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Von shalom: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Hallole,
ich schreibe hier als Neuling im Forum. Mein Eindruck in Kürze: Sehr einfühlsames Umgehen miteinander, Austausch von Informationen, Hoffnungen, Trauer. Wenn ich darf, möchte ich etwas zum Umgang mit Hoffnung, Trauer und Tod sagen. Meine eigene Betroffenheit: Vor genau 3 Jahren habe ich nach 30jähriger Ehe meine Frau im Alter von 56 Jahren verloren (papilläres Mesotheliom). Nach einer kurzen Operation im April 1996 (Entfernung des betroffenen Rippenfells) wenig Beschwerden. Drei wunderbare Jahre in Hoffnung und Intensität, danach mächtige Rückkehr der Krankheit und nach 1.5 Jahren die Erlösung. Ich habe die medizinischen Details und den zeitlichen Ablauf in vielen Beiträgen sehr gut nachvollziehen können. Unser Umgehen mit der Krankheit und dem Sterben: 1996 nach anfänglichem Schock (Krebs, aber welcher? Adeno oder Mesotheliom) und vielen medizinischen Untersuchungen der Hinweis in der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg 1999(!!), daß es seit 1997 einen speziellen Tumormarker gibt, der Adeno-CA und Mesotheliom auseinanderhalten kann. Sehr große Offenheit zwischen uns und dem onkologischen Chefarzt unserer Klinik im badischen Raum; Hoffnung trotz eingeschränkter Chancen durch Chemobehandlung; wir haben mit dem Chefarzt wirklich ALLES besprochen. 10 Monate vor ihrem Tod Beginn der vielen kleinen Abschiede von Tätigkeiten, Hobbies; Klarheit verschaffen im Verhältnis zu ihren Geschwistern; schwer für mich: Meine Frau machte sich Gedanken, daß ich glücklich weiterleben möge. Ich habe mich ganz darauf eingestellt, ihre Wünsche zu erkennen und zu erfüllen, ganz für sie dazu sein. Enge Freunde haben uns sehr, sehr geholfen (seelisch) und mit Taten ( z.B. 2 Wochen vor ihrem Tod 24 Stunden Tag-/Nacht Wachdienst im Krankenhaus ). Wir sind wirklich Hand in Hand den schweren Weg GEMEINSAM gegangen bis zu der GROSSEN TÜR, sie ging hindurch, ich blieb zurück. Nach ihrem Tod: Systematisch bin ich die vielen (für Sie doch immer mühsamer werdenden) Spazierwege gelaufen: Alleine, mit vielen Tränen, im lautem Gespräch mit ihr, obwohl sie nicht mehr bei mir war. Aufsuchen von gemeinsam besuchten Orten und Plätzen incl. des Hospizes, indem sie die letzten zwei Tage ihres Lebens war. Wenige Tage nach Ihrem Tod: Entfernen der Kleider, Schuhe. Hier half die beste Freundin meiner Frau. Entfernen der mfangreichen medizinischen Dokumente. Mein Fazit ( Trauer,Krankheit, Tod): Trauer braucht Zeit; der Trauer muß ich mich stellen; über Trauer muß ich reden können; der geliebte Mensch lebt überall in Erinnerung weiter, aber man muß sich nicht jeden Tag Schmerzen zufügen durch Anschauen, Fühlen z.B. von Kleidung. Da wir/ich vor/nach dem Tod meiner Frau viele Möglichkeiten zum offenen Gespräch hatten, bin ich nicht in eine der sich anbietenden Gesprächsgruppen für Angehörige von Krebskranken / Trauergruppen gegangen. Ich habe es mir aber überlegt, es zu tun. Ich habe NICHTS verdrängt, ich habe keinen "SCHREIN" der Erinnerung aufgebaut. Wenn überfallartig Szenen der Vergangenheit als "Trauerwolken" über mich kamen: Ich habe Sie kommen lassen, die Wolken angeschaut, sie gefragt, wo sie denn gerade herkommen und sie wieder ziehen lassen. Mit lieben Grüßen shalom |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Die Liebe, zu Deiner Frau, die Vorbereitung und die Zeit danach,
spricht aus jedem Deiner Worte. |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Liebe Jutta,
es waren die schwersten, aber auch die schönsten gemeinsamen Jahre. Angst vor dem Tod habe ich nun nicht mehr, er ist Bestandteil des Lebens. Er ist unabänderlich, Fragen nach dem WARUM hebn wir uns nur ganz am Anfang gestellt. Es war so vorbestimmt. Die verbleibende Zeit wurde sehr intensiv erlebt. Nun genieße ich jeden Tag der eigenen Gesundheit, freue mich über das Leben, denke voller Dankbarkeit an das gemeinsam Erlebte. Das Leben macht Sinn, wenn man es mit Sinn füllt. Das tue ich. Mit lieben Grüßen shalom |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Hallo
auch ich habe meinen Mann vor 4 Monaten am 10.03.2003 durch diese grauselige Krankheit "Pleuramesotheliom" Rippenfellkrebs verloren.Wir waren 31 Jahre verheiratet. Im Januar 2001 hat man bei ihm diese Krankheit festgestellt und ausser Röntgen und mal Ultraschall nichts gemacht- Im letzten Jahr im Juli haben die Ärzte hier in Norddeutschland meinen Mann aufgegeben. durch Zufall habe ich einen Bericht über die Thoraxklinik in Heidelberg gelesen und man hat uns dort aufgenommen, obwohl ich den Ärzten gesagt hatte, wie schlecht es meinem Mann zu der Zeit ging. Doch hier ist man noch Patient und nicht nur eine Nummer, in Heidelberg ist immer ein Arzt zur Stelle, die Schwestern sind mehr als hilfsbereit. Ich hatte das Glück, dass ich meinen Mann in den letzten Monaten nach Heidelberg begleiten durften, so war ich immer bei ihm und wir haben eine wundervolle Zeit in Heidelberg gehabt. Wir haben sogar Pläne gemacht für Urlaub und Renovierungsarbeiten an unserem Haus, obwohl er diese Sachen nun nicht mehr selbst machen konnte. Doch es gibt ja Handwerker. am 31.12.2002 sind wir sogar mit beiden Sauerstoffgeräten - er hatte ein elektrisches und eine tonne zum auffüllen der tragbaren Geräte - zu meiner Mutter nach Wattenscheid gefahren, sie hat Sylvester immer Gerburtstag und es war sein Wunsch sie zu besuchen. Wie er das alles geschafft hat, ist mir heute oft noch ein Rätsel. doch es war ein wunderschöner Jahreswechsel. Unsere alte Dame hatte gar nicht mit uns gerechnet und hat sich auch sehr gefreut. am 06.01.2003 hatte er Geburtstag und auch dieser Geburtstag war so schön, es haben so viele Freunde und Bekannte angerufen und sind auch vorbeigekommen. Als man uns dann am 16.01.2003 in Heidelberg sagte, dass bei dem Tumorwachstum ein Stillstand eingetreten wäre und auch die Lunge wieder mehr Volumen hatta, da haben wir uns so gefreut und gehofft, dass wir es nun geschafft hätten. Die nächste Kontrolluntersuchung sollte am 16.03.203 sein. Leider kam alles anders. anfang Februar kam Wasser im Bauchraum dazu und auch die Tumore wurden wieder größer. Vom 27.02. bis 05.03.2003 waren wir noch einmal in Heidelberg. Doch auch hier konnte niemand mehr helfen. Mein Mann wußte, dass er mit dieser Krankheit nicht alt wird, doch hatte er gehofft, dass er noch ein paar Jahre damit leben würde. Zum Glück hat er noch erlebt, dass die Berufsgenossenschaft seine Krankheit als Berufskrankheit anerkannt hat. so sagte er mir immer, bist Du einmal gut versorgt. Seine sorge galt immer anderen, er war immer für andere da, hat immer allen geholfen. Im Juni 2000 hatte er Altersteilzeit beantragt, um früher aus dem Berufsleben auszuscheiden. Im November 2002 hätte er mit der Arbeitsphase Schluß gehabt, es war alles so schön geplant. Doch der Krebs war stärker und in der Nacht zum 10.03.2003 um 3.15 Uhr ist mein Mann in meinen Armen verstorben. Er hat gekämpft bis zur letzten Minute, doch ein Körper mit nur noch 41 kg hat keine Kraft mehr. Jetzt ist es für mich sehr, sehr schwer ohne ihn auszukommen. Wir waren so ein super Team. An und in unserem Haus haben wir alles gemeinsam gemacht. Er war ein wunderbarer Handwerker und hat gerne gearbeitet. Er hat so viele schöne Sachen für und in unserem Haus gemacht. Jetzt werde ich versuchen alles in seinem Sinne weiterzumachen, aber es fällt mir sehr, sehr schwer. wir haben eine Tochter, die 24 Jahre alt ist und die ihren Vater sehr vermißt. sie ist von Beruf Gärtnerin und sein Grab ist eine wahre Pracht. Leider wohnt sie nicht mehr in unserem Haus, von daher bin ich viel alleine. Mein Bruder wohnt zwar mit seiner Familie gegenüber, aber das ist alles nicht das richtige. Vor 14 Tagen hatte ich Geburtstag, mein erster Geburtstag ohne meinen Mann, ein ganz bescheidener Tag. Unsere Tochter hat zwar versucht mich zu trösten, aber es klappt nicht immer so richtig. Ich gehe sehr viel zum Friedhof und rede mit ihm. An manchen Tagen klappt gar nichts und dann sitze ich stundenlang vor seinem Bild und überlege, was er wohl tun würde. Unser Haus ist sehr groß, Arbeit habe ich genug, die auch mache und gerne mache, denn ich will unser Haus, an dem er so gehangen hat unserer Tochter erhalten. aber manchmal klappt es einfach mit der Arbeit nicht. Es wollen mich zwar viele trösten, aber so manches mal ist es besser, sie lassen mich alleine. anfang August fahre ich nach Heidelberg, wenn wir unsere 1. Jahrestag in Heidelberg haben, will ich noch einmal die Wege gehen, die wir zusammen gegangen sind, noch einmal auf die Station gehen, wo er immer gelegen hat. Vielleicht komme ich dann etwas zur ruhe und werde mit der Situation besser fertig. Ich weiss es nicht, aber ich will es versuchen. Heidelberg war eine wunderbare Zeit und ich kann nur jedem empfehlen, der von dieser Krankheit betroffen ist, nach Heidelberg zu fahren. |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Liebe Inge,
