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Tom2605 09.06.2008 15:44

Ich verstehe gar nichts mehr
 
Erst einmal hallo, mein Name ist Thomas, ich komme aus Nürnberg und bin ganz neu hier gelandet.

So nun zu meinem Problem ... in einem Gespräch mit dem behandelnden Chefarzt meiner Frau wurde uns mitgeteilt, dass sie Lungenkrebs im fortgeschrittenem Stadium hat. Auf meine Frage ob groß- oder klienzellig kam die Antwort ... wissen wir nicht weil keine Probe vorliegt wurde uns gesagt.
Es wurden in der Zwischenzeit 2 Bronchoskopien durchgeführt und beide gaben kein bösartiges Material.

Ich habe nun eine Kopie des aktuellsten CT Befundes bekommen und da steht nun folgendes Fach-Chinesisch:

dringender Verdacht auf Bronchialcarciom im apikalen Unterlappensegment rechts, Durchmesser 3,8 x 3,2 cm, Arrosion von BWK 7 rechts, Einbruch in den Spinalkanal und in das rechte Neuroforamen
massiv vergrößerte Lymphknoten rechts hilär um den Unterlappenbronchus und um den rechten Hauptbronchus Durchmesser bis zu 3 cm vergrößerte Lymphknoten rechts paratracheal Durchmesser bis zu 1,8 cm

Nun verstehe ich erstens das Ärztedeutsch sehr schlecht und zweitens ... was stimmt nun ... die Aussage des Arztes oder der Befund des CT in dem man von einem Verdacht spricht.

So geht das nun schon seid 4 Monaten .... Sie ging wegen unerträglichen Schmerzen zum Hausarzt der zig Röntgen- und CT Untersuchungen der Wirbelsäule machte ohne Befund. Er verschrieb ihr Unmengen von Schmerzmitteln die allle kaum Erfolg brachten. Dann ist meine Frau auf eigenen Wunsch ins KH gegangen. Da wurde eine inzwischen verschleppte Lungenentzündung mit Verkapselungen entdeckt. Dann wurde plötzlich von einer TBC Erkrankung gesprochen .. Frau auf Isolation ... nach 3 Tagen aufgehoben ist kein TBC.
Danach wurde eine Bronchoskopie gemacht, mit dem Ergebnis dass kein Tumorgewebe gefunden wurde. Weitere CT Kontrollen zeigten "nur" die Verkapselungen in der Lunge. Nachdem die Lungenentzündung und hauptsächlich die Verkapselungen nicht auf Antibiotika angesprochen haben wurde meine Frau in ein anderes KH verlegt auf die Abteilung für Lungenchirurgie.
Dort eine erneute Bronchoskopie wieder ohne Befund. Eine erneute CT Aufnahme zeigte nun eine Geschwulst zwischen Lunge und Wirbelsäule. Der Arzt sagte uns operieren geht nicht weil die angeblich zu gross ist. Dann bekamen wir plötzlich gesagt dass es sich um Lungenkrebs im fortgeschrittenem Stadium handelt. Wie oben schon gesagt CT Befund spricht von Verdacht.

Heute wurde eine Biopsie gemacht und dann erhoffe ich für meine Frau und auch mich endlich Klarheit und dann auch eine Behandlung. Weiss jemand wie lange so ein Ergebnis einer Biopsie dauert in der Regel ?

Ich entschuldige micht dass der Beitrag so lang geworden ist, nur das sind die Fakten momentan und ich blicke nichts mehr. Ich drehe noch durch .. Sorgen, Angst und Hoffnung wechseln sich im Minutentakt ab.

Liebe Grüße an alle
Thomas

P.S.: Ich bin für jede Antwort dankbar

östel 09.06.2008 16:27

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Lieber Thomas, es ist schrecklich warten zu müssen. ich hoffe aber, dass Du hier viele Antworten bekommst und Unterstützung. Nicht Jeder Tumor ist in der Bronchoskopie sichtbar. meiner zB auch nicht.Ich versuchs mal mit der Übersetzung des Fachchinesisch. ganz grob, so wie ich es verstehe: Bei Deiner Frau ist eventuell ein Wirbel BWK7 befallen und die Lymphknoten. Das hiesse dann, dass der Krebs metastasiert hat.
Wichtig ist Jetzt die zellart, gross oder kleinzellig. Danach richtet sich die Therapie. Euch beiden Geduld, kraft und liebe Grüsse Regina

loetchen 09.06.2008 19:12

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hallo Thomas..

..erstmal willkommen hier im Board..gut dass Du diese Unterstützung gefunden
hast. Hier können wir zwar keine Diagnosen stellen, aber die Betroffenen und
Angehörigen mit Informationen unterstützen.

In Euren Fall ist das ja wohl fast ein Offenbarungseid der Mediziner. Ich kann
einfach nicht verstehen, dass man zu unterschiedlichen Diagnosen kommen
kann und das ganz auf dem Rücken des Patienten austrägt.

Sicher aber bin ich, dass eine Abteilung Lungenchirurgie der falsche Partner
ist, so ein Thema gehört eindeutig in die Onkologie. Und weiterhin bin ich
sicher, dass Onkologen das Problem auch richtig klassifizieren. Es ist absolut
eine Frechheit, was da mit Euch gemacht wird.

Ich persönlich würde mir eine Spezialisten suchen, bzw. von meinem Hausarzt
- der bestimmt einen kennt- an die richtige Stelle überweisen lassen.

Ich hoffe, Ihr habt bald die richtige Unterstützung und Diagnose.

loetchen

Tom2605 09.06.2008 22:01

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Erstmal ein Dankeschön für die Antworten !

Ich denke, dass ich einfach mal einen "Frust" Schub hatte und mir meinen Seelenmüll von derselben gschrieben habe.

Nachdem ich eben ausgiebig mit meiner Frau telefoniert habe, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir jetzt erstmal das Ergebnis der Biopsie von heute abwarten. Aber meine Frau will den Ärzten morgen mal Dampf machen wegen den Schmerzen. Ansonsten will sie auch mal wieder nachhause, damit wir uns wieder sehen. Kann wegen den dummen Finanzen (Hartz IV) maximal einmal pro Woche ins KH fahren, da uns das Geld gekürzt wurde, weil meine Frau ja nicht hier ist.
Das bange Warten auf ein Ergebnis ist so zermürbend, aber das brauche ich Euch sicher nicht zu sagen. Vor allem wenn man nun schon über 4 Wochen nichts genaues weiss und auch nichts passiert ist. Ich habe mir nun auch ärztliche Unterstützung geholt ... habe am Freitag Termin beim Psychotherapeuten ... kann ja nicht dauernd nur die vom HA verschriebenen Medikamente (Mirtazapin und Diazepam) in mich rein futtern.

