Krebs-Kompass-Forum seit 1997

Krebs-Kompass-Forum seit 1997 (https://www.krebs-kompass.de/index.php)
-   Forum für Hinterbliebene (https://www.krebs-kompass.de/forumdisplay.php?f=38)
-   -   Paps (https://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=37906)

Ypsi 17.02.2009 16:30

Paps
 
Die ersten Worte hier im Hinterbliebenen-Forum, mir stocken die Finger und die Tränen laufen...
Mein Paps ist am Sonntag, 08.02., gestorben. Ich war bisher im Lungenkrebs-Forum; seine Diagnose war ein Adenokarzinom Stadium IV und ist im Juli 2008 über uns hereingebrochen.

Ich lese mir hier eure Eckchen durch und ... ich schäme mich so!! Ich frage mich, ob ich normal bin und, ach ich weiß nicht.
Die ersten beiden Tage danach habe ich gar nicht mehr klar in Erinnerung, es ist wie im Film... mein Körper hat alles von sich gegeben, was nur möglich war und darüber hinaus. Der Arzt wurde gerufen, der mir zwei Spritzen gegeben hat. Naja, körperlich ging´s dann einigermaßen wieder. Mein Freund nimmt mir alles Organisatorische mehr oder weniger ab und ich funktioniere bzw. mache einfach.
Aber meine Gefühle, ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Ich fühle nur Erleichterung und Erschöpfung. Als hätte ich die letzten Monate das doppelte meines Körpergewichts getragen, so fühle mich nun leicht wie eine Feder. Und ich bin erschöpft. Ich schlafe wie ein Baby, so gut wie seit Monaten nicht mehr. Der Alltag fühlt sich mal real an und mal wie durch Watte hindurch.
Ich schäme mich so, weil ich nicht das Gefühl habe, dass es schmerzt; sondern weil ich so erleichtert bin, dass Paps nun nicht mehr so leiden muss. Aber..., er ist doch nicht mehr da...
Tut mir Leid, ich kann jetzt nicht weiter schreiben.
Ich entschuldige mich schonmal, sicher sind meine Zeilen hier völlig wirr
Ypsi

dani33 17.02.2009 16:38

AW: Paps
 
Es tut mir Leid das Du jetzt auch hier schreiben mußt, meine Mama hatte auch ein Adeno Ca. in der Lunge. Ich kann Dir nachempfinden und schicke Dir einen lieben Gruß
Dani

gitti 17.02.2009 16:47

AW: Paps
 
Auch von mir ein leises Hallo.

Mein Herzliches Beileid!

Du brauchst Dich nicht schaemen,mir ging es nach dem Tod meiner Mama Sylvester 2008 genauso,ich war nur noch müde und fertig,habe nur geschlafen,wenn ich konnte.

Fand mich auch nicht normal.Diese Müdigkeit besteht immer noch und nun ist diese Trauer dazugekommen...

Mach Dir keine Gedanken,es gehört wohl ne Riesenportion Kraft dazu,unsere Lieben bis zum Schluss zu begleiten.

Ich denke,das faellt dann irgendwie alles ab und davon ist man dann so ko.

Bremensie 17.02.2009 17:43

AW: Paps
 
Hallo Ypsi
erst einmal mein Beileid und herzlich willkommen hier im Hinterbliebenenforum. Es ist doch klar du durcheinander bist. Als mein Lebenspartner starb ging es mir ähnlich wie dir. Auch er hatte ei Ardenokarzinom Stufe IV. Er ist 1/2 Jahr nach Diagnosestellung gestorben. Auch für ihn war es eine Erlösung. Ja auch war froh dass es sich nun nicht mehr quälen musste. Ich binbdann auch mehr oder weniger zusammengebrochen und ich habe gemerkt wie mein Körper von der Pflege ausgelaugt war.Weißt du es dauert auch bis man so richtig begreift dass ein lieber Mensch nicht mehr da ist. Wie oft habe ich nach seinem Tod gedacht(wenn ich etwas erlebt habe) dass muss ich wenn ich zu Hause bin gleich meinem Schatz erzählen. Das geht mir auch heute ein Jahr nach seinem Tot oft noch so. Und bei diesen Gedanken kommt dann bei mir die Traurigkeit. Wenn du sie jetzt noch nicht spürst ist das OK. Du bist doch auch noch in einem Schockzustand.Es ist schön dass du einen Freund hast der dir zur Seite steht.
Ich schicke dir einen stillen Gruß
Erika

url=http://www.animaatjes.de/bilder/trauer/1/trauer00084.gif]http://www.animaatjes.de/bilder/t/tr...rauer00084.gif[/url]

Kyria 18.02.2009 14:27

AW: Paps
 
Hallo Ypsi,

auch von mir meine herzliche Anteilnahme.

