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Mirilena 26.02.2012 22:08

Wir werden uns wiedersehen...
 
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Mein Verstand sagt mir zwar, dass mein Paps für immer gegangen ist... Tot, tot, tot! Aber ich kann es dennoch nicht begreifen. Zwar war ich bis zum Schluss an seiner Seite, habe mit meiner Mama seine Hand gehalten, sie gestreichelt, wir haben ihm leise gesagt, dass er gehen dürfe, wenn es so weit sei, dass wir ihn loslassen, weil wir ihn so lieben und ich habe mich bedankt, aber ich kann nicht glauben, dass er für immer physisch aus meinem Leben verschwunden ist.

Überall sehe ich Zeichen. Einen Sonnenstrahl, der mich blendet, einen Vogel, der für mich ein Lied singt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich meinen Vater nie mehr in die Arme schließen kann, ihm nie mehr einen Kuss auf die Wange drücken werde, nie mehr über sein Haar streichle, nie mehr sein Schnarchen höre, wenn er im Sessel eingeschlafen ist, nie mehr in seine lieben Augen schauen werde. Alles Erinnerung!

Und obwohl ich das Gefühl habe, der Schmerz würde mich innerlich zerreißen, stehe ich jeden Morgen wieder auf, bereite für meine Lieben das Frühstück, fahre ab Dienstag wieder zu Arbeit und funktioniere. Und das Leben geht weiter, erbarmungslos! Aber warum sollte auch die Welt für alle still stehen, weil mein Vater gestorben ist?! Für mich steht sie still... Ich lebe derzeit außerhalb von Raum und Zeit. Unter meiner Trauerglocke. Nach außen bin ich stark und lächle, damit meine Tochter und mein Partner nicht vollends verzweifeln, aber in mir drin ist ein großes schwarzes Loch. Ein Abgrund. Und es zieht mich hinein in dieses schwarze Nichts. Ja, ich weiß, ich war dankbar, dass mein Papa gehen durfte. Dass wir nach seinem Tod das Fenster öffneten und seine Seele hinausließen, dass eine Windböe sich ins das Fenster setzte und meine Mama ihr Zeichen erhielt, dass alles gut sei. Ja, ich war befreit, da ich wusste, er würde nun nie mehr Schmerzen und Leid ertragen. Er würde ins Licht gehen und wäre wieder heil und ganz.

Aber nun merke ich, dass ich hier geblieben bin. Und ich bin nicht im Licht. Und ich habe Schmerzen. Die muss ich aushalten und willkommen heißen. Mich mit meinen Schmerzen an einen Tisch setzen und sie ertragen. Damit auch ich wieder heil werden kann. Und ich bin so müde, so unendlich müde. Eigentlich würde ich mich gern in mein Bett legen und schlafen und erstmal gar nicht mehr aufwachen. Die Geräusche stören mich. Es ist so laut um mich herum. Autolärm dringt durch die Fenster und kriecht in meine Ohren. Unangenehm! Ich will nicht hören! Ich will auch nicht die Augen öffnen, um feststellen zu müssen, dass er nicht mehr da ist. Dann sehe ich meine Mama und ihre Traurigkeit, die ich beinahe anfassen kann. Es tut mir so weh, sie so zu sehen. Es tut so unbeschreiblich weh und dennoch weiß ich, dass wir weitermachen müssen. Am Donnerstag hat meine Tochter Geburtstag und den müssen wir auch feiern. Aber ich mag nicht feiern und muss es doch tun.

Ich wünschte, ich könnte mich hinlegen und schlafen. Nur schlafen! Vielleicht könnte ich dann meinem Papa im Traum begegnen? Und ihn noch einmal sehen? So wie er war, bevor er krank wurde. Einmal noch ohne diese Schmerzen.

Gute Nacht
Miriam

MaPa15 26.02.2012 22:34

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Miriam ,

erstmal mein aufrichtiges Beileid. Fühle dich ganz lieb gedrückt! Und dein Papa sieht sehr sehr sympathisch und lieb aus!!

Du schreibst mir aus der Seele, genau so geht es mir heute immer noch jeden Tag!!

Immer wieder seh ich so viel, was mit meinem Papa zu tun hat. ich seh ihn in soviele Sachen.
Immer wieder diese Gedanken, nur einmal noch
...... in den Arm nehmen
........ mit ihm Kaffe trinken
.........einmal mit ihm lachen
........noch einmal ihn mit seinen Enkeln spielen sehn
.........usw...

NUR NOCH EINMAL!!!!!!





Leider wird es diese noch einmal nicht mehr geben und ich begreife es nicht. Aber ich glaube fest daran, dass er immer bei uns ist und wir sehen ihn mit unserem Herzen!

Liebe Grüße Simone

Vivien 27.02.2012 01:34

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Mirilena :pftroest:

Ich glaube ich kann es nach voll ziehen wie du dich jetzt fühlst . Ich schrieb ja in meinem Beitrag zu meinem Neffen und Schwager ,das uns Mama vor 11 Monaten auch verlassen hat . Die ersten Monate war ich weit entfernt dies zu akzeptieren und wahr haben zu wollen. Und wenn ich bedenke das es noch zweimal auf uns zu kommt ...
Aber ich versichere dir ,in laufe der Monate wird der tägliche Umgang mit allem leichter werden .Und du wirst ein lächeln auf deinen Lippen haben und wissen ,das dein Paps immer bei dir ist. Auch weis ich das der erste Schmerz solch eines Verlustest auch körperlich weh tun kann. Aber Bitte,liebe Mirilena es wird leichter,glaub mir.

Ein nochmaliges herzliches Beileid sendet dir vom ganzem Herzen
Vivien :pftroest:

Mirilena 27.02.2012 06:47

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Simone und liebe Vivien,

danke! Irgendwie meint man immer, man sei der einzige Mensch auf der Welt, der so einen Verlust erlitten hat und dann lese ich hier von Menschen, denen das Schicksal oder das Leben sehr viel mehr aufgebürdet hat, die selbst an Krebs erkrankt sind und kleine Kinder haben, die nicht wissen, wie sie es ihren Kindern mitteilen sollen...

Dann komme ich mir ein wenig egozentrisch vor, aber ich bin ja nur ich und ich kenne nur meine Gefühle. Damit ich das auch so schreiben darf, was ich empfinde und nicht meine Tochter oder meinen Freund belaste, bin ich hierher gewechselt vom Angehörigenforum. Und es ist mir schwer gefallen... Der Titel "Hinterblieben, aber wo?" ist wirklich mehr als treffend. Da bin ich nun und weiß nicht so recht, wo ich eigentlich bin. Als Angehörige hatte ich immer noch Hoffnung in mir, irgendwo versteckt. Als Hinterbliebene ist diese Hoffnung mit meinem Vater gestorben, doch ich weiß, dass mein VAter sich gewünscht hätte, dass ich weitermache und die Nase in den Wind halte. Mich nicht verkrieche und verstecke. Und da wir alle nur dieses eine begrenzte Leben haben, sollte ich auch jeden Tag nutzen und all das Schöne in der Welt sehen. Jede Blume, jeden Grashalm, jedes Blatt. Oh Gott, bin ich froh, dass der Frühling naht!!! Dass es früher und länger hell draußen sein wird...

Ich weiß, es wird auch besser werden und bisweilen kann ich jetzt schon wieder lächeln und auch lachen. Aber wenn ich allein bin, dann kommt es mir vor, als würde eine große Welle von Traurigkeit über mich schwappen und mich mit sich spülen. Und es ist manchmal unverständlich für meine Umgebung, warum ich weine oder ins Leere starre.

Ich denke, ihr alle aber könnt das verstehen und findet euch in einigen Schilderungen wieder... Und ich finde mich hier in euren Schilderungen wieder und wenn ich lese, wie weit einige in ihrer Trauer bereits gegangen sind, dann freut mich das für diejenigen und auch für mich, weil ich weiß, dass auch ich das auf meine Art und Weise irgendwann geschafft haben werde und dann hat wird es mich bereichert haben...

Liebe Grüße
Miriam

Gianda 27.02.2012 08:38

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Mirilena,

hoffe kann ich hier auch ein bisschen schreiben.

Mensch so ein hübsche Papa. Mein Papa sieht fast auch so gut aus :cry::cry:

Liebe Mirilena ich druck dich ganz, ganz fest.

Daniela

Mirilena 27.02.2012 10:27

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Daniela,

schreib, wann immer du magst! Mir hilft es ungemein. Ich muss dann ein wenig meine Gedanken sortieren und meine Gefühle benennen und dann fällt es mir leichter, mich selbst zu verstehen und auch in mich hineinzuhorchen.

