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Marienkäfer1346 30.10.2007 16:03

Chemo wirkt nicht
 

Liebe Frauen,

ich hatte diese Befürchtung schon einmal angedeutet. Heute morgen haben wir es dann tatsächlich mitgeteilt bekommen: nach fast zwei kompletten Zyklen Chemo (fünfmal Paclitaxel) ist der Tumor meiner Schwester nicht kleiner geworden. Er ist sogar gewachsen.
Die für heute morgen geplante Chemo hat schon gar nicht mehr stattgefunden.
Morgen Mittag haben wir einen Besprechungstermin, um zu hören, was in der Tumorkonferenz morgen früh entschieden wird in Bezug auf das weitere Vorgehen.

Zunächst war ich verzweifelt. In erster Linie war doch so geplant worden (neoadjuvant), um den wirklich sehr großen und aggressiven Tumor kleiner zu bekommen, um besser operieren zu können. So habe ich das jedenfalls verstanden. Wahrscheinlich, so nehme ich an, wird jetzt operiert werden ohne diesen benötigten „Sicherheitsabstand“.

Siegrid hat inzwischen ihre Haare verloren, ihre Nase blutet, sie hat meistens taube Fingerspitzen, fühlt sich natürlich auch geschwächt ... Und alles umsonst. Auch die OP wird, sofern sie empfohlen wird, nicht so schnell durchgeführt werden können, da sie erst einmal wieder ihr Blutverdünnungsmittel Marcumar absetzen muss.

Inzwischen habe ich mich wieder „derfangen“, wie man hier in Bayern sagt. Und wenn ich mich noch so viel ängstige und noch so viel weine: es nützt nichts. Wir müssen da durch.

Ich wollte euch das mitteilen. Natürlich in der Hoffnung, eure Meinung dazu zu hören oder ein bisschen Trost zu bekommen oder auch zu erfahren, welche Frauen es noch so erlebt haben, dass die Chemo nicht wirkte.

Herzliche Grüße
Reinhild

Ilse Racek 30.10.2007 17:54

AW: Chemo wirkt nicht
 
Hallo Reinhild,

ich habe einen anderen Therapie-Weg gehen müssen. Aber ich will hier versuchen, Dich ein wenig zu trösten, denn ich kann von einer Bekannten berichten, der es ähnlich wie Deiner Schwester erging. Wenn diese in einem Brustzentrum behandelt wird, werden erfahrene Fachärzte eine Alternative suchen und finden. Ich weiß nicht detailliert, welche (kombinierte) Therapie meine Bekannte derzeit genau bekommt, aber sie hat mir im TherapieCenter (Lymphdrainage) zugerufen, sie sei optimistisch und es gehe ihr den Umständen entsprechend gut !

Dir und Deine Schwester wünsche ich alles erdenklich Gute
LG

graupelchen 30.10.2007 18:01

AW: Chemo wirkt nicht
 
Hallo Reinhild,

Musste bei dem Wort "derfangen" lachen, ich komm nämlich auch aus Bayern ;)

Keine Panik!!!
Meine Mutter hatte letztes Jahr Brustkrebs, ihr Tumor war sehr groß und sie hat 6x neoadjuvant Taxotere + Epirubicin bekommen.
Nach 3 Anwendungen kam raus, dass die Chemo nicht gewirkt hat, der Tumor hatte sich überhaupt nicht verändert.
Sie hat dann weitere 3 Chemos bekommen und erst dann fand die OP statt. Der Tumor hatte sich nach den 6 Zyklen kaum verkleinert, zudem waren noch 10 Lymphknoten befallen (das kann man ja erst bei der OP rausfinden).

Im März war die Behandlung zuende und es geht ihr jetzt sehr gut. Ich habe keine Zweifel, dass die nächste Nachuntersuchung am 8.11. auch wieder ohne Befund sein wird!!

Aber ich verstehe deine Angst. Als sie uns damals sagten, die Chemo würde nicht wirken, sahen wir das fast als ihr Todesurteil. So war es aber nicht!!

Ich hoffe ich konnte ein wenig Mut machen.