Die Geschichte von Deinem Paps habe ich von Anfang an mit verfolgt. Habe immer ein bißchen mitgebangt und war froh darüber, wie gut Ihr alles regeln konntet, trotz der eher schwierigen Ausgangsbasis.

Toll, daß es Dir und Deiner Mama gelungen ist, Deinen Papa so hilfreich gemeinsam durch die schwere Krankheitszeit begleiten zu können. Wie schön, daß Dein Papa Euch so viel Vertrauen entgegen gebracht hat und die ganze Zeit über so gut mit Euch kooperiert hat.

Du hast sehr viel geleistet in dieser Zeit. Bist bestimmt öfter über Deine Grenzen hinaus gegangen. Hast wochen- und monatelang zugleich Deinen anstrengenden Beruf und die Betreuung Deines Papas ausgeübt und organisiert.
Kein Wunder, daß Du jetzt sowohl erschöpft als auch erleichtert bist. Dein Körper holt sich nun, was er braucht: Schlaf ohne Limit und auch Deine Seele kann endlich entspannen.

Mach`Dir bitte keinen Druck: Die Trauer wird kommen, wenn die Zeit dafür reif ist. Erst muß sich Dein Körper und Deine Seele ein wenig regenerieren, um sich dann in Ruhe dem Trauern widmen zu können.

Außerdem: Jeder trauert auf seine eigene Art und Weise. Dankbarkeit und Erleichterung darüber, daß der Verstorbene nun nicht mehr leiden muß, sind meist ein Teil der vielen Gefühle, die den Trauernden bewegen.

Ich wünsche Dir alles, alles Gute.

Liebe Grüße
Kyria

Ypsi 19.02.2009 12:30

AW: Paps
 
Ich danke euch von Herzen für eure Worte!
Tut mir Leid, mehr kann ich im Moment nicht schreiben.
Morgen ist die Trauerfeier für Paps, das wird ein sehr sehr schwerer Tag.
Ypsi

pialotte 19.02.2009 19:20

AW: Paps
 
Liebe Ypsi,
auch von mir mein allerherzlichstes Beileid zum Verlust Deines Vaters.
Mein Vater ist am 27.9.2008 gestorben an Lymphdrüsenkrebs.

Ich kann gut nachempfinden wie Du Dich fühlst.
Du musst Dich gar nicht schämen...

Jeder trauert auf seine Weise. Das ist so!

Als ich am 27.9. den Anruf eines Freundes bekam,
der bei meinem Vater war als er starb,
habe ich auch nur eine enorme erleichterung gespürt.
Ich war sehr erleichtert und auch sehr erschöpft.
Das Jahr 2008 war sehr anstrengend, ich war viel bei meinem Vater
und die letzten Tage habe mir und meinen Geschwistern wirklich
die letzte Kraft geraubt.
Ich habe auch einfach nur funktioniert, alles geregelt.

Mein Leben ging normal weiter. Es hält ja nicht an...
Ich habe einen lieben Freund, liebe Familie und viele Freunde,
die für mich da waren/sind.

Vielleicht habe ich mich auch gesträubt vor einer großen schmerzenden Trauer,
man weiss es nicht.

Heute, knapp 5 MOnate später, zieht es mich manchmal sehr runter
und ich bin sehr traurig. Aber das ist auch gut so.

Ich habe mir immer gesagt, dass es besser so ist für meinen Vater,
nun kann er ein besseres Leben führen, keine Schmerzen mehr haben.
Das ist doch das wichtigste oder?!

Ich wünsche Dir für morgen ganz viel Kraft. :pftroest:

Lg Pialotte

Lissi 2 20.02.2009 08:31

AW: Paps
 
Liebe Ypsi,
mögen Dich heute ganz viele :engel: durch diesen schweren Tag begleiten, meine Gedanken werden es tun. Ich wünsche Dir Kraft, viel Kraft.
LG
Lissi

Taddl 20.02.2009 09:13

AW: Paps
 
Liebe Ypsi,

ich wünsche dir für den heutigen Tag viel Kraft. Für mich war der Tag der Trauerfeier auch die Hölle. Ich habe geheult, wie ein Schoßhund. Da stand der Sarg und ich wusste mein Vater war drin. Und das erste mal im Leben wusste ich sogar, welche Unterhosen er trug.

