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ute57 17.07.2007 20:59

Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Ich schreibe jetzt als Hinterbliebene, die vorher im KK-Forum Hirntumor und anschließend im POM (Place of Memory) geschrieben hat. Mein Mann ist jetzt fast 11 Monate tot. Wie kommt ihr damit klar, wenn sich "sogenannte" Freunde und Bekannte danach verabschiedet haben ohne Grund. Ich habe inzwischen erfahren, daß es wohl oft in der Regel so ist. Wie kommt ihr mit der Einsamkeit klar. Wie findet ihr neue Bekannte bzw. einen neuen Bekanntenkreis. Ich spreche im Moment Alterskreise zwischen 45 und 60 Jahre an? Ich weiß nicht, ob ihr mir antworten möchtet oder könnt. Ich habe leider die Erfahrung gemacht, daß sich unsere sogenannten "Bekannten" leider verabschiedet haben ohne Vorankündigung. Einfach nur nicht mehr melden. Wenn ich mich gemeldet habe, hieß es dann, wir rufen wieder an. Und danach Funkstille. Warum? Ist es normal? Bitte, wer mag, kann vielleicht dazu eigene Erfahrungen schildern. Wir können uns austauschen und vielleicht auch daraus lernen, damit umgehen zu können. Natürlich möchte ich auch jüngere Hinterbliebene damit ansprechen. Ich möchte hier alle ansprechen, ob männlich oder weiblich. Es ist schwierig für alle. Ich muß noch dazu sagen, daß ich leider keine Geschwister oder großen Verwandtenkreis habe. Vielleicht liegt es auch daran. Oftmals habe viele noch Geschwister, dadurch noch mehr familiäre Bindungen. Also wer mag, schreibt vielleicht dazu.

Franziska1 17.07.2007 21:29

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Ute, mein Mann ist am 10.04. diesen Jahres verstorben, ich bin 57 Jahre alt, mein Mann war 59 Jahre alt. Ich weiß nicht, wie ich diesen Verlust jemals verkraften soll. Er fehlt mir unendlich.
Obwohl diverse Verwandte nur 3 Straßen weiter wohnen, hat sich in der Zeit in der mein Mann krank war und es waren immerhin 2 1/2 Jahre keiner blicken lassen oder angerufen, jetzt ist er schon 13 Wochen nicht mehr da und keiner hat mit mir Kontakt aufgenommen.. Als mein Mann noch lebte hat mein Chef beinahe täglich bei mir zu Hause angerufen und gefragt wie geht es,(ich habe meinen Mann die letzten 3 Wochen gepflegt) (sie dachten er wird ein längerer Pflegefall und ich bleibe zu Hause)jetzt wird davon ausgegangen, dass sich alles wieder normalisiert hat.Wenn er mich fragt, wie geht es, sage ich schlecht und er sagt "warum"? Es kann niemand verstehen warum ich manchmal in Tränen ausbreche und einen Weinkrampf bekomme. Es kann sich niemand hineinversetzen der diesen Schmerz nicht selbst erlebt.Gute Bekannte rufen Sonntag abend an, wahrscheinlich aus dem Grund damit sie keine Einladung aussprechen müssen. Der beste Freund meines Mannes lebt in Australien, er wusste, dass mein Mann gestorben ist, erst ein Anruf von mir heute mittag bei ihm ergab, dass sie die Nachricht bekommen hätten, aber bei ihnen sei selbst so viel los. Keine Beleidskarte, keine Email, nichts.,Das sagt alles. Ich habe die Menschen jetzt kennengelernt. Gedankenlos und ohne Herz.Dazu muss ich noch sagen, dass ich seit 1965 in einer Kanzlei arbeite, 2 Wochen nach dem Tod meines Mannes hat man mir die Kündigung ausgesprochen, ich bin zu teuer, die Geschäfte gehen schlecht. Mich wundert heute selbst woher ich die Stärke nahm auch das zu überstehen. Meine beste Freundin, mit der ich mich wirklich gut verstehe, kommt nicht auf die Idee mich mal Samstags oder Sonntags einzuladen.Ich warte nicht mehr darauf.Mein wirklicher bester Freund ist mein Sohn, er ist 31 Jahre alt und meine Mutter, die selbst letztes Jahr ihren Mann(meinen Stiefvater) zu Grabe tragen musste.
Liebe Grüße Franziska

ute57 17.07.2007 22:19

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Liebe Franziska, das ist genau das, was ich wissen wollte, mir geht es nicht anders. Es tut so unendlich weh. Deshalb habe ich diesen Thread eröffnet. Ich denke mal, daß wir nicht alleine sind. Nur viele trauen sich nicht, darüber zu reden. Viele haben Angst, daß sie dejenigen sind, die es verschuldet haben, warum sich keiner mehr meldet. Ich möchte hier allen Mut machen, sich zu melden. Dann sind wir nicht mehr alleine! Vielleicht ergibt sich dadurch mehr! Ute

Franziska1 17.07.2007 22:44

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Ute,
ich frage mich, liegt es an mir? Aber ich habe viel nachgedacht, ich glaube es fehlt vielen Menschen an Einfühlungsvermögen, vielleicht sind es auch Berührungsängste weil sie nicht damit umgehen können
Jeder schiebst es halt weit von sich, weil sich keiner vorstellen kann, es könnte ihm passieren. Aber es ist diese große Verlassenheit, wenn man die Haustüre hinter sich schließt und man alleine ist.Dann kann ich mich gehenlassen und um meinen Mann weinen.

