Krebs-Kompass-Forum seit 1997

Krebs-Kompass-Forum seit 1997 (https://www.krebs-kompass.de/index.php)
-   Forum für Angehörige (https://www.krebs-kompass.de/forumdisplay.php?f=49)
-   -   mein vater will uns nicht sehen/sprechen (https://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=33474)

jolante123 26.06.2008 17:04

mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hallo,

ich lese schon seit einigen Monaten hier im Forum mit, weil mein Vater Lungenkrebs hat. Heute brauche ich euren Rat bzw. eure Hilfe.

Mein Vater hat am Montag die Nachricht bekommen, dass sie neben Metastasen in der Leber auch welche im gehirn gefunden haben. Er war zu der Zeit w/ der Lebermetastasen-Chemo im Krankenhaus.

Meine Mutter ist sofort hingefahren und hat gesagt, mein Dad will noch nicht angerufen werden, weil er das erst einmal verkraften muss. Er meldet sich dann bei uns (habe noch eine Schwester).

Nun ist er zu Hause, weil die Bestrahlung ambulant gemacht werden soll. Jetzt hat er die geplante Bestrahlung auf eigenen Wunsch auf Montag verschoben, weil er erst mal zur Ruhe kommen will.

Ich habe ihn seitdem nicht mehr gesprochen, weil meine Mutter doch gesagt hat, er meldet sich wenn es ihm besser geht. Ich habe schon eine SMS geschickt, ob ich helfen kann oder etwas tun kann.

Meine Frage: Soll ich trotzdem einfach hinfahren? Vielleicht meint mein Vater das gar nicht so, dass er erst mal seine Ruhe haben will. Vielleicht denkt er, er ist uns egal, weil keiner kommt. Bin total unsicher ...

chrisi0211 26.06.2008 18:03

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hallo Jolante,

mach´einfach das, was Dir Dein Bauchgefühl sagt... Dein Vater ist bestimmt verzweifelt und kann jede Unterstützung brauchen. Ich denke, ich würde bestimmt hinfahren...

Ich wünsche Euch alles Liebe!

C. S. 27.06.2008 04:18

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Liebe Jolante,
wenn es mir richtig mies geht, möchte ich bis auf eine Ausnahme auch niemanden sehen und gehe dann auch weder ans Telefon, Handy oder Rechner. Einzig Erika weiß immer wie es mir geh, ansonsten möchte ich negative Nachrichten auch erst mal allein verarbeiten.
Das hängt bei mir dann einfach mit mangelnder Kraft und Motivation zum Reden zusammen, bevor ich mir nicht einen Standpunkt erarbeiten konnte über den ich dann auch Reden kann.
Nimm das bitte nicht persönlich.Wenn er seinen Standpunkt zu einer neuen Situation gefunden hat, wird er auch darüber reden.
Aus eigener Erfahrung kenne ich dieses Verhalten sehr gut.
Liebe Grüße
C, S.

jolante123 27.06.2008 10:11

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
wollte mich noch mal melden: habe gestern angerufen. meine mutter ging ran und nachdem ich mit ihr gesprochen habe, habe ich fragen lassen ob mein vater mich sprechen will. er hat ja gesagt. wir haben kurz telefoniert und ich habe gefragt, ob es ihm recht wäre, wenn wir vorbeikommen. ein kurzer besuch wäre ok, hat er gesagt.

fahre mit meiner schwester in ca. 1 stunde hin. freue mich drauf, ihn zu sehen. habe aber auch angst, was mich erwarten wird ...

chrisi0211 27.06.2008 10:37

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hallo Jolante!

Hab´keine Angst, Dein Vater freut sich doch auch, wenn er Dich/Euch sieht. Es ist halt für ihn schon verdammt schwierig mit der Situation klarzukommen, da schadet eine Abwechslung nicht - ich denke an Dich :)

jolante123 27.06.2008 17:02

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
So, bin von meinem Besuch zurück. Bin sehr froh, dass meine Schwester und ich hingefahren sind. Er ist sehr schlapp, weil er wegen einer Mundentzündung Schmerzen beim Essen hat und hinzu kommt noch Durchfall (vermutlich durch die Antibiotika). Und dabei ist er schon durch die Chemos so dünn. Er ist so schlapp, dass er nur im Wohnzimmer liegt und vor sich hinstarrt.

Und er war auch sehr abwesend, wollte sich nicht an den Gesprächen beteiligen usw. Ich versuche, dass mal auf die schlechten Nachrichten der letzten Tage zu schieben und hoffe, dass er sich nicht aufgibt.

Zum Abschied hat er gesagt, er "schafft das!". Ich hoffe, er hat das nicht nur gesagt um uns zu beruhigen.

Könnt ihr mir sagen, vielleicht sogar als "Betroffene" wie ihr es empfindet, wenn Menschen die euch lieben euch beobachten/analysieren und jedes von euch gesagte Wort auf die Goldwaage legen? Ich bin total unsicher... habe einfach Angst!!!

östel 27.06.2008 18:47

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Liebe Jolante, wie war denn Euer Kontakt vor der Krankheit? Wenn ich zu meinem Kind/dern wenig Kontakt hätte würde ich mich erst recht in dieser Situation zurückziehen. Wenn Der Kontakt so ist wie bei mit meinem Sohn, dann erlebe ich es als absolut hilfreich wenn er da ist. Auch in der Phase als ich bestrahlt wurde. kaum laufen konnte und mir nur übel war, war die Anwesenheit tröstlich. Natürlich hatte ich immer Angst wie ER das verkraftet aber er ist mitder Krankheit gewachsen. Ich würde regelmässig sms schicken, anrufen und auch hinfahren. Es muss nicht ewig lange sein. Dieses Hineinwachsen in die Situation ist ein gemeinsamer Prozess einer Famile. Die Angst dass jedes Wort nun doppelt wiegt vergeht und viel wichtiger ist doch die Haltung die hinter den Worten steht. versuch wieder spontaner zu werden und nach DEINEM Gefühl zu handeln denn diese Botschaft wird er verstehen und sie immer mehr schätzen. Zumindest bin ich davon überzeugt und so gilt es für mich. Euch Alles Gute regina

jolante123 01.07.2008 10:34

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hallo Östel,

der Kontakt zu meinen Eltern war und ist sehr eng. Inzwischen ist mein Vater im Krankenhaus und bekommt Infusionen, weil er nicht genug getrunken hat und durch seinen Durchfall zuviel Flüssigkeit verloren hat. War ihn auch gestern besuchen. Habe aber nach einer knappen Stunde gemerkt, dass der Besuch für Ihn auch anstrengend wird. Meine Schwester war mit meiner Mutter vorgestern da.

