Hallo Nicole,
eigentlich hat Kerstin schon alles Wesentliche geschrieben.
Mit Dir ist zweifelsohne alles normal. Deine Seele ist krank und die wird nicht nach so kurzer Zeit wieder gesund, das braucht leider sehr, sehr viel Zeit.
Schade, dass gerade Menschen, die Dir so nahe stehen nicht begreifen, in welch Ausnahmezustand Du Dich befindest. Ich kenne Dein Verhältnis zu deiner Schwiegermutter nicht, aber unabhängig davon würde ich sie vielleicht einmal fragen, ob sie sich vorstellen kann, dass ihr Sohn unmittelbar nach ihrem Tod wieder in „Partylaune“ ist. Oder ob sie nicht auch irgendwie davon ausgehen kann, dass ihr Tod einmal einen großen Schmerz für ihn bedeutet, mit dem er nicht einfach zur „Tagesordnung“ übergehen kann nach so kurzer Zeit.
Lass Dich wirklich zu nichts drängen. Ich selbst bin trauernde Ehefrau seit nunmehr 14 Monaten. Nichts ist wirklich besser geworden, meine Seele ist nach wie vor wund und ich selbst sehr verletzbar. Was ich auf dem zurückliegenden Weg jedoch gelernt habe ist, dass ich mich zumindest in meiner Freizeit nur und ausschließlich so verhalte, wie mein Seelenzustand es gerade erlaubt. Wir haben zu sehr zu funktionieren, müssen zu viel verdrängen, haben keine Muße, um unsere Trauer zu fühlen und sie dadurch besser zu verarbeiten. In der Zeit, die frei von existenziellen Verpflichtungen ist, bin ich nicht mehr bereit, irgendwelche Konzessionen zu machen. Ich mache das, was sich für mich „richtig anfühlt. Und wenn das in dem Moment bedeutet, dass ich mich in mein Schlafzimmer verkrieche und stundenlang weine, dann ist es das, was ich in dem Moment brauche. Da nutzt mir auch kein gutgemeinter Ratschlag: Du musst unter Menschen, Du musst Dich ablenken, Du musst…. Ich muss gar nichts, nur das, wonach es sich gerade anfühlt. Ende. Und wer das nicht begreift, ist auf meinem Weg, den ich leider gehen muss, einfach nicht mein geeigneter Begleiter. Ich kann mich nicht noch mit den Befindlichkeiten anderer Menschen belasten, die gutgemeinte Ratschläge loslassen, damit sie sich mit meiner Trauer nicht belasten müssen.
Geh deinen Weg Nicole, hör auf deine Stimme, sie wird Dir sagen, was gut für Dich ist.
LG
Andrea
PS: Nur ein schlechtes Gewissen deinem Papa gegenüber brauchst Du bestimmt nicht zu haben, wenn es Dir nach lustig sein zumute ist. Im Gegenteil, ihm gefällt es bestimmt besser, Dich fröhlich zu sehen, als mit so schwerem Herzen, ohne Dich trösten zu können. Für ihn ist richtig, was Dir gut tut, so sind sie, die Papas