Weiss jemand ob es Gesprächsgruppen oder so etwas in der Art in Nürnberg gibt ? Denn ich habe weder Verwandschaft noch Freunde um mich mit denen mal auszusprechen und meine Sorgen und Ängste mal raus zu lassen.

gimah 09.06.2008 22:17

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
hallo tom,
schön,dass du her gefunden hast......
hier ist dir ja nun schon eine menge gesagt worden.
ich drück , wie gewohnt, die daumen, dass bald neue klarheiten kommen und
es im guten sinne vorwärts geht !

ganz lieben gruß sagt dir gisella

Schrödi 09.06.2008 22:19

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hallo Thomas!

Leider kenn ich mich im Raume Nürnberg überhaupt nicht aus, aber ich habe hier im Forum (obwohl ich hier ein totaler Neuling bin) das Gefühl gewonnen, dass man auch hier mit seinen Sorgen gut verstanden und auch aufgefangen wird.

Ich drücke Euch alle Daumen!

Anja

Gitta aus Nürnberg 09.06.2008 22:26

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hallo Tom,
ich habe hier eine Adresse für dich:

Psychosoziale Beratungsstelle Nbg
Marientorgraben 13
2. Stock

0911/49533

vielleicht kann man dort dir weiterhelfen. Es ist eine Beratungsstelle der Krebshilfe.Rufe einfach einmal an. Ich drücke dir die Daumen.

Bis bald
Gitta

loetchen 09.06.2008 23:05

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
..hallo Gitta..

..als Nürnberg erwähnt wurde habe ich sofort an Dich gedacht..

..prima, dass Du so schnell reagiert hast und helfen konntest!!!..


Liebe Grüsse

loetchen

Tom2605 10.06.2008 13:08

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Obwohl es für diese Art Gedanken viel zu früh ist, habe ich Angst, dass meine Frau sterben muss. Sie ist die große Liebe meines Lebens und eigentlich ein fester Teil von mir selbst.

Ich möchte so gerne hoffen, doch die Geschichten die man liest sind doch überwiegend mit einem traurigen Ausgang.

Nun warten wir halt mal die Diagnose ab und sehen dann weiter ... Angst habe ich trotzdem

Liebe Grüße
Thomas

Tom2605 10.06.2008 19:22

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Es tut schon gut zu wissen, dass man kein eiskaltes Monster ist, wenn man solche Gedanken hat. Das sie normal sind erschreckt mich ein bisschen. Bisher war das Thema Tod immer so weit weg von meiner Frau und mir.

Mal ehrlich wer macht sich auch mit 45 (meine Frau) und 41 (ich) darüber Gedanken ?

Naja, ich hoffe mit meiner Stimmung ist es wie mit dem Wetter ... auf jedes Tief folgt auch wieder ein hoch.

Ich höre gerade Queen "The show must go on" ... wie in letzter Zeit sehr häufig .. das sollte ich zu meinem Motto machen .. was auch immer kommt ... The show must go on :cry:

Liebe Grüße
Thomas

Schuberhand 10.06.2008 22:25

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hallo Thomas

auch wenn man viele traurige Verläufe und Ausgänge dieser verdammten Krankheit liest, es gibt auch andere. Mit einer positiven Einstellung und einem guten Ärtzeteam kann man diesen Kampf gewinnen. Wie ich.
Bei mir wurde im Januar 2007 ein Ardenokarzinom 5 x 6 cm ( ca in der Größe einer Mandarine ) im rechten Lungen - Unterlappen festgestellt. Lymphknoten waren ebenfalls befallen. Was folgte war eine Chemotherapie und gleichzeitig 28 Bestrahlungen. Der Weg war steinig und hart aber wie es aussieht habe ich ihn gewonnen. Heute geht es mir wieder richtig gut, und ich sehe mein Leben mit anderen Augen. Die Angst kann man Euch nicht nehmen, aber man kann Euch unterstützen und zur Seite stehen. Ich bin schon seit Beginn meiner Krankheit Mitglied in diesem Forum, hatte aber nicht die Kraft eigene Beiträge zu schreiben, auch aus Angst, zuviel negatives zu lesen oder zu hören. Heute denke ich anders darüber, und möchte mit meinen Erfahrungen anderen Betroffenen helfen.Ich hoffe, daß Euer Befund der Biopsie bald da ist und diese Ungewissheit ein Ende hat.

laß von Dir hören
bis dahin
Schuberhand

Tom2605 12.06.2008 10:04

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Gestern war ich bei meiner Frau. Es war so schön sie wieder in den Armen halten zu können. Wir saßen einfach nur eng umschlungen da ... sicher ne Viertelstunde ... ohne ein Wort und trotzdem haben uns unsere Herzen dabei jede Menge gesagt. Wir spürten uns, unsere Liebe, doch auch unsere Änste und Sorgen. Dann haben wir darüber gesprochen ... ein langes, offenes Gespräch, in dem auch meine Frau ihre Ängste, ihre Sorgen und die Angst davor zu sterben mal raus lies (sie schon immer mehr verschlossen wenns um Probleme und Gefühle geht).
Ich hörte ihr zu und fühlte mich plötzlich so stark, so gebraucht und ... ich kann es nicht in Worte fassen ... ich fühlte mich ihr näher als jemals in unserer 12 jährigen Beziehung vorher.
Danach sind wir (zu der sehr sehr netten) Stationsärztin gegangen und sie hat in unserem Beisein, den Pathologen angerufen. Leider wieder kein Ergebnis. Er meinte es dauert noch 2 Tage, bis er ein auswertbares Ergebnis vorlegen kann und die Ärztin sagte uns ich zitiere "sobald ich das habe komme ich mit Kondensstreifen an den Ohren über den Flur gewetzt, um es mitzuteilen". Sie hat uns in ihr Büro mitgenommen und lies erstmal Kaffee kommen. Dann konnten wir die letzten Zweifel die, die Diagnosen welche bis heute vorliegen ausräumen.

