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GEP 08.12.2005 09:44

Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo,

meine geliebte Frau ist am vergangenen Mittwoch um 12:05 Uhr für immer von mir gegangen. Sie ist in meinen Armen eingeschlafen.

Sie ist im September 2003 an Brustkrebs erkrankt (trotz halbjährlicher Vorsorgeuntersuchung mit Mammographie). Ich habe sie seit Dezember 2004 im Pflegebett zu Hause gepflegt.

Sie ist gerade mal 46 Jahre alt geworden. Wir hatten im Januar 2005 unsere Silberhochzeit (am Pflegebett) gefeiert.

Ich konnte mit ihr im Rollstuhl und mit unserem Auto nochmal im September diesen Jahres ein paar Tage an die Mosel fahren, das hat ihr mehr als gut getan.

Gibt es keine Männer die ihre Trauer schreiben? Trauen die sich nicht?

Ich weiß nicht, wie ich mit dieser Trauer fertig werden soll. Ich habe zwar einige Verwandte, doch denke ich immer, die hören einem nur aus Höflichkeit zu. Die können sich doch nicht in diese Situation versetzen.

Ich bin christlich erzogen worden und bin auch einigermaßen gläubig.
Ich wäre sehr gerne mit meiner Frau mitgegangen, doch habe ich aus religiösen Gründen Angst davor gehabt, das ich dann nicht mit meiner Frau zusammen gekommen wäre. Vielleicht bin ich auch nur zu feige gewesen.

Es tut weh, wenn ich ihre Sachen (Bekleidung usw.) sehe oder ich an sie denke. Ich denke, ich dürfte keine Tränen mehr haben, aber ich muss immer wieder weinen. Selbst jetzt wieder, ich musste beim Schreiben zwischendurch häufiger Pause machen.
Ich sehe im Moment für dieses Leben keinen Sinn mehr. :weinen:

Meine Frau hat immer bescheiden gelebt; sie hat niemanden etwas missgönnt; sie war immer hilfsbereit; einfach, sie war der liebste Mensch den ich kenne.
Warum werden wir so bestraft?

Ich werde jetzt erst mal aufhören. Der Schmerz ist zu stark.

gaertner 08.12.2005 10:44

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo ,

es tut mir unendlich leid, was dir passiert ist.

du bist nicht so allein wie du denkst. es tummeln sich auch männer und väter , die ihre angehörigen verloren haben hier rum. es gab auch mal einen thread , da wird aber nicht mehr geschrieben.http://www.krebs-kompass.org/Forum/s...d.html?t=10480 (klick auf die verknüpfung).
Vielleicht hilft es dir erstmal , dort etwas zu lesen , ich habe da auch einiges was mich betraf , wiedergefunden. wenn man merkt, das man nicht allein ist, kann einem schon geholfen sein.


ich selber bin 40 und habe im frühjahr einen meiner söhne an krebs verloren. er war erst 16. mit der hilfe hier im kompass und auch therapeutischer betreuung komm ich langsam an den punkt, wo ich begreife, das das leben auch ohne ihn weitergeht.

hab vor allem keine angst hilfe anzunehmen !

lg gaertner

bobbel24 08.12.2005 11:53

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo GEP ,

....auch ich bin ein trauernder Mann , und es tut mir auch unendlich leid was dir passiert ist . Ich denke seinen Lebenspartner zu verlieren ist so ziemlich das Schlimmste was einem passieren kann . Fühle dich von mir gedrückt .
Bei dir ist es ja noch Alles sehr frisch . Ich habe zwar nicht meine Frau , aber meinen Bruder im Juni 2004 verloren .
Auch ich wußte auch nicht wie ich mit der Situation umgehen sollte ,wußte nicht wie es weiter gehen sollte und habe auch ein paar mal daran gedacht ihm zu folgen .
Doch ich denke das würden unsere Lieben nicht wollen .
Mein Bruder hat sein Leben immer genossen und ich denke deine Frau auch .
Auch wenn ich nicht gläubig bin denke ich das wir uns alle irgendwann wieder sehen werden .
Aber es muß ja noch nicht jetzt sein !!!! Ich habe jetzt erst gelernt damit umzugehen , bin aber die letzen 1 1/2 Jahre nur mit einem Brett vor dem Kopf rumgelaufen .
Ich denke du brauchst auf jeden Fall die Zeit um damit Umzugehen zu lernen und nimm sie dir auch .
Das Forum hilft auf jeden Fall weiter und es sind auch jede Menge Männer hier unterwegs.
Hier hast du immer offene Ohren bzw. Augen .


Man sagt , Zeit heilt Wunden.
Weiß nicht was das heißt.
Man hätte meine besser zugenäht,
damit sie nicht immer reißt!


bis denne


Marco


...

KatharinaS 08.12.2005 12:44

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo GEP!:pftroest:

Ich bin zwar kein Mann der trauert, aber eine trauernde Tochter, deren dad seine freu kurz vor dem 25ten Hochzeitstag verloren hat.
Schön ist es dass ihr euren noch gemeinsam erleben könnt, auch wenn das wohl kaum ein trost ist.
Ich denke nicht dass deine Frau möchte, dass du ihr jetzt schon folgst!
du hast hier noch ein Leben, auch wenn dir dieses im Moment sinnlos erscheint.
Ich habe meine mutter anfang 2003 verloren. Mich hat gestärtk, was sie zu meiner tante einige tage vor ihrem tod gesagt hat, und zwar dass sie nie wirklich "probleme" mit mir hatte, sie sehr stolz auf mich sei, und sie weiss dass ich meinen weg bestimmt machen werde.
ich weiss sie will dass ich meinen weg weiter mache, und auch das leben weiter geniese. klingt dumm, aer es ist wirklich so dass das leben einfach weiter gehen MUSS.
Manchmal denke ich dass es mit meiner mutter alles leichter wäre, auch jetzt wo ich einen job als erzieherin verzweifelt suche.
Die arbeit mit behinderten Menschen hat mir auch immer kraft gegeben, weil ich weiss wie stolz sie genau darauf war.
Ich finde meist nicht die richtigen worte aber ich hoffe du verstehst mich richtig...
Ich wünsche dir ganz viel Kraft
Lieben Gruß
Katha
:winke:

AndreaS 08.12.2005 14:24

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo,

es tut mir sehr leid, dass auch ihr diesen Kampf verlieren musstet. Ich wünsche dir viel Kraft für die kommende Zeit.

Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Nutze die Chance, dich hier mitzuteilen, das Gespräch mit anderen Hinterbliebenen wird dir gewiss auf deinem schweren Weg helfen. Jeder hier kann nachfühlen, was gerade in dir vorgeht, was dich belastet und welchen Schmerz du in dir trägst.

Ich selbst bin hinterbliebene Ehefrau. Ich habe meinen Mann heute genau vor 14 Monaten verloren. Es tut entsetzlich weh und braucht unenedlich viel Zeit, um mit dem Schmerz irgendwie zurecht zu kommen.

LG
Andrea

Imke 08.12.2005 21:09

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Lieber GEP,
mein herzliches Beileid zum Tode Deiner lieben Frau.
Ich bin zwar "nur" eine Tochter (30) die ihre liebe Mama vor fast
5 Monaten verloren hat, aber ich möchte Dir trotzdem etwas schreiben,
hoffe das ist ok ?!
Es ist eine Wahnsinnsaufgabe einen kranken Menschen zuhause zu pflegen.