Ich habe gemerkt, dass es meinem Vater anfangs unangenehm war, dass seine Töchter ihn sehen, wenn er nicht so toll drauf ist und es ihm schlecht geht. Inzwischen haben bzw. mussten wir uns auf die neue Situation einstellen. Ist schon komisch und auch schmerzhaft, wenn sich die Rollen innerhalb der Familie ändern. Früher hat mein Vater uns immer geholfen, jetzt helfen wir ihm.

Mensch, ich hoffe so, dass Sie ihn noch einmal aufpäppeln können. Seit der Entdeckung seiner Krankheit in 2006 hatte er immer Hochs und Tiefs. Aber die Tiefs werden immer "tiefer" und die Hochs nie so "hoch" wie die vorherigen :confused:

chrisi0211 01.07.2008 14:59

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hallo Jolante!

Toll, daß Du Deinem Vater beistehst und ihn besuchst. Man merkt ja eh, wenn es zuviel wird, dann verabschiedet man sich halt wieder, aber ich denke, daß es für unsere Lieben schon wichtig ist, daß sie wissen, das es da jemanden gibt, der an ihrem Leben/Leid Anteil nimmt. Ich bin mir sicher, daß Dein Vater Deine/Eure Absichten schätzen kann. Ich hoffe, daß Ihr noch viel Zeit mit Eurem Vater verbringen dürft und da gaaanz viele Hochs dabei sind :).

jolante123 01.07.2008 22:22

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
mensch, wenn ich so lese, was ihr alles leistet, dann bin ich baff. ich bin bestimmt so eine verwandte, über die ihr euch aufregt.

ich versuche mein bestes, rufe täglich an, fahre jeden zweiten tag ins krankenhaus und bringe meinem dad immer eis mit, weil es der entzündung im mund gut tut. versuche meiner mutter so gut es geht zu helfen. fahre sie häufig hin usw.

aber ich kenne nicht die genauen medikamente, die er bekommt und spreche nicht mit den ärzten. so wir ihr es häufig schildert, seid ihr ja immer bestens informiert. ich habe mal meinen dad gefragt, ob er will das ich mal mit den ärzten spreche, weil er nie so ganz genau die details weiss. aber er hat gesagt, nein er redet mit den ärzten ja während der visite.

soll ich mich über seinen wunsch hinwegsetzen? oder einfach akzeptieren, dass er als erstes alle infos bekommt - auch wenn diese mir manchmal einfach zu wenig sind. jetzt ist irgendwas mit den blutwerten, er konnte mir aber nicht genau sagen, was er zu viel oder zu wenig im blut hat. nur das er deswegen eine transfusion bekommt. meinem dad reichen die infos. ich will am liebsten alles ganz genau wissen und googeln usw. es fällt mir sehr schwer dieses halbwissen zu ertragen. weil vielleicht könnte ich ja infos im internet oder von euch erfahren und auf behandlungen/medikamente bei den ärzten bestehen, die meinem vater helfen könnten.

östel 02.07.2008 00:31

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hallo Jolante, machst Du doch klasse im Moment. Was willst Du mehr tun? Einfach besuchen, Du merkst schon was los ist und ich denke die Stimmungen können dennoch wieder besser werden.
Pflanzenölspülung hilft oft bei entzündetem Mund. Immer damit rumspülen und möglichst gutes Öl verwerten.Und ausspucken das ganze natürlich. Kommt irgendwie aus der ayurweda? Heilkunde und ist allerdings gewöhnungsbedürftig und macht bei manchen Leuten Brechreiz. L G regina

jolante123 04.07.2008 13:04

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hallo Ihr Lieben,

wollte mich mal melden und berichten:

Mein Vater liegt immer noch im Krankenhaus. Ist superschwach und wenn ich Ihn besuche, dann schläft er mir während des Gespräches nach einer halben/dreiviertel Stunde fast ein. Es macht mich so unendlich traurig, ihn zu schwach und krank zu sehen. In einer ruhigen Stunde habe ich versucht, mich an Ereignisse mit meinem Dad zu erinnern, und irgendwie sind mir nur Situationen während seiner Krebserkrankungen eingefallen. Ich meine, diese Krankheit überdeckt alles!!!

Gesten war ich ihn besuchen, und es hat mich geschockt, dass es ihm überhaupt nicht besser geht. Und spät abends rief meine Mutter noch aufgelöst an, weil Sie eine "Panikattacke" bekommen hat, weil Sie alleine im großen Haus ist. Bin dann zu ihr hin und habe bei übernachtet. Und das bei meiner Mutter, die sonst IMMER so stark ist.

Und dann morgens wieder zur Arbeit. Ich hoffe, ich halte dieses Tempo (Arbeit, Besuche im Krankenhaus, meine Mutter unterstützen, ein kleines bisschen eigenes Leben) noch eine Weile durch. Ich habe keine Ahnung, wie das alles weitergehen soll ...

Bianca-Alexandra 04.07.2008 14:02

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Liebe Jolante,

bisher haben wir noch nicht miteinander gesprochen. Was mich besonders "liebevoll" stimmt ist wie die lieben Betroffenen in unserem Kreis Dich ermuntert haben auf Dein Gefühl zu hören. Gleiches hätte ich Dir auch geraten.

Dass es Deinem Dad im Moment schlecht geht und er (verstehe ich richtig?) lethargisch / teilnahmslos wirkt kann auch gut an der Schmerzmedikation liegen. Ich erinnere mich gut an die Anfangsphase bei meiner Mom, sie war sehr stark mit Schmerzmitteln versehen und für mich war diese Zeit der Horror. Ich saß stundenlang neben ihr ohne ein Wort. Ich habe wohl schon erzählt, aber sie registrierte kaum etwas, reagierte nicht. Sie sprach fast 1,5 Wochen kaum ein Wort. Dauernd schlief sie ein. Ich war so sicher dass es das war dass ich mich keine sekunde mehr nach hause traute die nicht sein musste. oft habe ich auf dem Teppich vor der Couch gelegen und geschlafen.

