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stef777 30.01.2007 23:12

wie verhalten sich Eure partner?
 
hallo,
ich bin gerade ziemlich enttäuscht worden von meinem mann, daher dieses neue thema....mein vater ist ja vor 3 wochen nach 1.5 jähriger krankheit gestorben...mein mann war zeitweise, zumindest gegen ende der krankheit meines vaters, als diese äusserlich nicht mehr übersehbar war, relativ verständnisvoll, wie ich fand...
nur jetzt, in der trauerphase, fühle ich mich oft alleingelassen von ihm. mir geht es innerlich miserabel...auch wenn ich tagsüber versuche, meinen alltag zu bewältigen...ich habe oft das gefühl, dass er abends keine geduld hat, mir zuzuhören, wenn ich über meinen vater rede, er hat viel arbeitsstress....dann kam heute seine meinung dazu, dass er mir eben nicht immer zuhören könne, zumal ich mich oft wiederholen würde...dass er mir ausserdem schon seit 1.5 jahren zuhören würde, und eben langsam nicht mehr könne...
ich habe das gefühl, dass er denkt, das schlimmste wäre ja nun vorbei....er fragt mich tagsüber zwischendurch nie, wies mir so geht...heute meinte er dazu, dass er eben annimmt, dass ich tagsüber ganz gut "verdränge" und er mich da nicht auf andere gedanken bringen wollte....dabei geht es mir eigentlich so gut wie die ganze zeit sehr mies....zum "nach aussen hin funktionieren" muss ich mich die ganze zeit zusammenreissen....ich fühle mich wirklich nicht verstanden von ihm und bin ziemlich enttäuscht; bin echt ziemlich fertig und muss dann mich dann noch in meiner trauer vor ihm "rechtfertigen"... im streit kam dann auch von ihm der spruch von wegen Selbstmitleid meinerseits.....das nahm er dann später zurück, aber es hat mich doch sehr verletzt, dass er das auch nur im streit gesagt hat...um selbstmitleid gehts nämlich gar nicht.
dann noch sein argument, dass ich ja auch manchmal nicht sensibel reagiert hätte in der vergangenheit, wenns ihm mal schlecht ging (wegen arbeitsstress hauptsächlich)....aber gehts hier nicht um was viel schlimmeres?
oder erwarte ich zuviel von ihm...? ich möchte ja gar nicht, dass er mir kluge ratschläge gibt oder ähnliches, nur dass er mir zuhört...ich habe immer noch so viele gedanken über meinen vater und seine letzten tage im kopf, die ich immer wieder gerne mitteilen möchte....

wieviel unterstützung in der trauer darf man von einem ehepartner erwarten?
oder sollte man sich doch eher leuten anvertrauen, die ähnliches durchlebt haben? andererseits sollte doch eigentlich der ehepartner die vertrauteste person überhaupt sein....?

Schlumpfinchen 31.01.2007 09:03

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Hallo Stef777,

mein Partner und ich befinden uns in der selben Lage wie Ihr. Meine Schwiegermutter ist nach ziemlich kurzer schwerer Krankheit am 10.08.06 verstorben. Ich kann also die Sicht deines Mannes nachempfinden, und möchte gern versuchen Dir zu erklären, was in uns vorgeht.

Bereits während der Krankheit wurde unsere Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Mein Mann war launisch, bemitleidete sich selbst am meisten und war wütend auf Gott und die Welt. Es ist ja verständlich, denn man fragt sich sicherlich wieso gerade meine Mutter. Aber ich konnte doch für die ganze Situation nichts. Ich war genauso hilflos wie alle. Und doch ließ er oft genug seine schlechte Laune und Wut an mir aus, und bemerkte dies oftmals gar nicht. In den fünf Monaten der Krankheit musste ich durch ihn ziemlich viel einstecken. Er konnte zum Beispiel gar nicht verstehen, wenn ich lachte oder das Bedürfnis hatte auch mal über was anderes zu reden. Sein Gesprächsthema Nummer eins war immer nur die Krankheit „seiner“ Mutter. Das mein Vater zur selben Zeit auch krank war, das interessierte ihn überhaupt nicht. „Der hat doch nix. Soll doch froh sein dass es ihm so gut geht!“ Und damit traf er mich unbewusst. Oft habe ich in der Zeit heimlich geweint und darüber nachgedacht einfach meinen Koffer zu packen und abzuhauen. Aber dann denkt man noch mal darüber nach und sagt sich, dass er es doch sicher nicht so gemeint hat. Er braucht mich doch jetzt. Gerade jetzt!

Aber ich hatte doch auch meine Bedürfnisse und Probleme. Auch wenn sie, seinen gegenüber noch so klein sind. Doch die wurden ignoriert.

Es gab immer häufiger Streit um alltägliche Dinge. Bei uns in der Wohnung blieb alles liegen, denn obwohl wir beide Vollzeit berufstätig sind haben wir nebenbei noch meinen Schwiegervater unterstützt. Jeden Tag nach der Arbeit zur Schwiegermutter. Dort bis spät am Abend rumsitzen, denn meine Schwiegermutter hat schon bald nicht mehr viel mitbekommen. Aber mein Schwiegervater ließ sich gehen und das wurde von allen verstanden. Dafür waren ja wir da. Sie duschen, essen kochen, Betten beziehen und all solche Dinge musste nebenbei noch ich übernehmen. Und das als Schwiegertochter. Die eigene Tochter wurde bei all diesen Dingen entschuldigt. Die muss ja den ganzen Tag arbeiten. Hallo und was mach ich den ganzen Tag? Ach ja, ich ruh mich auf der Arbeit ja nur aus damit ich Abends fit bin.
Und mein Haushalt wurde von meiner Familie aufgefangen. Meine Mutter bügelte wie selbstverständlich meine Wäsche und meine Schwester putzte sogar meine Wohnung komplett durch. Alle unterstützen uns, aber das sah mein Mann nie.

Als es dann zu Ende ging, wurde alles noch schlimmer. Mein Mann setzte sogar seinen Arbeitsplatz aufs Spiel und ich sollte das akzeptieren. Also wieder Streit! Und gar keine Freizeit mehr. Mein Tag bestand nur noch aus Aufstehen, Arbeiten, Schwiegermutter besuchen, Mann trösten und schlafen. Während dieser Zeit war ich nur gestresst und meine Gesundheit spielte verrückt. Aber darauf nahm wieder mal niemand Rücksicht. Aber man soll das ja alles verstehen. Die Schwiegermama ist wichtiger!

