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Alt 26.09.2004, 18:24
Gast
 
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Standard Sterben , jeden Tag ein bißchen mehr

Liebe, liebe Verträumte und Monika
lieber Andi

Unsere liebe Heike - es tut uns wahnsinnig leid, dass der Tumor nicht so will wie du und die Ärzte aber auch wir hier es alle uns wünschten. Aber wie Monika gesagt hat, stecken wir jetzt alle zusammen, und da geben wir die Rückenwind wie Engelsflügel, dass die Therapie B nun endlich anschlägt. Erhole dich die nächsten 4 Wochen damit du gestärkt an "Plan B" ran kannst, siehe es Positiv, dass es noch eine Plan B oder gar C (Chemo) gibt. Da bist du in der Lage aktiv ran zu gehen und musst nicht einfach passiv auf irgend etwas "warten". Entscheide dich noch nicht ob je wieder eine Chemo in Frage kommen soll oder nicht, warte mal die ersten Schritte ab und bau erstmal auf diese.

Lass dich wegen deiner Chefin nicht zerstören, denke einfach "denn sie wussten es nicht besser" und "wussten nicht was sie taten". Sie ist es nicht der Wert sich darüber kaputt zu machen, du bist es aber der Wert sich um deine freudnschaft zu bemühen, denn dein Herz, deine Gedanken und deine mit diesen ganzen Schicksalsschlägen gewonnene Lebensweisheit hat dich zu einer speziellen, reifen, überlegten und ganz liebevollen Person gemacht. Das muss deine Chefin erstmal erreichen. Du darfst mit stolz auf sie runter sehen und von dir sagen ich bin an etasem gewachsen, dass wirst du wahrscheinlich nie erleben "dürfen". Du bist so derart gewachsen und stark geworden, da wird sie noch lange nicht mit dir mithalten können. Ja wahrscheinlich nie.

Diese Ängste, die Angst dir rinnt die Zeit wie Sand durch die Finger, darüber spricht Willy sehr oft. Es gibt Tage oder gar Wochen wo es nicht so präsent ist und dann je nach bericht ist es genau die Art der Gedanken die ihm auch den Boden unter den Füssen nimmt und er sich nur mühsam hochrappeln kann. Er sagt auch, dass er oft nicht einmal weiss wo anzufangen seine wenige Zeit noch sinnvoll einzusetzen, denn die Termine die machen nach wie vor Terminjagt und doch weiss er es ist viel noch zuerledigen. Er hat aber auch Angst wenn er alles erledigt haben soll (gerade das Bürokratische, die Versorgung von sich, seinen Tod und das Danach und uns), dass es dann ganz schnell gehen könnte, und dieses Schnelle möchte er nicht mit dem Erledigen noch beschleunigen. Er sagt es ist wie ein Wespennest im Kopf, der ein rationelles und sortiertes Denken verhindert.

Auch der Umgang mit diesen Ängsten ist für uns Angehörige nicht einfach, lässt die Ohnmacht noch stärker wirken und löst immer wieder vonneuem unsere eingene Ängste aus, denn auch wir haben Angst davor, dass unsere Zeit mit unserem Geliebten schwindet und nur noch ein Bruchteil von dem ist, was man sich als man heiratete sich gewünscht hatte, nämlich gemeinsam alt zu werden. Gerade jetzt wo unser 25. Hochzeitstag naht (2.11.) werdne diese Gedanken immer deutlicher. Willy hat sich als Ziel gesetzt seine Enkel kennen zu lernen, was ja meinem Daddy nicht gegönt war, und doch sind die Chancen realistisch gesehen sehr schlecht.

Versteht ihr was wir meinen? Ist nicht einfach zu erklären.

Liebe, liebe Monika

Kannst du mir deine E-Mail Addy auf unsere legen (liz.isler@gmx.ch). Hatte Probleme mit der Adresseverwaltung und habe einige verloren.

Was der Familie deines Freundes zugestossen ist, ist ein Alptraum. Alle hängen in der Luft und dem Kleinen droht sogar noch ein Umzug und ein herausreissen aus dem ganzen Umfeld. Entsetzlich. Du hast gesagt er sei 11, auch ich war 11 als mein Daddy starb, somit kann ich mir gut vorstellen wie es ihm geht, das unfassbare irgendwie fassbar zu machen dass er nicht mehr kommt, Er ist doch gesund weggefahren und kommt einfach nicht mehr. Wichtig ist, dass er ganz gut betreut wird um dieses Trauma zu verkraften. Sind, auch wenn wir sie nicht kannten, in Gedanken bei dieser Familie und natürlich dir und Wolfgang.