Vielleicht ist es bei Euch auch so dass die Medikamente im Moment sehr hoch dosiert sind? Es ist allemal besser als das er Schmerzen hat. Das Du wenig von ihm bzw. den Ärzten erfährst - ich kann verstehen dass Du schlecht damit umgehen kannst.

Aber letztlich würde es nichts ändern, wüsstest Du mehr (ich habe gut reden, ich bekomme ja immer alles mit). Du würdest nach wie vor versuchen, immer so viel wie möglich zu leisten. Dass Deine Mom jetzt ihr zuhause unter anderen Augen - und mit der Angst, alleine dort sein zu müssen, kann ich sehr gut nachvollziehen.

Meine Liebe, ich verstehe was Du meinst. Noch dazu kenne ich ja auch den Status nicht, ebenso wie Du. Die Aufs und Abs, die zehren so sehr und es dauert unheimlich bis man eine Balance irgendwie für sich finden kann. Wir haben nun auch schon ein Jahr damit zugebracht.

Ich denke, Dein Dad möchte Euch schützen. Versuche so viel Natürlichkeit aufzubauen wie es geht. Ich würde nciht so sehr auf "Wissen" setzen sondern mehr auf "fühlen". Letztlich ist es doch soviel wichtiger wie es ihm geht als wie es in ihm aussieht. Nachfragen bei seinem Arzt ohne dass er einwilligt könnte er schon in den falschen Hals kriegen.

Meiner Mom habe ich im übrigen per Rollenspiel mit der ganzen Familie eine CD aufgenommen. Wir haben unterschiedliche Märchen mit verteilten Rollen vorgelesen. `Meine Mom ist Märchenfan, Dein Dad sicher nciht. Aber ich wollte etwas in der Hinterhand wenn es ihr mal nicht so gut geht und ich nicht rund um die Uhr da sein kann. Sie hat bisher nur Passagen gehört. Aber sie fand es toll. Gegeben habe ich es ihr immer noch nicht. Und ich hoffe, es dauert noch lange bis dahin. Vielleicht gibt es für Euch auch eine Möglichkeit etwas für die Zeit zwischen den Besuchen dort zu lassen?

Herrje, nichtmal vorgestellt habe ich mich und dann gleich ein Roman. So ist es halt wenn mich was bewegt machen sich die Finger sowas von selbständig. Ich denke an Euch.

jolante123 04.07.2008 14:30

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hallo Bibi,

vielen Dank für Deine lieben Worte. Mein Vater hat keine Schmerzen - zum Glück - und bekommt dementsprechend auch keine Schmerzmittel. Daran liegt es nicht. Er ist einfach so schwach ... ich meine, er hat diese Krankheit seit fast 2 Jahren!!! Ein 6ér Zyklus Chemotheraphie, dann "gesund" und Reha. Nach 9 Monaten Rückfall. Die nächste Chemo ganz schlecht vertragen und wenig angeschlagen, deswegen alternativ 28 mal Bestrahlung. Bei der Nachuntersuchung vor 4 Wochen: Tumor wieder größer und Lebermetastahsen. Bei der darauffolgenden Chemo im Krankenhaus ein Sturz und danach festgestellt: Gehirmmetastasen.

Und die eine Chemo hat ihn umgehauen. Total den Mund entzündet und Essen/Trinken kaum möglich und ganz schlimmen Durchfall. Jetzt ist er im Krankenhaus und hat anfangs Infusionen bekommen. Seinem Mund geht es besser, er kann essen - aber er ist so schwach. Täglich wird er jetzt zur Kopfbestrahlung ins andere Krankenhaus (Helios in Buch) gefahren.

Ich weiß nicht, wieviel so ein inzwischen furchtbar dünner Körper vertragen kann.

Es ist eine tolle Idee von Dir mit etwas dalassen. Ich werde mit meiner Schwester gemeinsam überlegen, was ihn wohl erfreuen würde.

Danke,
Jo

Bianca-Alexandra 04.07.2008 14:37

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Was das trinken angeht: Seltsamerweise vertragen meine Mutter - und ich habe es auch bei anderen schon gelesen - sehr gut Cola. Muss aber die originale sein. Selbt die, die Cola vorher überhaupt nicht mochten. Bleibt drin und tut ganz nebenbei etwas gegen den Durchfall.

Meine Mutter hat auch einen ganz schlimmen Mundpilz. Bitte verlasst euch nicht darauf dass er im KH freiwillig alles bekommt, oftmals muss von angehörigen nachgehakt werden. Gegen den Pilz (Zunge fast doppelt so dick, berührungsempfindlich, alles pfeffrig) nimmt sie amphomoronal in tablettenform (unterwegs) und als lösung zuhause. außerdem hat sie eine lösung mit der sie spülen kann, das nimmt zumindest für eine zeit das unangenehme.

falls das nicht trinken können eine "psychische" angelegenheit ist, eben weil er muss, oder er sich oft verschluckt hiflt oft ein einfacher trick: steck einen strohhalm in das glas aus dem er trinkt. dann wird er vermutlich öfter zugreifen als sonst.

was das gewicht angeht: es gibt in der apotheke ein zusatzpulver, das kannst du unter alles mischen weil relativ geschmacksneutral. es hilft dem körper besser anzusetzen. ansonsten führt die apotheke auch astronautennahrung, sieht aus und schmeckt wie ein kakao oder bananendrink.

(auch wenn betroffene das nicht so gern lesen) du musst aber einschätzen, wie er darauf reagiert und ob du ihm sagst dass es astronautennahrung ist.

jolante123 04.07.2008 14:45

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hallo Bibi,

danke für die Tipps. Die Astronautennahrung wurde ihm schon vom Hausarzt verschrieben. Hat auch alle Geschmacksrichtungen zu Hause. Obwohl bei mir wohl eher nicht angebracht, habe ich auch mal eine Packung probiert :)

So ein Pulver hatte ich ihm auch schon besorgt. Ganz praktisch: schmeckt nach nichts und dickt nicht an.