Wie geht es deinem Papa? Gibt es bereits etwas Neues zu berichten?

Liebe Grüße
Miriam

Gianda 27.02.2012 10:36

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Mirelena,

heute soll er die Chemo anfangen. Momentan sind sie bei der onkologe. habe gerade mit mein bruder telefoniert. die musses noch warten. mein gott mein bruder sagte da warten über 30 leute vor der onkologie. vielleicht höre ich später was...

druck dich
daniela

Carlotta76 27.02.2012 10:55

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Miriam,

es tut mir sehr leid, dass Du Deinen Papa verloren hast. Fühle Dich ganz fest in den Arm genommen :knuddel:

Dein Papa sieht sehr sympathisch, warmherzig und freundlich aus. Danke, dass Du ein Bild von ihm hier rein gestellt hast.

Alles Liebe

Carlotta

Mirilena 27.02.2012 14:12

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Danke Carlotta! Ich werde mich jetzt gleich mal auf den Weg zu meiner Freundin machen. Gestern habe ich erfahren, dass ihr Mann ihr eröffnet hat, dass er sich trennen will. Er hat eine andere Frau... Nun sitzt sie da, am Boden zerstört mit ihren drei Jungs und weiß nicht, wohin mit sich. Das tut mir so schrecklich leid! Verständlicherweise ist ihr alles zu viel geworden. Seit 5 Jahren arbeitet und lebt ihr Mann unter der Woche in Berlin und kommt immer am Freitag heim. Sie selbst arbeitet als Lehrerin in Teilzeit und kümmert sich um die drei Jungen. Aber seit Jahren fordert sie ein, dass er sich einen Job in Hamburg sucht. In den letzten Monaten hat sie den Druck erhöht und nun das...
Ich hoffe, dass ich ein wenig für sie tun kann und wenn es heute nur das Kochen ist und ich ihr die Jungs mal für ein paar Stunden abnehme, damit sie sich ausruhen kann...

Na dann, einen schönen Wochenstart
Miriam

tatjana2208 27.02.2012 15:22

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
mein aufrichtiges beileid....
:pftroest:

wondi222 27.02.2012 15:59

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Miriam,

es tut mir so schrecklich leid!

Auch von mir danke, dass Du ein Foto von Deinem Papa hier reingestellt hast.
Dein Papa sieht wirklich sehr warmherzig und freundlich aus, da hat Carlotta Recht!

Fühl Dich bitte ganz fest geknuddelt!

Gruß

Wondi

Mirilena 27.02.2012 21:34

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Danke, er war auch sehr warmherzig! Mich hat es am meisten gerührt, als ich damals ungewollt schwanger war, mitten im Examen und meine Eltern mir ihre Hilfe angeboten haben. Ich ging zurück nach Haus und sie haben Helena wirklich mit offenen Armen aufgenommen. Ein Jahr haben sie uns beide so tatkräftig unterstützt und ich bin ihnen mehr als dankbar, dass ich zumindest das erste Lebensjahr von Helena zuhaus verbringen durfte. Dann fing ich an zu arbeiten und habe bis heute leider keinen Teilzeitjob gefunden, mit dem ich uns finanzieren könnte. Na ja, jetzt geht's auch, weil Helli bereits 14 wird. Diese Zeit mit uns vieren war nicht immer einfach, aber sie hat uns aneinander geschweißt und deshalb sind meine Eltern für Helena auch immer ganz besondere Menschen und sie hat eine sehr innige Beziehung zu ihnen. Schön, dass es so ist. So hat mein Papa seine Enkelin von kleinauf an immerhin knapp 14 Jahre begleitet und sie über alles geliebt. Er war so eine Art Ersatzpapa...

Und sein Wunsch war, Helenas Schulabschluss mitzubekommen und einmal voller Stolz mit ihr auf dem Abiball zu tanzen... Ja, das wäre schön gewesen, soll aber nicht sein.

Bin gerade zurück aus Hamburg und muss jetzt duschen und dann schlafen.Morgen muss ich wieder zur Arbeit. Grusel!!!

Ich wünsche eine gute Nacht,
Miriam

nala1810 27.02.2012 21:55

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Miriam,

es tut mir so leid für euch, ich kann mir gut vorstellen wie du dich fühlst,
meine Mum ist am 12.02.12 friedlich eingeschlafen, mein Vater und ich waren 3 Tage ohne Unterbrechung bei ihr im KH, es tut so weh, wenn ich bei meinem Dad anrufe, warte ich immer das sie den Hörer abhebt und mit mir spricht, aber dann ist Dad dran und ich bin wieder im waren leben.

Auch ich stehe jeden Morgen auf und denke irgendwie geht es weiter, aber wie wenn man eine(n) liebe(n) Vertraute(n) verloren hat. Ja es schmerzt und niemand kann uns sagen wielange.

Es tröstet mich nur der Gedanke das meine Mum nun keine Schmerzen mehr hat in ihrem neuen LEBEN!!

Aber das Loch, das sie in meinem Herzen hinterlassen hat wird niemand reparieren können.

Liebe Grüße

Nala

Nicole85 28.02.2012 10:21

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Hallo Miriam, wie war denn dein erster Arbeitstag? Manchmal ist "Ablenkung" gar ne so schlecht...

Das mit deiner Freundin ist auch hart... schei..kerle! Und auch hier bist der Engel in der Not...
Du bist ne tolle Frau. Aber bitte vergiss dich in dem ganzen nicht. Irgendwann ist jede kraft mal zu Ende!

Das mit dem Abiball kann ich gut nachvollziehen. Ich habe auch so eine sache, wo ich mich ärgere aber es nie ändern kann.
Ich hätte meinen Omas gern ein Urenkel geschenkt. Aber das war nicht machbar. Im Studium und ohne den passenden Mann... Ich bin auch nur die kleine, meine Bruder wäre ehr in der Lage gewesen aber auf dem kann man sich nicht verlassen.

Aber schon beim Tod meine ersten Oma 2010 habe ich mir einen Namen für ein Mädchen rausgesucht. Es ist ein Doppelname mit den zweiten Vornamen meiner Omas... Martha Magdalena. Das hatte ich meiner anderen Oma erzählt und sie war sichtlich gerührt. Und wenn es so sein sollte und ich mal Mutter eines Mädchens sein werde und sie alt genug ist, kann ich ihr voller Liebe von ihren uromas erzählen. Das besänftigt micht sehr!

Ich drück dich sehr meine Liebe Miriam...

Tiina 28.02.2012 11:13

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Miriam,
ich kann so gut verstehen, wie Du Dich fühlst...
In der letzten Nacht meiner Mami habe ich nur gebetet, dass sie nicht mehr leiden muss und als ich nach ihrem Tod meinen Mann angerufen habe, habe ich gesagt "Sie hat es geschafft!" Aber irgendwie ist es schwierig, diese Akzeptanz, diesen Frieden in den Alltag mit rüber zu nehmen...
Ich habe auch sehr schnell gut funktioniert, war nach 3 Tagen wieder bei der Arbeit, habe nach 2 Wochen angefangen, ihre Wohnung leer zu räumen - und vor allem wenn ich alleine war, kamen die Tränen und die Trauer.
In den ersten Wochen habe ich fast jede Nacht von ihr geträumt, wie sie krank war und gelitten hat und ich ihr nicht helfen konnte...
Nur Weihnachten habe ich nicht wirklich gefeiert (die Beerdigung meiner Mami war am 23.12.2010) - das hätte ich nicht ertragen...

Ich kann aber eindeutig sagen, dass es besser geworden ist... Es tut noch weh, aber nicht mehr so überwältigend...

Ich denke, Deine Sicht und Einstellung ist sehr gut - Du wirst trotz aller Trauer und auch wenn Du seine physische Anwesenheit furchtbar vermisst, spüren, dass Dein Papa immer bei Dir ist.

Alles Liebe, :pftroest:
Anja

Mirilena 28.02.2012 18:33

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Danke ihr Lieben!!!!

