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dapostrophe 21.03.2006 09:40

Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo,

ich hab schon lang nicht mehr im Forum geschrieben,weil mich das ganze die letzte Zeit zu sehr aufgewühlt hat, aber jetzt habe ich ein paar Fragen und hoffe ,daß mir jemand antwortet.
Mein Papa ist an Heilig Abend mir Lungenblutung ins KKH gekommen, also schon im absoluten Zustand.
Nach mehreren OPs hat er sich eigntlich wieder sehr gut erholt (ich habe schon mehrere Beiträge dazu geschrieben,man kann das nachlesen, möchte das ganze nicht noch mal erklären müsse,bin nur am zittern)
Die ersten beiden Chemos hat er super weggesteckt,bis auf ein paar kleinigkeiten ging es ihm richtig gut.
Am Donnerstag den 9. dann der Schock, er ist aufgestanden mit Sehstörungen
und Gleichgewichtsstörung, direkt ins KKH,nach mehreren Untersuchungen dann die katastrophale Diagnose, 3 Metas im Kopf,Klein-Groß-Stammhirn.Mein Vater ist innerhalb einer Woche zusammengefallen,absolut unverständlich,unglaublich,nicht zu ertragen im Herzen...
Er kann nicht mehr alleine gehen,sieht Doppelbilder,zeitweise redet er wirr und unverständlich,ich bin kurz vorm durchdrehen.
Gestern hat er seine erste Bestrahlung bekommen, die 1.von 11 in Folge.Jeden Tag eine.Danach hat er nur geschlafen,ist das normal??Macht Bestrhlung so müde??
Meine Stiefmutter hat 2 Brüder durch Krebs verloren.Sie hat gesagt daß sie kurz vor igrem Tod nur noch geschlafen hätten und ist der Meinung, das wäre kein gutes Zeichen...
Kann mir jemand was dazu sagen??
Ist es nicht furchtbar, wir haben am Freitag die Nachricht bekommen, das die Chemo so gut angeschlagen hatte und der progressive Scheissdreck(entschuldigung)zum Stillstand gekommen ist und jetz das.
In meinem Leben ist alles zum Stillstand gekommen,fahre jeden Tag 200 km hin und her zu meinem Vater,bekomme Panikattacken und meine Beziehung ist auch bald vorbei.
Hab Heute nen Termin zur Psychotherapie, habe Angst den Verstand zu verlieren....

Claudia



HOFFNUG IST GRÖSSER ALS DAS MEER !!!!!!!

Brooklyn 21.03.2006 09:53

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo dapostrophe!
Mein Vater war nach den Bestrahlungen auch immer sehr müde. Konnte ihn also nach den Therapieen nicht anrufen, da er einfach zu müde war zum sprechen oder geschlafen hat. Er meinte das wäre normal. Nur was ich bei der Krankheit schon normal. Kenne das Gefühl bald durchzudrehen! Habe das Gleiche ein halbes Jahr mitgemacht. Auch meine Beziehung droht komplett daran zu zerbrechen. Hast du mal mit seinem behandelden Arzt gesprochen? Wenn nicht, setze dich mal mit ihm zusammen und stell ihm all deine Fragen. So hast du gewissheit was genau los ist. Das habe ich damals auch gemacht.
Ich wünsche dir noch ganz viel Kraft das alles durchzustehen.
lieben Gruß Alexandra

dapostrophe 21.03.2006 22:34

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Alexandra,
danke erstmal für Deine Antwort.
Welchen Krebs hatte denn Dein Vater?Du schreibst, Du hast das ein halbes Jahr mitgemacht,wie ist das denn ausgegangen?Wie geht es Ihm heute?
LG Claudia

eternity_76 21.03.2006 23:02

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Claudia.
Es ist sehr hart was Ihr gerade durchmacht, und ich hoffe das allerbeste für Euch !!!!!!
Ich war nach meiner Bestrahlung auch immer sehr, sehr müde. Es war für mich eine schlimme Zeit, fast schlimmer als nach all den verschiedenen Chemos. Ich konnte nicht begreifen warum ich so kaputt und müde war, und nichts mit meinen Kindern machen konnte. Ich wurde am Torax bestrahlt wegen einem Tumor im Herz und einem in der Lunge.
Die müdigkeit hat noch sehr lange und heftig angehalten.
Ich hoffe das dies wirklich der Grund dafür ist, das Dein Vater so schläfrig ist.
Ich wünsche Euch viel Kraft und alles liebe.
Sanny
(eternity_76)

Brooklyn 22.03.2006 11:47

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo dapostrophe!
Mein Vater hatte Nierenkrebs der leider arg gestreut hatte. Er hatte Metastasen in der Lunge, im Kopf und in den Knochen. Er ist mit Hirnblutungen am 01.07.05 ins KH gekommen und im August kam dann die erschütternde Diagnose. Habe seinen leidensweg kurz im Forum eingetragen, weil ich es los werden musste. Er ist am 31.01.2006 daran verstorben. Behalte aber Hoffnung im Herzen, es muss nicht immer so ausgehen wie bei mir oder wie bei vielen anderen hier. Ich wünsche euch nur das Beste :knuddel:
Lieben Gruß Alexandra

dapostrophe 25.03.2006 13:13

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo,
bekomme im moment nicht die Zeit rein zu lesen oder zurück zu schreiben.Deswegen auch nur ganz kurz.
Also ich habe im Augenblick sehr große Angst, denn Papa baut von Tag zu Tag mehr ab.Er ist rechts fast ganz gelähmt,wenn er nicht an seinen Arm und sein Bein denkt, ist es so,als gehören diese gar nicht zu ihm.Sein Sprechen ist schlimmer geworden,an manchen Tagen verwechselt er alle Worte oder man versteht gar nichts mehr....
Manchmal weis ich nicht, wieviel er überhaupt mitbekommt und frage mich wo er dann in seinen Gedanken ist.....
Ich habe unendliche Angst daß die Bestrahlung nicht anschlägt, denn die chemo hat es ja.
Muß jetzt schluß machen, fahre jetzt, wie jeden Tag zu ihm.Halte es gar nicht aus auch nur einen Tag nicht zu ihm zu fahren.



Lieber Gott, mach daß er es schafft..

LG Claudia




HOFFNUNG IST GRÖSSER ALS DAS MEER

dapostrophe 27.03.2006 09:09

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo,
am Samstag morgen ist Papa aufgestanden,wer weiß, was da in ihm vorging, daß er das versucht hat und ist gestürzt.Die Schwester hat ihn dann auf dem Boden sitzend mit einer Platzwunde am Kopf gefunden.Mußte geklammert werden mit 4 Klammern.Dabei hat man dann noch ein CT gemacht und die Schwester hat mir gesagt, daß die Bestrahlung wohl nicht angeschlagen hat.Heute werden die Ärzte wohl entscheiden, ob sie überhaupt noch weiter bestrahlen...
Alle sagen mir, es ist Zeit Abschied zu nehmen....
Ich kann das nicht, ich kann nicht Abschied nehmen von meinem Vater, wie soll das gehen?
Der Arzt hat mir schon vor 2 Wochen gesagt, daß er kaum Chancen sieht und letzte Woche Mittwoch meinte er, er denke nicht, daß mein Vater an der Kommunion meiner kleinen Schwester noch da wäre.
Das wäre in 4 Wochen.
Wie soll ich das so annehmen können???
Ich habe immer das Gefühl, wir hätten nicht genug für ihn getan,da muß es doch noch mehr Möglichkeiten geben.
Gestern hat er kaum noch was gesprochen, und das wenige was er gesagt hat, war kaum zu verstehen. Er liegt da in seinem Bett und schaut nur in der Gegend rum, als wäre er manchmal gar nicht da.
Ich hab das Gefühl, als hätte er das ganze einfach so angenommen und hat aufgegeben zu kämpfen.
Manschmal spricht er davon, daß wir alle im Sommer zusammen in Urlaub fahren....
Ich halte das kaum aus, ich kann nicht verstehen, daß er bald nicht mehr da sein soll.
Ich habe letzes Jahr im Oktober einen schlimmen Traum gehabt.Mein Freund mußte mich wecken, weil ich so sehr geweint habe, ich hatte geträumt , mein Vater wäre gestorben.
Dieser Traum ist mir vor ein paar Tagen wieder eingefallen und war wie ein Schock für mich.
Ich weis nicht mehr weiter,ich hab solche Angst.