Und mein dad hat schon einen "Lieblingsstrohhalm", den er sogar mit ins Krankenhaus nimmt.

Du siehst, wir arbeiten mit allen Tricks und Mitteln. Aber es ist jedesmal erstaunlich, wie schnell das Gewicht runtergeht, und wie sehr er für jedes Kilo zunehmen kämpfen muss.

Ach, alles Mist!!! Alle müssen drunter leiden. Ich will am liebsten alle Sorge/Krankheit wegmachen. Leider würde ich mich dabei wohl etwas überschätzen.

Ich werde jetzt Feierabend machen, mich zu Hause hinlegen und eine DVD "Mord ist ihr Hobby" reinwerfen und hoffen, dass ich dabei schnell einschlafe. Funktioniert eigentlich immer - manchmal schaffe ich nicht mal den Vorspann.

Danke noch einmal,
Jo

Bianca-Alexandra 04.07.2008 14:56

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
*schäm*

wollte nicht klugscheißen, hätte ja sein können das irgendwas noch hilft. sorry.

jolante123 04.07.2008 15:13

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
quatsch @bibi

war nicht böse gemeint, sorry falls es so bei dir angekommen ist. wollte nur erzählen, dass wir eigentlich schon alles probiert haben! und er trotzdem so dünn ist :(

Bianca-Alexandra 04.07.2008 15:44

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
:( hmmm...
und da steh ich wieder vor der altbekannt verhassten situation. möchte so gerne helfen und kanns nicht.

jolante123 06.07.2008 22:21

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
hallo und guten abend,

wie einige schon an meinen vorherigen einträgen lesen konnten, stellt sich mir häufig die frage nach dem richtigen umgang mit meinem kranken vater. na einigen tagen überlgen bin icph zu dem entschluss gekommen: ich akzeptiere seinen weg. mein vater ist ein sehr stolzer mensch. obwohl er eine schlimme entzündung/pilz im mund hat, macht er immer sein gebiss rein, wenn ich ihn besuchen komme. anfangs habe ich gesagt, dass das nicht nötig ist, weil ich gemerkt habe, dass es ihn schmerzen bereitet. aber ich habe gelernt: es ist ihm wichtig. es ist ihm auch wichtig, dass er mit den ärzten spricht und wir nicht hinter seinem rücken im schlimmsten fall.

ich habe in den letzten tagen gelernt, dass es für ihn eine wertschätzung ist, ihn so zu behandeln, als wenn er gesund ist. natürlich hat er körperliche einschränkungen auf die wir rücksicht nehmen. aber er bestimmt - wie schon immer :) - wo es langgeht. er möchte weiterhin soweit es geht selbstbestimmt sein. und wir (meine schwester und ich) werden es akzeptieren. es fällt sehr schwer, aber ich denke es ist das beste, es zu akzeptieren.

zuckerschnute0 06.07.2008 22:52

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hallo Jolanta,

ich bin noch ganz neu hier im Forum, aber dachte mir, ich schreib dir mal.

Ich finde es toll, dass ihr einen Weg gefunden habt, wie ihr besser mit der Situation umgeht.
Wir haben am Freitag eine definitive Diagnose bekommen und weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Zumal ich auch 200km von meinen Eltern entfernt wohne. Aber am kommenden WE werde ich nach Hause fahren.

Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Kraft und drück dich mal (auch wenn wir uns nicht kennen)
LG Manja

jolante123 07.07.2008 10:29

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
so, wollte mal was "positives" berichten.

fahre heute wieder zu meinem dad ins krankenhaus. er hat sehr bestimmt seine "Bestellung" aufgegeben: unter anderem will er auch eine rauchen und ich soll ihm eine zigarette mitbringen. vielleicht klingt das in euren augen nicht positiv. für mich aber schon, so absurd es ist.

zum ersten mal hat mein vater wieder den antrieb rauszugehen aus seinem krankenhaus (werde ihn wahrscheinlich vorsichtshalber eher in den rollstuhl verfrachten) und eine zu rauchen. ich weiß, dieser mist hat ihn dahin gebracht wo er jetzt ist, aber ich denke es wäre wirklich quatsch, mit ihm jetzt über diese eine zigarette zu diskutieren.

jetzt noch ne frage: hat jemand ahnung, welche hilfe man zu hause in anspruch nehmen kann, z.b. das einmal am tag jemand vorbeikommt von so einer pflegestelle? wir sind alle berufstätig und voraussichtlich am freitag kommt mein dad aus dem krankenhaus. und uns allen ist unwohl, wenn er den ganzen tag zu hause ist.

Bianca-Alexandra 07.07.2008 11:42

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hi Jolante,

ich glaub, Du brauchst Dich gar nicht so zu rechtfertigen für die Zigarette. Sicher gibt es viele die sagen würden Um Himmels Willen aufhören. Aber ich glaube, die meisten haben dennoch Verständnis wenn dem nicht so ist.

Was Du damit meinst kann ich verstehen, er unternimmt eine Aktion - und egal was für eine ist das für Dich natürlcih schön.

Was die Pflege zuhause angeht, da muss eine Pflegestufe bei der KK beantragt werden. Am besten Du rufst bei der Deines Vaters einfach mal an. Inwieweit allerdings Dein VAter schon in die Pflegestufen passt weiß ich nicht.

Ansonsten erkundige Dich doch mal beim roten Kreuz o. ä. Die haben mit Sicherheit Anlaufstellen.

Euch alles Gute!

jolante123 12.07.2008 19:56

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
hi,

mein vater ist seit gestern wieder zu hause. da meine mutter arbeiten musste, ich urlaub habe und er schon vormittags gebracht wurde, war ich den ganzen tag da.
ich war über seinen schlechten zustand geschockt. im krankenhaus hat man das nicht so gemerkt, weil er immer im bett lag. er kann nicht mehr alleine laufen. habe meinen eltern jetzt einen drehstuhl mit rollen gebracht, damit er sich raufhieven kann und alleine auf toilette zu rollen. ansonsten liegt er nur auf der couch. er ist total schwach...
kann das von der bestrahlung des hirns kommen? die ärzte haben gesagt, nach 3-4 tagen lassen die nebenwirkungen nach. oder wird das nie besser und mein vater wird bis zum ende ein pflegefall?
mut macht mir, dass er wieder ganz gut isst für seine verhältnisse. er isst drei mahlzeiten am tag (auch wenn es kleinere portionen sind), 2 * nachttisch (pudding oder eis) und 2 - 3 von diesen astronautennahrungsdingern.

bin ich naiv zu glauben, er rafft sich noch einmal auf???