Nicole, mein erster Arbeitstag war genauso gruselig, wie ich es mir vorgestellt habe. War um 7 Uhr im Büro und hatte ca. 500 E-Mails... Erstes Meeting um 8.30 Uhr. Ätzend! "Mein herzliches Beileid!" Ich kann das Wort nicht mehr hören. Was verdammt noch mal soll denn das sein?! Kein Mitleid, das wäre auch unangebracht und was versteht man unter beileiden?! Komische deutsche Sprache mit seltsamen Floskeln. Ja, ich weiß, niemand weiß, was er sagen soll, aber doch bitte, bitte kein Beileid mehr:eek:

Da fragt mich mein Vorgesetzter heute morgen um 8:30 Uhr: "Na, wie geht es Ihnen denn jetzt? Ist alles wieder gut?" Oh ja, antwortete ich, ausgezeichnet... Ich habe mich prächtig erholt und mir geht es blendend... NEIN, natürlich geht es mir besch... und das habe ich ihm dann auch gesagt. "Na, wenn Sie Urlaub brauchen, dann bekommen Sie ihn (sein Gesicht sagte allerdings das Gegenteil)." Schließlich muss ja die neue Firmenwebsite fertig werden und bisher steht nur die deutsche Sprachversion. Fehlen nur noch Englisch, Französisch, Niederländisch, Spanisch und Tschechisch. "Aber Frau ..., das ist doch ein schönes Projekt und das wird Sie auch ablenken und glücklich machen!" Jawoll, Websites an sich machen mich ungeheuer glücklich und die Firmenseite erst recht!

Noch besser war aber der Geschäftsführer. Natürlich wünschte auch er sein Beileid und wenn ich jemals Hilfe brauchen sollte, dann könne ich mich gern an ihn wenden. Im nächsten Satz kam dann: "Und weil Sie persönliche Probleme haben und eine ganze Woche ausgefallen sind, sind wir nun in Verzug!!! Sehen Sie zu, dass Sie in drei Tagen die neue Website fertig programmiert haben." Und so weiter und sofort! Herrlich, beinahe hätte ich einen hysterischen Lachkrampf bekommen, wenn das nicht alles so grotesk wäre. Ich habe nicht allzu viel erwartet, aber da geht man nach dem Sommerurlaub am ersten Tag doch taktvoller mit mir um als jetzt.

Und normalerweise hätte ich das jetzt alles meinem Paps erzählt und hinreißend ausgeschmückt mit verstellter Stimme und viel Gestik. Drama, Baby, Drama! Nun erscheint die Sinnlosigkeit meines beruflichen Tuns noch viel erdrückender. Und die Leute kommen mir alle so hilflos und klein vor. Wie kleine Grundschüler... "Guck mal, ist das richtig so? Kannst du mir das mal zeigen? Ich brauche unbedingt deine Hilfe. Und ich wollte das nicht fertig machen, bevor du nicht wieder da bist und mir über den Kopf streichelst."

Das war schon vorher schlimm, jedoch ist es nun fast unerträglich. Mir wird geradezu übel davon. Scheideweg! Midlife-Crisis oder einfach nur Sinnkrise? Da kommt alles zusammen! Aber ganz geballt und die volle Ladung!

Aber wer von euch kennt das nicht? Wahrscheinlich geht es uns allen sehr ähnlich und wir erleben ähnliche Geschehnisse.

Wenn mein Selbstmitleid allzu doll überschwappt, dann wird's echt arg. heute wäre ich am liebsten schreiend davongelaufen, zum nächsten Arzt, damit der mich gleich krank schreibt. Da mich eh keiner vertritt von meinen Kollegen, müsste ich nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben;-)

Und wie schaut es bei euch aus? Komisch, ich habe noch nicht ein einziges Mal von meinem Vater geträumt. Es ist so, als sei er auch aus meinen Träumen ausradiert.

Nun geht's zum Tansania-Abend in Helenas Schule! Lust habe ich gar keine, denn der Tag heute hat mir echt gereicht und mich mehr Energie gekostet, als ich aufzubringen vermag. Bin nur müde! Aber vielleicht lenkt mich "Tansania" ein wenig ab!

Euch allen einen schönen Abend und eine geruhsame Nacht,
Miriam

Gianda 28.02.2012 18:43

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
liebe mirilena,

was ich fragen wollte, fragt deine tochter jetzt nach ihr opa?? meine tochter liebt ihr opa auch über alles!!

mein papa hat jetzt sein erste chemo gestern so weit gut überstanden!! bis jetzt. schauen wir mal weiter.

also was ist das für eine tansania abend?? meine tochter ist in haiti geboren.

lg
daniela

Gianda 28.02.2012 18:45

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
[QUOTE=Gianda;1100171]liebe mirilena,

was ich fragen wollte, fragt deine tochter jetzt nach ihr opa?? meine tochter liebt ihr opa auch über alles!!

mein papa hat jetzt sein erste chemo gestern so weit gut überstanden!! bis jetzt. schauen wir mal weiter.

also? was ist das für eine tansania abend?? meine tochter ist in haiti geboren.

lg
daniela

Mirilena 28.02.2012 21:54

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Hallo Daniela,

mein Vater hatte so gut wie keine Nebenwirkungen von der Chemo. Ihm ging es relativ gut. Vorbeugend gegen die Übelkeit hat er Tabletten genommen und er musste sich nie übergeben, konnte auch mit Appetit essen. Eigentlich war er "nur" müde und erschöpft und hat sehr viel mehr geschlafen als vorher. Vielleicht hat dein Papa Glück und es geht ihm genauso! Ich drücke ihm die Daumen!!!

Ja, Helena ist auch so ein "Opakind". Da ich allein erziehend bin, hat mein Vater ihr den Papa ersetzt bzw.wurde er zur männlichen Bezugsperson. Und sie hat ihn sehr geliebt! Aber sie ist gar nicht traurig, sie wirkt gerade so, als sei alles in Ordnung. Nach seinem Tod meinte sie, sie freue sich nur für ihn, dass er keine Schmerzen mehr habe und sie sich keine Sorgen mehr machen müsse. Aber ich weiß, dass sie bereits vorher getrauert hat. Sie hat sehr viele, sehr traurige Gedicht in den letzten Monaten geschrieben und viel mit ihren Freunden/innen gesprochen. Eine ihrer besten Freundinnen hat es gerade auch sehr schwer, da ihre Mutter an Brustkrebs erkrankt ist. Irgendwie glaube ich, dass man, wenn man jünger ist, anders trauert und eher wieder im Leben ankommt und das ist auch sehr gut so! Es kann aber auch sein, dass die Endgültigkeit ihr noch nicht ganz so bewusst ist. Andererseits hat sie ja alles hautnah miterlebt, wie mein Vater gelitten hat, wie dünn und kraftlos er wurde und auch das Ende. Ganz zum Schluss mochte sie auch nicht mehr so gern da sein. Sie meinte, das sei nicht mehr ihr Opa. Kann ich auch verstehen, denn sie soll ihn so in Erinnerung behalten, wie sie ihn kannte.

Der Tansania-Abend war eine Veranstaltung von Helenas Schul-AG. Ein junges Studentenpärchen hat drei Monate in Tansania gelebt und unterrichtet und uns von den Erlebnissen und Unterschieden erzählt. Obwohl ich so gar keine Lust hatte, hat es mir ganz gut getan. Es bringt einen auf andere Gedanken! Jetzt bin ich allerdings mehr als müde und taumel sofort in mein Bett;-) Hörbuch an und Augen zu!!!

Deine Tochter ist bestimmt eine kleine Schönheit!!! Wie heißt sie denn?
Liebe Grüße
Miriam

Tipsu 29.02.2012 00:39

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Hallo Mirilena, ich wollte Dir nur schreiben, dass ich Dich mit Deinen Gefühlen nach dem Tod Deines Vaters sehr gut verstehen kann. Mein Vater ist vor 5 Jahren an Lungenkrebs bzw den Nebenwirkungen der Bestrahlung gestorben und ich kann es heute oft noch nicht fassen und begreifen. Daher lese ich auch noch recht häufig in diesem Forum.
Auch Deine Beschreibung von dem ersten Arbeitstag kann ich so gut nachempfinden... dieses Gefühl von Hilflosigkeit und Machtlosigkeit den "dummen", "oberflächlichen" Gerede der Kollegen gegenüber. Man kann einfach deren Alltagsprobleme nicht mehr verstehen und nachvollziehen. So ist es mir jedenfalls gegangen. Am liebsten hätte ich die meiste Zeit einfach nur geschrien und um mich geschlagen.

Das Bild von Deinem Vater hat mich sehr berührt. So ein schönes Bild !

Bei mir hat es 2 Jahre gedauert, bis ich meinen Vater auch nach seinem Tod loslassen konnte. Ich hatte sehr viele, ich nenne sie hellsichtige Träume, in denen mir mein Vater begegnet ist und versucht hat mir Dinge mitzuteilen. Nach ca. 2 Jahren hat er sich im Traum erstmal verabschiedet und ab dem Zeitpunkt konnte ich auch loslassen. d.h ich habe nicht mehr täglich, stündlich an ihn und seinen Tod gedacht. Auch die Hörbücher ( ich sehe Du wendest auch diese Strategie an) konnte ich ab diesem Zeitpunkt zum Einschlafen weglassen.