Liebe Grüße,
Gabi

Susi04 30.10.2007 18:02

AW: Chemo wirkt nicht
 
Ach Reinhild, ich hab euch so gewünscht, dass es wirkt.
Trotzdem gib die Hoffnung nicht auf. Meine Oma hatte immer einen netten Spruch, wenn es jemandem nicht gut ging: " wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her"
Ich wünsche euch dieses Lichtlein für Morgen.

Mein Tumor war auch sehr groß, bei einer nicht sehr großen Brust.
Leider konnte bei mir nicht brusterhaltend operiert werden, aber es gibt schlimmers. Auch wenn für mich damals eine Welt zusammengebrochen ist, heute sehe ich das alles gelassener.
Ich drücke euch beide Daumen.

Liebe Grüße
Susi

Birgit64 30.10.2007 20:04

AW: Chemo wirkt nicht
 
Hallo Reinhild,

irgendwie ist jetzt das eingetreten, was ich eingangs auch befürchtet habe, nämlich dass die neoadjuvante Chemo nichts bringt. Ich glaube nicht, dass die Ärzte jetzt noch mit weiteren Chemos herumexperimentieren werden, zumal die Möglichkeiten aufgrund der Vorerkrankung ohnehin stark eingeschränkt sind.
Und die Frage ist ja auch, ob Ihr Euch überhaupt auf ein weiteres va banque-Spiel, so denn eine neue/abgeänderte Chemo angeregt wird, einlassen wollt.
Mein Bauchgefühl würde eindeutig Richtung OP tendieren und den bereits auch in früheren Postings angesprochenen Chemosensitivitätstest machen lassen um zu sehen, worauf der Tumor reagiert und ob das betreffende Mittel überhaupt für Deine Schwester in Frage kommt.

Und wie Susi schon schrieb, eine Ablatio ist nicht der Weltuntergang. Ich lebe auch schon seit fast 5 Jahren damit und komme gut damit klar.
Laßt den Kopf nicht hängen, die Nachricht ist zwar zunächst recht schockierend, aber nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird und wenn ihr das erst einmal habt sacken lassen sieht die Welt auch wieder rosiger aus. Bestimmt können die Ärzte noch ein paar gute Vorschläge für das weitere Vorgehen machen.


Liebe Grüße

Marienkäfer1346 30.10.2007 20:11

AW: Chemo wirkt nicht
 
Ach, ihr lieben Lieben,
ich bin schon wieder ganz guten Mutes. Bin so froh über alle eure Nachrichten und Gedanken und euer Teilnehmen. Es stärkt ungeheuer. Ich fühle mich kraftvoll und dem weiteren Vorgehen gewachsen, und meinem Eulchen geht es auch so. Sie sagte mir eben "ich bin voller Hoffnung und Zuversicht".
Was wollen wir mehr.
Wollte euch zunächst einmal nur von ganzem Herzen danken.
Umarmung für euch alle
Reinhild

seepferdchen 30.10.2007 20:53

AW: Chemo wirkt nicht
 
Hey Käferlein

ich machs kurz, denn ich habe jetzt grade nicht viel Zeit.

Ja, bei mir war es auch so. Zwei Zyklen Chemo für nichts ...
:eek:

ich konnte aber noch gut operiert werden, obwohl mein Tumor groß war.
Die dann folgende Chemo musste ich abbrechen, aber die hätte eh so gut wie nix gebracht.

Bitte lasse nach der OP einen Teil des Gewebes untersuchen ( ATP Test oder Chemosensitivitätstest ) - hatte Caro ja schon angeraten.
Besteht auf ein PET CT - möglichst jetzt oder direkt nach der OP.

Ich bin diese Woche mit der Strahlentherapie durch und beginne eine Antihormontherapie, es geht mir wieder sehr gut. :)
Am 10.12. fahre ich nach Leverkusen zum PET CT.

Für Deine Schwester alles Gute.
Schreibt mir ruhig eine PN, wenn ihr Fragen habt.

