Sterben , jeden Tag ein bißchen mehr
Hallo, liebe Leute,
durch die Krankheit meines Mannes, bin ich auf diesen Seiten gelandet. Unsere "Geschichte" findet iht unter "neuro-endokrines Karzimom".
Über die Zeit der Krankheit und des Sterbens meines ersten Mannes (vor 20 Jahren), sagte meine Tochter später:"In der Zeit als Vati krank war und gestorben ist, haben wir das Schwimmen gelernt". Ich (damals 35 und unseren 4 Kinder 6-13 ) habe die Krankheit und das Sterben meines Mannesals sehr intensiv erlebt und begleitet. Wir konnten die Zeit , die uns blieb sehr ehrlich und aktiv miteinander gestalten und wir haben eine große Nähe und Vertrautheit erlebt. Mit meinen Kindern konnte ich offen umgehen und ihnen die Chance geben, zu begreifen, daß ihr Vati mit der Krankheit nicht leben konnte. Mein Jüngster sagte am 10. Todestag seines Vaters zu mir."Mutti, eigentlich haben wirs doch gut, wir haben das Schlimmste durchgestanden, was einem Menschen passieren kann und wir sind immer eine glückliche Familie geblieben. Was kann uns eigentlich noch passieren?" Es hat mich immer getröstet, dass meine Kinder mit dieser Gewissheit ins Leben gehen konnten.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für Angehörige und vor allem auch Kinder viel schwerer ist, eine Ahnung zu haben, aber keine Antwort zu bekommen. Sie fühlen sich ausgeschlosse, nicht ernst genommen und mit ihrer Angst alleine. Natürlich möchte man Kindern solche schweren Belastungen ersparen, aber sie wachsen an diesen Herausforderungen und ihre Erfahrungen machen sie stark fürs Leben.
Die Krankheit meines jetzigen Mannes erlebe ich vollkommen anders. Er ist immer fröhlich und optimistisch und weigert sich, sich mit der Krankheit und damit in Zusammenhang stehenden Fragen auseinanderzusetzen. Er will keine Befunde oder Untersuchengsergebnisse wissen. Das überträgt er alles auf mich. Diese Situation ist für mich sehr schwer auszuhalten, weil ich mich von ihm damit alleine gelassen fühle. Vor allem fällt es mir schwer fröhlich zu sein, für die vielen Besucher, die bei uns ein und aus gehen, wenn mir das Herz schwer ist.
Inzwischen akzeptiere ich, dass mein Mann sich mit nichts Zusätzlichem belasten will. Die Krankheit, Untersuchungen und Therapien sind ja wirklich auch genug. Meine Kinder und zahlreiche Freunde sind für mich ein guter Ausgleich und Möglichkeit, meine Sorgen, Ängste und Fragen zu besprechen. Die Möglichkeiten dieses Forums sind für mich eine neue Art, unsere Situation zu bewältigen. Ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen und wünsche euch alles Gute.
Bis bald
Marie
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