Und dann, als sie gestorben war änderte sich nicht wirklich viel. Mein Schwiegervater lässt sich gehen und isst sogar nicht mehr richtig. Und mein Mann macht sich nun Sorgen um ihn und alles fängt von vorne an? Nein, nicht mit mir! Nachdem ich bezüglich der Beerdigung und so alles geregelt hatte, zog ich mich zurück. Ich rede nur noch das nötigste über meine Schwiegermutter und versuche auch nicht immer nur Rücksicht auf meinen Mann zu nehmen. Unsere Leben geht weiter und meiner Schwiegermutter geht es jetzt dort wo sie ist besser. Daran glaub ich fest! Es mag herzlos klingen, aber niemand kann von mir erwarten den Schmerz, den der Verlust seiner Mutter hinterlässt nachvollziehen zu können. Denn meine Mutter lebt noch. Und ich hoffe noch lange!
Ich respektiere es, wenn er jeden Tag auf den Friedhof geht aber er kann dasselbe von mir nicht erwarten. Ich würde es umgekehrt auch nicht. Auch muss sein Vater lernen allein klar zu kommen. Das müssen viele andere Männer auf dieser Welt auch. Und wenn er es allein nicht schafft muss er sich professionelle Hilfe holen. Jetzt leb ich erst mal wieder nur für mich. Sonst für niemanden. Das klingt egoistisch, ist aber reiner Selbsterhaltungstrieb.

Zwei Monate nach ihrem Tod hab ich mich mit meinem Mann zusammengesetzt und all das einfach mal angesprochen. Auch die Verletzungen der letzten Zeit. Wir haben an diesem Abend viel geweint und ich glaube es war gut so. Seitdem geht mein Mann, wenn er über seine Mama sprechen will zu seinem Vater. Und zwar allein. Dann schwelgen sie in Erinnerungen und teilen sich ihren Schmerz. Und zuhause, zuhause geht unser Leben seinen normalen Gang.

Ich hoffe ich konnte Dir ein bisschen vermitteln, wie es vielleicht in deinem Mann aussehen mag. Sei nicht zu streng mit ihm. Setzt euch zusammen und redet miteinander. Glaub mir, dass hilft!

Ich wünsche Euch viel Kraft und hoffe, dass auch Ihr einen Weg findet mit der ganzen Situation fertig zu werden.

Beate'68 31.01.2007 10:02

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Hallo Stef777
meine Mutter starb vor 3 ½ Monaten nach nur knapp 3 Monaten BSDK. Ich habe einen wirklich liebevollen Mann, aber er selbst hat es mir gegenüber vor nicht all zu langer Zeit mal so auf den Punkt gebracht ‘Ich weiß doch gar nicht wie ich Dir helfen kann, ich kann doch gar nicht Deinen Verlust ermessen.‘

Mein Mann hat noch nie in seinem Leben einen lieben Menschen verloren, vielleicht hast Du in meinem Thread gelesen, daß ich inzwischen meinen Vater, meine große Schwester und eben meine Mutter beerdingen mußte.

Ich weiß, daß auch mein Mann unter dem Verlust leidet, er hing wirklich sehr an seiner weltbesten Schwiegermama. Und doch habe ich ihm schon wiederholt gesagt, daß wir es nicht schaffen, unsere Trauer zu teilen – aber kann man das überhaupt? Jeder versucht irgendwie selbst damit ‚klar‘ zu kommen. So wie Du fühle ich mich auch ein Stückchen von ihm allein gelassen, aber mal ehrlich, wie kann er mir denn überhaupt helfen, wenn noch nicht einmal ich weiß, wie er mir helfen kann?
Ich glaube, wirklich verstehen, was Du/wir durchmachen, kann nur, wer auch schon mal einen Lieben verloren hat.
Ich wünsche Dir viel Kraft auf Deinem Weg.

Liebe Grüße
Beate

evelin 31.01.2007 11:22

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Liebe Stef777
Ich verstehe dich so gut.Bei mir ist es genau so
Meine geliebte mama ging von mir am 21.11.06 nach langer
krankheit.Sie war bei mir und meinem mann bis zum schluss.
Er hat nie mit mir geredet alles wortlos hingenommen.
Jetzt wo mama nicht mehr da ist und ich so viel auf der seele habe stosse ich nur auf genervte gesichter.Niemand versteht das ich unter den bildern
die ich wärend der pflege meiner mama sehen musste leide.Ich höre dann nur es ist vorbei,du musst es vergessen.Wenn das nur so leicht währe.
Mein mann kann mich nicht trösten und das ist schade.Aber ich bin sicher er weiss auch nicht wie und er leidet unter meiner ständigen traurigkeit.
Er hat angst wenn wir darüber reden durschlebe ich alles noch mal und er versucht mich zu schützen.
Auserdem wenn ich ehrlich bin ,bin ich im moment auch nicht so einfach.Er hat angst das falche zu sagen.
Ich habe niemals jemanden alleingelassen wenn ich glaubte das er mich braucht.Und nun ist niemand für mich da.
Aber du machst jetzt das selbe durch und das tut mir leid denn es ist schwer zu ertragen.Vieleicht brauchen unsere partner einfach ein wenig abstand.Sie mussten ja die ganze zeit zurückstehen und wollen jetzt unser aufmerksammkeit wieder für sich alleine haben.Sie verstehen nicht das unsere gefühle im moment achterbahn fahren und wir selber noch nicht wissen wie wir das leben wieder in den griff bekommen.Ich bemühe mich allein einen weg aus der trauer zu finden und denke nicht mehr über andere nach.
Es würde mich nur wütend machen und hielft mir auch nicht weiter.

Ich wünsche dir viel kraft die schlimme zeit zu überstehen

Liebe grüße evi

AndreaS 31.01.2007 15:46

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Liebe Steff777,

ich kann dich wirklich gut verstehen denn eigentlich sollte man annehmen, dass der Partner in der Lage ist, einen in solch einer schweren Zeit zu trösten. Wer, wenn nicht er?

Nun ist es aber so, dass Menschen unterschiedlich reagieren und ich bin zudem davon überzeugt, dass es vor allem zwischen Mann und Frau Unterschiede gibt, mit Verlusten umzugehen. Natürlich gibt es Ausnahmen...

Vielleicht steht zwischen euch ganz einfach die Art und Weise, die Situation zu betrachten, einerseits objektiv und sachlich, auf der anderen Seite naturgemäß sehr emotional.

Wenn dein Mann gesagt hat, du bemitleidest dich selbst, ist es für dich nicht denkbar, dass er das nicht beleidigend gemeint hat, sondern dass es nach einem schmerzhaften Leidensweg von 1,5 Jahren eigentlich "besser" ist, dass dein Papa gehen durfte? Und dass die Trauer um den geliebten Menschen aus dieser Sicht eigentlich "egoistisch" ist. Ungeschickt, vor allem weil deine Seele im Augenblick besonders verletzbar ist. Aber vielleicht dennoch ein hilfloser Versuch, dir einen anderen Blickwinkel vor Augen zu führen, eben um dir Trost zu geben?