Viele Grüße Franziska

moni l. 18.07.2007 19:54

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Ute,
es war eine gute Idee, diesen Thread zu eröffnen.
Mein Mann ist am 22.05.07 gegangen. Im Oktober 06 kam die Diagnose Lungenkarzinom, aber wir haben bis zuletzt gehofft, er schafft es.
Heute wäre der Termin für die Untersuchung gewesen, ob der Tumor durch die Bestrahlung
operierbar oder vielleicht auch ganz weg gewesen wäre....
R. war 49, ich bin 56. Wir waren dabei, seinen 50. Geburtstag zu planen.
Ihr habt recht, man ist plötzlich ganz schön allein.
Gerade in der Situation, wo man wirklich andere Menschen und Freunde bräuchte, ziehen sich die meisten zurück. Vielleicht ist es ihnen unangenehm, durch mich an den Verlust ihres Freundes erinnert zu werden oder sie wissen nicht, wie sie mit mir umgehen sollen.
Ich war selbstständig und hatte einen ziemlich stressigen Job (Gastronomie).
Im März, vor Beginn der Bestrahlungen, habe ich meinen Vertrag gekündigt zum 30.Juni,
einfach, um mehr Zeit für R. zu haben, und weil mir schon klar war, was das Wichtigste in meinem Leben ist. Wir haben uns riesig auf unsere viele Zeit zusammen gefreut und auf das, was wir dann alles machen wollten.
Tja, jetzt hab ich die viele Zeit ganz für mich allein, hab keinen Job, dürfte auch mit meinen 56 Jahren nicht so leicht sein, einen zu finden.
Habe einen riesigen Berg Angst, wie soll ich das alles schaffen? Hatten uns das zusammen ganz anders vorgestellt.
Freunde und Verwandte? Die sind längst zum Alltag zurückgekehrt, da ist nicht soviel Platz für plötzlich alleinstehende Hinterbliebene.Sie denken bestimmt an mich,
z.B. während eines Anrufes: "Wir wollen heute abend grillen und ein bisschen feiern,
aber du bist ja noch nicht soweit". Auch eine nette Art der Ausladung.
Oder der Spruch: Na, jetzt hast du noch die Seebestattung, dann ist das ja abgeschlossen. Manchmal möchte ich schon sagen, warte mal ab, einer von euch beiden wird auch in meine Situation kommen. Aber das wäre gemein.
Ansonsten verbringe ich meine Abende eben allein, rede mit dem Fernseher, freue mich,
dass es Internet gibt und bin immer froh, dass wieder ein Tag ohne R. vorbei ist.
Meine Kinder (25 + 22 ) sind mir eine grosse Hilfe. Wohnen zwar beide nicht hier, aber
mein Sohn versucht so oft wie möglich her zu kommen. Und Dank Internet kann ich jeden
Tag mit meiner Tochter (studiert in Australien) reden und sie auch sehen, soweit weg ist sie gar nicht.
Meine Güte. soviel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben.
Schön zu wissen, dass noch mehr darüber reden möchten, das kann man wohl wirklich nur mit Betroffenen. Ich glaube, ich hätte mich vorher auch gedrückt.

liebe Grüsse
Moni

Franziska1 18.07.2007 20:19

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Moni, ich werde ja am 31.12. arbeitslos und ich habe auch eine Heidenangst vor allem weil ich nie damit gerechnet hätte, vor ein paar Wochen noch sagte mein Chef, wir Beide verlassen zuletzt das sinkende Schiff, und nun bin ich die Erste und die Kündigung wurde ausgesprochen 2 Wochen nach dem Tode meines Mannes. Für mich hat sich die Welt um 360 Grad gedreht, alles ist nicht mehr so wie es war.. Aber damit muß ich leben, wie schon so viele nette Bekannte sagen " da musst Du durch".Muß ich überhaupt nicht, igle mich manchmal regelrecht ein, weil ich Niemanden sehen kann.
Liebe Grüße Franziska

Es wird schon wieder
wieder wie was
wieder wie vorher
irgendwann wird es
aber nicht wieder ( pirko)
Habe ich im Inernet gefunden, ist wirklich für unsere derzeitige Lebenslage passend.

ute57 18.07.2007 20:23

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Liebe Moni,

Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich habe mir so viele Gedanken gemacht, warum die Reaktionen so sind. Aber wie Du schon sagst, vielleicht, weil die anderen nicht - Gott sei Dank - nicht betroffen sind. Es tut aber so weh, daß man dann wirklich allein gelassen wird mit allem. Vor allen Dingen mit der Einsamkeit. Und diese "Ausladungen" sind typisch. Ich habe letztes Jahr, nach der Trauerfeier zur Einäscherung unsere sogenannten Freunde nach 6 Wochen mal angerufen. Was bekam ich zu hören? Wir dachten, Du brauchst jetzt erst mal Deine Ruhe. Wollten Dich nicht stören. Hallo habe ich gesagt, ich lebe und möchte mich unterhalten. Als Antwort kam, ja dann können wir uns ja wieder melden. Die nächste Meldung bekam ich zu Silvester, auf meine SMS, weil ich nicht stören wollte, habe ich eine SMS geschickt und alles Liebe und Gute zum Neuen Jahr gewünscht. Die Antwort war wörtlich: Wünschen wir Dir auch. Danach bis heute nichts mehr. Und das mich so tief getroffen. Ich habe mich daraufhin nie mehr gemeldet und wie gesagt, die besten "Freunde" auch nicht.

Ute

ute57 18.07.2007 20:27

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Liebe Franziska, liebe Moni,

habe gerade erst richtig mitbekommen, welches Leid ihr noch zusätzlich habt. Das tut mir so unendlich leid. Gott sei Dank habe ich meinen Arbeitsplatz und werde ihn auch behalten. Gott sei Dank. Im Gegenteil, ich darf gar nicht mehr so viel arbeiten, weil mir sonst alles von der Witwenpension abgezogen wird. Aber ist egal. Ich möchte Euch Mut machen, fällt mir aber ehrlich gesagt, sehr sehr schwer. Moni, Du hast Recht, in Deinem Alter Arbeit zu finden........ ich bin 50, ich würde auch nichts mehr finden bzw. bekommen. Wir dürfen zwar bis 67 arbeiten, sind aber jetzt schon zu alt. Liebe Franziska, ich weiß nicht wie alt Du bist, aber denke mal nach Deinem zu urteilen auch keine 40 mehr. Wir kann ich Euch Mut zusprechen. Ich drücke Euch jetzt virtuell, weil ihr doch noch ein Päckchen mehr zu tragen als ich, nämlich Eure Existenz :knuddel: :knuddel: :knuddel: Sorry, aber mir fehlen im Moment weitere Worte
Ute

Franziska1 18.07.2007 20:50

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Ute und Moni,
ich werde im September 57 Jahre alt von daher habe ich kaum Hoffnung, dass ich noch einen Job finde. Ich arbeite als Rechtsanwaltsfachangestellte Anwälte gibt es zwar wie Sand am Meer, aber viele machen auch wieder zu, weil es sich nicht mehr lohnt.Bei meiner Witwenrente machte ich mich kundig und habe erfahren daß bei jedem zu 100 % Erwerbsunfähigen, der noch keine 63 Jahre alt ist, gleich mal 10 % abgezogen werden das macht sich jetzt auch bei der Witwenrente bemerkbar. Also wird jeder Schwerkranke noch zusätzlich bestraft, wie wenn er was dafür könnte.Ich finde das eine bodenlose Ungerechtigkeit.Aber ich sage mir, jetzt laß ich mal den 31.12. kommen dann sehe ich weiter, und ab 55 bekommt man Arbeitslosengeld 18 Monate lang. Ich hätte nicht im Traum gedacht, dass ich mal in so eine Lage komme.Mein Mann wüsste er das, hätte nicht sterben können. Gott sei Dank muß ich keine Miete zahlen und habe keine Schulden, sonst würde ich es wahrscheinlich nicht schaffen.
Das Schlimmste was uns passieren konnte ist daß unser Partner nicht mehr da ist, alles andere sind materielle Dinge, aber mein Mann kommt nicht wieder.
Liebe Grüße Franziska