Trost zu spenden ist eine der schwersten Aufgaben. Die Menschen haben so sehr Angst die falschen Worte zu benutzen, so bleiben sie stumm. So bleibt nur der Weg, den Trost in uns selbst zu finden, in den Erinnerungen, in einem Zwiegespräch mit unseren Lieben. Irgendwann Dinge betrachten zu können, die ein warmes Gefühl im Herzen geben, wieder ein Lächeln auf das Gesicht zaubern, dankbar zu sein, daß wir die Möglichkeit hatten mit ihnen ein Stück unseres Lebens verbracht zu haben. Sei offen den Menschen gegenüber, die versuchen Dich zu trösten, sage ihnen, wenn Du lieber alleine sein möchtest, und sage ihnen aber auch, wenn Du das Bedürfnis hast zu reden. Bitte sie um ein paar Minuten ihrer Zeit. Ich wünsche Dir auf dem Weg der Erinnerungen die Kraft zu finden, die Du suchst. liebe Grüße, Jutta |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Liebe Inge,
bei Deinen Schilderungen kommen sehr viele Erinnerungen hoch, die ich zulasse, weil sie zu mir gehören. Ich wünsche Dir viel Kraft. Tue das, was Dir deine Seele sagt, tue es spontan. Es wird richtig sein. Ich bin neben den vielen Spazierwegen, den Besuchen am Grab auch nochmals in den Krankenhäusern und dem Hospiz gewesen, bin quasi nochmals mit meiner nicht mehr lebenden Frau von Stockwerk zu Stockwerk gegangen. Der Start jeweils dazu war schwer, danach ging es mir deutlich besser. Wichtig war für mich, was sich in meiner Seele tat, welcher Druck sich jeweils löste und was sich Schritt für Schritt in mir tat und veränderte. In den 4.5 Jahren nach Krankheitsausbruch bei meiner Frau habe ich alles getan, um ihr das Leben zu erleichtern. Erst zwei Jahre nach ihrem Tod konnte ich es zulassen mir einzugestehen, daß auch ICH Ungeheures geleistet habe, obwohl ich das doch für selbstverständlich hielt. Nicht nur SIE hat Wunderbares geschafft bis zu ihrem Tod, sondern auch ICH als ihr Lebensgefährte. Auch diese Selbsterkenntnis, dieses Eingestehen, Du hast alles getan, was Du konntest, Du hast es sehr gut gemacht, tat meiner Seele sehr gut. Wieder konnte ich damit ein Stück Abschied leisten, meiner Seele sagen: Es ist gut. Es ist gut alles zuzulassen, was mit Trauer, Tod und Abschiednehmen zu tun hat. Es ist gut, der Seele Raum zu geben, denn sie hat während der Krankheit des Partners sich für ihn verzehrt. Es ist gut zu weinen und laut zu sprechen, es löst die Spannungen der Seele. Es ist auch gut zuzulassen, etwas Neues zu beginnen, jetzt wieder etwas zu geniessen. Es ist auch im Sinne des nicht mehr vorhandenen Partners. Es ist gut, der Seele Raum zu geben, nach vorne zu sehen, das Leben neu zu ordnen und vielleicht sich auch wieder anderen zu öffnen. Seele und Gefühl werden signalisieren, was zu tun ist und wann es zu tun ist. Meine Frau und ich haben uns sehr lange auf den Abschied vorbereiten können, schmerzlich war es, aber notwendig: das Loslassen. Nach ihrem Tod befand ich mich im Zustand des Losgelassenseins, ein wenig hilflos, orientierungslos. Jede Frau, die mir begegnete, wurde mit ihr verglichen. Ich habe das zugelassen, weil es wohl gar nicht anders geht als derartige Vergleiche anzustellen. Es hat eine Zeit gedauert, bis meine Seele akzeptierte, was mein Verstand schon eher wußte: Behalte deine Frau in Erinnerung, das kann Dir keiner nehmen. Es war einzigartig mit ihr. Nun lasse sie bitte auch gehen, denn sie hat einen Bereich betreten, der für Dich nicht erreichbar ist. Du lebst hier weiter, Du darfst es, Du sollst es, Du darfst sogar Freude am Leben haben. Nimm Dein neues Leben nun in die Hand. Tue das, was Du für richtig hältst, Du bist frei. Mit lieben Grüßen Shalom |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Lieber Shalom, liebe Inge
Wenn ich eurere Beiträge lese, berührt es mich sehr und ich lese daraus eine Grösse und Stärke von euch beiden, wie ihr mit der Erkrankung, dem Abschied, dem Loslassen und der Trauer danach umgegangen seid und immer noch umgeht. Ich finde ihr beide habt sehr wohl genau soviel geschafft, wie euere Lieben. Ich bin selbr betroffen, arbeite ehrenamtlich in der Hospiz und Krankenhausseelsorge und es ist eine wunderbare Berreicherung diesen Dienst zu tun und sich selber mit seiner eigenen Vergänglichkeit auseinander zu setzen. Danke für euere Offenheit, ich denke, euere Beiträge hier,können für viele Betroffene und Angehörige Berreicherung sein. Ich wünsche euch weiterhin alles Liebe, viel Kraft, Freude, wärme, Licht und viele liebevolle Begleiter an euere Seite LG von Geli |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Liebe Jutta,
vielen Dank für Deine Zeilen. Ja, du hast recht, viele Menschen können mit meiner jetzigen Situation nicht umgehen. Nachbarn, mit denen wir sonst oft und gerne geredet haben, grüßen zwar freundlich vom Auto aus, gehen mir aber ansonsten aus dem Weg. Ich habe schon versucht ein Gespräch anzufangen, aber auch das scheint mir nicht erwünscht.. Wir wohnen in einem kleinen Dorf, es war schwer, vor 25 Jahren, als wir hier hergezogen sind, Kontakte zu knüpfen. Nach der Geburt unserer Tochter war es dann leichter bedingt durch Kindergarten und Schule. Aber jetzt wohnt unsere Tochter 40 km von hier entfernt, sie kommt zwar jeden 2. Tag her, weil sie im Nachbarort ihre Pferde untergebracht hat, aber sie hat auch ihre Arbeit und ihren Verlobten, den sie auch nur am wochenede sieht und muß ihr eigenes Leben meistern, was ihr bisher ganz gut gelungen ist,. Ich werde mir auch wieder eine Arbeit suchen, aber wer stellt eine 53 jährige "alte Frau" im Büro ein. Ich habe meinen Beruf seinerzeit für meinen Mann aufgegeben und ich bereue keine Minute. Ich bin froh, dass ich es getan habe um immer bei ihm sein zu können. Zur Zeit geht es in meinem Leben noch eetwas chaotisch zu, an manchen Tagen klappt alles, an anderen Tagen gar nichts. aber ich denke, dass ich das alles wieder in den Griff bekomme - irgendwann -. Nochmals danke und viele Grüße von Inge |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Hallo Shalom,
ich möchte auch dir ganz herzlich für Deine lieben Zeilen danken. Es ist gut zu wissen, dass es doch noch Menschen gibt, die mich gut verstehen. Ja, die Erinnerungen sind das schönste was wir von unseren Lieben haben und die kann uns keiner nehmen. Ich fahre oft zum Grab meines Mannes, es ist nicht weit, ich kann auch mit dem Fahrrad hinfahren. Denn wenn ich in den Nachbarort zum einkaufen fahre, ist der kürzeste Weg durch den Kirchweg am Friedhof vorbei. Ich halte jedesmal an und gehe kurz zum Grab, auch wenn ich nur die Blumen in der Vase ordne oder eine Blüte, die vielleicht abgefallen ist aufhebe oder aber auch nur einfach sage, "Hallo Ulli, wollte nur mal nach Die sehen". Danach geht es mir immer etwas besser und es kommt eine innere Ruhe und Zufriedenheit auf. Mein Mann wußte, dass er mit dieser Krankheit nicht alt wird und wenn ich ihn dann gefragt habe, was wird dann aus mir, wenn Du nicht mehr da bist, dann sagte er immer: Du schaffst das schon, du mußt doch dann für unsere Tochter alles erhalten, wofür wir beide bisher gearbeitet haben. du weisst doch, jeder Tag ist für mich ein Kampf, ich werde es versuchen, aber ich kann diesen Kampf gegen diese Krankheit nicht gewinnen, aber Du wirst es schaffen, du wirst das Leben auch ohne meine Hilfe meistern, denn ich bin immer bei Dir, in all Deinen Gedanken und bei all Deinen Taten. Im Moment fällt es mir noch sehr schwer, dass alles zu glauben, doch ich möchte meinen Mann nicht enttäuschen und bemühe mich, alles in seinem Sinne weiterzuführen. Ich wünsche Dir auch weiterhin alles, alles Gute, Gesundheit und Zufriedenheit. viele liebe Grüße von Inge |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Liebe Geli,
danke für Deine Worte. Ich bewundere Dich und all die Menschen, die in den Hospizen ihren schweren Dienst tun. Mein Mann ist zu Hause in seiner gewohnten Umgebung in meinen Armen verstorben. Ich bin froh, dass ich bei ihm sein konnte. Wieviele Menschen liegen irgendwo allein in einem Krankenzimmer und niemand ist da, wenn sie sterben. Dann ist es gut, dass es solche Menschen wie Dich gibt, die es vielen Sterbenden leichter machen vom Leben loszulassen. Ich wünsche Dir auch weiterhin viel viel Kraft für diese Arbeit. Ganz liebe Grüße von Inge |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Liebe Inge,
Du wirst es schaffen, das NEUE LEBEN, auf DEINE Weise. Überfordere Dich nicht, Du mußt jetzt keine Stärke mehr zeigen, Du darfst jetzt auch schwach sein und Dich mal ausruhen. Auch das ist in seinem Sinne, denn er möchte, daß es Dir gut geht. Zeige das auch ruhig Deiner Tochter, erbitte ihr Verständnis, das viele Dinge nun etwas anders laufen werden: in Deiner Schrittgeschwindigkeit, auf Deine ganz besondere Weise. Er hatte seine Eigenart, Du hast nun von ihm die Verantwortung ganz übertragen bekommen. Sieh das nicht als Last an, sondern als Chance, Deine Fähigkeiten neu auszuloten und neu erstrahlen zu lassen. Aber: Nutze die Chance und tue es Schritt für Schritt, halte inne, wenn Du müde dabei wirst. Lebe nun Dein eigenes Leben. Mit lieben Grüßen Shalom |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Liebe Inge,