Vielleicht ist es tatsächlich für euch beide im Augenblick besser, wenn du dich hier mitteilst, hier, wo jeder ähnliche Gefühle und Bedürfnisse hat wie du. Wo jeder ebenso wie du immer wieder erzählen möchte, vielleicht auch lesen, wie es anderen dabei geht, wie sich andere zu helfen versuchen. Lass ihm die Zeit, die er fordert, wenn er sagt "er kann nicht mehr" Schaff dir und ihm Raum, eure Gedanken zu sortieren. Sprich hier über deinen Schmerz und lass deinen Mann vielleicht im Augenblick tatsächlich außen vor. Er scheint überfordert zu sein und kann dir deshalb nicht gerecht werden. Versuch es zu akzeptieren, verlang nicht von ihm, was er dir nicht auf die Art und Weise geben kann, wie du es dir wünscht. Sonst wirst du nur enttäuscht und eure Beziehung zusätzlich belastet. Und hier kannst du immer und zu jeder Zeit von deinem Papa erzählen, immer und immer wieder. Es hilft, den Druck ums Herz abzubauen.

Ich hoffe, meine Gedanken kommen richtig an, ist etwas schwierig zu formulieren.

LG
Andrea

stef777 31.01.2007 21:30

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
hallo an alle!!!

vielen dank für die unterschiedlichen meinungen und kommentare....

evelin - du sprichts mir aus dem mund.

ich war heute abend zum ersten mal in einer trauergruppe, und habe das thema dort auch erwähnt....es wurde verständnis und ähnliche erfahrungen geschildert, jedoch - wie Du andrea - auf unterschiede in der verarbeitung zwischen mann und frau und auch z.T. überforderung von menschen, die dies nicht erlebt haben, hingewiesen....es wurde, wie Du auch erwähntest, auch der dringende rat gegeben, sich einen persönlichen raum für die trauerarbeit zu schaffen, auch wenn der partner dies eben nicht nachvollziehen kann...

wogegen ich mich nur vehement wehren muss, ist dieses selbstmitleidsargument...ich habe - davon bin ich überzeugt - kein selbstmitleid und bin auch nicht egoistisch-masochistisch!!!! ganz im gegenteil, ich versuche tapfer zu sein und zu bleiben! wenn ich trauere, dann zwar z.T. um den verlust, aber noch viel mehr mit dem schicksal meines vaters (der bis zuletzt nicht sterben wollte), aber wie gesagt, ich möchte eigentlich nicht meine trauer rechtfertigen oder erklären müssen...

@Beate68:
danke für deine worte.
du schreibst, du wüsstest selbst nicht, wie dein mann dir helfen könnte.
bei mir ist es so, dass ich eben schon wüsste wie, nämlich indem er mir einfach ein ohr leiht (auch wenn ich mich mal wiederhole), ohne gleich lösungen zu bieten. ich bin ein mensch, der sehr viel reden muss über die dinge...ich muss es halt rauslassen...das hilft mir...er ist manager von beruf und gewohnt, dinge zu lösen....daher fühlt er sich dann wohl unter druck gesetzt, lösungen zu finden, wenngleich ich vielleicht einfach nur reden möchte...

@schlumpfinchen

ich kann verstehen, nach allem, was du schilderst, wie überfordert du warst...jedoch, die last, die dir "übertragen" wurde war schon ein extremer fall, so ist es in unserem fall nicht gewesen...in den 1.5 jahren der krankheit meines vaters haben hauptsächlich meine familie (schwester, mutter und ich) uns um meinen vater gekümmert. mein mann wurde nur in speziellen (organisatorischen) fragen mal um rat gefragt...mehr haben wir nicht erwartet. er hat mich natürlich oft versucht zu trösten, wobei er da meistens meinte, dass es noch viel zu früh zum trauern sei, da mein vater ja noch lebte.

ich bin eben allgemein einfach bischen enttäuscht von seiner reaktion...V.a. hat er paarmal doofe bemerkungen gemacht, als ich hier so lange im forum surfte, vonwegen was ich denn hier so lange machen würde und dass ich jetzt aber nicht internet-süchtig werden dürfe....da sucht man sich leute, die dasselbe durchmachen und selbst das wird dann nicht vestanden!

aber trauer ist eben wohl ein gefühl, was nur der nachempfinden kann, der es auch schon mal erlebt hat; eben eine tiefe verletzung, die man äusserlich überhaupt nicht sieht...und männer erlebens wohl wirklich noch mal ein stück anders. ich war einfach auch deswegen enttäuscht, und ich weiss nicht, ob das ein unfairer vergleich ist, aber ein erster gedanke war, dass ich bereit war, soviel für meinen vater zu tun und zu opfern, weil ich ihn eben über alles liebte, da habe ich schon gezweifelt über unsere partnerschaft.

Brooklyn 01.02.2007 09:51

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Hallo!
Auch ich möchte dir meine Erfahrung mitteilen, falls du es noch nicht in meinem Thread gelesen hast.

Mein Freund wusste nachher auch nicht mehr ein und aus. Erst redete ich mit ihm, dann schupste ich ihn weg. Habe ihn verurteilt das es ihm egal wäre, was nie so war. Dachte ich nerve ihn und hab alles mit mir allein ausgemacht. Dadurch fühlte er sich abgeschoben und aus meinem Leben ausgeschlossen. Er fühlte sich als Sandsack und nicht als Partner. Er wusste nicht mehr mit mir umzugehen. Die Missverständnisse haben unser Leben bestimmt. Man sollte mit dem Partner reden aber nicht all zu viel von ihm erwarten. Alles können Sie nicht verstehen, vor allem wenn sie selbst noch keinen geliebten Menschen zu Grabe tragen mussten. Das Leid das unsere geliebten Menschen in der Zeit der Erkrankung durchmachen mussten, machen den Schmerz ja nur schlimmer. Man würd so gern helfen in der Zeit doch man kann es nicht.
Man macht sich Vorwürfe das man vielleicht nicht genug gemacht hat usw.
Sind wir doch mal ehrlich, wüssten wir mit so einer Situation umzugehen wenn die Rollen vertauscht wären? Glaub wir wären ebenso hilflos wie unsere Partner zurzeit. Doch das sieht man alles erst, wenn man begriffen hat was los ist.

Das Ende vom Lied war, das er sich absolut zurück hat und zu mir sagte das er ausziehen will. Das hat mich wach gerüttelt und ich habe um die Liebe gekämpft und wollte mein LEben wieder auf die Reihe kriegen.

Bin heut leicht durch den Wind und hoffe ich hab nicht all zu verwirrend geschrieben. Hatte gestern den ersten Jahrestag meines Papas und es geht mir fast letztes Jahr um diese Zeit...

Wünsche euch allen ganz viel Kraft das alles zu überstehen
Brooklyn

Frau M. 06.02.2007 11:56

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Ich habe gerade erst diesen Thread gelesen und bemerke gerade, was ich doch für einen tollen Freund habe:1luvu:

Habe in der Beziehung 2003 meine Mama plötzlich und unerwartet verloren, 2005 erkrankte meine große Schwester an Krebs. Im Oktober 06 hat sie den kampf verloren.