Liebe Grüße
Irmi

Marienkäfer1346 31.10.2007 21:22

AW: Chemo wirkt nicht
 

So, nun wissen wir, wie es weitergeht, nachdem die Chemo offensichtlich nicht wirkt.
Heute mittag waren wir in "unserem" Brustzentrum. Mussten nicht lange warten. Das war gut. Weniger gut war der Stress, den die Oberärztin offensichtlich hatte. Laufend wurde sie angefunkt, die Tür öffnete und schloss sich, sie telefonierte und wirkte sehr gehetzt, obwohl sie sich Mühe gab, in Ruhe auf uns einzugehen.
Sie sagte, dass das Tumorboard sich auf Operation geeinigt hätte. Sobald Siegrid sich ein wenig erholt habe von der Chemo, die Leukozyten angestiegen seien, ihre Gerinnungswerte nach erneutem Absetzen von Marcumar stimmten, soll die OP stattfinden. Voraussichtlicher Termin dafür ist der 16. November.
Es ist natürlich Ablatio. Als die Ärztin das aussprach, seufzte Siegrid ganz lang und tief. Sie saß da auf ihrem Hocker, so zusammengesunken, mit einem spärlichen Haarrest auf dem Kopf und so blass ... das ist mir so ans Herz gegangen. Ich spürte die Endgültigkeit und Trauer dieses Momentes ganz stark.
Wie wird es anschließend weitergehen? Das werden sie entscheiden, wenn sie das "Profil" des Tumors haben. Natürlich soll auch dieser Wächterlymphknoten entfernt werden.
Erneut Chemo? Bestrahlung? Das werden wir alles nach der Operation erfahren. Als wir wieder draußen waren, merkte ich, dass sich mein Geist in meinen hinteren Gefühlswinkel verkrochen hatte, offensichtlich, denn ich wusste gar nicht mehr genau, was gesagt wurde, und ich habe auch maximal die Hälfte von dem gefragt, was ich fragen wollte.
Selbst die extrem wichtige Frage nach dem Chemosens-Test habe ich vergessen. Von selbst haben sie es nicht angesprochen.
Mir wurde auch klar, dass wir bis zum Ende meines oder Eules Leben mit diesem K-Wort zu tun haben werden. Der Krebs wird uns begleiten, immer wieder auftauchen, in verschiedenen "Verkleidungen", wir werden Hoffnungen haben, die wieder zunichte gemacht werden, wir werden - so Gott will - uns freuen können an irgendwelchen Erfolgen ... Aber er wird immer dabei sein.

Ich liebe meine Schwester sehr. Habe von Kindheit an als die Ältere für sie gesorgt. Meine Mutter war selbst schwer krank. Ich weiß nicht, wie ich dieses Mitleid aushalten soll. Im Moment weiß ich es nicht. Morgen wird es wieder anders sein. Heute bin ich irgendwie am Boden. Für mich ist sie mein Kind, das ich nicht hatte. Sie ist total auf mich angewiesen, sie vertraut mir. Sie hat während dieses Gespräches meine Hand gehalten, sich fest an mich geklammert, immer wieder mit ihren Augen nach meinem Blick gesucht ... Ich hasse diesen verdammten Krebs!! Ich will meine Schwester behalten. Ich will, dass es ihr gut geht, dass sie keine Angst hat und nicht leidet, und ich weiß, ich kann sie bei allem nur begleiten, ihr nichts abnehmen.

Tränen.

Ich mache jetzt erstmal Schluss. Morgen ist es wieder anders.

Reinhild

suze2 31.10.2007 21:34

AW: Chemo wirkt nicht
 
lieber marienkäfer,

ich bin berührt von deinem beitrag, deiner liebe und umsicht.

ich glaube, dass das K-wort uns alle zwar immer - bis ans lebensende - begleiten wird, aber, jetzt, in dieser phase ist es wohl besonders schwer.
es wird sicher viele momente ohne K-wort geben - immer wieder und - auch immer öfter. zumindest hab ichs so erlebt, sogar während meiner postoperativen chemo - kleine momente oft, aber sehr schöne momente.

ich schicke euch liebe gedanken - und,
ja,
drücke euch die daumen -

sehr herzlich
suzie

Ullala 31.10.2007 22:01

AW: Chemo wirkt nicht
 
Liebes Marienkäferchen!

Von mir ein stiller, ganz ganz fester Drücker für Dich und Deine Schwester.

Von ganzem Herzen von Ullala

Anke66 31.10.2007 22:19

AW: Chemo wirkt nicht
 
Liebe Reinhild,

ich verstehe, dass Du die Krankheit Deiner Schwester gerne abnehmen würdest. Deiner Schwester, die wie Dein Kind ist.
Ich bin auch froh darüber, dass ich krank bin und keins meiner Kinder.

