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Ingrid38 06.11.2005 08:51

Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Ende Juni ist mein Mann gestorben.

Dezember letzten Jahres bekamen wir die Diagnose Lungenkrebs. Und ein halbes Jahr später, indem er sehr gelitten hat ist er nicht mehr da.
Und es tut so weh!! Wir waren fast 22 Jahre ein Paar, seit ich 16 war. Er war/ist die Liebe meines Lebens und ich fühle mich, als ob mein Herz zerrissem wird. Was soll ich ohne ihn machen? Wir waren ein super Team und haben uns in allem ergänzt.
In jeder freien Sekunde muß ich an ihn denken. An Situationen, in denen es ihm schon sehr schlecht ging, wo noch alles gut war, oder wie ich an seinem Bett saß als er schon gestorben war.

Ich habe das Gefühl, das es mir immer schlechter geht. Und natürlich habe ich auch Suizidgedanken. Aber ich habe noch unseren kleinen Hund, den mein Mann auch sehr geliebt hat. Um den kann ich nicht alleine lassen.
Es ist komisch, aber wenn ich abgelenkt bin (auf der Arbeit oder so), dann bin ich wie früher. Immer lustig und gut drauf. Aber sobald ich alleine bin, weine ich nur noch. Es ist, als hätte ich eine gespaltene Persönlickeit. Wie Dr Jekyll und Mr Hyde.

ER HAT SO LEIDEN MÜSSEN!!!
Uns ging es gut, womit haben wir das verdient?? Mein Mann war vom Leben eh schon bestraft. Er hatt Skoliose (eine verkrümmte Wirbelsäule; einen Buckel), zweimal Hodenkrebs und eine Niere mußte entfernt werden. Und er war trotzdem (oder gerade deshalb?) ein toller Mensch, den alle gemocht haben.
Und jetzt bin ich alleine und weiß nicht wie es weitergehen soll. Kann ich die Wohnung behalten? Finde ich eine Arbeit? (Ich habe einen Mini-Job, aber das reicht nicht) Werde ich es emtional und finanziell schaffen?

Und dann sind da noch die Freunde und Bekannten. Keiner traut sich zu fragen, wie es mir geht. Selbst in der Familie wird es todgeschwiegen. Ja es kommen Sprüche wie:
Das wird schon wieder, Kopf hoch, Das Leben geht weiter,....
JAA? Und wenn nicht?
Manchmal, wenn ich was witziges im Fernsehen sehe und lachen muß, geht dieses Lachen übergangslos in Weinen über.

Welchen Sinn hat mein Leben noch? Werden wir eines Tages wieder zusammen sein?

ER FEHLT MIR SO!


Danke fürs zuhören.
Ingrid

Heike30 06.11.2005 09:09

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Liebe Ingrid,

ich weiss gar nicht richtig was ich dir schreiben soll,
aber hier bist du gut gelandet,
hier hören dir alle und immer zu.
du wirst sehen was es hier für liebe nette leute gibt.
ganz besonders briele und lady molly,
aber ich denke die werden dir hier auch antworten.

möchte dich mal drücken,
und dir ein dickes kraftpaket schicken

liebe grüsse
heike

gabi lehmann 06.11.2005 09:38

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Liebe Ingrid,
Es tut mir wirklich von ganzen Herzen leid ,das dein Mann nicht mehr bei dir ist.Wenn jemand seinen Mann oder auch andere Familienangehörige verliert die man so sehr geliebt hat denkt man warscheinlich das alles keinen Sinn hat.Die Sprüche von anderen wie "wird schon wieder" sind garantiert nicht aus Gedankenlosigkeit sondern aus Hilflosigkeit gesagt worden.Es ist sehr schwer jemanden zu trösten der so traurig ist .Ich wünsche dir trotzdem alles liebe und viel Kraft.

