AW: Mein Papa hat Lungenkrebs und Knochenmetastasen
Hallo Ihr Lieben,
ich war lange nicht mehr hier... ich war 3 Wochen zur Reha, in der ich viel Kraft geschöpft habe, mich ganz gut entspannen konnte und viele nette Menschen kennengelernt habe. Ich habe jeden Tag öfters mit meinen Eltern telefoniert. Papa ging es die ganze Zeit recht gut, so daß ich mir keine weiteren großen Sorgen machen mußte. Nun bin ich wieder zu Hause und alles holt mich ein - die Angst um ihn, die Sorgen, ich fühle mich momentan so gelähmt irgendwie. Der Alltag hat mich wieder, arbeiten, nach Hause, ins Bett und dann wieder das gleiche von vorne.
Papa hatte ein bißchen dickere Backen bekommen, wahrscheinlich vom Cortison. Essen tut er noch wie eh und je aber die Schmerzen im Bein werden immer schlimmer, er nimmt jetzt die Höchstdosis Novalgin-Tropfen, 4 x tgl.
Anfang April war das 1.Kontroll CT und einen Tag danach die Besprechung beim Onkologen. Meine Mum war dabei. Dieser meinte, er wäre zufrieden mit dem Ergebnis, der Tumor wäre in "Schacht", jedoch sollte nun mit den Bestrahlungen angefangen werden, d.h. erstmal eine längere Chemo-Pause, denn beides zusammen würde er nicht schaffen. Er war auch schon in der Klinik zum erneuten Gespräch, wo das gemacht werden soll. Dieser Doc meinte dann, dass der Tumor ein bißchen kleiner geworden wäre, auch die Lymphmetas in der Lunge sind weniger, jedoch sind die Metas in den Knochen am Bein erheblich mehr geworden, das war erstmal ein Schock, da dies der Onko nicht gesagt hatte. Die Bruchgefahr ist wohl ziemlich hoch, auch wenn Papa keine Treppen läuft, also auf ebener Fläche.
Wir haben solche Angst, dass er sich was bricht... er hatte jetzt 3.Zyklen Chemo, jetzt ist ihm auch schlecht davon und er hat Kreislaufprobleme. Er versteht das alles gar nicht, will es nicht wahrhaben und siniert. Er liegt dann im Bett, weil er zu schwach ist, um aufzustehen und hadert mit dem Leben. Er möchte nicht mehr leben... und ich kann ihm einfach nicht helfen... ich sehe seine Traurigkeit in seinen Augen, es tut so unendlich weh. Wie soll das nur noch werden !?!?!? Ich will nicht, dass er leidet, ICH WILL ES NIIIIIIICHHHHHHT!!!!
Er ist dann auch aggressiv und schlecht gelaunt und läßt alles an Mama und mir aus - irgendwie verständlich - aber unsere Nerven liegen auch blank und wir sind sowieso nahe am Wasser gebaut. Und alles können wir uns auch nicht gefallen lassen, manchmal müssen wir ihn in die Schranken weisen..
Er sagt, es ist alles nur noch ein dahinvegitieren, warum kann man es nicht einfach beenden ? wenn er so redet, reißt es mir das Herz aus der Brust. Ich kann ihn verstehen und ich hab solche Angst, vor dem, was noch kommt.
Er hat den Onkologen wieder gefragt, wie lange er noch hat, dieser meinte, dass wir dieses Jahr noch schaffen... erstmal für uns eine tolle Nachricht, da wir daran eigentlich nicht mehr geglaubt haben - auf der anderen Seite: wie werden die Monate ??? er soll einfach nicht leiden... hört sich vielleicht blöd an aber da müssen wir an ihn denken und nicht an uns: was "nützt" es, wenn er an Weihnachten noch bei uns ist und womöglich ein Pflegefall ? Er will auf keinen Fall bettlägrig werden, das wäre das allerschlimmste für ihn.
Ich hab so eine Wut auf diesen Sch... Krebs !!! zur Zeit weine ich wieder viel, es macht mich fertig. Noch immer habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich mit Freunden treffe.. zu Hause liegt mein sterbenskranker Papa und ich lache mit Freunden - wie ungerecht. Und doch muß ich mal raus. Es ist ein Spagat, den ich da machen muß :-(
Wir hoffen auf die Bestrahlung, dass die den Knochen wieder aufbaut und die Schmerzen weniger werden - das ist die einzige Chance. Der Doc meinte, dass es in vielen Fällen klappt. Ich möchte, dass wir bei diesen Fällen sind. Allerdings fürchte ich schon wieder, was der Tumor macht, wenn er 4 Wochen Chemo-Pause hat - legt er gleich wieder los ?
Es ist irgendwie so unberechenbar...
Heute war Papa mit Mama an einem Geburtstag bei einem Freund von ihnen. Zuerst war ich nicht sooo begeistert, weil da so viele Leute sind und evtl. Viren durch die Gegend fliegen. Aber Papa muß ja auch mal raus. Sie sind gerade heimgekommen und Mama hat gemeint, es hat Papa so gut getan, sie hat ihn endlich wieder lachen gesehen :-) *freu*
Am liebsten würde ich ihn jeden Tag heulend in den Arm nehmen und schreien, daß ich nicht will, dass er stirbt !!!!!!! Aber ich reiße mich zusammen... ich darf ihm das so nicht zeigen, das macht ihn nur noch trauriger...
Ich werde jetzt zu ihm gehen und ihm gute Nacht sagen, in der Hoffnung, er sieht nicht, dass ich geweint habe...
Liebe Grüße an Euch,
Myri
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Mein Papa - Adenokarzinom mit Knochenmetastasen, Stadium IV, ED 01/2013
in Frieden eingeschlafen am 12.03.2014 - ich werde Dich nie vergessen
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