Mein Freund ist immer für mich da. Wenn ich heule, nimmt er mich in den Arm, immer. Als meine Mama im KH verstarb, konnte ich sie so nach 15 Minuten nochmals sehen. Ich fragte ihn, ob er mitkommt. Er verneinte. Ich habe erst nachher begriffen, das er mir diese Zeit ALLEIN geben wollte und das war auch genau richtig.
Er hat alles mitgemacht, meine Launen, meine Trauer, alles....und irgendwie ist mir erst gerade richtig bewußt geworden, das es eher nicht selbstverständlich ist. Jetzt muß ich mir was tolles Überlegen, um ihm eine Freude zu machen....

stef777 06.02.2007 19:42

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
liebe frau m.

du kannst dich wirklich glücklich schätzen!!! :)

lg
stef.

Frau M. 07.02.2007 11:13

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Zitat:

Zitat von stef777 (Beitrag 375969)
liebe frau m.

du kannst dich wirklich glücklich schätzen!!! :)

lg
stef.


Das tue ich auch. Und schon kriegt er am WE das Luxus- Verwöhnprogramm mit allem Schnick und Schnack. Er wird sich zwar wundern, warum, aber das werde ich ihm schon erklären... ;)

Vierm 07.02.2007 13:50

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Zitat:

wieviel unterstützung in der trauer darf man von einem ehepartner erwarten?
Jede die nötig ist!

Denn zu was ist eine Partnerschaft denn sonst gut? (um die bessere Steuerklasse zu bekommen oder was?)

Wer in derartigen Zeiten nicht bereit ist da zu sein, wird es nie sein.

Ciao von einem Mann der hofft "da zu sein"

sanne2 07.02.2007 16:42

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Hallo Stef,
erst einmal möchte ich Dir mein Beileid zu Deinem großen Verlust aussprechen!
Ein Elternteil so grausam zu verlieren ist ein schwerer Weg. Verurteile Deinen Mann nicht so! Vielleicht hat er nie gelernt seine Gefühle zu zeigen und außerdem kann das wohl tatsächlich nur jemand nachempfimden, der so etwas mitmachen musste.
Als meine Mutter im Juli 2003 ihre Lungenkrebsdiagnose erhielt, war mein Mann immer für mich da. Er hatte seinen Vater selber vor langer Zeit verloren und wusste was in mir vorging. Egal wie mir zu Mute war, mein Mann war an meiner Seite und tröstete mich. Bis er dann im Oktober 2003 seine Krebsdiagnose erhielt. Von da an war ich mit meinen Gefühlen und Gedanken alleine, denn ihn noch weiterhin mit mir zu belasten, wäre ja wohl ein unmöglicher Zustand für ihn gewesen. Somit stand ich mit meinen Ängsten um meine Mutter und meinen Mann ziemlich alleine da. Da zeigte sich erst einmal, wo die richtigen Freunde geblieben sind. Meine allerbeste Freundin, auf die ich niemals etwas kommen lassen werde, rief mich wirklich täglich an, um sich nach unser aller Befinden zu erkundigen. Wirklich jeden Tag! Obwohl ich nur am heulen war, hat sie nicht den Rückzug angetreten. Das rechne ich ihr hoch an. Als meine Mutter starb, tröstete mein Mann mich obwohl er selber so krank war. Es war eine sehr heikle Situation!
Spreche doch noch einmal mit Deinem Mann, sag ihm wie sehr Du ihn brauchst!
Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft!
Liebe Grüße!
Sanne

stef777 07.02.2007 20:11

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
@frau m.

super!!!!:)

@vierm

tja, so dachte ich auch vor einiger zeit, mittlerweile denke ich aber auch wie die meisten hier, dass man partner nicht überfordern darf.

@sanne2
danke für deine antwort, du warst sehr tapfer, und hast wohl auch einen jener seltenen tollen männer...! hoffe, es geht ihm einigermassen...
es ist alles nicht mehr so schlimm mit meinem mann...wir hatten unglücklicherweise beide extreme tiefs zu jenem zeitpunkt, er aufgrund seiner arbeit, ich wegen einem trauertief. wir haben drüber geredet....ich weiss, er kann nicht alles nachempfinden, was ich fühle (es wäre optimalerweise natürlich schön, aber so ist es eben nicht). aber was schon mal hilft, ist wenn er mir einfach seine hand auf meine brust hält, wenns mir schlecht geht. ich hoffe, und denke, dass wir das hinkriegen, und so im ernstfall verbleiben können..:) .

lg
stef.

silverlady 07.02.2007 23:14

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
hallo ihr Lieben

ich bin eine Angehörige die ihren Mann bis zum Schluss gepflegt hat. Es war für mich selbstverständlich für ihn da zu sein. Ich habe ihn geliebt.


Aber dieses Dasein hatte viele Gesichter. Mal war ich für ihn oder in seiner Sache aktiv, mal war ich nur im Hintergrund. Dann war ich fröhlich um ihn aufzumuntern, dann habe ich mit ihm geweint.

Manchmal bin ich ihm einfach nur auf den Geist gegangen weil ich ihn zu sehr betüddelt habe.
Oft hat es nur gereicht wenn ich seine Hand gehalten habe oder ihn einfach nur gestreichelt habe.
Das es für ihn so in Ordnung war hat er mir gesagt und gezeigt. Auch in der Abschiedsstunde zeigte er mir seine Liebe.
Er wäre so gern noch geblieben

silverlady

Arielle 08.02.2007 00:20

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
@silverlady

Mir kommen grad die Tränen...bei mir war´s mein Papa - und ich erkenn uns total wieder in Deinen Zeilen! Vor allem mit dem betüddeln mußte ich doch schmunzeln!!! Mensch, was konnte der schimpfen, wenn´s ihm zuviel wurde! dann hab ich ihm ein dickes Küsschen auf die kahle Stirn geschmatzt und gut war´s wieder!:o :o

Aber es war wirklich sowas wie ein stilles Einvernehmen zwischen uns! Meine Mutter wollte er zwar ständig sehen - alles richtig gemacht habe scheinbar nur ich für ihn! Daß ich ihm so helfen durfte, dafür bin ich sehr dankbar!

@stef
Mein Papa ist ja auch vor acht Wochen gestorben! Ich habe einen ungeheuren Gesprächsbedarf, den ich nirgendwo abladen darf! Mein Mann blockt einfach ab! Ich denke er will das nicht so an sich ranlassen, weil er auch ganz furchtbar traurig war! Allerdings ist das auch sehr schwer für mich! Wenn ich weine, dann eh nur für mich - also damit belaste ich sowieso schon mal niemanden!!!
Dafür rechne ich ihm ganz hoch an - und das ist mir mehr wert, als daß er mich tröstet - wie er sich mit meinem kranken Papa beschäftigt hat!!! Ganz unbefangen und geduldig, hat er sich zu ihm ans Bett gesetzt und ganz interessiert zugehört, wenn er was erzählte. Ihn auch ernstgenommen!!!
Das war etwas, was selbst meine Brüder nicht konnten!