LG Claudia


HOFFNUNG IST GRÖSSER ALS DAS MEER

teufelchen_26 28.03.2006 00:40

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
liebe claudia,

ich kann sehr gut nachempfinden was du durch machst. ich war vor 4 monaten in der gleichen situation... meine mama hat es leider nicht geschafft und ist eingeschlafen... irgendwann ob du willst oder nicht musst du dir leider bewußt werden dass man ihm nicht mehr helfen kann... das ganze tut mir so leid für dich ich musst es auch so erleben. ich weiß wie schmerzhaft das ist, wenn man daneben steht und nix machen kann. leider will man es nicht wahrhaben meistens bis es passiert.

gönn es dir von ihm abschied zu nehmen... mach es ganz langsam... halte seine hand sei für ihn da sag ihm was er dir bedeutet und was du ihm noch sagen willst... egal wie lange er noch hat... verpass die chance nicht sonst wirst du dir ein leben lang vorwürfe machen. sei einfach für ihn da... er braucht dich jetzt mehr denn je.

ich hoffe mein beitrag kommt dir nicht herzlos oder so was vor... ich wollte nur versuchen dir klar zu machen dass das unbegreifliche trotzdem passiert.

ich wünsch dir kraft und jemanden der dich in den arm nimmt und dir seine ganze liebe schenkt
sei gedrückt
das teufelchen

Brooklyn 28.03.2006 08:10

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Claudia!
Auch ich muss mich da dem Teufelchen anschließen. Habe das gleiche vor 8 Wochen mitgemacht und auch mein Vater ist eingeschlafen. Wollte es auch nicht wahr haben, aber man kann es nicht aufhalten. Letzendlich bin ich froh, das er nicht mehr leiden muss. Nutze die Zeit die ihr noch habt und zeige ihm das du da bist. Er wird es spüren, auch wenn du glaubst das er es nicht tut. Es tut mir so leid für euch und weis wie schlecht es dir gehen muss. Es kostet sehr viel Kraft das alles zu überstehen. ICh wünsche dir noch viel mehr Kraft das du das alles schaffst, so wie ich es auch deiner Familie wünsche.
Ich wünschte ich könnt dir besser helfen, weil selbst die aufbauensten Worte einen nicht erreichen in der Zeit. Wir sind alle im Gedanken bei dir und helfen wo wir können. Fühle dich :pftroest:
alles Liebe
alexandra

dapostrophe 28.03.2006 09:58

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Teufelchen, hallo Brooklyn,

ich danke euch, daß ihr mir antwortet.Es tut gut,wenn ich morgens an den PC gehe und sehe daß jemand da ist.Ich könnte den ganzen Tag darüber reden, ich kann mich mit nichts andrem mehr befassen.
Gestern hat sein Arzt uns gesagt, das sie nichts mehr tun. Die Bestrahlung ist abgesagt, einer der 3 Tumore ist fast ums 3fache gewachsen.
Gestern war mein Papa so gut dran, daß man es nicht glauben kann. Er hat in flüssigen Sätzen gesprochen,war nur leicht verwirrt und hat mich gefragt, warum er nicht nach Saarbrücken zur Bestrahlung gebracht wird !!!!
Ich dachte, ich falle um, vor Angst.Ich habe ihm gesagt, daß die Ärzte sich für eine Pause entschieden haben.
Er weis ja bis heute nicht, daß er diese Metas im Kopf hat.Die ganze Familie inkl. der Ärzte haben entschieden daß es besser für Ihn wäre, das nicht zu wissen, vor allem aber weil er nicht danach fragt.Aber manchmal denke ich, daß er es weis.
Er hatte sich letzte Woche seine Schlaftabletten gesammelt. Mein Onkel hat sie gefunden.....
Jetzt siitz ich hier und begreife nichts....
Man kann doch nicht einfach nur da sitzen und darauf warten, daß er stirbt?
Die letzten Tage habe ich ständig Bilder von Beerdigung,Friedhof usw im Kopf.Das macht mich schier wahnsinnig.Ich kann nicht begreifen,kann nicht loslassen, will nicht verstehen oder mir vorstellen, daß er bald nicht mehr da sein soll, ich ihn nicht mehr anrufen kann, ihn sehen und zuhause besuchen kann.
Andrerseits fühle ich mittlerweile nur noch Schmerz, wenn ich bei ihm bin,wenn ich sehe wie er von Tag zu Tag abbaut, in seiner eigenen Welt zu sein scheint, so das ich manchmal denke, er wird nie wieder der sein, der er mal war, und ob es dann nicht doch besser ist, wenn der liebe Gott ihn zu sich nimmt.
Ihr habt beide diesen Schritt schon erlebt, ich habe Angst, wenn ich daran denke, habe Angst, daran zu verzweifeln und nicht loslassen zu können, mit dem Verlust nicht leben zu können.
Mein Vater und ich hatten immer eine schwierige Beziehung zueinander.Ständig hatten wir uns am Kopf, weil ich nicht den Weg gegangen bin, den er sich gewünscht hatte,Ich hab mich immer wie ein kleines Mädchen gefühlt, nicht ernst genommen, nicht als erwachsene Frau angenommen.
Und trotzdem war er immer für mich da.Er hat mir den Kopf gewaschen, aber mich nie hängen lasse.
Mein Vater war der Mensch auf den ich mich immer verlassen konnte.
In den letzten 3 Monaten, die Zeit seiner Krankheit, sind wir uns so nahe gewesen , wie nie zuvor.
Da gab es nicht mehr die Frage, was zu klären ist. Da war nur noch Liebe und Nähe.
Ich gebe zu, das ist mein Trost, zu wissen, daß wir Rein sind, zu wissen wie sehr er mich liebt .
Ich könnt noch tausend Sätze schreiben, in mir geht soviel vor.
Es tut mir leid, wenn ich euch nicht direkt antworte, aber es tut mir gut, wenn ich lesen kann, wie es euch geht, weil ich weis,daß ihr versteht.Weil ihr fühlt wie ich.


Alles liebe für euch und viel Kraft für uns alle
Claudia


HOFFNUNG IST GRÖSSER ALS DAS MEER

ps: Teufelchen: keine Sorge, ich empfinde es nicht als herzlos,ich weis was Du meinst.
Brooklyn: Du hast schon recht, es gibt keine wirklich tröstenden Worte in der Situation, und trotzdem empfinde ich es als Trost.

teufelchen_26 28.03.2006 11:44

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
liebe claudia,

es ist ein schöner gedanke dass du "rein" bist mit deinen vater. das ist einer der wichtigsten sachen bevor ein mensch stirbt.

es tut mir alles so leid für dich.. ich habe in dem anderen tread gelesen, das du auch probleme in deiner beziehung hast. hmm irgendwie gleichen sich die schicksale immer wieder. ich habe auch probleme mit meinem freund. letztes wochenende habe ich mich von ihm getrennt und mich dann wieder mit ihm versöhnt. wir versuchen es nochmal. die krankheit und der tod meiner mum haben unsere beziehung kaputt gemacht. ich war nicht mehr für ihn da konnte nur noch an das eine denken.

wir waren beide in einer schweren situation. er hat probleme sein studium zu schaffen und ich war nur mit mich selbst und der krankheit meiner mutter beschäfftigt. ich habe meine letzt kraft verbraucht gehabt und keine mehr für ihn übrig gelassen. er hätte auch meine unterstützung gebraucht. er hat versucht für mich da zu sein und hat mir sehr geholfen in der zeit... und trotzdem hätte ich mehr gebraucht. wie eine pflanze die nicht genug wasser bekommt.

