Hallo an alle,
Ja, ich hab mich lange nicht gemeldet. Ich war so foxi mit den Nerven zwischendurch, dass ich hier zwar gelesen habe, aber irgendwie nicht die Kraft hatte, selber zu schreiben.
Manchmal weiß ich einfach nicht, wie ich richtig handeln muss. Mein Mann war nach der letzten stationären Chemo DO/FR so am Boden, dass ich mich ekelhaft hilflos gefühlt habe.
Er lag zum erstenmal mit dem Patienten auf dem Zimmer, von dem uns der Arzt immer erzählte, dass er ein ähnliches Krankenbild habe und schon fast 2 Jahre mit dieser Chemo die Lebermetas ziemlich gut im Griff habe.
Während ich dachte, na prima, der läuft ja auch noch ziemlich wacker durch die Gegend, klar, ist schlapp und dünn wie mein Mann, da war mein Mann aber vollkommen fassungslos. Wie schlecht der Mann doch aussehe, dem ginge es aber gar nicht gut. Ich war wie vor der Kopf geschlagen. Alfred hatte doch diesen Mann vorher nie gesehn, wer weiß schon, wie er "gesund" ausgesehen hatte ?
Bis Dienstag Mittag hat Alfred hier nur auf der Couch gelegen, gegrübelt, war regelrecht depressiv. Ihm gehe es nicht gut, er könne jetzt gar nichts tun, meinte er.
OK, habe ich gedacht, mal nen Tag durchhängen darf ja wohl jeder mal. Es war ziemlich trostlos und schlimm, ihn so da liegen zu sehen, vor allem denke ich immer, was denken die Jungs jetzt ???
Aber gestern habe ich ihn gedrängt, mal wieder vor die Tür zu gehen, mit uns schwimmen zu fahren. Er war gleich ganz anders drauf gestern abend. (ABer was das für eine Anstrengung war, ihn von der Couch zu lotsen...)
Wie macht Ihr das nur? Wie lange ist es ok, ein Tief auszuleben, ab wann muss man wieder den Antreiber machen?
Ich fühle mich masslos überfordert. Ich will ja immer alles richtig für ihn machen.
Ich habe gleich im Januar nach der Diagnose "Lebermetas" Kontakt zum Krankenhaus-Seelsorger aufgenommen, ein feiner Mann. Der kommt Alfred fast jedesmal besuchen, wenn er mit der Chemo im Krankenhaus liegt. Dabei hat Alfred ihm mal gesagt, ich brauche keinen Pfarrer, meine Frau ist mein Pfarrer und Ansprechpartner.
Klar bin ich glücklich, dass ich seine absolute Vertrauensperson bin, aber manchmal fühle ich mich so belastet.
Ich muss immer die richtige Waage zwischen Mitgefühl und Aufbauen, Pushen/Unterstützen finden.
Wie macht Ihr das nur ? Woher weiß ich, was wann richtig ist?
@ Michaele
Manchmal sieht man überhaupt keine Sonne mehr, nicht wahr? Schau in die Augen der Babys!!!! Ích sag mir auch, das Leben geht weiter, immer, irgendwie.
@Doro und Birgit
Danke, dass Ihr Euch nach mir erkundigt. Ich denke auch viel an Euch und die Leute in diesem Forum. Manchmal fehlt mir nur einfach die Kraft, zu schreiben. Ich lese zwar fast täglich, aber da ich auch nie alleine bin (ein Horror für mich), mein Mann ist ja immer da, und wenn er nicht, dann die Jungs, habe ich auch selten die Ruhe, hier zu schreiben.
Puh, nun ists aber lang geworden. Aber ich wollte meine Verzweiflung einfach mal loswerden. Ich wünschte mir sosehr, der Berg vor mir würde mal kleiner....
Liebe Grüße Erle