Also nach den Aufnahmen des CT handelt es sich um den dringenden Verdacht auf ein BC. Diese ist in den Spinalkanal eingedrungen und ist definitiv der Auslöser für die starken Schmerzen meiner Frau. Auch zeigt sich an dieser Stelle, dass der Wirbelkörper bereits angegriffen ist. Der Arzt hat mir deshalb gesagt, er gehe bereits von Krebs aus, da dieser Tumor an der Lunge ein derart rasantes Wachstum zeigt, das (laut Ärztin) viel zu schnell für eine normale Entzündung ist. Auch dass dieses Teil die Lungenwand bereits durchstossen hat und in die Wirbelsäule vorgedrungen ist, macht ihr grosse Sorgen. Einen greifbaren Beweis gibt es bis dato allerdings nicht und die Ärztin meinte, sie würde sich so freuen uns sagne zu können dass alles falscher Alarm war, wenn das Ergebnis der Biopsie kommt.

Ansonsten ist sie mit dem Gesundheitszustand meiner Frau sehr zufrieden. Ausser den Schmerzen eigentlich keine weiteren Probleme ... sie hat Appetit, kein Fieber und die Verkapselungen in der Lunge sprechen zum Teil sogar ein klitzekleines bisschen auf das Antibiotikum an. Die Lungenentzündung ist auch ein klein wenig besser geworden.

Man merkt, dass diese Ärztin "Gas gibt", damit endlich etwas gemacht werden kann, je nach Befundlage. Doch blind darauf losbehandeln will, darf und kann sie nicht. Das verstehe ich. Bisher wurde nicht nach Metas oder sonstwas gesucht. Das kommt alles nach dem Biopsieergebnis. Operieren werden sie auf jeden Fall müssen, wegen einer der Verkaselungen, die sehr groß und massiv ist.
Psychisch geht es meiner Frau und mir nicht so gut, so dass die Ärztin gemeint hat, sobald alle Untersuchungen und anfallenden Behandlungen erledigt sind, inkl der evtl OP, will sie meine Frau nachhause gehen lassen, damit wir endlich Zeit für uns haben, alles zu verarbeiten und einfach uneingeschränkt füreinander da sein können.
Mehr Klarheit könne sie uns leider nicht geben im Moment, auch wenn sie es so sehr möchte und ich glaube es der Ärztin.

Nun, dann werde ich mal die längsten 48 Stunden meines Lebens angehen und auf das Biopsie Ergebnis warten. Hoffentlich kommt es noch vor dem Wochenende.

Liebe Grüße
Thomas

P.S.: @ Gitta .. habe kommenden Mittwoch einen Termin bei der psychosozialen Beratungsstelle bekommen ... leider nicht früher die haben Fortbildung ... danke nochmal für den Tip

Bianca-Alexandra 12.06.2008 12:55

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Lieber Tom,

gerade erst hatte ich Gelegenheit, mich in Deinen Thread einzulesen. Schlimm, was ihr im Moment durchstehen müsst. Aber so, wie ich es lese möchte ich mich Krabbe und Deiner heutigen, eigenen Meinung anschließen.

Ich glaube, ihr seid in sehr, sehr guten Händen. Dieses Wissen, das man das Beste und vernünftigste tun wird ist so wichtig für die Behandlung Deiner Frau - und vor allem auch für ihre Psyche, denn meiner Erfahrung nach gibt es kaum etwas wichtigeres als dem Arzt, von dem man behandelt wird, vertrauen zu können.

Ich vermute, dass sie sich mit der Schmerzmedikation noch ein bißchen zurück halten weil sie noch nicht genau wissen, woran sie sind. Sobald dies klar ist, wird dieser enorm belastende Faktor ganz sicher in Angriff genommen werden, denn das ist wohl das, was man mit Sicherheit sagen kann. Die Schmerzen werden sie in den Griff bekommen. Es gibt aber eben Mittel, die in bestimmten Situationen kontraproduktiv sein können. Daher vermute ich die vorsichtige Haltung. Bei meiner Mutter wurde über die Bronchoskopie auch nicht viel verwertbares entnommen. Erst die Mediastinokopie brachte definitive Klarheit. Auch bei meiner Mom gab es einen Verdacht auf TBC aufgrund einer Verkapselung - der sich ebenso nicht bestätigt hat.

Das Hin und Her ist glaube ich die größte Herausforderung. Für Euch beide. Schade finde ich auch, dass es für Dich so wenig Möglichkeiten gibt, sie zu besuchen. Ich empfehle Dir, Dich da noch mal bei der Krankenkasse Deiner Frau zu erkundigen. Meiner Meinung nach kann man zumindest später die Arztbesuche, die notwendig sind, als Begleitperson finanziell bis auf einen geringen Eigenanteil einreichen. Dann wäre zumindest sicher gestellt dass Du dann immer mitkannst. Erkundige Dich, oft gibt es mehr Netze als man denkt.

Den Schritt mit dem Psychoonkologen finde ich gut. Ich bin damals mit meiner Mom auch dort gewesen. Vielleicht findest Du dort die Möglichkeit, offen zu sprechen - und noch dazu mit jemandem, der Dich versteht. Denn das ist selbst dann, wenn man ein "Potential" zuhause hat; Freunde, Familie, oft schwierig.

Dieses Forum hier ist ein erster Schritt für Dich und die Möglichkeit, Dich auszutauschen und oft auch um Rat zu fragen. Aber als alleinige Stütze und Hilfe für Dich sicherlich nicht genug. Die persönliche Unterhaltung kann es eben nicht ersetzen.

Ich wünsche Euch nur das Beste. Lies nicht zuviel in anderen Themen, warte lieber erst einmal ab woran ihr seid. Wenn Du dann konkretes weißt kannst Du das Forum sehr gut als Wissenspool nutzen. Vorher macht es Dich nur verrückt. Es gibt hier eine goldene, wenn auch ungeschriebene Regel. Jeder Krebs - sofern es einer ist - verläuft komplett anders. So wird es auch bei Euch sein. Ihr seid in guten Händen denke ich. und das ist kaum zu ersetzen.

Ich drücke Euch die Daumen und hoffe, ihr schafft es, Euch ein bißchen abzulenken. Vielleicht könnt ihr ja, falls Deine Frau zum WE nach hause kann, ein bißchen aus diesem Irrgarten ausbrechen.

östel 12.06.2008 13:44

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hallo Tom, hört sich alles gut und nach Kompetenz an aber gib Gas mit der Schmerzmedikation. Das wird oft vernachläsigt wenn der Patient sich nicht deutlich artikukiert. Deine Frau darf keine Schmerzen haben und es gibt auch keinen Grund warum sie noch länger welche erleiden muss. Am Wochenende passiert nichts also versucht das vor sa anzugehen. Euch alles Gute und Liebe Grüsse regina

Tom2605 12.06.2008 15:03

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Entschuldigt, da habe ich mich wohl etwas falsch ausgedrückt. Im letzten KH hat man sie echt jämmerlich leiden lassen zum Teil und ihr unterstellt sie wäre Medikamentenabhängig und deswegen braucht sie soviel Medizin.