Drea 06.11.2005 10:20

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Hallo Ingrid-es tut mir von herzen leid zu lesen dass du so leidest.Zuerst mit deinem Mann und jetzt für dich! Mein Vater starb am 08 oktober 2004 und ich vermisse ihn unendlich-fast ein jahr hab ich nur für mich allein geweint getrauert etc bis es nichtmehr ging.Ich habe nicht geschlafen-sobald ich auf papa angesprochen wurde hab ich geweint - wenn ich an ihn gedacht habe -geweint. Im September kam dann sozusagen der Totalzusammenbruch. Ich hab mir prof. Hilfe gesucht-und nehme auch ein leichtes Antidepressivum. Ich weiss auch nicht wie man diesen Schmerz beschreiben soll-es übertrifft alles - andere die es nicht erlebt haben können es einfach nicht verstehen. Meine Mum hält sich wacker - auch sie leidet sehr aber sie hält sich fest an meinen 3 jährigen Sohn der in vielen Dingen meinem Papa ähnlich ist. Ohne ihn weiss ich nicht was wäre-wir leben für ihn so wie du für deinen kleinen Hund. Ich weiss ja nicht ob du es willst - aber mir hilf mein Psychotherapeut sehr... keine Ahnung warum aber es ist so - oder es liegt an den Tabletten-ist auch egal - ich trauere und weine auch jetzt noch um papa-aber bewusst und nicht so völlig überwältigend. Denk mal drüber nach - und warte nicht wie ich bis nix mehr geht. Fühl dich ganz fest in den Arm genommen :kuess: Drea

Stina 06.11.2005 13:31

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
LIebe Ingrid, es tut mir sehr leid für Dich. Ich kann DIch verstehen, meine Mutter noch besser, mein Vater starb im letzten Jahr, die beiden waren 65 Jahre verheiratet.....
Was für einen Hund habt Ihr denn?

Ingrid38 06.11.2005 15:52

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Vielen Dank für Eure lieben Worte.
Es ist gut zu wissen, das einem jemand zuhört, der versteht.

@Stina
Eine Jack Russel Terrier Hündin. 10 Jahre alt, und leider auch nicht die gesündeste.
http://www.beepworld.de/memberdateie...gendeohren.jpg

Ingrid

Briele 06.11.2005 16:05

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Liebe Ingrid,

wie so oft sitze ich bei meinem laptop und wünsche die rechten Worte kämen. Heike hat meinen Namen erwähnt, vielleicht klang das so als würde ich etwas wissen, etwas kennen, sozusagen ein Rezept auf Lager haben, das in dieser Not hilft.

Ingrid, es tut mir leid, ich habe nichts, ich weiß nichts außer meinen eigenen Erfahrungen. Und das sind eben die meinen, ein anderes Leben, andere Umstände.
Lange dachte ich ein trauernder Mensch ist ein trauernder Mensch, es hängt allein von der Beziehung zu dem Verstorbenen ab. Das dachte ich manchmal auch mit einem gewissen Trotz, wenn mir Menschen zu verstehen gaben, das ist doch etwas ganz anderes wenn der Mann gestorben ist, als die alte Mama.

Dann habe ich hier Frauen kennen gelernt die um ihren Mann trauern und nun verstehe ich, daß es wirklich etwas anderes ist. Wenn man als altes Kind seine alten Eltern verliert, so kann das ein großer Verlust sein, aber es ist ein natürlicher Vorgang. Es hat viel an meiner Lebensqualität geändert, aber wenig an meinen Lebensumständen. Nun ist das bei Dir etwas ganz anderes. Zu der Trauer, dem Verlust kommen auch noch Existenzfragen.

Du schreibst über die anderen Erkrankungen Deines Mannes. Es sind nur ein paar Sätze, vielleicht sind die Gedanken, die mir kommen, ganz verdreht, vielleicht gehen sie aber auch ein wenig in die stimmige Richtung. Ich sehe einen Menschen der es bestimmt schwer hatte, ich kann mir vorstellen, daß eine Erkrankung die für jedermann sichtbar ist, gerade in jungen Jahren schwer auszuhalten ist. Wenn einer damit zu einem tollen Mann wird, dann ist er ein supertoller und, glaub mir, es gibt nicht gerade viele davon. Er hatte eine tolle Frau, eine große Liebe, einen lieben Hund.

Bestimmt ist es sehr schwer wenn zu der Trauer, dem Kummer, dem Verlust noch der Gedanke dazu kommt, er hatte es ohnehin schon schwer, war geplagt, warum, warum musste das Entsetzliche noch dazu kommen, warum musste er sterben.

Darauf gibt es keine Antworten. Und das ist auch entsetzlich.

Ich weiß nicht liebe Ingrid, ob das Forum Dich genügend auffangen kann. Ich denke Drea hat in ihrem Beitrag Möglichkeiten aufgezeigt, über die Du vielleicht nachdenken solltest. Wahrscheinlich braucht es etwas Zeit, etwas Glück schnell das Rechte zu finden, aber die Versuche sind es wert. Es gibt Hilfe, man sollte sie in Anspruch nehmen. Vielleicht kann man dann einfach ein bisschen besser durchatmen und kann das eine oder andere Problem angehen. Was die Trauer, den Verlust betrifft, das ist ein Langzeitprojekt.