Wie auch immer - wir stecken einfach nicht im anderen drin, können ihre Beweggründe nie 100% verstehen!...wer weiß, wofür es gut ist?!

Viele liebe Grüsse
Jenny

elke51nhl 12.02.2007 09:11

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Hallo an alle,
als mein Vater starb, konnte ich es nicht fassen. Ich lief (als erwachsene Fau)
dem Leichenwagen hinterher und schrie.
Meine schlimmsten Stunden hatte ich dann kurze Zeit später. Ich ging fix und fertig ins Haus zurück. Was ich dann da sah, liess mein Blut gefrieren.
Mein Vater lebte mit einer Frau zusammen die 2 erw.Kinder hatte.Die wohnten nicht bei ihnen, waren aber an diesem Tag da.
Wie gesagt,ging ich ins Haus. Man glaubt es nicht, die junge Frau kniete vor dem Schrank um die Lebensversicherung zu suchen, der Sohn baute den Computer ab.
Zum Glück war meine Schwester bei mir und nahm mich in den Arm, und wir gingen traurig davon.
Ich habe nie mehr ein Wort mit diesen Leuten gesprochen.Ich habe auch keine Ahnung was mein Vater hinterlassen hat.
Es ist jetzt 7 Jahre her.
Ich habe meinen Vater nicht vergessen.

stef777 14.02.2007 12:13

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
@elke
es tut mir sehr leid für dich...
sowas macht einen nur sprachlos.

@arielle
ja, du hast sehr sehr recht...man darf nie vergessen, wie sich unsere männer um unsere väter gekümmert haben während derer krankheit...
lg
stef

stef777 17.02.2007 02:36

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
hallo an alle,

so, nun muss ich doch noch mal meinen frust hier abladen...nach allem, was ich bisher geschrieben habe....hab gerade wieder eine herbe enttäuschung mit meinem mann erlebt...warum ich mir denn immer diese gedanken machen würde, wo nun mein vater ist...dass er das gar nicht verstehen kann...ich habs versucht zu erklären...er nur: ja, aber das hätte ich doch schon erzählt...er könnte diese "sich wiedersehen" frage nicht verstehen, er würde sich auf das leben jetzt konzentrieren...
ok, er hat sehr viel für meinen vater getan während dessen krankheit...aber nun frage ich mich oft, wen hab ich da eigentlich vor mir....? ich kenne ihn gar nicht, wenn er so was sagt...bitter enttäuscht, fühle mich sehr alleine...

carola1972 18.02.2007 18:04

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
hi stef, nein du bist bestimmt nicht allein. sicher kann dein mann einfach eben mit dieser trauer nicht umgehen. sei dankbar dafür dass du ihn hast. meiner hat sich während der krankheitsphase von mir verabschiedet. einfach so, ohne mit der wimper zu zucken. aber auch hier in diesem forum gibt es viele menschen, die genau wie du trauern, leiden über den verlust eines geliebten menschen. ich z.b. versuche hier meinen trost zu finden, den ich hier im alltag eben nicht finden kann.

steff fühle dich von mir ganzdoll gedrückt.
liebe grüße carola

Hildegard2006 20.02.2007 16:15

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Hallo Stef,

ich habe die ganze Zeit still mitgelesen, mich jetzt aber doch angemeldet.

Meine Mutter ist im Januar 2006 gestorben. Auch wenn es nicht mehr immer ganz schlimm weh tut, fehlt mir meine Mutter immer noch jeden Tag.

Ich kann Dir nur sagen, wie das bei mir war: Ich war in den letzten Monaten vor dem Tod meiner Mutter ganz häufig unglaublich böse auf meinen Mann, weil es nicht so betroffen war wie ich und nicht jede freie Minute, die wir hatten mit meiner Mutter verbringen wollte und uns (meiner Mutter und mir) auch manchmal gezeigt hat. (Es gibt da auch einige Erinnerung, da brauche ich noch, bis ich die verdaut habe.) Ich war auch sauer, dass er nach dem Tod meiner Mutter nicht dauernd so traurig war wie ich. Ich fand ihn echt herzlos und gemein. (Dabei hat er eigentlich immer versucht mich zu trösten)

Aber dann war sein Vater im Sommer zum wiederholten Male krank und auch seine Oma (die ich sehr gern hatte) wurde immer schwächer. Und ganz dann ist mir was echt Schlimmes passiert: Ich war nicht so betroffen wie mein Mann! Ich habe mich genauso verhalten wie er, wollte da nicht dauernd drüber reden und bin auch nicht mit ins Krankenhaus gefahren. War also auch mal genert, wenn er schon wieder davon angefangen hat!

Und da ist mir aufgefallen, dass ich wahrscheinlich was von ihm erwartet habe, das gar nicht geht: Es war ja trotz aller Liebe, die er für meine Mutter empfand, nicht seine Familie, sondern meine!! Danach ging es mir dann viel besser mit ihm.

Daher jetzt mal ein paar theoretische Gedanken, bei denen ich nicht weiß, ob sie stimmen: 1) Männer gehen anders mit ihren gefühlen um, als Frauen 2) Männer verstehen das Wort Trost nicht so gut. Die sind besser im Probleme lösen, als im trösten (geklaut aus: Männer kommen vom Mars, Frauen von der Venus) und er geht Deine Gefühle also logisch an und bietet eine Lösung. Du willst aber keine Lösung, sondern Gefühle und fängst unbefriedigt von Vorne an - kritisierst also seinen Lösungsvorschlag ... (Und Ihr habt einen wunderschönen Streit vorprogrammiert) Ich weiß nicht, ob das so stimmt, aber mir hat der Gedanke geholfen. Ich sage dann immer mir geht es gerade schlecht, ich will deine Anteilnahme und getröstet werden und keinen Vorschlag, wie es besser werden kann. Bei uns funktioniert es. Er tröstet mich jetzt viel besser.

Und so ganz nah nach dem Tod gibt es ja nun grundsätzlich nicht wirklich was, womit man sich besser fühlt, auch wenn man das bräuchte. Es ist einfach alles Scheiße!

Ich habe außerdem eine Therapie angefangen und erzähle der dann viele Sachen einfach zum 120 mal. Und mir hilft das. Ich bekomme da szwar nicht immer, was ich mir vorgestellt habe - also Trost und Anteilnahme, aber indem mir die Therapeuten hilft, meinen Blickwinkel zu ändern sind manche Gedanken einfach ertragbarer. (Womit ich Dir ja auch gleich auf Deinen anderen Thread antworte) Manchmal sprechen wir über andere Sachen - und dann bin ich wenigsten für die Zeit, die ich darüber nachdenke - abgelenkt , was auch den Druck etwas zurück nimmt. ihc war nach dem Tod meiner Mutter so wütend und immer genervt - kein Spaß für meine Umgebung. Jetzt ruhe ich wieder viel mehr in mir.