bei mir ist es so dass meine ganze familie meinen freund nicht akzeptiert und nicht mag. niemand sieht ihn so wie ich ihn sehe. ich liebe ihn weil er ist was er ist. meine familie kann den menschen in ihm nicht erkennen und sieht nur die oberfläche. das ist schade denn mein freund hat viel zu geben. nun ja ich habe nun beide seiten von der anweseheit bei feiern befreit, damit man sich nicht aus höfflichkeit quälen muss. ich bin ja auch dort letztlich die leidtragende.

so viel zum thema männer...

ansonsten wird es erstmal eine erleichterung sein wenn es soweit ist, weil du ihn nicht mehr leiden sehen musst. dieser schmerz ist dann erstmal weg. als ich meine mama so tot in ihrem bett gesehen habe sah sie so friedlich aus als hätte sie ihre ruhe gefunden. das war mir eine beruhigung. leider tut das vermissen ziemlich weh. versuche einfach so viel zeit wie möglich mit ihm zu verbringen. die zeit kann dir niemand nehmen.

ich wünsche dir das du es schaffst die zeit zu nutzen die dir geblieben ist.

ganz liebe grüße und eine fette umarmung
das teufelchen

dapostrophe 29.03.2006 09:06

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Teufelchen,

vielen Dank für die lieben Worte.
Ja, wie Du sagst,es scheint fast überall in so einer Situation Chaos in alle Bereiche zu stürzen.
Freunde ziehen sich zurück, weil sie nicht wissen wie man damit umgeht, weil ihnen das ewige "gejammer" zuviel wird. Weil es nur noch ein Thema gibt, und weil dieses Thema zum Lebensinhalt wird.
Die letzten Nächte träume ich immer von meinem Vater, vor der schlimmen Zeit.Dann sehe ich ihn vor mir als er noch gesund war und alles gut.
Dann werde ich wach und stehe der Realität gegenüber und es trifft mich immer wieder wie ein Faustschlag ins Gesicht.
Ich bemühe mich immer wieder ,möglichst normal zu meinem Freund zu sein, alltäglich oder manchmal auch fröhlich, aber so sehr ich mich auch anstrenge, die Gedanken bleiben immer die gleichen und letzten Endes rede ich doch immer wieder von Papa.
Und dann denke ich mir, das ist doch auch mein gutes Recht, ich kann doch nicht so tun als wäre nichts.
Manchmal denke ich auch, wenn schon der wichtigste Mensch in meinem Leben mich verlässt, warum dann nicht auch mein Freund?? das macht doch dann auch nichts mehr aus!?
Aber ich weis, das ist eigentlich blödsinn.
Ja, Teufelchen, ich denke ich bin "Rein"mit meinem Papa.
Gestern hatte ich sogar den Eindruck, daß er mir den Kopf gewaschen hat, wieder einmal, wie so oft in seinem Leben.
Es ist manchmal schwer, ihn zu verstehen, da er ja die Worte so durch einander bringt.
Ich denke er wollte mir sagen ich solle Verantwortung für mich übernehmen lernen, und mein Leben leben.
Ich hab ihm versprochen, daß er sich keine Sorgen um mich machen muß, und das ich lerne mein Leben in den Griff zu bekommen und Verantwortung übernehme und auf meinen Füßen zu Stehen lerne.
Ich weis, daß das ganz wichtig für ihn ist, weil er sich immer sehr große Sorgen um mich gemacht hat.Ich hoffe, ich konnte ihm damit etwas Beruhigendes geben.

Es ist grausam mit an zu sehen, daß die Ärzte nichts mehr tun.
Er bekommt ja keine Bestrahlungen mehr und seit Freitag erholt Papa sich irgendwie zusehends. Die Sprache funktioniert wieder besser, das mit dem Gehen, allerdings nur mit Hilfe von uns,klappt auch wieder etwas besser...Gestern war ich den ganzen Nachmittag mit Ihm allein, und wir hatten sogar Spaß, haben miteinander gelacht, geschmust und geredet....
Und das alles mit dem Scheiß Hintergedanken, daß ich weis, sie machen nichts mehr, und wer weis, wie lang er noch da ist.
Ich fühle mich dabei wie ein Verräter.
Ich wüßte einfach gern, wieviel er davon überhaupt noch registriert.
Er kann klare ja oder nein Antworten geben, aber mit mehr als 2 Fragen ist er überfordert.Da kommt dann meistens nichts.
Er klagt nicht mehr über seine Augen, über seine Krankheit an sich, er sagt auch nicht mehr, wenn ich dann wieder gesund und zuhause bin.
Ich denke, er hat das ohne zu wollen, einfach angenommen.
Gestern hat er ein klein wenig Husten gehabt und etwas schlechter Luft bekommen.Nicht viel, aber man hats bemerkt.
Ich bin froh, daß er wenigstens keine Schmerzen hat.Die letzten 2 Tage wirkt er einfach so zufrieden.
So, ich muß...habe heute einen Termin beim Frauenarzt, zur Krebsvorsorge.Hatte vor 1 Jahr eine Konisation, und letzen Okt. waren meine Werte wieder schlecht.Dann wieder gut,jetzt hoffentlich auch gut.Bin ziemlich nervös deswegen.
Bis bald und danke fürs da sein

Dicken :remybussi und auch dir ganz viel Kraft
LG Claudia

teufelchen_26 29.03.2006 15:00

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
liebe claudia,

ich drücke dir alle daumen für deine nachuntersuchung. das fehlte ja noch dass du einen rückfall bekommst.

das ist schön dass du die letzten tage so schön mit deinen paps erleben darfst. ich denke mal er weiß was los ist. er kann sich das ja denken. deshalb redet er auch nicht von der zeit wann er zu hause ist. mei das leben kann manchmal doch ganz schön scheisse sein und haut einen immer wieder um. aber so ist das leider und man kann nur versuchen so gut wie möglich damit klar zu kommen.

ich fahr am freitag mit meinen schatz in die berge. wir wollen uns nur zeit für uns nehmen und reden. ich freu mich drauf und hoffe dass wir es schaffen...

ich wünsche dir wieterhin so schöne tage.
lebe mit offenen herzen
das teufelchen

iris1506 29.03.2006 18:30

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
hallo claudia

ich habe gerade deine einträge gelesen, und fühle mich 2 wochen zurückversetzt.

ich schicke dir jetzt ganz viele kraftpakete.
meinem papa ging es so wie deinem jetzt.
hirnmetas, in der linken hälfte, sehr ausgeprägt. wegen schlechtem allgemeinzustand keine strahlen mehr.

leider kann ich dir nichts positives berichten. wir haben ihn nach hause geholt. durch das cortison ging es ihm 2 wochen richtig gut, dann ging es schnell und rapide bergab.
am letzten wochenende fing er an viel und ganz tief zu schlafen, hat kaum was gegessen und getrunken.
heute vor einer woche ist er um 14.30uhr für immer eingeschlafen.

wir haben es überstanden und ich kann nur raten, bleibt möglichst immer bei ihm, erfüllt ihm jeden wunsch auch wenn er noch so komisch erscheint.
mein papa wollte 5 tage vor seinem tod einen neuen küchenboden, und 3 tage vor seinem tod sonnenblumenposter um sein bett. all das haben wir ihm postum gemacht.

fühle dich nicht als verräter. wir haben auch noch viel gescherzt und gelacht mit ihm, die erinnerungen bleiben dir.
er registriert noch alles, nur alles wird langsamer, die sprache zum beispiel.
papa sprach zum schluß nur noch ganz leise oder bewegte nur den kopf.
er bekam auch am wochenende diesen leichten husten.

am tag vor seinem tod hatte papa große angst. er wollte nicht mehr schlafen, hielt sich krampfhaft fest und wollte auch nicht den fernseher aushaben.

es gibt plättchen, die lösen sich im mund auf. TAVOR 2,5mg!!!!!
die bekam ich vom krankenhaus mit. versuche diese zu besorgen.

damit wird die angst genommen, das krampfhafte festhalten hat aufgehört. papa konnte dann nochmal ruhig schlafen.

es wird schwer sein für dich, das alles zu lesen.
aber so habe ich auch alles erfahren und wußte in bestimmten momenten was zu tun war.