Jetzt ist das absolut anders und sie kriegt keine Schmerzinfusionen mehr sondern nen Saft kombiniert mit Tabletten (fragt jetzt bitte nicht wie die Medikamente heissen). Dadurch geht es mit den Schmerzen eigentlich recht gut und wenn sie ne Schmerzspitze hat (meistens nachts) drückt sie aufs Knöpfchen und kriegt ne Infusion für die Nacht oder noch ne Dosis Tropfen.

Gitta aus Nürnberg 12.06.2008 15:57

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hallo Tom,

Ich schreibe dir hier nochmal schnell was ab. Bei dieser Kontaktadresse steht folgendes Angebot:

Seelische Unterstützung bei der Bewältigung der Erkrankung, Begleitung in Krisensituationen, Ermutigung mit der veränderten Lebenssituation umzugehen, es konnen finanzielle und sozialrechtliche Fragen geklärt werden.

Dies einmal so grob

denn ich habe persönlich keine Erfahrung damit, die Nummer habe ich als Notnagel liegen. Es passiert durch diese Krankheit oft schnell, daß man auch noch in finanzielle Not gerät, dort gibt es solche Stiftungen (Hans Rosenthal) und sie helfen dir auch mit Ämtern weiter. Ich betreue manchmal ehrenamtlich Menschen die niemanden haben, aber die Maßnahme, daß Hartz IV gekürzt wird, kenne ich so noch nicht.

Ich bekam meine Diagnose im August 05, also vor fast drei Jahren. Am Anfang war alles furchtbar, da ich eine 7-jährige Tochter habe. Jetzt habe ich gelernt mit der Krankheit zu leben. Ich wurde durch das Klinikum Nord betreut, war sehr zufrieden und habe noch immer guten Kontakt zu den Ärzten. Falls wieder eine Chemo kommt, gehe ich dorthin zurück. Im Moment werde ich von einer Onkologin ambulant betreut.Sei nicht gar so traurig
http://wuerziworld.de/Smilies/tr/tr4.gif

Kopf hoch Bis bald
Gitta

Tom2605 13.06.2008 00:58

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Heute kam die Diagnose ... nicht kleinzelliges BC .. zur Zeit inoperabel. Es wurde auch gleich ein CT des Bauchraumes gemacht .. nichts gefunden , Kernspin des Gehirns auch nichts gefunden ... morgen kommen nun die Knochen dran .. da mach ich mir etwas Sorgen da der Tumor in den Spinalkanal eingedrungen ist und dort nen Wirbel bereits "angeknabbert" hat. Aber mal sehen.

Den genauen schriftlichen Befund bekomme ich morgen und wenn ich fragen hab wegen dem fachchinesisch weiss ich ja an wen ich micht wenden kann.

Gerade eben fühle ich Erleichterung, denn der Druck ist weg, es wird nun etwas gemacht, aber auch Angst vor dem was kommt. Die Verlustangst ist jetzt natürlich auch sofort wieder präsent.

Aber ich habe ja zum Glück am Freitag gleich um 8.00 Uhr Termin beim Psychologen ... mal sehen was der so sagt.

Liebe, etwas ängstliche Grüße

Thomas

Lissi 2 13.06.2008 07:37

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Lieber Thomas,
Deine Erleichterung ist verständlich,endlich hat der Feind einen Namen und man weiß nun auf was man sich auch in der Informationssuche konzentrieren muss.Auch bei uns,mein Mann hat die Diagnose im Januar bekommen,kommen immer wieder die Verlustängste auf,aber man entwickelt Kräfte damit umzugehen von denen man vorher nie was auch nur im entferntesten geahnt hat.
Die Angst kann uns keiner wirklich nehmen,aber Du hast hier ja sicher auch schon festgestellt,man ist nicht mehr so alleine damit,auch das hilft oft ein Stück weiter.Ich drücke für Euch beide die Daumen.
Liebe Grüße
Lissi

Tom2605 13.06.2008 10:01

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hallo zusammen,

Termin beim Therapeuten beendet. War heute nicht sehr ergiebig .. klar war ja das Erstgespräch. Gleich für nächste Woche hat er mir nen Doppeltermin gegeben, wo wir Tests und längere Gespräche haben werden. Für die Ziwschenzeit wurde die Mirtazapin Dosis leicht erhöht.

Ansonsten macht mich das Alleine sein fertig... niemand da zum reden .. die Frau kommt so schnell nicht raus aus dem KH

Also schaue ich alle paar Minuten ins Forum, das sind die Momente in denen ich mich nicht so alleine fühle

Liebe Grüße

Thomas

Engel07 14.06.2008 21:48

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Lieber Thomas,

das tut mir alles so leid. Man liest aus deinen Zeilen, wie sehr du deine Frau liebst und wie sehr es euch den Boden unter den Füßen wegzieht.

Dazu auch noch der finanzielle Druck und das Schlimmste: das Alleinsein. Ist denn wirklich niemand da, der dich auffangen kann? Familie, Freunde?

Schreib dir deinen Kummer von der Seele, hier ist immer jemand an deiner Seite.

Und zur Diagnose möchte ich noch sagen, es ist wirklich schlimm, aber wenn keine Metastasen gefunden wurden, schon fast Glück im Unglück. Man wird ganz bestimmt eine gute Therapie finden, die euch wertvolle Zeit schenken, sei es Chemo, Radio oder beides in Kombination.

Ich wünsche euch ganz viel Kraft und schicke euch liebe Grüße nach Nürnberg

Renate23 14.06.2008 22:00

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hallo Thomas,
lese gerade Deine Zeilen, komm doch mal in den chat. Da ist fast immer jemand mit dem Du etwas plaudern kannst. Das lenkt ab und ist auch ganz nett. Einfach chat anklicken, sicherer modus und schon bist Du drin.
Lg Renate :winke:

östel 15.06.2008 13:48

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Lieber Thomas, es tut mir leid, dass sich die Verdachtsdiagnose bestätigt hat. Du machst eine schwere Zeit durch aber Du wirst hier immer Unterstützung finden. Es gibt hier etliche Angehörige in ähnlicher lage. Erst mal Liebe Grüsse Regina

Tom2605 15.06.2008 14:18

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Leider bleibt uns die Nähe immer noch verwehrt, da sie immer noch stationär liegt und dies vermutlich auch noch länger. Die Ärzte sagen zwar sobald die Schmerzen unter Kontrolle sind (und nach Aussage meiner Frau sind sie das jetzt schon) kann sie mal heim gehen, aber nichts dergleichen passiert.

