts mehr gibt, wofür ich kämpfen kann, und noch ein Fünkchen Hoffnung am Ende des Weges wartet. Die Leere, wenn es wirklich keine Möglichkeit mehr gibt, wird mir mit großer Sicherheit alles nehmen, woran ich mich jetzt noch klammer, vorallem meine Kraft!!! Wie Du (und wie alle anderen auch) weiß ich nicht, wie stark oder wie "feige" ich sein werde, wenn ich nur noch auf das ENDE warten muß. Und immernoch meine ich niemals, dass Du feige warst. Wie solltest Du auch? Du warst für Deinen Vater da(das hat er mit Sicherheit bemerkt), und Du bist jetzt noch für Deinen Vater da, was er bestimmt auch mitbekommt. Laß die Selbstvorwürfe ruhen, Du kannst Dir nichts vorwerfen. Es ist unmöglich, sich in so einer Situation an eine Gebrauchsanleitung zu halten, das einzige was möglich ist, ist demjenigen seine Liebe spüren zu lassen. Und das hast Du. Wie stark ich mich jetzt mit dem Tod befasse, ich werde es nicht schaffen, mich vor meinen Gefühlen zu schützen, die wer weiß was mit mir anstellen können. Das haben wir Menschen nicht unter Kontrolle. Und das ist auch gut so. Ich werde jetzt mal meine e-mail Adresse reinsetzten. Wer weiß, was noch alles passieren wird, und vielleicht sprenge ich hier den Rahmen. Das heißt nicht, dass ich nicht mehr hier rein schreiben werde. Nur für den Fall. Viele Grüße, name@domain.desaphir@hotmail.de |
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Russisch Roulette.......
Hallo Saphir,
wieso meinst Du sprengst Du hier den Rahmen? Du kannst hier doch schreiben was Du willst?.... Es ist klar dass Dich kein Buch der Welt WIRKLICH auf das vorbereiten kann was man dann empfinden wird wenn es einmal soweit ist. Man weiss ja auch nie wie es genau passieren wird, es kann unendlich lange dauern und man muss nur irgendwie funktionieren und steckt da drin wie in einem dunklen Tunnel, oder es geht plötzlich furchtbar schnell und alles überschlägt sich und man weiss garnicht wie einem geschieht.... Ich wollte nur sagen dass wenn ich nochmal (mit dem Wissen das ich jetzt habe) davor stünde, würde ich vieles anders machen. Das Allerwichtigste für mich ist: dem Herzen und den Impulsen folgen und NICHTS NICHTS verschieben oder noch hinauszögern. es ist zwar idiotisch weil man ja weiss dass dejenige dann weg sein wird aber die ENDGÜLTIGKEIT habe ich einfach nicht realisiert, ich denke ja jetzt noch manchmal dass es EIGENTLICH nicht wirklich sein kann dass er nicht wieder kommt, nicht mal für einen Tag.... versuch zwischendurch auch mal inne zu halten (auch wenn es noch sooooo wehtut) und den Moment den Du noch hast mit ihr zu geniessen.... Aber ich habe es ja genauso gemacht wie Du, das handeln war leichter als das innehalten..... ich verstehe das sehr gut. |
Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,