Für deine Gedanken brauchst du dich nicht zu schämen, ich glaube wir tuen das alle. Mir geht es auch oft so.

Diese Verwirrung von der du sprichst, kenne ich auch. Ich stand im Supermarkt und wusste gar nicht was ich da wollte, geschweige denn was ich essen sollte. Ich fühlte mich wie total fehl am Platz.

LG Taddl

Ypsi 23.02.2009 11:01

AW: Paps
 
Guten Morgen,

und ich muss sagen, es ist wirklich ein guter Morgen.
Die Trauerfeier am Freitag war schlimm und gleichzeitig schön. Ich bin dankbar dafür, dass wir einige Tage dazwischen hatten und wir uns so insbesondere für den Trauerredner viel Zeit nehmen konnten. Er hat das ganz wunderbar gemacht. Als dann das Lied eingespielt wurde... City, Am Fenster, das mochte Paps sehr gerne und hat dazu immer mit mir auf dem Arm getanzt. Ist vielleicht ein etwas ungewöhnliches Lied, aber es ist ja für ihn gewesen, nicht für wen auch immer... Mir liefen die Tränen und gleichzeitig musste ich lächeln, weil dieses Bild in meinem Kopf war: ich bei Paps auf dem Arm.
Schlimm war dann die Verabschiedung. Das Mitgefühl der Trauergäste hat meine Ma und mich ziehmlich überwältigt.
Traurig war, dass keiner seiner Geschwister da sein konnte. Gut, drei von Ihnen sind selbst krank und wohnen zwischen 600 und 1300 km weit weg. Aber zwei Schwestern wohnen 10min. entfernt. Das trifft schon tief. Ich habe meine Ma versucht zu trösten, in dem ich ihr sagte, dass die beiden ganz alleine damit klar kommen müssen - nicht wir. Keine von beiden war jemals bei ihm während seiner Krankheit, keine von beiden hat auch nur einmal angerufen.Ich weiß, dass meine Worte sehr hart sind, aber ich habe auf deren Anwesenheit keinen Wert gelegt. Eine Schwester, die am weitesten weg wohnt, war zweimal bei ihm, obwohl die Reise für Sie und ihren Mann eine große Anstrengung war. Das allein zählt!
Um meine Ma mache ich mir Sorgen. Ich habe Angst, dass sie in ein großes Loch fällt, wenn irgendwann einmal die organisatorischen Dinge erledigt sind. Andererseits weiß ich, dass sie sehr stark ist. Von Paps wurde sie schließlich auch immer unterschätzt. Tut mir leid, Paps, aber das weißt Du ja selbst...
Danke fürs zulesen
Ypsi

elisabeth2 23.02.2009 11:18

AW: Paps
 
Liebe ypsi
lass dich umarmen bin in gedanken bei dir/euch elisabeth2

Susanne1969 23.02.2009 11:58

AW: Paps
 
Liebe Ypsi

Mein herzliches Beiledi zum Tod Deines Papas.

Ich habe meine Mama am 15.01. verloren, sie hat über 3 Jahre gegen Blasenkrebs gekämpft.

Ja wie ist das mit der Trauer, ich erlaube mir, Pialotte zu zitieren, ihre Worte treffen meine Gefühle ziemlich genau:
Zitat:

Zitat von pialotte (Beitrag 681844)
Mein Leben ging normal weiter. Es hält ja nicht an...
Ich habe einen lieben Freund, liebe Familie und viele Freunde,
die für mich da waren/sind.
Vielleicht habe ich mich auch gesträubt vor einer großen schmerzenden Trauer, man weiss es nicht.
Ich habe mir immer gesagt, dass es besser so ist für meinen Vater,
nun kann er ein besseres Leben führen, keine Schmerzen mehr haben.
Das ist doch das wichtigste oder?!