Bianca-Alexandra 14.07.2008 14:53

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Liebe Jolante,

tut mir leid dass bisher wohl viel Gewusel war und Dein Beitrag untergegangen zu sein scheint. Wie Du weißt habe ich ja am WE immer Zwangspause.... Besorgt erstmal ganz schnell einen AOK-Shopper (sorry, Rollstuhl) oder zumindest Rollator. Erkundigt Euch beim Arzt wie ihr am schnellsten dran kommt, ich meine die KK weiß Bescheid. Ansonsten würd ich das nächste KH anrufen und sagen dass ihr unbedingt einen braucht. Ist ja mordsgefährlich mit so einem Bürostuhl.

Naiv? Nein. Ich habe bei meinem VAter oft gesehen dass er sich wieder aufgerafft hat. NACH Astronautennahrung. NACH Intensivstation. NACH Schweigephasen.... Und ich war mehr als erstaunt über die Kraft die immer wieder - weiß der Geier woher - in ihn zurück kehrte.

Vielleicht braucht es eine Zeit. Aber als Nebenwirkung von der Hirnbestrahlung kann ich mir das nciht so recht denken. Vielleicht braucht der Körper einfach ein bisserl Zeit zum Kraft sammeln. Davon ab wird ihn der "Umzug" nach hause sehr gestresst haben. Mehr als wir alle denken.

Ich wünsch Dir eine schnelle Richtungsänderung in der es zumindest langsam aufwärts, zumindest aber vorwärts geht. Ich denk an Euch.

jolante123 19.07.2008 09:42

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Guten Morgen,

ich habe mich lange nicht mehr gemeldet. Die Dinge haben sich überschlagen bei uns. Und wir sind wieder an dem Punkt angelangt, dass mein Vater nur seine Frau sehen und sprechen will.

Am Mittwoch sagte mein Vater, es geht ihm so schlecht, dass kann man sich nicht vorstellen. Und er bat darum, dass man ihn ins Krankenhaus bringt. Und nicht in das Spezialkrankenhaus, wo er seine ganzen Chemos usw. bekommen hat. Er meinte, da möchte er nicht mehr hin, sondern einfach in das nächste Krankenhaus.

Als meine Mutter dort mit ihm angekommen ist und die ganze Aufnahmeprozedur überstanden war, hat man meine Mutter zur Seite genommen und ihr unter vier Augengesagt, dass wir uns darauf gefasst machen müssen, dass es jetzt sehr schnell geht. Und nach Behandlung der akuten Symptome muss entschieden werden, ob er mit Pflege nach Hause kommt oder in ein Hospiz. Und man hat ihr auch gesagt, an dem Blick meines Vaters kann man sehen, dass auch er weiß wie es um ihn bestellt ist.

Meine Mutter sofort: na nach Hause!!! ich schicke ihn nicht in so ein Hospiz. tja und ratet mal, was mein vater sich wünscht, nach dem er mit einer Sozialberaterin gesprochen hat? Er möchte in ein Hospiz. er sagt, es ist ihm nichts, wenn zu hause 3 mal am Tag jemand vorbeikommt. Er fühlt sich sicherer und wohler, wenn er immer jemanden bei sich hat.

und was ich auch feststellen musste/konnte: mein vater ist so stolz, dass er sich niemals von seinen töchtern oder seiner frau z.b. waschen lassen würde. bei einer "fremden" krankenschwester ist das aber ok für ihn.

nach viel unsicherheit und gesprächen hat meine mutter gesagt,ok wenn er in ein hospiz will, dann kommt er da auch hin.

komisch, im moment kann ich nicht sagen, wie ich mich fühle. habe so viel zu tun: auf arbeit um urlaub/freistellung kümmern, für meine mutter da sein (meine schwester und ich wechseln uns ab, damit immer jemand da ist), ein hospiz raussuchen usw... im moment bin ich wie taub, ich denke das dicke ende kommt gefühlsmäßig, wenn ich kurz zur ruhe komme und mich um nichts kümmern muss...

Blume68 20.07.2008 00:31

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Liebe Jolante,

du hast eine PN, schau mal nach. Magst du sagen, woher du kommst? Falls du es schon geschrieben hast, entschuldige - bin jetzt zu müde, nachzusehen. Gib uns ein paar Daten, und wir helfen dir. :knuddel:

alles liebe!
Blümchen

jolante123 20.07.2008 10:58

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
hi blume,

danke für die mail. ich komme aus berlin, suche ein hospiz dringend in berlin. idealerweise im südosten. aber andere gegenden würden auch gehen, solange wir die möglichkeit haben, täglich hinzufahren.

mein vater liegt zur zeit im krankenhaus und will unbedingt in ein hospiz. vor zu hause hat er angst. er hat angst, alleine zu sein. es gibt ihm sicherheit und ruhe zu wissen, er braucht nur auf einen knopf zu drücken und es ist sofort jemand da.

sein stolz verbietet ihm, sich von seinen angehörigen pflegen zu lassen. er kann es nicht ertragen.

ich wäre so froh, wenn jemand einen tipp hätte wie wir schnell an einen platz kommen. die anmeldeunterlagen vom krankenhaus liegen bei einem hospiz am montag vor. wir wollen gleich morgen hinfahren. aber was tun, wenn dort kein platz frei ist?????

Blume68 20.07.2008 12:06

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Liebe Jolante,

wie sieht es mir Kurzzeitpflege aus? Das wäre, wenn dein Papa sich gut versorgt fühlen möchte, auf jeden Fall EINE Alternative, sollte im Hospiz nichts frei sein - als Überbrückung. Wir hätten das genauso gemacht - und haben dann doch unerwartet diesen Schritt umgehen können.