Dein Mann hat Dir mit seinen Worten so sehr geholfen Deinen jetztigen Weg mit seiner Hilfe zu gehen. Ich finde dies sehr schön, denn es wird Dir tagtäglich die Gewissheit geben, er ist bei Dir und seine Worte werden Dich durch den Tag begleiten. Aus seinen Worten wirst Du immer wieder die Kraft finden, den nächsten Tag anzugehen. Durch den tiefen Schmerz und die Trauer spürst Du jetzt sein bei Dir sein noch nicht so stark. Ich durfte die Erfahrung durch die Begleitung meiner Eltern, und die Schwestern meines Vaters, machen, und die Worte meines Vaters sind immer allgegenwärtig: "Es gibt nichts schöneres für einen Menschen in Liebe und Geborgenheit im Kreise seiner Lieben den letzten Weg gehen zu dürfen". Jahrelang trug ich den Gedanken in mir, dieses Begleiten auch anderen Menschen zuteil kommen lassen. Doch der Alltag ließ mir nicht die Zeit dazu. Erst nachdem meine Mutter letztes Jahr von uns ging und ich von 2 Jahren meinen Urlaubsanspruch nahm (hatte aus dem Vorjahr noch den gesamten Urlaub gut), meinte mein Arbeitgeber, ist ja schön was sie da tun, aber können wir weiterhin mit ihnen rechnen und ließ mich in die allgemeine Umstrukturierung "fallen". Erzähle Dir das nur, da ich auch fast so alt bin wie Du und der Markt da draußen gnadenlos ist. So werde ich im Herbst meine Schulung zur Begleitung beginnen. Für mich zählt nicht mehr die Tretmühle des Stresses, sondern wieder die Menschlichkeit, die immer mehr verloren geht. ganz liebe Grüße, Jutta |
Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Lieber Shalom,
ich habe gerade deine Beiträg gelesen! Sie machen mir wahnsinnig Mut! Ich habe im Januar meinen Lebensgefährten verloren, und seitdem ist es bei mir ein ständiges Auf und Ab. Einerseits beginne ich ein "kleines" neues Leben, andererseits lebe ich noch voll und ganz in Erinnerungen. Es war für mich sehr interessant, als du geschrieben hast, daß du nochmal ins Krankenhaus, Hospiz, und zu all den Orten gegangen ist, die dich an deine Frau erinnern. Ich hatte schon die gleichen Gedanken, und diese Orte ziehen mich auch irgendwie magisch an. Irgendwie gehört es vielleicht ein wenig zum Loslassen dazu, daß man alles nocheinmal durchlebt. Diese Orte habe ich in schlimmen aber auch irgendwie in schöner Erinnerung, weil wir die Zeit so intensiv miteinander erlebt haben. Ich weiß nicht, ob ich es irgendwann einmal schaffen werde sie aufzusuchen, aber es ist irgendwie schön zu hören, daß es dir inneren Frieden gebracht hat, dies zu tun. Ich hoffe sehr, daß ich auch bald eine Einstellung bekomme wie du- das man nicht nur funktioniert und traurig in den Tag lebt, sondern das die Freude darüber und die Dankbarkeit an das Schöne bald wieder zurück kommen. Aber ich denke das kann man nicht erzwingen, sondern kommt von innen heraus. Wahrscheinlich muß ich meinen Schatz mehr loslassen, aber es fällt sehr sehr schwer! Liebe Grüße, Jenny |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Wie sehe ich nach mehr als fünf Jahren nach dem Tod meiner Frau die damalige Trauersituation ? Was ist mir aufgefallen ? Was habe ich beobachtet ?
Mir hat ECHTES Mitgefühl sehr geholfen, denn das gab mir die Basis mich verstanden zu fühlen. Mir hat ECHTES MITEINANDER SPRECHEN UND NACHDENKEN sehr geholfen, meinen EIGENEN Weg zu finden. Letztlich wußte ich jedoch für mich, Du mußt Dir selber helfen oder Dir helfen lassen, denn die mühsame Trauerarbeit kann Dir niemand abnehmen. Was ich gar nicht wollte: den Stimmungen hilflos ausgeliefert zu sein. Ich wußte, ICH MUSS an mir ARBEITEN, weder ein Therapeut noch eine einfühlsame Trauergruppe oder eine Kur kann mir die Hauptarbeit abnehmen. Der Therapeut würde mir zuhören, MICH REDEN LASSEN, WAS ICH EMPFINDE. Den Arbeitsweg zur Bewältigung hätte er mir nicht abgenommen. Eine Trauergruppe wäre für mich wichtig gewesen, wenn ich meine Gefühle nicht hätte ausdrücken können und keine lieben Freunde gehabt hätte, um mich auszutauschen. Beide Dinge aber waren bei mir gegeben, sodaß ich mich mitten in meiner eigenen Trauerarbeit noch zusätzlich mit dem Leid anderer hätte intensiv auseinandersetzen müssen. Das wäre vielleicht gut gewesen, um meinen Gefühlsstand einordnen und mit anderen vergleichen zu können. Dieses Forum hier hatte damals eine gewisse Funktion für mich, um zu sehen, wie andere Betroffene mit Trauer oder Krankheit umgehen. Das Forum ist für mich sehr wertvoll geworden. Was ich beim Forum nicht kann/konnte: Gefühls-Hopping durch die unterschiedlichen Threads. Mich haben ganz wenige Threads angesprochen und wenn ich meinte, etwas beitragen zu können, so habe ich einen Beitrag geleistet. Jetzt habe ich die "Fremdhilfe" (Therapeut, Trauergruppe, Forum) angesprochen. Was blieb nun für mich in meiner Situation übrig ? (in eine Kur wollte ich nicht und brauchte sie vielleicht auch nicht) Ich war bereit mich der neuen Situation zu stellen, aber wie ? Ich kannte das große SCHWARZE LOCH, in das ich kurz nach dem ersten Krankenhausaufenthalt meiner Frau fiel. Ich wollte keine SCHWARZEN LÖCHER mehr haben, keine Ängste mehr vor der mit lieben Dingen meiner Frau gefüllten Wohnung, den geliebten gemeinsamen (zum Schluß sehr schweren) Spazierwegen. Wäre ich meinen Ängsten nachgegangen, hätte ich unsere langjährige Wohnung verlassen müssen, ich hätte wegziehen müssen, um nicht auf Schritt und Tritt geliebte Wege betreten zu müssen, oder Bekannten antworten zu müssen. Ich wollte NICHT, dass die Angst gewinnt. Also habe ich versucht, die Angst beim Schopf zu packen und zu schauen, was die Angst mit mir macht. Für Freunde und Bekannte hatte ich mir Sätze überlegt, mit deren ich fair und punktgenau auf die Standardfrage "Wie geht es DIR" antwortete. Ich bin dabei niemandem ausgewichen. Meist habe ich ich bei Interesse gefragt, was denn genau erzählt werden soll. Ich wollte mich schützen vor meiner eigenen Offenheit, um mich nicht verletzt zu fühlen. Die ganze Wohnung war voller lieber Erinnerungen an meine Frau - überall - vor allem viele Bilder und Gegenstände unserer zahlreichen USA Reisen. Was mir besonders nahe ging, waren die Kleider (Schuhe usw.), die noch ihren Geruch trugen. Ich wollte die wunderbaren Erinnerungen an Sie (meine Frau) behalten, mich aber von den stets Schmerz zufügenden Dingen trennen. Die beste Freundin meiner Frau hat dann kurz nach dem Tod meiner Frau die Kleider in Kisten gepackt und ich habe die verschlossenen Kisten an die Diakonie übergeben. Ich habe ihr Zimmer umgeräumt und eine leicht andere Gestalt gegeben, um nicht jedes Mal schmerzlich an die schweren Krankheitstage erinnert zu werden. Die gemeinsamen Spazierwege habe ich fast alle nochmals alleine beschritten, es war mit viel Weinen, lautem Sprechen mit meiner verstorbenen Frau, auch mit Klagen (WARUM WIR usw.) verbunden. Jedes Mal habe ich mich NACHHER entlastet gefühlt. Ich bin nach Freiburg in die Klinik gefahren, wo sie AHB Maßnahmen erhielt, um die Krankenhausgänge zu durchlaufen. Ich bin an unserem Wohnort in die Klinik gefahren, in der sie ach so oft in fast jedem Zimmer der Onkologie lag. Ich habe dort im Laufe von Monaten mehrfach geschaut, was meine Seele sagt, wenn ich mich dort aufhalte. Ich bin an einem der Todestage in das Hospiz gefahren, in dem sie 2 Tage war, bevor sie starb. Alle diese Gänge waren schwer, aber gut für meine Seele, denn ich wollte nicht, dass die Angst gewinnt. Durch den Tod meiner Frau habe ich die Angst vor dem Sterben und dem Tod verloren. Ich bin dankbar, dass ich sie ein paar Wegschritte begleiten durfte. Es ist eine Bereicherung für mein Leben. Ich habe vieles neu lernen müssen: - Geduld mit mir selbst zu haben - Unterscheiden zu lernen, wer wirklich mitfühlt /mittrauert - Unterscheiden zu lernen bei Nachfragen wie es mir geht (Rein rhetorische Fragen, Höflichkeitsfragen, Interessensfragen) - einzugestehen, daß ich selbst bis an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeiten gegangen bin und tatsächlich viel geleistet habe (das in mir zuzulassen hat etwa 2,5 Jahre gebraucht; ich war nur für meine Frau da, habe nur funktioniert, um alles für sie Erdenkliche zu tun; ich habe mich dabei selbst gar nicht wahrgenommen) Shalom |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Ich habe ein sehr einfühlsames Gleichnis gefunden, in dem Traurigkeit und Hoffnung einander begegnen (nachzulesen unter www.palverlag.de/Gleichnisse_Seite4.html). Damals hatte ich diesen Thread unter anderem auch mit den Worten Trauer und Hoffnung begonnen.