Meine Mutter hatte seit 11 Jahren Krebs, aber sie hat immer versucht soweit es ging die Freude am Leben nicht zu verlieren.
Für meinen Vater war das auch alles nicht leicht.
Ab Mai ging alles recht schnell, 3 Wochen Krankenhaus, dann haben wir sie nach Hause geholt und dort hat sie noch 4 Wochen gelebt.
Mein Vater hat sie fast ausschließlich alleine gepflegt.
Meine Schwester und ich habe versucht sooft wie möglich (meistens täglich)
vorbei zu schauen um zu helfen.
Es wurde von Woche zu Woche schlimmer und an Pflege kam auch immer mehr dazu.
Ich (wir) bereuen nicht, es ist gut wie es war.
Und Du hast das über 1 Jahr (alleine ?) gemacht, Respekt ! ;)

Mein Papa hat sich einer Trauergruppe (Adressen in Deiner Nähe erfährst Du über die Kirchen) angeschlossen, das hillft ihm sehr doll.

Mit der "lieben" Verwandschaft haut das leider bei uns nicht so hin. es hört kaum einer zu, nein im Gegenteil, es haben sich viele zurückgezogen und melden sich gar nicht mehr bei meinem Vater.
Sie wissen nicht was sie sagen solle, dabei ist das schweigen, bzw. nicht melden, nur noch schlimmer.

Mit diesem Forum hast Du den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht.
Es ist sehr hilfreich hier zu schreiben, oder auch nur zu lesen. :)

Ich wünsche Dir alles Liebe und viel, viel Kraft für die nächste Zeit,
liebe grüße,
Imke !!!

P.S. Eins noch kurz.
Deine Frau wollte ganz sicher nicht das Du ihr folgst, evtl. wärest Du dann
tatsächlich nicht zu Ihr gekommen. Das ist bei Suizid so eine Sache....
Aber wenn Deine Zeit gekommen ist, wird sie Dich in Empfang nehmen, ganz sicher !

Wolke123 08.12.2005 23:17

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo,

es ist furchtbar, was du durchmachen musst. Du hast einen Menschen verloren, mit dem du so viele Jahre verbracht hast. Das leben ist einfach ungerecht.
Ich kann verstehen, dass das Leben für dich nun keinen Sinn mehr zu haben scheint. Ich kann nachvollziehen, wie leer es jetzt in dir sein muss.
Aber du schreibst ja, dass du ein gläubiger Mensch bist. ich selber bin auch gläubig. Ich habe im letzten Jahr meine Mama verloren. Ich denke jeden Tag an sie und sage mir, das sie immerbei mir ist. Ich "rede in Gedanken" mit ihr. Ich stelle mir vor, solange ich immer an sie denke, solange erleben wir auch noch alles zusammen, solange kann sie sich mit mir über Dinge freuen, und mit mir traurig sein, und sie kann mich trösten.
Es ist so schwer, den Tod zu begreifen, ich begreife ihn jetzt, nach 1,5 Jahren, immer noch nicht.
Bitte, verzweifle nicht, lebe dein leben weiter, und lass deine Frau immer in Gedanken bei dir sein.
Ihr werdet euch, wenn die Zeit gekommen ist, wieder sehen.


Alles Gute!

Wolke 09.12.2005 06:46

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Lieber GEP,

ich möchte dich hier herzlich Willkommen heißen. Bitte hab keine Angst vor den ganzen Frauen hier ;) Vielleicht sind einige Männer nur stille Leser. Schreib hier einfach alles nieder was dich bewegt, vielleicht kommen dann noch ein paar Männer aus ihrem Loch gekrochen. Wie du gesehen hast, bist du ja auch nicht ganz alleine.

Ich finde es bewundernswert, dass du deine Frau solange zu Hause gepflegt hast. Sie ist sicher sehr stolz auf dich.

Ich denke der Schmerz ist der Preis für die gemeinsame Zeit. Schließlich ist im Leben nichts umsonst.

Ich wünsche dir viel Kraft für alles was jetzt auf dich zukommt.

Wolke :winke:

GEP 10.12.2005 10:29

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo,

für die herzliche Anteilnahme bedanke ich mich sehr. Ich habe mich, trotz meines immer noch riesigen Schmerzes, über die netten Worte gefreut.

Ich bin mittlerweile 51 Jahre alt und hätte es nie für möglich gehalten, daß ich, auf den sich meine liebe Frau so gerne als den vermeintlich "stärkeren" verlassen hat, soviel Tränen zu vergießen werde.
Dabei ist das, was meine Frau gelitten hat, so unbegreiflich und sie hat nur einmal, eine Woche bevor sie gegangen ist, geweint und hat gesagt: Langsam ist es genug, immer kommt was neues dazu. Das war, als die Morphindosierung wieder einmal neu angepaßt wurde und der Durchbruchschmerz wohl wieder den Medikamentenspiegel überschritten hat.

Ich war gestern das erste mal wieder seit dem Fortgang meiner lieben Frau einkaufen. Mich haben all diese Menschen irgendwie angewiedert und dieses geplärre von Weihnachstliedern aus dem Lautsprecher in diesem Warenhaus fand ich unerträglich. Ich habe bemerkt, dass ich es darauf angelegt habe, mit irgend jemand in Streit zu geraten. Ich bin zu Hause nachträglich darüber erschrocken, ich bin sonst überhaupt nicht aggresiv, eher zurückhaltend.

Gestern wurde das Pflegebett, in welchem sich meine liebe Frau fast 1 Jahr befand, abgeholt, ebenso die anderen Hilfsmittel, wie Rollstuhl, Rollator usw.
Das hat sehr weh getan. Alle Erinnerungen wurden wieder unmittelbar vor meinem Auge abgespielt.

Ich würde gerne mehr über die anstrengende, aber trotzdem doch schöne Zeit vom Beginn der Krankheit meiner lieben Frau schreiben, doch bin ich mir nicht sicher, ob "sie" es in Ordnung finden würde und ob sich überhaupt jemand hier dafür interessiert.
Ich muss jetzt wieder aufhören, ich habe das Gefühl, dass mein Kopf gleich platzt.

Ich bedanke mich noch einmal
Gerhard

AndreaS 10.12.2005 11:03

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Lieber Gerhard,

das Gefühl kenne ich, über sich selbst zu erschrecken. Das ist eins der Dinge, die wir erkennen auf unserem Weg. Aggressionen, Wut, Ekel all das kommt in uns hoch, vor allem, wenn wir tagtäglich über die Oberflächlichkeit der meisten Menschen in unserem Umfeld stolpern. Alle Gefühle sind normal, die ganze Palette gilt es jetzt zu überstehen.

Ob es deiner Frau recht wäre, wenn du uns über die Zeit ihrer Krankheit berichtest, weiß ich nicht, aber ich denke, dass sie mit allem einverstanden ist, was dir jetzt auf diesem schweren Weg hilft, um das Erlebte zu verarbeiten. Was uns betrifft, so kannst du jedoch sicher sein, dass es uns interessiert, was du zu erzählen hast, dass wir dir zuhören werden und versuchen, dir ein wenig Halt zu geben, sofern es gerade möglich ist.