morgens war papa im koma, ich bin fest davon überzeugt, das er unsere stimmen noch gehört hat, anfangs spürten wir noch gegendruck von seiner hand.

wenn dein papa bereit ist, für den letzten weg, halte ihm die hand, streichle ihn ganz sanft. versuche alle lauten geräusche fernzuhalten, kein großes hin und her im zimmer.
nicht versuchen ihn zurückzuhalten, ihn auch nicht mehr viel ansprechen.
denn all das macht es ihm schwerer.

du kannst auch in der zeit des abschiedes schon kerzen anzünden. ich habe aus teelichtern ein ganz großes herz gemacht und habe sie brennen lassen, bis er abends abgeholt wurde.

er sah auch abends ganz friedlich aus, mit einem lächeln im gesicht. so schön, als wenn er nie krank gewesen wäre.

all das hilft mir über die schweren tage, da ich meinen papa über alles geliebt habe.


sei stark und nimm mein großes kraftpapet.

in gedanken bin ich bei dir

iris :remybussi


als gott sah,
das der weg zu weit,
der hügel zu hoch
und das atmen zu schwer wurde,
legte er seinem arm um dich
und sprach:" komm heim"

dapostrophe 31.03.2006 09:26

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Iris,
ich habe gerade Deinen Beitrag gelesen und bin erstmal in Tränen ausgebrochen.
Ich glaube nicht, daß ich erklären muß wie tief mein Schmerz sitzt, Du und die andren hier im Forum wisst,wie weh das tut.
Mein Papa bleibt im Krankenhaus.Seine Frau nimmt ihn nicht nachhause, ich denke es ist ihr zuviel.
Ehrlich gesagt, bin ich darüber ganz froh, denn unser Verhältnis ist nicht immer das beste und manchmal habe ich das Gefühl, daß sie mich evtl. nicht mal rechtzeitig benachrichtigen würde.So kann ich weiterhin jeden Tag zu ihm fahren ohne mich mit Ihr auseinander setzen zu müssen.
In den letzten 3 Tagen hat Papa sich wieder sehr verändert.Er wird immer garstiger, besonders zu seiner Frau.Sie Ist zur Zeit ziemlich erkältet und hat sich am Dienstag mittag etwas hingelegt zum Schlafen und prombt verschlafen und kam dann erst abends gegen 7.Den ganzen Mittag hat Papa sich darüber aufgeregt und über sie geschimpft, und als sie dann abends kam,muß er sie nur beschimpft haben.
Ich glaube fast, er verzeiht ihr das nicht, irgendwie scheint das seinen Rythmus gestört zu haben,und seit dem ist er zwichendurch wahnsinnig aufgebracht ihr gegenüber.Er schreit sie an, schüttelt ihre Arme, wehrt sie ab, wenn sie ihn beruhigen will usw.
Bei mir ist er Gott sei Dank nicht so, er hält immer meine Hand ganz fest,fragt immer, ob ich bei ihm bleibe und lässt sich von mir beruhigen.
Gestern, als wir zu ihm kamen, stand seine Zimmertüre auf.Die Schwester sagte, er habe furchtbare Angst.
Seit 2 Tagen spricht mein Vater fast nur noch Italienisch mit mir, was eher ungewöhnlich ist, weil wir beide immer Deutsch miteinander geredet haben.
Er meinte dann gestern, da wäre jemand, der ihn umbringen wollte,war furchtbar aufgeregt, und ich mußte ihn beruhigen und erklären, da sei niemand.
Ich hab den Eindruck seine Frau ist Eifersüchtig auf mich.Ich finde das traurig,ich denke es gibt zur Zeit wichtigeres als diese Machtkämpfe, die sie mit mir austragen will.Sie schiebt mich in meiner Familie so ins Abseits, es wird alles getuschelt mit meinem Onkel und ich soll möglichst wenig dort mit einbezogen werden.Z.Bsp.Arztgespräche, ich werde da aussen vor gelassen und muß dann selbst nochmal zum Arzt gehen.Also, ich begreife das nicht.

Da mein Papa sich weigert, irgendwelche Tabletten oder Säftchen zu schlucken, hat man ihm gestern abend eine Infusion angehangen,zur Beruhigung.Das hat er nur mit größter Angst und Überredungskunst über sich ergehen lassen.Er dachte, es wäre eine Narkose, hat das nicht begriffen.
Kaum lief die Infusion, war er ganz ruhig.
Ich fand das irgendwie erschreckend,diese ganze Aufregung um ihn herum, dieser ganze Stress.

Ja, es ist wunderschön wenn ich bei Ihm bin.Ich fühle mich dort geborgen und es stellt sich für mich nicht die Frage, an einem Tag nicht zu ihm zu fahren.
Trotz allem lachen wir auch viel miteinander und manchmal macht er solche Scherze, das es einem die Sprache verschlägt.
Vorgestern haben wir ganz viele Fotos miteinander gemacht.
Im Moment habe ich das Gefühl, es würde alles so wie es jetzt ist, für immer so bleiben.
Mit der Realität kann ich mich nur bedingt auseinander setzen...


Liebes Teufelchen,ich wünsche Dir viel Spaß mit deinem Schatz,und erholt euch gut.Mit mir und meinem Freund, das läuft zur Zeit nicht so gut, ich kann einfach nicht anders.Bin völlig zu und kann Nähe und Umarmungen von andren nicht ertragen.

Ganz viel Kraft für uns alle
LG Claudia


HOFFNUNG IST GRÖSSER ALS DAS MEER

iris1506 31.03.2006 23:57

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
hallo claudia

das ist wirklich eine schwere zeit. schade das die frau deines papas sich so verhält
laß dich davon nicht abhalten, jede minute mit deinem papa zu genießen.
es ist schon mal gut, das ihm die angst mit der infusion genommen wird.

ich habe die realität jetzt noch nicht begriffen. heute war urnenbeisetzung, nochmal mit dem pfarrer.

ich glaube das kommt erst, wenn mal alles an formsachen erledigt ist.
wir müssen nächste woche mit dem umbau für meine mutter anfangen.
unter der sparte "hirntumor" der thread " hirnmetastasen, wer hat erfahrung" habe ich die ganze geschichte aufgeschrieben.
denn meine mutter ist an alzheimer erkrankt.
zur zeit ist sie in kurzzeitpflege, weil ich das sonst alles nicht schaffe.

ich selbst habe mir jetzt erst mal eine kur beantragt, habe 6 kilo in den letzten wochen abgenommen, um mal wieder zu mir zu kommen.

ich hoffe so, das ich dann anfangen kann zu trauern, bin momentan noch versteinert und funktioniere.
mir geht es wie dir, mein mann hat es ziemlich schwer, ich kann die letzten monate schon keine richtige nähe mehr zulassen.

ich wünsche dir ganz viel stärke und kraft.
wie alt ist dein papa? meiner war erst 68.

lass dich ganz fest umarmen

in gedanken bin ich bei dir

liebe grüße

iris :remybussi

dapostrophe 04.04.2006 16:22

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo an alle,

konnte die letzten Tage nicht schreiben, da ich kaum an den Rechner komme.
Die letzten 3 Tage mit Papa hier waren ganz schön erschreckend.
Am Samstag gings ja noch, er hat den kompletten Tag verschlafen.
Aber als er Sonntag wach wurde und ich auf Station angerufen hatte hieß es,er spricht nicht mehr, er schaut nur ins Leere,hat sich eingestuhlt, hat seine Palladon nicht genommen und dadurch Schmerzen gehabt.Also haben sie ihm eine Morphium Spritze gegeben.
Als ich dann hier ankam, waren wir alle wie unter Schock, es war im Grunde genommen eine Stimmung wie Abschied.Alle haben geweint....entsätzlich.
Gegen abend ging es dann wieder etwas besser, er hatte einen wacherern Ausdruck in seinen Augen, man könnte fast sagen er sah so zufrieden aus.
Gestern hat er wieder den ganzen Tag geschlafen,um halb 6 ist er wach geworden und, obwohl man ihn kaum verstehen konnte, hatte ich den Eindruck dass er alles verstanden hat.
Er hat auf jede Frage reagiert,je länger er wach war, desto besser konnte man ihn verstehen,der Blick ging nicht mehr so ins leere, sondern er schaut jeden an.
Heute dann die Krönung !!!
Er ist die Nacht wach gewesen, hatt 3 Joghurt verdrückt und nen Apfel,nen halben liter Sprudel getrunken.
Heute morgen hat er im Rollstuhl zwar, am Tisch gesessen und kräftig gefrühstückt, wollte dann über den Gang spazieren gehen,im Rollstuhl, war sein zimmer so satt!!