moni l. 18.07.2007 21:54

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Ute und Franziska,
na, ihr seid ja fit mit antworten!
Ja, ehrlich gesagt, Lage ist wirklich nicht gerade die Beste. Werde das Haus nicht halten
können, ist zu gross für mich allein, ist zu teuer und ausserdem auf dem Dorf.
Landschaft und Aussicht gut und schön, aber alles allein ist einfach doof.
Wohnen seid 12 Jahren hier, waren damals aber zu viert, intakte Familie, also okay.
Jetzt, allein, hab ich eigentlich überhaupt keinen Kontakt, obwohl R´s. Mutter und Geschwister auch hier wohnen. Wir waren immer ein bisschen die Aussenseiter.
Ich glaube, sie haben seine Krankheit nie richtig ernst genommen.
Schliesslich lebt sein Onkel seit 13 Jahren mit Lungenkrebs, kann also nicht so schlimm sein.
Wenn ich mal von seiner Mutter angerufen werde, dann eigentlich nur, weil sie Langeweile hat und mir jedesmal erzählt: ich kann das immer noch nicht glauben.
Ja, ich muss es glauben und ausleben, mir fehlt er jede Minute und jede Sekunde im Alltag, im Gespräch, ach, ihr wisst schon, was ich meine.
Langsam hasse ich Sprüche wie " du bist eine starke Frau ", "da kommst du auch durch"
etc, na, die kennt ihr ja wohl auch zur Genüge.
Verdammt noch mal, ich möchte einfach nur weinen und trauern und mich ein bisschen selbst bemitleiden. Keiner kann mir einen Rat geben, wie es weiter gehen soll, und ich würde auch nie jemanden nicht Betroffenen fragen.
Man ist ganz einfach auf sich selbst gestellt, wobei ich allerdings ohne meine Kinder keinen weiteren Sinn mehr in meinem Leben sehen würde.
Wenn ich gut drauf bin, denke ich: okay, R., jetzt erlebe ich was schönes, und weil du das nicht mehr so direkt miterleben kannst, muss ich das jetzt eben für dich mit erleben.
Das hilft.
Danke und alles Liebe
Moni

ute57 18.07.2007 22:02

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Ich freue mich, daß ich hier nicht alleine bin. Das tut mir und allen gut. Ich hoffe, daß wir uns auch einiges von der Seele schreiben können. Ich denke mal, vieles wird im innersten ausgemacht, aber es muß auch mal raus. Ich kann nicht immer alles mit mir alleine ausmachen. Ich danke Euch! Ich hoffe, es finden noch mehr Mut, sich hier alles von der Seele reden zu können. Danke.

Viele liebe Grüße Ute

Anemone 19.07.2007 13:27

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo alle zusammen,
nein, allein sind wir wirklich nicht!!
Als ich Eure Beiträge gelesen habe, konnte ich nur denken: Genau so isses. Warum ziehen sich so viele unserer Bekannten oder Freunde von uns zurück? Ich habe viel darüber nachgedacht. Ich meine, es ist einfach so, dass wir das lebende Beispiel dafür sind, wie es ja wohl allen irgendwann einmal gehen wird: alleine zurückbleiben. Wer will daran schon gerne erinnert werden? Man verdrängt doch solche Gedanken so gerne.
Ein guter Freund meines verstorbenen Mannes drückte es einmal so aus: Wir wünschen uns ja alle, dass wir - wenn wir beide so um die 90 sind - abends noch gemeinsam schlafen gehen, und am nächsten Morgen wachen wir dann beide einfach nicht mehr auf.
Ein wunderschöner Wunschtraum, nicht wahr? Leider hat das Leben es so nicht vorgesehen.
Auch viele meiner Bekannten haben sich zurückgezogen. Ein paar wirkliche Freunde sind mir geblieben. Aber auch die haben Probleme, mit dem Thema Tod umzugehen.
Meinem lieben Mann und mir blieben nach der niederschmetternden Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs noch 9 Monate. Monate, die uns Zeit gaben, uns voneinander zu verabschieden. Monate, in denen unsere Familie sehr eng zusammenrückte. Kinder, Schwiegerkinder und 3 Enkel (damals 6, 6 und 8 Jahre alt). Freunde besuchten uns oft ganz spontan, einfach nur um zu sehen, wie es uns geht.
Nun ist mein lieber Schatz schon 1 1/2 Jahre nicht mehr bei mir. Man erwartet von mir, dass es mir jetzt wieder gut geht. "Man", das sind Menschen, die - ein Glück für sie - noch nicht erlebt haben, wie es ist, wenn man das Liebste verloren hat. Habe ich in meinem früheren Leben nicht auch so gedacht? Sätze wie: Das Leben geht weiter - es war besser so - habe ich bestimmt auch irgendwann einmal von mir gegeben. Nein, es war nicht "besser so". Besser wäre gewesen, er wäre nicht krank geworden, er wäre nicht gestorben.
Nein, das Leben geht nicht weiter! Natürlich, DAS Leben im allgemeinen geht wohl weiter. Aber MEIN Leben, war das Leben mit meinem Mann, und das ist unbarmherzig und endgültig vorbei. Und ich muss mir jetzt ein neues Leben aufbauen ohne ihn, und das kostet mich so unendlich viel Kraft.
Nein, die Trauer ist nicht so einfach vorbei, nach 6, 12 oder was weiß ich wieviel Monaten. Aber das wissen nicht mal Mediziner, die vielleicht doch ein wenig mehr Ahnung vom Zusammenhang zwischen Körper und Seele haben sollten.
Ich war im Mai wegen Herzproblemen im Krankenhaus. Da mein Herz organisch völlig gesund ist, fragte mich der Arzt: Hatten Sie in den letzten Tagen eine besondere Stress-Situation? Ich: Die beiden letzten Jahre waren aufgrund der Erkrankung meines Mannes und seines Todes eine einzige Stress-Situation für mich. Er: Ach nee, wenn Ihr Mann schon im letzten Jahr gestorben ist, dann kanns daher nicht kommen.
So einfach ist das. Wenn er nun denn mal gestorben ist, steht dir vielleicht ein Jahr Trauer zu, und dann hast du dich gefälligst damit abzufinden und musst zur Tagesordnung übergehen.
Ich habe mich, seit mein Mann nicht mehr bei mir ist, noch nie so einsam und so verletzt gefühlt wie in den paar Tagen im Krankenhaus (obwohl meine Kinder jeden Tag zu Besuch waren).
Ich habe mich in diesem neuen Leben, das mir durch den Tod meines Mannes aufgezwungen wird, auch noch nicht wirklich zurecht gefunden. Mir kommt diese Trauer oft vor wie ein hoher Berg, den man besteigen muss. Manchmal denkst du, oh, da vorne wirds heller, jetzt bin ich bald oben. Und dann kommt eine Kurve, und du siehst, dass es dahinter weiter steil bergauf geht. Aber irgendwann wird man schon oben angekommen sein und den Blick auf einen neuen Horizont frei haben.
Ich habe im ersten Jahr nach dem Tod meines Mannes viele Reisen unternommen, bin bis ans andere Ende der Erde nach Neuseeland und Australien gereist. Das Unterwegs-Sein war gut für mich, war für mich ein Teil meiner Trauer-Bewältigung. Aber letzten Endes war es auch Flucht. Flucht vor dem Alleinsein, dem leeren Haus, den Erinnerungen.
Ich habe mittlerweile realisiert, dass Flucht keine Lösung ist. Was ich auch realisiert habe, ist die Tatsache, dass ich die Trauer irgendwie alleine durchleben und durchleiden muss. So, wie mein Schatz seine tödliche Krankheit alleine durchleiden musste. Ich war bei ihm bis zu seinem Ende mit all meiner Liebe und meiner Fürsorge, aber ich konnte ihm die Krankheit nicht nehmen.
Wir können hoffen, dass wir in unserer Trauer Menschen finden, die uns verstehen (dieses Forum ist ein guter Weg dafür).
Ich hoffe, dass ich jetzt nicht zu viel gequasselt habe, aber es tut manchmal gut. Ich würde mich sehr über eine Reaktion von Euch freuen.
Viele liebe Grüße,
Anemone :winke:

P.S. Ich bin 62, in Rente, habe erwachsene Kinder (eine Tochter, einen Sohn und 3 Enkel - 8, 8 und 10 Jahre alt)

ute57 19.07.2007 19:55

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Liebe Anemone,

schön, daß Du auch hier geschrieben hast. Ich kann so vieles von Deinen Worten nachvollziehen. Wir sind in ein Leben geschickt worden, was wir nicht wollten. Wir mußten uns von jetzt auf gleich damit auseinander setzen. Erst diese Krankheit, wo man alle Höhen und Tiefen erlebt hat und immer und immer wieder auf Hoffnung gesetzt, bis zu dem Tag, wo wir wußten, die Hoffnung gibt es nicht mehr. Allein in dieser Phase hat keiner an mich gedacht. Es hieß immer nur, Du bist stark, Du schaffst es, Du bist gesund. Wie oft habe ich gedacht, ich schaffe es nicht mehr. Ich habe eigentlich nur noch agiert und reagiert. Ich hatte überhaupt kein eigenes Leben mehr. Ich konnte zeitweise es nicht mehr hören, ach Ute, Du bist stark, Du schaffst es. Ich wurde richtig aggressiv, weil alles irgendwann an meine Substanz ging. Und dann, als alles vorbei war, kam die Leere. Die unendliche Leere. Jetzt hatte ich Zeit, mich auch mal wirklich wieder "Freunden oder Bekannte" zu unterhalten, normal, nicht über die Krankheit oder über den Tod. Und was kam, nichts mehr. Rein gar nichts mehr. Und dann sitze ich abends hier in unserem Haus und ??? Es ist totenstill.............. Ute

Franziska1 19.07.2007 19:56

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Anemone,Ute und Moni,
genauso ist es wie Du schreibst.
Einen Tag komme ich mir stark vor, am nächsten Tag denke ich schon beim Aufstehen ich packe das nicht und breche beim nichtigsten Anlass in Tränen aus, ist das nun das Paar Gartenschuhe meines Mannes das ich bis heute nicht wegräumen konnte oder ist es seine Uhr, die immer noch am selben Platz liegt. Ich bin mit meinem Mann während seiner Krankheit überall hin mitgegangen, seien es nun die 38 Bestrahlungen, sei es der Zahnarzt, immer haben wir gemeinsam gehofft und gebangt.
An Weihnachten machten wir noch zusammen einen Schweinebraten mit Kruste und Weckknödel, das konnte er noch halbwegs essen, Ende Februar konnte er dann nicht mehr laufen und weder essen noch trinken. Ich bin im Nachhinein so froh, dass ich nur einen halben Tag gearbeitet habe und die letzten Wochen vor seinem Tod gar nicht mehr, habe ,mich krankschreiben lassen und ihn gepflegt so wir die letzten Wochen intensiv miteinander verbringen konnten. Aber über seinen eventuellen Tod wollte mein Mann nicht mit mir sprechen, er sprach nur mit seinem Bruder und mit meinem Sohn darüber, sie sollten auf mich aufpassen, dass ich auch genug esse. Er hats gewusst dass ich in bestimmten Situationen nicht mehr essen kann, jetzt habe ich 15 Pfund abgenommen aber jetzt zwinge ich mich wenigstens dazu. Am Anfang war mir alles egal. Einige Bekannte sagen auch, geh doch in den Urlaub, aber ich kann das nicht, ich müsste dann immer daran denken das letzte Mal im Urlaub waren wir noch zusammen.
Das Alleinsein ist schon furchtbar, aber es ist nicht aus Selbstmitleid sondern ich denke immer daran welche Schmerzen er erleiden musste und doch kam das Ende für uns alle überraschend. Blödsinn wenn manche sagen, jetzt hat er es überstanden, nein ich wäre froh wenn ich ihn noch gesund hätte.
Was mache ich wenn ich keine Arbeit finde und im Winter an zu Hause gebunden bin. Davor graut mir?
Liebe Grüße Franziska

ute57 19.07.2007 20:04

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Liebe Franziska,

auch Du hast es auf den Punkt gebracht. Wie soll ich Urlaub machen??? Alleine, wo alle in trauter Zweisamkeit sind??? Auf unsere geliebte Insel, wo wir letztes Jahr noch im Mai waren. Da würden alle Erinnerungen aufkommen, wo wir abends noch gesessen haben, schön gegessen haben und jetzt alleine dort hin. Nein, das kann ich nicht. Auch dort wäre ich einsam. Ich habe auch noch nicht alle Sachen entsorgen können, der Kleiderschrank meines Mannes ist noch genauso wie vor seinem Tod. Ich kann ihn nicht ausräumen. Auch bei mir sind noch so viele Dinge, die nicht angerührt wurden. Aber ich glaube, es wird doch irgendwann Zeit, daß ich hier einiges ändere. Ansonsten kommt man glaube ich nie aus dem Loch raus.