Was deinen ersten Beitrag angeht, möchte ich jedoch eine Sache nicht einfach so stehen lassen. Auch wenn es sich so anfühlt, wenn das Warum so laut in unserem Kopf dröhnt, niemals glaube ich daran, dass wir für irgendetwas bestraft werden. Es ist keine Strafe, früh zu sterben, und es ist keine Belohnung lange zu leben. Ich möchte eigentlich, 14 Monate weiter auf dem Weg als du und zahlreiche einschlägige Lektüre, fast an das Gegenteil glauben. Wahrscheinlich waren unsere Lieben dem Erkennen, dem Begreifen ganz einfach schon ein gutes Stück weiter. Das ist eher das, was ich als Erklärung für mich akzeptieren kann. Ich hatte einen wundervollen Mann, der seine Familie über alles geliebt hat, uns umsorgt und zuverlässig zur Seite gestanden hat. Keinem hat er etwas Böses getan. Wofür sollte er bestraft worden sein? Oder vielleicht ich, da ich jetzt mit dem Schmerz leben muss? Sein Tod, meine Strafe? Das kann nicht sein. Und erst recht nicht, wenn man sich manch alten Kotzbrocken (entschuldige die Ausdrucksweise, aber so empfinde ich es) betrachte, der mit über 80 grieskrämig durchs Leben rennt und für mich nichts begriffen hat. Wofür sollte so jemand belohnt werden?

LG
Andrea

leonore 10.12.2005 11:26

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
mein herzliches beileid lieber gerhard, es ist schwer einen geliebten menschen zu verlieren. ich habe es selbst erst durchgemacht und weiß wie es dir geht. so wie wir alle hier, die unser liebstes verloren haben. auch ich habe es furchtbar gefunden, dass die welt nicht einfach innehielt, dass draußen alles weitergeht als wenn nichts passiert wäre. der trubel all das ist zuviel. selbst wenn meine kinder mit den enkeln kommen, es ist mir zuviel. ich möchte mich verkriechen, möchte weinen und trauern, aber so profan wie es klingt, das leben übersieht uns nicht es fordert uns auf weiterzumachen. ich wäre so gerne mit meinem schatz gegangen in diesen frieden, er lächelte als er starb. ihn gehenzulassen war das schwerste in meinem leben und doch bin ich für ihn froh, dass er jetzt schmerzfrei und glücklich sein darf und ich einen stern am himmel habe oder einen schutzengel der mich behütet. auch wenn er körperlich tot ist, für mich lebt er in meinem herzen und in meinen gedanken. ich schreibe ihm, ich rede auch zuhause mit ihm, erzähle unseren haustieren von ihm. gerhard hier bist du immer willkommen, wir hören dir zu und können mit dir mitfühlen. ich kann dir auch anbieten mich anzuschreiben, wenn du hilfe brauchst ich habe immer ein offenes ohr. ich sende dir ein großes krafpaket für die kommende zeit. leonore

GEP 10.12.2005 11:37

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Liebe Andrea,

also ist diese Wut und das das Du in Deinem ersten Absatz beschreibst, einigermaßen "normal"?

Ich habe ja geschrieben, das ich christlich erzogen wurde und auch heute noch einigermaßen religiös bin. Ich gehe zwar kaum in die Kirche, das ist auch nicht mein Ding. Ich bete lieber still und für mich.

Ich sehe es im Augenblick als Strafe an, dass ich weiterleben muss (muss ich natürlich nicht, aber selbst Hand an mich zu legen, dazu fehlt mir der Mut und die Angst, dann meine lieb Frau nicht wiederzusehen).

Ich meinte auch mehr, den "barmherzige gütigen Gott". Was ist daran barmherzig oder gütig, einen Menschen so leiden zu lassen, der nie etwas "schlechtes" getan hat und dann laufen solche "Kotzbrocken" (wie Du richtig geschrieben hast) und noch schlimmere draußen rum. Ich komme, trotz Deiner Beschreibung, im Moment nicht davon los, dies als Strafe, für meine liebe Frau, sowie diesen wahnsinnigen Schmerz von mir, zu bezeichnen.

Was ist das für Literatur, von der Du sprichst?
Ich werde nächste Woche mal in unsere Bibliothek gehen und wenn ich weiß, wonach ich mich umsehen könnte, würde ich dies gerne mal tun.

LG
Gerhard

AndreaS 10.12.2005 11:53

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo Gerhard,

zum Thema "barmherziger Gott" hatte ich mich vor kurzem in einem anderen Thread bereits ausgelassen, auch hier wieder der Hinweis, dass ich niemandem zu nahe treten möchte, niemanden verletzen, aber so ist es, wie ich es sehe:

http://www.krebs-kompass.org/Forum/s...t=14313&page=3

Ich habe Trost gefunden in Bern Jacobys: Auch du lebst ewig, u.a. mit Verweisen auf Kübler-Ross. Momentan lese ich von Brian L.Weiss: Liebe kennt keine Zeit. Er hat auch geschrieben: Die zahlreichen Leben der Seele.

Es gibt mir sehr viel Hoffnung und erklärt für mich auch im Ansatz, wieso Claus und ich so innig und bewusst gelebt haben. Vielleicht war es nicht das erstemal in diesem Leben, vielleicht kannten wir uns bereits und konnten vergangene Fehler korrigieren. Und ich hoffe so sehr, dass wir auch in einem weiteren Leben wieder zusammenfinden werden. Vielleicht klingt das verrückt, vielleicht denkt ihr ich spinne, aber nichts kann mich mehr trösten, als die Aussicht auf ein Wiedersehen mit meinem geliebten Mann. Und Zeit spielt dabei keine Rolle, jedenfalls nicht mehr für die, die uns vorausgegangen sind.

LG
Andrea

Wolke123 12.12.2005 20:16

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo,

ich glaube, man muss sich einfach von der Vorstellung lösen, dass man selbst weiss, was das beste ist. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist das für jeden schrecklich. Aber wer gibt einem denn die Gewissheit, das nicht doch alles so verlaufen ist, wie es am besten ist? Wenn du gläubig bist und deine Frau es auch war, darfst du dir jetzt vorstellen, das sie im Paradies ist und auf dich wartet und auf euch beide gemeinsam das ewige Leben wartet. Eure Trennung ist doch jetzt nur von kurzer Dauer, gemessen an der Ewigkeit.

Ich glaube, trotz allen Leides, das Gott gut auf uns aufpasst und alles so fügt, wie es am besten ist.

Natrülich, ich bin auch oft verbittert, weine, frage mich immer wieder, wieso ich meine Mama in diesem Leben nicht mehr sehen kann. Ich bin sauer auf die ganze Welt, auf die Menschen draussen, weil SIE noch rausgehen können, reden können, lachen können, und meine Mama kann das alles nich mehr...
meine Mama ist ja "schon" (morgen genau) 1,5 jahre tot und ich denke immer noch so, ich habe nicht das Gefühl, irgendetwas "überwunden" zu haben.
Nichts desto trotz, der Glauben ist mir immer ein wichtiger Notanker, ich hoffe, das er dir genauso eine Stütze und ein Halt sein kann, selbst wenn immer wieder andere Gedanken, wie Frage nach dem "wieso ausgerechnet meine Frau", kommen werden, vielleicht nie verschwinden werden.

Alles Gute!

Traurigfroh 13.12.2005 15:30

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Lieber Gerhard,
Du tust mir unendlich leid und ich bete für Dich!
Alle Gefühle und Gedanken, die Du im Moment hast, sind normal und Du darfst sie auch zulassen. Das solltest Du Dir immer bewusst machen.
Was ich Dir noch sagen möchte: Dass Du nicht zerbrichst, ist ein Zeichen dafür, dass Gott Dich trägt. Dass Du Deiner Frau nicht gefolgt bist, auch.
Du bekommst die Kraft!
Liebe Grüße,
Barbara

GEP 16.12.2005 15:16

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo,

danke für die lieben Worte.

