Krebs-Kompass-Forum seit 1997

Krebs-Kompass-Forum seit 1997 (https://www.krebs-kompass.de/index.php)
-   Forum für Angehörige (https://www.krebs-kompass.de/forumdisplay.php?f=49)
-   -   Kommt jetzt das Ende? (https://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=45522)

Bärin61 08.04.2010 00:14

Alles Sch......
 
Hallo Leute, ich will mich auch mal trauen eigene Gedanken an euch zu senden, es liegt mir eigentlich nicht über mich zu reden!
Mein Leben ist komplett aus den Fugen geraten und ich bin einfach nur noch traurig.
Erst einmal ein kleiner Auszug aus meiner Geschichte: Im Jahre 2003 wurde bei meinem Mann nach einem Autounfall ein inoperabler Hirntumor festgestellt. Die Ärzte sagten mir, dass sie wohl nichts tun könnten und wollten mit dieser Diagnose zu meinem Mann. Das habe ich ihnen aber verboten, denn ich hatte wahnsinnige Angst, dass er sich etwas antun könnte. Nach Rücksprache mit anderen Ärzten, hielt man eine OP doch für möglich und mein Mann wurde nach Hannover in die Klinik überführt, vorher wurde er aber aufgeklärt. Nach der OP wußte ich dann, dass es sich um ein anaplstisches Astrozyt om Grad III, linksfrontal, handelte und welche Therapie geplant wurde. Mein Mann hat sich nie für die Durchführung interessiert, alles habe ich entscheiden müssen. Ich habe nie den Eindruck gehabt, dass er sich über seine Krankheit Gedanken gemacht hat. Nach der OP folgte die Bestrahlung und erst eine Chemo im KH, da darunter der Tumor aber gewachsen ist, sind sie schnell auf Temodal umgestiegen. Mein Mann hatte ausser einer vorläufigen linksseitigen Lähmung keine Ausfälle, hat die Behandlung super vertragen, sogar die Ärzte waren begeistert. Danach kamen die üblichen Checks im MRT, alle unauffällig. Ich hatte wirklich die Hoffnung dieses Sch....ding besiegt zu haben. Sechs Jahre ging es meinem Mann ohne Einschränkung sehr gut,( na ja, er hat eine leichte Wortfindungsschwäche, aber wer redet schon davon?), dann Mitte 2008 nahmen die Sprachprobleme zu und ich bekam leicht Angst, aber der Onkologe erklärte dieses mit Schäden durch die Bestrahlung. Kam mir merkwürdig vor, war doch schon so lange her!!
Ende 2008 wurde das nächste MRT gemacht und meine Angst wurde zur Gewissheit, ein Rezidiv. Also alles von vorn! OP, danach wurde ich darüber aufgeklärt, dass der Tumor nun sehr agressiv und absolut bösartig sei. Nun ja, auch dagegen kann man etwas tun. Was war ich doch dämlich und unaufgeklärt. Als ich der Neurologin von diesem Gespräch erzählte, fragte sie mich wörtlich: Und? Schon ein Glioblastom?" Nein habe ich ihr geantwortet, darüber hat niemand etwas gesagt. Als ich wieder zu Hause war, habe ich gegoogelt und mir ist so was von schlecht geworden! Ca. drei Tage später bekamen wir dann den Befund mit der Post und da konnte ich dann schwarz auf weiss lesen, dass mein schlimmster Alptraum wahr geworden ist: Glioblastom Grad IV. Solche Mistkerle, haben nicht den Mut so einen Befund direkt mitzuteilen. Na ja, um es kürzer zu machen, ich habe beschlossen meinem Mann nicht zu sagen dass er ein Glioblastom hat, denn durch die Selbsthilfegruppe in der wir sind, weiß er, dass ein Glio IV tödlich ist. Warum sollte ich ihn damit belasten? Er weiß, daß der Tumor in ihm wächst und dass er irgend wann sterben wird, aber dieses schreckliche Wort kennt er in seinem Zusammenhang nicht. Und ich bin froh darüber. Er fragt aber auch nichts, denn inzwischen reden uneingeweihte Leute ganz offen über den Glio, aber diese Worte scheint er nicht mit sich in Zusammenhang zu bringen.
Seit Nov. 2009 ist er ein Pflegefall, ist zweimal wegen Lungenentzündung im KH gewesen, wollte nicht mehr mitmachen, blieb deshalb ein ganzes Wochenende im Bett und zog sich einen Dekubitus zu und nun entwickelt er eine spastische Lähmung der gesammten rechten Seite. Reden tut er aber trotzdem nicht über seinen Tumor. Die Neurologin erklärte es mit einem "Verschluss" im Gehirn, selbst wenn ich es ihm jetzt erklären würde, das Gehirn blockt ab und er kann diese Info nicht verarbeiten. So schützt der Mensch sich selbst!!!!!
Nun kann ich nur noch hoffen, dass mein Mann nicht lange leiden muss, aber ich werde mit dem Gedanken ihn verlieren zu müssen einfach nicht klar, wie wohl alle von euch.

Ich wünsche allen eine ruhige Nacht.................Bärin61

Heidi13 08.04.2010 06:22

AW: Alles Sch......
 
Hallo Bärin!

Ich habe deinen Text gerade gelesen, du wirst viel Kraft brauchen!
Die Gewissheit das der Partner sterben muss macht einen so hilflos, nicht mit ihm darüber reden zu können muss für dich extrem schlimm sein.

Ich wünsche dir alles Gute!

Liebe Grüße von

Heidi13

Bärin61 08.04.2010 08:28

AW: Alles Sch......
 
Hallo Heidi13,hab Dank für deine Zeilen. Ja, das kann einen schon auffressen, versucht man doch alles und weiß gar nicht ob es dem Partner auch Recht ist. Und Kraft? Mal sehen wo ich die hernehme!

LG...............Bärin61

Andorra97 08.04.2010 10:14

AW: Alles Sch......
 
Liebe Bärin,
es ist einfach eine sch*** Krankheit. Das Schlimmste daran ist die Gewissheit, finde ich.

Meinem Mann geht es zur Zeit sehr gut und ich bete darum, dass er eines Tages einfach umfällt und ist tot, bevor ein Rezidiv diagnostiziert wird! Was ist das für eine Situation, wo man darum betet, dass der eigene Mann plötzlich stirbt? Aber den langsamen Verfall mitansehen in der Gewissheit, dass man absolut nichts machen kann und der geliebte Mensch doch auf jeden Fall sterben wird, das ist für mich die Horrorvorstellung schlechthin. Viel schlimmer, als die, ihn verlieren zu müssen. Dass das irgendwann so sein wird, damit habe ich mich abgefunden und verabschiede mich schon seit gut einem Jahr innerlich von ihm. Aber bitte, bitte, er soll sich dann nicht lange quälen müssen!

