Thema: Cup-Syndrom
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Alt 24.02.2006, 21:42
Benutzerbild von Geli-Emilie
Geli-Emilie Geli-Emilie ist offline
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Standard AW: Cup-Syndrom

Hallo, Ihr Lieben,

bin gerade von der Verabschiedung meiner Freundin und Klassenkameradin Holde zurückgekommen und jetzt habe ich mir einen kleine Prosecco aufgemacht, den ich "auf die alten Zeiten" in Gedanken mit Holde trinke. Ich glaube, Holdes Kinder und Ehemann waren noch viel zu
geschockt, um sich über den Verlauf und Organisation der Verabschiedung Gedanken zu machen. Zuerst wurde ein Klavierstück gespielt, dann hielt ein Jugendfreund von Holde eine Rede, die kaum zu verstehen war, weil er fürchterlich genuschelt hat und nicht ins Mikrofon sprach, anschließend kam ein spanisches Instrumental. Im Anschluss daran hielten zwei Kolleginnen eine Zwiesprache mit Holde, die ebenfalls so leise und den Trauergästen abgewandt war, dass man sie nicht verstehen
konnte. Da keimte es schon in mir, dass es das doch nicht gewesen sein sollte und Holde einen derartigen Abschied nicht verdient hätte. Nachdem "Für Elise" gespielt wurde, habe ich mir ein Herz gefasst und bin selbst ans Mikrofon gegangen (wobei meiner Klassenkameradin Annette fast das Herz in die Hose gerutscht wäre mit dem Gedanken "oh bitte nicht, Geli") und habe den Brief vorgelesen, den ich gestern an die Kinder und Norbert geschrieben habe. Es hat 10 Minuten gedauert, bis ich fertig war. Erst danach war mir wohler. Und den Anderen auch, wie ich den sicher ehrlich gemeinten Rückmeldungen entnehmen konnte. So sehen einige von den Anwesenden manches aus einer etwas anderen Sicht und nicht nur von der traurigen Seite. Ein bisschen fühle ich mich auch stolz auf mich selbst, dass ich den Mut dazu hatte und denke, meine Worte wären in Holdes Sinn gewesen. Dafür kannte ich sie zu gut.

Hätte man mich vorher um eine Ansprache gebeten, hätte ich sicherlich abgelehnt, weil ich dachte, das bringe ich niemals fertig. Aber dann war es plötzlich ganz einfach, weil ich wusste, das ich das Richtige mache.

Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war die Reaktion der Trauergäste. Händedrücke, Dankesworte, Tränen, Umarmungen von völlig Wildfremden. Das war mir fürchterlich peinlich. Eigentlich wollte ich nur meine Ruhe haben und mit meinen Klassenkameradinnen Annette und Marianne alleine sein.

Schön fand ich aber Annettes äußerst seltenes Lob und dass sie aufgrund meiner Worte endlich anfangen will, ihren Hintern hoch zu kriegen und richtig anfangen will zu leben. Morgen bucht sie ihre Traumreise. Ich frage nächste Woche mal nach.

Zum Abschluss waren wir noch alle zusammen in einem Café in Ladenburg, wo die Stimmung auch sehr entspannt war. Es ist allerdings schon ein leichter Schock, ihre jüngste Tochter anzusehen. Das genaue Ebenbild von Holde mit 17 - ich war versucht, ihr Zöpfe zu flechten.

Irgendwie bin ich aber jetzt ziemlich erschöpft und werde den Rest des Abends noch in Ruhe mit meinem Mann verbringen, der morgen früh geschäftlich nach Las Vegas fliegt. Was'n Glück, dass ich mich nicht dazu entschlossen habe, mitzufliegen. Von dort aus nächste Woche nach New York und bereits am Donnerstag wieder zurück. Ist mir zu stressig.

Euch allen ein wunderschönes Wochenende!!!
Geli
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