Druck machen will sie nicht, mir verbietet sie es ... wenigstens mal ein Wochenende wo eh nichts passiert wäre doch schon was. So muss hier jeder für sich alleine diese sch.... Krankheit verarbeiten und damit klar kommen.

Montag will sie die Ärztin mal fragen wie es aussieht, doch die Antwort kann ich mir schon jetzt denken. Die wollen ja ab Montag mit der Strahlentherapie beginnen (Montag markieren unter CT und evtl gleich loslegen) und dann soweit ich informiert bin täglich ne Dosis. Also wirds wohl nix mit heimgehen. Sobald der klein genug ist, wollen sie über die Möglichkeit einer OP beraten. Ob ne Chemo paralell gemacht wird oder danach weiss ich nicht.

Im Moment sitze ich nur wieder mal alleine daheim rum und weiss gar nix. Und meine Ängste, Sorgen und vor allem die Sehnsucht fressen mich langsam von innen heraus auf. Morgen liegt sie genau 1 Monat stationär und wir haben uns seitdem 5 mal gesehen und täglich ein ca 30 Minuten Telefonat ... das ist alles was wir an Nähe haben.

Meine Batterien sind leer und es ist keine Aussicht auf ein "Ladegerät" da. Was würde ich für ein gemeinsames Wochenende oder ein paar Tage mit meiner Frau geben. ALLES !!!

Liebe Grüße
Thomas

P.S.: Jetzt jammer ich schon wieder rum :(

Tom2605 15.06.2008 16:55

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Es geht nicht darum mal zu Besuch ins KH zu gehen. Ein bisschen Zweisamkeit in unserer gewohnten Umgebung zu geniessen. Im KH können wir uns nie gehen lassen, wir sind immer gehemmt.

Ich lese in sovielen Beiträgen, dass Chemo, Bestrahlungen etc ambulant oder mit kurzen Aufenthalten gemacht werden und verstehe deshalb die Welt nicht mehr.

Tom2605 15.06.2008 18:37

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Also was das Alleinesein angeht erreiche ich eher das Gegenteil. Ich würde im Moment nichts lieber tun, als für meine Frau einfach alles zu tun. Waschen, kochen, putzen, einkaufen und wenn sie es möchte den Popo abwischen. Das getrennt sein von ihr schafft mich mehr noch als die Sorgen wegen der Krankheit.

Ich bin halt der Meinung, es wäre an der Zeit, dass wir gemeinsam mal verarbeiten können. So kann es nicht weiter gehen, denn das halte ich keine Woche mehr durch, dann bin ich reif für die Psychiatrie. Ich bin In psychotherapeutischer Behandlung, bekomme Tabletten gegen Depressionen inzwischen in höchster erlaubter Dosis.

Ich bin nun mal en Weichei und ein Grübler. Und für mich gibt es nichts schlimmeres als allein zu sein. Ich hab sie 4 Monate lang an Schmerzen leiden sehen zuhause, das hat auch Spuren hinterlassen. Dann die KH Odysee mit dem Diagnose Wirr Warr. Nun diese Diagnose und nie hatten wir gemeinsame Zeit um das als Paar, als Familie zu verarbeiten.

Der Zustand meiner Frau ist laut Ärztin abgesehen von den tumorösen Sachen sehr gut, nur abnehmen sollte sie nichts mehr .. sie bekommt nun Vitamine extra. Die Schmerzen sind soweit unter Kontrolle, dass sie erträglich sind ... besser wirds vorläufig auf im KH nicht werden sagte die Ärztin.

Ich habe mir jetzt zigmal überlegt, ob ich das hier überhaupt abschicke ... ihr müsst mich doch langsam für irre halten ....

Aber ich tu es ...

Liebe Grüße
Thomas

Tom2605 15.06.2008 19:38

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Ich habe bereits mit ihr darüber gesprochen und sie will mich definitiv nicht bei einem Gespräch mit der Ärztin dabei haben, wenn es ums Thema heim gehen geht.
Wenn sie unter der Woche, wo all die Untersuchungen und Behandlungen sind lieber im KH bleiben möchte habe ich alles Verständnis dieser Welt. Nur die Wochenenden könnte sie uns als Paar doch geben zum Kraft tanken für die nächste Woche.
Langsam befürchte ich, sie will gar nicht nach hause. Aus welchen Gründen auch immer :(

Danke für den Zuspruch

Liebe Grüße
Thomas

Susanne1306 15.06.2008 21:35

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Lieber Tom!
Ich glaube, deine Frau hat im Krankenhaus eher die Möglichkeit, Kraft zu tanken, als zuhause. Unterstütze sie, so gut wie du kannst, aber lass ihr alleine die Entscheidung, wie und wo sie gegen die Erkrankung kämpfen möchte. Sie ist erkrankt, nicht du. Und wenn sie meint, sie ist im Krankenhaus auch am Wochenende besser aufgehoben, dann wird das so sein. Vertrau auf die Entscheidung deiner Frau, sie braucht all ihre Kraft beim Kampf gegen den Krebs,und sie kann dir momentan nichts abgeben.
Liebe Grüße
Susanne

Tom2605 16.06.2008 08:43

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Liebe Susanne,

genau daran glaube ich nicht. Hinter ihren Worten hört man die Sehnsucht, das fehlen von Geborgenheit. Sie ist noch nie der Typ gewesen, der gern über Gefühle spricht. Sie fühlt sich dort gut behandelt, doch ich spüre und höre wie ihr die körperliche Nähe eines geliebten Menschen fehlt.
Sie ergibt sich willenlos allem was die Ärzte dort anordnen oder sagen ... sie stellt keine Fragen, sie tut nur alles was man sagt.

Diese Worte sind nicht mein Wunschdenken, weil ich unter der Trennung leide, nein, das sind meine reelen Wahrnehmungen. Jeder für sich alleine werden wir an dieser Erkrankung scheitern. Wir haben seid 12 Jahren als Team, als Paar und als Familie gegen viele Sachen im Leben gekämpft und wir haben jeden Stein beseitigt, der in unserem Weg lag.

Ja, wir werden als Team auch diesen sch.... Krebs bekämpfen, doch weiss ich, dass wir das jeder für sich alleine nicht bewältigen werden. Auch meine Frau ist für sich alleine eine sehr sensible, schwache Frau, genau wie ich. Wir schöpfen unsere Stärke aus Gemeinsamkeit und einem unendlichen Zusammenhalt. Den kann uns aber ein Telefonat nicht geben und auch kein Besuch auf einem Krankenzimmer.