ZITATANFANG Die Geschichte von der traurigen Traurigkeit Als die glutrote Sonne am Horizont dem Tag langsam entschwinden wollte, ging eine kleine zerbrechlich wirkende Frau einen staubigen Feldweg entlang. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Fast am Ende dieses Weges, saß eine zusammengekauerte Gestalt, die regungslos auf den trockenen, ausgedörrten Sandboden hinunterstarrte. Man konnte nicht viel erkennen, das Wesen das dort im Staub des Weges saß, schien beinahe körperlos zu sein. Es erinnerte an eine graue aber weiche Flanelldecke mit menschlichen Konturen. Als die kleine zerbrechlich wirkende Frau an diesem Wesen vorbeikam, bückte sie sich ein wenig und fragte: "Wer bist du?" Zwei fast regungslose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit." flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass man sie kaum zu hören vermochte. "Ach, die Traurigkeit !" rief die kleine Frau erfreut, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen. "Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit vorsichtig? "Aber ja, natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast Du mich ein Stück meines Weges begleitet." "Ja, aber ...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht und nimmst reiß aus? Hast du denn keine Angst vor mir ?" "Warum sollte ich vor dir davonlaufen ? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst. Man kann dir nicht entkommen. Aber, was ich dich fragen möchte: Warum siehst du so betrübt und mutlos aus ?" "Ich ... ich bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit klangloser Stimme. Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist Du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so sehr bedrückt." Und die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. "Ach, weißt du", begann die Traurigkeit zögernd, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Niemand will mich. Dabei ist es doch nun mal meine Bestimmung unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber jedesmal wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich." Die Traurigkeit schluckte schwer. "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich verstoßen wollen. Sie sagen: Ach was, das Leben ist heiter und fangen an zu Lachen. Aber ihr falsches erzwungenes Lachen führt zu Magenkrämpfen. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muss sich zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken, im ganzen Körper. Verkrampft sind sie. Sie drücken die Tränen tief hinunter und haben Atemnot. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Dabei sprengen die aufgestauten Tränen fast ihre Köpfe. Manchmal können sie dadurch nicht mal mehr Sprechen. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie nicht fühlen müssen." Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nichts Böses, ich will ihnen doch nur helfen. Denn wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen und zu heilen. Weißt du, wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut, und manches Leid bricht dadurch immer wieder auf, wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur wer mich zu sich läßt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden erst wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich Ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grellen Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit und ewiger Enttäuschung zu. Ich glaube, sie haben einfach nur unbändige Angst zu weinen und mich zu spüren. Deshalb verjagen sie mich immer wieder." Dann schwieg die Traurigkeit. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz innig und verzweifelt und die vielen kleinen Tränen tränkten den staubigen, ausgedörrten Sandboden. Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkenen Gestalt tröstend in die Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte das zitternde Bündel. "Weine nur, kleine Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst nicht mehr alleine wandern. Ich werde auch dich von nun an begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr Macht gewinnt." Die Traurigkeit hörte zu weinen auf. Sie sah zu ihrer neuen Gefährtin auf und betrachtete sie erstaunt: "Aber ... aber, wer bist du eigentlich ?" "Ich ...", sagte die kleine und zerbrechlich wirkende Frau und lächelte dabei wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen, " ... bin die Hoffnung! Copyright M.Schumann Was wir daraus lernen können Gute wie schlechte Gefühle gehören zum Leben und oftmals könnten wir etwas Schönes nicht genießen, wenn uns negative Gefühle fremd wären. Gewiss: negative Gefühle können schmerzhaft sein. Sie sind jedoch nur Wolken, hinter denen die Sonne scheint. Entscheidend ist, dass wir die negativen Gefühle annehmen und sie als Lebensabschnitte ansehen, die vorübergehen. Lebensweisheit Solange wir uns die Hoffnung auf ein besseres Leben bewahren, haben wir die Chance, ein besseres Morgen, eine bessere Zukunft zu gestalten. Wir wünschen Ihnen die Kraft und den Mut, Zeiten der Traurigkeit und der Verzweiflung anzunehmen und sich Ihre Hoffnung zu bewahren. ZITATENDE |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Lieber Shalom,
danke, dass du deinen Thread wieder nach oben geholt hast. Als Ergänzung für die Denkanstöße der letzten Tage hat es mir sehr viel bedeutet und ich glaube, ich habe noch ein wenig mehr verstanden. Viele meiner Ängste konnte ich mittlerweile auch schon besiegen, manche noch nicht, aber wir wissen alle, es braucht Zeit. Die Geschichte der traurigen Traurigkeit hat unsere Tochter übrigens an Claus Beerdigung vorgelesen, vielleicht weil wir sogar ganz am Anfang unseres Trauerweges trotz aller Verzweiflung wussten, wie wichtig die Hoffnung in unserem Leben bleiben sollte. LG Andrea |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Nachdenkliches zum "Kampf" zwischen Gefühl und Verstand, Trauer und Hoffnung
Ich habe in früheren Jahren mühsam lernen müssen, die unselige Trennung von Gefühl und Verstand aufzuheben, Gefühle zuzulassen, eigene Gefühle und die Gefühle anderer stehen zu lassen, Wolken vorüberziehen zu lassen, vieles auszusprechen und gleichzeitig auch dem Verstand Raum zu geben. Wenn deine todkranke Frau dir gegenübersitzt, die du so liebst und dir sagt, du mögest glücklich weiter leben auch vielleicht mit einem neuen Partner, das war sehr schwer für mich zu ertragen. Ich wollte doch, dass SIE bei mir bleibt und WIR zusammenstehen und alt werden. Wir sollten nicht gemeinsam alt werden, sondern hatten die Aufgabe uns auf den schweren letzten Weg gemeinsam vorzubereiten mit unseren Gefühlen und unserem Verstand. Und diese Aufgabe haben wir von Anfang bis zum Schluß auch angenommen. Ich konnte daher - wenn auch wie jetzt nur unter Tränen - meine Frau gehen lassen, es war für sie eine Erlösung und Befreiung von der kaum noch erträglichen Last ihrer Krankheit. Und es war gut so, warum sollte ich beklagen, dass sie nun nicht mehr leiden musste ? Ich hatte das Geschenk gesund zu sein, sie hatte es jedoch nicht. Von daher sehe ich auch jeden Tag in meinem "zweiten" Leben als ein Geschenk an, das ich als sehr wertvoll erachte und "hege und pflege". Ich habe mich den Aufgaben zu stellen, eine Flucht hilft nicht, dann holt mich die Seele wieder ein ("Angst essen Seele auf"). |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Hallo Shalom,
du bist auch ein Kämpfer ;-) In meiner Arbeit im KH,in der Sterbebegleitung und in den Trauerseminaren wurde mir sehr Vieles klarer. Manche Menschen möchten dieses Selbstmitleid in ihrer Trauer nicht missen,denn gerade dieses Mitleid erinnert sie an den Verstorbenen. Dadurch haben sie Gewissheit das der Schmerz vorhanden ist....und nicht vergeht. Denn es wäre für manchen garnicht auszuhalten ohne diesen Schmerz leben zu *müssen* Diesen Menschen lasse ich auch in meinen Seminaren einen Freiraum,sie dürfen in ihrem Schmerz verharren niemand zwingt sie diesen abzulegen. Nur weißt was ich beobachtet habe,je mehr andere auftauen,diese Phasen der Trauer bewußt durchgehen und auch vermehrt darüber sprechen desto mehr kommen auch die Anderen und beginnen zu sprechen. Die Phasen wechseln sich ab,oft werden ein und dieselbe Phase mehrmals durchschritten.......das ist grundsätzlich verschieden. Eines aber vergessen die meisten Trauernden,auch STERBENDE gehen durch diese Phase,dieselben Phasen zeit ihres letzten Lebensabschnittes. Nicht nur ich bin der ARME......sonder auch derjenige der gehen MUSS. Liebe Grüße und knuddel anny |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Liebe Anny,
danke für deine Antwort, ich kann jedes Deiner Worte bestätigen. Du schriebst insbesondere: Eines aber vergessen die meisten Trauernden,auch STERBENDE gehen durch dieselben Phasen während ihres letzten Lebensabschnittes. Nicht nur ich bin der ARME......sondern auch derjenige der gehen MUSS. Für das gemeinsame Durchlaufen einiger dieser Phasen während der langen Krankheits - und Abschiedszeit zusammen mit meiner verstorbenen Frau bin ich sehr, sehr dankbar. Abschied nehmen : Für mich ein Frühbeginn der Trauer, aber noch gemeinsam, Hand in Hand. Es war unerbittlich und schmerzlich für uns beide, aber wir konnten uns dem gar nicht entziehen. Es gab NICHT die Möglichkeit, es zu verdrängen. Es gab auch nicht die Möglichkeit voreinander die Situation, das Unabänderliche zu beklagen. In Würde sterben zu können, dankbar für ein gelebtes Leben Abschied nehmen zu können, war ihr geschenkt. SIE hat sich dieser unendlich grossen Aufgabe gestellt und SIE hat die Aufgabe gelöst. Das hat sie bis zum Endpunkt ihres Lebens bei mir, unseren Freunden, dem Krankenhauspersonal ausgestrahlt: Würde in Krankheit/Sterben, Liebe, menschliche Größe. Ich bin sehr dankbar, dass ich meine Frau damals ein Stück begleiten durfte. Auch wenn es immer wieder schwer ist, ich denke gerne an die vielen kleinen und großen Abschiede, sie zeigen mir immer wieder was "Würde" beim Sterben bedeutet und ordnen meine eigene Trauer um ihren Verlust dem entsprechend eher gering ein. Anny, ich danke Dir für den Hinweis, in diesem Trauerforum nicht nur den Gesichtspunkt der überlebenden Betroffenen zu beleuchten, sondern auch den der Sterbenden. Es kann uns "Überlebenden" durchaus helfen, Gedanken und Gefühle neu zu gewichten und zu hinterfragen. Mit lieben Grüßen Shalom |
