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Alt 27.11.2005, 15:13
nilmar nilmar ist offline
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Standard AW: Spezialklinik in OWL (Ostwestfalen Lippe)

Hallo Britta,

natürlich antworte ich Dir - letztendlich ist es ja auch Dein Thread für Deinen Vater.

Für Nils war es eigentlich ganz einfach zu verstehen. Er hat die Krankheit kpl. mitbekommen - natürlich nicht die Schmerzen, aber dass Opa immer weniger konnte und er an manchen Tagen auch nicht mehr zu Opa durfte. Er war häufig mit im Krankenhaus, da es anders auch nicht ging. Er hat dann in der Besucherecke gesessen und gemalt oder Gameboy gespielt. Opa war 18 Mal wärend der 2 Jahre im Krankenhaus - da bleibt das nicht aus, dass er ab und an mit kam. Er wollte Opa auch besuchen und hat sich immer gewünscht, dass er wieder gesund wird. Für Nils ist Krebs in den letzten 2 Jahren ein ganz normales Wort wie Schnupfen geworden. Natürlich haben wir versucht, so viel wie möglich von ihm fern zu halten, aber wenn es Opa gut ging, dann waren die Besuche von Nils immer ein positives Highlight für Opa.
Das letzte Mal war Nils im September da - da habe ich ihn in der Besucherecke gelassen und ihm gesagt, dass Kinder im Moment nicht zu Opa dürfen - das war i.O für ihn. Er hat dann von der Tür nochmal gewunken und das war es. Damals wussten wir ja nicht, dass Eike auf die Isolierstation kam.

Nils hat mitbekommen, dass Opa immer schwächer wurde, und dass alle Hilfe und Wünsche ihn nicht wieder gesund machen konnten. Als uns klar wurde, dass Eike sterben wird, habe ich ihm gesagt, dass die Ärzte Opas Körper nicht mehr gesund machen können - er ist zu schwach und an zu vielen Stellen krank und tut sehr weh - Opa kann in dem Körper nicht mehr Leben und daher wird er seinen Körper verlassen und in den Himmel gehen.
Das war für ihn total einleuchtend - Opa ist immer noch da, nur nicht mehr in einem Körper.
Er fragte, ob Opa jetzt Flügel hat - NA KLAR - digitale!!!!
Als der Himmel rot war machte er sich Sorgen, ob Opa das auch gut hinbekommt mit dem Plätzchen backen im Himmel, da er ja noch ganz neu sei!!!

Viele Mütter um mich rum meinten, ich sollte ihn nicht mit zur Beerdigung nehmen, aber wir haben es getan und ich finde es gut so. Damit hat die ganze Krankheit auch in den Augen von Nils einen runden Abschluss. Der Körper wird beerdigt (verbrannt) und Opas Geist und, das an was wir uns erinnern lebt in uns weiter, insbesondere in seiner Phantasie - und da hat Opa keine Schmerzen mehr!!!! Ganz wichtig!
Zu dem haben wir eine weltliche Feier gemacht - die ist auch nicht so schwermütig, wie so manch andere Feier. Da stand Eike im Mittelpunkt und all die Werte für die er stand und seine Hobbies und Vorlieben. Nils hat noch einmal viel über Opa gehört und er hat gesehen, für wie viele Menschen Opa eine wichtige Person war. Also er war nicht nur Opa - sondern auch noch eine wichtige Person. Das ist ihm gar nicht klar gewesen, da er nur den mit dem Bollerwagen kannte und die paar people, die bei Geburtstagen da sind.

Nils fragt immer mal wieder irgendetwas nach - und er bekommt auch immer eine Antwort. Es beschäftigt ihn, aber er ist glücklich, dass Opa jetzt nichts mehr weh tut, und er sieht es auch nur so, dass Opas kranker Körper begraben ist - mehr nicht.

Eine schöne Anekdote noch zur Phantasie meines Sohnes. Wir sind nach Malta geflogen. Als wir durch die Wolken kamen fragte Nils (damals 5 Jahre): "Mama, wo sind denn die ganzen Tiere?" "Welche Tiere denn?" " Na die, die alle im Himmel sind, weil sie gestorben sind!" Puh!!
"Die sind viel höher - nicht hier auf diesen kleinen Wolken - die sind gang weit oben - da kommt kein Flugzeug hin"
Er muss also die ganze Zeit nervös auf den Punkt des Wolkendurchbruches gewartet haben, um den größten Zoo alller Zeiten zu sehen - Dinos und Katzen und Säbelzahntiger.

Ich empfinde seine Vorstellung als sehr angenehm, Wäre es nicht schön, wenn es so ist! Opa backt da jetzt Plätzchen - der Chefengel kriegt eine Krise nach der nächsten und somit hat Opa jetzt die Organisation der Bäckerei übernommen und führt erstmal das Computerzeitalter ein! So wäre er!!!!

Ich weiß natürlich nicht, ob das bei größeren Kindern noch so klappt! So weit erstmal - frohes Schneeschieben

Sandra