Die Erfahrungen die du mit Freunden gemacht hast, decken sich mit denen wir gemacht haben, auch, dass am Anfang alle sich um Willy sorgten und nun da er "immer noch lebt" haben sie eindeutig Mühe mit dem umzugehen. Bei Personen die noch nie in einer solchen Lage waren, weder im Verwandten- noch Bekanntenkreis ist es irgendwie verständlich, dass sie sich nicht einfühlen können, weit schlimmer finden wir es, dass es sogar hier stattfindet.

Unverständlich ist aber, dass Personen die man gar über einige Jahre hinweg gesehen, zusammen etwas unternommen hat und sie dadurch ein Teil deines Lebens geworden sind, dich und deiner Familie nicht einmal einen Gedanken schenken können wenn es heisst defintiv Abschied zu nehmen von ihnen. Diese Kälte die geht uns durch Mark und Nein und lässt uns nur staunen ab soviel Gefühlskälte, Gleichgitigkeit und purem Egoismus. Wir sind ja im Vorstand mehrerer Vereine und am Donnerstag ist eines unserer Mitglieder gestorben (auch LK). Wir haben viele schöne und leidvolle Stunden verbracht, so ist es für uns völlig normal und selbstverständlich, dass wir ihn auf seinen letzten Weg begleiten. Auch für seine Frau und den Kindern ist es wichtig. Genauso wichtig ist is es für uns auch nachher da zu sein und nicht einfach die Freundschaft die sich entwickelt hat abbrechen zu lassen nur wiel ein Teil fehlt (beide waren/sind Mitglieder).

Das mit dem Feiern an Beerdigungen oder danach, ob es jetzt die Beerdigung selbst ist oder die von dir erwähnte Geburtstagsfeier die zur "Nichtteilnahme an der Peerdigung" der Personen führte, ist eh eine Sache für sich. Die Beerdigung meines Vaters war für mich ein Horror. Wir Kinder durften weder von ihm Abschiednehemn als er noch lebte, noch danach an der Beerdigung da wir gar nicht hin durften. Wir mussten zu Hause mit den beiden Köchinnen und dem Personal den Leichenschmaus fertig vorbereiten für die riesen Party. Wir Kinder hatten keine Möglichkeit um in uns einzukehren und einfach nur Abschied zu nehmen. ich erfuhr vor 2 Jahren, dass er nicht beerdigt wurde sondern auf See verstreut wurde. An sich stimmt diese Art für ihn und auch für mich, nur ich hätte es gerne gewusst. Aber in den 70er Jahren war das Kommunizieren mit den Kindern eh ganz anders hangeghabt worden. Zu sagen ist aber auch, dass in Künstlerkreisen die Uhr schon anders tickt!! Uns Kindern tat es aber gut, dass so viele kamen auch Menschen aus weit enfernten Ländern z.B. Maharajas aus Indien, Freunde und Verwandte aus Israel, Canada, Amerika, Südafrika und Europa etc. Nur seine eigen Mutter konnte nicht kommen, das sie nicht mehr reisefähig war, er starb als jüngster Sohn an ihrem eigenen Geburtstag.

Wir sind der Meinung wenn jemand einen anderen Termin wie eine Geburtstagsfeier etc vorschiebt und deshalb nicht an die Trauerfeier gehen will, der braucht diese "ausrede" termine um sich nicht mit seinem eigenen Tod oder der seiner Angehörigen auseinander zusetzen, das selbe denken wir wenn ein Leichenschmaus zu einer Party ausartet.

Lieber Andi - du hättest es nicht treffender sagen können. Danke für deine feinfühligen Worte, sie tun in einer Zeit wo man wie Monika und Verträumte aufs massivste nur noch verletzt wird einfach gut, sind Seelenbalsam und Kraftgeber zugleich. Ein spezielles Danke an dich.

Nun liebes Verträumte, viel, viel Kraft, ein spezieller Kraftschub an dich von Herzen, Dir Monika viele liebe Gedanken und allen viel, viel sonnigen Gedanken.

Eure fix und fertigen, wahnsinnig enttäuschten, verletzten und traurigen

Liz und Willy
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