Liebe Jäcky,
Diese Krankheit Krebs nimmt uns so viele schöne Dinge vom Leben weg.
Es ist zum verrückt werden. Wenn man diese Diagnose bekommt, fällt man in ein bodenloses Loch. Es geht immer tiefer und tiefer. Dabei ist es wichtig dem Krebs in die Augen zu schauen. Alles zu versuchen das Wachstum aufzuhalten, sich mit Chemo und Bestrahlung zu quälen. Morphium in sich aufzunehmen, Schlafmittel zu schlucken, über eine Magensonde ernährt werden. Man hält sich an diesem einen goldenen Faden fest.
Bevor mein Mann an Krebs erkrankt ist, kannte ich mich wirklich nicht aus mit Krebs . Ich wollte sowas nie an mich heranlassen.
Gerade sieht es bei mir zu Hause so aus. Ich sitze am Krankenbett meines Mannes. Er bekam im Febr. 2012 die Diagnose. Ich passe auf ihn auf, damit er nicht alleine den Weg zur Regenbogenbrücke gehen muss. Ich begleite ihn. Er liegt im Sterben. Ich hoffe so sehr, das es gleich passiert. Ich Wünsche es mir für ihn von ganzen Herzen. Er hat alles mit sich machen lassen. So wie Jeder krebspatient hier . Was ich für schlimm empfunden habe ist die Tatsache, das es einen Tag gab, wo man gesagt bekommt:" wir brechen alle Behandlungen ab."
Alles umsonst ? Alles für die Katze ?
Liebe Jäcky, heute weiß ich die Antwort. Und ich brauchte sehr lange um zu begreifen, das es keine Hilfe mehr gibt. Unsere Tochter ist der gleichen Meinung. Wir haben Glück sehr offen umgehen. Wir sprechen eigentlich über alles. Und vorallem in einer solchen Situation ist es wichtig über Gefühle,Ängste,Gedanken zu reden.
Dadurch ging es uns besser. Zumindest bekamen wir wieder Kraft um meinen Mann und Lisas Papa weiter zu begleiten. Das loslassen müssen wir entscheiden. Wir müssen unseren Liebsten sagen, das sie gehen dürfen. Auch wenn es sehr schwer fällt. Wir müssen es tun. Ich trage meinen Teil der Verantwortung, das mein Mann keine oder nur wenige Schmerzen hat. Ich bin immer bei Ihm. Ich lasse ihn nicht alleine. Lisa nimmt seine Hand und plaudert mit Papa. Er spürt es. Er atmet ruhig und flach. Lisa meinte Heute:" Mama , Papa genießt unsere Streicheleinheiten." ich mußte lachen. Weil Lisa recht hatte.
Wir denken so, weil wir losgelassen haben. Weil wir gesagt haben er darf gehen.
Das sagt sich nicht einfach so. Denn man denkt zurück an die Zeit, wo die Behandlungen begonnen haben. Ich habe oft Bilder verglichen. Es sah mitten in der Behandlung mal so aus, als wäre alles gut. Wer glaubt dann in diesem Moment daran, das die Behandlung irgendwann abgebrochen wird und man zum sterben nach Hause geht ?
Unsere Gefühle fahren Achterbahn. Immerwieder aufzustehen, einen neuen Schritt zu machen und durchzustarten raubt viel, viel Kraft. Und doch schaffen wir es. Weil wir es wollen liebe Jäcky.
Ich schicke dir ein doppeltes Kraftpaket, aus tiefstem Herzen schicke ich und Lisa dir dieses Paket, möge es dir die Kraft geben um zu verstehen, durchhalten und damit umzugehen.
Liebe Grüße von
Grit mit Lisa an der Seite und Mann und Papa Jürgen fest an der Hand auf dem Weg zur Regenbogenbrücke