Leider hadere ich seit dem Tod meiner Frau sehr mit der Vorstellung des lieben Gottes. Ich habe vor dem Tod meiner Frau mit Gott versucht zu verhandeln, wenn meine Frau schon gehen muss, dass war ja nun schon nicht mehr zu ändern, das er sie wenigstens über die Feiertage noch bei mir lassen solle.

Kann man sagen das ist egoistisch, dann ist es eben so.

Ich habe gebetet, habe ihn angefleht, er kann mir ja auch eine Krankheit verpassen, aber solle meine Frau noch was hierlassen.
Was hat der "liebe" Gott getan? Nichts. Er hat es zugelassen, das meine Frau so schnell gehen mußte.
Dann kann ich nicht annehmen, dass Gott auf uns aufpaßt. Das will mir im Augenblick nicht in meinen Kopf.

In unendlicher Trauer trotzdem liebe Grüße
Gerhard

Gaby 16.12.2005 20:25

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Lieber Gerhard,

ich habe deine bisherigen Beiträge nun sehr aufmerksam gelesen und möchte dir zunächst sagen, dass es mir sehr leid tut, dass du deine Frau verloren hast, dass ihr den gemeinsamen Kampf gegen die Krankheit verloren habt, dass du nun versuchen musst, mit dem Verlust zu leben und ich wünsche dir alle Kraft, die du benötigst, um in deiner Trauer auch einen weiteren Sinn für dein Leben zu finden.

Ich bin nicht gläubig, heisst ich glaube nicht an Gott. Das sage ich ohne jeden Zweifel, für mich existiert er nicht. Warum? Mag sein, dass ich viel zu realistisch bin, um daran zu glauben, vielleicht habe ich auch schon zu viel erlebt, was mich zu dem Schluss kommen liess, es kann keinen Gott geben.
Aber da hat jeder seine eigene Ansicht und viele Menschen finden gerade in ihrem Glauben den notwendigen Halt, um manches durchzustehen.

Du als gläubiger Mensch solltest aber doch wissen, dass Gott nicht mit sich handeln lässt....nur noch die Feiertage, bitte...was wäre als nächstes gekommen? ..nur noch den Hochzeitstag...nur noch den nächsten Geburtstag bitte? Vielleicht gibt es Gott ja doch und er hat in diesem Fall deine Frau erhört, die sagte...langsam ist es genug... er hat sie von ihren Leiden und Schmerzen erlöst, weil das vielleicht vorrangig war, vielleicht wichtiger als dein Wunsch...nur noch die Feiertage. Sicher hat er dir damit viel Leid zugefügt, aber wieviel weiteres Leid hat er deiner Frau erspart? Mag sein, dass du, wenn du es einmal aus der Sicht deiner Frau betrachtest, auch wieder deinen Frieden mit Gott machen kannst und in ihm Unterstützung für dich findest auf deinem Weg, der vor dir liegt.

Vielleicht bedeutet Liebe auch lernen jemanden gehen zu lassen,
wissen, wann es Abschied nehmen heisst,
nicht zulassen, dass unsere Gefühle dem im Weg stehen,
was am Ende wahrscheinlich besser ist für die, die wir lieben.

Ich habe meinen Partner im Mai verloren, wir haben auch unseren gemeinsamen Kampf gegen den Krebs verloren. Ich bin vielleicht auf meinem Weg durch die Trauer schon weiter, ich sage bewusst, vielleicht, denn an manchen Tagen geht es mir heute schlechter als vor 7 Monaten. Ich habe in einem deiner Beiträge gelesen, dass du nächste Woche bereits mit einer Therapie beginnst. Das ist eine sehr gute Entscheidung und es freut mich für dich, dass du so schnell einen Termin bekommen hast. Ich musste auf meinen ersten Termin 6 Wochen warten, aber seit ich diese regelmässigen Termine habe und mit jemandem, der wirklich neutral ist, über all das reden kann, was mich belastet und traurig macht und nicht schlafen lässt, seit ich weiss, dass diese Phasen der Trauer völlig normal sind und dass es wohl nichts schlimmeres gibt, als wenn man versucht, seine Trauer zu unterdrücken und so zu funktioniere, wie es die Umwelt erwartet, macht es mir auch nichts mehr aus, wenn ich bei unterschiedlichen Gelegenheiten weinen muss. Das ist normal, das ist weder eine Krankheit noch unnormal. Unnormal ist nur, dass unsere Leistungsgesellschaft nicht mit dem Tod und Trauer konfrontiert werden möchte, das es keinen Platz dafür geben soll. Aber glaube mir, es gibt den Platz, man muss ihn sich nur selber einräumen. Und wenn du mal wider das Gefühl hast, es lacht jemand über dich und deine Tränen, dann denke daran, du reagierst völlig normal, es sind die anderen, die spinnen!!

Für mich ist es ein Zeichen von Stärke, wenn Menschen ihre Gefühle zeigen können, besonders Männer, denen ja bereits als Kind eingeredet wurde, das Indianer keinen Schmerz kennen und Jungen nicht weinen. Ich hoffe sehr, dass sich die Erziehung dahingegehend verändert. In unserer Generation ( bin 47 ) war das nun mal so.

Also bleibt stark und normal und lass deine Gefühle heraus.

Ich drücke dir die Daumen, dass die Therapie für dich der richtige Weg istund dir helfen wird.

Lieben Gruss
Gaby

GEP 19.12.2005 18:42

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo,

Morgen ist es soweit, ich werde meine geliebte Frau zur letzten Ruhe geleiten.
Ich habe entsetzliche Angst, vor diesem Gang; vor dem Endgültigen.

Woher nehme ich die Kraft dies auszuhalten?

Ich weiß. dass ich diese Nacht wieder nicht schlafen werde. In 2 1/2 Wochen habe ich gerade mal ein paar Stunden gedöst. Mir müssen doch die Augen zufallen. Es geht einfach nicht.

Ganz leise ohne eine Wort, nach langem, mit großer Stärke getragenem Leiden, ging sie für immer von mir fort.
Es ist so schwer dies zu verstehen, doch einst werde ich sie wiedersehen.

Gerhard

gaertner 19.12.2005 21:30

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo gerhard,


hab keine angst, du wirst das aushalten. nimm dir vor allem das recht, so zu trauern und die zeit des abschieds zu erleben , wie du es für richtig hälst und versuche nicht irgendeine "etikette" einzuhalten.

Der tag des abschieds gehört zu allem mit dazu und es ist erstaunlich , obwohl man manchmal glaubt, nicht wirklich da zu sein, wieviel von diesem tag doch bleibt.

versuche nicht dich mit medikamenten "ruhig" zu stellen. du schaffst es auch so.

viel kraft für morgen

gaertner

Wolke123 19.12.2005 21:30

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo,

ich habe damals die Beerdigung meiner Mutter wie einen Film empfunden, ich kann mich gar nicht mehr genau an alles erinnern und finde es jetzt im nachhinein so unwirklich, das ich das alles wirklich erlebt habe. Ich habe da nicht einmal geweint, ich weine nie in der Öffentlichkeit, das kann ich einfach nicht... Wie schon gesagt, ich habe das ganze bis jetzt noch nicht ganz realisiert (nach 1,5 Jahren).
Ich glaube, der Körper hat so eine Art Schutzfunktion hat, die einen hilft, solche Situationen zu überstehen. Manche Gefühle werden einfach abgeschaltet.