Man hat heut morgen ein CT GEMACHT,auf dessen Ergebnis wir jetzt warten.
Gibt es sowas ???
Gestern und vorgestern so katastrophal und heute so gut???!!!
Heut mittag kam noch die Physiotherapeutin, da hat er richtig mit gemacht.
Jetzt schläft er, war aber von halb 8 an auch wach.

Ich weis, man darf sich da jetzt nicht so reinstürzen, aber wer weis,vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder??

Abwarten, einfach mal nur abwarten, denke ich im Moment.


LG Claudia

HOFFNUNG IST GRÖSSER ALS DAS MEER

dapostrophe 05.04.2006 18:42

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo,

Ergebnis vom CT : Das Blut um die Tumore herum ist zum stillstand gekommen,der Körper hat das ganze Blut resorbiert und die Tumore sind ebenfalls zum stillstand gekommen !!!!
Heute wird über eine sehr wahrscheinliche Weiterbehandlung entschieden!!!
Das klingt doch wie ein kleines Wunder,oder??!!
Am Sonntag haben wir uns quasi gedanklich schon von ihm verabschiedet und die Ärzte sagten uns noch etwa 8 Tage !!!
Und jetzt besteht doch noch eine Chance.
Ich sags doch :

HOFFNUNG IST GRÖSSER ALS DAS MEER !

LG und Millionen viel Kraft euch allen

Claudia :engel: :engel: :engel: :engel: :engel: :engel: :engel: :engel: :engel: :engel:

dapostrophe 05.04.2006 18:46

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Iris,

mein Papa ist 58 Jahre.
Viel zu jung,genauso wie 68 einfach noch zu jung ist.
Ich hoffe es geht Dir einigemaßen zur Zeit.
Melde mich bald wieder, wenn ich wieder zuhause bin, hab ich auch wieder mehr Zeit zum schreiben.

LG und auch Dir 1000 :engel: :engel: :engel: :engel: :engel: :engel:
Claudia

rezzan 05.04.2006 19:23

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Liebe Claudia,

ich drücke dir und deinem Dad alle Daumen. Du weißt ja, mache gerade ähnliches mit meinem Dad durch und wollte dir einfach nur nochmal einen kleinen Gruß und ein dickes Kraftpaket schicken :engel: :remybussi
Liebe Grüße, Rezzan

Brooklyn 06.04.2006 10:01

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Claudia!! :winke:
Ich drücke euch gaaaannnnzzzzz doll die Daumen! Es klingt auf jedenfall sehr gut. Ja man sollte die Hoffnung nie aufgeben und sich nicht selbst verrückt machen. Kleine Rückschläge kann es immer mal geben. *leider Habe mich riesig für dich gefreut wo ich das gelesen habe. Bin im Gedanken bei dir und sende dir ein megagroßeskraftpacket für die Nerven ;-) :knuddel:
Halte mich bitte auf dem laufenden mit deinem Dad. Sowas gibt neuen Mut und Kraft weiter zu kämpfen gegen diese sch... Krankheit.

Hoffe wir lesen uns bald...
alles erdenklich liebe
Alexandra

dapostrophe 25.04.2006 14:44

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo an alle Lieben,

nicht viel Kraft zum schreiben, nur wenige Worte

Mein Papa ist am 21.April um 2.12uhr eingeschlafen.

Ich habe bis zum letzten Atemzug seine Hand gehalten und mich mit all meiner Liebe von ihm verabsachiedet.


Loslassen ist eins der Schwersten...


LG und bis bald
Claudia

teufelchen_26 25.04.2006 15:23

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
hallo claudia...

das tut mir so leid für dich... ich hatte gehofft dass das echt ein kleines wunder gewesen ist... ich hatte mich schon für dich gefreut

fühl dich gedrückt... und wünsch dir viel kraft

liebe grüße
das teufelchen

rezzan 25.04.2006 16:09

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Liebe Claudia,
das ist so furchtbar, ich könnte nur noch heulen, wenn ich das lese.
ich möchte dir auch sagen, wie leid es mir tut, dass dein dad nun doch gehen musste. ich wünsche dir viel kraft damit du diese nächste schreckliche zeit auch noch überstehst. bitte verzweifel nicht, du hast schon soo viel ausgehalten und durchgestanden - diesen letzten weg wirst du auch noch schaffen. denk immer daran, dass dein papa es jetzt geschafft hat und nicht mehr leidet. und immer immer immer bei dir sein wird. er ist sicher sehr stolz auf dich. du warst die ganze zeit so stark und mutig und das wichtigste - du warst für ihn da! diese liebe spürt er sicher immer noch :engel:

ich denke an dich und wünsche dir alle kraft der welt,
rezzan

iris1506 25.04.2006 22:31

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
liebe claudia

auch von mir mein tiefempfundenes mitgefühl.
laß dich umarmen, jetzt geht es dir wie mir.
dein papa ist, wie mein papa auch, vier wochen nach diagnose hirnmetas eingeschlafen.
ich hoffe, er ist ruhig eingeschlafen und mußte sich nicht quälen.

auch wenn es kein trost ist, unsere papas sind erlöst, in einer besseren welt ohne krankheiten.

wenn du reden möchtest, kannst du auch gerne eine private nachricht schicken.

ich fühle mit dir

traurige grüße

iris :pftroest:

Brooklyn 26.04.2006 10:16

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Claudia!
Habe gerade eben erst gelesen was passiert ist. :pftroest:
Mein Beileid für dich und deine Familie! Ich weis wie es dir jetzt geht und frage deshalb sowas garnicht erst. Werde dir nur ganz viel Kraft für die nächste Zeit schicken und an dich denken. Du weist ja, kannst dich jeder zeit gerne melden!
Ich habe echt so gehofft das es bei dir einen soviel besseren Verlauf nimmt als bei mir und so vielen anderen hier. Er hätte es verdient...
Doch glaube mir, er ist jetzt als :engel: immer bei dir und wird auf dich aufpassen. Wir können Sie zwar nicht sehen, aber wir spüren das Sie da sind. Sie verlassen uns nie ganz, lediglich ihre Hülle. Fühle dich umarmt und halte den Kopf oben.
Alles alles Liebe dir und deiner Familie :knuddel:
Alexandra

dapostrophe 17.05.2006 12:25

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo ihr lieben,

ich war lang nicht mehr hier und habe eigentlich auch im moment noch nicht so recht die kraft zu schreiben, aber ich wollte mich jetzt auf jeden Fall für all Eure lieben und tröstenden Worte bedanken,