Ich wünsche mir viel Kraft für Dich für die kommende Zeit. Ich weiß, man hat keine Ahnung, wo man die Kraft hernehmen soll, aber irgendwo findet man sie doch. Pass' aber auch auf Dich auf, denn diese Belastung ist eigentlich schlimmer, als man sie aushalten kann und nicht, dass Du danach selbst zusammenbrichst.
Deinem Mann wünsche ich, dass er es so einfach wie möglich hat und sich nicht quälen muss.

yogi 08.04.2010 10:48

AW: Alles Sch......
 
Ich bin in einer sehr ähnlichen Situation wie Ihr, Bärin und Nicole. Ich habe mich schon oft dabei ertappt, dass ich hoffte, dass meine Frau einfach nicht wieder aufwacht. Dann war ich erschrocken, aber ich habe mich den Gedanken dann doch gestellt. Schön ist das tatsächlich nicht, aber sooo viele schöne Seiten hat ein Glioblastom nicht zu bieten.

Ich spreche mit Freunden darüber, auch, was den Umgang mit unserem Sohn angeht. Und dann – wenn es nicht gerade akut schlimm um sie steht – genieße ich das Leben und freue mich, wie schön die Erde ist und wie schön, gesund zu sein.

teich1 08.04.2010 14:12

AW: Alles Sch......
 
Liebe Bärin,

ich lese gerade Deinen Bericht und weiß, wovon Du sprichst...
Hilflosigkeit, Angst, was kommt und wie man das alles schaffen soll.

Mein Papa ist im Juni 2008 an einem Glioblastom IV gestorben und alles der Arzt uns im Januar 2008 die Diagnose mitteilte mit einem Satz: " Bösartigster
Tumor den es gibt, rasend schnell wachsend, inoperabel, Lebenserwartung: noch fünf bis acht Monate, wir können nichts mehr für ihn tun. Wir wünschen Ihnen viel Kraft für die verbleibende Zeit."

Was da auf einen zukommt, kann man gar nicht beschreiben und wie die Krankheit hinterhältig ihren Verlauf nimmt und man hilflos danebensteht,
dass raubt einen den Verstand. Aber man versucht alles, um zu helfen und
Tag für Tag entwickelt man die nötige Kraft und auch eine nötige Routine.
Mein Papa wurde von meiner Mama zu Hause gepflegt bis er gestorben ist
und am Ende war er ein Schwerstpflegefall.

Die Kraft haben wir versucht, gemeinsam zu sammeln und gegenseitig zu helfen, aber auch gemeinsam zu weinen, wenn mein Papa es nicht mitbekommen hat. Wir haben es geschafft, haben uns am Ende nur noch gewünscht, dass er endlich stirbt (soviel zu Yogi, ich denke die Gedanken sind normal, denn das Elend und den körperlichen und geistigen Verfall, die Schmerzen, all das will man doch jedem Menschen ersparen).Am Tag der Beerdigung waren wir dann regelrecht geschockt, dass wir jetzt wirklich vor dem Sarg standen.

Es gibt keinen Plan, keine hilfreichen Tipps, aber man lernt, die Situation zu bewältigen. Es gab Tage, da wurde einem alles zu viel, aber dann wiederum
haben wir uns gesagt: "Wir tun es für Papa, es ist das Letzte, was wir ihm noch geben können. Unsere Nähe und Liebe." Und wir haben es geschafft.
Mit viel Kummer und gebrochenem Herzen...

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles Liebe und Gute und denke daran,
es gibt viele Menschen hier, die Ähnliches erleben und darum wirst Du auch hier verstanden und sicherlich haben alle Leser hier für Dich ein offenes Ohr und bedauern es aus tiefstem Herzen, dass wieder diese Krankheit sich ein Opfer nimmt.

Alles Gute

Petra

Kampfgeist 08.04.2010 14:40

AW: Alles Sch......
 
Hallo Bärin,

ich selbst habe meinen Mann im Sep.09 an dieser Krankheit verloren.
Mein Mann wusste allerdings von Anfang an das er ein Glio hat,und wusste auch das es keine große Hoffnung gibt.
Aber wir haben über alles gesprochen,auch über seinen letzten Willen.Er hat mit mir sogar über die Art seiner Beerdigung gesprochen,und im nach hinein war ich ihm dafür sehr Dankbar.Wenn ich das alles hätte selber entscheiden müssen,nein dazu hätte ich keine Kraft mehr gehabt.
Ich habe meinen Mann bis zum Schluß alleine hier zuhause geflegt und weiß was da auf einen zukommen kann, darum versuche es ihm so angenehm wie möglich zu machen.
Mein Mann hat noch 2 Tage vor seinem ableben ganz genüßlich seine Zigaretten geraucht.Ich habe ihn bis dahin immer in seinen Rollstuhl gesetzt , und ihn immer wenn das Wetter gut war mit nach draußen in den Garten genommen, oder wir sind durch den Wald geschoben.Er war so Glücklich dabei.
Wenn du fragen hast,melde dich bei mir.
Ich schicke dir ganz viel Kraft und einen lieben Gruss.

hohesonne 08.04.2010 19:44

AW: Alles Sch......
 
Liebe Bärin!

Ich habe Deine Zeilen eben gelesen.
Wie schwer muß das alles für dich sein!

Schreibe dir hier alles von der Seele! Das entlastet dich sicher ein wenig!
Ich bin hier auch noch nicht so lange, aber es ist so wunderbar zu merken, wie andere einen verstehen können! Man muß nicht viel erklären...

Ja, auch ich kenne die Gedanken, sowie Andorra und Yogi schreiben,mein Mann möge sterben. Das das alles nicht lange dauert, das er keine Schmerzen hat... Dann habe ich mich erschrocken: SO denke ich??!!
Ja. Manchmal denke ich so. Und jetzt, wo er im Khs. ist, denke ich:
" Bitte komm doch wieder! Bitte lass mich nicht allein! Bitte bleib bei mir...."

Ihr kenn das sicher auch alles...

Tina W. 08.04.2010 20:00

AW: Alles Sch......
 
