AW: Wann wieder ins *normale* Leben zurückkehren?
Hallo Nicole,
mit Dir ist garnichts verkehrt. Ich finde, dass dein Freund und seine Mutter sich ziemlich unsensibel, um nicht zu sagen rücksichtslos, verhalten haben.
Mein Vater ist letztes Jahr am 13.6.04 gestorben, 1 Tag vor seinem 68. Geburtstag. Natürlich habe ich zwischendrin auch immer funktioniert, aber ich hatte noch monatelang Situationen die ich lieber gemieden habe weil ich wusste entweder halte ich sie nicht durch oder ich verderbe allen die Fröhlichkeit. Es ist dein gutes Recht Dich zurück zu ziehen. Ich sehe das so, dass es bei Dir GANZ FRISCH ist, Du bist noch in der ersten Schockphase. Man spricht nicht umsonst vom "Trauerjahr". Das heisst jetzt nicht dass man 1 Jahr lang nicht an Feiern teilnehmen kann oder sollte oder sowas, aber ich denke es ist normal dass man mindestens in dieser Zeit z.B. immer wieder Phasen hat wo es nicht geht oder man einfach nicht MÖCHTE. Das MUSS Dein Partner respektieren.
Natürlich versteht jemand der diesen Verlust noch nicht erlitten hat, niemals ganz was in einem vorgehen kann. Hätte ich vorher auch nie geahnt. Trotzdem darf Dich niemand drängen, zumal das ja nun garnichts bringt. Die Zeit, wo wieder andere Dinge als die Trauer in den Vordergrund treten, kommt von ganz allein, aber es ist GANZ wichtig die Trauer auch zuzulassen.
Hast Du schon mal überlegt Dir eine Psychotherapeuten zu suchen zu dem Du gehen kannst, einfach zum reden? Da kannst Du alles loswerden was das Umfeld schon bald nicht mehr hören will.... Mein Mann war zum Glück sehr unterstützend, trotzdem gab es Gedanken die ich lieber bei meinem Thera losgeworden bin. Manches aus der ersten Zeit letzes Jahr kommt mir jetzt vor wie in einem Nebel, Schockzustand. Aber ganz sicher ging es mir besch... und ich hätte mich von so einer Feier auch zurückgezogen. Ich hatte dann im November selbst Geburtstag (also Monate später) und habe nicht gefeiert, wollte ich einfach nicht. Dieses Jahr an meinem Geburtstag hatte ich zwar auch keine Lust zum feiern, habe mir aber mit meinem Mann einen schönen Tag gemacht und war auch auf dem Friedhof, das gehört jetzt dazu, ich breche auch nicht mehr in Tränen aus dort, aber ich gehe "gern" hin. Das können bestimmt auch viele nicht verstehen, ist aber nun mal so. Jeder findet seinen eigenen Weg.
Die es noch nicht erlebt haben, können wie gesagt bestimmt vieles nicht verstehen. Hier oder bei anderen Trauernden findet man zum Glück immer diese Akzeptanz: bei jedem ist es anders, aber SO WIE ES IST; SO IST ES EBEN !!!!
Du bist da noch ganz am Anfang. Lass Dir nix einreden. ich weiss das ist schwer, wenn man so bedrängt wird, aber die liegen da total falsch. Ist bestimmt nicht böse gemeint, viele können auch mit der Trauer nicht umgehen und möchten einen gern "auf andere Gedanken" bringen.... aber es gibt nun mal Zeiten wo das nicht geht und auch nicht gut ist, durch die Trauer muss man durch, wenn nicht jetzt, dann wird es einen irgendwann später einholen. Hör NUR auf deinen Bauch. Wenn Du traurig bist, dann IST ES EBEN SO. Natürlich gibt es Situationen im Alltag in denen man funktionieren muss. Ich denke auch nicht dass man sich so tief in alles reinfallen lassen soll, dass man da nicht wieder rausfindet. Die Lebenden um uns herum sind ja auch noch da, und das Leben soll und wird ja auch weitergehen. Aber alles zu seiner Zeit - und für Frühlichkeit ist es eben jetzt NICHT Deine Zeit.
Lass Dich nicht plattmachen!
Alles Gute
Kerstin
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