Nun, einen Tipp, wie ihr SCHNELL an einen Platz kommen könnt - ich fürchte,
den gibts nicht. Du weisst, wann ein Platz frei wird...versuch, dich gedanklich von dem Druck freizumachen - und erkundige dich mal in Richtung Kurzzeitpflege.
Manchmal ist es so...wenn wir Dinge "loslassen" können, dann kommen sie doch noch zu uns...

:knuddel:
Blümchen

PS: du kennst sie vielleicht schon, ich stellt dir trotzdem noch zwei Links hier rein:
http://www.hospiz.org/deutschl.htm
http://www.hospiz.net/bag/index.html

annika33 20.07.2008 13:12

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Hallo liebe Jolante,

habe soeben Deinen Beitrag gelesen, und möchte vorweg sagen, dass es mir sehr leid tut, dass ihr inmitten dieser schwierigen und einem alles abverlangenden Situation steckt.

Ich habe mit meiner Muttter vor einiger Zeit auch über das Thema Sterben gesprochen. Sie hat ebenfalls den Wunsch geäußert, wenn es soweit ist und die Umstände es zulassen, in ein Hospiz zu gehen. Zum einen deswegen, weil sie sich selber dort gut versorgt weiß, aber viel schwerer wiegt wohl die Tatsache, dass sie uns als Angehörigen die Pflege nicht zumuten möchte. Sie hat seinerzeit meinen Opa, der an Krebs verstarb versorgt, und hat durch die dort gewonnene Erfahrung für sich selbst das Fazit gezogen, selber lieber im Hospiz oder auf einer palliativen Station im KH (je nachdem, wie es sich zeitnah arrangieren läßt) ihre letzten Tage zu verbringen.

Sofern in Eurer näheren Umgebung kein Hospiz die derzeitige Unterbringung anbietet....wäre denn eine palliative Station im Krankenhaus eine geeignete Alternative ? In unserer Stadt ist es so, dass wir ein Krankenhaus haben, dass immer wieder von den unterschiedlichsten Ärzten empfohlen wird. Nun bin ich ja mal sowas von weit weg von Berlin, aber ich habe auf die Schnelle diese Internetseite gefunden. Eventuell kann man Dir dort weiterhelfen (selbst, wenn es nicht in Eurer Reichweite liegt...dort sucht man wohl auch nach geeigneten Hospizplätzen). http://www.havelhoehe.de/02_medizini.../palliativ.htm

Es soll Dir schnell gelingen, die Situation im Sinne Deines Papas zu lösen.
Ein Päckchen bestückt mit Kraft, Energie und ganz viel Durchhaltevermögen sendet Dir

Annika

jolante123 21.07.2008 20:34

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
hallo ihr lieben,

vielen dank für eure tipps. wir wollen mehrgleisig fahren. heute haben wir uns ein hospiz angeschaut und auf die liste setzen lassen. morgen kommt das nächste dran.2

bis mittwoch kann mein vater auf jeden fall noch im krankenhaus bleiben. zur zeit kann sich mein vater auch mit dem gedanken anfreunden als zwischenlösung zu hause zu sein und es kommt jemand zum pflegen. insbesondere weil es ihm langsam besser geht, seitdem er weiß dass er sich nicht immer neuen behandlungen unterziehen "muss". mal schauen, wie das alles wird.

ich glaube, dieser weg ist für alle inzwischen eine erleichterung. hey, mein vater hat vor 2 jahren die diagnose bekommen und bis vor 3,5 wochen war er noch so fit, dass er den keller entrümpelt hat. damit dürfte er die statistik für den Kleinzeller wohl locker geschlagen haben.

ein wechselbad der gefühle. ich bin so traurig, komme aber auch langsam zur ruhe.

jolante123 22.07.2008 19:39

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
hallo,

wollte mal wieder berichten, was so passiert ist. gestern hatte mein vater ein kleines hoch. hat super gegessen und war richtig gesprächig. leider konnte ich das nicht miterleben, da mir kurz vor dem besuch auf einmal so komisch wurde, dass ich mich hingelegt habe und beine hoch. ich habe gedacht, wenn ich aufstehe, klappe ich ab. blöd, habe ein sehr schlechtes gewissen gehabt, da meine mutter alleine ins krankenhaus musste und ich ihr noch mehr sorgen gemacht habe. wahrscheinlich war das der tribut der letzten tage. mist!!! ich hoffe, dass passiert mir nicht noch mal.

heute war eher ein schlechter tag bei meinem vater. irgendwie hat er gesagt, er fühlt sich als wenn er mit dem falschen bein aufgestanden wäre. so müde und komisch einfach. ich hoffe, dass es ihm morgen besser geht!!!

bei der visite hat der arzt gesagt, sie warten jetztt täglich drauf, dass die nachricht vom hospiz kommt, dass ein zimmer frei wird. ich hoffe, dass das ein zeichen ist, dass es jetzt bald klappt.

dann kommt mein vater direkt vom krankenhaus ins hospiz. irgendwie total komisch für mich der gedanke, dass er nie mehr nach hause kommt. da ich zur zeit viel zeit bei meiner mutter verbringe und mir dann seinen lieblingsplatz auf der coach anschaue, kann ich es gar nicht fassen, dass er da nie mehr sitzen wird. obwohl mein verstand das fassen kann, mein bauch oder herz kann sich das gar nicht vorstellen. solange ich lebe, mein vater war immer da.

ich hoffe, meine erzählungen langweilen nicht oder ziehen andere gar runter, weil es so endgültig ist bei meinem vater. ich möchte keinem den mut und die hoffnung nehmen. wenn ich nicht mehr schreiben soll, gebt mir bitte ein zeichen.

jolante

Annika0211 22.07.2008 20:49

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Liebe Jolante.
Es tut mir sehr leid, dass du und deine Familie in dieser Situation seid.
Ich möchte dich erstmal umarmen:knuddel:.