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Zitat:
Ich weiß nicht, was tatsächlich nach dem Leben hier auf Erden kommt. Ich weiß nur, dass ich im Augenblick seines Todes ganz intensiv gespürt habe: Jetzt ist für ihn wieder alles ok. LG Andrea, heute genau seit 16 Monaten verzweifelt dabei, den Berg zu bezwingen.... |
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Liebe Andrea,
warum solltest Du etwas überhören oder übersehen haben, Du warst bei ihm und hast ihm Deine Nähe und Liebe angeboten und gespürt ,dass jetzt wieder alles für ihn o.k. ist. Vielleicht war ich mißverständlich in meiner Ausdrucksweise, entschuldige das bitte. Wir können natürlich nicht wissen und sollten uns das auch nicht anmassen, was im Augenblick des direkten Sterbens sein wird oder bei unserem geliebten Partner war. Mit meinen Äußerungen (wahrscheinlich auch denen von Anny) war eher der monatelange PROZESS des Abschiednehmens vor dem Tod gemeint (ich habe das auf das Wort Sterben verkürzt). Was ich durch den Beitrag von Anny meine verstanden zu haben, ist auch mal den Betrachtungsstandpunkt vom überlebenden Betroffenen zum sterbenskranken geliebten Menschen zu wechseln. Vielleicht ergibt sich dann ja ein gradueller Gewichtungswechsel meiner Gedanken und Gefühle, wenn ich auf meine Trauer schaue. So habe ich es für mich gesehen. LG Shalom |
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Liebe Anny, hallo Shalom,
auch ich lese ständig mit Begeisterung Kübler- Ross und füge noch etwas hinzu. In einer Frage- Runde ( aus dem Buch " Was können wir noch tun " ) fragt eine Frau: " Ich möchte gerne Ihre Gedanken über die Trauer höre. Ist es möglich oder gar normal, um einen geliebten Ehemann, mit dem man viele Jahre verheiratet war und der nach sehr langer Krankheit erst vor kurzem gestorben ist, zu trauern, ohne ihn aber wirklich zu vermissen?" Frau Dr. Kübler- Ross antwortet: " Ja, das halte ich für möglich. Nach meiner Meinung kann eine Frau, die ihren Mann in einer langen Zeit der Krankheit umsorgt und den vorbereitenden Schmerz durchlebt hat, um ihn trauern und braucht ihn trotzdem nicht zu vermissen. Das Gefühl des Verlustes ist gepaart mit einer starken Empfindung der Erleichterung wenn eine lange Krankheit und schweres Leiden überstanden sind." Diese Worte sprechen mir aus der Seele. Natürlich vermisse ich meinen Mann, aber das Gefühl der Erleichterung ist immer noch da und tief im Innern habe ich deshalb ein schlechtes Gewissen- so als wäre ich eine Raben- Ehefrau, die froh ist, ihren Mann los zu sein- was ja nicht stimmt. Ich habe ein großes Bedürfnis, anderen Sterbenden zu helfen und werde dies demnächst auch tun. Mein Mann blieb fast bis vor kurz seinem Tod in der Phase des Nichtwahrhaben- wollens und des Zorns. Leider konnten wir keine Gespräche führen über Tod und Weiterleben nach dem Tod. Vielleicht hätte es ihm Erleichterung gegeben. Moni |
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Hallo liebe Moni,
tief im Inneren diese Schuldgefühle,Moni auch das ist ein Teil DEINER Trauer. Mir fiel ein Stein vom Herzen als Mum endlich ihren Weg gegangen ist. Ich spürte eine Erleichterung die ich mir so nicht erklären konnte. Obwohl ich auch geweint habe,obwohl ich auch durch verschiedene Phasen der Trauer gegangen bin,bin ich froh das sie es zu diesem Zeitpunkt geschafft hat. Das hat nichts mit einem *Raben*Verhalten zu tun,weder bei dir noch bei mir,noch bei anderen denen es genauso ergeht. Schwerkranke und Sterbende gehen nicht immer durch alle Phasen,genauso wie du geschrieben hast kann es vorkommen dass es nie zu dieser Akzeptanz des bevorstehenden Todes kommt. Vielleicht hatte dein Mann Angst,seine wirklichen Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Dadurch verharrte er in diesem Nicht-Wahr-Haben-Wollen und in diesem *Zorn*. Der Zorn richtet sich dabei oft gegen sich selbst....ich bin wütend dass ich meine Frau oder meinen Mann oder mein Kind zurücklassen muss,das darf nicht sein. Wenn man wirklich lernt Zorn auch zu verbalisieren,zu schreien ihn einfach rauszulassen dann gelingt die nächste Stufe. Weißt du Moni,dass ist ein gewisses hadern mit *Gott*.....warum erlaubt er dies,dass ich gehen muss,dass ich soviel leiden muss...... Darum ist dieses Verbalisieren von WUT so wichtig. Zu Beginn hab ich das nicht gewußt,doch im Laufe der Jahre wurde es mir immer klarer. Mum hat richtig um sich geschlagen und war zornig,sie hat geschimpft.....dann war sie bereit weiter zu gehen und ihre anderen Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Dabei kannst du in der Begleitung sterbender Menschen hilfreich zur Seite stehen. Als ich vor Jahren im Praktikum war begleitete ich eine ältere Frau. Sie war ein Familienoberhaupt,immer stark und vorallem zeigte sie nie Schwäche. Bevor sie starb befand sie sich in dieser Zorn---und Nicht-Wahr-Haben Phase. *Holen sie mir den Herrn Primar,der wird mir helfen.* *Gehen sie bitte raus aus dem Zimmer und holen sie mir sofort den Arzt,wissen sie nicht wer ich bin * *ja,das weiß ich* Ich nahm ihre Hand und begann mit ihr zu sprechen. Ich sagte ihr ehrlich,dass auch der Herr Primar nicht mehr helfen kann. Dann folgten lange Minuten des Schweigens,dann schrie sie wieder nach dem Arzt. Das war das letzte Mal das sie ihrer Wut freien Lauf gelassen hatte. *Werde ich sterben* fragte sie mich nach fast einer Stunde. *Ja* sagte ich.....aber ich bleibe bei ihnen wenn sie es möchten....... Innerhalb einiger Tage ging sie durch diese letzten Phasen und sie schlief in meinem Beisein ein......entspannt,ohne Zorn und ruhig. Natürlich gelingt dies nicht immer,denn es hat generell mit dem Leben des Betroffenen zu tun. Liebe Grüße anny |
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Hallo Anny,
auch Hermann konnte seinen Zorn herauslassen, dadurch, daß er 8 Tage vor seinem Tod noch parenteral ernährt werden konnte, verbesserte sich seine Stimmung und er war nicht mehr ganz so aggressiv. Erst kurz vor seinem Tod, als er sehr starke Schmerzen hatte und der Arzt bei ihm war, sagte er zum ersten Mal: " Ich will sterben! " Die Morphiumspritzen halfen ihm, sich gehen zu lassen und ich bin so froh, daß er nach der 2. Spritze nicht mehr aufgewacht ist, es wäre eine Quälerei ohne Ende gewesen. Wurdest Du ausgebildet als Sterbebegleiterin oder machst Du das professionell? Liebe Grüße Moni |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Es gibt den Satz, „Wer sich in Gefahr begibt, der kommt drin um“. Der Liedermacher Wolf Biermann hat diesen Satz umgewandelt in: „Wer sich NICHT in Gefahr begibt, der kommt drin um“.
In Bezug auf die Trauerarbeit läßt sich Biermanns Modifikation auch verwenden: Wer sich NICHT an die Trauerarbeit macht, den frißt die Trauer auf. Ein klein wenig kann ich jeden Tag selbst mit ganz kleinen Schritten tun, damit es wieder heller um mich wird und die Traurigkeit in meinem beengten Gefühlsraum nicht alles dominiert. Heller wird es aber nur, wenn ICH die Türe/das Fenster zum Licht einen Spalt ÖFFNE. Licht ist an sich wertfrei. Man kann sich vor ihm verbergen, man kann das Licht suchen/finden. Das Licht gibt Wärme und Orientierung für denjenigen, der es will und braucht. LG Shalom |
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Dietrich Bonhoeffers Gedicht, das er unter für ihn sehr schweren persönlichen Bedingungen schrieb, hat für mich eine besondere Bedeutung. Die letzte Strophe dieses Gedichts habe ich im Juni 2000 auf die Traueranzeige meiner Frau gesetzt. Es hat mich ganz einfach getröstet in meiner großen Verzweiflung.
Von guten Mächten Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr. Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last, ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen das Heil, für das Du uns bereitet hast. Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus Deiner guten und geliebten Hand. Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann wolln wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört Dir unser Leben ganz. Laß warm und still die Kerzen heute flammen, die Du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so laß uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all Deiner Kinder hohen Lobgesang. Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiß an jedem neuen Tag. Dietrich Bonhoeffer |
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Auf meinem Trauerweg gab es Phasen, da mochte ich nichts aber auch gar nichts ändern, weil alles mit unendlicher Mühe verbunden war und ich wollte generell entschuldigt sein für mein vielleicht augenblicklich seltsames Verhalten, weil ich eben so bin wie ich bin und meinte ich könne mich nicht ändern (zumindest bitte jetzt gerade nicht) und genauso und nicht anders mögen die anderen Menschen das doch bitte auch sehen. Ich bekam Zuwendung, aber weiter kam ich kaum, und ich fragte mich warum.