Hast Du in anderen threads gelesen? Es gibt hier mindestens zwei, bei denen Du auch gut aufgehoben wärst.

Lass die Tränen fließen! Ich hab einmal (sinngemäß) gelesen: Tränen, die fließen, sind bitter. Bitterer aber sind die, die nicht fließen.

Liebe Grüße
Briele

Ingrid38 06.11.2005 16:52

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Danke.
Weiß denn jemand ob die Krankenkasse die Kosten für den Besuch beim Psychologen übernimmt?
Hole ich mir dafür eine Überweisung?
Und wie finde ich den Richtigen?
Sorry, aber ich habe keine Erfahrungen mit Psychologen.

nike 06.11.2005 18:19

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Liebe Ingrid,
lass dich ersteinmal knuddeln!
Das Leben ist nicht fair, das wissen wir hier alle. :(
Ich habe sie gehasst diese Sätze *es wird schon wieder, kopf hoch, das Leben geht doch weiter* von meinen Mitmenschen.
Ja, das Leben geht weiter, aber es ist alles anders, und manchmal kommen Gedanken wie: Hat das Leben überhaupt einen Sinn?
Mein Paps ist im September 2003 an Lungenkrebs gestorben, nach nur 3 monatigem Kampf. Ich kann es bis heute nicht glauben.
Es braucht Zeit, zu verstehen was passiert ist, und diese Zeit kannst nur du dir geben. Ich weiß nicht ob man jemals diesen Schmerz wieder loswird, ich glaube kaum. Mir hat dieses Forum damals sehr gutgetan, ich habe oft nur still mitgelesen. Ich habe mich mit dem Tod auseinander gesetzt.
Wenn du merkst das du alleine nicht mit deinem Schmerz klarkommst, gehe bitte zum Psychologen. Jeder hier verarbeitet sein Schicksal anders.
Leider weiß ich nicht, ob die Krankenkasse eine Therapie übernimmt, kann es mir jedoch gut vorstellen. Dein Hausarzt wird dir eventuell auch Psychologen empfehlen können.
Liebe Grüsse
Nike

Petra11 06.11.2005 18:39

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Hallo Ingrid,

erstmal drück ich dich ganz lieb!

Mir hat es sehr geholfen immer und immer wieder hier zu schreiben...habe sogar sehr liebe Freundinnen hier gefunden...mein Papa ist jetz schon über ein Jahr nicht mehr hier bei mir...aber ich bin auf einem guten Weg!!

Ich habe auch eine Therapie zur Trauerbegleitung gemacht, es hat mir sehr gut getan...

Du gehst entweder erst zum Arzt und holst dir ein Rezept für (erstmal) 25 Sitzungen, eventuell hat dein Arzt auch eine Liste mit guten Psychologen, oder du gehst er zu einem Psychologen und der gibt dir dann für deinen Arzt eine Empfehlung mit. Auf jeden Fall zahlt das die Krankenkasse...

Wie findest du deinen richtigen Psychologen?? Ausprobieren - wenn du beim ersten Besuch nicht das "richtige" Gefühl hast - probiere den nächsten!

Es ist wichtig, das ihr einen guten Draht habt - sonst bringt es dir nichts!

Ich drücke dir fest die Daumen, das du den Weg findest, den du gehen musst...hier bist du auf jeden Fall immer gut aufgehoben!!

Liebe Grüße und viel Kraft für dich
Petra

Stina 06.11.2005 18:47

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Evtl. hast Du die Möglichkeit, einen Arzt in der Nähe zu haben, der sowohl Psychologe als auch Arzt für Innere oder Praktischer Arzt ist? Solche Ärztin haben wir hier einige. Wenn nicht, einfach mit Deinem Hausarzt reden, der schreibt dann eine Verordnung, diese muß von der Krankenkasse noch abgezeichnet werden.

Ingrid38 06.11.2005 18:51

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Wißt Ihr was?
Ich finde es schon traurig, das Menschen, die ich bis heute nicht gekannt habe, mehr Mitgefühl zeigen, als die eigene Familie oder Freunde (?) und Bekannte.
Es ist schön, so viel Verständnis zu bekommen.