Sie wird heute mit ihrer Ärztin das Thema "Heimgehen am Wochenende" ansprechen. Und ich werde bangend auf unser Telefonat heute abend warten. So wie es jetzt ist kann und darf es nicht weiter gehen. Denn ich weiss und sie weiss es auch ... einer von uns würde auf der Strecke bleiben.

Und man kann auch als Angehöriger nicht immer stark sein, uns fragt keiner ob uns die Sorgen, die Ängste und die Sehnsucht krank machen. Keiner fragt woher wir die Kraft nehmen sollen. Jeder sagt nur "Du musst jetzt stark sein" ... doch woher nehmen, wenn man keine Freunde oder Verwandschaft hat, die einem beiseite stehen ?

Liebe Grüße
Thomas

Bianca-Alexandra 16.06.2008 09:11

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Lieber Tom,

die Angst, die Sorge, die Verzweiflung und das Gefühl, alleine kämpfen zu müssen stehen deutlich in Deinen Beiträgen.

Aber mich als ANGEHÖRIGE hat ein Satz verärgert. Du beschwerst Dich darüber dass die Angehörigen nicht gefragt werden, wie es Ihnen geht. Zum einen habe ich - vor allem in diesem Forum - aber auch zuhause eine ganz gegenläufige Erfahrung gemacht und empfinde es daher als unfair wenn Du eine solche Behauptung so "global" aussprichst und zum anderen finde ich, dass gerade jetzt nun einmal der Zeitpunkt ist, dass wir uns ein bißchen mit den Ansprüchen zurück nehmen.

Bei allem Verständnis - das ich wirklich habe - für Deine Verzweiflung entsteht in mir der Eindruck, dass Du durch Deine Wünsche, die alle für sich nachvollziehbar sind, starken Druck auf Deine Frau ausübst. Natürlich geht es Dir schlecht. Gar keine Frage. Und ganz sicher stehst Du auch Ängste aus, denen Du Dich noch nie gegenüber gesehen hast. Deine Frau aber ist im Moment wahrscheinlich völlig orientierungslos. Wirf ihr nicht vor dass sie die Ärzte nicht hinterfragt. Ich empfinde das als Vertrauen gegenüber den Ärzten - und glaube mir, dass ist allemal besser als hätte sie das Gefühl nicht gut aufgehoben zu sein. Deine Frau hat eine Diagnose bekommen die ihr vermutlich den Boden genommen hat. Jetzt ist es an Dir, Dich soweit in den Griff zu kriegen dass Du ihr helfen kannst. Als Stütze, als verständnisvoller Begleiter. Sie gibt den Weg vor und Du wirst sie - soweit wie Du kannst - begleiten. Es gab hier mal eine schöne Beschreibung dazu. Du kannst den ein oder anderen Stein aus dem Weg räumen und schöne Pflanzen an die Seite stellen, aber den Weg wird sie letztlich gehen müssen. Und niemand von uns "Angehörigen" (obwohl ich diese Splittung nicht besonders mag) wird jemals wirklich nachvollziehen können, was das heißt.

Meiner Meinung nach solltest Du ein bißchen den Blickwinkel ändern. Wenn sie Dich bei den Gesprächen nicht dabei haben möchte, wird sie ihre Gründe haben. Und ob sie nun, oder die Ärzte die Entscheidung gefällt haben, dass sie da bleibt, es ist für sie sicher nicht leichter durchzustehen wenn sie von Dir immer die Enttäuschung darüber spürt. Du bist jetzt der Part, der in meinen Augen signalisieren muss dass sie bei Dir alle Sorgen loswerden kann. Und vor allem auch, dass Du stark genug bist, sie zu tragen. So hart das klingt, aber ob Du selbst damit einverstanden bist ist, finde ich, zweitrangig.

Es tut mir leid, dass Du Medikamente benötigst um mit der Situation zurecht zu kommen. Aber Deine Frau - so finde ich - sollte nicht das GEfühl haben, dafür verantwortlich zu sein. Weder dafür, dass es Dir schlecht geht (weil sie erkrankt ist), noch dafür, dass es Dir wieder besser geht.

Ich teile Susannes Einschätzung. Und das als "Angehöriger".
Ich wünsche Dir Kraft für zwei - denn die brauchst Du jetzt damit Du Deine Maus ein Stück tragen kannst wenn ihr die Kräfte fehlen.

Tom2605 16.06.2008 10:03

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Kurze Entschuldigung von mir ... mit der Bemerkung wir Angehörige werden nicht gefragt habe ich mit Sicherheit nicht dieses Forum (aber absolut nicht) gemeint.

Nun denn unterm Strich ... ich mache alles falsch, komme damit nicht klar ... ich werde dann wohl meinen Weg zu gehen wissen.

Tut mir leid wenn ich jemanden verärgert habe.

Liebe Grüße
Thomas

Gitta aus Nürnberg 16.06.2008 10:10

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Guten Morgen Tom,

du kannst hier doch keinen verärgern. Du mußt diesen Weg nicht alleine gehen, hier im Forum stützen wir uns doch.

Kopf hoch
Gitta

Bianca-Alexandra 16.06.2008 10:14

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hey... STOP

nicht gleich weglaufen. Hier im Forum gibt nun mal jeder seine Meinung, das heißt noch lange nicht, dass damit jemand zum Schweigen gebracht werden soll! Um Himmels Willen. Genau dafür ist es ja da. Du musst nur eben auch damit rechnen, dass Du Meinungen zu hören bekommst, die Deiner nicht entsprechen.

Das heißt noch lange nciht, dass Du alles falsch machst. Es heißt nur, dass es auch noch andere Sichtweisen gibt. Manchmal hilft es schon, den Blickwinkel ein klein bißchen zu ändern um besser sehen zu können.

Niemand behauptet, das Du alles falsch machst. Deine Ängste sind doch vollkommen nachvollziehbar. Es sind doch nur Ansatzpunkte, die Dir im Idealfall vielleicht sogar ein bißchen helfen können.

Zieh Dich jetzt nicht zurück nur weil ich zum Beispiel geäußert habe, dass ich gewisse Dinge anders sehe. Ich finde, genau das ist der positive Aspekt von diesem Forum. Man kann von anderen Sichtweisen manchmal auch profitieren. Dafür ist das Forum doch da, es geht hier um Austausch und Stütze. Und nur, weil ich kritisiere heißt das lange ncith, dass ich nicht unterstütze ;)

annika33 16.06.2008 10:55

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hi Tom,

ich finde dieses Forum hier sehr hilfreich und fände es schade, wenn jemand, der an der gleichen Problematik knabbert wie wir alle hier, sich unverstanden fühlt und denkt, er sei damit allein auf diesem Planeten.