Zur Zeit ist es bei mir noch so,daß ich das ganze erlebte glaub ich nicht wirklich an mich ranlasse und ich das Gefühl habe unter Glas zu sein.
Ich weine, aber irgendwie doch nicht, ich beschäftige und treffe mich mit Freunden,lebe mein Leben und Verdränge,gehe in Therapie und verstehe gar nichts.
Irgendwie warte ich die ganze Zeit darauf daß ich doch irgendwie mal zusammen brechen und schreien muß, diesen Schmerz endlich spüre,über das, was passiert ist.
Aber nichts von all dem passiert.
Ich habe Stacheln ausgefahren und bin biestig,war tagelang wütend auf Gott und die Welt und habe das Gefühl völlig abgestumpft und gleichzeitig absolut verlätzlich zu sein.
Fühl mich allein gelassen und bin trotzdem wie aufgeputscht.
Kurzum, eigentlich erkenne ich mich nicht mehr wieder.
Ich hab das Gefühl, von jetzt auf sofort mein Leben zu regeln und in die Hand zu nehmen,weil ich bisher so in mein Leben hineingelebt habe und erschreckend festgestellt habe, daß ich unzufriedener bin als ich es mir je eingstehen wollte.
Ich bin jetzt 35 Jahre ,habe keinen richtigen Job,keine vernünftige Ausbildung, niemals eine wirklich gut funktionierende Beziehung gehabt,bin alleierziehend und war finanziell immer von meinem Papa abhängig und habe mir in den letzten Wochen immer wieder gedacht, wenn ich auf dem Sterbebett gelegen hätte, könnte ich nicht ruhigen Gewissens sagen, Claudia, du hast dein Leben gelebt.
Nein, ich glaube ich würde bedauern, weil ich nicht allzu viel aus meinem Leben gemacht habe.
Ganz schön traurig.
Komische Art zu trauern, ich hab mir das irgendwie anders vorgestellt.
Ich habe auch Fotos von Papa an meinem Kühlschrank an denen ich täglich vorbei gehe und ich sehe mir diese Bilder immer wieder an und merke, das sich in mir drin irgendwie nichts regt.Verstehe ich nicht.
Meine Mama war am Wochenende bei mir, ich mußte die Fotos weg machen, weil sie jedesmal zu weinen anfing, obwohl meine Eltern seit 10 Jahren getrennt waren.(mama hat allerdings nie aufgehört, meinen Papa zu lieben)
Und wenn Sie dann anfing zu weinen und mich irgendwie in den Arm nehmen wollte, hab ich komplett zu gemacht, konnte das überhaupt nicht ertragen,wenn sie anfing damit.
Ja, irgendwie fühl ich mich wie ein Kühlschrank....


Bis bald ihr lieben,freu mich, wenn mir jemand zurück schreibt

LG Claudia

rezzan 17.05.2006 14:45

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Liebe Claudia,
wie gut ich dir nachfühlen kann. Ich habe nach dem Tod meiner Mutter genau dieselben Gefühle gehabt. Völlig abgestumpft und trotzdem verzweifelt. Mal wollte ich sofort alles anders machen, umziehen, abnehmen, neuen Partner suchen, meinen Job wechseln, in Urlaub fahren. Ich war grundlos euphorisch glücklich und im selben Moment genauso grundlos leer und habe den Glauben an alles verloren. Habe beschlossen NIEMALS kinder zu kriegen, keinen Menschen mehr an mich ranzulassen damit ich nie wieder so etwas erleben muss usw. usf. In einem dieser "Stimmungsanfälle" habe ich sämtliche Möbel in meiner Wohnung auseinandergenommen und zerlegt - alles musste raus! Alles musste neu sein! Zum Schluss bin ich wie eine Verrückte auf den zertrümmerten Schrankbrettern herumgesprungen und hab geheult. Das allerschlimmste aber waren meine Träume, in denen ich geträumt habe, dass meine Mutter wieder da ist und alles wieder genauso ist wie vorher - und ich erleichtert aufgewacht bin, dass sie doch tot ist! Obwohl ich weiß, dass auch das normal ist, kann ich mir selbst gerade diese Phase immer noch nicht verzeihen.

Wenn du magst, gib einfach mal auf Google den Suchbegriff "Trauerbewältigung" oder "Trauerphasen" ein und du wirst sehen, dass das leider Gefühle und Phasen sind, durch die man durch muss. Aber man überlebt es und es dauert lange, aber man fängt sich wieder. Und Claudia, noch eine Bitte: Wenn es ganz schlimm wird, rede bitte mit deinem Hausarzt. Wenn das ganze über das "normale" Maß einer Trauerbewältigung hinausgeht kann es zu einer schlimmen Depression ausarten aus der du nicht alleine rauskommen kannst (so war es bei mir, hatte zum Glück damals eine tolle Hausärztin).

Ansonsten kannst du jederzeit hier schreiben. Du wirst hier immer Menschen finden, bei denen du alles rauslassen kannst.

Fühl dich gedrückt, Rezzan

dapostrophe 18.05.2006 09:37

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Liebe Rezzan,

ja so ähnlich gehts mir auch.Ich hab zwar nicht meine Möbel zertrümmert, aber ich habe angefangen zu streichen, Möbel, Wohnung, meinen Garten in Angriff genommen usw.Also ständig Programm.
Jetzt gibt es Dinge, die ich alleine nicht machen kann,weil zu schwer und ich weis nicht mehr womit ich mich beschäftigen soll und allmählich verfalle ich in Einsamkeit.
Meine Beziehung ist genauso zerfallen,ich hab aber auch keine Kraft mehr, mich damit auseinander zu setzen, weil auch da so viel passiert ist und ich das Gefühl habe, er versteht mich absolut nicht.
Ich wünschte zwar daß zwichen uns alles ok wäre, aber das ist alles so darart
zerredet und was weis ich,ich hab halt das Gefühl, alles liegt an mir alleine das zu kitten.Das kann ich eben nicht.Ich brauch einfach jemanden, der für mich da ist.Ich habe immer das Gefühl ich muß alles verstehen, alles alleine können,und jetzt, wo diese Monate der Krankheit vorbei sind und Papa tot ist, scheint jeder zu denken, ach ist doch alles vorbei, jetzt musst du aber nach vorne schauen.
Ich bin Wochenlang täglich bei Papa gewesen, hatte wochenlang körperlichen und psyschichen Stress und auf einmal war das alles vorbei.Auf einmal hatte ich keine Aufgabe mehr und jetzt weis ich nicht mehr, was ich mit mir anfangen soll.
Ich wünschte so sehr, ich hätte endlich wieder einen Job, hab mich beworben und warte jetzt auf Antwort, ich hoffe so das es klappt, denn ich brauche dringend eine Aufgabe.Ich habe das Gefühl in Einsamkeit zu versinken.Ich fühle mich nutzlos,leer und von niemanden ausser meiner Tochter wirklich gebraucht und ich sehne mich danach, daß mal jemand auf mich zu käm.Ich wünschte einfach ich wäre nicht so allein.
Ich gehe schon seit 2 Monaten in Therapie, es ist wohl noch ein langer Weg, bis ich mal wieder richtig klar komme.Und so wie es aussieht, muß ich den wohl komplett alleine gehen.
Ich schaue gleich mal rein, bei Trauerbewältigung, vielleicht finde ich ja ein paar hilfreiche Tipps.

bis bald LG Claudia

rezzan 18.05.2006 11:07

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Mensch, verdammt das tut mir so leid!! All die ganze schreckliche Zeit und jetzt musst du wieder durch eine so harte Phase. Aber wirklich, wirklich: Das ist nur eine Phase, die wird auch vorbei gehen. Und einsam bist du ganz sicher auch nicht. Es fühlt sich nur einfach so an, weil auf einmal dein Lebensinhalt der letzten Monate weggefallen ist.

Hast du mit deiner Therapeutin schon mal über Anti-Depressiva gesprochen? Meine Ärztin hatte mir damals gesagt, dass die Sache mit der Seele ein ganz gefährliche Sache wäre. Wenn man erst einmal abwartet, bis man ganz tief ins Tal gesunken ist, wird der Aufstieg immer schwerer. Und manchmal braucht man eben auch Hilfe in Form von Medikamenten (ich habe übrigens Fluctin, besser bekannt als Prozac, bekommen. Das hat mir aus dem schlimmsten Tief geholfen).


Liebe Grüße und viel Kraft (auch für deine Tochter):pftroest:
Rezzan

dapostrophe 19.05.2006 10:28

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Rezzan,

nein, Anti Depressiva oder ähnliches möchte ich nicht nehmen.Ich bin, was Tabletten betrifft sowieso verdammt ängstlich, trau mich ja kaum 2 Aspirin an einem Tag zu nehmen, und hab einmal vor Jahren so ein Anti Depressivum geschluckt, danach dachte ich, ich werd bekloppt.Irgendwie reagiere ich auf solche Sachen ziemlich heftig, habe einmal vor ein paar Wochen eine halbe Tafil bekommen, weil ich einen absoluten Nervenzusammenbruch wegen Papa hatte.Ich war 13 std wie ausgeknockt,das hat mir echt gelangt.
Was ich wahrscheinlich viel eher brauch wäre eine sinnvolle Beschäftigung, die mich ausfüllt. Von daher hoffe ich sehr, daß ich eine Zusage für den Job bekomme.