Liebe Grüße Ute

chris35 19.07.2007 20:06

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Ich drücke euch mal ganz lieb !!!!!!!! Einfach nur mal so !!!!!!!

Chris35

Franziska1 19.07.2007 20:24

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Chris 35, dieses "nur mal so drücken" hat mir so gutgetan.
Liebe Grüße Franziska

Franziska1 19.07.2007 20:30

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Ute,
ich glaube die Grenze zum Beklopptsein ist nicht weit, wenn man wie ich ein Paar Schuhe meines Mannes, die er seit mindestens 10 Jahren nicht mehr getragen hat in die Mülltonne werfe und sie dann wieder heraushole?
Er hatte ja zu Beginn seiner Krankheit eine ziemlich schwere Operation mit Hauttransplantation usw.Als er ins Krankenhaus ging hatte er eine braune Jeans mit einer braunen Strickjacke an, glaubst Du dass ich diese noch immer im Schlafzimmer hängen habe, ich kann sie nicht wegräumen, warum auch immer. Es sind so unendlich viele Erinnerungen da, sei es nur Musik wie Barry White, die ich bis heute nicht hören kann, bekomme sonst einen Weinkrampf, am liebsten ist es mir, wenn der Fernseher läuft, dann kann ich auch schlafen.
Liebe Grüße Franziska.

Blue 19.07.2007 21:55

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo zusammen

Das ungeliebte Leben. Es sind die Worte die mir eben durch den Sinn gingen. Nicht so gemeint wie es auf den ersten Blick vielleicht scheint. Ne. So ein Leben vom Rand aus, dem Treiben da draußen zuschauen.

Die alten Freunde verschwinden einfach. Ein Teil während der Krankheit, der Rest meist nach dem Tod. Es ist als ob der Kitt für diese Freundschaften fehlt. Und ja, irgendwann einmal schrieb ich einen tollen Spruch: „Vorsicht ich bin ansteckend“. Mit Tod möchten viele Menschen nichts zu tun haben und doch kommen sie dem Tod jeden Tag ein wenig näher.

Ich denke die meisten verlieren die alten Freundschaften. Aber es können neue Freundschaften entstehen. Vielleicht nicht in der ersten Zeit, aber doch so langsam wird die Welt wieder größer. Auch wenn man mit dem Wort „Freunde“ vorsichtiger umgeht.

Auf dem Weg der Trauer kann einem nicht geholfen werden, jeder empfindet anders, jeder versucht seinen eigenen Weg zu finden. Doch letztendlich ist es immer der eigene Weg – nicht vergleichbar. Der Trost der wirklich hilft, kommt aus der eigenen Seele. Kein „du solltest“ oder „du musst“, kein reinreden in das momentane Leben. Und gut wird es nie wieder werden.

Auch nach 25 Monate habe ich noch sehr viel von Jürgens Kleidung, in Schatzkästchen in der ganzen Wohnung verteilt. Seine Jacke hängt bei mir im Schlafzimmer, manchmal hole ich mir eine „Nase“ davon. Ein wichtiges Kissen aus der Pflegezeit hat von Anfang an seinen Platz in meinem Bett gefunden, zwischenzeitlich auch mal gewaschen und trotzdem ist es noch genau dieses Kissen. Ein anderes Kissen liegt hier in meinem Zufluchtszimmer – nein, das ist nicht gewaschen. Das Seitenlagerungskissen liegt auf dem Sofa. Was ist Zeit?

Wie das Leben mit Jürgen jetzt aussehen würde weiß ich nicht. Er hätte sich verändert und ich habe mich verändert. Ich bin noch hier, bin übrig geblieben, Kompromissloser sicherlich, klar sortiert was ich möchte. Sicher es gibt immer wieder Momente da stampfe ich kräftig auf, na und?!? So vieles fällt schwer und ist nicht jeden Tag möglich. Und doch wird manches wieder möglich.

An die Urlaubsorte vom anderen Leben möchte ich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht gehen. An Jürgens 50. Geburtstag werde ich vielleicht eine Reise in die Vergangenheit machen, weil wir abgesprochen haben, daß wir dort an seinem 50. Geburtstag sein werden, aber das sind noch 6 Jahre hin.

Gedanken mal „aussprechen“ dürfen und zu wissen, hier kommt es richtig an. Ist es nicht schön, daß es diesen Ort hier gibt?!

Euch allen einen großen Knuddler.

Grüßle
Bruni

Symphonie 19.07.2007 23:37

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo,

Ich möchte dazu auch etwas sagen, als mein Sohn Tobi voriges Jahr verstorben ist, waren alle Jugendliche aus unserem Ort anwesend bei der Beisetzung, versprachen mir Hilfe, aber gekommen ist nichts.

Ebenso von vielen Freunden die ich habe, versprochen haben Sie viel, gehalten nichts.Viele Menschen wissen damit auch nicht um zu gehen ist meine Erfahrung die ich gemacht habe!