Ich glaube wir alle sind unterdessen Meister darin geworden, einander zu unterstützen und uns gegenseitig aufzubauen, wenn Not am Mann ist. Diese Krankheit ist natürlich auch für uns Angehörige so vielschichtig, dass man immer wieder in ein tiefes Loch fällt, aber dann auch wieder Lichtblicke erfährt. Und wenn es Dir gerade schlecht geht und jemand hier ist, der Dir wieder Mut zusprechen kann, dann profitiere doch davon. Umgekehrt wird sicherlich auch für Dich der Zeitpunkt kommen, wo Du Hilfe weitergeben kannst. Und auch wenn ich weiß, dass ich für Bibi keine Lanze brechen muss, und sie alleine für sich sprechen kann, möchte ich Dir sagen, wie hilfreich sie allen, trotz der eigenen Probleme, hier immer zur Seite steht. Und manchmal kann auch der Gedanke, den der andere hier schriftlich formuliert dabei helfen, sich selber mit ein wenig mehr Selbstkritik zu sehen, um dann auf den Menschen, den man liebt und für den man da sein muss, mit einer etwas anderen Sichtweise zuzugehen. Ich würde mir wünschen, dass Du den Kopf nicht in den Sand steckst, sondern hier Hilfe gibst und annimmst. Denn das ist es ja, was dieses Forum ausmacht.

Liebe Grüße

Annika

Tom2605 16.06.2008 11:25

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Ich habe versucht, möglichst alle Aspekte die meine Frau betreffen, sei es die Krankheit, die Befunde usw so gut als nur möglich zu schildern. Die Ärzte sagen ihr Allgemeinzustand ist sehr zufriedenstellend. Warum dann diese nun schon 1 Monat andauernde stationäre Behandlung.
Unter der Woche, wo nun täglich bestrahlt werden soll, verstehe ich das ja vollkommen ... es werden sicher ne Menge Kontrolluntersuchungen und eben die Bestrahlungen gemacht. Aber warum gönnt man uns nicht die Wochenenden in denen man wieder Kraft tanken kann und einfach mal ein wenig Zweisamkeit geniessen kann.
Ich soll stark sein, soll kämpfen .... ich finde keinen Weg woher ich diese Kraft nehmen soll, ganz ehrlich ich versuche mich mit allen Mitteln abzulenken ... es funktioniert nicht.
Mit dem Arzt sprechen darf ich nicht (sagt meine Frau), mit ihr soll ich nicht sprechen um sie nicht aufzuregen und hier im Forum ständig das gleiche zu schreiben und deshalb selbstverständlich auch immer die gleiche Antwort zu bekommen ist auf Dauer auch wenig hilfreich und sicher auch ein wenig nervig für Euch.
Eigentlich müsste ich den Titel meines Themas ändern .... verstehen tu ich jetzt ... nur jetzt kann ich nicht mehr. Ich schlafe abends mit meinen Sorgen und meiner Sehnsucht ein und morgens erwache ich genau mit denselben Dingen wieder. Alle Versuche der Zerstreuung scheitern kläglich.

Ich brauche keine Tabletten, ich brauche auch keine Ablenkung ... ich brauche nur ein wenig Zeit mit meiner Frau und die kann mir keiner geben.

Was soll ich noch schreiben ... ändert ja eh nichts. Sie wird im KH bleiben und ich darf hier weiter vor mich hin vegetieren. Sagt ruhig, dass meine Sichtweise egoistisch ist ... vielleicht ist sie das auch, aber ich darf auch mal an mich und meine Gesundheit denken. Bei mir wurden zwischenzeitlich psychosomatische Herzrythmusstörungen festgestellt und mein Arzt meinte auch, dass es so nicht weitergehen kann und darf. Er will sich jetzt mal mit den Ärzten meiner Frau in Verbindung setzen um eine für beide Seiten psychisch wie physisch gute Lösung zu finden.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich zum Teil neidisch (und das mein ich nicht böse) bin, auf Euch, die ihr die Kraft habt damit umzugehen. Ich bin dafür zu weich und zu sensibel und aus meinem Kopf ist dieser Gedanke nicht wegzu bekommen, dass jeder Tag des getrennt seins eventuell ein verlorener Tag ist.

Was soll ich nun tun .. sie nicht mehr anrufen, um sie nicht aufzuregen ? Sie nicht mehr besuchen, weil sie mir auf 100 Meter Entfernung ansieht wie ich unter der Trennung leide. Ich bin kein guter Schauspieler und ein noch schlechterer Lügner. Sie würde es immer bemerken und sich dann noch schlechter fühlen, als wenn ich ihr die Wahrheit sage.

Ich kann hier noch hunderte Seiten schreiben, ich befürchte es gibt für mein Problem keine Lösung ...

Liebe Grüße
Thomas

P.S.: Und ich bin keinem böse, wenn er meine Ansichten nicht teilt sondern eine eigene Meinung hat ... auch wenn sie zum Teil hart aber herzlich sind.

Bianca-Alexandra 16.06.2008 11:55

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Lieber Tom,

tauschen möchte ich beileibe nicht. Ich denke, das Gefühl der Machtlosigkeit potenziert sich bei Dir ganz gehörig und das zu lesen tut mir weh. Ich habe das Glück - aber manchmal auch die Last, dass wir sehr offen damit umgehen.

Das einzige, was mir einfällt ist nur ein Versuch. So wie Du schreibst möchte Deine Frau Dich - glaube ich schützen. Vielleicht findet ihr eher einen Draht zueinander wenn Du ihr zeigen kannst dass Du Dich damit arrangierst. Es ist reine Mutmaßung, ich kenne sie nicht, ich kenne Euer miteinander nicht. Was ich weiß ist, wie verletzend es für Dich sein muss, so außen vor zu sein. Ich weiß aber auch aus der Sichtweise einiger Betroffener hier, dass auch sie ihre Partner nicht gerne dabei haben. Die Herangehensweise ist so unterschiedlich wie die Menschen.

Findest Du für Dich eine Möglichkeit, Dich damit zu arrangieren? Das Hilfeangebot Deines Arztes finde ich an und für sich toll. Aber wenn Deine Frau nicht von der Schweigepflicht entbunden hat weiß ich nicht, wie erfolgversprechend das ist. In jedem Fall scheinst Du einen Arzt zu kennen der menschlicher ist als der Großteil. Darüber zumindest kannst Du sehr froh sein.