Aber überlege mal, was wäre, wenn Du Deiner Schwester die Krankheit abnehmen könntest, also Du krank wärst. Wer würde sich denn dann um Deine Schwester kümmern?
Wenn ich an der Stelle Deiner Schwester wäre, wäre ich unendlich dankbar, so jemanden wie Dich an meiner Seite zu haben.

Ich wünsche Euch alles, alles Gute,

Anke

HelmutL 01.11.2007 08:07

AW: Chemo wirkt nicht
 
Liebe Reinhild,

meine Frau kämpft seit 1 1/2 Jahren mit diesem sch..... Krebs. Nichts hat bisher wirklich richtig geholfen: 6 x TAC, Ablatio rechts, 25 Bestrahlungen, Ablatio links, Herceptin, Lapatinib, Xeloda. Zur Zeit wieder Bestrahlung, danach wieder eine neue Chemo.

Ihr Lebenswille ist nach wie vor ungebrochen, sie will den Krebs besiegen, sie steht immer wieder auf. Ich bewundere sie dafür.

Deine Ängste, Sorgen und Nöte kann ich sehr gut nachvollziehen. Gerade du musst dir vielleicht mal eine Auszeit nehmen. Für ein paar Stunden vielleicht. Geh irgendwo hin, wo es ruhig und friedlich ist. Mach einen langen Spaziergang. Lass dabei deine Gedanken wandern. Lass alle Gedanken zu, unterdrücke nichts. Vielleicht wird so dein Kopf frei für neue Gedanken für deine Schwester. Stell dir vor, du stehst am Meer und werfe die schlimmen Gedanken in die Flut und schaue zu, wie sie weggespült werden.

Ein guter Ort dafür ist auch eine Kirche. Die Ruhe und die Kraft die so einem Ort innewohnt ist riesengross. Nimm dir ein Stück davon mit.

Ich wünsche dir und deiner Schwester viel Kraft, Gottes Segen und allen Mut der Welt,

Helmut

bettiboo 01.11.2007 11:04

AW: Chemo wirkt nicht
 
HAllo!
Mir geht es momentan sehr ähnlich.
Ich versuche meine Mutter zu begleiten weiss nicht was richtig ist und halte mir immer vor Augen, dass ich stark sein muss und bei all der ohnmacht es hoffentlich hilft, dass ich versuche immer da zu sein. Wenn ich umfalle, fällt unser System um und das gibt mir fast täglich die Kraft aufzustehen und weiterzugehen. Und die letzten drei TAge pushe ich mich selbst jeden morgen mit den Sätzen: Ich hab mama lieb und ich schaffe auch diesen TAg!
MIr hilft momentan, diese Krankheit nicht immer beim NAmen zu nennen.
Ich habe ihn für mich getauft und auch meiner Mutter mitgeteilt, dass das Wort Krebs soviel MAcht und negative Dynamik für mich auslöst, sodass ich ihn ab jetzt nur mehr Hugo nenne.
Denn K. ist sowieso fürn Hugo...
Bitte, falls hier jemand liest der diesen Namen hat, fühlt euch nicht persönlich angegriffen.
Ich halte mir auch immer wieder vor Augen, dass es wichtig ist im Heute zu leben. Auch ich bin im medizinischen Bereich tätig und sehe und sah so viel Leid. Die Angst dass meiner Mama das alles nicht erspart bleibt nagt nachts besonders stark. Ich glaub, es ist für uns auch so schwierig, da ich annehme, dass auch du versuchst alles negative abzuwenden, vor allem weil du weisst, was alles entstehen kann, welche Nebenwirkungen es gibt und welche Folgeerkrankungen auftreten können... Versuche alle Statistiken und Prognosen zu vergessen. Du weisst ja selbst, in der Medizin ist alles möglich!
Aber: Es ist heute Donnerstag, wir wissen alle nicht, wie es morgen sein wird. Heute können wir nur für unsere Betroffenen da sein. Versuchen bewusst zu leben und Dinge im TAgesablauf einbauen, die uns gut tun.
Ich war vor kurzem bei einem Vortrag über Mammaca. und mich hat ein Satz eines Chirurgen sehr zum Denken angeregt:
Was ist Heilung von "Hugo"?
Heilung bedeutet, dass ein Betroffener nicht am Hugo stirbt, aber eins kann er mit Sicherheit sagen, der Betroffene wird an etwas anderem versterben.
MIch hat dies sehr beschäftigt und ich sehe nun jeden TAg als Geschenk und freue mich, wenn ich meine Mama drücken kann (auch mit dem Hintergedanken: Hugo, ich erdrücke dich!)!
Und mir wurde auch bewusst, dass ich meine MAma begleiten darf, ich habe jetzt die Möglichkeit ihr hundertmal am TAg zu sagen, ich hab dich lieb. Vor dieser Erkrankung habe ich es ihr nicht einmal gesagt.
Wir haben die Möglichkeit, bewusst mit dem Betroffenen den TAg zu erleben..
und da zu sein. Das ist für mich sehr positiv.
Ach gott, wenn ich doch auch nur wissen würde, ob ich s richtig mache..