Vielen, vielen Dank

Stina 06.11.2005 18:55

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Ja, dies kommt mir auch bekannt vor. Viele Bekannte, "Freunde" und Verwandte zogen sich zurück, Unbekannte oder nur Arbeitskollegen fragten nach und hörten zu....

Rubbelmaus 06.11.2005 19:00

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Hallo Ingrid,

mir geht es da wie Briele, ich hoffe ich könnte dir die richtigen Worte schicken. Worte die dich trösten, dir helfen und bei denen es dir besser geht.
Ich selbst bin im Mai 2000 an Brustkrebs erkrankt. Im Januar 2001 während meiner Bestrahlungszeit erlitt meine Mutter einen schweren SChlaganfall. Sie blieb daraufhin ein Pflegefall und musste nach langem Krankenhausaufenthalt in ein Pflegeheim. Im März 2002 wurde unser einziger Sohn tot von der Polizei aufgefunden. Meine Mutter starb dann im Oktober 2002, also 7 Monate später letztendlich an ihrem 3. Schlaganfall. Ich war damals, bis sie endgültig heim ging, bei ihr. Ich habe geglaubt, ich überlebe das Alles nicht. Ich wollte und ich konnte einfach nicht mehr. Ich habe mir oft gewünscht, nur noch tot umzufallen, damit alles ein Ende hat.

Dadurch, dass ich seit Beginn meiner eigenen Erkrankung bei einem Psychotherapeuten in Mitbehandlung bin, konnte ich erst ganz langsam mit diesen vielen Schichsalsschlägen umgehen. Erst war ich mindestens 1x die Woche in Behandlung, doch mit der Zeit wurden die Pausen zwischen den einzelnen Sitzungen immer länger. Aber immer wieder hatte ich zwischendurch Phasen, wo ich dringend Extrasitzungen brauchte und auch bekam.

Ich würde dir dringend! raten, dir einen Psychodoc zu suchen, der dir helfen kann. Damals habe ich mir den Arzt ausgesucht und mit ihm 5 Probetermine auf Gegenseitigkeit ausgemacht. Anschl. hat mein Arzt sich mit meiner Krankenkasse in Verbindung gesetzt und ich bekam damals 30 Sitzungen genehmigt. Mittlerweile habe ich von der KK insges. 100 Stunden genehmigt bekommen. Z.Zt. habe ich nur noch 1x pro Monat einen Termin.
Setzt dich doch mal mit der KK oder deinem Hausarzt in Verbindung um zu klären, was du machen musst, um dich von einem Psychiater mitbehandeln zu lassen. Vielleicht kann man dir auch jemanden empfehlen, der sich auf Trauerarbeit spezialisiert hat.Vielleicht kann dir ja auch deine Kirche weiter helfen.

Es gibt aber auch hier im Internet Trauerforen, die sehr gut sind. Dort kann man sich mit Menschen, die das gleiche Schicksal erlitten haben, austauschen. Man bekommt dort viel Trost und gute Ratschläge.
www.Trauernetz.de , ist eine gute Adresse und natürlich das Hinterbliebenen-Forum hier im KK. Aber das brauche ich ja wohl nicht extra zu erwähnen, dass wissen wir alle hier.


Ich wünsche dir alles Liebe und Gute und sende dir jede Menge Kraft und positive Energie.

Liebe Grüsse
Rubbelmaus

Drops 06.11.2005 20:01

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
hallo Ingrid,

erst einmal drück ich dich ganz lieb. Ich habe "nur" meinen Vati vor 1 monat verloren, und das "reicht" mir schon, aber den Mann...............

Die Krankenkasse zahlt solche Therpaien ( kenne das von meiner Mutsch)

@Rubbelmaus, auch du hast mein tiefste Mitgefühl .
Bei Dir sind es ja gleich mehrere Schicksalsschläge. Manchmal frag ich mich wieviel verkraftet ein Mensch.