Denke bitte niemals, dass du jemanden langweilst oder mit runterziehst.
Dafür sind wir Zuhörer und stillen Mitleser da. Dafür ist das Forum da.
Viele schreiben einfach, damit die Gedanken aus dem Kopf kommen. Ich z. B. habe meine Geschichte einfach geschrieben, weil es mir nicht genug war, sie auf der Festplatte zu lassen. Ich wollte, dass alle, die es interessiert, nachlesen können. Ich war nicht darauf aus, Antworten zu bekommen. Aber natürlich ist es wunderbar, wenn sich liebe Menschen - wie die, die dir hier schon geantwortet haben - melden und dir Hilfestellung in Form von Antworten leisten.
Also, lass raus, was raus muss und denk nicht, dass man dich nicht verstehen kann. Viele sind im gleichen Prozess, viele noch davor und einige haben leider schon das Erlebnis gehabt, einen lieben Menschen zu verlieren.

Ich möchte dir sagen, dass ich es "schöne" finde, dass dein Papa bereit ist, in ein Hospiz zu gehen - auch aus Liebe zu dir und deiner Familie. Ich bin ein großer Befürworter dieser Einrichtungen, weil ich durch meinen geliebten Papa gute Erfahrungen gemacht habe.

Weißt du, ich habe auch Papas Platz auf dem Sofa meiner Eltern übernommen. Immer, wenn ich bei Mama bin - täglich -, sitze ich dort, lege mein Kopf auf seine kleinen Kissen, decke mich mit seiner Kuscheldecke zu und sehe genau in die Richtung, in die er immer geschaut hat. Ein sanftes Vermächtnis mit einem kleinen Lächeln in Gedanken an Papa.

Siehst du, dadurch, dass du genau das aufgeschrieben hast, haben sich wieder ein paar Leute gefunden, die mit dir solche Situationen und Gefühle teilen können.
Mach bitte weiter, schreib deine Gedanken, deine Ängste, deine Wut hier rein - es ist dein "Eckchen". Und ganz ehrlich: wer es nicht lesen mag, soll den Thread nicht anklicken.
Ich mag es lesen und freu mich auf einen neuen Beitrag von dir.

Fühl dich ganz herlich gedrückt und für deinen Papa mit-umarmt, damit sein Platz im Hospiz bald frei wird und er dort seine Ruhe und Entspannung finden kann.

jolante123 22.07.2008 21:59

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
danke annika!!!

war mir unsicher, ob ich meine gedanken hier reinschreiben sollte.

wir sind gerade dabei, ganz viele fotos von der familie, von lustigen gegebenheiten usw. rauszusuchen. die wollen wir dann in sein zimmer als collage hängen, damit er immer weiss, dass wir zu jeder zeit in gedanken bei ihm sind, wenn wir mal persönlich nicht vor ort sind.

mein vater will in ein hospiz, weil er sich nicht durch uns pflegen lassen will. ich kann mich erinnern, schon als ich noch ein kind war und mein vater vor gesundheit strotzte, sagte er immer in seiner ihm eigenen direkten art: er will sich nie von seinen töchtern den arsch abwischen lassen. außerdem möchte er immer das gefühl haben, wenn er auf einen knopf drückt, weil irgendwas ist, dann ist sofort jemand da. und das können wir einfach nicht leisten.

Annika0211 22.07.2008 22:04

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Eine super Idee!!!
Ich schrieb vor einiger Zeit mit einem Mädchen, die ihrem Papa eine riesige Liste mit allen schönen Erinnerungen gemacht hat - zusätzlich zu Fotos.
Da war z. B. ein Fußballspiel seines Enkels dabei, bei dem er das erste Tor schoss - das letzte Gartenfest, als ein Onkel wegen einer Mücke vom Stuhl fiel - die extra große Lieblings-Müsli-Packung mit dem Aufkleber drin und und und...
Sie schrieb diese Liste, damit er sie immer lesen und sich an seine tolle Familie erinnern kann, wenn sie mal nicht um ihn sein kann.

Du machst das ganz toll!

Annika0211 22.07.2008 22:11

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Zitat:

Zitat von jolante123 (Beitrag 579327)
...mein vater will in ein hospiz, weil er sich nicht durch uns pflegen lassen will. ich kann mich erinnern, schon als ich noch ein kind war und mein vater vor gesundheit strotzte, sagte er immer in seiner ihm eigenen direkten art: er will sich nie von seinen töchtern den arsch abwischen lassen. außerdem möchte er immer das gefühl haben, wenn er auf einen knopf drückt, weil irgendwas ist, dann ist sofort jemand da. und das können wir einfach nicht leisten.

Ich teile deine Ansicht absolut.
Alleine der Gedanke, dass man die nötige Pflege einfach zuhause nicht optimal schaffen kann, ist schon sehr, sehr schwer. Den Gedanken deines Papas aber mitzutragen, ist einfach wunderbar.

Bei uns war es genauso. Mein Papa war immer stark und stolz und hat alles hinbekommen, was er wollte. Es war für ihn ein Zeichen der Schwäche, sich von uns helfen zu lassen.
Zuhause haben wir alles möglich gemacht, alles getan, nachts gewacht, ihn begleitet, als er noch alleine zur Toilette wollte, ich habe ihn gestützt, fast getragen. Aber die Angst vor einem akuten Fall war immer um uns. Was tun wen...!?
Als er starken Durchfall hatte und nicht mehr rechtzeitig auf den Toilettenstuhl kam, kümmerte sich meine große Schwester um ihn. Sie ist Kinderkrankenschwester und half ihm. Da hat er so einen ähnlichen Spruch gesagt. Ich stand mit dabei und wir mussten alle drei grinsen und haben ihm gesagt, dass das absolut kein Beinbruch wäre.