HelmutL 01.11.2007 22:55

AW: Chemo wirkt nicht
 
Hallo Birke,

Angst ist das natürlichste Gefühl das wir Menschen kennen. Sie hat die Entwicklung und den Fortbestand des Menschen ermöglicht. Die Angst hat den Menschen zur Flucht oder zur Vorsicht getrieben. Die Angst ist somit ein lebensnotwendiger Begleiter unseres Lebens. Erst wenn sie uns lähmt, wird es gefährlich. Das geschieht, wenn wir keine Lösung sehen bzw. keine Fluchtmöglichkeit. Viele Krebskranke sehen das so. Sie sehen keine Lösung, keine Möglichkeit der Flucht vor der Krankheit. Das ist der gefährliche Aspekt der Angst.

Auf der anderen Seite kann Angst auch beflügeln, eine Trotzreaktion auslösen. Den Kopf wird eingeschaltet und sucht nach einer Perspektive. Diese gibt es auch bei dieser Krankheit. Man muss sie nur finden. Das ist das Problem.

Die Angst macht den Helden aus. Wer keine Angst hat weiss nicht was er tut.

Hallo Bettiboo,

keiner von uns ist allwissend, macht alles richtig. Was aus Liebe zu einem Menschen aus dem Bauch heraus (bestenfalls mit Einverständniss des Kopfes) gemacht wird ist in diesem Moment richtig. Man kann immer nur aus der Situation heraus handeln, keiner kennt die Zukunft. Aus der Vergangenheit kann man lernen, mehr nicht! Selbstvorwürfe bringen nichts, machen nichts ungeschehen. Sag deiner Mutter jeden Tag, dass du sie liebst. Es wird euch Beiden helfen. Und halt die Augen offen.

Euch und allen Anderen viel Kraft, Mut und Gottes Segen

Helmut

falino 02.11.2007 11:15

AW: Chemo wirkt nicht
 
LIebe Reinhild,
erst einmal wünsche ich dir und deiner Schwester sehr viel Kraft. Meine "große" Schwester hat sich auch sehr um mich gekümmert, während und nach der Chemo. Sie ist jedes Mal 450 km gefahren, um mich und meine Familie zu pflegen. An dem Tag, an dem ich von der AHB nach Hause kam, lag sie dann selbst mit einem Gehirntumor im OP-Raum. Leider konnten wir sie danach nur noch 16 Monate bei uns behalten und ist sie am 6.10.07 gestorben.
Aber trotz Trauer bin ich froh, dass ich die letzten Jahren so intensiv mit ihr "leben" konnte! Es ist schön, dass es solche Familienbanden noch gibt.
Sei gedrück:knuddel:
Viele liebe Grüße
Ann

Marienkäfer1346 02.11.2007 15:50

AW: Chemo wirkt nicht
 
Ihr Lieben,

für euren Beistand danke ich euch von Herzen.

Ihr wisst und habt es sicher selbst schon erlebt, wie hilfreich die Unterstützung von vielen ausgestreckten Händen und vielen mitfühlenden Seelen sein kann, auch virtuell.
Mir hat das sehr viel bedeutet und es hat mich sehr getröstet.