Liebe Bärin,

auch ich wünsche Dir viel Kraft für die kommende Zeit. Wir alle hoffen doch als Angehörige, daß unseren Lieben (und auch uns) ein elendes Leiden erspart bleibt. Mein Papa ist sich seiner Situation absolut bewußt und wir alle haben mit ihm schon vor der OP über alle Eventualitäten wie Patientenverfügung, Hospiz etc. gesprochen. Selbst über die Beerdigungsmodalitäten hat er mit unserer Mutter gesprochen. Es sind uns Gott sei Dank schon 4 Monate bei absolut akzeptabler Lebensqualität und ohne Ausfallserscheinungen geschenkt worden. Natürlich wünschen wir uns alle noch viel mehr, aber vor allem hoffe ich, daß es wenn es dann soweit ist, daß er gehen muß, friedlich und schnell geht. Ich glaube, daß diese Gedanken absolut normal sind. Meiner Mutter geht es eben so. Jeden Morgen schaut sie, ob er noch atmet und sie sagte mir : Wir haben alles geklärt und viel gesprochen. Sollte es so sein, dann bin ich traurig,aber auch bestimmt froh, daß ihm Leiden erspart würde.

Ich schicke dir viele Schutzengel und Gebete, die dir Kraft geben sollen.

Tina

Bärin61 08.04.2010 23:57

AW: Alles Sch......
 
Ihr Lieben, ich danke Euch für Eure lieben Zeilen. Wenn man in solch einem Dilemma steckt denkt man, man ist ganz alleine, aber die Gewissheit, wenn auch nur aus der Ferne, Leidensgenossen an seiner Seite zu haben, tröstet doch.
Über Eure lieben Zeilen hätte ich weinen können, ich habe zur Zeit sehr nah am Wasser gebaut.
Früher habe ich mit meinem Mann auch mal die Themen wie Beerdigung ect. angesprochen, deshalb stand ich jetzt nicht ganz so hilflos da, denn die Beerdigung habe ich schon fertig geplant, dann braucht sich niemand mehr darum zu kümmern und alle können trauern. Mir hilft der Gedanke komischer Weise etwas, zu wissen wo er liegt, denn der Platz ist sehr schön und würde ihm auch gefallen.
Das schlimmste an dieser Situation ist die Einsamkeit. Klar, Familie und Freunde sind da, aber eben nicht sofort greifbar wenn man sie braucht. Und mal ehrlich: Trotz unserer Trauer, in der wir jetzt schon sind, erzählen wir doch nicht alles, denn Familie und Freunde sind doch auch nicht ewig belastbar. So sage ich immer und bekomme Schimpfe dafür, aber so bin ich eben, immer und auf jeden Rücksicht nehmen.
Mein Mann wird auch zu Hause sterben dürfen und davor graust es mich gewaltig, aber gegen seinen Willen "abschieben" kommt für mich nicht in Frage!
Ich habe ein Gedicht über meine Trauer geschrieben und werde Euch in den nächsten Tagen daran teil haben lassen, muss erst noch genug Mut sammeln.

Ich wünsche uns allen ganz viel Kraft in dieser Lebenslage den Mut nicht zu verlieren, den Weg, der uns vom Schicksal auferlegt wurde, bis zum bitteren Ende zu gehen.

Gute Nacht.................Bärin61

hohesonne 09.04.2010 09:53

AW: Alles Sch......
 
Liebe Bärin!
Früher habe ich immer gedacht: Eine Seebestattung ist das Richtige. Aber das sehe ich nun anders. Auch mir geht es so, das ich gern einen schönen Platz hätte und auch einen Ort, zu dem ich gehen kann.

Liebe Bärin, wie kann ich Dir nur helfen???
Wie gern würde ich Dir Mut machen....
Wie gern Dir Kraft schicken....
Das ist ein solch schwerer Weg.... und Du musst ihn ganz allein gehen...

Mir geht es auch so: Freunde und Familie, denen kann man auch nicht immer was davon erzählen. Immer mögen die das auch nicht hören. Man möchte ihnen ja auch nicht ZUVIEL zumuten.
Womöglich wenden sie sich ab. Vielleicht auch nur aus Unsicherheit!

Kennst Du den Vers von Heine?

"Manchmal wollt ich fast verzagen
und ich glaubt ich tüg es nie...
und dann hab ichs doch getragen
aber frag mich bloß nicht wie...."

Liebe Bärin, viel Kraft für Dich!
hohesonne

Bärin61 09.04.2010 11:29

AW: Alles Sch......
 
Liebe Hohesonne, danke für das Gedicht, es ist so wahr.
In unserer Nähe gibt es einen Friedwald, das ist ein ganz normaler Wald wo man unter den Bäumen beerdigt werden kann, nach einer Feuerbestattung, absolut friedlich. Der Friedwald ist aber weiter weg, da würde Schwiegermutter alleine nicht hinkommen, deshalb wird mein Mann bei uns auf dem Friedhof bestattet, aber in einem "Naturnahem Garten". Bei uns wird es die Heide sein, unter einem Baum, wunderschön!!!!!
Vielleicht hast du bei dir ja auch diese Möglichkeit. Ich wünsche es dir.

Liebe Aleyna, man sagt ja, man wächst an seinen Aufgaben, aber an dieser WILL ich nicht wachsen. Nein, Illusionen habe ich keine mehr, die Zeit ist vorbei. Du weist ja leider auch wo von ich rede. Womit haben wir das verdient? Ich werde diesen Weg bis zum bitteren Ende gehen müssen und dank euch aller geht er sich etwas leichter.
Ich habe eine Schulter an der ich mich ausweinen kann, aber die ist leider nicht immer sofort greifbar. Will sie auch nicht all zu sehr belasten, denn sie hat schon viele Freunde und Familie durch diesen scheiß Krebs verloren. Sie ist aber sofort da wenn ich sie sehr dringend brauche.

Habt alle Dank für eure guten Gedanken an mich, es hilft mir sehr. Ich werde mich auch weiter durch eigene Beiträge und Antworten für Euch, wieder melden.

Ich wünsche Euch eine gute Zeit.................Bärin61

teich1 09.04.2010 13:39

AW: Alles Sch......
 
Liebe Bärin, liebe anderen Leser,

es tut gut, sich den Kummer von der Seele zu schreiben. Liebe Bärin, sicherlich hast Du viel geweint, als Du Dein Gedicht geschrieben hast,
aber es hat Dir sicherlich auch gut getan.

Ich habe damals über Papas Krankheit ein Tagebuch geführt und nachher
als Buch veröffentlicht und alle Tränen, die ich währenddessen geweint haben,
lasten -glaube ich- nicht mehr so stark auf meiner Seele.