Alles, alles Gute!! Ich bin froh, das du jetzt schreiben kannst, das du deine Frau irgendwann, wenn die Zeit gekommen ist, wiedersehen wirst.

AndreaS 20.12.2005 08:47

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Lieber Gerhard,

ich möchte dir an dieser Stelle nur schreiben, dass ich in Gedanken bei dir bin. Es ist wohl einer der schwersten Tage in unserem Leben, wir alle wissen, was in dir vorgeht.

Ich wünsche dir, dass du alles einigermaßen gut überstehst, auf deine Weise im Sinne deiner geliebten Frau.

Ganz liebe Grüße und ein riesengroßes Kraftpaket schickt Dir

Andrea

bietie 20.12.2005 09:39

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Lieber Gerhard,

ich verstehe sehr gut, dass Du Angst hast vor dem heutigen Tag.

Auch ich habe am letzten Freitag erst meinen lieben Mann auf seinem endgültig letzten Weg begleiten müssen. Ich war auch der Überzeugung, dass ich das nicht überstehen würde, schließlich habe ich die Hälfte meines bisherigen Lebens mit ihm verbringen dürfen.

Aber ich habe es überstanden, immer wieder habe ich mir gesagt, es war besser, ihn loszulassen, als dass er noch weiter so schlimm gelitten hätte (er hatte Lungenkrebs und es war im Prinzip ein Erstickungstod). Jetzt hat er seine Ruhe, keine Schmerzen mehr und ist in einer heilen Welt. Mir das alles immer wieder zu sagen, hat mir sehr geholfen, den letzten gemeinsamen Weg zu überstehen.

Ich hoffe für Dich, dass auch Du Deine Ruhe finden wirst und sende Dir für Deinen schwerern Gang ein dickes Kraftpaket

Liebe Grüße Beate

Wolke 20.12.2005 14:27

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Lieber Gerhard,

ich frage mich, ob du es schon überstanden hast oder um wieviel Uhr es heute losgeht. Ich hoffe du hast alles einigermaßen überstanden.

Wolke :winke:

GEP 21.12.2005 17:16

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo Ihr Lieben,

ich danke für Eure unterstützenden Worte.

Die Messe war gestern um 09:30 Uhr undanschließend die Beisetzung.

Ich habe diesen Tag nur mit der großartigen Hilfe meiner Tochter und meiner Verwandten überstanden. Ich habe keine Medis genommen, habe dies aber nie vorher für möglich gehalten. Ich war zwar nahe eines Nervenzusammenbruchs, habe aber trotzdem durchgehalten.

Es war schlicht und einfach grausam. Auf dem Friedhof ist mir das Endgültige klargeworden. Ich werde meine geliebte Frau in diesem Leben nicht mehr wiedersehen.

Ich habe ihr einen Brief mit ins Grab gelegt, den ich am Abend vorher geschrieben habe. Ich habe sie nochmal um Verzeihung gebeten, falls ich doch etwas nicht so hunterprozentig gemacht habe und mir während ihrer Pflege vielleicht doch der eine oder andere kleine Fehler unterlaufen sein sollte.

Ich habe heute drei Stunden an ihrem Grab gestanden und immer noch nur geweint. Ich habe überhaupt nicht bemerkt, das ich total verfroren war.

Morgen habe ich meine zweite Therapiestunde, danach kann ich wieder zum Friedhof.

Ich muss wieder aufhören, es geht nicht mehr.

Liebe Grüße
Gerhard

atebete 21.12.2005 22:11

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo Gerhard,

sei froh, dass Du an diesem schweren Tag die Unterstützung Deiner Tocher und anderer hattest. Und Du kannst wirklich stolz sein, dass Du keine Medis gebraucht hast.

Auch mir ist am Tag der Urnenbeisetzung das Endgültige klar geworden. Nie mehr sein Lachen hören und nie mehr sein "Geschimpfe". Die Endgültigkeit wird erst auf dem Friedhof klar. Doch auch wenn es im Moment sehr schwer fällt, ist es doch auch hilfreich.

Man hat eine Stelle, wo man sich noch immer mit dem/der Liebsten verbunden fühlen kann, so empfinde ich es jedenfalls.

Und Deine Idee mit dem Brief ist vielleicht ein ersten Weg zur Trauerverarbeitung. Einer meiner Neffen hat es genau so gemacht. Obwohl er derjenige von den drei Neffen ist, der am besten mit der ganzen Situation zurecht kommt. Auch er hat für seinen Onkel einen Brief geschrieben und ihn mit ins Grab gelegt.

Ich hoffe, Die Therapistunden ´helfen Dir etwas, über den großen Schmerz hinwegzukommen.

Dafür schicke ich Dir viele Kraftpakete und wünsche Dir alles Gute

Beate

GEP 24.12.2005 14:30

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo,

jetzt ist es auch bei mir so, ich muss sagen, das erste Mal ohne meine geliebte Frau...

Die Therapeutin hat mir gesagt, ich solle versuchen, hier an Dich zu schreiben. Es fällt mir zwar schwer und ich weiß nicht, wenn dies jemand lesen würde, der nicht betroffen ist, ob der nicht meint, der hat sie nicht alle. Aber in der Anonymität hier ist das gut, da brauche ich mich nicht zu verstecken. Ich merke, das trotz aller Tränen und des immer noch unveränderten starken Schmerz, es mir gut tut, hier mit Dir zu "sprechen".

Meine Liebste,

heute ist der heilige Abend, ich werde diesen Tag ohne Dich verbringen müssen. Du bist zwar bei mir, aber ich kann Dich nicht sehen (vielleicht bald?). Ich habe Dich ja heute Morgen schon in Deinem Garten (Grab) besucht und werde nachher noch einmal einige Zeit zu Dir kommen. Leider wird der Friedhof um 18:30 Uhr geschlossen. Aber ich habe Dir ja auch hier in unserer Wohnung einen Platz eingerichtet, an dem wir uns unterhalten können.

Du hast Dich ja immer gesträubt, wenn gefilmt oder fotografiert wurde, mit in das Bild zu kommen. Zum Glück nicht immer erfolgreich. Ich habe einige Videofilme und Digitalfotos gefunden, aus denen ich Dein Bild herausarbeiten konnte. Das war grausam, ich habe nur geweint und das hat lange gedauert, bis ich diese Arbeit fertig hatte. Aber da ich sowieso seit Deinem Weggang kaum schlafen kann, ist das eine gute Ablenkung, da merkt man garnicht, wie schnell die Nacht rum ist.
Das würde Dir nicht gefallen, das jetzt so viele Bilder von Dir hier aufgestellt wurden. Aber ich muss auch mal etwas tun, was Dir nicht gefallen hätte (vielleicht bist Du ja doch mir zuliebe damit einverstanden).

So, ich werde gleich wieder zu Dir kommen,

ich liebe Dich unendlich
Gerhard

leonore 24.12.2005 16:10

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
gerhard, keiner wird glauben dass es verrückt ist hier an deine frau zu schreiben. wenn ich nicht meine briefe an ernest schreiben könnte, würde ich das alles nicht mehr ertragen. sicherlich wird deine frau auch verstehen, dass du bilder von ihr aufstellst, wir die zurückbleiben mussten, brauchen wenigstens das bild, unsere erinnerungen haben wir, aber es tut gut (mir jedenfalls) das bild anzuschauen und zu reden. ich wünsche dir viel kraft für die kommende zeit. liebe grüße leonore

GEP 25.12.2005 21:46

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo mein lieber Engel,

gestern war ich bei Deiner Schwester und deren Mann. Wir haben sehr viel über Dich gesprochen. Die beiden haben sehr viel Verständnis für mich und meine Tränen stören sie nicht im geringsten.