Ich kam zu dieser Trauer, zu diesem Tief, als ich zwei BH's anschaute, die ich meiner Schwester gerade gekauft hatte. Einen schönen cremfarbenen mit blauer Paspel und einen rosafarbenen Spitzen-BH. Ich wusste, so etwas wird sie nicht mehr tragen können, sondern BH's mit Prothese aus dem Sanitätshaus. Nun ist das ja wirklich der allernebensächlichste Aspekt des Ganzen, und trotzdem: es wirkte als Auslöser an diesem Tag und als i-Tüpfelchen auf die Nachricht "Ablatio".

Mir geht es wieder besser nach eurer Anteilnahme und eurem Trost und euren klugen Anregungen, und auch der Hauptbetroffenen, nämlich Siegrid, geht es gut. Sie wartet ganz gefasst auf den Tag der Operation.

Es ist sehr beruhigend, finde ich, zu hören und zu wissen, dass es Frauen gibt, die das gleiche und ähnliches erlebt haben wie Siegrid momentan. Und auch bei ihnen hat es einen Ausweg gegeben, eine andere Therapieform ...
Und da kommt dann ja auch wieder das Thema "Angst" ins Spiel, das bei mir so deutlich sichtbar wurde und das ihr aufgegriffen habt.

Ich glaube, dass sich für mich als Strategie gegen die Angst am besten dieses Konzept eignet: ich möchte in meine Überlegungen einbeziehen, dass Siegrid an diesem Krebs sterben kann. Das heißt, ich möchte es nicht in meine Überlegungen einbeziehen, denn als Kopfgedanke ist es ja sowieso schon da. Ich möchte es als Möglichkeit in mein Herz einlassen und mich vertraut machen mit dem Allerschlimmsten. Sonst stürze ich bei jeder neuen Untersuchung, bei jedem zu Ende gegangenen Hoffnungsweg (wie jetzt dieser Chemotherapie) in ein neues Angstloch.
Aber in allererster Linie möchte ich mich dem Leben zuwenden, dem Leben, das noch vor ihr liegt, und dem Leben mit ihr. Ich möchte nicht die Hoffnung und das Vertrauen verlieren in die Kunst der Ärzte und in die Fähigkeiten von Siegrids Seele, selbst auch an ihrer Heilung mitzuwirken.
Letztlich möchte ich es lernen, jeden Moment und jeden Tag als Geschenk anzunehmen und mir bewusst zu machen, dass er uns die Möglichkeiten bietet, einander Liebe zu geben und voneinander Liebe zu empfangen.
Eine Unterstützung ist mir auch mein Glauben. Auf diesem Weg mit Siegrid fühle ich mich von unser aller Vater begleitet.

Und last but not least habe ich zu spüren bekommen, dass ich hier sehr viel Hilfe und Unterstützung habe und diese euch ebenfalls geben möchte.

Herzlichst
Reinhild

Ann, ich fühle mit dir in der Trauer um deine Schwester, und ich umarme dich.

Marienkäfer1346 16.11.2007 13:03

AW: Chemo wirkt nicht
 
Liebe Mo,
ich danke dir von Herzen für deine Anteilnahme, und ich fühle mich getröstet.
Heute ist der schwere Tag und doch der Tag voller Hoffnung. Das erste Mal, dass IHM (mag im Moment das Wort nicht aussprechen) ernsthafte Waffen entgegengestreckt werden.
Im Moment läuft wohl gerade die OP. 10 Uhr war der angesetzte Termin.
Ich bin im Büro und auf meinem Schreibtisch brennt die Kerze, seitdem ich hier bin.
Ich hoffe.
Bis später
Reinhild

Leni 47 16.11.2007 13:53

AW: Chemo wirkt nicht
 
Hallo Reinhild,

auch ich drück die Daumen ganz fest.Sie schafft das.
Jetzt wird wohl die erste Hürde genommen sein.
Ich denk an Euch.