Durch frühere Erlebnisse gewarnt, versuchte ich mir auf die Schliche zu kommen. Ich KONNTE nichts ändern, weil ich nicht WOLLTE. Ich WOLLTE nicht, weil ich überall nur den Abgrund und riesige Berge ungelöster Gefühle und Probleme vor mir sah. Ich sah zunächst kein Ziel und auch keinen Weg, daher verhielt ich mich regungslos, unverändert, wie versteinert. Ich fühlte mich zwar unwohl dabei, aber das Gefühl war mir vertraut und gewohnt. Manchmal brauchte ich dann einen Impuls von aussen (siehe das folgende Gleichnis), für mich bildhaft und überzeugend, einen ganz kleinen Neuanfang meiner Sichtweisen zu wagen, damit die Angst vor dem Leben und vor mir selbst nicht gewinnt. ZITATANFANG: Gleichnis Der Frosch und der Skorpion Ein Skorpion trifft am Ufer eines Flusses einen Frosch. "Lieber Frosch, nimmst du mich auf deinem Rücken mit ans andere Ufer?", fragt der Skorpion. "Ich bin doch nicht lebensmüde. Wenn wir auf dem Wasser sind, dann stichst du mich und dann sterbe ich", antwortet der Frosch. "Nein, wenn ich dich steche, dann gehe ich doch auch unter und sterbe", sagte der Skorpion. "Das leuchtet mir ein. Steig auf meinen Rücken", sagt der Frosch. Kaum sind sie ein paar Meter geschwommen, verspürt der Frosch einen stechenden Schmerz. "Verdammt, jetzt hast du mich ja doch gestochen. Jetzt sterben wir beide", sagt der Frosch. "Ich weiss. Tut mir leid, aber ich bin ein Skorpion, und Skorpione stechen nun mal", antwortet der Skorpion. Wir Menschen sind keine Skorpione. Unser Denken, Fühlen und Handeln wird nicht von genetischen Programmen gesteuert. Wie wir denken, fühlen und handeln, haben wir gelernt. Wir müssen nicht das Opfer unserer Vergangenheit oder vergangener Erfahrungen sein. Was wir gelernt haben, können wir auch wieder verlernen. Wenn wir mit uns, unserem Verhalten oder der Art, wie wir fühlen, unzufrieden sind, dann können wir heute beginnen, unser Denken, Fühlen und Handeln zu verändern. Voraussetzung ist jedoch, dass wir die Verantwortung für uns und unsere Gefühle übernehmen und nicht, wie der Skorpion, unser Verhalten damit entschuldigen, dass wir nun mal so sind und daran nichts ändern können. Wir können uns ändern. Wir sind unseren Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert. .... Wenn wir etwas für schwer halten, dann tun wir uns schwer. Wenn wir etwas als langweilig ansehen, dann langweilen wir uns. Wenn wir etwas als lästig ansehen, dann fühlen wir uns belästigt. Das heißt nicht, dass wir alles positiv sehen sollen. Das heißt nur, dass unsere Sichtweise über unser Befinden entscheidet. Manchmal können wir an einer Situation nichts ändern, was wir jedoch immer ändern können, ist unsere Einstellung zu ihr. ZITATENDE entnommen aus: http://www.palverlag.de/Gleichnisse_Seite1.html |
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Nachfolgende Geschichte habe ich vor einiger Zeit hier im Forum gefunden. Ich halte sie für sehr passend und hoffe, dass sie auch euch ein wenig anspricht:
Als ich eines Tages, wie immer traurig, durch den Park schlenderte und mich auf einer Parkbank niederließ, um über alles nachzudenken was in meinem Leben schief läuft, setzte sich ein fröhliches kleines Mädchen zu mir. Sie spürte meine Stimmung und fragte: " Warum bist Du traurig?" "Ach", sagte ich "ich habe keine Freude im Leben. Alle sind gegen mich. Alles läuft schief. Ich habe kein Glück und ich weiß nicht wie es weitergehen soll." "Hmmm ", meinte das Mädchen, "wo hast Du denn Dein rosa Tütchen? Zeig es mir mal. Ich möchte da mal hineinschauen." "Was für ein rosa Tütchen?", fragte ich sie verwundert. "Ich habe nur ein schwarzes Tütchen." Wortlos reichte ich es ihr. Vorsichtig öffnet sie mit ihren zarten kleinen Fingern den Verschluss und sah in mein schwarzes Tütchen hinein. Ich bemerkte wie sie erschrak. "Es ist ja voller Alpträume, voller Unglück und voller schlimmer Erlebnisse!" "Was soll ich machen? Es ist eben so. Daran kann ich doch nichts ändern." "Hier nimm," meinte das Mädchen und reichte mir ein rosa Tütchen. "Sieh hinein!" Mit etwas zitternden Händen öffnete ich das rosa Tütchen und konnte sehen, dass es voll war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung an Menschenjahren. "Wo ist Dein schwarzes Tütchen?" fragte ich neugierig. "Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter drum", sagte sie. "Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein rosa Tütchen im Laufe des Lebens voll zu bekommen. Da stopfe ich soviel wie möglich hinein. Und immer wenn ich Lust dazu habe oder ich beginne traurig zu werden, dann öffne ich mein rosa Tütchen und schaue hinein. Dann geht es mir sofort wieder besser. Wenn ich einmal alt bin und mein Ende droht, dann habe ich immer noch mein rosa Tütchen. Es wird voll sein bis obenhin und ich kann sagen, ja , ich hatte etwas vom Leben. Mein Leben hatte einen Sinn!" Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte gab sie mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden. Neben mir auf der Bank lag ein rosa Tütchen mit der Aufschrift: Für Dich! Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein. Es war fast leer, bis auf einen kleinen zärtlichen Kuss, den ich von einem kleinen Mädchen auf einer Parkbank erhalten hatte. Bei dem Gedanken daran musste ich schmunzeln und mir wurde warm ums Herz. Glücklich machte ich mich auf dem Heimweg, nicht vergessend, am nächsten Papierkorb mich meines schwarzen Tütchens zu entledigen. Ich wünsche uns allen, dass unsere schwarzen Tütchen im Laufe der Zeit immer weniger werden. LG Andrea |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Einfach wunderschön!!!
Das hat mich so sehr berührt, dass mir die Tränen kamen. Danke Dieter |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Hallo Shalom,
ich bekenne mich schuldig ;) , das ist eines meiner Gedichte, das ich vor der Einführung der Registrierpflicht schrieb, bzw. noch nicht an das Copyright dachte. Zusatz zu Zusatz von Shalom: Guten Morgen Shalom, kein Problem, das Gedicht war ja *namenslos* :augendreh |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Die folgenden Verse sind sicher schon mal im Forum irgendwo zitiert worden und umschreiben sehr gut, was meine Frau mir sagen würde, wenn sie noch direkt zu mir sprechen könnte.
Wenn ich am Grab meiner Frau stehe oder auf andere Weise mit ihr kommuniziere, frage ich mich manchmal, ob ich mich anders verhalte, als wenn sie mir direkt gegenüber stünde oder ob wir beide die gleichen geblieben sind. Manches bleibt, wie es immer zwischen uns war -- nur ich nun auf der einen Seite, sie auf der anderen Seite des Weges -- . Auf der anderen Seite des Weges Der Tod ist nichts, ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen. Ich bin ich, ihr seid ihr. Das, was ich für euch war, bin ich immer noch. Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt. Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt. Gebraucht nicht eine andere Redensweise, seid nicht feierlich oder traurig. Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben. Betet, lacht, denkt an mich, betet für mich, damit mein Name im Hause ausgesprochen wird, so wie es immer war, ohne die Spur eines Schattens. Das Leben bedeutet das, was es immer war. Der Faden ist nicht durchschnitten. Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein, nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin? Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges. ( Charles Pegeay ) In früheren Beiträgen wurden Phasenmodelle der Trauer beschrieben. Doch läuft für jeden die Trauer anders und ganz persönlich ab. Modelle können meine Gefühle einordnen helfen, mehr aber auch nicht. Sie helfen mir jedoch leider nicht, meine Trauer zu bewältigen. Lösungswege aus der Trauer sind dort auch nicht enthalten, die muß ich mühsam für mich selber finden. Damit setzen sich nachdenklich die folgenden Bemerkungen auseinander: ZITATANFANG: .....Andererseits sind solche Modelle aber nicht ganz unproblematisch. Durch das schematische Abbild können sie dazu verleiten, die Individualität und die ureigene persönliche Form der Auseinandersetzung aus dem Blick zu verlieren. Ein Modell darf niemals als vorgeschriebenen Marschroute, als ein Prinzip und ein "Muss" verstanden werden. Ein brauchbarer Umgang ist nur dann möglich, wenn Raum für Individualität bleibt. Hinzu kommt, dass solche Modelle einen bestimmten Maßstab des "richtigen" oder vertretbaren Trauerns unterstellen können. So gewinnbringend ein Modell sein kann, um die eigenen Reaktionen einzuordnen, so irritierend kann es sein, wenn die eigene Einordnung scheinbar nicht gelingen will. Modelle bieten Orientierung und erste Anhaltspunkte. Sie dürfen nicht missverstanden werden als Patentrezepte oder Vorschriften; Sie leisten lediglich den Versuch einer Darstellung - und dieser kann dann entlastend und hilfreich sein, wenn das eigene individuelle Erleben darin seinen Platz behalten darf. ZITATENDE (aus: http://www.ricardas-homepage.de/Dorothee/) |
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Ich habe heute auch wieder ein paar schöne Zeilen gefunden
Zwei Wölfe ... Ein alter Indianer saß mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. Es war schon dunkel geworden und das Feuer knackte, während die Flammen in den Himmel züngelten. Der Alte sagte nach einer Weile des Schweigens: „ Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend.“ „Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?“ fragte der Junge. „Der Wolf, den ich füttere.“ antwortete der Alte. gefunden auf: http://radine.privat.t-online.de/index.html |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Liebe Andrea,
diese kleine Geschichte macht Mut. Geschichten dieser Art lassen Spielräume für Phantasien, für Gefühle und für das Nachdenken. Sie drücken häufig etwas viel feinfühliger und feinsinniger aus, als ich es selbst nur holzschnittartig ausdrücken kann. Mir sind spontan mal wieder die drei W-Fragen eingefallen, die mir helfen, kompliziertere Knoten (dieses Mal auf die Trauer bezogen) aufzulösen: WAS HABE ICH in mir, wenn ich Trauer in mir trage ? (Beides: Aggression UND Liebe.) WOHIN WILL ICH überhaupt? WIE ERREICHE ICH MEIN ZIEL ? Die Antwort auf die erste Frage habe ich sofort in mir gespürt. Die zweite Frage konnte ich auch bald beantworten: ICH WILL LEBEN. Meine Frau wünschte mir vor ihrem Tod, dass ich wieder fröhlich und glücklich werden möge. Das war schwer zu ertragen, wollte ich doch mit ihr glücklich vereint gemeinsam alt werden. Die Beantwortung der dritten Frage ist noch nicht beendet. Es ist ein dauernder Prozess. Ich versuche jeden Tag das Glück ein wenig einzufangen, dazu habe ich alle meine Sinne auf Empfang gestellt. Nichts Wertvolles möchte ich versäumen. In Dankbarkeit und Wehmut blicke ich zurück und sehe jeden Tag ganz bewußt als Gabe an, aus der ich etwas Positives für mich machen möchte. Ich gebe zu, am Anfang meiner Trauer war es nicht leicht, Licht in den dunklen Wolken der Trauer zu erspähen, aber mit der Zeit bekam ich einen Blick dafür. Danke Andrea LG Shalom |
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Einige Gedichte, die ein paar Mosaiksteine meiner Trauer beschreiben:
Schicksal: Fragt man das Schicksal: Warum, warum? Schicksal gibt keine Antwort. Schicksal bleibt stumm. ----------------- Leben ist möglich. Und nach Tagen der Trauer morgens aufwachen und sich nicht wieder umdrehen und sich nicht wieder in die Trauer einhüllen sondern ganz laut schreien: Steh auf und lebe! ----------------- Wer Abschied wagt bleibt lebendig Im lebendigen Kreislauf des Lebens Wenn Ihr mich sucht, dann sucht in Euren Herzen. Wenn Ihr mich dort findet, dann lebe ich in Euch weiter ----------------- ...es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines geliebten Menschen ersetzen kann; und man soll das auch gar nicht versuchen, man muss es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost, denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden. (Dietrich Bonhoeffer) ----------------- Von dem Menschen, den wir geliebt haben, wird immer etwas zurückbleiben, etwas von seinen Träumen, etwas von seinen Hoffnungen, etwas von seinem Leben, alles von seiner Liebe. ----------------- Weinet nicht, dass ich von Euch gehe, seid dankbar, dass ich bei euch war! Alle Zitate stammen aus: www.trauergedichte.de.vu |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Den Weg über die "Brücke" mußte ich selber gehen und Lasten hat mir auch niemand abgenommen, aber im Laufe der Zeit haben sich meine Sichtweisen der Trauer ein wenig geändert.