Dann habe ich bis 03:00 Uhr Bilder durchgesehen, die wir noch nicht in Alben einsortiert hatten. Das war sehr, sehr schlimm. Zwischedurch bin ich auf die Terasse gegangen und habe vom Geländer heruntergesehen und gedacht, wenn ich jetzt ausrutsche, dann bin ich bei Dir. Leider ist nichts passiert.

Ich habe die Tropfen, die mir die Ärztin verordnet hat, genommen. Mein Mund war völlig betäubt, aber um 06:00 Uhr war ich wieder wach. Vielleicht war die Dosis zu schwach. Oder das Zeug ist nicht für mich geeignet, ich brauch stärkere Mittel.

Heute habe ich unsere Tochter und deren Freund zu uns geholt. Hoffentlich fängt sie sich bald wieder, damit sie wieder ihr "normales" Leben weiterführen kann. Ich glaube, ihr geht's schon besser.

Ich habe die beiden dann wieder nach Hause gefahren. Auf der Rückfahrt waren die großen Schmerzen wieder da. DU fehlst mir so stark, es ist nicht zum aushalten. Ich habe ein Bild von Dir auf das Amaturenbrett geklebt, damit ich Dich anschauen kann, wenn ich mit Dir rede.

Morgen früh um 08:00 Uhr werde ich wieder in Deinen Garten kommen.
Danach werde ich den ganzen Tag alleine sein. Ich brauche die Einsamkeit, auch wenn sie mich traurig macht. Ich werde dann nochmal am Nachmittag zu Dir kommen.
Dann muss ich mich auf die nächste Therapiestunde am Dienstag vorbereiten. Wir wollen die Vorwürfe ausarbeiten, die ich mir mache, ob ich mit Dir alles richtig gemacht habe oder ob ich nicht doch hätte irgend etwas anders machen können. Dafür werde ich mir ein paar Notizen machen.

So, bis morgen früh, ich liebe Dich unendlich :weinen: :weinen:
Gerhard

Wolke123 26.12.2005 23:58

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Ich find ees eine sehr gute Idee, das du an deine Frau schreibst im Rahmen dieses Forums. Denke draan, damit hilfst du auch anderen! Mir zum Beispiel tut es sehr gut, hier die Gefühle anderer Menschen nachzuvollziehen, ihre gedanken aufzunehmen.
Hast du mal daran gedacht, eine homepage für deine Frau einzurichten?

Viele Grüße

GEP 27.12.2005 16:31

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Mein lieber Schatz und Engel,

das wäre geschaft, endlich ist Weihnachten vorbei. Ich muss Dir sagen, dass ich ein wenig erleichtert bin, dass diese gefühlsbetonten Tage rum sind.

Gestern, als ich bei Dir am Grab war, hatte es auf einmal sehr stark angefangen zu schneien. Ich habe durchgehalten und bin stehen geblieben. Zu Hause habe ich dann erst gemerkt, dass meine Hose total nass war. Hoffentlich habe ich mir da nicht eine Erkältung eingefangen.

Heute Morgen habe ich Dir ein neues Grablicht aufgestellt (hast Du ja gesehen). Ich habe noch einmal 3 Bilderrahmen geholt, jetzt habe ich die eine Wand mit 4 Bildern von Dir ausgestattet. Was Du wohl sagen würdest, aber ich habe gelernt, alles was mir gut tut, akzeptierst Du auch.

Heute Morgen war auch die 3. Therapiesitzung. Ich hatte mir am Tag vorher Notizen gemacht, aber das ist soviel geworden, dafür reichte die Zeit nicht. Nächsten Montag ist die nächste Sitzung. Die Therapeutin wollte ein Bild von Dir sehen, was ich ihr auch gezeigt habe. Die kann gar nicht verstehen, warum Du Dich nie Filmen oder Fotographieren lassen wolltest. Du bist ein hübscher Mensch. Das habe ich ja immer gesagt, aber Du wolltest das nie hören, immer hattest Du an Dir was auszusetzen.
Ich bin in der Nacht wieder erst um 04:00 Uhr ins Bett gegangen und war heute Morgen um 07:00 Uhr wieder wach. Ob ich die Tropfen nehme oder nicht, bleibt alles das gleiche. Ich bin ja bist mal gespannt, wie lange ich das aushalte.

Ich fahre Morgen mit unserer Tochter wegen eines Grabsteins mal verschiedene Steinmetze ab. Eine grobe Vorstellung haben wir schon, wie das Grab dann aussehen soll, wofür gibt's schließlich INet.

Morgen um 12:05 Uhr bist Du schon 4 Wochen nicht mehr bei mir. Ich sehe alles noch genauso vor meinen Augen, als wenn es eben passiert ist. :weinen: :weinen:

Ich war noch kurz in unserer Kirche, doch habe ich da überhaupt keine Verbindung zu Dir herstellen können. Das geht hier in unserer Wohnung besser.

Warum habe ich eigentlich an Deinem Grab nicht das intensive Gefühl zu Dir, wie in unserer Wohnung?

Ich soll Dir herzliche Grüße von Deiner Ärztin ausrichten, ich habe mich vor Weihnachten noch einmal für die außerordentliche Hilfe von ihr, während Deiner Krankheit, bedankt.

So mein Engel, mir fällt nichts mehr ein, die Tastatur ist auch wieder nass geworden. :weinen:

Ich liebe Dich unendlich, bis Morgen früh :winke: :winke:
Gerhard

GEP 29.12.2005 23:52

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo mein lieber Schatz und Engel,

gestern waren es 4 Wochen, das Du von mir gegangen bist. :weinen: :weinen:
Ich habe gestern nichts machen können. Ich war völlig platt.

Heute Morgen war der Kaplan in unserer Wohnung. Er ist vorbei gekommen, weil ich mich in unserem Gemeindebüro darüber massiv beschwert habe, dass diese Gemeinde sich überhaupt nicht um trauernde Angehörige kümmert. Wir haben unser ganzes Leben hier gewohnt, wurden hier getauft, haben in der Pfarrkirche geheiratet, haben unsere Tochter hier getauft und mussten Deinen Abschied dort nehmen. Aber die Rechnung für die Grabstelle und die Beisetzung, die habe ich innerhalb von 1 1/2 Tagen erhalten.
Der Kaplan wird sich darum bemühen, dass man sich für trauernde Angehörige einsetzt, zumal ja noch Weihnachten zu überstehen galt.

Aber Du weist ja wie das mit denen ist, wenn Bettelbriefe kamen, da wüßten die wo wir wohnen und wer wir waren.

Wir mussten das mit dem Grabstein verschieben, bei dem Schnee sieht man ja nichts richtiges.

Jetzt kommt wieder so ein schreckliches Wochenende, ich habe Geburtstag und Du bist nicht da. Aber wenn die Raketen in den Himmel schießen, sieht Du diese ja und kannst dann an mich denken und mir gratulieren.

In 2 Wochen hätten wir unseren 26.ten Hochzeitstag gefeiert. :weinen: :weinen: :weinen:

Vorhin hat meine Arbeitskollegin aus Bayern angerufen. Die hat 84 Minuten geschwätzt. Mir sind die Ohren bald abgefallen. Na ja, was soll sie sagen, es wird schon wieder!!!!! Es wird noch nichts, aber soll ich der das sagen?