Vergessen werden wir alle nicht, was war, aber es hilft, es aus dem Kopf
-zumindest für den Moment des Schreibens- zu bekommen. Den Verlust
kann man im Laufe der Zeit besser verarbeiten, aber das Erlebte bleibt nach wie vor so unwirklich. Das Lachen lernt man wieder, aber hin und wieder überkommt einen auch die Trauer. Nicht mehr so häufig, wie damals, es wird besser... Aber vergehen wird es wohl nie.

Ich wünsche Euch allen, alles zu ertragen, durchzustehen, auch mal zu verzweifeln, zu weinen und mit Sicherheit den Gedanken: Wir schaffen das nicht mehr und ertragen das alles nicht mehr, aber nur ein Lächeln des Kranken in dieser Zeit zeigt einen, wofür man diese Last auf sich nimmt...
Und das ist Liebe, wie sie stärker nicht sein kann.

Alles Liebe

Petra

Kampfgeist 09.04.2010 15:54

AW: Alles Sch......
 
Liebe Bärin,

du schreibst das du Angst hast wenn dein Mann stirbt.Die hatte ich am Anfang auch,aber völlig unbegründet.
Schau einfach mal unter pflegewiki.de/wiki/Sterben, da findest du alle wichtigen infos. Hat mir sehr geholfen vorab schon zu wissen was auf mich zukommt.Und für den Notfall hatte ich auch die Handynummer von unserem Hausarzt,die ich aber nicht brauchte.
Mein Mann ist ganz entspannt in meinen Armen eingeschlafen.Es war ein friedvoller Abschied.

@teich1

Liebe Petra,
ja, du hast vollkommen recht,auch mir gab das Lächeln meines Mannes immer wieder neue Kraft.

liebe Grüsse an euch alle von Dagmar

hohesonne 09.04.2010 18:32

AW: Alles Sch......
 
Liebe Petra, liebe Dagmar,

Ihr schreibt so, wie nur Menschen fühlen und denken können, die Tiefe erfahren haben.
Ihr habt Erfahrungen gemacht, die wenige Menschen machen, und so traurig es auch ist, so seit Ihr doch daran gereift und gewachsen.

Das ist es doch, was uns als Mensch ausmacht - dem anderen Nahe sein.
Ihr wart Eurem geliebten Menschen in so einer Stunde soo sehr nahe...
Und von diesen tiefen Erlebnissen provitieren wir alle hier.

Dank an Euch und an Deinen lieben Papa, Petra, und an Deinen lieben Ehemann, Dagmar!

hohesonne

Bärin61 09.04.2010 22:58

AW: Alles Sch......
 
Liebe Petra, du hast Recht, das Schreiben des Gedichts hat mir sehr gut getan, aber am Tagebuch zu schreiben bringe ich einfach nicht mehr. Meine Hand streikt und obwohl mein Kopf voll ist und alles raus will, kann ich einfach nicht mehr schreiben. Und ich schreibe sooo gern. Ich muss wohl erst wieder zur Ruhe kommen und mal wieder richtig schlafen, denn da habe ich ein riesen Manko.
In einem muss ich dir aber vollkommen Recht geben: Ein Lächeln des Kranken entschädigt für alles

LG.............Ute

Liebe Dagmar, hab ganz lieben Dank für deinen Link, ich werde auf jeden Fall reinschauen. Die Angst wird mich wohl immer begleiten, weil ja jedes Sterben anders ist, aber vielleicht kann ich mich dadurch ja ein wenig vorbereiten.
Ich habe für den Notfall die Nr. des Paleativdienstes und dafür bin ich dankbar.
Ich hoffe mein Mann darf auch so friedvoll einschlafen.

L. G. ..............Ute


PS. Dem möchte ich mich noch anschließen!!!!!!!!!!!

Bärin61 14.04.2010 00:01

So fühle ich mich
 
Befreit!

Tod oh Tod, du grausiger Gesell,
nimm deine Sense und spute dich schnell.


Die Geißel der Krankheit hat uns getroffen,
wir brauchten nun niemals um Leben zu hoffen.


Ich will ja nicht jammern und auch gar nicht klagen,
aber ein Leben ohne dich, kann ich nicht ertragen.



Im Fieber der Nacht, da bin ich ertrunken,
mein Lebensschiff ist ohne dich gesunken.


Der Tod nahm dich mit, ich war nicht bereit,
doch du, du bist nun endlich befreit.

Copyright by Bärin61

Auntie Little 14.04.2010 07:13

AW: So fühle ich mich
 
Liebe Bärin,

lass Dich einfach mal virtuell :knuddel::knuddel::knuddel:

Drück Dich
Birgit

Binie 14.04.2010 09:47

AW: So fühle ich mich
 
Liebe Bärin

:pftroest: .........

Bärin61 14.04.2010 22:15

AW: So fühle ich mich
 
Ich danke Euch!!!!!!

hohesonne 16.04.2010 19:17

AW: So fühle ich mich
 
Liebe Bärin,

grade erst habe ich dein Gedicht gesehen.
Ja, es geht schon unter die Haut...
Ich weiß gar nicht was ich dir schreiben kann um dir Gutes zu tun....

hohesonne

Bärin61 01.05.2010 09:51

Kommt jetzt das Ende?
 