in Gedanken war ich oft bei Dir und Deiner Mama. Jetzt ist das ausgesprochen was Du befürchtet hast. Läßt man Dich bei der Suche nach einem Schmerztherapeuten allein, wird Dir dabei nicht geholfen? Ohne Dich, Deine Lebensumstände näher zu kennen, bin ich mir in einem sicher: daß Du es aushältst und Du bei allem Schmerz und Kummer Deiner Mama die beste Begleitung bist. Das klingt vielleicht anmaßend von mir, man kann sagen, woher will sie das denn wissen, aber ich merke daß Du die besten Voraussetzungen dafür hast: Liebe, Interesse, Bereitschaft, vorausblickendes Denken, pragmatisches Handeln, Aufmerksamkeit und noch vieles, was ich gar nicht in Worte fassen kann, was aber aus Deinen Zeilen spricht. Liebe Saphir, fürchte dich bitte nicht so daß Du es nicht aushältst, daß Du irgendwelchen Maßstäben (die ja nur von Dir selbst aufgestellt werden) nicht gerecht wirst. Du tust, was Du kannst. Eines wirst Du nicht können, das ist das Schreckliche, Du wirst Deine Mama nicht retten können und das Schicksal nicht aufhalten können.Und Du liegst mit Deiner Ahnung vollkommen richtig wenn Du sagst, noch schlimmer wird sein, wenn man gar nichts mehr tun kann. Wie wahr. In den Jahren der Erkrankung meiner Mama war ich die große Managerin und Macherin, sie hatte alles in meine Hände gegeben. Gestorben ist sie vier Wochen lang. Tag für Tag wurden meine Hilfeleistungen, das was ich tun konnte weniger. Zum Schluß waren wir reduziert auf uns zwei, unsere Liebe, unser gemeinsames Warten auf ihren Tod. Damals hatte ich nur eine dumpfe Ahnung, daß das auch dazu gehört. Ich glaube in solchen Zeiten geschieht etwas, das schwer zu beschreiben, nicht zu erklären ist. Etwas in einem tritt einen Schritt zur Seite, klinkt sich aus, damit man diesen Schmerz, das Entsetzen aushält. Nach Mamas Tod habe ich bestimmt 30-40 Bücher über das Thema gelesen, ich habe mehrere Seminare besucht, für Trauernde, für Sterbebegleitung, ich habe mich bestimmt nicht als geschult betrachtet, aber als erfahrener wenn es dann darum geht meinen Papa zu begleiten.Als Papa immer kränker und schwächer wurde, als er starb, da war alles so anders, die Umstände, sein Schicksal, sein Sterben, daß ich eigentlich kaum auf etwas zurückgreifen konnte.Außer wieder auf das, was ohnehin in mir war: meine Liebe, meine Bereitschaft. Es gibt allerdings einige Erkenntnisse, die ich für den Rest meines Lebens mitnehme. Kerstin hat es in ihrem Brief bereits angedeutet: NICHTS verschieben! Liebe Saphir, was immer du Deine Mama fragen willst,sagen, bereden willst,mach es. Wir alle hoffen und wünschen Euch von ganzem Herzen, daß Ihr noch eine lange, gute Zeit miteinander haben könnt. Aber es kann sein, daß Deine Mama sehr plötzlich starke schmerzstillende Mittel benötigt. Man kann dann oft noch miteinander kommunizieren, aber es ist reduziert. Wie schon in einem meiner ersten Beiträge möchte ich Dir noch etwas sehr ans Herz legen: den Kontakt mit der Hospizbewegung. Das heißt nicht immer die Unterbringung in einem Hospiz, die machen auch viel an Hilfe und Unterstützung daheim. Liebe Saphir, liebe Kerstin, könnte es nicht sein, daß Ihr "Feigheit" mit "Angst" verwechselt? Wenn es Dir lieber ist den Kontakt per e-mail fortzusetzen mußt du es sagen,aber ich schließe mich Kerstins Meinung an, hier sprengt man keinen Rahmen. Liebe Saphir und auch liebe Kerstin, ich wünsche Euch alles Gute Briele |
Russisch Roulette.......
Liebe Saphir,Kerstin und Briele !