Liebe Grüße
Symphonie

Anemone 20.07.2007 15:20

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo alle zusammen,
ja, man kommt sich manchmal wirklich "verrückt" vor. Aber sind wir das nicht ? Verrückt im Sinne von "rausgerückt" aus dem Leben, das uns lieb gewesen ist. Nichts ist mehr so wie es sein sollte. Das Recht, "verückt" zu sein, steht uns jetzt einfach zu. Irgendwann werden wir wahrscheinlich wieder einwurzeln in dem neuen Leben.
Stark sollen wir jetzt sein. Warum eigentlich? Kurz nachdem mein Schatz die Diagnose seiner unheilbaren Krankheit hatte, suchte ich Hilfe bei einem Psychotherapeuten, weil ich einfach nicht klar kam mit meiner Angst um meinen Mann, um mich, unsere Zukunft. Nach drei Sitzungen erklärte mir dieser Spezialist, dass ich ihn eigentlich gar nicht brauche, ich sei so eine starke Frau, die gewiss mit diesem Schicksalsschlag gut umgehen kann.
Nee, ich brauchte ihn wirklich nicht mehr. Hat er denn nicht gemerkt, wie schwach ich war??
Gut, er hatte schon auch Recht, denn ich habe es ja geschafft, meinem Mann beizustehen, ihn zu jeder Chemo, Punktion und sonstigen Behandlungen zu begleiten, bei ihm zu sein, als er starb und, und, und. Aber stark ?? Nein, nicht wirklich. Auch in der Zeit meiner Trauer bin ich nicht stark.
Ich denke, unsere Umwelt hat das gern, wenn wir stark sind. Eine starke Frau, die dazu sogar noch ein Lächeln auf ihr trauerndes Gesicht zaubert, ist nun mal leichter zu ertragen als eine, der man ihre Schwäche und Verletzlichkeit schon ansieht. Aber trotzdem mag ich nicht mehr hören, dass ich ja sooo eine starke Frau bin.
Ich fühl mich schwach und elend, wenn ich abends alleine zu Hause sitze, wenn ich an seinem Grab stehe, wenn ich rund um mich herum Paare sehe in meinem Alter, wenn ich auf einer Reise etwas besonders Schönes sehe und denke: das hätte ihm jetzt auch gefallen... und bei vielen anderen Gelegenheiten.
Ich habe noch nicht die Kraft gefunden für neue Freundschaften. Im Trauer-Gesprächskreis, an dem ich teilnehme, hat das auch noch nicht geklappt. Wir unterhalten uns zwar nett, reden von unseren Problemen, aber zu mehr hats noch nicht gereicht. Vielleicht braucht man einfach eine Menge Geduld mit sich selbst bis man wieder auf jemanden zugehen kann - was mir früher nie schwer gefallen ist.
Hatte heute früh ein Erlebnis, was mich sehr nachdenklich gemacht hat: Gespräch an der Kasse in einem Laden. Die Kassiererin zu einer Kundin: "Ab 1. August bin ich in Rente." Kundin: "Ach, wie schön für Sie! Nicht mehr früh aufstehen müssen, Zeit für Hobbies und Nichtstun." Kassiererin: "Eigentlich will ich das gar nicht, ich stell es mir schlimm vor, den ganzen Tag mit meinem Mann zusammen! Wir werden uns bestimmt nur auf die Nerven gehen." Kundin: "Ja, meiner nervt auch ab und ganz gewaltíg, kommt manchmal so leise in die Küche geschlichen, ich frag ihn dann immer, ob er mich vielleicht kontrollieren will?"
Am liebsten hätte ich dazwischen gerufen: Genießt es doch einfach, wenn euch euere Männer nerven. Ihr habt sie noch. Wie gerne würde ich mich nochmal nerven lassen...
Ich grüße Euch alle zusammen ganz lieb, schicke Euch einen Knuddler und wünsche Euch, dass Ihr gut durchs Wochenende kommt - vielleicht mit ein bißchen Sonne innendrin und viel Sonne draußen.

Anemone :remybussi

Franziska1 20.07.2007 20:28

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Ihr Lieben,

ach wie gerne würde ich tauschen mit der lieben Dame die jetzt schon Angst hat dass ihr Mann ihr auf die Nerven geht. Mein Mann ist mir nie auf die Nerven gegangen und wenn dann haben wir darüber gesprochen, wir haben doch einen Mund zum Reden. Auf unserer Trauerfeier hat meine Schwägerin auch gesagt " wenn Du uns brauchst, wir sind jederzeit für Dich da, aber Du weißt ja wir sind berufstätig. Also wird somit alles gleich im Keim erstickt. Ich bin auch berufstätig(halbtags), wir waren aber jederzeit für sie da als sie beinahe einen Nervenzusammenbruch bekommen hat nachts um 1.00 Uhr.Auch als einem Nachbarn die Frau starb, ziemlich jung, haben wir uns um ihn gekümmert, waren Tag und Nacht für ihn da. Dann lernte er seine jetzige Frau kennen und er konnte uns dann nicht mal mehr grüßen. Seit dem Tode meines Mannes habe ich die Menschen kennengelernt, es sind nicht alles negative Erfahrungen aber überwiegend. Auf meiner Arbeitstelle wird nicht mal mehr gefragt wie es mir geht, es ist doch alles wieder " normal". Aber ich werde auch noch damit fertig, wenn ich meine Haustüre schließe, kann ich mich gehenlassen.
Liebe Grüße Franziska

ute57 20.07.2007 21:00

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Ja genau Franziska, auch bei mir ist es am Arbeitsplatz nicht anders. Frau Ute57 ist ja da, welche Probleme man noch hat, interessiert niemanden. Nach außen zeige ich immer und immer wieder die starke Frau, wenn ich dann mal am Boden zerstört bin, interessiert es niemanden. Ich habe stark zu sein, um welchen Preis auch immer. Mir fehlen Gespräche, normale Gespräche, komme abends nach Hause, Tür zu und dann lebe ich mehr oder weniger anonym. Ich frage mich so oft, warum? Es tut so weh, manchmal glaube ich, die anderen denken, ich bin mitgestorben. Aber ich lebe!

Franziska1 20.07.2007 21:49

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Ute,
ich will ja gar kein Mitleid, aber ich wünsche mir, daß die anderen zumindest versuchen zu begreifen, dass sich mein Leben grundlegend geändert hat, nichts mehr ist wie es war, mein Mann lebt nicht mehr und meine Arbeit habe ich auch verloren.(womit ich in 1000 Jahren nicht gerechnet hätte)Es kommt mir so vor, als hat sich mein Leben um 360 Grad gedreht. Alles was wir uns wünschten, geht nicht mehr. Auch ich war immer die Starke, ich frage mich aber ehrlich heute, woher ich die Kraft genommen habe wochenlang nachts immer wieder aufzustehen und meinem Mann beizustehen.Ich habe mich wahrscheinlich während der Leidenszeit meines Mannes selbst vergessen, hätte ihm gerne einen Teil seiner Qualen abgenommen..
Vielleicht strahlen wir eine negative Aura aus, dass sich keiner mit unseren Problemen befassen will.
Vielleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken und lebe einfach weiter so vor mich hin bzw. existiere.
Liebe Grüße Franziska

stef777 21.07.2007 18:04

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
hallo ihr,

ich würde auch gerne meinem akuten frust luft lassen. mein vater verstarb im januar 07 an BDSK nach ca. 18 monaten. ich bin in letzter zeit masslos enttäuscht von meinen kommilitonen. meiner meinung nach gehen mir viele aus dem weg. sie wissen von der krankheit und vom tod meines vaters. ich war im letzten jahr daher nur sehr unregelmässig an der uni. das wird mir z.T. indirekt vorgeworfen...(dass ich mich so rar gemacht habe). ich habe immer mehr das gefühl, dass sie absolut null gehör und verständnis dafür haben, was man in so einer zeit durchmacht. nun 6 monate danach fragt keiner mehr nach, wie es einem geht und meidet mich zudem. gerade in einer zeit, wo man jede unterstützung gebrauchen könnte, gehen leute einem aus dem weg... ich habe mir auch schon überlegt, ob wir eine negative aura haben....es bleibt nur, sich mit aller kraft einen willen zu mut, hoffnung und stärke zu bewahren.