ich knuddel Euch alle mal ganz lieb
Simone

Drea 06.11.2005 22:26

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Also ich bin zu meiner Hausärztin gegangen und hab ihr gesagt wie es mir geht - oder besser gesagt, da meine Nerven blank lagen und ich wirklich nicht mehr konnte - vorgeheult. Sie hat mir dann ein Antidepressivum für den Tag und ein Schlafmittel für die nacht gegeben. Dann hab ich mehr oder weniger 1 Woche durchgeschlafen. Danach hab ich das Antidepressivum abends genommen - bzw nehme es noch. Das klappt prima. Ich hab von ihr dann eine Überweisung zum Psychtherapeuten bekommen. Ich hab einfach in der Praxis angerufen und mit dem Therapeuten gesprochen-zuerst meinte er "nicht vor Dezember" aber am Ende konnte ich einen Tag nachher zu ihm kommen. Es hilft mir sehr. Ich weiss aber auch dass ein Psychologe schneller freie Termine hat - aber ich hatte von keinem in meiner Nähe Gutes gehört. Hast du einen Hausarzt - oder einen Arzt dem Du vertraust? Frag ihn-es ist wichtig das die Chemie stimmt - aber wenn es der Fall ist, hilft es sehr. Ich wünsch dir ganz viel Kraft so zu trauen, dass du trotzdem dein Leben leben kannst. Fühl dich fest gedrückt
Drea

Kerstin63 07.11.2005 12:05

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Hallo Ingrid,

zum Thema Psychologe:

Du kannst Dir einen Psychologen aus den Gelben Seiten suchen oder im Internet (z.B. hier gibt es eine Therapeuten-Suchfunktion http://www.psychotherapeutenverband.org, oder hier http://www.krisen-intervention.de) wichtig ist erstmal nur dass er/sie eine Kassenzulassung hat. Um die Praxisgebühr nicht doppelt zu zahlen kannst Du dir beim Arzt eine Überweisung holen, muss man aber nicht, man kann die Praxisgebühr wenn man z.B. zuvor nicht beim Hausarzt war auch beim Thera entrichten. Du kannst 5 probatorische Sitzungen in Anspruch nehmen ohne dass ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden muss. So hat man die Möglichkeit sich auch mehrere Theras anzukucken, ich denke man merkt nach 1-2 Sitzungen ob einem derjenige halbwegs sympatisch/angenehm ist, dass man sich zumindest VORSTELLEN kann offen zu reden. Je nach Therapieform wird dann ein Antrag über soundsoviel Stunden bei der KK gestellt was dann in der regel auch problemlos genehmigt wird, je nach Therapieform gibt es unterschiedlich viele Stunden. Das findest Dua auch alles zum nachlesen im Internet.

Ich hab gerade mein Therapie (Verhaltenstherapie) abgeschlossen, ich war dort schon aus anderen Gründen als mein Vater im letzten Jahr starb, ich bin aber unglaublich froh dass ich den Thera an meiner Seite hatte. Meiner Ansicht nach ist die Therapieform nicht so wichtig, führt über verschienene Methoden ja letztlich alles zum selben Ziel, am wichtigsten ist meiner Erfharung nach die Person des Therapeuten. Und da muss man einfach kucken und ausprobieren.

Mit Wartezeit von einigen Wochen/Monaten muss man schon rechnen. Einen Termin für ein Erstgespräch bekommt man aber meines Wissens meistens relativ kurzfristig.

Alles Gute
Kerstin

Ingrid38 07.11.2005 15:06

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
@Rubbelmaus
Es ist schrecklich , was Du durchmast.
Stellt man sich nicht die Frage: Wieviel kann ich noch ertragen?

@Lady Molly
Du schreibst mir aus der Seele. Es ist irgendwie verrückt, aber am Tage der Beerdigung ging es mir relativ gut. In der Friedhofskapelle habe ich den Song "Who wants to live forever" von Queen (aus dem Film Highlander) spielen lassen und als die Musik plötzlich aussetzte, musst ich gar nicht mehr weinen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das Klaus da die Finger im Spiel hatte, und sich auf diese Weise "gemeldet" hat. Am Grab habe ich sogar gelächelt. Die Sonne schien (es hatte die ganzen Tage vorher geschüttet) und zwei Kaninchen kamen aus dem Gebüsch gehoppelt. Es waren so viele Menschen da. Und ich hatte die Gewissheit, das Klaus nun nicht mehr leiden muß. Obwohl er schon viel durchgemacht hat, ist ihm aber vieles erspart geblieben.
Zwei Tage bevor er gestorben ist, war ich mit Klaus im Rollstuhl noch im Park und wir haben dort noch eine schöne Zeit verbracht.
Am nächsten Tag brachte ich ihn für die Chemo ins KH. Wir wussten, das er sterben wird, aber wieviel Zeit wir noch hatten konnte uns keiner sagen. Ich hoffte auf ein Jahr oder vielleicht einige Monate. Am nächsten Morgen rief um 6.00 Uhr der Stationsarzt an und sagte, das es meinem Mann nicht gut geht.
Im Krankenhaus angekommen, bin ich sofort in sein Zimmer gegangen und habe ihn gefragt, was er denn für Dummheiten macht. Ich dachte er schläft. Dann ist mir aufgefallen, das er gar nicht mit Sauerstoff versorgt wird. Sein Bettnachbar war auch nicht im Zimmer. Eine Kerze brannte. Erst da ist es mir bewusst geworden. Ich weiß nicht, wie ich beschreiben soll, was ich die nächsten Minuten und Stunden gefühlt habe. Es war/ist einfach schrecklich.
Die Tage danach gingen irgendwie. Und wie erwähnt habe ich die Beerdigung und die Tage danach nicht als so arg empfunden.
Und jetzt? Ich habe das Gefühl, das es immer schlimmer wird.