Der Engel an der Brücke Ich traf auf meinem Weg einen jungen Mann, der ging auf und ab. Ich fragte, was er denn mache und er schaute mich an. Seine Augen waren voll Trauer und auch voll Wut. Sein Körper war geschwächt und doch konnte er nicht ruhen. Auf seinen Schultern lastete ein großes Paket - hier und da waren ein paar Löcher, wo wohl ein Stück des Inhalts fehlte; dennoch schien es dadurch nicht minder schwer. Ich fragte, warum er denn nur ständig auf und ab gehe? Er sagte, dass er gerne über diese Brücke gehen wolle, um auf die wunderschöne Insel gegenüber der Schlucht zu gelangen, doch er wage es nicht, denn seine Last sei so schwer und die Brücke, die er passieren müsse, mache keinen stabilen Eindruck. Ich fragte ihn, warum er denn die Last nicht ablegen würde, dann könnte er doch ohne weiteres die Brücke passieren. Er schaute mich entgeistert an - ohne sein Gepäck??? Nein, das ginge nicht! Ich fragte ihn, was denn so Wichtiges in diesem Paket wäre, dass er es denn nicht hier lassen könne. Er lächelte und sagte stolz - es ist meine Vergangenheit. Er ging auf und ab - sehnsüchtige Blicke folgten dem Weg auf diese wunderschöne Insel - mit Blumen und Früchten und frischem Wasser. Er war wirklich geschwächt, so bot ich ihm Wasser an - dankend trank er. Ich fragte, ob er seine Last absetzen möge und auf die Insel gehen wolle. Vehement verneinte er - auf keinen Fall würde er seine so kostbare Vergangenheit absetzen, nur, um auf die Insel zu gelangen - es müsse doch schließlich auch einen anderen Weg geben. Wir schwiegen. Ich meinte, wenn seine Vergangenheit leichter wäre, so könne er sie vermutlich mit auf die Insel nehmen. Doch wäre sie leichter, so wäre sein Eigengewicht weitaus mehr und so könnte er sowohl mit, als auch ohne Vergangenheit diese Brücke nicht passieren. Dadurch jedoch, dass er nun so lange gegangen sei, mit dieser Last, sei er selber davon so leicht geworden, dass er die Brücke passieren könne, würde er seine Last absetzen. Er schaute mich erstaunt an - "Es ist also die einzige Möglichkeit diese Brücke zu überqueren?" fragte er. Ich schwieg. Er dachte nach. Dann fragte er mich, ob ich denn kurz für ihn seine Vergangenheit tragen könnte, da er das Paket ungern in den Staub stellen wolle. Er würde jedoch gern einmal auf die Insel gehen, um zu schauen, ob sich denn der Tausch auch lohnen würde. Ich sagte, dass er gern auf die Insel gehen könne, doch ich würde ihm seine Last nicht abnehmen. Ich zeigte auf den Haufen neben der Brücke und sagte: "All das ist Vergangenheit von vielen anderen, die auch zuvor wie du unentschlossen waren. Es ist deine Entscheidung - wohin es dich trägt." Und seit er über die Brücke lief, ruht neben seiner Vergangenheit die Vergangenheit vieler anderer glücklicher, freier Menschen! (gefunden in: http://www.zeitzuleben.de/inhalte/in...ten/index.html) |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Aus der Gemeinsamkeit ging es damals (nach dem Tod meiner Frau) in die Einsamkeit, das Alleinesein, in eine nun eher verlassen wirkende Wohnung mit viel wehmütiger Erinnerung, in ein ANDERES Leben.
Ich stand (wie der Titel eines anderen Threads lautet )vor der Frage: Und nun ? Ich wollte die Angst vor dem Alleinsein überwinden, wollte die Trauer mutig und schnell angehen, war aber eher verzagt und kraftlos. Ich wollte leben, wollte etwas tun. Viel Veränderung würde nun auf mich zukommen (dachte ich), aber wollte ich das eigentlich? Wohin die Veränderung geht, wußte ich nicht. Warum nicht so viel wie möglich in alter Form lassen? Da kannten ich und meine Gefühle sich aus. Einerseits gab es Zögern/Angst beim Tun/Verändern, andererseits hatte ich keine (oder wenig) Geduld mit mir und meiner Trauer. Im eigenen Wohnort die immer wieder still fragenden Blicke: Wie geht es ihm nun? An fremden Orten (wenn ich mich mal aufgerafft hatte): Was mache ich nun eigentlich hier ? Hier würde ich doch am liebsten mit IHR zusammen sein. Ich konnte zwar der Trauer bewußt begegnen, sie aber (leider) nicht beschleunigen. Das geschah durch Nach-Besuch der Kliniken, des Hospizes; durch Nachwandern der vielen letzten, beschwerlichen, gemeinsamen, ganz mühsamen (weil kurzatmigen) Spazierwege. Da es mir nach diesen (schweren) Besuchen und Spaziergängen besser ging, wurde ich etwas geduldiger mit mir. Meine Frau war mir in jenen Augenblicken sehr nah und das tat mir sehr gut. Oder: Sollte ich mir nichts Gutes tun, indem ich diese schweren Besuche und Spaziergänge vermied? Jedes Mal war es eine Überwindung, jedes Mal erlebte ich die Trauer und die Nähe zu ihr etwas anders. Jedes Mal war es gut. Es waren viele kleine und große Wiederholungen von gemeinsam Erlebtem nötig, um mich nach und nach von ihr verabschieden zu können. Auch die Trauer und die schmerzlichen Gefühle tauchten ganz allmählich in ein milderes Licht. Aus dem Rückblick heraus hat mir sowohl mein ETWAS-TUN-WOLLEN in kleinen Schritten geholfen, als auch die schmerzlichen (liebevollen) Gefühle kommen und auch wieder gehen zu lassen. Mit den kleinen Schritten kam irgendwie und irgendwann der Mut zur Veränderung meiner Trauer. Anregungen zu Veränderungen bekam ich viele durch Lesen, Gespräche und eigenes Nachdenken. Alles war mir willkommen. Umsetzen in einen für mich geeigneten neuen Lebensweg war zwar mühsam, aber ich bin froh, dass ich die Herausforderung angenommen habe. Ich weiss es, es ist auch in IHREM Sinne. Shalom Ich fand ich eine ganz bemerkenswerte Geschichte dazu: ZITATANFANG: Nikos Kazantzakis, Autor von "Zorbas, der Grieche" beschreibt in seiner Autobiographie folgendes Erlebnis: Er fand eines Tages in der Rinde eines Olivenbaumes einen kleinen Kokon, aus dem gerade ein Schmetterling zu schlüpfen begann. Fasziniert und voller Ungeduld wollte er den Prozess des Schlüpfens beschleunigen und begann den Kokon mit seinem Atem zu erwärmen. Tatsächlich erreichte er so, dass der Schmetterling schneller aus dem Kokon schlüpfte. Durch die Beschleunigung hatte der Schmetterling aber nicht die nötige Sonnenbestrahlung mit ihrer geduldigen Wärme und lebensspendenden Energie bekommen. So lag er auf der Handinnenfläche des Schriftstellers, die Flügel hoffnungslos am eigenen Körper verklebt und Kazantzakis konnte nur noch zusehen, wie das Tier wenig später starb. Diese kleine Geschichte lehrt uns viel darüber, dass Entwicklungsprozesse Zeit und Geduld benötigen. Nehmen Sie sich selbst alle Zeit, die Sie brauchen und seien Sie nachsichtig, wenn dies auch andere Menschen tun. ZITATENDE entnommen aus: http://www.zeitzuleben.de/inhalte/pe...werk_2_3g.html P.S.: Andrea schrieb einmal in diesem Thread: "... mir macht es eher Angst, dass ich gegebenenfalls etwas Wichtiges überhört oder übersehen haben könnte. Ich weiß nicht, wie sterben ist, ich war nur Begleiter so gut ich es konnte." So sehe ich es auch. Im Internet suchte ich dann Hinweise, ob MEIN WEG IN MEIN GEÄNDERTES LEBEN FÜR MICH RICHTIG IST, oder ob ich es hätte anders machen sollen, oder etwas übersehen habe. Daher war und bin ich stets auf der "Suche" nach Anregungen und Hinweisen, wie ich auch MIT Trauer meinen lebenswerten Weg neu erarbeiten kann. Die Einstellung, die in der folgenden URL beschrieben ist, ist gar nicht so weit von meiner eigenen Haltung entfernt. http://www.zeitzuleben.de/inhalte/pe...llungen_1.html Übrigens: Mir gefallen einige Dinge aus der oben angegebenen Internet-Quelle recht gut, obwohl ich die Autoren nicht kenne und auch keines der dort zitierten Bücher besitze. |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Mein lieber Shalom,