Morgens ist bei mir immer am schlimmsten.Wenn meine Tochter um 7 aus dem Haus ist und ich da sitze und nicht weis was ich mit dem Tag anfangen soll.
Ich war sowieso noch nie der Typ, der großartig alleine etwas unternimmt,jetzt fällts mir um so schwerer. Dabei bemühe ich mich wirklich,irgendwelche Planungen zu machen, damit ich immer was zu tun habe.Aber an manchen Tagen funktioniert das eben nicht, und dann verzweifel ich.
Morgens ist eigentlich auch immer der Zeitpunkt, an dem ich weinen muß.Ich merke, wie das in mir hochkriecht, ich sehe Papa vor Augen und mir wird bewusst,das er nicht mehr da ist und dann spüre ich diesen Schmerz, der mir fast die Luft zum Atmen nimmt.Und weil ich das so schlecht ertrage, verdränge ich sofort wieder den Gedanken daran,ich will dann nicht daran denken und mir in Erinnerung rufen, was passiert ist.Ich mache mich völlig zu,damit ich nicht weinen muß.Ich blende das regelrecht aus,wahrscheinlich damit ich nicht spüren muß, wie sehr er mir fehlt.
Was auch komisch ist, wenn ich abends im Bett liege,lasse ich den Fernseher laufen, damit ich nicht an Papa denken muss, weil ich Angst habe vor der "Begegnung", aber wenn ich dann morgens wach werde bin ich sauer und wütend darüber, daß ich nicht von ihm träume, weil ich mir diese "Begegnung" eigentlich wünschen würde.Ihm im Traum vielleicht nahe zu sein. ihn zu sehen, vielleicht zu träumen daß er mit mir spricht.....
Sobald ich Papa vor meinem geistigen Auge sehe, verdränge ich den Gedanken.Ich halte das nicht aus,weder an ihn zu denken, als er noch gesund war,weder an die KKH-Zeit, noch an die Beerdigung und der ganze andre Kram der war.
Da ich seit fast 8 Jahren auch nicht mehr in der gleichen Stadt wohne, wie Papa,und ich ihn somit auch nicht regelmäßig gesehen habe, also z.Bsp., wenn ich durch Trier gehe habe ich natürlich nicht den Gedanken, er könne jeden Moment um die Ecke kommen,denn er war ja nie hier, er ist mir ja im Alltag nicht ständig begegnet.Ich bin relativ regelmäßig zu ihm gefahren, meisten zu ihm in die Firma, dann haben wir, vielmehr er hat dann für uns gekocht, wir haben unsern Vino getrunken na ja, den Tag miteinander verbracht und abends bin ich dann wieder heim gefahren.
Somit habe ich also manschmal immer noch das Gefühl ihn gleich anzurufen, denke dann er ist in der Firma (scheisse, jetzt muß ich weinen),wir quatschen ein paar belanglose Sachen und verabreden uns für die nächsten Tage.Es ist mir so fern, weil er eben nicht grad um die Ecke gewohnt hat und diese Entfernung einfach normal war.
Letzte Woche hab ich einen Zeitungsbericht gelesen und dachte, oh, musst Du Papa mal anrufen und erzählen, und dann, ja dann kam die Klarheit,scheisse, das geht nicht mehr.Und das fühlt sich so eigenartig an,ich weis gar nicht wie.

Irgendwann einmal, wenn ich genügend Kraft habe, werde ich die letzten Tage und Stunden, die ich mit Papa erlebt habe, hier schreiben.Zur Zeit schaffe ich das nicht.
Ich konnte noch nie wirklich im Leben etwas loslassen,auch wenns mir vielleicht gar nicht so gut getan hat.Aber ich habe lieber an etwas fest gehalten als los zu lassen.
Papa musste ich los lassen,irgendwann, und ich war sogar auf einmal in der Lage an dem Tag als er starb zu ihm zu sagen,Papa, du darfst loslassen, ich lasse auch los.Es war das schwerste was ich je in meinem Leben getan habe, aber ich habe das Gefühl, das er erst mit dieser Aussage tatsächlich bereit war, zu gehen, denn er hatte unendlich Sorge, uns zurück zu lassen, und dabei wollte er in den letzten Tagen einfach nur noch sterben.

Ich habe auf die brutalste Art und in kürzester Zeit gelernt, einen Menschen den ich über alles geliebt habe, loszulassen, mit dem verdammt beschissenen Gefühl zu wissen, das er nie mehr wieder kommt.
Das ist das schlimmste was mir je passiert ist, und begreifen kann ich es überhaupt gar nicht.
Ich denke eben immer noch, das ist nicht wahr,er ist noch da, wo er immer war....aber ich weis eben auch, das es nicht so ist.

Wird man das je begreifen???

Bis bald LG Claudia

dapostrophe 19.05.2006 10:46

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Zitat:

Zitat von dapostrophe
Hallo Rezzan,

nein, Anti Depressiva oder ähnliches möchte ich nicht nehmen.Ich bin, was Tabletten betrifft sowieso verdammt ängstlich, trau mich ja kaum 2 Aspirin an einem Tag zu nehmen, und hab einmal vor Jahren so ein Anti Depressivum geschluckt, danach dachte ich, ich werd bekloppt.Irgendwie reagiere ich auf solche Sachen ziemlich heftig, habe einmal vor ein paar Wochen eine halbe Tafil bekommen, weil ich einen absoluten Nervenzusammenbruch wegen Papa hatte.Ich war 13 std wie ausgeknockt,das hat mir echt gelangt.
Was ich wahrscheinlich viel eher brauch wäre eine sinnvolle Beschäftigung, die mich ausfüllt. Von daher hoffe ich sehr, daß ich eine Zusage für den Job bekomme.

Morgens ist bei mir immer am schlimmsten.Wenn meine Tochter um 7 aus dem Haus ist und ich da sitze und nicht weis was ich mit dem Tag anfangen soll.
Ich war sowieso noch nie der Typ, der großartig alleine etwas unternimmt,jetzt fällts mir um so schwerer. Dabei bemühe ich mich wirklich,irgendwelche Planungen zu machen, damit ich immer was zu tun habe.Aber an manchen Tagen funktioniert das eben nicht, und dann verzweifel ich.
Morgens ist eigentlich auch immer der Zeitpunkt, an dem ich weinen muß.Ich merke, wie das in mir hochkriecht, ich sehe Papa vor Augen und mir wird bewusst,das er nicht mehr da ist und dann spüre ich diesen Schmerz, der mir fast die Luft zum Atmen nimmt.Und weil ich das so schlecht ertrage, verdränge ich sofort wieder den Gedanken daran,ich will dann nicht daran denken und mir in Erinnerung rufen, was passiert ist.Ich mache mich völlig zu,damit ich nicht weinen muß.Ich blende das regelrecht aus,wahrscheinlich damit ich nicht spüren muß, wie sehr er mir fehlt.
Was auch komisch ist, wenn ich abends im Bett liege,lasse ich den Fernseher laufen, damit ich nicht an Papa denken muss, weil ich Angst habe vor der "Begegnung", aber wenn ich dann morgens wach werde bin ich sauer und wütend darüber, daß ich nicht von ihm träume, weil ich mir diese "Begegnung" eigentlich wünschen würde.Ihm im Traum vielleicht nahe zu sein. ihn zu sehen, vielleicht zu träumen daß er mit mir spricht.....
Sobald ich Papa vor meinem geistigen Auge sehe, verdränge ich den Gedanken.Ich halte das nicht aus,weder an ihn zu denken, als er noch gesund war,weder an die KKH-Zeit, noch an die Beerdigung und der ganze andre Kram der war.
Da ich seit fast 8 Jahren auch nicht mehr in der gleichen Stadt wohne, wie Papa,und ich ihn somit auch nicht regelmäßig gesehen habe, also z.Bsp., wenn ich durch Trier gehe habe ich natürlich nicht den Gedanken, er könne jeden Moment um die Ecke kommen,denn er war ja nie hier, er ist mir ja im Alltag nicht ständig begegnet.Ich bin relativ regelmäßig zu ihm gefahren, meisten zu ihm in die Firma, dann haben wir, vielmehr er hat dann für uns gekocht, wir haben unsern Vino getrunken na ja, den Tag miteinander verbracht und abends bin ich dann wieder heim gefahren.
Somit habe ich also manschmal immer noch das Gefühl ihn gleich anzurufen, denke dann er ist in der Firma (scheisse, jetzt muß ich weinen),wir quatschen ein paar belanglose Sachen und verabreden uns für die nächsten Tage.Es ist mir so fern, weil er eben nicht grad um die Ecke gewohnt hat und diese Entfernung einfach normal war.
Letzte Woche hab ich einen Zeitungsbericht gelesen und dachte, oh, musst Du Papa mal anrufen und erzählen, und dann, ja dann kam die Klarheit,scheisse, das geht nicht mehr.Und das fühlt sich so eigenartig an,ich weis gar nicht wie.

