Bye bye Dad, I love you .... Alfred 16.2.1972
Darling Daddy
Die letzten Wochen und die nächsten Tage sind wie ein böser Film, soviel kommt hoch, so viele Erinnerungen, so viele Fragen, soviel Hoffnung und Ängste. Irgendwie sind die Jahrestage an den es auch auf den Tag fällt, wie in diesem Jahr, weit härter weg zu stecken als wenn es nicht auf den Tag genau fällt. Seitdem Willy auch Lungenkrebs hat, ist es auch weit schwieriger zu akzeptieren, dass du nicht mehr da bist, die Erinnerungen an damals sind viel, viel präsenter.
Ich glaube das Vermissen, den Schmerzen des Vermissens wird man nie loswerden, er wird anders, aber loswerden kannst du ihn nie.
Am 28. Januar 1972 erfuhr ich was du hattest und dass es keine Hoffnungen gab. Sie wollten uns Kinder verschonen und haben nicht gesagt, wir wussten es geht dir schlecht, auch wenn man dir gegenüber immer wieder sagen mussten wie gut du aussiehst. Heute würde man in diesen Situationen ganz anders umgehen, damals war es halt noch so, dass der Tod absolut tabuisiert wurde. Wir, meine Brüder und ich, bedrängten J. uns endlich mitzuteilen was mit dir war, sahen wir doch, dass es dir immer schlechter ging. Du hattest sogar schon das Schlupfleintuch im Bett. Ich sehe immer noch vor mir wie wir auf der antiken Bank sassen und J. zur Rede stellten, wie sie uns endlich aufklärten und ich an diesem dunkeln, trüben Wintertag heulend, zitternd, verwirrt mein Fahrrad nahm und zu meiner Freundin Dinah fuhr. An diesem Nachmittag war nichts mehr so wie es war, meine Welt schien unter zu gehen. Ich war im begriff den einzigen wirklichen Halt in diesem fremden Land, weit weg von Mami und meiner Heimat zu verlieren. Ich kam mir vor wie ein Vogel mit gestutzten, verletzten Flügeln ohne Wind. Ihre Eltern versuchten mir Trost zu spenden, Hoffnung zu machen und gaben mir eine anlehnende Schulter die ich so dringend benötigte. Ich war unfähig meine Gedanken zu ordnen, hatte nur panische Angst dich zu verlieren. Nach Stunden des Weinens und Redens brachten sie mich heim. Die Tage danach wie auch dieser Freitag, waren für mich wie eine Gratwanderung im Nebel, wie im Trance ohne richtig erwachen zu können aus diesem bösen Alptraum.
Ich dachte nie im Leben, dass wir nur noch 19 Tage haben werden. 19 Tage um das ganze zu verstehen, alles zu sagen was wir zu sagen hatten und von dir Abschied zu nehmen. Wir hatten so keine Chance und du erst recht nicht. Warum nur?
Vieles wurde uns bewusst was in den letzten Monaten geschehen war, das Puzzle schien ein Bild zu werden. Wir waren so erfreut darüber, dass wir an Weihnachten besuch von Oma und Grossdaddy hatten, dass T. & Ch. kamen und viele weitere Freunde den Weg von überall auf der Welt zu uns fanden um uns zu besuchen, es war toll sie zu sehen. Heute weiss ich es waren die Abschiedsbesuche...... was für gute Schauspieler waren die Erwachsenen?!? Wir spürten zwar, dass irgend was war, aber wir konnten es nicht zum Ausdruck bringen. Wir wurden beruhigt und doch gab es ja gar nichts um beruhigt zu sein.
Vor 33 Jahren waren es nur noch wenige Stunden die du bei uns warst, und doch warst du schon so weit weg, denn ich habe nie mehr die Chance gehabt dich noch einmal zu sehen. Wir durften nicht mehr zu dir. Warum verstehe ich bis heute nicht. Aber auch auf dieses Warum werde ich wohl nie eine Antwort bekommen.
Am 16.2.1972 um 10.15, am Geburtstag deiner eigenen Mutti, bist du auf deine lange Reise ins neue Abenteuer gegangen und hast uns Kinder ganz alleine dagelassen. Wie oft wollten wir dir nachgehen, bei dir sein. Aber es ging nicht, 2 Welten trennten und trennen uns seither.
Die Tage danach waren sehr, sehr turbulent, es kamen so viele Menschen, viele kannte ich aber viele kannte ich nicht. Sie kamen von weiter her, von Indien, Australien, Kanada, Israel, Afrika, von Europa, und natürlich aus der Umgebung. Ich sehe heute noch vor mir die riesen lange Kolone von Autos als sie unser Haus verliessen um zur Abdankung zu fahren. Ich stand da und sah nur wie sie alle weggingen und ohne dich heim kamen zum Leichenschmaus. Wir bereiteten alles vor. Tage später wurde mir bewusst, dass alle Abschied von dir nehmen konnten, nur wir nicht. Wir wurden fälschlicherweise davor geschützt. Heute sehe ich es als Fehler, kann es aber nicht mehr ändern.
Ach Daddy wenn man nur die Uhr zurück drehen könnte....
I miss you so much darling Daddy. It hurts, it still hurts so much, why?
Vor ein paar Tagen habe ich ein Erlebnis gehabt, an dem hättest du nicht nur auch deien Freude gehabt wie wir es gehabt haben, sondern es wäre für dich einmal eine Inspiration gewesen.
Wir waren draussen in einem Park mit viele Gebüsche, Bäume, hohem Exoticgras und Wunder. Wir schlenderten durch den Park diskutierten über Gott und die Welt und vergassen die zeit. So richtig zeitlos zu leben tut so gut. da ewarst du Perfektionist drin, du hast dich nicht von Zeit bedrängen lassen. Es war bitter kalt und es begann zu regnen, bald darauf auch noch zu schneien, etwas was wir beide sehr gerne haben, bist du doch in den Bergen gross geworden. Es fing an einzudunkeln udn die wege waren dunkel ohne Strassenbeleuchtung. Weit her irgendwo im Hintergrund hörte man den Puls des Lebens, aber hier schien alles irgendwie still zu stehen. Ich nahm meine kleine Mini-Taschenlampe die ich immer bei mir habe aus meiner Tasche und fing an den Weg in Richtung Wäldchen und Ausgang zu erleuchten.
das Bild was wir da sahen, das wäre was für dich gewesen - wir haben ja so neue Taschenlämpchen als den Schlüsselanhänger, solche mit "blauem Licht". Regentropfen und später Schneeflocken tanzten vor uns hin und wurden zu den schönsten blauleuchtenden Sternen geweckt. Evergrennblätter und Tannennadeln verwandelten sich zu verzauberten, blaucht blitzenden hell erleuchtenden Gestalten die aus eine anderen Leben zu kommen schienen. Wir waren so verzaubert von diesem Anblick dass wir unser nachmittags Spaziergang bis weit nach Mitternacht ausdehnten. Ich war schon klitsche Nass und doch, ales war wie ein Traum, aus dme man nicht wach werden wollte. also war es auch egal. Erst als die batterie nicht mehr die Kraft hatte, gingen wir heim, tief drinnen waren wir von diesen Aiugenblicken, von diesen Anblicken so verzaubert, fasziniert und im Bann gezogen, dass wir mit einem inneren Frieden und einer unwahrscheinliche Ruhe nach Hause gehen konnten.
Ich war so glücklich dieses Erlebnis mit Willy und dir teilen zu dürfen. Danke für deine Augen, dein Herz, deine Ohren und deine Fantasie und Inspiration.
I love you dini Tochter Gigaxel
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