Es tut so weh das alles noch einmal zu durchleben. Aber unterdrücken will ich es auch nicht. Ich kann vor lauter Tränen kaum noch die Tastatur sehen.
Aber hier hört mir wenigstens jemand zu und ich kann mich gehen lassen.

Ich denke, ich werde morgen zu meiner Hausärztin gehen und mir eine Überweisung geben lassen.

Wenn ich an Weihnachten denke, wird mir ganz anders.

Danke, danke, danke

AndreaS 07.11.2005 15:39

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Liebe Ingrid,

auch ich habe deine Zeilen gelesen und möchte dir sagen, dass es mir sehr leid tut und ich leider auch weiß, wie es dir jetzt geht.

Wahrscheinlich ist es irgendein Mechanismus in uns, der verhindert, dass wir das ganze Ausmaß an Schmerz auf einmal fühlen. Wir bekommen es schubweise, wohl dosiert in unterschiedlichen Konzentrationen. Vielleicht, weil wir sonst ganz einfach selbst auch sterben müssten, da es nicht zu ertragen wäre.

Ich kann mich meinen Vorrednerinnen nur anschließen. Rede hier mit uns, jede einzelne weiß, wovon du sprichst. Scheu dich auch nicht, wenn dir ein Gefühl oder eine deiner Reaktionen seltsam vorkommen mag, auch das ist uns bekannt. Wir, die sich hier schon längere Zeit austauschen, spüren eine gewisse heilende Wirkung durch diese Aussprachen, es befreit die Seele - zumindest zeitweise - Und besonders nach einiger Zeit, wenn dein Umfeld nicht mehr hören möchte, was du zu erzählen hast, tut es gut, dass du hier über Klaus und dein Leben, deine Sehnsüchte und verpasste Chancen oder was auch immer erzählen kannst. Wir werden dir immer zuhören.

Und den Gedanken, deinen Weg vorzeitig zu beenden, vergiss ihn bitte ganz schnell wieder. Gerade wo dein Klaus so viel tapfer ertragen hat, er - wie du selbst schreibst - sein Schicksal so gut angenommen hat und ein toller und liebenswerter Mensch war, in seinem Sinne leb dein Leben weiter, denn das ist dein Danke an ihn. Auch wenn ich wirklich verstehen kann, dass du im Augenblick nur den sehnlichsten Wunsch hast, bei ihm zu sein (ich glaube auch das geht uns allen so). Es wäre nicht richtig, auch zuletzt ihm zu Ehren nicht. Dort wo unsere Lieben nun sind, spielt Zeit keine Rolle mehr, die ist nur für uns wichtig. Sie werden auf uns warten, aber sie würden niemals verlangen oder wollen, dass wir uns beeilen, ihnen zu folgen. Unsere Aufgabe ist offensichtlich noch nicht beendet. Lass uns gemeinsam versuchen, wieder den Weg zurück ins Leben zu finden.

Vielleicht ist mit dem Schreiben hier im Forum bereits ein Anfang getan.

In Verbundenheit
Andrea

Ursula Guttzeit 07.11.2005 16:02

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Hallo Ingrid,

ich schreibe zum ersten Mal in diesem Forum, habe aber schon lange hierin gelesen.

Mein Mann verstarb Mitte Juni 48-jährig. Erst hieß es CUP-Syndrom und zog sich mit Chemo ect. von Oktober bis Juni. Dann in seiner letzten Woche fanden die Ärzte heraus, dass er Knochenmarkskrebs hatte. Die Tumormarker waren innerhalb von 3 Wochen von 150 auf über 7000 explodiert und ich wurde ins KRH zitiert. Die Ärztin frug dann meinen Mann in meinem Beisein "Wollen Sie hier im KRH bleiben oder wollen Sie zu Hause sterben? " Ich habe meinen Mann dann per Liegewagen nach Hause transportieren lassen und ich hatte noch einen Tag und eine Nacht mit ihm. Es war eine grausame Nacht - ich war ganz allein mit ihm - ich hoffe nur, dass er durch das ganze Morphium (Pflaster und Tabletten) das alles nicht mehr so richtig mitbekommen hat.