Ich habe wieder Mal sehr lange überlegt ob ich noch einen Beitrag schreibe, denn helfen kann mir doch niemand hier und nun tue ich es doch! Es fällt mir aber so unendlich schwer die Situation zu akzeptieren und komme einfach nicht damit klar nichts tun zu können, einfach nur zusehen zu können wie es immer schlechter wird.
Am Mittwoch, vor fast zwei Wochen, ist mein Mann gestürtzt und hat sich ausgerechnet am rechten Arm verletzt, Gott lob hat er sich ihn nicht gebrochen. Ich versuchte vor dem Sturz schon meinem Mann klar zu machen, dass er nicht mehr alleine gehen soll, er ist so wackelig auf den Beinen und kann die Füsse oft nicht so bewegen wie er es braucht. Die Lähmung der gesammten rechten Seite nimmt rasant zu. Am Sonntag drauf ist er dann auch promp wieder gefallen, diesmal voll auf den Wäscheständer, der das natürlich nicht aushielt und umgekippt ist, mit dem Po war mein Mann im Korb mit der Bügelwäsche. Wenn die Dinge nicht vor dem Fensten gestanden hätten, hätte er sich warscheinlich den Kopf an der Fensterbank aufgeschlagen. Nach diesem Erlebnis sagte ich ihm, dass ich das Gitter von seinem Bett hoch mache wenn er nicht ruft. Ich habe schon vor einer Weile ein echt gutes Notrufsystem gekauft, wie ein Babyfon aber mit einem Alarmknopf, den benutzt er jetzt auch. Mit dem Laufen ist es aber so schlecht geworden, dass ich den Rollstuhl zum Einsatz bringen musste, ich schaffe es einfach nicht mehr meinen Mann vom Wohn- ins Esszimmer zu bringen. Jeder eingene Schritt den er macht wird für mich zum Kraftakt, dabei wiegt den Kerl gerade mal noch 60? kg, da sollte man doch annehmen, dass es ein Klacks ist ihm zu helfen? Aber er ist so steif in der rechten Seiten- und er hat auch Angst, dass ich ihn fallen lasse- dass ich für einen Transport von A nach B nur noch den Rollstuhl nehmen kann. Nun saß er gestern morgen in seinem Rollstuhl am Tisch, hat eine geraucht, gefrühstückt und ich fragte dann ob er nicht mal zum Klo müßte, was er aber verneint hat. Nach dem morgendlichem Ritual wollte ich ihn dann ins Bad bringen, waschen und anziehen, und da habe ich dann die Pfütze auf dem Boden gesehen, er hatte unter sich gemacht, ohne es zu merken. Nun muss er auch noch wieder Windelhosen tragen, womit hat er das nur verdient? Und ich kann nur reagieren, kann gegen diesen ganzen Scheiß nicht das geringste tun!
Als wir von dem Tumor erfahren haben wollte ich mit ihm gegen einen Baum fahren, tat es aber nicht, weil ja einer hätte überleben können- aber jetzt frage ich mich: Warum habe ich es nicht versucht? Vielleicht wäre ihm dieses jetzt erspart geblieben? Ich habe einfach nur noch Angst zu versagen, ihm nicht so helfen zu können wie er es braucht, Fehler zu machen die ihm nicht gut tun, sein Leid noch schlimmer machen!
Ich bin total deprimiert und muss trotzdem immer ein Lächeln im Gesicht haben damit mein Schatz nicht merkt wie es mir wirklich geht. Sein Gehirn ist aber nicht mehr in der Lage alles zu verstehen und umzusetzten, für ihn scheint alles so richtig zu sein. Scheiße, Scheiße, Scheiße......
Ich wünsche euch allen viel Kraft, so wie mir auch.
L G....................Bärin

Team 01.05.2010 11:30

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Liebe Bärin,

es ist schlimm zu lesen wie es Deinem Mann geht. Aber genauso schlimm zu lesen wie es Dir geht. Ich kann Deine Angst davor etwas falsch zu machen gut verstehen. Aber ich denke, dass Dein Mann das ganz anders sieht. Er sieht vorallem alles was Du für ihn machst. Ob etwas besser oder anders als andere ist dabei nur nebensächlich. Du strengst Dich an und das merkt er. Das ist ein großer Liebesbeweis und für Deinen Mann die größte Hilfe. Wie geht es ihm psychisch. Mein Vater hat immer gesagt ihm geht es gut und ist mit diesem optimismus uns voraus gewesen. Auch in den Phasen am Anfang seiner Krankheit als er nicht alleine gehen und aufs Klo konnte waren wir für ihn da. Es war für ihn nicht einfach und ungewohnt, dass seine Kinder ihn putzen und waschen müssen - aber ich glaube er hat gemerkt, dass wir alles für ihn machen und daraus hat er Kraft geschöpft. Allerdings war auch ich über die ganze Zeit sehr angespannt, voller Angst und Sorgen. Es gibt leider für keinen von uns angehörigen ein Patentrezept, aber ich bin davon überzeugt, dass jeder alles so macht wie es geht und das ist sicherlich das beste. Scheiße (wie Du es beschreibst) ist harmlos ausgedrückt die Krankheit macht nicht nur den Patienten krank sonder auch die angehörigen wie Dich. Hast Du niemanden mehr der Dir hilft, der Dich bei der Pflege unterstützt?
So wie man Deine Gedanken lesen kann, bist Du kurz davor selbst am Boden zu liegen...
Ich kann Dir nur mit Worten helfen und so vielleicht etwas Beistand geben. Aber ich bin mir sicher, dass Du die ganze Scheiße für Deinen Mann und für Dich sehr gut meisterst. Nichts muss perfekt sein und wenn etwas nicht so funktioniert wie Du es willst, denke daran, dass an allem niemand und vor allem nicht Du schuld bist. Einzig und allein die Krankheit dieser scheiß Tumor der aus welchem Loch auch immer kommt. Du gibst Dein bestes und sicher noch ein Stück mehr. Ich und viele die auch nicht immer schreiben, sondern diese Zeilen von Dir nur lesen denken an Dich und wissen wie es Dir geht. Welche Angst Du hast. Deinen Mann zu verlieren, dass Deine Sorgen Dich auffressen, was noch vor Euch liegt und was kommen wird. Jeder schickt Dir ein Stück Kraft und ich hoffe, dass die bei Dir an kommt. Für Dich und für Deinen Mann.
LG, Stefan

Rosalisa 01.05.2010 15:06

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
liebe bärin
was du da geschrieben hast, das klingt genauso wie unsere geschichte. die halbseitige lähmung die immer schlimmer wurde, die vielen kleinen unfälle, der rollstuhl. die hilflosigkeit. für mich kam dann der punkt den pflegedienst helfen zu lassen. so konnte ich morgens auch meinen kindern gerecht werden und wusste mein mann wird prima und liebevoll versorgt. der pflegedienst kam bei uns nur morgens, das reichte, den rest tagsüber habe ich gemacht. so hatte ich hilfe, habe ihn auch selbst versorgt.
du brauchst auch selbst viel kraft und kleine inseln der erholung! bitte versuche abzugeben und dir helfen zu lassen.
es hat auch meinem mann sehr gefallen, in andere gesichter zu sehen und mit ihnen zu sprechen. das war abwechslung, die ihm und auch mir gut tat. nicht immer nur er und ich.
viele dicke kraftpakete für dich!!!