Dein Papa scheint ein ebenso stolzer Mensch zu sein. Diesen Stolz solltet ihr ihm auch lassen. Es ist sein Wille und sein gutes Recht, diese Entscheidung alleine zu treffen und diesen Weg mit eurer Hilfe zu gehen.
Die Unterstützung, die ihr für ihn im Hospiz leistet, wird für euch ausreichen, um euch hoffentlich auch ein klein wenig zu entspannen.
Denn genau so ist es, dass er einfach nur aufs Knöpfchen drücken muss, damit er Hilfe bekommt. Das ist Entlastungs-Thema Nr. 1 - und auch wir konnten unseren geliebten Papa in seinen 4 letzten Tagen so optimimal zuhause gar nicht betreuen.

jolante123 22.07.2008 23:05

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
beitrag gelöscht, weil ich nur quatsch geschrieben habe.
muss anscheinend aufpassen, dass ich hier nicht langsam durchdrehe :)

jolante123 23.07.2008 22:49

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
hallo ihr lieben,

möchte euch wieder berichten. war heute wieder mit meiner mutter im krankenhaus meinen dad besuchen. er war heute supermüde, ihm sind fast im gespräch die augen zugefallen. er konnte letzte nacht nicht schlafen und war heute dementsprechend müde. für heute nacht will er sich was geben lassen, damit er besser schlafen kann und morgen fitter ist.

mit den fotos (siehe oben) hatte ich noch eine andere idee. eigentlich wollte ich die fotos ausdrucken. aber dann habe ich einen digitalen bilderrahmen gekauft und die fotos raufgespielt. damit kann er sich diese in einer diashow direkt im bett anschauen und bei fotos, die er länger betrachten will einfach anhalten. und wir können ihm immer neue fotos raufspielen, die wir so machen oder noch aus den archiven rauskramen. ihm hat das super gefallen. nur blöd, dass das ding strom braucht, weil eigentlich alle steckdosen belegt sind.

ansonsten ist es komisch. irgendwie wird alles normaler und ruhiger. versteht mich nicht falsch. wir sind alle unendlich traurig und freuen uns immer, wenn wir meinen dad besuchen. als ich eben mit meiner mutter telefoniert habe, da wollte ich aus gewohnheit fragen, wie es papa geht. da fiel mir ein, dass er gar nicht zu hause ist. das heisst ... hm wie soll ich es ausdrücken ... es kreist nicht jeder, wirklich jeder gedanke mehr um die krankheit. ich freue mich, wenn ich sehe wie liebevoll mein dad mit meiner mutter umgeht und umgekehrt. wenn sie sich voneinander so lieb verabschieden, zieht es mir jedesmal das herz zusammen. es geht nicht mehr um den nächsten ct-termin oder was hat der arzt bei der visite gesagt. sondern es geht um das leben und das miteinander. komisch in dieser situation.

manchmal frage ich mich, warum ich nicht viel fertiger bin. eigentlich müsste ich mich jeden abend in den schlaf weinen. so wie früher in vielen nächten. aber es ist nicht mehr so. ich hadere auch nicht mehr so mit dem schicksal. heute habe ich sogar abends meinen pool sauber gemacht. eigentlich finde ich das sehr unangemessen. aber ich hatte lust dazu.

verdränge ich die situation, weil ich es sonst nicht mehr aushalte? oder ... vielleicht denke und fühle ich auch, dass es einfach richtig ist, was jetzt gerade passiert. andererseits fühle ich mich bei diesen gedanken auch so schuldig. ich würde so gerne in meinen vater hineinkucken, damit ich sehen kann wie es ihm ergeht in dieser situation. ob er angst hat oder wütend ist. andererseits macht er einen so ruhigen eindruck. oder ist er nicht ruhig sondern resigniert???

ist wohl etwas durcheinander was ich geschrieben habe. aber so fühle ich mich im moment auch.

tja, morgen werde ich ihn leider nicht sehen, da ich die kinder meiner schwester hüte damit sie mit meiner mutter hinfahren kann.

jutta50 23.07.2008 23:19

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
Zitat:

Zitat von jolante123 (Beitrag 579792)
manchmal frage ich mich, warum ich nicht viel fertiger bin. eigentlich müsste ich mich jeden abend in den schlaf weinen. so wie früher in vielen nächten. aber es ist nicht mehr so.


Liebe Jolante,

ich denke, dass ist reiner Selbstschutz. Du musst ja irgendwie funktionieren. Und weder deinem Papa noch deiner Mama ist geholfen wenn du jetzt zusammenbrichst. Ich hoffe, dass ihr bald einen nahgelegenen Hospizplatz bekommt und dass euch dort optimal geholfen wird.

:pftroest:
Jutta

jolante123 24.07.2008 21:14

AW: mein vater will uns nicht sehen/sprechen
 
hallo ihr da draußen!

heute konnte ich meinen vater nicht sehen, da meine schwester mit meiner mutter im krankenhaus war. dafür hatte ich das vergnügen, auf die kleinen aufzupassen. irgendwie können kleine kinder in solch einer ausnahmesituation richtig wohltuend sein. sie sind so fordernd, dass man keine zeit zum grübeln hat.
der große (6 jahre) bekommt schon ziemlich viel mit. er fragt bei jedem telefonat, ob mit opa alles ok ist. jetzt fährt er erst mal mit papa alleine in den urlaub. damit er was von den sommerferien hat und meine schwester etwas entlastet ist.
heute haben wir uns ein weiteres hospiz angeschaut. auch dieses hat einen super eindruck gemacht. wir haben uns gleich auf die warteliste setzen lassen.
vorsichtshalber haben wir mit dem arzt auch gleich noch die kurzzeitpflege in die wege geleitet. wenn er aus dem krankenhaus raus muss und bis dahin kein hospizplatz frei ist, kann mein vater entscheiden, was ihm lieber ist. erstmal nach hause und pflege dort oder kurzzeitpflege. er alleine entscheidet, was er will.

heute bin ich vormittags noch zu meiner oma (mutter meines vaters) gefahren. es war furchtbar. ich meine, für mich ist es- so schlimm wie es ist - der "normale" gang des lebens. eltern sterben vor den kindern. meine oma muss ertragen, dass ein kind vor ihr sterben wird. sie hat viel geweint und gesagt, solange er nicht den mut und die hoffnung verliert und immer gut isst, wird das vielleicht alles wieder gut. ich habe ihr diesen glauben nicht genommen. sie weiß, dass es ihm sehr schlecht geht und der krebs nicht weiter behandelt wird. aber sie hat immer noch etwas hoffnung. ich weiß nicht, ob ich einen fehler begangen habe und ihr nicht einfach hätte sagen sollen, dass es keine hoffnung mehr gibt. ich habe keine ahnung, was richtig gewesen wäre ...


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 07:04 Uhr.

Powered by vBulletin® Version 3.8.7 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2026, vBulletin Solutions, Inc.
Copyright © 1997-2025 Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V.