AW: Erfahrungsaustausch
Liebe Gudrun,
ja, vielleicht verschätzt man sich als unfreiwilliger alter Hase bei dem, was für jüngere Hasen ;-) noch ungewiß ist. Andererseits wissen wir ja nicht alles, was Deine Ärzte Dir schon gesagt haben oder was Du schon gelesen hast. Und was Dein Krankenhaus nun mit Dir anstellen will.
Insofern kann ich auch nur vermuten. Also erst einmal Auftakt mit Aufnahmegespräch, Blutuntersuchungen, allgemeine Aufnahmeuntersuchung. Möglicherweise Fortsetzung doch noch einmal mit bildgebenden Verfahren (z.B. Oberbauchsono & intravaginaler Ultraschall). Die Therapieevaluation beinhaltet vielleicht auch die Absprache zwischen verschiedenen fachärztlichen Bereichen. Ich habe z.B. meine Chemos teilweise mit Hyperthermie gemacht, wofür dann die Radiologen mit zuständig waren. Die haben sich bei mir auch Gedanken darüber gemacht, ob eine Bestrahlung sinnvoll sein könnte. Es gibt ja auch verschiedene neue Verfahren im radiologischen Bereich für die Behandlung von Metastasen. Da fehlt mir die eigene Erfahrung.
Ich weiß nicht, was Freiburg von Chemosensitivitätstests hält, bei denen man mit Blut oder entnommenem Tumorgewebe die Sensitivität des Tumors für verschiedenen Zytostatika im Vorhinein testet. Die Auffassungen über die Zuverlässigkeit dieses Verfahrens gehen auseinander.
Zum Thema OP: Bei mir wurde der Bauch vom Brustbein bis zum Schambein aufgeschnitten. Sieht jetzt ein bissel wie ein 34-cm-Reißverschluß aus und ist trotz mehrfacher Nutzung immer wieder gut vernarbt. Bei der letzten OP wurden mir vorher von den Urologen noch Stents (dünne Schläuche) unter Narkose in die Harnleiter eingesetzt, damit diese zarten Geschöpfe während der OP besser sichtbar sind und nicht verletzt werden.
Wie schon geschrieben, wurden bei mir Teile des Darms entfernt, ein Stück Leber abgeschnitten, das Bauchfell in verschiedenen Bereichen (zu.a. im Douglas) "abgezogen", diverse Tumorknoten herausgeschnitten oder mit Infrarot koaguliert. Für mein teilweise entferntes Zwerchfell wurde eine Zwerchfellplastik gebastelt. Daß es bisher fünf OPs geworden sind, ist vor allem auf die unvollständige Erst-OP und Komplikationen bei der nachfolgenden Komplettierungs-OP, die dann auch nicht optimal zu Ende geführt werden konnte, zurückzuführen.
Die Chemos und Operationen habe ich sehr unterschiedlich erlebt. Jede Chemo hat halt ihre Eigenheiten bzw. jeder reagiert auch ein bissel anders darauf. Von den OPs habe ich die letzte am besten verkraft (trotz vollem Programm), da habe ich nach sechs Tagen den ersten Spaziergang im Park gewagt.
Wenn die Freiburger Dich so lange da behalten, werden sie sicher die beste Therapieoption für Dich finden. Die haben ja mit die beste Erfahrung auf diesem Gebiet.
Wenn jetzt noch eine Frage offen geblieben ist, darfst Du sie ruhig stellen. Ich schau nachher noch einmal rein.
Jetzt wünsche ich Dir, daß Du vielleicht noch ein wenig Adventsstimmung genießen kannst, auch wenn es unter diesen Umständen nicht einfach ist.
Liebe Grüße
Claudia
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