Es braucht alles Zeit und die nicht betroffenen Mitmenschen erwarten, dass man möglichst schnell wieder funktioniert und "normal" ist. Wieviel Kraft es einen kostet überhaupt morgens aufzustehen und den Tag zu bewältigen versteht niemand, der es nicht selbst erlebt hat.

lg Tipsu

Mirilena 29.02.2012 08:20

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Tipsu,

ja, wenn ich ihm doch wenigstens im Traum begegnen würde, aber ich träume nicht von ihm! Vielleicht habe ich ihn bereits losgelassen?! Oder er mich?!

Heute morgen bin ich noch ganz allein im Büro... Der Vertrieb kommt erst relativ spät und so habe ich meine Ruhe. Ich habe die Anträge bei Krankenkasse und Beihilfe eingereicht mit der Kopie der Sterbeurkunde. Und dabei habe ich gedacht, dass es schon sehr, sehr merkwürdig ist. Ein Mensch stirbt und wird überall ausradiert. Dabei möchte ich am liebsten durch die Gegend rennen und aller Welt von meinem Vater erzählen. Wie er war, was er gemacht hat, was er dachte und fühlte, damit bloß niemand ihn vergisst. Aber das ist natürlich Blödsinn... Was bin ich froh, dass ich euch und dieses Forum habe! Hier kann ich wenigstens von ihm erzählen und heulen, so viel, wie ich will und wie es notwendig ist.

Ich danke dir ganz herzlich für deine Nachricht! Du hast recht, es kostet so viel Kraft überhaupt aufzustehen, weil mir der Büroalltag so sinnentleert erscheint. Ich fand es hier schon vorher blöd, habe auch zahlreiche Bewerbungen rausgeschickt, aber bisher ist nichts dabei rumgekommen... Ist wohl auch besser so! Ein neuer Job kostet so viel Kraft und energie und die habe ich jetzt gar nicht!

Alles Liebe
Miriam

Gianda 29.02.2012 08:33

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Hallo Mirilena,

ja sie ist echt eine schönheit meine tochter. halt eine karibische mädchen :-).

Ihr name ist Shancie.

lg
daniela

Tipsu 29.02.2012 23:06

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Hallo Miriam,

wahrscheinlich ist es so,dass Du nicht von Deinem Vater träumst, da Du Zeit hattest von Deinem Vater Abschied zu nehmen und ihr schon voneinander loslassen konntet bevor er starb. Zwischen Euch alles gesagt war ?

Wir, mein Vater und ich, hatten noch soviel Hoffnung! Wir waren überzeugt davon, dass er die Krankheit übersteht. So dass, wir noch garnicht auf die Idee gekommen waren, voneinander Abschied zu nehmen und vielleicht auch noch einige Dinge zu klären und auszusprechen. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis und haben uns eigentlich ohne viel Worte verstanden....aber das ich ihn Liebe habe ich ihm erst nach seinem Tod gesagt !

Wenn Du nicht träumst, spürst Du sonst die Anwesenheit von Deinem Vater ?

Ich glaube, dass die "Jenseitigen" uns helfen, wenn es uns schlecht geht, wenn wir verzweifelt sind, wenn wir meinen mit diesem Verlust nicht mehr zurecht zu kommen. In kleinen Dingen kann man Trost finden, zumindest für den Moment.

Du hast von der Sterbeurkunde geschrieben. Ich kriege heute noch Beklemmungen wenn ich sie "zufällig" in die Finger kriege. Dieses Abmelden, Bankkonten auflösen, "ausradieren" aus dem System. Schrecklich !!!

Thema Job: Klingt doof, aber versuche in die Routine wieder reinzukommen. Blende die Kollegen aus soweit es geht. Mache Dir langfristige Pläne. Jetzt den Job zu wechseln ist keine gute Idee, aber das weisst Du ja selbst.

Trauer dauert seine Zeit und macht verschiedene Phasen durch und da man sich ja nicht für z.B 1 halbes Jahr oder länger Krankschreiben lässt, muss man diese Trauerphasen mit in die Firma nehmen und das, wie schon gesagt, kostet einfach viel Kraft.

Davon wünsche ich Dir ganz viel und ich schicke Dir auch noch ein zusätzliches Kraftpaket. Liebe Grüsse Tipsu

carla44 01.03.2012 08:25

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Miriam,

der Joballtag, das ist sehr hart, das alles wieder auf die Reihe zu bekommen. Aber für die anderen hat sich die Welt einfach ganz normal weitergedreht.

Ich habe nach dem Tod meines Papas von einigen Kollegen sehr lieben Zuspruch erfahren, wo ich das gar nicht erwartet hatte. Aber das waren eigentlich alles Menschen, die in ähnlicher Art und Weise so einen Verlust auch schon erlebt haben. Nur das wußte ich von denen gar nicht.
Andere, auch Freunde konnten und können bis heute damit nicht umgehen. Mehr als ein "das tut mir leid" ist da nicht gekommen. Selbst eine gute Freundin von mir, hat mir das deutlich gesagt: sie kann damit nicht umgehen und mir deshalb auch nicht so beistehen, wie es sein sollte unter Freunden. Vielleicht hat sie einfach Angst, dass es sie selber (bzw. ihre Eltern) mal so treffen könnte? Aber sie war wenigstens ehrlich und hat mir das offen so gesagt.

Ich funktionierte im Job auch direkt wieder ganz normal, nach außen zumindest. Aber da ich auch Kollegen in schwierigen Situationen begleite (Konflikte, Gespräche usw.) kommen da auch immer mal Themen hoch, die mir sehr nahe gehen und die von meinen Gefühlen her manmchal grenzwertig sind. Ich muss mir dann immer sagen, dass das normal ist nach diesen Erlebnissen und mir dann hinterher Möglichkeiten suchen, das zu verarbeiten.

Das ist wie hier im Forum. Jemand schreibt etwas und ich erinnere mich plötzlich ganz genau daran, wie es bei mir war.

Miriam, lass Dir Zeit und ja, Du hast auch das Recht mal zu sagen, dass es Dir damit noch sehr schlecht geht. Du mußt nicht lächeln, wenn Dir zum Heulen ist.

Ich hoffe auch sehr, dass bald der Frühling kommt. Dann erwacht draußen alles wieder zum Leben, das ist jedes Jahr wie ein neuer Anfang. Ich möchte versuchen, das dieses Jahr ganz bewußt aufzunehmen und mich vielleicht ein wenig daran zu erfreuen.

Lass Dich mal umarmen, ja.
Liebe Grüße
Carla

Mirilena 01.03.2012 15:20

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Tipsu,
Liebe Carla,

ja, vielleicht ist das so! Die letzten Wochen vor dem Tod meines Vaters ging es nur noch bergab und irgendwie kam eine Hiobsbotschaft nach der anderen, so dass wir irgendwann wirklich der Tatsache des Abschieds ins Gesicht sehen mussten. Und ja, eigentlich haben wir uns alles gesagt. Aber es gäbe dennoch so vieles, was ich gern mit ihm besprechen würde... Das tue ich auch, wenn ich allein bin. Dann schaue ich unwillkürlich in den Himmel uns spreche laut mit ihm und manchmal tut mir das schon wieder leid, weil wir doch loslassen sollen, oder? Und ich muss ganz oft an ihn denken und in Gedanken mit ihm sprechen.

Jetzt benutze ich seit Tagen sein Eau de Toilette, höre mir seine Lieblingslieder an und erinnere mich an ganz viele schöne Augenblicke. In den ersten Tagen nach seinem Tod habe ich die Anwesenheit meines Vaters ganz intensiv gespürt, aber jetzt ist sie nicht mehr da. Ich glaube, ich werde das wieder spüren, wenn ich im Garten meiner Eltern arbeite. Das hat mein Vater nämlich gern getan und es ist "sein" Ort.

Was mich erschreckt: ich habe sein Gesicht gar nicht mehr vor meinen Augen... Und dann komme ich mir ganz schlecht vor, aber wahrscheinlich ist auch das "normal".

Was die Arbeit angeht, so habe ich grundsätzlich kein Problem mit dem Job. Ich kann mich erstaunlicherweise prima konzentrieren (muss ich auch, weil ich die Firmenwebsite programmiere und 5 Sprachen anlegen...), nur diese Sinnlosigkeit nervt mich. Ich befürchte, dass sich das auch nicht ändern wird, denn dieses Gefühl war schon vorher da und hat sich jetzt verschlimmert. Und es geht mir körperlich schlecht: wenn ich im Büro bin, habe ich Beklemmungen und das Gefühl, ersticken zu müssen. Und ich habe arge Magenprobleme (hoffentlich haben die wenigstens den Effekt, dass ich ein wenig Winterspeck verliere). Wegen des Magens war ich bereits beim Arzt, aber das ist wohl alles psychosomatisch und ich solle Geduld haben.

