AW: Thread für junge Angehörige von Krebskranken
Hallo ihr Lieben,
Anna, danke, das war eine gute Idee mit den Drinks aus der Apotheke. Habe meine Mama vorhin "gezwungen", wenigstens ein halbes zu trinken. Sie meint zwar, die schmecken nach Krankenhaus, weil sie vor der Darmspiegelung nur Astronautennahrung trinken durfte und das schmeckte wohl so ähnlich, aber sie muß jetzt endlich wieder zunehmen und viele Kalorien zu sich nehmen. Ihre Psyche ist leider nach wie vor das hauptproblem. Ich bin immer so angespannt, weil sich ihre Stimmung auch von einem Moment auf den anderen ändern kann. Es muß nur ein falsches Wort fallen von meinem Vater oder meinem Bruder und sofort weint sie wieder nur und hat wieder keinen Lebenswillen mehr. Ich schlucke immer alles in mich rein und sage nichts oder versuche krampfhaft die schlechte Stimmung zu entschärfen, um zu verhindern, daß sie wieder so abstürzt, aber es gelingt mir nicht.
Ylva, es ist sehr wichtig, daß deine Mama wieder arbeiten geht und Sport macht. Dabei kommt sie zwansläufig auf andere Gedanken, wenn sie wieder mehr mit anderen Menschen umgeben ist und nicht mehr so viel zu Hause sitzt und grübelt. Toll, das sollte ich für mich auch mal verfolgen, aber ich kriege es momentan mal wieder gar nicht hin. Es freut Deine Mama bestimmt, wenn Du mit zum Walken kommst, das tut euch beiden gut und ihr könnt auch ganz entspannt Zeit miteinander verbringen.
Das einzig positive momentan bei uns ist, daß mein Vater sich endlich auch entschlossen hat, eine Therapie zu machen. Das kam so: Er bringt meine Mama immer in die Praxis und da hat ihn heute morgen die Therapeutin gesehen und gesagt, er würde ja ganz schlecht aussehen, ob es ihm nicht gut gehe. Er ist dann mit meiner Mama ins Sprechzimmer gegangen und sie hat ein bißchen mit ihm geredet und ihn gefragt, ob er jemanden zum Reden hat und er meinte, mhm, ja, meine Familie. Sie meinte daraufhin, das zähle nicht, und sie würde ihm dringend empfehlen, auch eine Therapie zu machen und hat ihm angeboten, es bei ihr zu machen. Er war sich erst sehr unschlüssig, aber am Ende haben ihn meine Mama und die Threrapeutin überzeugt und als sie nach Hause kamen, hat er es mir auch gleich von sich aus erzählt. Ich war ganz sprachlos, das hätte ich am allerwenigsten erwartet. Hoffentlich bleibt er auch dabei und überlegt es sich nicht doch noch wieder anders.
Ich drück Euch,
eure Laura
|