LG
stef.

Daddys girl 21.07.2007 20:57

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
ich fürchte das ist unser aller los.. dass wir das erleben mussten und dann noch mit den Folgen leben müssen und mit den Problemen, die unsere werten mitmenschen damit haben.

ich hoffe ich darf hier auch meinen senf abgeben, obwohl ich erst 26 bin und vor einem monat meinen daddy verloren habe, nach eineinhalb jahren kampf.

das schärfste find ich ja wirklich "das wird schon wieder" was soll denn bitte wieder werden? ich find das zitat von Franziska phantastisch. es WIRD NICHT WIEDER !!! NIE NIE NIE WIEDER... und das heisst trotzdem nicht dass man sich selbst aufgibt oder das leben an sich, aber es wird halt nicht wieder. Ich bin sehr froh, dass ich noch die eine oder andere "positive" überraschung erleben durfte, aber das waren zu 90% menschen, mit denen ich gar nicht viel zu tun hatte, aber die den Tod eines geliebten menschen schon erlebt haben. zu meinem glück zählen auch meine beiden besten freundinnen zur traurigen gruppe der Halbwaisen und finden daher manchmal die richtigen worte. und die wissen auch dass es normal ist, dass es erstmal jeden tag schlimmer wird. ansonsten haben ein paar leute toll reagiert, ein paar einfach blöd.

wenn sie fragen wie es einem geht will es doch eh keiner hören oder?

sehr positiv überrascht hat mich die betriebsärztin bei der ich zur einstellungsuntersuchung war. sie hat die richtigen fragen gestellt, mir zugehört und auch meine körperlichen beschwerden richtig eingeordnet und mich weiterverwiesen an einen psychosomatiker, der mir vielleicht helfen kann.

alles gute.. ich wünsch euch kraft und gute freunde..

Franziska1 06.08.2007 21:01

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo Ute, Moni und alle anderen,
hat sich etwas Positives getan bei Euch? Bei mir leider nicht, ist doch alles normal, habe erst gestern den Spruch gehört, "jetzt muß es doch langsam besser werden". Nichts wird besser und muß schon gar nicht.
Liebe Grüße Franziska"

mimmi 06.08.2007 22:52

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo ihr Lieben,

entschuldigt, wenn ich hier so reinplatze, da du, Ute, ja hauptsächlich eher deine Altersgruppen ansprechen wolltest. Was ich auf keinen Fall falsch aufgefasst habe ;-)
Ich bin gerade 20 Jahre alt und möchte einfach mal aus meiner Sicht berichten:
Meine Mama ist vor 1 Monat gestorben, seitdem bin ich Vollwaise. Mein Papa ist vor 16 Jahren gestorben.
Ich hatte viele sogenannte "Freunde", wobei man doch schon recht früh merkt, wer es denn doch ernst meint mit der Freundschaft.
Ich muss dazu sagen, aufgrund der Krankheit meiner Mutter bin ich wesentlich reifer als die meisten in meinem Alter.
Aber nach und nach hört man von den ganzen "Freunden" und Bekannten einfach fast nichts mehr. Der Mensch geht doch meist den einfachsten Weg, das ist doch überall so. Und es ist schwierig mit "uns" umzugehen, da man nicht weiss wie man am besten reagieren soll. Ich sag den Leuten immer: Ich weiss doch selbst nicht wie man am besten reagiert, bleibt einfach so wie ihr seid...
Aber ich denke so einfach können sie das nicht und wenden sich ab.
Es ist furchtbar - v.a. furchtbar traurig für solche Menschen wie "uns". Teilweise kommt es mir vor, als seien "wir" eine besondere Rasse Mensch, mit denen man nicht umzugehen weiss und sie deshalb meidet.
In meinem Alter kommen noch einige Gründe hinzu, warum sich die Freundschaften so verlieren.
Ich bin davor wirklich gerne weggegangen, wobei ich das schon auch von meiner Mama abhängig gemacht habe. Klar konnte ich nicht feiern gehen, wenn ich wusste, ihr geht es nicht gut.
Ich war vielleicht 1-2 mal pro Monat in der Disco. Aber jetzt habe ich darauf einfach gar keine Lust mehr. Sowas wird von "meiner Altersgruppe" nicht akzeptiert. Sie denken auch "es ist doch jetzt bestimmt schon besser" - und wie ihr sagt "NEIN, NICHTS IST BESSER - ES IST SCHLIMMER!!! Denn jetzt erst fangen wir wirklich an zu begreifen!
Ich will damit sagen, jeder, egal in welchem Alter, hat dieses Problem. Eine "Freundin" von mir, wendet sich bereits nur noch an meinen Freund statt an mich, wenn es darum geht, wie es mit unserer Wohnungssuche aussieht. ICH höre nichts von ihr. Obwohl es ja eigentlich "meine Freundin" ist/war....

Ich hoffe ich schreibe nicht zu wirr... ich schreibe einfach nur meine Gedanken auf, die mir grad so kommen und versuche das gesamt zu packen und mit euren Themen zu vergleichen...

Die einzige Möglichkeit, die ich sehe besteht darin, diese Menschen direkt anzusprechen. Scheut euch nicht. ruft sie an und sagt doch einfach mal ganz freundlich: Wieso gehst du mir aus dem weg? weisst du nicht wie du dich mir gegenüber verhalten sollst??

Ich weiss, das ist für den ein oder anderen sicher sehr schwer, oder man denkt sich, wenn er nicht will... aber vielleicht einfach mal sorum probieren. Es kommt natürlich auch darauf an, wie wichtig einem diese Menschen waren, da gibt es ja auch immer wieder Unterschiede....



Stef, an dich möchte ich noch mal persönlich mein Wort richten...
das was du dort erlebst, erlebe ich in meiner Berufsschule... sie guggen dich schief an, und machen es dir indirekt zum Vorwurf... Aber, so lustig oder seltsam es auch klingen mag...
mein freund und ich sind letztens mit dem Taxi nach Hause gefahren, leider kann ich die Worte nicht mehr so gut wiedergeben, aber ich versuche es mal.
Der Taxifahrer war ein Inder. Und unser Thema ging um Ehrlichkeit und Gerechtigkeit. Ich will jetzt nicht zuweit ausholen, sonst wird mein Beitrag noch länger ;-)
Aber er sagte ein indisches Sprichwort lautet ungefähr so:
Alles kommt irgendwann irgendwie zurück.
Wie gesagt, leider kann ich es nicht so gut wiedergeben, es war spät, ich hatte auch was getrunken.
Zumindest ist es wirklich so. solange du diesen Menschen nix böses willst, sie dich aber ausgrenzen, werden sie irgendwann das selbe erleben. Irgendwann kommt es zurück.
Schade dass ich es nicht so ausdrücken kann wie er, mein Satz wird dir wohl weniger helfen, ich hoffe du verstehst wie ich ihn meine...