Ja, ich weiß, dass es irgendwann alles besser wird bzw. nicht mehr so schmerzhaft sein wird. Da werde ich dann wahrscheinlich mit einem Lächeln im Gesicht an meinen Papa denken und mich freuen. Derzeit brauche ich nur ein bestimmtes Lied im Radio auf der Autofahrt hören und dann muss ich weinen. Oder jemand sagt etwas Nettes...

Ich bin aber wirklich, wirklich froh, dass so allmählich der Frühling Einzug hält. Das ist auch schön für all diejenigen, die krank sind, denn mit dem Licht und der Wärme kommt hoffentlich mehr Zuversicht und auch ein besseres Wohlbefinden.

So, nun muss ich wieder an die Firmenwebsite... Aber die kleine Pause hat sehr gut getan!

Liebe Grüße
Miriam

Jaecky 01.03.2012 18:20

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Miriam,

es tut mir wirklich leid für euch. Diese 3 Worte kann ich dir leider nicht sagen, ich bring diese nie raus und ich find diese so schrecklich. Aber du auch, wie ich gelesen hab. Deshalb möchte ich dich einfach nur gedanklich in den Arm nehmen. Das Bild von deinem Papa ist wirklich schön, er sieht sehr sympatisch aus und liebevoll.

Als ich den Beitrag von deinem ersten Arbeitstag gelesen habe, ist mir echt die Spucke weg geblieben. WIe kann man nur so taktlos sein, entschuldige bitte aber deine Chefs sind doch echte Arschlöcher. Ich hab so gedacht, beim durchlesen, dass würden die mit mir nur einmal machen und ich wäre weg. Aber leider ist das ja nicht so einfach heutzutage. DIe wissen doch echt nicht, was sie da sagen und das zeugt für mich auch nicht von viel Verstand. Entschuldige bitte, das ich so meckere aber ich kann mir vorstellen, wie es dir dabei gegangen sein muss.

Hast du deiner Tochter bevor dein Papa gegangen ist erklärt, das er gehen muss? Ich habe Zwillinge und die beiden sind 4 und lieben ihren Opa über alles. Sie wissen zwar dass er krank ist aber nicht, dass er wahrscheinlich bald sterben wird. Wie kann ich das erklären, wo ich es doch selbst nicht verstehe? Ich möchte es ihnen aber auch irgendwie erklären und nicht erst, wenn er nicht mehr da ist. Kannst du mir diesbezüglich einen Rat geben?

Ich umarm dich.

Liebe Grüße
Jäcky

MaPa15 01.03.2012 19:53

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Miriam,

die Antwort von deienm ´Chef geht mal so gar nicht!!

Mir hat die Arbeit sehr geholfen. Klar waren die meisten damit überfordert, weil sie nicht wissen, wie mit einem umgehen sollen. ich wat´r da sehr offen siv und hab es ihnen einfach erzählt. Hat mir geholfen und ihnen es leichter gemacht.

Mit der Zeit wird es besser, aber man hat auch immer wieder einbrüche. im Monet hab ich wieder einen und denke sehr sehr viel an meinen Papi und vermisse ihn noch stärker als sonst!! Ich höre ständig sein Lied, was er im Shanty-Chor gesungen hat. und so vieles erinnert mich wieder an.

Ich drück einfach mal ganz fest!!

Zitat:

Zitat von Jaecky (Beitrag 1100688)
Ich habe Zwillinge und die beiden sind 4 und lieben ihren Opa über alles. Sie wissen zwar dass er krank ist aber nicht, dass er wahrscheinlich bald sterben wird. Wie kann ich das erklären, wo ich es doch selbst nicht verstehe? Ich möchte es ihnen aber auch irgendwie erklären und nicht erst, wenn er nicht mehr da ist. Kannst du mir diesbezüglich einen Rat geben?

Ich umarm dich.

Liebe Grüße
Jäcky


Hallo Jacky,

ich war in genau der gleichen Situation. Meine Zwillis sind auch 4 Jahre. Sie wussten von Angfang an, dass ihr geliebter Opa krank ist und das sie mit ihm vorsichtig umgehen mussten (nach der Lungenop). Mein Papa hat sich nach der Diagnose auch etwas zurückgezogen von den Jungs. Eimal, weil er da sehr mit sich beschäftigt war und um sie nicht noch stärker an sie zu binden. Er hatte dein traum, sie wenigsten bei der Einschulung zu sehn.
Aber mal wieder zu dir. Sie wissen auch, dass OP immer wieder ins KH muss um dort Medizin zu bekommen, die ihn versucht wieder gesund zu werden.
Mein Jungs haben sehr viel gefragt und ich hab versucht so viel wie möglich kindgerecht zu erklären. Da unser Kinderarzt immer sagt, dass manchmal kleine Monsterchen im Körper sind, die einen krank machen, hab ich das mal aufgegriffen. Ich hab ihnen erzählt, dass der Opa im Köper nicht kleine Monsterchen hat, sondern ein großes Krebs-Monster, welches sehr stark ist. Opa´s Körper kämpft dagegen, aber es könnte sein, dass auch das Monster gewinnt. Sie fragten, ob es denn keine Medizin gibt, die hilft, das Krebsmoster verlieren zu lassen. Ich musste ihnen leider sagen, dass irgendwann das Krebsmonster immer gewinnt und die Medizin nur dafür da ist, dass Opa länger bei uns bleiben kann! Das haben sie so erstmal hingenommen und sich immer sehr lieb um Opa gekümmert.

Es ist schon sehr schwierig mit so kleinen Kinder. Jeder fasst es anders auf. Sie haben zwar angenommen, dass Opa jetzt ihr SDchutzengel ist, aber sie verstehn nicht, warum er weg ist. ich sage immer, dass es OPa da bessser geht und er da gesund ist und keine Schmerzen hat. Das freut sie, aber er fehlt hat doch. Jeden morgen auf dem Weg zur Kita, suchen sie noch einen Stern und winken nach oben und sagen, dass es Opas stern ist un d rufen sehr laut HALLO OPA!! Die Nachbarn freune sich schon, morgens um 7 so geweckt zu wegen ;-)

Ich wünsche dir, dass du und deine Twin noch sehr lange was von Papa/Opa haben!!

Liebe Grüsse Simone

Mirilena 01.03.2012 22:22

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Jäcky,
Liebe Simone,

danke für eure lieben Zeilen und laut gelacht habe ich auch gerade, als ich von den Arschlöchern las;-))) Leider habe ich tatsächlich nicht die Möglichkeit, den Job einfach hinzuschmeißen (bin auch noch allein erziehend und das Geld benötigen wir dringend... Wer auch nicht?;-)), doch mittlerweile bin ich an so einem Punkt angekommen, dass es mir ganz egal ist, was passiert. Da ich ja den Mund aufmache und sage, was mir passt und was quer läuft, bin ich ohnehin nicht nur wohlgelitten. Aber was kann mir schon passieren außer einer Kündigung? Und wenn, dann geht mein Leben davon auch nicht unter! Es gibt wahrlich Schlimmeres als das...

Mensch, das ist wirklich hart, es so kleinen Menschen irgendwie kindgerecht verständlich zu erklären, dass der geliebte Opa krank ist und es ihm bisweilen sehr, sehr schlecht geht. Ich finde, dass Simone das richtig gut gemeistert hat! Ein Krebsmonster können sich die Kleinen vorstellen und dass der Körper vom Opa kämpft auch! Schön auch, dass die Kinder so toll reagiert haben und vorsichtig mit ihrem Opa umgegangen sind. Kinder sind doch wirklich etwas Großartiges!!! Und ich bin ja der Ansicht, dass sie intuitiv sind und sehr viel mehr verstehen, als wir annehmen.