All diese Einstellungen, wunderbar. Ich trage sie in mir, ehrlich. Aber wie gesagt, mit der Umsetzung will es derzeit überhaupt nicht gelingen. Nicht heute. Keinen dieser Punkte würde ich heute auch nur annähernd gerecht. Nikos Kazantzakis hat auch folgendes geschrieben: „Was ist Liebe, meine Brüder?“ sagte er, die Hände wie zur Umarmung ausstreckend und zurückziehend. „Sie ist mehr als Mitleid und Güte. Beim Mitleid sind zwei, der Leidende und der Mitleidende. In der Güte sind zwei: der Gebende und der Nehmende. Doch in der Liebe ist Einer, zu dem zwei verschmelzen. Sie werden untrennbar. Ich und du verschwinden. Ich liebe, das bedeutet, ich gehe verloren.“ (Nikos Kazantzakis: Mein Franz von Assisi) Hast du Alexis Sorbas gelesen Shalom. Eine wunderbare Lektüre. Für mich besonders die Stelle, als Alexis beschreibt, wie er Gott zur Rede stellen wird. Keineswegs Blasphemie, aber es hat mich davon überzeugt, dass nicht nur ich eines Tages Rede und Antwort stehen werde, sondern dass einige meiner Fragen vielleicht auch Beantwortung finden. Morgen, morgen ist ein neuer Tag. LG Andrea,Stand heute: 8. Oktober 2004 |
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Liebe Andrea,
gib Deiner Seele Zeit, sie trägt Dich und Du trägst sie. Helft Euch gegenseitig. Es gibt keinen Grund an den „Abers“ zu verzweifeln. Ich glaube fest daran, daß dasjenige, was Du tust, Du für Deinen Mann UND für Dich tust. Und nur das zählt. LG Shalom |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Hilfe in Trauersituation erbitten und dann auch bedenken und annehmen ist gar nicht so leicht.
In der Anfangszeit gab es nur sehr wenige, von denen ich meinte, sie verstünden wirklich meine persönliche Situation. Mein diffuses Ziel weiter "leben" zu wollen meinte ich zu kennen. Es war aber nicht die "Schuld" derjenigen, die mir helfen wollten, daß ich nicht alles übernehmen konnte. Ich konnte auch nicht alle hilfreichen Hinweise verstehen und für mich nachvollziehen. Aber ich war doch eigentlich ganz froh, daß überhaupt Äußerungen meiner Trauerbegleiter kamen. Dasjenige, was mir gut tat, habe ich übernommen, das für mich nicht Verwendbare habe ich zur Seite gestellt. Dabei habe ich mich bemüht, sorgsam mit meinen Trauerbegleitern umzugehen, denn mit oder ohne deren konkrete Hilfen: Es waren Begleiter und ich war mit meiner Trauer nicht alleine. Die Hauptaufgabe, mein Leben neu zu gestalten, lag ganz allein bei mir selbst, auch wenn so mancher externer Hinweis hilfreich war. Dennoch im Rückblick auf meine damalige Trauer und die Kommunikation in diesem Forum jetzt: In Trauersituationen Verständnis füreinander zu entwickeln und echte Kommunikation miteinander zu pflegen war/ist gar nicht so leicht. Vielleicht läßt sich die folgende Geschichte auf die (zeitweilige) Haltung/Situation von uns Trauernden und unseren Begleitern übertragen. Typisch !? Ein Mann fliegt alleine in einem Heißluftballon bei schönstem Wetter durch die Wolken und realisiert plötzlich, dass er die Orientierung verloren hat. Er reduziert seine Höhe und erkennt schließlich einen Mann am Boden. Er lässt den Ballon noch weiter sinken und ruft dem Mann am Boden zu: "Entschuldigung, können Sie mir bitte helfen? Ich weiß nicht mehr, wo ich mich befinde." Der Mann am Boden sagt: "Ja sicher. Sie befinden sich in ca. 15 - 20 m Höhe in einem runden, gelb-rot gestreiften Heißluftballon. Ihre aktuelle Position ist zwischen 40 und 42 Grad nördlicher Breite, und zwischen 58 und 60 Grad westlicher Länge." "Sie müssen Ingenieur sein", sagt da prompt der Ballonfahrer. "Ja, das ist richtig", antwortet der Mann. "Woher wussten Sie das?" "Sehen Sie", sagt der Ballonfahrer, "alles, was Sie mir eben gesagt haben, ist bestimmt technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich nun mit Ihren Informationen anfangen soll. Daher weiß ich immer noch nicht, wo ich nun wirklich bin." Der Ingenieur sagt hierauf: "Sie müssen ein Manager sein." "Ja, das bin ich", antwortet der Ballonfahrer, "Und wie haben Sie das herausgefunden?" "Also," erklärt nun der Ingenieur, "Sie wissen nicht, wo Sie momentan sind oder wohin Sie gehen. Sie haben ein Ziel definiert, von dem Sie nun keine Ahnung haben, wie Sie es erreichen können. Und nun erwarten Sie, dass ich Ihnen dieses Problem löse. Tatsache ist daher: Sie befinden sich in exakt derselben Position, in der Sie waren, bevor wir uns getroffen haben, aber irgendwie ist jetzt alles meine Schuld." entnommen aus: http://www.zeitzuleben.de/inhalte/in/geschichten |
AW: Gemeinsame/einsame Wege bei Krankheit
Nachdenken (Nachfragen) über mich als immer noch Trauernden, der sich und seine Umgebung (auch hier im Forum) betrachtet:
Wenn ich schon mein Leben neu gestalten will (muß), was ist dann meine Orientierung ? Wenn ich mich nur an dem Verlust orientiere, wird der Teufelskreis der Trauer mich gefangen halten. Orientiere ich mich an dem gemeinsam erlebten schönen Dingen, fühle ich Wärme und Licht. So suche ich Tag für Tag etwas, das Licht und Wärme für mich bedeutet. Wenn ich selbst Wärme und Licht in mir spüre, werden auch andere mich vielleicht wieder als lebend empfinden. Trauern macht meist einsam, wirkt unnahbar und abweisend. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Umgebung dann wieder auf mich zugehen konnte, als ich - langsam ins Leben zurückkehrend - auf sie zugehen konnte. Das war nicht immer so ganz leicht, aber irgendwie stimmt der Vergleich mit dem Bumerang (siehe das Zitat unten). Was Zorn, Aggression, Depression über den erlittenen Verlust betraf, wollte ich nicht, daß mich jeden Tag die unbändige Wut packt und so mein tägliches Handeln, meine Stimmung, meine Worte bestimmt. Eine Zeitlang hatten Zorn, Aggression eine wichtige Reinigungsfunktion für meine Seelenlage, aber dann ? Dann war alles ausgesprochen, Zorn und Aggression waren in der Wiederholungsschleife, Änderung meiner Seelenlage: Null. Da blieb dann bald nichts anderes übrig, als mich mit mir zusammenzusetzen und den Start meines weiteren Lebens zu bedenken. Das war/ist die Hauptarbeit, ziemlich mühsam, aber aber nach einiger Zeit dann auch erfolgreich. Die innere Stimme zu hören, zu begreifen und von Störgeräuschen zu befreien, war nicht immer so einfach. Den Gedanken überhaupt Raum zu geben, sie zu entwickeln, sie zu ordnen, sie tragfähig zu machen für meine Art des weiteren Lebens hat Zeit, Beständigkeit und das Aushalten von Frustrationen und Rückschlägen gekostet. Jeden Tag ein klein wenig Licht und Wärme waren der Antrieb und Motor für kleine Schritte in mein anderes Leben. Shalom P.S. Einige der folgenden Sätze habe ich im Krebsforum gefunden, andere an verschiedenen Stellen im Internet . Es ist besser, ein kleines Licht zu entzünden, als über große Dunkelheit zu klagen. Höre ich auf meine innere Stimme, weiß ich, was gut für mich sein möge; lausche ich aber den vielen Stimmen anderer, vergesse ich meine eigene, die gewichtigsten aller Stimmen. (Jutta) Das Leben ist wie ein Bumerang: man bekommt zurück, was man gibt. (Dale Carnegie) Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen. (Albert Einstein) Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, daß sich so wenig Leute damit beschäftigen. Achte auf deine Gedanken,denn sie werden deine Worte. Achte auf deine Worte,denn sie werden deine Handlungen. Achte auf deine Handlungen,denn sie werden deine Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten,denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter,denn er wird dein Schicksal. (Talmud) |
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