Aber ja...in der Schule und im Beruf ist das eben leider so. Wobei ich sagen muss, mit meiner Firma habe ich relativ viel Glück. Dort verhalten sich doch die meisten ganz normal. Sie sind etwas sensibler, aber versuchen sonst so gut es geht normal mit mir umzugehen.

So jetzt hör ich besser auf, sonst schreib ich gleich nen ganzen Roman :-D

Gute Nacht!

christa Benz 07.08.2007 01:08

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Ein Hallo in der Runde,

Mir geht es auch so.Mein Mann starb am 13.3.2006 an Lungenkrebs.Bin 58 Jahre alt und schon länger an Weichteilrheuma erkrankt.Jetzt werden meine
Schmerzen immer schlimmer,und muss mir ständig anhören,ja klar Ihr Mann ist ja gestorben.Ich war letztes Jahr 4 Wochen zur Kur.Da sagte man mir,Sie müssen Kontakt zu anderen herstellen.Ob ich das will wird man nicht gefragt.
Da will sich keiner mit dem Thema Tod und Krebs auseinander setzen.
Ich gehe jeden Tag zum Friedhof.Das können viele auch nicht verstehn.Mein
Mann war etwas ganz besonderes für mich.
Man kommt nach Hause ist ganz alleine.Bei mir steht noch alles auf seinem alten Platz,aber er ist nicht mehr da.
Ich pflege noch meine Mutter.Sie denkt auch jetzt habe ich Zeit,nur für Sie.
Mein Mann hat sehr viel im Haushalt und Garten geholfen,das fehlt mir.Es ist kein Essen mehr fertig wenn ich nach Hause komme,kein Rasen gemäht.
Ich habe in den letzten 2 jahren 30kg abgenommen.Wenn ich Sorgen habe geht kaum was mit dem Essen.
Ich kann nicht mehr arbeiten ,da ich meine Mutter pflege aber sonst bin ich auch sehr viel alleine.Manche Tage sind einfach zum k...
Ich denke oft an unsere schöne gemeinsame Zeit,dass gibt mir dann wieder etwas Trost.
So,jetzt ist es schon spät geworden.
Liebe Grüsse Christy

stef777 09.08.2007 13:11

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
liebe mimmi,

ich wollte mich für deinen lieben zuspruch bedanken!! :) kann schon sein, dass dieser taxifahrer grosse wahrheit gesprochen hat...zumindest kamen in den letzten wochen ein paar lügen von meinen kommilitonen nachträglich ans licht, da dachte ich auch, zum glück haben gerechtigkeit und ehrlichkeit hier mal gesiegt...schön, dass du in deiner firma verständnisvollere menschen um dich hast!!!

LG
stef.

Rachel 09.08.2007 14:24

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
ihr lieben - ich kann euch nur beipflichten, die menschheit ist einfach nicht menschlich. wenn ich euch einen hinweis geben darf. nehmt euch einen hund, der wird euch all die liebe und zuneigung geben, die man von sogenannten freunden und bekannten vermisst. ich bin lieber mit meinem hund ein ganzes wochenende alleine als mit den oberflächlichen menschen. ich habe ihm vom tierheim geholt und er zeigt mir jeden tag aufs neue, wie sehr er mich liebt.
ich wünsche euch alles liebe
rachel

mimmi 14.08.2007 18:14

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Hallo ihr Lieben,

bestimmt sind Tiere in dieser Situation unbefangener. Sie meinen ihre Liebe ernst.
Dennoch denke ich, sollte man sich nicht ausschließlich auf ein Tier fixieren.
Stattdessen sollte man lernen, auf die Menschen zuzugehen, die sich von einem entfernen. Einfach direkt drauf ansprechen und fragen was denn los ist.
Wenn man denn bereit dazu ist und die Kraft hat

HeikeF 16.08.2007 09:00

AW: Bin durch einen lieben Freund auf eine Idee gebracht worden
 
Das kommt mir alles so bekannt vor.
Denke auch es liegt daran, über alles wird in unserer Gesellschaft geredet nur nie über: Tod, schwere Krankheit, Sterbeprozess.
Es wird verdrängt.
Es herrscht immer mehr die Meinung vom ewigen Jungsein/Leben "Faltencremevertreter und Schönheitschirugen" leben davon.
Da darf man nicht mit solchen Themen kommen-verdrängen, ist einfacher.
Man hat einen "Virus der Sterblichkeit" und obwohl den jeder in sich trägt-möchte man nicht daran erinnert werden.
Fände es aber gut, wenn dies zum Beispiel fester Bestandteil im Religionsunterricht, Sozialkunde wäre oder auch bei Erwachsenengesprächen.
Früher, war es normal. Da hieß das "Sterbebett" weil in diesem Bett einer aus der Familie liegt- der sterben wird. Da hieß es "Trauerhaus" weil man den Trauernden Unterstützung gegeben hat, in dem man für sie kochte, sie umsorgte und trug in ihrer Trauer. Es wurde eine "Aufbahrung" im Haus gemacht damit sich jeder verabschieden konnte.
Nur heute wo alles nur noch aufs eigene Wohl fixiert ist und wo Geld eine sehr große Rolle spielt funktioniert es nicht mehr. Früher, wo Menschen es nicht so gut hatten und noch sich gegenseitig geholfen haben, weil man es zum Teil auch mußte (von Lebensmitteln bis zum Handwerker), gab es noch Menschlichkeit.
Es wäre schön, wenn wir da mal wieder hinkommen könnten
*I Have a Dream*;)


Auch diese tollen Fragen:
Wie alt war er denn???
Was soll das? gibt es ein Alter für die Angehörigen was es rechtfertigt, daß man einen geliebten Menschen verliert?
Oder auch : Es war besser so, nun muß er nicht mehr leiden Ach nee, habe ihn bis zum Tode gepflegt-wem sagt man das?
Es hört sich jetzt vielleicht ungerecht oder verbittert an aber ich denke, Ihr wisst wie ich das meine.

Mein Gott, soviel wollte ich doch garnicht schreiben:eek: :augendreh
Alles Liebe
heike
(Hirntumor/Wie soll man das Leben überleben?)


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 05:28 Uhr.

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