Meine Tochter ist heute bereits 14 geworden und insofern schon recht "groß". Auch Helena hatte eine sehr innige Beziehung zu ihrem Opa und es hat sie sehr, sehr getroffen, dass er so krank wurde. Von der Diagnose wusste sie seit Anfang an, aber was das bedeutet kam dann erst später. Sie hat ihren Opa ja auch bis zum Schluss begleitet, weil sie das wollte. Mit mir hat sie selten über das Thema Krebs und Sterben gesprochen. Sie hat Gott sei Dank ganz tolle Freunde und Freundinnen, die sie aufgefangen haben und mit denen sie sich ausgetauscht hat. Und sie hat ihre Traurigkeit in Gedichten und Geschichten verarbeitet. Letztlich ist sie auch jetzt diejenige, die sagt, sie sei nicht traurig, dass ihr Opa gestorben sei. Sie freue sich für ihn, dass er gehen durfte und dass sie sich nun keine Sorgen mehr machen muss. Bisweilen finde ich es erschreckend, weil ich befürchte, dass sie es nicht lange durchhalten wird, den Tod so zu betrachten und ihr ihr Opa höllisch fehlen wird... Grundsätzlich ist es aber einfacher, einem Teenager davon zu erzählen, als so kleinen Mäusen, wie ihr sie habt. Ich würde es auch wie Simone machen: kindgerecht und nur das, was sie wissen wollen.

Ich drücke euch beide!!! Schlaft schön und tief und fest! Ihr benötigt eure Kraft!
Liebe Grüße
Miriam

Nicole85 02.03.2012 12:03

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Hallo Miriam,
wie war denn der Geburtstag von Helena für dich? Es hat doch bestimmt jemand gefehlt, oder?
Mir ging es so beim Tod meiner Oma Ilse. nur eine Woche darauf ist mein Opa 70 geworden und ich hab immer neben meine Tante geschaut... der Stuhl neben ihr war leer :(

Ich denke das wird noch schlimmer, jetzt. Wir sind nur eine ganz kleine Familie. Mutti, Vati, mein Bruder, mein Opa, mein Freund, meine Tante und ich... keine Cousinen, noch keine kleine Kinder... da fällt jeder der fehlt doppekt und dreifach auf!

Jetzt nochmal zu dem Träumen...
Je mehr du dir wünschst von deinem Papa zu träumen desto schlimmer wird es. Ein Traum ist etwas im Unterbewusstsein.
Er wird dir im Traum begegnen irgendwann... wenn du es am wenigsten erwartest. Hab Geduld mit dir und deiner Seele. Sie wird noch ein wenig Zeit brauchen.

Sei ganz lieb gedrückt... :knuddel:

Mirilena 03.03.2012 08:38

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Nicole,

es ging mit dem Geburtstag, obwohl ich es anstrengend fand, alles vorzubereiten. In weiser Voraussicht hatte ich schon vor vielen, vielen Wochen Helenas Geschenke besorgt (als hätte ich es geahnt, dass ich jetzt absolut nicht in der Stimmung dazu wäre...). Ich habe abends noch einen Geburtstagskuchen gebacken und den Tisch fertig gemacht. Na ja, und morgens dann noch eine halbe Stunde früher aufstehen und Kerzen an... Für Helena war es schön und sie hat sich gefreut!!! Als ich sagte, die Geschenke seien auch von Opa, musste ich schlucken.

Dann haben wir uns erst gegen 17 Uhr wiedergesehen. Ich habe Helena bei meiner Mama abgeholt und beide mit zu uns genommen. Wir haben zu dritt Kaffee getrunken und Kuchen gegessen und auf meine Freundin Tanja gewartet, die extra für eine Stunde vorbei kam. Und ich hatte bereits am Vortag Abendessen vorbereitet. Um 19 Uhr musste ich zum Zahnarzt (da ich mich seit Wochen nicht um solche Dinge gekümmert habe, bekomme ich nun die QUittung... Graus!!!) und es war kein schöner Termin. Nun schlucke ich Paps Novalgintropfen (kein Wunder, dass er sich vor denen geekelt hat;-)), damit ich die Zahnschmerzen ertragen kann. Leider zieht das bis zum OHr hoch und der ganze Kiefer tut weh. Etwas chaotisch und zerrissen, Hellis Geburtstag! Ja, mein Paps hätte sonst natürlich dabei gesessen und er hat einfach schrecklich gefehlt. Dafür saß da jetzt mein Freund Thorsten, der verzweifelt versuchte, die Stimmung meiner Mutter und die meinige etwas aufzuhellen. Grotesk, ich mit betäubter Schnute und am Strohhalm saugend, meine Mutter redete ständig dazwischen und Helena verdrehte die Augen. Na ja, Ausnahmezustand!!!

Wir sind übrigens auch eine sehr kleine Familie. Ich bin ja seit Helenas Geburt mit ihr allein (jetzt nicht mehr;-)) und wir haben keinen Kontakt zu ihrem "Vater" und dessen Familie. Meine Mama hatte drei Brüder, von denen nur noch der mittlere lebt. Mein Papa hat einen Bruder, zu dem wir sehr wenig Kontakt haben. Ich habe nur 2 Cousins und 1 Cousine und selbst keine Geschwister... Das ist alles sehr überschaubar geworden... Deshalb sind mir auch meine Freundschaften um so wichtiger!!! Aber unsere engste Familie war schon immer recht klein.

Heute kommen Hellis Mädels zu Besuch und dann wird gefeiert und gegackert! Dann flüchte ich zu meiner MA und Thorsten hat einen Termin. Ich glaube, es ist ganz gut, wenn ich mal einen ganzen Abend Zeit für meine Mutter habe. Sie muss ja auch einmal reden un d etwas loswerden. In der Woche ist das alles immer so ein Gehetze.

Ich kämpfe gerade mit mir, ob ich jetzt zum Friseur gehe oder nicht. Idiotisch, oder? Eigentlich auch vollkommen egal!

Also, hab' ein schönes Wochenende!!! (Hier scheint sogar gerade ein wenig die Sonne, eingekränzt von Regenwolken)
Fühle dich gedrückt
Miriam

Chapxy 03.03.2012 20:11

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Hallo Mirilena,

ich freue mich dass dein Vater das Leiden hinter sich hat.
Ich denke nach deinen Post hier verkneife ich mir die sonst leider so üblichen Floskeln.

Zu deinem Erleben das der Rest der Welt eigentlich keine Ahnung hat was wichtig ist kann ich nur sagen: Jawohl ja.

Dazu ganz kurz: Mein Vater hatte 2000 eine Hirnblutung. OP. Danach leider einige Infarkte. Das Leiden dieses von mir sehr geliebten und wichtigen Menschen zog sich dann über 10 Jahre hin. Es war ein vegetieren! Er war nicht mehr in der Lage i-was selbst zu tun. Er lag nur noch in einem Pflegeheim. Künstliche Ernährung! Gegen Ende war er dann in Kiel auf der Palliativstation.

Nachdem er gestorben war erlebte ich einige Dinge die ich in dem was du schreibst fast Wortwörtlich wieder entdecke. Z.B. das Verhalten der Kollegen und Vorgesetzten. Wobei ich auf der Arbeit auch das Glück habe dort einige echte Freunde zu haben. Und das bleibt! Ich sehe die Welt heute anders als damals. Es werden andere Dinge wichtig. Die eigene Familie nimmt auf einmal einen wesentlich höheren Stellenwert ein. Job und Vorgesetzte…. Tja wie sage ich es? Sie sind mir relativ egal. Was nicht heißen soll das mir meine Arbeit nicht wichtig wäre oder mir keinen Spaß macht…. Aber niemand auf der Arbeit ist mehr in der Lage mich wirklich in Rage zu bringen. Das ist mir nicht mehr wichtig genug! Und das ist gut so. Meine Energie stecke ich in andere Menschen.

Ich habe kurz nach seinem Tot auch nicht von Ihm geträumt. Aber das hat sich geändert. Immer dann wenn es in meinem Leben Dinge gibt die meinen Vater interessiert hätten träume ich von ihm. Vielleicht sollte ich besser sagen erscheint er mir? Ich weiß es nicht. In der Nacht vor der Einschulung meines Sohnes war er da. Auch jetzt wo es meiner Frau so schlecht geht (Er hat sich mit Sonja gut verstanden) ist er da. Ich habe sogar ab und an Tagsüber das Gefühl das er da ist. Er strahlte immer eine Ruhe und Gelassenheit aus. Und das Spüre ich heute auch ab und zu.
Ich wünsch dir von ganzem Herzen das es dir mit deinem Vater ebenso gehen wird! Es ist einfach schön.

