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Alt 13.02.2013, 23:11
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HeikesFreundin HeikesFreundin ist offline
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Standard AW: Ich habe Dich im Stich gelassen......

Liebe Edda,

daran, was Du schreibst sehe ich schon sehr,
wie aufgewühlt Du bist - sehr verständlich bei allem,
was Du derzeit trägst.

Zitat:
Deine Freundin Heike war auch im Koma?
Nein, Heike war nicht im Koma.
Zitat:
Wie heisst das Buch, das Du geschrieben hast?
ICH schreibe grad zwar an einem, aber ICH habe nicht DAS Buch geschrieben,
von dem ich hier spreche. Das Buch hat meine Freundin geschrieben, die nach einem
Schlaganfall im Koma lag. Den Titel des Buches schicke ich Dir gleich per PN.
Zitat:
Ein Arzt sagte , er würde Panik haben, ein anderer, er würde Tranqulizer
dagegen erhalten.
Es kann schon sein, dass beide irgendwo recht hatten -
es kommt ja immer darauf an, wohin man den Focus lenkt.
Jeder Mensch, der erfährt oder begreift oder auch mitgeteilt bekommt, dass sein
Weg wahrscheinlich bald zuende sein wird, gerät irgendwann auf seinem Weg in eine
Art Panik - Panik über verschiedenste Dinge.
Da kann so vieles in ihm vorgegangen sein ...

Zitat:
Was ist da passiert??
Ich werde es nie begreifen, verstehen oder tolerieren. Es zerfrißt mich.
Was genau da abläuft, kann ich Dir leider nicht erklären - ich selber lag ja glücklicherweise
nie im Koma. Aber wenn ich meiner Freundin Glauben schenken darf (und das möchte ich,
da sie ne ehrliche Haut ist) dann wäre die Schlussfolgerung: er hat sich so entschieden.
Meine Freundin spricht immer von "der Entscheidung aufzuwachen" und dass sie sich selbst entschieden hat.

Unter diesem Gesichtspunkt wäre es dann so, dass Dein Franz sich so entschieden hat -
sich also angesichts der Prognose (Schwerbehinderung, Pflegefall) entschieden hat, dass
er ein solches Leben für sich und auch Dich nicht möchte. Kannst Du Dir vorstellen, dass
auch Du in seiner Situation vielleicht so entschieden hättest?
Zitat:
Er bekam eine Art Maske mit Druckluft, es muss eine unendliche Tortour
gewesen sein, es liefen ihm die Tränen runter........... aber wie gesagt, er
redete ganz normal.
Es muss ganz furchtbar für Dich gewesen sein, das alles
mit anzusehen . Ich glaube, solche eine Maske wäre auch für mich eine Tortour - auch
wenn sie eigentlich etwas Gutes bewirken soll ...

Zitat:
Die Ärzte sagten, das Tacalimus (modernes Antisupressivum wegen
Knochenmarkstransplantation) , habe ihn "irre" gemacht, es scheidet sich
langsam aus und hätte eine Enzephalitis hervorgerufen.
Das kann aber schon sein ...
Es sind eh schon keine Körpereigenen Abwehrkräfte da, dann Immunsuppressiva - der geschwächte
Körper hat eh schon so viel zu kämpfen. Und dann eine Enzephalitis in diesem Gesundheitszustand zu
behandeln ist sicher alles andere als leicht.

Zitat:
Er wäre ein Pflegefall#
geworden, hätte er es geschafft, mit schwerster geistiger Behinderung.
.... und er
wußte ganz sicher, dass DU ihn dann aufopfernd gepflegt hättest bis Du nicht mehr gekonnt hättest.
Vielleicht wollte er das nicht?

Zitat:
Er war aber doch noch normal, bevor er ins Koma gegangen ist.
Ja, das ist gut möglich und glaube ich Dir auch. Aber nicht Du und auch nicht ICH
(und wahrscheinlich nicht einmal die Ärzte) wissen, ob er die Enzephalitis nicht auch ohne
das künstliche Koma entstanden wäre und ob Dein Schatz es dann überlebt hätte.

Natürlich würde ich Dir und ihm das wünschen, wenn es denn jetzt noch eine Umkehr gäbe ...
aber Du und ich wissen, dass wir uns all das noch so sehr wünschen können ...

Was ich Dir ans Herz legen würde ist:

Wenn Du jemanden hast, der emotional nicht so sehr betroffen oder involviert ist - vielleicht
fährst Du mit demjenigen nochmal zum Krankenhaus
und bittest den Arzt Dir das, was passiert ist nochmal SO zu erklären, dass Du es verstehen kannst.

Rückgängig kann das Geschehene leider niemand machen -
aber vielleicht hilft es Dir, zu akzeptieren, wenn Du besser verstehst,
was da passiert ist?

Dass Dich die Fragen quälen versteh ich
aber:
Zitat:
irgendwie habe ich schwerste Schuldgefühle
Dazu möchte ich Dir noch etwas schreiben:

ich bin überzeugt - wenn Franz das alles schwerstbehindert "überlebt" hätte, bei jeder
Spritze weinen würde, weil er das er Zufügen von Schmerz dabei nicht mehr begreifen
könnte, wenn er ohne Aussicht auf irgendeine Besserung noch 10 Jahre in Deinem/Eurem
Wohnzimmer in einem Pflegebett liegen würde - obwohl er das nie gewollt hat ... wenn also
Dein geliebter Franz "geblieben" wäre, nicht weil er selbst noch Mut hätte, sondern damit Du
nicht so traurig bist ... glaube mir, dann wären Deine Schuldgefühle noch viel schlimmer.
DAS hättest Du ganz sicher alles für ihn in Kauf genommen und in euer Leben integriert -
aber noch viel weniger für ihn gewünscht und gewollt.

Liebe Edda - ich wünsche mir für Dich so sehr,
dass Du Deiner Trauer Ausdruck verleihen lernst
und lernst, Deinen Franz "loszulassen", damit er
und auch Du frei sein könnt von dieser Schwere.

Die Liebe bleibt - für immer.

Dein Franz hat in Dir eine tolle Frau gefunden,
er wußte schon warum

Angie
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... meine Freundin Heike ist am 24. Mai 2010 mit 48 J ganz friedlich für immer eingeschlafen ...

... meine liebe Freundin Lilli44 - auch Du hast für immer Deinen Platz in meinem Herzen ...


... I`ll see you when the sun sets!!!
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