Seit Beginn lese ich hier immer mit und ich möchte dir, Saphir sagen,dass ich aus ganzem Herzen mitfühle und an dich denke. Ich habe meine Mama auch durch die Krankheit begleitet und alle deine Ängste, Zweifel und dein Kummer waren auch die meinen. Es war so eine schwere, herausfordernde Zeit,aber sie war auch so unendlich wertvoll.Die Gespräche zwischen Mama und mir ,unsere Ängste,dem "Tod ins Gesicht zu schauen",aber auch unser Lachen und die Berührungen-alles ist so lebendig in meiner Erinnerung, als ob sie nicht schon seit 8 Monaten tot ist.Ich habe fast den Zeitpunkt übersehen,als Heilung unmöglich wurde und meine Mama sich damit abfand,ohne dies aber deutlich zu sagen. Plötzlich wollte sie aber keine weiteren Behandlungen mehr ,sondern nur mit mir und meinem Bruder im Garten sitzen beim Kaffee und reden. Ich war aber noch ganz mit Kämpfen beschäftigt, suchte nach alternativen Behandlungsmethoden und konnte nicht verstehen, warum sie weitere Chemos ablehnte.Ich bemerkte es zum Glück dann noch halbwegs rechtzeitig, dass die Zeit des Kämpfens für sie vorüber ist.Ich habe dann Hospizkarenz bei meinem Arbeitgeber beantragt und war innerhalb einer Woche beurlaubt.Ab diesem Zeitpunkt war auch für mich eine "andere Zeit" angebrochen.Mama und ich waren viel zusammen,wir saßen Stunden im Garten und redeten. Mama ließ ihr Leben nochmal an sich vorbeiziehen- ihre Freuden,ihre Enttäuschungen und ich konnte da sein,konnte ihr noch viele Fragen stellen und auch einen Konflikt zwischen uns bereinigen,der uns beide lange geplagt hatte.Mama war auch froh darüber, dass sie mir mitteilen konnte,wie sie ihr Begrängnis wollte,welches Foto wir nehmen sollten usw. Anfangs wollte ich am liebsten flüchten,wenn sie so sprach, aber irgendwann wurde ich ruhiger , "untätiger" und konnte wirklich "Da-Sein".Angst hatte ich trotzdem dauernd,mal bewußt,mal verdrängt,da war sie aber immer.Ich war mir nie sicher,ob mich meine Angst nicht daran hindern würde, auch bei ihrem tatsächlichen Sterben dabei zu sein.Trotzdem haben meine Mama und ich es geschafft, es gut zu Ende zu bringen.Als es bei ihr so weit war,war die Kraft bei mir auf einmal da,sie stand einfach neben meiner Angst und hat ausgereicht, um bei ihr zu bleiben.Jetzt hilft mir die Erinnerung an unsere gemeinsam verlebte Zeit( es war die intensivste Erfahrung meines Lebens) trotz Schmerz um sie und Trauer halbwegs gut weiter zu leben. Liebe Saphir, ich kann den Worten von Briele und Kerstin nichts mehr hinzufügen.Vielleicht nur soviel: wenn deine Mama kämpfen will, dann kämpfe mit ihr mit.( Hoffnung gibt es immer!)Wenn sie es aber nicht mehr kann und will, wenn sie direkt oder symbolisch vom Sterben spricht, dann wäre es gut,wenn du dich zu ihr setzen und ihr zuhören könntest,so oft du kannst. Ich fände es schade,wenn du nicht mehr im Forum schreiben würdest- wenn´s für dich passt, bleib bitte da. Liebe Briele und Kerstin, wollte euch auch noch sagen,dass ich eure Briefe sehr schätze. Sie sind so hilfreich und -das meine ich so,wie ich es sage- weise ! Alles Gute für euch, Alina |
Russisch Roulette.......