Morgen früh werde ich zur Blutabnahme gehen, heute habe ich das versäumt.

Unsere Tochter hat endlich auch wieder etwas positives von der ARGE gehört. Morgen kommt sie hier vorbei, dann kommen wir zusammen zu Dir.

Ich höre jetzt den ganzen Nachmittag bis eben unsere Lieblingslieder.
Ich kann einfach nicht aufhören zu weinen, ich muss doch irgend wann mal leer sein.

Bis morgen früh, ich liebe Dich unendlich
Gerhard :winke: :winke:

GEP 01.01.2006 00:02

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo mein geliebter Schatz und Engel,

heute habe ich Geburtstag und Du bist nicht da, nie mehr :weinen: :weinen:

ich wünsche Dir trotzdem ein schönes neues Jahr 2006

um 08:00 Uhr bin ich wieder in Deinem Garten.

Es ist so unerträglich, ich weiss nicht was ich tun soll. :weinen: :weinen:

Ich liebe Dich unendlich :winke:
Gerhard

wuschi 01.01.2006 00:07

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo GEP,
alles Gute zu Deinem Geburtstag, Deine liebe Frau wird trotzdem bei Dir sein.
Ein Gutes Neues Jahr wuenscht Dir - Ute

Lese hier manchmal mit und bewundere wie Du das alles bewaeltigst. Schreibe weiterhin hier, wenn es Dir hilft, ich glaube schon, dass es hilft.

Liebe Gruesse

GEP 01.01.2006 08:46

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Guten Morgen mein geliebter Schatz und Engel,

heute Morgen war ich ja bei Dir, es ist auf den Stra0en überhaupt nichts los. Ich habe erst gedacht, ich hätte mich mit der Uhrzeit vertan.
Ich habe mir gestern, als die Knallerei losging, den Kopfhörer aufgesetzt und unsere Lieblingslieder gehört. :weinen: :weinen: :weinen:
Das hat zwar wieder eine Menge Kraft gekostet und Tränen. Wer weiß, wie lange die Kraft noch reicht.

Ich werde hier von so vielen netten Leuten unterstützt, dsa tut so gut. Ich habe ja vorher nie daran gedacht, das es ganz viele Menschen gibt, die genauso leiden und trauern wie ich. Ich hatte schon angenommen, dass ich bald in die Psychatrie eingewiesen werde. Aber das ist alles völlig normal, so wie's mir geht.

Gestern hat mich ein lieber Mensch angeschrieben und zu meinen Geburtstag ein Glas getrunken und mit mir (virtuell) angestoßen. Diesem Menschen geht's selber so schlecht wie mir, ich fand das so nett und ich habe Dir die Mail vorgelesen. Ich habe fast gedacht, ich hätte Dich auf dem großen Bild lächeln gesehen. :remybussi

Nachher kommt Deine Scwester mit ihrem Mann, wenn die wieder versuchen auszuweichen, wenn ich über Dich sprechen will, sage ich denen einige klare Worte. Ich habe schon einen Stapel Bilder heraus gesucht und werde denen die vorlegen, da komen die nicht drum herum.

So, ich habe mich jetzt wieder gehen lassen, ich komme nachher noch einmal zu Dir

ich liebe Dich unendlich
Gerhard :winke:

Petra_S 01.01.2006 11:21

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo lieber Gerhard!

Auch ich möchte dir alles, alles Liebe zu deinem Geburtstag wünschen, ein kleines Wunder in Form eines Menschen, Anrufes oder Zeichens, welches dir eine kleine Freude bereitet! :knuddel: :knuddel: :knuddel: Am schönsten wäre ja vielleicht die Überraschung, wenn sich die Schwester mal auf die gemeinsame Trauer einlassen würde und ihr so eine Verbundenheit spüren könntet, durch den Verlust eurer Lieben! Aber das ist wohl doch eine wackelige Hoffnung?!

Wenn ich deine Zeilen lese bin ich immer sehr berührt, dass es doch so eine Liebe gibt, nach langer Zeit des Zusammenlebens und dass du es so äußerst und nicht den Kopf in den Sand steckst, dich anderweitig ablenkst finde ich sehr, sehr mutig! Ich glaube bei Männern wird leider noch viel mehr als bei Frauen erwartet, dass sie schnell wieder "normal-pflegeleicht (oder pflegelos?)funktionieren". Musst du noch zur Arbeit? Wie verhalten sich diese Menschen? Deinen Auftritt beim Dekan fand ich übrigens auch ganz stark, Respekt, du hast dich noch nicht ganz unterkriegen lassen, auch wenn du dir kaputt und fertig, mutlos vorkommst - du hast dich für deine Überzeugung eingesetzt, wie es mancher sich unter "normalen Bedingungen" nicht traut!

Ich wünsche dir, dass du "echte" Leute findest, die dich auffangen und dich ein klein wenig stützen können und WOLLEN!
Liebe Grüße Petra

katinka4711 01.01.2006 19:00

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo Gerhardt, ich kann verstehen was Du durchmachst. Ich habe meinen Mann am 25.12.2005 an Lungenkrebs verloren. Alles kam ganz plötzlich und ich bin am Boden zerstört, er war erst 40 Jahre. Es ist ein schmerzlicher Verlust vor allem für meine Kinder, aber für ihn selbst war es eine Erlösung, er hat sehr gekämpft, aber am Ende doch verloren.

Gruß Katrin

GEP 02.01.2006 17:30

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo mein geliebter Schatz und Engel,

es hat tatsächlich geklappt, ich habe doch gestern die Bilder bereit gelegt und hätte Deiner Schwester diese einfach unter die Nase gehalten. Was soll ich sagen, die haben ihre gesamten Fotoalben mitgebracht. Wir haben 2 Stunden lang nur Fotos geguckt und von Dir erzählt, da waren sogar welche bei, die ich noch nicht habe. Die werde ich jetzt beim Fotografen nachmachen lassen. Das war so wunderbar, ich war richtig glücklich.

Das war eine echte Überraschung. Unsere Tochter war ja auch hier. Ach habe ich ja vergessen, wir waren ja zusammen noch mal am späten Nachmittag in Deinem Garten.
Das Erlebnis, was ich am Donnerstag an Deinem Grab hatte, habe ich noch niemandem erzählt. Ich werde das auch nicht tun, nachher kommen doch noch die freundlichen Herren mit der "habmichlieb" Jacke.

Heute war wieder Thera, ich habe wieder etwas dazu gelernt. Aber ich lass mich noch nicht davon abbringen, das ein Teil von mir immer noch so schnell wie möglich zu Dir will. Ich meine, nachdem ich gestern abend wieder alleine war und bei unseren Liedern fürchterlich geweint habe, ist der Wunsch wieder stärker geworden. Ich habe jetzt schon 12 kg abgenommen. Vielleicht klappt das ja auf diesem Wege.
Gestern hat wohl mein Körper auch das erste Mal schlapp gemacht, ich bin um 02:00 Uhr zu Bett und regelrecht auf dem Bett, so wie ich war eingeschlafen. Ich bin dann durch die Kirchenglocken heute Morgen um 07:00 Uhr wachgeworden.

Morgen früh muss ich zu unserer Ärztin, mal sehen, ich wär bestimmt nicht traurig, wenn die was im Blut gefunden hat. Aber wie ich meinen Körper kenne, ist da wieder nichts.