Wenn Du ihr von Dingen erzählst, von denen Du glaubst dass sie sie interessieren und die vielleicht auch einmal nicht von Krebs handeln, dann schauspielerst Du noch lange nicth. Du verlagerst nur das Gewicht. Wie gesagt, lieber Tom, es ist alles reine Mutmaßung - und letztlich leider nicht mehr, aber auch kein bißchen weniger - als der klägliche Versuch, Dir von hier, von meinem PC aus zu helfen.

:pftroest:

Ekaka 16.06.2008 12:07

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hallo,Tom!---------Eigentlich bin ich nur stiller Mitleser,aber ich denke,ich sollte mich doch einmal zu deinen Aussagen äußern.Ich bin übrigens selbst Betroffene: Adeno-Ca. lks.zentral,Stadium IV inoperabel.So viel Selbstmitleid und Egoismus wie sie aus Deinen Zeilen sprechen sind mir selten untergekommen.Machst Du Dir eigentlich klar,das Deine Frau verzweifelt um ihr Leben kämpft? Du hast überhaupt nicht annähernd eine Vorstellung davon,was das für Schmerzen sind! Ich habe immer gesagt,ich war in der Hölle und bin zurückgekommen,auch dank meiner 4 Kinder.Nach der Erstdiagnose war ich am Stück 4 Monate im Kkh,selbst ein WE-Urlaub hätte mich umbringen können.Ich denke,das es bei Deiner Frau genauso ist.Welcher Art auch Deine Beschwerden sind,lerne--notfalls in einer Selbsthilfegruppe--damit umzugehen und denke daran,das Du damit weiterlebst.Der Krebs Deiner Frau aber ist zum Großteil tödlich und sie braucht jetzt jede Art von Unterstützung!! Also sei einfach für sie da und richte dich nach ihren Wünschen.Ansonsten besteht die Möglichkeit,das Du nicht wieder gutzumachenden Schaden anrichtest.Wenn Deine Frau diese Krankheit nicht überlebt,kannst Du damit leben,das Du eine gewisse Schuld mitträgst? Man hat ja inzwischen nachgewiesen,das Krebs viel mit Psyche zu tun hat.-----Ich wünsche Deiner Frau alles Gute und hoffe,Du lernst mit dem Krebs umzugehen.Ich denke,eine gesunde Kritik ist auch oder gerade in diesem Forum angebracht wenn sie im Interesse der Betroffenen ist.Ein großes Lob und Dank an alle Angehörigen,die so sehr für ihre Kranken da sind.Viele Grüße: :engel: Erika.

Bianca-Alexandra 16.06.2008 12:21

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Zitat: "Ansonsten besteht die Möglichkeit,das Du nicht wieder gutzumachenden Schaden anrichtest.Wenn Deine Frau diese Krankheit nicht überlebt,kannst Du damit leben,das Du eine gewisse Schuld mitträgst?"

Liebe Ekaka,

großen Respekt habe ich vor Dir allein aufgrund dessen das Du, wie Du so schön schreibst, in der Hölle warst und zurück bist. Vieles von dem, was Du schreibst kann ich nachvollziehen. Ich finde es auch sehr gut dass sich jemand als Betroffener dazu äußert. Aber ich finde, mit dem obigen Satz gehst Du zu weit. Oder kannst Du damit leben, dass diese Worte vielleicht noch lange, lange nachhallen - und das bei jemandem der hier verzweifelt nach Hilfe sucht? Du hast Recht wenn Du sagst dass Tom jetzt stark werden muss um helfen zu können. Aber ich glaube nciht, dass wir das erreichen indem wir ihn mit Schuld behaften. Da sehe ich nichts konstruktives.

Ganz davon abgesehen - der Krankheitsverlauf wird keineswegs von der Psyche beeinflusst - da scheinen wir wohl unterschiedliche Studien zu kennen. Die Nebenwirkungen allerdings scheinen weniger zu Buche zu schlagen wenn die Psyche stabil ist.

Tom2605 16.06.2008 12:45

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Danke am Ekaka ... das war schon harter Tobak. Wenn Du mir Selbstmitleid und Egoismus unterstellst, so muss ich Dir wohl entgegen halten. daß Du Dich benimmst wie ein Elefant im Porzellanladen. Lass mal einen noch Schwächeren hier sitzen wie mich .. jemanden der noch mehr verwezeifelt ist ... der nimmt nach so einem Satz seine 3 Schachteln Tabletten und aus ist es. Keine Angst soweit wird es bei mir nie kommen.

So, damit ist der Beitrag für mich erledigt und wird zu den Akten gelegt.

Danke Dir Bianca, dass Du mich in Schutz genommen hast. Deine Worte sind zum Teil auch hart für mich zum lesen, aber sie sind gewählt und wie ich finde immer wohl überdacht.

Liebe Grüße
Thomas

Gitta aus Nürnberg 16.06.2008 12:53

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Hallo Tom,

Jetzt mach ich mir langsam Gedanken. Geh jetzt bitte zum Telefon und rufe mich doch einfach an. Mein Angebot steht, die Nummer hast du.

Es ist vielleicht besser wir reden einmal miteinader, habe keine Angst du bist willkommen.

Bis gleich
Gitta

Bianca-Alexandra 16.06.2008 12:58

AW: Ich verstehe gar nichts mehr
 
Krabben hat recht, stützen kannst Du erst dann, wenn Du selbst stabil stehst. So lange Du selbst strauchelst, ziehst Du Deine Frau jedesmal mit in den Fall.

Also wie der Köllner sagt: Arsch huh un Zeng ussenander! Arbeite jetzt für Deine Frau an Dir. Sie wird spüren dass Du für sie stark wirst. Und dann wird sie sicher auch viel mehr auf Dich zukommen, wohl wissend dass sie dich damit nicht zu sehr belastet.

Das ist eine Erfahrung, die ich oft hier im Forum gemacht habe. Krebsbetroffene ziehen sich sehr zurück und ein Großteil der Gedanken kreist darum, wieviel sie den Angehörigen zumuten können, immer scheint der Schutz der Lieben im Vordergrund zu stehen. Willst Du das ändern, musst Du zeigen dass Du stark bist. Auch wenn das leider manchmal ein Stück Schauspielerei erfordert. Sie hat jetzt nicht die Kraft Dich zu stützen.

und Kraft braucht sie. Alleine schon, damit sie dem Schxxx Ding so richtig eins :twak: auf die Mütze geben kann.


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