Liebe Grüße. Leni

Marienkäfer1346 16.11.2007 20:53

AW: Chemo wirkt nicht
 

Ich bin so froh. Alles ist gut überstanden.
Bin so erschöpft, als hätte ich die OP selbst hinter mich gebracht.
Jedenfalls ist ein ganz wichtiger Schritt getan.
Seid herzlich gegrüßt, ich gehe jetzt schlafen, total erleichtert,
Reinhild

SonneSollScheinen 17.11.2007 20:54

AW: Chemo wirkt nicht
 
Hallo Marienkäfer,

ich hoffe, es geht Deiner Schwester gut und sie hat die erste Nacht nach der OP gut überstanden. Jetzt geht es bestimmt bergauf! Ich hoffe, ihr könnt beide ein bisschen durchatmen: diesen grossen Schritt habt ihr geschafft!

Viele liebe Grüsse und weiterhin alles Gute,

Sonne

Marienkäfer1346 17.11.2007 21:28

AW: Chemo wirkt nicht
 
Hallo Sonne, lieben Dank für deine guten Wünsche.
Ja, ein ganz wichtiger Schritt ist getan. Die Erleichterung ist sehr groß.
Den ganzen Tag heute denke ich immer wieder an eine kleine Szene von gestern, nach der Operation. Meine Schwester legte die Hand auf die flache Stelle, wo ehemals ihre Brust gewesen ist. Nach einiger Zeit lächelte sie. Als ich sie fragte, warum sie so lächele, sagte sie tiefzufrieden "So ein dicker Brummer ... und jetzt isser wech". Auch bei ihr also nur Erleichterung. Ich habe mich so gefreut!!! :) :) :) :) :) :) :) :) :)
Ihr G 3 Tumor war inzwischen schon über 7 cm groß und ist ja auch während der Chemo weiter gewachsen. Der Wächterlymphknoten ist nicht befallen und unsere Freude darüber ist groß. :) :) :) :) :) :) :) :)
Ich bin sehr dankbar.
Herzlichst
Marienkäfer


ansaca 17.11.2007 22:19

AW: Chemo wirkt nicht
 
Hallo Marienkäfer,


ich weiss nur zu gut, was Deine Schwester durchgemacht und empfunden hat. Bei mir ist es nun etwas über ein Jahr her (Chemo nicht angeschlagen, Tumor sogar weitergewachsen, Brustabnahme im August 2006. Danach Bestrahlung und Antihormontherapie). Nach der OP habe ich damals vor Freude geweint, weil endlich dieser Mistkerl weg war!!!!! Im März 2008 steht der Brustaufbau an.

Seid beide gedrückt,

liebe Grüsse

Sanne :pftroest:

suze2 18.11.2007 20:53

AW: Chemo wirkt nicht
 
lieber marienkäfer,

dass alles gutgegangen ist
UND
dass der wächterlympfknoten frei war - das freut mich sehr -

ich schicke dir und deiner schwester einen ganz ganz lieben gruß -

und viel kraft und dass sie bald nachhause kann!

alles liebe
suzie

Marienkäfer1346 22.11.2007 10:23

AW: Chemo wirkt nicht
 
Liebe Frauen,

ich habe soeben mit der Ärztin meiner Schwester telefoniert und möchte hier die neueste Entwicklung berichten, die mich sehr zwiespältig zurücklässt, einerseits freut, andererseits besorgt ... Ich weiß es nicht so genau.

Sie sagte mir, dass Siegrid die Operation sehr gut verkraftet hätte, dass keine weitere Operation zur eventuell weiteren Lymphknotenentnahme folgen müsste. Will sie mir aber näher noch bei einem persönlichen Gespräch erläutern.
Jedenfalls meinte sie, dass das einzige, was man ihr hätte geben können, Paclitaxel gewesen sei und das ja nicht gewirkt habe. Eine andere Chemo käme wegen ihres Herzens nicht infrage.
Sie überlegten nun, die Lymphabflüsse zu bestrahlen. Aber auch das wäre sehr bedenklich und, wie sie sagte "es stünde noch in den Sternen". Es handele sich bei Siegrid um eine vom Herzen her schwerkranke Frau, bei der man abwägen müsse: Krebs/Herz.
Im Moment haben sie eine Anfrage laufen bei der Uniklinik München und warten auf den entsprechenden Rückruf des entsprechenden Professors, d.h. sie selbst holen eine Zweitmeinung ein.
Dann wollen sie uns mitteilen, ob bestrahlt wird oder nicht, denn auch das sei ja sehr herzschädigend.
Chemo also auf keinen Fall. Eventuell Bestrahlung.
Ansonsten nichts.
Wie findet ihr das?