Genau wie Du habe ich die nächste Zeit einfach nur "funktioniert" und jetzt kommt langsam das "erwachen" und "heulen". Manche Tage bin ich zwar durch meinen Beruf abgelenkt, aber es gibt auch Tage da sitze ich vor meinem PC auf der Firma und muss ständig mit den Tränen kämpfen.

Ich weiss auch nicht wie es weiter gehen soll. Ich stehe vor einem Berg und weiss nicht drüber zu kommen.

Es tut gut hier im Forum zu sehen, dass man nicht allein ist. Aber was ist das nur für eine Sch..Krankheit, der man hilflos gegenüber steht.

Auch Dein neuester Eintrag "Weihnachten" spricht mir aus dem Herzen. Ich weiss noch nicht wie ich diese verdammten Feiertage überstehen soll.

Unsere Ehe blieb leider Kinderlos und so werde ich mich sicher mit einer Schlaftablette früh ins Bett legen.

Ich wünsche Dir so viel Kraft wie ich sie jetzt auch benötige und drück Dich ganz herzlich.

Uschi

Rubbelmaus 07.11.2005 17:51

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Hallo Ingrid,

es gibt mittlerweile gute Tage für mich, da bin ich fröhlich und lache. Es gibt dann aber auch schlechte Tage an denen ich weine, mich zurück ziehe und einfach nur meinen Schmerz und meine Trauer auslebe. Ich denke, dass das richtig und gut so ist. Mittlerweile merke ich, die guten Tage werden mehr und die Abstände zu den schlechten Tagen dauern länger. Auch mit meinen Behinderungen habe ich mich abgefunden. Ich habe mein Leben jetzt wie es ist angenommen, mit allem was dazu gehört. Ich habe sowieso noch nie gefragt, warum dies oder das, warum ich und nicht andere. Warum sollte anderen Menschen so etwas passieren und mir nicht? Jedes Häuschen hat sein Kreuzchen, und wo keine Kreuzchen sind, leben keine Menschen drin. Das hat meine Mutter immer gesagt und es stimmt. Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Geschenk. Nur, bis ich soweit wie heute bin, war für mich ein langer und schmerzhafter Weg. Durch alle Schicksalsschläge habe ich aber auch viel gelernt. Das Gelernte möchte ich aber auch nicht missen. Wahrscheinlich ging es nur auf diesem Wege, wer weiss?

Aber ich glaube fest daran, dass auch du diesen Weg des Lebens finden wirst und das es für dich auch wieder schöne und glückliche Zeiten geben wird.

Ich grüsse und umarme dich:remybussi
Rubbelmaus

gitte059 08.11.2005 01:33

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Hallo Ingrid
ich kann dich sehr gut verstehen. Mein Mann (47) ist im Mai 2003 an Mundbodenkrebs erkrankt. Er wurde 2 mal opperiert, hatte etl. Chemos und 15o Bestrahlungen. Er ist qualvoll am 05.12 04 verstorben. Zunächst war ich fast erleichtert (hört sich jetzt komisch an) daß er erlöst ist denn es war sehr schwer daß mit ansehen zu müssen.

Dann aber fiel ich in ein großes Loch. Erst Ende des Sommers kam eine Zeit wo ich mir dachte es geht etwas aufwärts. Leider ist aber jetzt am 22.10.05 mein Vater (71) verstorben und
daß war wieder ein totaler Rückschlag für mich.
Trotzdem denke ich dieser große Schmerz wird irgendwann besser und daß Leben wird auch einmal wieder lebenswert für uns werden. Ich bin mir sicher daß ich die beiden wiedersehe und sie werden mich dann abholen.
Wir werden es schaffen diese schwere Zeit zu überstehen, man kann so stark sein, ich hätte daß vorher nicht geglaubt.
Ich wünsche dir viel Kraft
Liebe Grüße
Gitte

Ingrid38 08.11.2005 11:56

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Ich wünsch Euch allen dasselbe was Ihrmir wünscht. Kraft und die Hoffnung es "zu packen".

Ich war heute bei meiner Hausärztin. Sie hat mir erst mal ein Antidepressivum mitgegeben. Mal sehen wie es wirkt.