Hallo,
ich danke Euch. Für Eure Unterstützung, und vorallem das Ihr da seid. Ja, ich bin alleine. Wie schon erwähnt, ist mein Bruder der Situation garnicht gewachsen. Habe zwar lange mit ihm geredet, aber was soll ich machen. Wenigstens gibt er zu, dass ihn das zu sehr mitnimmt. Aber vorgestern ist er dann doch zu Mama gefahren, was sehr schön war. Und ich werde ihn nicht in Ruhe lassen, aber ihn auch zu nichts zwingen. Kleine Denkanstöße sollten reichen, ihn dazu bewegen, was er verpaßt, wenn er diese Zeit jetzt nicht nutzt. Meine Oma ist da, aber meine Mutter will sie nicht zu oft um sich haben, da sie sich schnell von ihr entmündigt und dominiert fühlt. Die restliche Verwandschaft ruft immer nur zwischendurch an. "Können wir was tun?......Wenn ihr Hilfe braucht, wir sind immer für Euch da.....". Vielleicht mag das ungerecht sein, aber für mich sieht das immer nur nach Pflichtanrufen aus. Wenn sie wirklich was tun wollen, wo sind sie dann? Dann kommt man doch einfach vorbei, ist präsent und signalisiert so alles, was man zu "geben" bereit ist, oder? So würde ich das machen. Sie haben warscheinlich Angst, ihre Schwester zu besuchen. Aber das sind alles erwachsene Menschen, und was soll ich da sagen?!? Vielleicht hat das auch tiefere Wurzeln, wer weiß???? Nur will ich mich damit nicht rumschlagen. Zum Glück hat Mama gute Freunde, die aber, was die aktuellen medizinischen Sachen betrifft, natürlich nicht so "befugt" sind, was zu regeln. Aber wenn ich arbeiten muß, sind sie sofort präsent, und kümmern sich. Sonst wäre ich echt aufgeschmissen. Jetzt habe ich noch eine Frage. Hatten Eure Eltern auch Tumor-fieber? Das macht mir Sorgen. Erst dachten wir, das würden die Nachwirkungen vom Interferon sein, aber das ist jetzt schon zu lange abgesetzt, und das Fieber ist noch da. Ich werde hier im Forum bleiben. Es war nur so ein Gedanke von mir.....Aber da ich mich nun getraut habe, mit unserem privaten Leben an die Öffentlichkeit zu gehen, werde ich jetzt auch dabei bleiben. Und was besseres als Euch, hätte mir garnicht passieren können. Alles Liebe, Saphir |
Russisch Roulette.......
Hallo - an alle, die hier sind,
Saphir - Tumorfieber hatte meine Mama auch. Sie erhielt dann eine Infusion - ich nehme an mit Antibiotikum. Deine Worte über die Verwandtschaft kann ich gut nachempfinden. Ich kann mich aber auch gut an mein Verhalten VOR meinen Erfahrungen erinnern. Ich glaube nicht vorher ein gefühlsmäßiger Trampel gewesen zu sein, aber mein Benehmen war anders. Übervorsichtig,ängstlich, einfach nicht wissend. Es liegt schon viele, viele Jahre zurück, da erkrankte die Wohnungsnachbarin an Krebs. Wir hatten außer einem Gruß, ein paar unverbindliche Worte keinen Kontakt. Dann sah ich wie sie immer weniger wurde. Ich wollte anklopfen und fragen ob ich etwas helfen kann, sei es die Wäsche machen, etwas kochen, an so etwas wie eine Nachtwache hatte ich damals nicht gedacht. Ich habe es nicht gemacht. Wenn alte Eltern von Freunden und Bekannten starben, dann tat mir deren Kummer leid, aber alte Menschen sterben, das ist so. Wenn junge Menschen erkrankten und starben, dann war das schrecklich, aber was ich wirklich tun könnte, ich weiß nicht, war ich zu phantasielos, zu herzlos, zu blöd? Es hat eigentlich auch nie zu mehr gereicht als einen Brief zu schreiben, ein Buch zu schenken, zu sagen, wenn du mich brauchst, dann kannst du mich immer anrufen. Dann war ich, waren wir plötzlich die Betroffenen. Ich muß sagen, wirklich brauchbare Hilfe und Unterstützung habe ich von Menschen erfahren, die aus eigener Erfahrung wußten was nun los ist. Ja und ich bin nun auch eine Andere. Aber vielleicht ist das im Leben so. Ich glaube Du sollst und kannst und darfst auf das Angebot Deiner Verwandtschaft zurückgreifen. Vielleicht versuchst Du einmal ganz konkret um eine Hilfe, eine Erledigung, irgend etwas zu bitten. Du hast natürlich recht mit Deinem Gedanken, daß es Wurzeln, Gründe, Geheimnisse zwischen Geschwistern gibt, an denen man besser nicht rüttelt, weil sie einen auch nicht direkt etwas angehen. Ich selbst gebe nicht so viel auf verwandtschaftliche Bande. Sind sie da, dann ist das fein, aber Hauptsache man hat Hilfe, Unterstützung, Beistand. Hat man die Schmerzen in den Griff bekommen? Liebe Grüße Briele |
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