Meinem Vater geht es soweit gut. Seiner Cousine hat er erzählt dass die Zeit vor Mami's Tod ja auch schwierig für ihn gewesen ist. Meine Mutter ging ja kaum noch raus, entweder war sie im Spital oder sie musste regelmässig zur Behandlung (Chemo/Bestrahlung).
Die letzten 3 Monate mochte sie nicht mal mehr mit zum Einkaufen.
Ich bin froh dass er bereits wieder viele Kontakte aufgenommen hat. Und ich hoffe dass das auch in Zukunft so bleibt und dass wir vom "grossen Loch" verschont bleiben

ich wünsche Dir viel Zuversicht für die kommende Zeit.
Susanne

Ypsi 09.03.2009 11:01

AW: Paps
 
Ihr Lieben,

eure Worte tun sehr gut.
Vier Wochen. Es fühlt sich viel länger an. Ich habe lange überlegt, ob ich das hier schreiben kann: es geht meiner Ma und mir gut! Das vorherrschende Gefühl ist Erleichterung. Erleichterung darüber, dass es Paps nun gut geht. Ich schlafe noch immer gut. Es ist kein Loch in Sicht.
Bitte versteht mich nicht falsch. Es ist einfach so, dass Paps nicht so leben wollte, wie sein Leben in den letzten Wochen, den letzten zwei Monaten seiner Krankheit war. Vielleicht haben wir alle bereits in dieser Zeit Abschied voneinander genommen. Deshalb bin ich nach wie vor unendlich dankbar dafür, dass wir als Familie wieder zueinander gefunden haben. Diese Chance bekommen nicht viele. Ich kann mich nur wiederholen, ich bin dankbar für diese Zeit mit Paps. Vielleicht ist dieses Wort ein bisschen zu "groß", aber ich bin auch demütig geworden.
Ich schäme mich fast ein bisschen dafür, hier so positiv zu schreiben. Ich lese eure Beiträge, fühle wie viele hier in tiefen Löchern der Trauer stecken und ja, ich schäme mich ein bisschen, weil es uns, weil es mir nicht so geht. Mein Bild vor dem inneren Auge ist, dass Paps und sein kürzlich verstorbener Bruder wieder zusammen sind und ihr Bierchen miteinander trinken...
Danke fürs lesen und danke, dass ich hier so offen sein darf!!
Ypsi

Susanne1969 09.03.2009 15:24

AW: Paps
 
Liebe Ypsi

Ja natürlich darfst Du hier offen schreiben!

Ich kann Deine Gefühle sehr gut nachvollziehen. Mir geht es ähnlich, ich bin immer noch sehr erleichtert dass meiner Mama so viel erspart wurde. Ich glaube nicht dass sie die geplante Chemo durchgestanden hätte. Und ich bin immer mehr davon überzeugt dass sie nicht mehr die Kraft zum kämpfen hatte.

Mein Vater hat schon bald nach der Beerdigung Mamas Kleider an ihre Schwester verschenkt. Sie hat nicht so viel Geld und brauchte neue Kleider und ich war sofort einverstanden dass sie die Kleider meiner Mama erhält. Sie hat sich sehr darüber gefreut. Und so ist auch allen gedient:)

Ich hoffe mit Dir dass uns das "grosse Loch" erspart bleibt. Es ist wohl einfach so dass jeder Mensch anders trauert. Es ist ja nicht so dass wir die Verstorbenen vergessen und einfach weiterleben. Es gibt viele Situationen bei denen ich an meine Mama denke.

Alles Liebe
Susanne

Stefans 09.03.2009 16:01

AW: Paps
 
Hallo Ypsi,

Zitat:

Zitat von Ypsi (Beitrag 694807)
Ich schäme mich fast ein bisschen dafür, hier so positiv zu schreiben. Ich lese eure Beiträge, fühle wie viele hier in tiefen Löchern der Trauer stecken und ja, ich schäme mich ein bisschen, weil es uns, weil es mir nicht so geht.

Musst du nicht! Meine Frau ist am 3.01. gestorben, und 8 Wochen lang ging es mir so gut, dass es mir auch schon fast peinlich war. Aber das "Loch" kommt irgendwann bestimmt noch. Trauer und Verzweiflung halten sich an keine "Zeitplanung". Mir ist erst seit gut einer Woche so richtig bewusst geworden, dass meine Frau, mit der ich über 20 Jahre zusammen war, nun weg ist und nie mehr wieder kommt. Und seither komme ich aus dem Heulen nicht mehr raus. Ist wohl halt jetzt die Zeit dafür :-(

Viele Grüße,
Stefan


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 08:35 Uhr.

Powered by vBulletin® Version 3.8.7 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2026, vBulletin Solutions, Inc.
Copyright © 1997-2025 Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V.