Gruß
Henner

Mirilena 03.03.2012 22:59

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Hallo Henner,

danke! Eigentlich bin ich ja auch froh, dass mein Papa nicht mehr leiden muss. Rückblickend muss ich sagen, dass die letzten 10 Monate die schrecklichsten meines Lebens waren, denn er hat immer Schmerzen gehabt und erst ganz zum Schluss auf der Palliativstation wurde ihm geholfen. Ich wünschte, wir wären schon früher auf die Ideen gekommen, die Palliativmedizin zu Rate zu ziehen. Aber ich hatte davon vorher keine Ahnung. Ich habe damit auch immer unweigerlich das Ende verbunden. Auch für meine Mutter und mich war es eine sehr wertvolle Erfahrung. Und wenn auch die letzten 10 Monate mit so viel Angst und Sorgen besetzt waren, so sind wir auch dankbar für die vielen schönen und sehr intensiven Augenblicke. Für ein Lächeln, einen Händedruck und so viel Liebe.

Aber da du deinen Vater ja selbst bereits verloren hast... es bleibt da auch so eine große Leere. Heute Abend war ich bei meiner Mutter und das war auch sehr schön. Wir haben viel geredet und sie hat auch viel geweint. Für sie ist es natürlich ungleich schlimmer. Sie hat ihren Partner verloren und fühlt sich so unendlich allein und verlassen. Als wäre sie in der Mitte zerteilt worden und eine ihrer Hälften habe sie verlassen. So viel Einsamkeit und Leere. Es wird bestimmt lange dauern, bis sie das überwunden hat.

Und was die Arbeit angeht, ja, die Perspektive ändert sich erheblich. Letztlich ist es mir auch völlig egal, was mein Vorgesetzter oder der Geschäftsführer von mir halten. Ich erledige meine Arbeit und funktioniere, das muss ihnen genügen. Da aber unsere Zeit hier so begrenzt ist, würde ich meine Kraft lieber anders und sinnvoller einsetzen. Ich weiß zwar noch nicht wie, doch vielleicht erscheint mir eines Nachts doch mein Vater im Traum, hört mir zu und gibt mir seine Antwort.

In diesem Sinne...
Gute Nacht, gute Träume und noch bessere Tage (gib Sonja einen Kuss auf die Stirn von mir und sende ihr meine allerbesten Wünsche, ja?!)
Miriam

Nicole85 05.03.2012 11:22

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Hallo Miriam,
der Geburtstag war ja echt Chaotisch. Versteht es Helena, dass es derzeit ne anders geht oder fühlt sie sich vernachlässigt?

Mit deiner Mutti kann ich richtig mitfühlen... in den Alter haben sie mehr als 2/3 ihres lebens zusammen verbracht und dann ist der andere auf einmal nicht mehr da... schrecklich. Ich habe mich dazu mit meiner ehemaligen Kindergärtnerin unterhalten. Sie war auch auf der beerdigung meiner Oma. Eine nette Frau. Sie hat ihren Mann vor ein paar Monaten wegen eines Gehirntumors verloren. Ich bewundere sie sehr und habe sie gefragt, wie sie zurechts kommt. Sie sagte, dass sie sich Ziele setzt, immer wieder neue. damit sie sich nicht einigelt. Denn das will sie nicht. Sie sagte aber auch, dass sie nie zur Ruhe kommen darf, denn dann wäre die einsamkeit erdrückend.
Vielleicht sollte sich deine Mama auch eine Aufgabe suchen?

Jetzt habe ich noch eine andere Frage, vielleicht kannst du mir ja helfen. Bei der Diagnose Lungenkrebs und Hirnmetastasen... was denkst du da?

Ich drück dich :knuddel:

Tiina 05.03.2012 16:35

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Miriam,
mit dem Träumen scheint sehr unterschiedlich zu sein...
Ich habe in den Wochen nach dem Tod meiner Mami fast jede Nacht von ihr geträumt - aber ehrlich gesagt hätte ich auf die Träume gut verzichten können... Es ging immer nur darum, dass es ihr schlecht geht und ich nicht helfen kann... :weinen:
Diese Träume sind glücklicherweise immer seltener geworden, aber "normale" Träume, in denen meine Mami gesund war oder die Krankheit keine Rolle spielte, kann ich gar nicht erinnern.

Aber von anderen habe ich auch gehört, dass sie sehr viel von den verstorbenen Angehörigen geträumt haben.

Ich wünsche Dir viel Kraft in dieser traurigen Zeit!
Alles Liebe für Dich :pftroest:
Anja

Mirilena 05.03.2012 20:37

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Nicole,

Lungenkrebs und Hirnmetastasen... da muss ich unweigerlich an eine Bekannte und an meinen Cousin denken. Beide haben es nicht geschafft. Aber von Mona habe ich jetzt gelernt, dass jede Krebserkrankung anders verläuft und das ist ja auch logisch, jeder Mensch ist unterschiedlich... Also kann ich im Endeffekt nichts Schlaues von mir geben.

Helena fand ihren Geburtstag okay! Ich bin ja morgens mit Kuchen, auf dem 14 Kerzen brannten, in ihr Zimmer geschlichen und habe (etwas schräg) gesungen. Sie hat alle Kerzen ausgepustet und musste dann mitkommen zu ihrem Geburtstagstisch und Geschenke auspacken. Na ja, und den Zahnarzttermin habe ich halt selbst vertüddelt. Ich hätte schon längst gehen müssen... Da habe ich noch so einige Fachärzte, die ich jetzt abarbeiten muss. Ich denke, dass Helena sich nicht vernachlässigt fühlt. Sie weiß ja, dass momentan alles ein wenig anders läuft.

Alles Liebe

Liebe Anja,

danke für deine lieben Zeilen! Ja, irgendwie ist es dumm, dass ich mir wünsche, von meinem Vater zu träumen. Wären es solche Träume, wie du sie hattest, dann würde es mich auch nicht freuen. Wie schlimm, da musstest du immer und immer wieder diese letzte Zeit im Traum erleben.

Ich habe gestern die CD "Bretonne" von Nolwenn Leroy von einer Freundin geschenkt bekommen und mich gefreut wie ein kleines Kind:-) Seitdem höre ich ununterbrochen diese Musik und das tut so gut! Ich liebe die Bretagne und würde mich am liebsten sofort ins Auto setzen und hinfahren. Brest, Le Conquet, Concarneau, Quimper, Le Crozon, himmlisch! Mein größter Wunsch war es, meinen Eltern die Bretage zu zeigen. Ich hatte schon zahlreiche Häuser ausgesucht und hätte gern eines gebucht, aber die fortgeschrittene Krankheit meines Papas hat uns keine Chance gelassen. So hatte ich mich dann mit meinen Eltern für Dänemark entschieden zu Ostern. Aber nicht einmal das war uns vergönnt... Dabei hat mein Papa das Meer so geliebt. Und ich hätte so gern ein einziges Mal einen Drachen mit ihm steigen lassen. Nun werden drei Generationen Frauen die Woche am Hennestrand verbringen und sich den Wind um die Nase brausen lassen. Und wahrscheinlich werden wir den Mann, den Vater und den Opi extrem doll vermissen und es werden viele Tränen fließen. Aber wir werden hoffentlich auch viel lachen, zusammen kochen, lange Strandspaziergänge unternehmen, lesen, uns unterhalten, malen und schreiben. Helena hat mir zum Geburtstag ein Buch geschenkt und dass ich mit ihr eine Geschichte schreiben soll... Und das habe ich auch vor!

Es tröstet mich schon zu wissen, dass der Schmerz mit der Zeit weniger grausam zupackt. Nicht, dass er verschwindet, aber man kennt ihn dann bereits und kann ihn begrüßen wie einen alten Bekannten. Weißt du, was ich auch ganz schrecklich finde? Mein Papa kannte all meine Fehler und Schwächen ebenso wie meine Stärken und er hat mich geliebt, einfach, weil ich ICH bin. Und dafür musste ich gar nichts tun sondern durfte einfach sein. Mit ihm ist auch diese Liebe für seine Tochter gegangen. Nun gibt es nur noch einen Menschen, der mich so ähnlich liebt, meine Mama. Und wenn sie auch eines Tages gehen muss, dann... Oje, jetzt fange ich schon wieder an mich zu verheddern... Dabei rette ich mich immer so "gut" über den Tag.