Und zum Trost: es wird besser! (Es wird zwar nie wieder so, wie es war, aber es wird besser!)

Liebe Grüße!

stef777 20.02.2007 18:17

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
liebe carola,

vielen dank für deinen trost!!!! hat mir wirklich gut getan!!!!
schlimm, das mit deinem partner....

lg :knuddel:
stef

stef777 20.02.2007 18:27

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
liebe hildegard,

vielen dank für deine worte!!!! du wirst es nicht glauben, gestern hatten mein mann und ich wieder einen streit, in dem es genau über deine angesprochenen themen ging...dass männer im trösten nicht so gut sind, und das wort trost nicht so verstehen.... ich hab darüber gemeckert, dass ich eben keine lösungen und vorschläge aufgelistet bekommen möchte, sondern nur auf anteilnahme hoffe. ich glaube, das verstehen männer wirklich oft nicht. er meinte, er fühle sich oft so hilflos, wenn er mich so verzweifelt sähe, und würde dann oft relativ rauhe dinge sagen, weil ich dann wenigstens wütend werden würde und er nicht mehr so angst um mich haben müsse...sowas....ich glaube, daran müssen wir noch arbeiten...

er meinte dann aber auch noch, dass er mich manchmal nicht trösten könne, weil er vieles nicht nachempfinden könne....und das ärgert mich dann ein wenig, weil - seine mutter ist auch schon alt, hat vor kurzem eine künstliche hüfte bekommen und er hat paarmal drüber gejammert, dass er nun angst um sie hat, weil er denkt, dass sie nun "alt" wird. ich frage mich dann, warum er sich dann nicht in meine lage wenigstens ein wenig hineinversetzen kann. klar - er hat meinen vater nicht geliebt wie ich - aber er lag ihm sehr am herzen (mein vater war ein herziger mensch, es war nicht schwer, ihn zu mögen). und gerade wenn man doch selbst schwächliche eltern hat, kann man dann eine ähnliche situation nicht eher bei dem partner nachvollziehen? ich hab dann oft das gefühl, er will es nicht nachvollziehen, weil es schmerzvoll ist. dann fühle ich mich allein gelassen.
kann es bei dir nicht sein, dass es für dich eher zuviel belastung war, so kurz nach dem tod deiner mutter, dich wieder mit einer krankheit (seines vaters) auseinanderzusetzen? (nur als frage)

ich bin wie du froh, eine therapeutin zu haben. bin für jede unterstützung dankbar. und ja, der blickwinkel von einem wird dann oft herausgefordert, und das hilft.

vielen dank nochmal für deine antwort

LG
stef.

PS deinen letzten satz in klammern hab ich zuerst anders gelesen....:)

Hildegard2006 21.02.2007 09:47

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Hallo Steffi,

ich nehme an, dass ich mich einfach nicht schon wieder mit dem Thema Tod und Krankheit auseinander setzen will. Und das ist auch mein gutes Recht - genauso wie mein Mann das recht hatte, sich während der Krankheit meiner Mutter nicht damit auseinander setzen zu wollen. (Gilt aber auch für Deinen Freund, gerade wenn es seiner Mutter nicht so gut geht. Der schließt doch auch von dem einen auf's andere und will deshalb am Liebesten die Augen schließen und sich die Ohren zuhalten!)

Es ist schwierig zu akzeptieren, wenn einer anders mit seinen Gefühlen umgeht als man selbst. Und mit uns umzugehen ist bestimmt manchmal auch eine Herausforderung.

Aber mir ist inzwischen klar, dass egal wieviel mein Mann mich getröstet oder Anteil genommen hätte - das Gefühl der Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit wäre dadurch nicht weggegangen. Das gehört einfach zur Trauer dazu. Durch die müssen wir durch und da kann uns kein Mensch wirklich helfen (auch keine Therapeutin). Es gibt einfach keine Tabletten dagegen wie gegen Kopfschmerzen oder so. Und es gibt auch keinen Weg, die Trauer shcnell zu bewältigen. Die dauert so lange, wie sie dauert und ganz werden wir den Verlust nie verwinden.

Aber, und das kann ich Dir gerne immer wieder sagen: Es wird besser! Es wird besser. Und wenn ich auch ganz häufig traurig bin wegen alle dem, das ich nicht mehr mit meiner Mutter teilen werde, bin ich doch total froh, soviel mit ihr geteilt zu haben. Wäre es nicht viel Schlimmer, wenn der andere überhaupt nie gelebt hätte?

Meine Mutter war während ihrer Krankheit ganz häufig traurig, dass ich nicht wie "normale" Frauen in meinem Alter leben kann, weil es ihr so schlecht geht und hatte deshalb ein schlechtes Gewissen. Die wäre tierisch sauer, wenn ich die Möglichkeit, jetzt ein zufriedenes Leben zu führen, nicht nützen würde. Das ist bei Deinem Vater genauso!

Also los, schnapp Dir Deinen Partner und mach was Schönes heute Abend!

Liebe Grüße!

stef777 21.02.2007 20:20

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
liebe hildegard,

danke für deine aufmunterung. ich bemühe mich wirklich, spass zu haben, dinge zu unternehmen...manchmal hilfts ein wenig, oft aber nicht wirklich, aber es ist ja wirklich noch sehr früh (noch nicht mal 2 monate) seit mein vater verstarb.

auch dass mein vater nicht gewollt hätte, dass wir nun alle so traurig sind. klar - aber man kanns eben nicht einfach so abschalten...braucht halt alles seine zeit.

du hast recht, im grunde genommen kann einem der partner nicht wirklich helfen...man selbst muss wieder nach hoffnung und kraft in einem suchen...in phasen akuter verzweiflung ist dies leichter gesagt als getan. aber es hilft mir sehr, mich hier damit auseinanderzusetzen...

wird es wirklich besser....ich kann es oft nicht glauben, aber wenn es tief betroffene hier schreiben, dann muss es wahr sein.