Bärin61 01.05.2010 16:49

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Lieber Stefan, vielen Dank für deine lieben Zeilen, es hat so gut getan soviel Verständnis zu lesen.
Meinem Mann geht es nach eigener Aussage immer gut, auch mir gegenüber. Das macht es natürlich schwer zu reagieren, aber sein Gehirn läßt eine andere Aussage auch gar nicht zu.
Ich weiß auch, dass ich nicht anders handeln kann als ich es schon tue, aber helfen tut dieses Wissen auch nicht. Es ist einfach nur schlimm.
Ich hoffe eure guten Gedanken erreichen mich bald.
L G........................Ute

Pflegefrau 01.05.2010 17:54

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Liebe Bärin,

ich kann mich so gut in Eure Lage hineinversetzen und kenne auch die Ängste und Sorgen. Meine Tochter ist den gleichen Weg gegangen wie Dein Mann und diese Ängste hatte ich auch 3 Jahre lang. Ich habe funktioniert wie ein Roboter, habe immer aus dem Bauch raus gehandelt und so, wie ich selber auch behandelt werden möchte in diesem Zustand. Kann man dann irgendwas falsch machen? Ich glaube nicht, es ist alles richtig, denn man handelt aus Liebe und wünscht doch seinem Partner oder seinem Kind nur das Beste!
Diese Lähmungen hatte meine Tochter auch, es war der gleiche Weg, Lähmungen, dann Rollstuhl und eine kurze Bettlägerigkeit. Aber auch mich hat diese Krankheit so verändert, ich habe erst dadurch begriffen, was wirklich wichtig ist im Leben! Ganz andere Prioritäten habe ich gesetzt, und für meine Tochter war ich immer da, zu jeder Tages- und Nachtzeit, während der vielen Krankenhausaufenthalte. Sie konnte sich voll und ganz auf mich verlassen, so wie Dein Mann es auch kann. Glaube mir, diese Geborgenheit ist so wichtig für einen Kranken. Aber Du solltest auch auf Dich achten, und die Hilfe eines Pflegedienstes wenigstens bei der Grundpflege am Morgen ist bestimmt für Dich eine sehr große Hilfe. Es ist ja nicht nur die Pflege, es sind soviele Kleinigkeiten und Tipps, die Erleichterung bringen können. Und darauf weist ein Pflegedienst bestimmt hin, er berät in Sachen Hilfsmittel. Ich bin zwar vom Fach, bin Krankenschwester, aber die letzten 4 Wochen haben wir auch den Pflegedienst in Anspruch genommen. Meine Tochter wohnte nicht bei uns, sie war verheiratet, wohnte 6km entfernt.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft auf diesem schweren Weg.

Alles Liebe
Hedwig mit Karin ganz fest im Herzen

tarbitha 01.05.2010 19:42

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Liebe Bärin mir fehlt gerade die Energie die richtigen worte zu finden , ich kenne deine Gefühle , es war mit meiner Mutter letztes Jahr ganz ähnlich... Ich möchte dir trotzdem gern ganz viel Energie rüberschicken und dich bezügl Pflegedienst ermutigen - bei uns war er die letzten 4 Monate 3 mal am Tag und hat sehr geholfen. Wir haben ihren Wunsch erfüllt, sie durfte zu Hause bleiben bis zum ende.
Viel viel Kraft für die kommende Zeit!!!
Lg

Bärin61 01.05.2010 23:23

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Hallo ihr Lieben, vielen Dank für die Sorgen die ihr euch um mich macht, aber die Pflege an sich ist mein kleinstes Problem. Ich habe als Hilfskraft gelernt auch Menschen mit Behinderung zu versorgen, damit komme ich sehr gut klar. Mein Mann hat auch vor einiger Zeit ganz klar geäußert keine fremden Menschen an sich ran zu lassen und diesen Wunsch werde ich respektieren. Wie gesagt, damit habe ich kein Problem, ich kann ihn auch im Bett versorgen. Was fragen zu diesem Thema angeht habe ich kompetente Leute an meiner Seite. Trotzdem werde ich mir aber Hilfe holen müssen wenn ich aus gesundheitlichen Gründen selber dazu nicht in der Lage sein sollte.
Ich habe ein riesengroßes Problem mit der körperlichen Entwicklung meines Mannes, weiß nicht wie ich damit umgehen soll und ob ich dabei keinen Fehler mache bis ich mir richtig sicher bin. Heute zum Beispiel wollte er etwas von mir haben und ich konnte ihn einfach nicht verstehen weil er sich nur noch sehr schlecht ausdrücken kann. Wie oft sind wir einfach über seine Wünsche hinweg gegangen, weil ich einfach nicht dahinter kam was er von mir wollte. Das belastet mich, aber ich weiß nicht was ich tun soll. Heute war er auch so ungestüm, dass er oft in den Rollstuhl gefallen ist und das bereitet ihm noch mehr Schmerzen. Das sind die Situationen mit denen ich nicht klar komme und die mich richtig fertig machen. Ihr habt aber alle recht wenn ihr sagt ich muss auch an mich denken. Wenn ich mal einkaufen muss, dann kommt eine ganz liebe Frau von der Hospitzbewegung mit der mein Mann sehr gut klar kommt. Ich bin jetzt allerdings auch gezwungen worden das Haus zu verlassen um einfach mal einen Kaffee trinken zu gehen. Daran muss ich mich allerdings erst gewöhnen.
Dank eurer lieben Antworten habe ich mich ein wenig beruhigt und werde die nächsten Tage wohl etwas gelassener durch stehen. Bis das nächste passiert.
Habt Dank und ich :knuddel:euch. L G :winke:.............Ute

Mara M 02.05.2010 12:13

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Liebe Bärin,
ich möchte dir erzählen wie ich mich damals gefühlt habe.

Als mein LG(lebensgefährte)immer schlechter laufen konnte und auch seinen Sessel nicht immer traff,dann stürzte und dabei mehr als einmal auf die Hunde fiel,baute sich ein unheimlicher Druck auf.Es kam zu der Hilflosigkeit,das Gefühl man bräuchte 6 Augen und 8 Arme um alles bewältigen zu können.
Er wollte alles alleine meistern und hat nicht auf seinen Körper gehört,bis ich einmal,nur ein einziges mal komplett die Beherrschung verloren habe.
Ich war so wütend das ich fast geplatzt bin und habe ihn angeschrien wie noch niemals vorher.Das alles war an einem Mittwoch und begann früh am morgen.