Ich selbst bin irgendwie ... überrumpelt und habe erstmal keine Meinung dazu.

Siegrid geht es ansonsten gut. Sie wird voraussichtlich Sonntag oder Montag entlassen. Die Narbe verheilt gut. Auch seelisch fühlt sie sich erleichtert und befreit. Sie ist auch nicht mehr so schrecklich blass.

Wie wird es für uns weitergehen?
Ich halte mich und freue mich im Moment daran, dass die Lymphknoten nicht befallen sind. Was ein Segen! Vielleicht sind wir weiterhin so behütet. Ich werde dafür beten und ich hoffe es.

Herzlichst
Reinhild

suze2 22.11.2007 13:53

AW: Chemo wirkt nicht
 
lieber marienkäfer -
medizinisch kann ich euch nichts raten, aber du sollst wissen, dass ich an eurer situation viel anteil nehme.
die problematik, ob siegrids herz mitspielt, wieviel belastung zumutbar und sinnvoll ist, das ist sicher eine ganz ganz schwere entscheidung.

ich hoffe, es findet sich eine gute lösung...

alles liebe
suzie

Birgit64 22.11.2007 20:44

AW: Chemo wirkt nicht
 
Hallo Reinhild,

irgendwie war das ja zu erwarten, dass aufgrund der gesundheitlichen Vorgeschichte die Therapiemaßnahmen sehr eingeschränkt sein würden.
Also ist das ja keine wirkliche Neuigkeit.
Dass das BZ sich selbst um Alternativen bei anderen Kliniken bemüht finde ich gut und hilfreich. Man lässt zumindest nichts unversucht und versucht Alternativen zu finden. Insofern denke ich immer noch, dass ihr im BZ gut aufgehoben seid.

Ich würde aber dazu tendieren, erst einmal abzuwarten, was das persönliche Gespräch ergibt und möglicherweise tut sich ja noch die eine oder andere Möglichkeit auf.
Allerdings solltet ihr auch darauf gefasst sein, dass es das jetzt gewesen ist mit der Therapie, weil alles andere mehr Schaden als Nutzen bringen würde bei der Erkrankungsvorgeschichte deiner Schwester. Ich weiß, dass das bitter klingt, aber es gibt eben Grenzen.

Ganz liebe Grüße, auch an die Eule ;)

Marienkäfer1346 23.11.2007 12:29

AW: Chemo wirkt nicht
 
Liebe Mo, Suzie und Birgit und Ihr anderen Lieben hier,
dir, Mo, danke ich für deine Infos und für dieses bezaubernde Eulchen.
Und, Suzie, auch dir danke für deine guten Wünsche.
Birgit, ebenfalls ein Dankeschön an dich.
Was mir im Moment so durch den Kopf geht ist, dass ich diese Information der Ärztin nicht als bittere Erkenntnis und Ende der Möglichkeiten zu verdauen habe. Wie du schon sagst, Birgit, habe ich mich darauf einstellen können, dass wir allzu viele Optionen nicht haben.
Und mich tröstet auch der Gedanke, dass es viele Frauen gibt, die anders als Eulchen die Wahl haben und sich trotzdem gegen Chemo und gegen Bestrahlung entscheiden.
Ich denke mal, dass wir einen alternativen Weg versuchen werden. In dem Zusammenhang fällt mir auch wieder Mistel ein. Wenn ihr etwas dazu wisst oder zu anderen alternativen Methoden würde ich mich freuen, darüber zu hören.
Für mich ist jedenfalls die Schulmedizin, so sehr ich sie schätze und an ihre Wirksamkeit glaube, nicht der einzige Behandlungsweg.
Liebe herzliche Grüße
Reinhild

suze2 25.11.2007 23:23

AW: Chemo wirkt nicht
 
lieber marienkäfer!

ich spritze die mistel auf anraten der komplementärmedizinishen ambulanz der uniklinik wien. ich spritze helixxor.
im prinzip sollte die misteltherpie schon von einem arzt betreut werden.
das spritzen ist kein problem, da die spritzen nur unter die haut gegeben werden.

es ist die frage, welche mistel genau für euch die richtige ist und wie man mit der dosierung umgeht.

herzliche grüße
suzie


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