LG
stef

stef777 19.03.2007 13:40

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
hallo,

so, nun schreibe ich wieder hier, da mein mann und ich wieder eine "auseinandersetzung" hatten...es ging nicht konkret um meine jetzige trauer oder so....bin auch viel gefasster als in den vergangenen monaten....sondern eher allgemein um unser leben heute und während der letzten 1.5 jahre.

er ist immer noch sehr gefordert in seinem job (so war er schon immer, ich hab ihn nie anders erlebt)....ist momentan 3 tage die woche unterwegs, hat so gut wie keine freizeit, keine freunde und lebt eigentlich nur für seinen job.
wir sind beide oft gereizt, er durch den arbeitsstress, ich durch die trauer, meine mutter, der ich beistehen muss, etc....

ich hab in letzter zeit ausserdem viel drüber nachgedacht, wie mein leben so war und ob das alles so richtig war...erfolg und karriere waren mir vorher total wichtig gewesen, meine sichtweise hat sich nun geändert. mein mann ist dagegen wie immer voll konzentriert auf seinen karriereweg, hat augenscheinlich für nichts anderes raum.

es kommt zu spannungen und was schlimm ist ist, dass ich das gefühl habe, dass wir in solchen momenten gar nicht mehr miteinander reden können...er unterbricht mich spätestens nach dem 3. satz....beim ersten streitpunkt holt er aus auf die letzten 1.5 jahre und es kommt meistens irgendein spruch dahingehend, dass er 1.5 jahre lang alles mit meinem papa mitgemacht hätte, und nun an sich denkt. insgeheim hab ich das gefühl, dass er mir die schuld gibt, dass er so wenig freizeit hatte in den letzten jahren, da wir ja fast jedes wochenende bei meinen eltern waren....(aber: ich hab nie erwartet, dass er mitkommt, und er war 90% der zeit im haus meiner schwester und ihrem freund, nicht bei meinen eltern). ich werde dann immer ziemlich sauer, weil ich habs mir ja auch nicht ausgesucht, dass es so lief in den letzten 1.5 jahren......ich hab ihm wieder eine paartherapie vorgeschlagen, damit wir wenigstens wieder gescheit reden können, ohne dass jemand unterbrochen wird. das wollte er gestern nicht...ich weiss nicht mehr, was ich von dem allen halten soll. entweder ich erwarte mal wieder zuviel, oder wir haben uns so auseinander entwickelt, dass wir nicht mehr zueinander passen und uns trennen sollten....?:huh:

Petra_S 19.03.2007 14:08

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
...spontane Idee: Vielleicht könntet ihr vereinbaren, 1x pro Monat soll sich jeder einen schönen Abend FÜR DEN ANDEREN ausdenken und liebvoll gestalten/ planen. Das fördert das Nachdenken über den Partner und auch die Wahrnehmung der Bedürfnisse ausserhalb des "ICH" - reden muss man ja erstmal nicht, kommt bei Gelingen evtl. von allein wieder. Ggf. muß man es auch nicht "vereinbaren", wenn du einfach beginnst, evtl. hat er dann ja irgendwann auch das Bedürfnis dir eine Freude zu machen. Auffrechnung bringt meiner Meinung nach nichts.

Gruß Petra

Melanie79 09.04.2007 02:51

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Hallo Stef,

ich kann Dich so gut verstehen. Mein Papa ist vor knapp 4 Wochen gestorben und ich bin gerade dabei mich mit von Gott und der Welt abzuseilen.

Ich glaub nicht, dass einen nur die Menschen verstehen, die selbst sowas erlebt haben. Meine Geschwister gehen völlig anders mit allem um, als ich es tue. Sie sind schon nach einer Woche wieder zum Alltag zurückgekehrt, machten ihre Späßchen und gingen teilweise feiern. Eine Art mit der Trauer umzugehen? Ich weiß es nicht...und selbst wenn es so ist, dann finde ich diese Art schlicht und ergreifend zum kotzen. Mal abgesehen davon, dass mir nach alldem nicht zumute ist, finde ich es respektlos, sich kurz nach dem Tod so zu verhalten.
Viele in meinem Umkreis wissen nicht, wie sie mit mir umgehen sollen. Eine meiner Freundinnen z.B. kam 4 Tage nach dem Tod meines geliebten Vaters zu mir und erzählte mir vom Endlosdrama mit ihrem Ex. Ich weiß, dass sie es nicht böse meint. Entweder denkt sie, dass das eine ähnlich schlimme Erfahrung ist, weil es für sie persönlich die schlimmste Erfahrung ist, die sie bisher machen mußte (die Glückliche!), oder sie wollte mich damit einfach ablenken.Eine andere Freundin ruft mich jeden Tag an und fragt mich mit mitleidiger Stimme wie es mir denn geht und ob sie was für mich tun kann. Andere fassen mich nur noch mit Samthandschuhen an, andere melden sich gar nicht mehr, weil sie Angst haben was falsch zu machen...und egal wie es der eine oder andere macht...nichts, aber absolut gar nichts passt mir.
Damit will ich sagen, dass vielleicht wir die "schwierigen" sind, denen man nichts recht machen kann.

Speziell im Bezug auf meinem Partner habe ich sehr viel Glück. Er lebt in Italien und wir sehen uns 1-2 mal im Monat für mindestens ein Wochenende, was die Lage jetzt gerade natürlich nicht leichter macht. Natürlich hätte ich gerne jemanden, der in dieser Situation täglich an meiner Seite ist, andererseits ist er wohl der einzige, der mich ohne wenn und aber versteht. Sein Vater war jahrelang herzkrank und erlag letztendlich dem Krebs (sehr plötzlich, da er viel zu spät festgestellt wurde). Mein Vater war über ein Jahr krebskrank und erlag letztendlich einem Herzinfarkt. Schon komisch wie das Schicksal manchmal spielt. Am Tag, als mein Vater gestorben ist, ließ er sich für ein paar Tage beurlauben und setzte er sich ohne zu überlegen in den nächsten Flieger nach Deutschland, um mir in der Zeit beizustehen. Das werde ich ihm niemals vergessen. Und auch jetzt sagt er mir jeden Tag mehrmals, dass ich anrufen soll, sobald es mir schlecht geht und er sofort kommt, wenn ich es nicht mehr aushalte. Es vergeht kein Tag, an dem ich es "aushalte", aber das will ich ihm nicht sagen. Er hat da drüben seine Arbeit und seine Verpflichtungen und auch wenn er es machen würde, so kann ich nicht erwarten, dass er wegen mir alles stehen und liegen lässt.
Wie gesagt, er versteht mich so gut, weil er im Grunde das selbe erlebt hat wie ich...Nesthäkchen, innige Liebe zum Papa, jahrelange Angst, dass er an der einen Krankheit stirbt und letztendlich reißt ihn plötzlich was anderes aus dem Leben. Wir reden jeden Tag viel über unsere Väter, in der momentanen Situation ich natürlich viel mehr als er. Er hört mir einfach zu und ist für mich da. Manchmal bin ich auch sehr ungerecht zu ihm und lass meine Launen an ihm und meiner Tochter aus. Die verbalen Schläge, die ich an ihn verteile, steckt er wortlos ein, das kennt er auch aus seiner Trauerzeit. Nur wenn ich meine Tochter wegen einer Lappalie anmecker, mischt er sich ein und sagt mir, dass sie genauso um ihren Opa trauert und ich die einzige Ansprechperson für sie bin. Wenn sie nun das Gefühl hat, dass sie zu mir nicht mehr kommen kann, zu wem dann?? Und damit hat er ja auch Recht! Ich bemühe mich wirklich sehr, stark für meine Tochter zu sein, aber manchmal kann ich einfach nicht mehr. Im Großen und Ganzen muß ich jedoch sagen, dass die beiden, mein Partner und meine Tochter, die größten Stützen in meinem Leben sind. Allein das Wissen, dass er trotz Entfernung sofort sofort bei mir wäre, falls ich in ein noch tieferes Loch falle, gibt mir Kraft, und wenn mir meine süße Tochter die Tränen wegstreichelt, sich an mich kuschelt und versucht tapfer für mich zu sein, dann weiß ich, dass es auch in dieser schlimmen Zeit einen Grund gibt weiterzumachen.
Nun konnte ich Dir mit meiner Geschichte zwar bestimmt nicht helfen, doch vielleicht tut es Dir gut, dass Du mit Deiner "Wut" über die Reaktion(en) deines Mannes und evtl anderer Personen, nicht alleine bist.
Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Deine Ehe diese schlimme Zeit standhalten wird und euch irgendwann noch näher zusammenschweißen wird.
Ich drück Dich...