Wie immer stand er allein auf und fiel natürlich fast augenblicklich hin,sein rechter Fuss sah so übel aus,überall aufgeschrammt und Blutergüsse.Ich versuchte ihm aufzuhelfen und bekam eine recht wüste Beschimpfung zu hören,habe aber trotzdem weitergeholfen und ihn zu seinem Sessel gebracht.Dann ging ich in die Küche um Kaffee und sein Frühstück zu holen,war noch nicht ganz raus da knallte es schon wieder und mein alter Hund bellte ihn richtig fuchtig an,er ist mal wieder allein aufgestanden,nur um sich zu beweisen es geht und dann auf den armen Hund gefallen.
Ich also wieder rein und er sagt er will ins Bad,sofort und sich rasieren.Da er nicht mehr stehen konnte setzte er sich aufs WC,ich kniete vor ihm mit einer Schüssel warmen Wasser in der einen Hand,mit der anderen habe ich versucht ihn abzustützen.Vorher machte ich den Vorschlag sich doch ausnahmweise mal trocken zu rasieren,dazu kam kein Kommentar,aber der Blick hat mich fast erdolcht.
Als ich dann gesehen habe wie er sich rasiert hat habe ich fast einen Anfall bekommen,ich hatte echt Angst um seine Augen und Nase weil mit der rechten Hand ging sogut wie gar nichts mehr.
Rasur wurde dann beendet,nachdem ich klitschnass war er auch und im Bad konnte man schwimmen.
Wieder raus in seinen Sessel TV angemacht,ihn beschworen nun doch bitte sitzen zu bleiben bis ich das Bad fertig habe.
Was soll ich sagen,keine 10 minuten später höre ich die Tiere bellen,von draussen nur ich hatte sie ja nicht rausgelassen.Ich raus und sehe Ihn mitten im Garten liegen und die Tiere bei Ihm und versuchten alle Ihm beim aufstehen zu helfen,das klappte nun gar nicht und da wir viel Splitt im Garten liegen hatten war nun neben seinem Fuss auch sein Arm,Gesicht ganz schlimm und sein Bein völlig verkratzt und Blut überall.

Da bin ich ausgerastet.Ich habe Ihn angeschrien was er doch für ein Idiot ist.Sein Auto wird gehegt und gepflegt,wenn mal zu wenig Luft im Reifen ist dann wird langsam aber sofort die nächste Tankstelle angefahren und der Schaden behoben.Aber seinem Körper gibt er überhaupt keine chance.
Ich sagte so sinngemäss....
Du siehst doch das dein Körper grad nicht kann,warum musst du noch mehr kaputt machen was du nicht einfach in Ersatzteilhandel neu kaufen kannst.Ausserdem machst du mich kaputt mit deinem Egoismus.Du bist krank,ja,aber nicht blöd also ändere was oder mach dein Ding alleine ich habe die Nase voll und zwar gestrichen.
(Natürlich hätte ich ihn nie alleine gelassen aber ich glaube in dem Moment meinte ich es wirklich so.)

Na das brachte bei uns die Wende und er hörte auf sich so zu benehmen und nahm auch Hilfe an,zumal er da wohl erstmals begriffen hat wie fürchterlich auch für mich diese Situation ist.

Damit will ich nicht sagen du sollst mal ausrasten sondern einfach nur das auch wir alle in dieser Situation waren,einfach nur schlimm.Niemand kann dir wirklich helfen,aber zuhören und verstehen.

Ich schicke dir ganz viel Mut und Kraft für die Zeit in der du beides benötigst.

Liebe Grüsse
Mara

Bärin61 02.05.2010 17:13

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Liebe Mara, da hast du ja echt üble Erfahrungen gemacht. Bei mir war es bei Gott nicht so schlimm, aber auch ich habe meinen Mann vor die Wahl gestellt, entweder festschnallen und Bettgitter hoch oder rufen. Er hat sich für das Letztere entschieden. Heute zum Beispiel kann er nichts umsetzen von dem was ich sage und ich weiß nicht ob es nur heute so ist oder jetzt immer so bleibt? Hilfe hat mein Mann auch fast sofort angenommen, da gab es kaum Probleme, zum Glück.
Ich danke dir für deinen Bericht, zeigt er mir doch mal wieder wie unterschiedlich diese Krankheit verläuft. Ich hatte immer sehr viel Angst vor einer Wesensveränderung, bin davon aber verschont geblieben.
Lebt dein LG noch, wenn ja wie geht es ihm denn heute?
Auch ich wünsche dir viel Kraft deinen Weg zu gehen.
L G......................Bärin

yogi 03.05.2010 11:51

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Bei allem Mitgefühl mit unseren kranken Partnern – Egoismus scheint sich durch diese Geschichten wie ein roter Faden zu ziehen. Was ich hier so alles lese, hat auch sehr viel mit mir und meiner Frau zu tun.

Bärin, Du schreibst z.B., dass Dein Mann von Dir gepflegt werden möchte. Auch, wenn Dir das wirklich nichts ausmacht, finde ich das schlicht eine unverschämte Forderung. Und später schreibst Du, dass eine Wesensveränderung nicht stattgefunden hat, was bedeutet, dass Dein Mann schon immer sehr egoistisch war?

Was haben unsere Partner davon, wenn wir uns komplett aufgeben? Nichts! Gegen den Baum fahren? Hallo? Mitleid ist für beide Seiten schädlich, wir sollten uns soweit wie möglich auf MitGEFÜHL beschränken und versuchen, es uns gutgehen zu lassen, ohne schlechtes Gewissen zu haben. Und wenn unsere Partner uns lieben, haben sie selcht daran das größte Interesse.

hohesonne 03.05.2010 12:07

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Liebe Bärin,
erst heute lese ich deine Zeilen.
Was hast du für Ängste und Sorgen! Diese Hilflosigkeit... Nichts kann man tun, einfach nichts.Das ist wirklich schlimm und niemand kann Euch WIRKLICH helfen.

Liebe Ute, wenn ich mit dem Hund unterwegs bin, dann denke ich: dieser schöne Frühling, die Vögelein, die schönen Blüten... das alles haben wir doch früher gemeinsam so geliebt... Das soll nun vorbei sein...?
Dann rinnen mir heiß die Tränen über die Wangen.
Manchmal mache ich dann die Augen zu und versuche nicht zu denken, nur zu fühlen. Ich versuche das Gefühl zu erspüren und festzuhalten, wie es sich anfühlt, das mein Mann noch lebt, das er noch da ist, obwohl er nicht neben mir sein kann. Denn er IST ja da. Zuhause, aber DA.
Er LEBT ja. Wie anders wird es sein, wenn einmal die Bäume blühen und es Frühling ist, und er ist NICHT mehr da....
Ich versuche dieses Gefühl fest in mir zu verankern, um später davon zu zehren.

Versuch für dich etwas Schönes zu machen. Hast du eine Freundin mit der du mal Frühstücken gehen kannst? Oder mal Kaffee trinken, wenn die Dame vom Hospitz da ist?
Du brauchst doch deine Kraft. Nutze die wenige freie Zeit nicht nur fürs einkaufen.