Es ist gut einen Ort, wie diesen hier zu haben.

Ingrid

Stina 08.11.2005 12:02

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Liebe Ingrid, es ist gut, daß Du bei Deiner Hausärztin warst. Mir hatte seinerzeit Johanneskraut (rein pflanzlich) sehr gut geholfen. Ich habe eine Hausärztin, die auf "Naturheilkunde" schwört. Ich wünsche Dir, dass das Mittel anschlägt. Und einen angenehmen Tag. LG Petra

Drea 08.11.2005 16:39

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Hallo Ingid
Es ist gut dass du dir helfen lässt. Du wirst jetzt ca eine Woche etwas angeschlagen sein - aber danach geht es dir besser...
Ich rate dir dennoch dir nen Therapeuten zu suchen...
Alles alles Liebe und ... dass dein Weg wieder nach vorne führt, in dankbarer Erinnerung und ohne Grosse Schmerzen an das Vergangene Schöne

Ich Drück dich
Drea

petra9 22.01.2006 21:13

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
hallo, auch mein mann ist im alter von53 jahren am 10.1.06 an bauchspeicheldrüsenkrebs verstorben.die diagnose hatte er seit letztes jahr im mai. er wurde operiert und hatte chemo.die musste aber abgebrochen werden,da er immer mehr abnahm.die letzten tage war er zu hause.keiner konnte mehr helfen. das war so schlimm.er hatte auch morphin spritzen und pflaster bekommen.ich hoffe auch, dass er in den letzten beiden stunden nichts mehr gemerkt hat.wir können es immer noch nicht fassen.am kommenden.am kommenden dienstag ist urnenbeisetzung. ich habe solche angst davor. das ist dann sowas endgültiges.wir hatten auch immer gedacht, zusammen alt zu werden und die enkelkinder aufwachsen zu sehen.leider bin ich auch letztes jahr an gebärmutterhalskrebs erkrankt.ich hatte auch chemo und bestrahlung und danach op. bis jetzt ist alles in ordnung.habe auch eine gute prognose bekommen.will es auch so glauben.ein jahr vorher ist unsere erste enkeltochter verstorben im alter von 1,5 jahren. das war auch für uns beide ein schwerer schicksalsschlag.manchmal denke ich auch, ich schaffe das alles nicht zu verkraften. noch bin ich krankgeschrieben.wenn aber alles in ordnung bleibt bei mir, werde ich vielleicht im april wieder arbeiten.ich muss mich immer mit irgendwas beschäftigen, sonst denke ich zu viel nach und muss immer weinen.es ist alles so schwer.die kinder und enkeltochter kommen zwar immer vorbei und lenken mich ab,aber man ist ja auch oft mit seinen gedanken allein. viele grüsse an alle petra

Ingrid38 24.01.2006 09:21

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
Hallo Petra!
Seit einigen Wochen nehme ich Antidepressiva. Es ist erträglicher geworden. Auch die Feiertage habe ich gut überstanden. Schwierig sind nur die Alltagssituationen, wenn ich alleine bin.
Habe ich Menschen um mich, bin ich wie immer. Man merkt mir die Trauer nicht an. Es ist ein auf und ab mit den Gefühlen.
Ich lasse alles auf mich zukommen- habe jetzt auch warscheinlich einen Vollzeitjob gefunden. Es kann nur noch besser werden.
Mit den besten Wünschen an Dich.

Ingrid

petra9 24.01.2006 15:54

AW: Mein Mann ist tod. Es zerreisst mein Herz.
 
hallo, wollte mich noch einmal melden.heute war nun die beisetzung.es ist alles so schwer.es war natürlich schön zu sehen, wieviel menschen anteil nehmen.im moment bin ich allein zu hause.es ist jetzt sowas endgültiges.ich muss auch immer etwas tun, um nicht immer dran zu denken.ab nächste woche werde ich mich wieder mehr um meine krankheit kümmern müssen.muss ja auch regelmässig zum blut abnehmen. dann werde ich vielleicht noch mal zur kur fahren.manchmal bin ich auch froh, wenn mehr leute um mich sind. meine arbeitsstelle habe ich ja noch, ich habe aber noch nicht die kraft dafür.aber das leben geht ja trotz allem weiter. ich wünsche dir auch alles gute für die kommende zeit.hoffe , dass es mit deiner neuen arbeitsstelle so klappt, wie du es dir vorstellst.viele grüsse petra


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