stef777 09.04.2007 23:13

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
liebe melanie,

danke für deinen beitrag....erstmal mein beileid zu deinem schweren verlust...ich kann auch alles, was du schreibst, so gut nachvollziehen.

U.a., auch meine schwester trauert ganz anders als ich, verdrängt viel etc., wir können nicht drüber reden, du hast recht, jeder geht mit der trauer anders um...

ich beneide dich um deinen partner...dass er eine sehr ähnliche situation erlebt hat und dich daher so gut verstehen kann...das muss wirklich eine ganz grosse stütze für dich sein...da kannst du dich wirklich sehr glücklich schätzen, so jemanden an deiner seite zu haben in solch einer schweren zeit.

ich hatte dieses wochenende leider wieder einen streit mit meinem mann; ich wollte ihm eigentlich in einem ruhigen moment nur erklären, dass ich das gefühl hätte, dass der schmerz teil von mir geworden ist...er entgegnete daraufhin, dass das wohl auch kein wunder wäre, weil ich ja immer hier im forum sei, wo so viele menschen jahrelang trauern würden, und quasi ihre trauer somit verlängern und ihr nachhängen würden; es würde ein so schlechtes vorbild abgeben und mich zu sehr beeinflussen...ich finde solche worte einfach extrem überheblich und verletzend...ich hab oft das gefühl, dass bei ihm das verständnis mit dem tod meines vaters und dem ende der krankheit aufhörte...ich war so sprachlos, dass ich ihm schliesslich vorschlug, nicht mehr mit ihm über meinen vater/meine gefühle diesbezüglich zu reden, da es ihn ja zu sehr belasten würde...in dem moment dachte ich wirklich, es sei so besser, da ich neben der trauer nicht auch noch die rechtfertigung meiner trauer vor meinem ehemann schaffen kann....obwohl ich eigentlich denke, dass unsere ehe dann zu ende gehen würde, weil man in dem fall wichtige gedanken nicht mehr teilen könnte mit dem anderen...nunja, das war der punkt, wo er dann zum nachdenken kam.....er war "versöhnlicher" gestimmt, aber ich denke, es wird noch oft zu solchen meinungsverschiedenheiten kommen...ich denke mittlerweile auch oft, dass es nicht nur an meiner trauer liegt, sondern auch an seinem charakter (er ist ein sehr rationaler mensch, der seine gefühle immer im griff hat)....und dass sich in der trauer vielleicht nicht nur zeigt, wer die wahren freunde sind, sondern auch ob die partnerschaft eine "wahre" ist.... er wird wieder mit zu meiner therapeutin kommen, das letzte gespräch mit ihm zusammen verlief sehr gut und half uns damals schon etwas, denke ich...da ist also noch hoffnung, aber keine sicherheit...

LG
stef.

Melanie79 10.04.2007 00:02

AW: wie verhalten sich Eure partner?
 
Hallo Stef,

es tut mir sehr leid, dass ihr schon wieder Streit hattet. Natürlich kann ich mir keine Meinung über Deinen Mann bilden, da ich ihn nicht kenne, aber seine letzte Aussage zwecks Forum usw. ist schon ein bißchen unsensibel. Versteh das bitte nicht falsch, das war nur mein erster Gedanke, als ich Deine Zeilen gelesen hatte. Ich denke auch, dass es eine Sache der Persönlichkeit ist, aber ich rechne Deinem Mann auch hoch an, dass er mit Dir zur Therapie geht. Das bedeutet ja, dass er sich bemüht auf Dich einzugehen und dass er auch Interesse daran hat, die Krise zu bewältigen. Vielleicht solltest Du ihm mal sagen, dass Du nicht alleine mit Deiner Trauer umgehen kannst, und da Du weder mit ihm, noch mit einer anderen Person aus Deiner Familie darüber sprechen kannst, mußt Du eben in dieses Forum gehen.
Meine Schwester setzt sich zwar mit dem Tod auseinander, allerdings in der Form, dass sie im Internet alles erdenkliche, was mit Sekundentod zu tun hat, ließt. Auch das macht mich manchmal sauer...wäre, hätte, würde, könnte...das bringt doch alles nix mehr. Es ist passiert und man kann es niemals wieder gutmachen oder gar ändern. Mein Bruder redet über alles mögliche, aber nicht über das geschehene und es kommt mir auch so vor, als interessiert es ihn überhaupt nicht, wie's uns geht. Mit meiner Mutter kann ich hin und wieder darüber reden, wir schwelgen auch sehr oft in gemeinsamen Erinnerungen und gucken uns Fotos meines Papas an. Allerdings haben meine Mutter und ich eine Art Hassliebe (gut, mehr Liebe als Hass ;) ) zueinander, und wenn bei uns beiden die Nerven blank liegen, wird es oft noch schwieriger, als es vorher war. Mein Partner ist, wie gesagt, im Ausland und ich will ihn nicht bei jeder Heulattacke und jeder Stimmungsschwankung anrufen, da er dann immer gleich beunruhigt ist und nicht mehr seinen gewohnten Dingen nachgehen kann. Für ihn ist es natürlich schwierig in dieser Lage und auf diese Entfernung die Stimmungen von mir einzuschätzen.
Daher gibt es auch für mich Momente, in denen ich mich total alleine und unverstanden fühle, trotz verständnisvollen Partner.
Ich denke dass wir deshalb hier im Forum gut aufgehoben sind, da man immer auf offene Ohren und Gleichgesinnte stößt.
Warte einfach ab, wie sich die nächsten Therapiesitzungen entwickeln. Und wie gesagt, wenn alle Stricke reißen, gibt's ja noch das Forum :knuddel:


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