Ich denke fest an dich, liebe tapfere Bärin!
Bettina

Bärin61 03.05.2010 18:19

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Mein lieber Yogi, für den Partner da zu sein und sein eigenes Leben in den Hintergrund zu stellen hat meiner Meinung nach nichts mit einer kompletten Aufgabe zu tun. Ich nenne soetwas "gelebte Liebe". Wie kommst du darauf dass ich mich aufgegeben habe? Nur weil ich UNS gegen einen Baum setzen wollte? War ein verzweifelter Gedanke, sonst nichts. Mein Mann ist auch in keinster Weise egoistisch und war es auch nie. Bei ihm kamen immer erst die Anderen und dann er. Die Entscheidung ihn zu versorgen habe ich ganz alleine getroffen. Klar, dass er bei einer so intimen Versorgung keine fremden Leute um sich haben möchte, wie würde es dir denn damit gehen?, aber sollte ich mal nicht zur Verfügung stehen, würde er sich damit abfinden, mehr aber auch nicht!
Und noch eins: Wir dürfen sehr wohl Mitleid mit unseren todkranken Partnern haben, es kommt nur darauf an wieviel wir davon zeigen.
Einen schönen Tag noch....................Ute

Bärin61 03.05.2010 19:17

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Liebe Bettina, zur Zeit geht es wirklich hoch her bei uns.
Wie gerne würde ich mal raus gehen, einfach nur so, aber damit komme ich schon klar, ist immer mal wieder so eine Anwandlung. Wir gehen gemeinsam raus und geniessen den Frühling wann immer es geht. Leider sehr selten.
Seit heute bekommt mein Mann fünf Tage lang Antibiotiker, er hat eine Erkältung und leicht erhöhte Temperatur.

Dass dein Mann sich so gut erholt hat freut mich besonders. Ich hoffe er kann in der Reha noch etwas zulegen und dass es mit dem Laufen auch besser wird.
Was das Sprechen angeht, da braucht ihr halt beide sehr viel Geduld.
Ich wünsche euch alles Liebe.................Ute

hohesonne 03.05.2010 20:00

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Liebe Ute,
das ist eine schlimme Zeit für Euch.
Was für ein Unglück, das er nun noch Antibiotika bekommen muß!
Ich hoffe, das das Fieber dadurch nicht höher gehen wird und das Mittel auch anschlägt!
Du mußt wirklich sehr stark sein und ich wünsche dir immer noch mehr Kraft!
Alles Gute Euch beiden!
Bettina

Bärin61 03.05.2010 22:44

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Liebe Bettina, was bin ich doch für ein Trottel? Da mache ich doch glatt einen Rechtschreibfehler ;). Passiert mir echt selten.
Das Antibiotika soll in erster Linie einer Lungenentzündung vorbeugen und ich glaube fast es hat schon angeschlagen. Na ja, wir werden sehen.
Ich danke dir für deine Wünsche und das gleiche gebe ich an dich weiter.
:knuddel: LG............Ute

hohesonne 04.05.2010 11:51

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Hallo, liebe Ute!
Wie gehts Euch beiden denn heute?
Wie klappt es mit dem wasserlassen?
Lieber Gruß!

Mara M 04.05.2010 12:03

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Hallo Yogi
ich sehe das ein bischen anders als du.
Wenn ich so Krank wäre,würde ich wahrscheinlich auch so handeln wie mein LG.
Er war ganz extrem selbständig und das wurde ihm fast völlig genommen.
Das ich so wütend wurde hat wohl auch mit der Hilflosigkeit und dem nich Wahr haben wollen zu tunund mit der Angst wie denn nun die Zukunft aussieht,
Ausserdem handeln Frauen im allgemeinen doch anders als Männer.
Ich habe damals vieles aufgegeben und aufgeben müssen,aber niemals mich selber,nur zurückgenommen und das erwarte ich einfach in einer gut funktionierenden Partnerschaft.
Lieben Gruß
Mara

Mara M 04.05.2010 12:13

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Liebe Ute
Ich glaube gar nicht das mein LG so eine grosse Wesensveränderung hatte.
Es war wohl eher,Angst,Hilflosigkeit,Schmerzen und wieder Angst.
Nein mein Partner lebt nicht mehr,diesen Monat ein Jahr(hab ich das jetzt geschrieben?)ja wirklich schon ein Jahr.Wie die Zeit läuft,unglaublich.
Mein LG ist aber nicht an seinem Glio verstorben,sondern bei der ersten OP an
Herz-Kreislaufversagen.
So hat denn man dieser fiese Untermieter nicht gewonnen.
Alles in allem hatten wir nur etwas über ein halbes Jahr mit der Krankheit,aber das war so heftig,mehr brauche ich nicht.Muss aber dazu sagen das mein LG nicht zum Arzt war,selbst mit grössten Schmerzen und allen Einschränkungen.
Wir waren hier in Spanien nur 3mal beim Arzt und dann habe ich ihn gleich nach DE geschickt,das war ca 1 Woche vor seiner OP.
Ich wünsche Euch von ganzem Herzen das Ihr die Zeit,wielange sie sein mag,geniessen könnt und deinem Mann so wenig Schmerzen wie irgent möglich.
Lieben Gruß
Mara

yogi 04.05.2010 13:42

AW: Kommt jetzt das Ende?
 
Zitat:

Zitat von Mara M (Beitrag 895381)
Ausserdem handeln Frauen im allgemeinen doch anders als Männer.
Ich habe damals vieles aufgegeben und aufgeben müssen,aber niemals mich selber,nur zurückgenommen und das erwarte ich einfach in einer gut funktionierenden Partnerschaft.

Zitat:

Zitat von Bärin61 (Beitrag 895047)
Mein lieber Yogi, für den Partner da zu sein und sein eigenes Leben in den Hintergrund zu stellen hat meiner Meinung nach nichts mit einer kompletten Aufgabe zu tun. Ich nenne soetwas "gelebte Liebe".

OK, und hier wird dann auch klar, dass wir alle drei Recht haben. Meine Frau hatte die Diagnose 1991. Da ist natürlich irgendwann Schluss mit "sich zurücknehmen" und "eigenes Leben in den Hintergrund stellen". Ich brauchte lange dafür und kümmere mich natürlich auch immer noch sehr viel um meine Frau. Aber ich habe glücklicherweise auch gelernt, dass es nicht meine Krankheit ist und ich ein Recht auf ein glückliches Leben habe.


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 19:04 Uhr.

Powered by vBulletin® Version 3.8.7 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2026, vBulletin Solutions, Inc.
Copyright © 1997-2025 Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V.