Ganz liebe Grüße
Miriam

Mirilena 09.03.2012 22:11

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Heute habe ich mich nicht gut über den Tag gerettet. Es war mein freier Tag und ich war bei meiner Mutter. Ihr geht es richtig, richtig schlecht. Sie mag auch mit niemandem reden außer mit mir. Kommenden Mittwoch fahre ich erstmals mit ihr zur Trauergruppe vom Hospizverein, weil ich hoffe, dass es ihr gut tut, auf Menschen zu treffen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie sie.
Ich hatte mir ja gewünscht, mir eine Auszeit nehmen zu können, um ausreichend Zeit für die Trauer zu haben, doch wenn ich meine Mama sehe, weiß ich gar nicht, ob mir das gut tun würde. Meine Mama hat Zeit vielleicht zu viel Zeit und sie grübelt zu viel und wenn sie so oft allein ist, dann weint sie bestimmt... Ich wünschte, ich könnte mehr für sie tun. Na ja, morgen koche ich für sie und versuche, sie ein wenig abzulenken.
Heute hat sie mir so gar nicht gefallen. Es ist, als wäre sie in sich zusammengeschrumpft und verwelkt wie eine Blume. Sie traut sich gar nichts mehr zu und wenn ich ihre Sachen erledige und versuche, sie mit einzubeziehen, dann wirkt sie völlig verständnislos.Oje, dabei fühle ich mich selbst bisweilen so leer und bin so müde. Hört das denn niemals auf? Immer muss man sich um irgendetwas kümmern, Formularen hinterherrennen, alles überprüfen, ständig irgendwen anrufen und sich schlau machen. Was für ein Papierkrieg! Um meine eigenen Sachen kann ich mich kaum kümmern, die bleiben alle liegen. Ich helfe ihr ja gern und ich bin froh, wenn wir erst einmal alles hinter uns gelassen haben, doch das kann noch dauern...
Donnerstagabend sprach mich unsere Pastorin an, die Urne von Papa sei da und wann wir sie beisetzen möchten. Das kommt mir immer alles so unwirklich vor. Der Rest meines Papas in einer Terracotta-Urne! Unvorstellbar! Und nun wird die Urne begraben. Mein Papa ist ja eh nicht mehr da. Dabei höre ich ihn noch flüstern. Und ich sehe ihn am Meer, ganz allein geht er dort spazieren, sammelt ein paar Steine auf und wirft sie weit fort. Freut sich über die Möwen, die sich vom Wind tragen lassen und geht immer weiter, bis er zu einem kleinen Punkt verblasst und ich ihn irgendwann nicht mehr sehen kann. Weg! Einfach weg! Und nun kommt er niemals wieder! Manchmal bilde ich mir ein, ich hätte das alles nur geträumt und irgendwann wache ich einfach auf, schweißüberströmt und bin in der Realität angekommen. Aber das ist die Realität, zumindest meine.
Und die Taube kommt auch schon lange nicht mehr! Sie kam noch am Tag vor der Trauerfeier und dann nie wieder. Ich halte immer Ausschau nach Zeichen, aber da sind keine so offensichtlichen Zeichen... Manchmal denke ich, ich sei ein wenig durchgeknallt. Dann kann ich auch schon über mich selbst lachen. Ich sehe mich auf dem Balkon stehen und verzweifelt Ausschau halten nach einer Taube, die ich eigentlich nie ausstehen konnte;-) Und ich spreche immer noch mit meinem Papa. Manchmal laut (daheim) und meistens in Gedanken. Es gibt so vieles, was ich gern von ihm wissen wollte. Und so oft möchte ich ihn um seinen Rat bitten. Als er noch hier war, hat es mich manchmal genervt, weil ich seine Tipps als Einmischung in mein Leben empfand und nun sehne ich mir nichts sehnlicher herbei als eben diese Tipps. Oder wenn er mir nur einfach erzählen würde, was er gestern im Fernsehen geschaut hat. Da war ich auch immer genervt, weil er bis ins kleinste Detail den Film wiedergab und nie auf den Punkt kam. Dabei lief doch meine Zeit davon! Oh, Zeit ist so relativ und wenn ich daran denke, wie genervt ich dann immer war, dann schäme ich mich. Hätte ich nur geahnt, dass ich ihn gar nicht mehr so lange bei mir haben würde, hätte er mir die ganze Tagesschau auswendig aufsagen können...
Wir vermissen ihn so sehr! Und am schlimmsten ist es für Mama...

Eine traurige Miriam

MaPa15 09.03.2012 22:23

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Miriam,

deine Worte bringen mir die Tränen!! Ich kann dich so gut verstehn. Es ist alles so irreal und unwirklich!!

Der Kopf sagt immer wieder, dass es jetzt zuende ist und es gut ist, dass er gegangen ist, aber das Herz sucht immer noch nach Zeichen und will es nicht wahr haben.

Bei mir das auch so. Es gibt tage da geht es und dann wieder nicht. im Momnet fällt es mir wieder alles so schwer.

Meiner Mama auch, sie leidet am meisten und hat auch zuviel Zeit! Sie steigert sich in ihre Trauer und weint viel.

Du Liebe ich hab leider keine tröstende Worte, aber du bist nicht alleine. Fühl dich ganz ganz lieb gedrück!!

Liebe Grüße Simone

Tipsu 09.03.2012 22:38

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Liebe Miriam, ich kann nicht viel sagen ! Es ist einfach schrecklich und schwer zu ertragen und dann noch die Sorge um die Mutter .... ich kenne das zu gut !
Alles Liebe Tipsu

Mirilena 10.03.2012 06:47

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Danke liebe MaPa und Tipsu,

jetzt muss ich auch schon wieder weinen... Weil ich so gerührt bin, dass ich mit all diesen Gedanken und Gefühlen nicht allein bin. Ich wüsste gar nicht, was ich täte, wenn es dieses Forum hier nicht gäbe! Würde ich dann verrückt werden? Würden meine Gedanken nur noch Karussell fahren und mich irgendwann hinausschleudern?

Selbst in meinem engsten Umfeld versteht das keiner und ich mag auch schon mit niemandem mehr sprechen. Meine Tochter möchte ich damit nicht belasten. Ich hatte mir schreckliche Sorgen gemacht, wie sie den Tod ihres über alles geliebten Großvaters verarbeiten würde. Aber sie ist ganz offensichtlich besser davor! Ihr geht es gut und sie ist tatsächlich froh, dass er es geschafft hat, weil sie sich nun nicht mehr um ihn sorgt und er keine Schmerzen mehr hat. Meine Mutter ist so traurig, dass ich ihr nicht von meinem Schwermut erzählen mag und mein Freund (Partner) mag das alles nicht mehr wissen. Er kann auch gar nicht verstehen, dass ich ständig hier im Krebs-Forum bin und mir das Trost und Halt gibt. Seltsam, manchmal kommt es mir vor, als sei ich süchtig danach. Kaum komme ich von der Arbeit nach haus, renne ich zum Notebook und muss nachschauen, ob irgendjemand etwas Neues geschrieben hat oder mir womöglich eine Nachricht hinterlassen hat. Und obwohl wir uns alle niemals gesehen haben, habe ich das Gefühl, euch zu kennen. Sicherlich, weil uns alle verbindet, dass wir einen oder womöglich sogar mehrere Menschen verloren haben, die wir sehr lieben und alle sich hier öffnen und die ungeschminkte Wahrheit schreiben. In all dem Schmerz empfinde ich das doch als sehr große Bereicherung.
Ich habe so ein seltsam flaues Gefühl, wenn ich an Donnerstag und an die Urnenbeisetzung denke... Ich möchte mir die Überreste meines Vaters nicht als Asche in einem tönernen Gefäß vorstellen. Das fällt mir zwar leichter, als würde sein Sarg mit seinem Körper in die kalte, nasse Erde versenkt, aber grundsätzlich finde ich es eine grauenhafte Vorstellung. Es ist so schwierig zu akzeptieren, dass sein Körper nicht mehr da ist und er nicht mehr darin "wohnt".

Liebe Grüße
Miriam

Mirilena 15.03.2012 21:05

AW: Wir werden uns wiedersehen...
 
Heute war auch bei uns ab Mittag ein sehr schöner sonniger Tag. So haben wir die Urne im Sonnenschein beerdigt und mir war trotzdem so kalt. Aber die Zeremonie war sehr kurz. Ich war dankbar, dass wir nur so wenige Menschen waren. Nur meine Tante und mein Onkel wollten es sich nicht nehmen lassen zu kommen. Okay, also waren wir zu fünft. Nun liegt Papas Urne unter der Erde und Mama ist froh, dass wir auch das geschafft haben.
Gestern als wir bei der Trauergruppe waren, haben wir von unseren komischen Gefühlen erzählt. Uns war ziemlich mulmig zumute und insofern war ich echt dankbar, dass heute die Sonne schien. Nun liegt mein Papa etwas abseits vom Glockenturm, auch das war sein Wunsch.
Mit mir ist heute auch nichts mehr anzufangen. Ich merke gerade, dass ich so abgehackt schreibe. Anders als sonst. Ich gehe jetzt schlafen, bin auch so müde und erschöpft.

Gute Nacht
Miriam


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 12:44 Uhr.

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