Ich komm dann anschließend wieder zu Dir

ich liebe Dich unendlich
Gerhard :winke: :winke:

shalom 02.01.2006 18:23

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo Gerhard,

du hast dich in einem deiner früheren Beiträge gewundert, dass sich in diesem Forum wenig Männer tummeln. Deswegen freut es mich besonders, dass du den Weg hierhin gefunden hast.

Wahrscheinlich tun sich viele Männer schwer, ihre Gefühle auszudrücken und die Trauer rauszulassen. Du äußerst deine Gefühle und das ist sehr gut. Lasse die dunklen Wolken kommen, betrachte sie und frage dich warum sie vielleicht gerade in dem Augenblick kommen und lasse sie auch wieder ziehen. Begebe Dich - auch wenn es schwer ist - an Orte, an denen ihr gemeinsam wart. Sprich und weine mit deiner Frau, die bei dir ist, wenn auch unsichtbar. Du wirst sehen, anfangs ist diese Art der Trauerarbeit schwer, wenn du mit ihr gesprochen und geweint hast wird es leichter werden.

Mir hat das "gemeinsame Wege" nun allein gehen sehr geholfen. Zudem habe ich mich sehr bald mit Hilfe befreundeter Personen von den Dingen gelöst, die mir aufgrund der immerwährenden Nähe nur wehtun: Ich habe die Kieider meiner Frau, ihre Musikinstrumente und ähnliches weitergegeben.

Ich war mehr als dreissig Jahre verheiratet, 1996 erkrankte meine Frau an einem unheilbaren Rippenfellkrebs. Nach drei wundervollen intensiven Jahren, in denen wir glaubten, die Krankheit sei überstanden, kehrte 1999 die Krankheit mit Macht zurück. Meine erste Frau starb im Juni 2000 im Alter von 56 Jahren. Wir sind den langen Weg bis zu ihrem Tod gemeinsam gegangen, konnten uns offen auf die verbleibende Zeit und die letzte Wegstrecke vorbereiten. Sie ging durch die große Tür hindurch, die das Ende ihres Leidenswegs bedeutete und ich mußte es zulassen und durfte hierbleiben.

Zurück bleiben viele wunderbare Erinnerungen und erlebte Gemeinsamkeiten, das Gefühl in schwerster Zeit sich abolut aufeinander verlassen zu können und über alles aber auch wirklich alles sprechen und können und nichts offen zu lassen.

Ich habe die Chance bekommen weiterleben zu können und das tue ich intensiv und geniesse dieses Geschenk, denn ich weiß, es ist so im Sinne meiner ersten Frau.

Du hast sicher als liebender Partner die Wegbegleitung übernehmen dürfen ohne wirklich helfen zu können, aber es wird deiner Frau sehr gut getan haben, dich an ihrer Seite zu haben.

Es wird Zeit brauchen, bis du dir selbst zugestehst, dass auch du sehr viel geleistet hast und vor allem deine Seele sich nun entlasten darf und muß.

Trauerarbeit braucht Zeit und ist nicht im ICE-Tempo zu bewältigen. Ich habe etwa zwei Jahre gebraucht, bis die dunklen Wolken weniger wurden. Das Hineinbegeben in "Schlüsselsituationen" hat mir dabei sehr geholfen, so konnte ich jeweils bei mir spüren, was die Trauer nach Monaten, einem Jahr usw. mit mir machte: Nach-Begehen gemeinsamer "mühsamer" Spazierwege während ihrer Krankheit, Besuch der Kliniken und des Reha-Krankenhauses, Besuch des Hospizes zu den Jahrestages ihres Todes usw.

Jeder muß und wird einen Weg finden, sich mit dem Leben NACH dem Tod des geliebten Partners neu anzufreunden. Das geschenkte Leben ist schön, du wirst es wieder schätzen lernen, wenn du es denn zuläßt. Deine Frau würde es sicher so wollen.

Gehe weiter deinen guten eingeschlagenen Weg.

Shalom

GEP 02.01.2006 19:10

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Hallo Shalom,

Ich danke Dir für Deine Zeilen, sind nett und tröstend gemeint, trifft aber nicht meine Zustimmung.

Du schreibst, ich soll die Wege, die wir zusammen gegangen sind, jetzt alleine gehen. Genau das kann ich nicht, ich kann mir auch jetzt noch nicht vorstellen, das ich das jemals machen kann.
Wir sind zusammen sehr viel mit dem Auto unterwegs gewesen, sehr viel nur aus Spaß am spazierenfahren.
Ich bin vor einigen Tagen ein Stück eines dieser Wege gefahren. Es ging einfach nicht, ich musste wieder zurück fahren. Ich fahre zur Zeit nur Auto, wenn es unbedingt sein muss, fahre aber dann solche Strecken, die wir nicht zusammen befahren haben. Wenn es sich dann nicht vermeiden läßt, kommt der Schmerz durch und die Tränen rollen.

Ebenso schreibst Du, das Du hierbleiben durftest.

Ich will garnicht hier bleiben, in dieser Sch... Welt, wo man nur zu funktionieren hat, wo alles um mich herum nur an diese grausame Krankheit meiner Frau erinnert.

Was ist das für ein Geschenk? Da verzichte ich gerne drauf. Ich gehe an dunkle Ecken in unserem Ort extra vorbei, wo ich weiss, da ist immer was los (da werden Passanten ohne Grund verprügelt usw.), weil ich insgeheim hoffe, es kommen ein paar Gestalten aus der Exke und prügeln mich windelweich. Ich würde mich sogar weren, damit die einen Grund haben, noch fester zuzuschlagen. Dann ist es endlich vorbei. Aber nichts passiert, die rühren mich nicht an.

Woher weiß man das, dass meine Frau es will, dass ich hierbleibe? Es kann doch auch sein, dass sie möchte, dass ich zu ihr komme?

Es tut mir leid, ich wollte Dich nicht angreifen, ich bin nur auf alles wütend und zornig, besonders auf mich.

Ich danke Dir trotzdem noch einmal
Gerhard

shalom 02.01.2006 19:37

AW: Meine liebe Frau hat mich verlassen
 
Lieber Gerhard,

ich würde dich am liebsten jetzt mal in den Arm nehmen, denn das was du gerade erlebst, gehört dazu zum aktiven Trauern. Auch ich als christlich Denkender und Handelnder habe nicht verstehen können, warum Gott so und nicht anders entschieden hat. Auch das Klagen gehört zur Trauer.

Wenn Du magst, lese mal im Hinterbliebenenforum in einem alten Thread von Rollo "Ich habe Schuld" beginnend vom 25.09.03 nach. Ab 04.10.03 habe ich dann auch einige Beiträge geliefert. Deine augenblickliche Situation erinnert mich sehr stark an seine Sorgen, Nöte, Ängste.

Du schreibst einfach in der Suchmaske Rollo und findest dann seinen Thread "Ich habe Schuld". Vielleicht hilft dir das Nachlesen dieses Threads ein wenig.

Sei ganz getrost, in diesem Forum kannst Du deine Gefühle so heraus lassen, wie sie sind, jeder der einen geliebten Menschen verloren hat, wird die einzelnen Stadien der Agression, Selbstanklage, des Verzweifelns, der Mutlosigkeit zum Weiterleben kennen.

Lasse Deine Gefühle,Ängste und den Zorn heraus und wenn sie noch so schwarz sind.

Wir hören Dir zu in diesem Forum, sprich einfach mit uns.

Shalom


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