Irgendwann einmal, wenn ich genügend Kraft habe, werde ich die letzten Tage und Stunden, die ich mit Papa erlebt habe, hier schreiben.Zur Zeit schaffe ich das nicht.
Ich konnte noch nie wirklich im Leben etwas loslassen,auch wenns mir vielleicht gar nicht so gut getan hat.Aber ich habe lieber an etwas fest gehalten als los zu lassen.
Papa musste ich los lassen,irgendwann, und ich war sogar auf einmal in der Lage an dem Tag als er starb zu ihm zu sagen,Papa, du darfst loslassen, ich lasse auch los.Es war das schwerste was ich je in meinem Leben getan habe, aber ich habe das Gefühl, das er erst mit dieser Aussage tatsächlich bereit war, zu gehen, denn er hatte unendlich Sorge, uns zurück zu lassen, und dabei wollte er in den letzten Tagen einfach nur noch sterben.

Ich habe auf die brutalste Art und in kürzester Zeit gelernt, einen Menschen den ich über alles geliebt habe, loszulassen, mit dem verdammt beschissenen Gefühl zu wissen, das er nie mehr wieder kommt.
Das ist das schlimmste was mir je passiert ist, und begreifen kann ich es überhaupt gar nicht.
Ich denke eben immer noch, das ist nicht wahr,er ist noch da, wo er immer war....aber ich weis eben auch, das es nicht so ist.

Wird man das je begreifen???

Bis bald LG Claudia

PS: Entschuldige bitte, das ich nicht mal gefragt habe, wie es deinem Papa geht??Wie sieht es aus bei ihm?

rezzan 19.05.2006 12:00

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Claudia,
du brauchst dich überhaupt nicht zu entschuldigen, du hast gerade wirklich genug mit deinen eigenen Gefühlen zu kämpfen. Trotzdem lieb von dir, dass du nachfragst. Meinem Papa geht es gerade gut, aber im Grunde stehe ich einfach nur vor dem, was du leider jetzt schon erleben musstest. Die Ärzte rechnen damit, dass er diesen Winter nicht überleben wird. In gewisser Weise beneide ich dich fast, dass du es schon "hinter dir hast". Bitte versteh mich nicht falsch, ich weiß genau, wie schlimm es ist jemanden zu verlieren. Aber im Moment habe ich einfach riesige Angst vor dem Alptraum, der uns noch bevorsteht. Wie gesagt, habe meine Mutter auch beim Sterben begleitet und weiß, was mich da erwartet.

Ich hoffe so für dich, dass es mit dem Job klappt - das würde dich sicher noch besser ablenken und dir beim Verdrängen helfen. Das ist m. E. ein wichtiger Selbstschutz, den man in ganz schlimmen Phasen braucht.

Und ansonsten weiß ich leider auch nicht, wann diese Gefühle aufhören. Auch mir schießen sofort noch immer die Tränen in die Augen, wenn ich an meine Mutter denke und solche Gedanken zulasse. Denke auch noch, ich muss sie gleich anrufen und ihr erzählen, was gerade passiert ist usw.

Vielleicht bleibt das ja immer so. Aber es tut nicht mehr ganz so schlimm weh und die Zeitabstände werden größer. Auch wenn es dir unvorstellbar vorkommt, aber es ist wahr.

Fühl dich gedrückt und versuche noch ein letztes Mal stark zu sein.

Liebe Grüße, Rezzan

rezzan 26.05.2006 17:20

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Claudia,

wie geht es dir? Ich würde mich freuen, wenn du dich mal melden würdest.
Hoffe dass du den Tag gestern einigermaßen überstanden hast. Habe auch meinen Vater angerufen. War schon ein schwerer Tag :cry:

Ich hoffe so, dass es dir etwas besser geht :pftroest:

Viele Grüße, Rezzan

dapostrophe 05.06.2006 14:20

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Rezzan,

melde mich mal wieder.
Sorry, aber zur Zeit fehlt mir die nötige Energie regelmäßig ins Forum zu gehen.
Ich muß mich so durchkämpfen im Moment,geht mir nit so doll.
Meine Beziehung ist nun auch vollends am Ende und das gibt mir einfach den letzten Rest.
Ich versuche mich täglich irgendwie über die Runden zu bringen und manchmal denke ich, der einzige Grund für mich mir nichts anzutun, ist mein Kind,das mich braucht.
Es macht mich verrückt, so zu denken,aber irgendwie geht bei mir alles nur noch schief und ich schwanke immer wieder zwichen Mut fassen und nach vorne schauen und dem Gedanken,wenn alles einfach nur noch vorbei wäre.
Das mein Freund mich jetzt verlassen hat war eigentlich abzusehen, denn in den ganzen Monaten davor, hab ich wohl alles dran gesetzt das sowas passiert.Nicht mal mit vollem Bewußtsein oder Absicht, ich war nur nicht in der Lage mich mit ihm auszutauschen oder an dem was da auf uns zugekommen ist, zu verändern oder es aufzuhalten.
Boing, jetzt sitz ich da.
Papa gestorben, Freund mich verlassen, einige Pseudo-Freundschaften vergangen (gut, um die tut es mir nicht ganz so leid), muß mir ne neue Existens aufbauen,weil ich unselbständige Kuh mein Leben lang von Papa abhängig war...
An manchen Tagen könnt ich nur noch schreien.
Ich fühl mich nur noch einsam,wütend,traurig hab sozusagen die Schnauze voll.
Und mein Freund fehlt mir.
Ich wünschte ich wüsste wie das weiter gehen soll.

LG Claudia

rezzan 06.06.2006 11:33

AW: Hoffnung ist größer als das Meer
 
Hallo Claudia,
schön, dass du dich mal wieder meldest:)
Das tut mir so leid, dich immer noch so verzweifelt zu hören/lesen. Aber irgendwie finde ich auch, dass du jedes Recht darauf hast! Du hast einfach etwas ganz schreckliches erlebt und das kannst du nicht einfach abschütteln. Sei nicht ungeduldig mit dir, auch wenn es total abgedroschen klingt, aber das ist einfach das Tal aus dem deine Seele ganz langsam wieder rauskriechen muss. Aber das geht nur sehr, sehr langsam. Und du brauchst Hilfe dabei! Bist du denn noch in Therapie und kannst du mit deiner Therapeutin über deine Gefühle sprechen? Und wie sieht es aus mit deiner Kleinen? Es ist sicher auch nicht verkehrt mal mit einem Kinderpsychologen zu sprechen. Es muss doch auch sehr hart für sie sein, dich dauernd traurig und verzweifelt zu erleben :(

Liebe Claudia, ich wünsche dir sehr, dass du weiterhin die Kraft findest und langsam, ganz langsam wird auch sicher für dich die Sonne wieder scheinen. Ich freue mich immer, wenn du hier schreibst und wenn es mal länger nicht geht verstehe ich das auch.

Fühl dich gedrückt :knuddel:
Rezzan


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