AW: Hoffnung auf ein Wunder
Liebe Sonja, auch wenn du nicht mehr antwortest, habe ich trotzdem das Bedrüfnis, noch etwas zu dem Thema zu schreiben, vielleicht ist es für die anderen von Interesse.
Ich glaube, es ist typisch für unsere Gesellschaft, dass man sofort das Schild "Schuld" leuchten sieht, wenn psychosomatische Ursachen erwähnt werden. Keinem würde einfallen, sich schuldig zu fühlen, wenn man Gifte oder Strahlung anführt, keiner würde denken "ich bin schuld, weil ich nicht woanders hingezogen bin, weil ich Elektrosmog nicht vermieden habe, weil ich nicht gut genug gegessen habe, weil ich nicht genug Chemo in mich hineingestopft habe, usw.". Bei der Psyche wird dagegen gleich davon ausgegangen "der will sagen, dass ich selber schuld bin, denn wenn ich meine Psyche nicht durchblicke, darf ich mich nicht beschweren."
Es gibt ein interessantes Buch, das mir hier im Forum irgendwo empfohlen wurde und das von einem amerikanischen Onkologen (Simonton) und einer Psychologin geschrieben wurde. Sie argumentieren, dass die Krebs-Ursachen, die uns gemeinhin bekannt sind, gar nicht in dem Maße zu gewichten sind, wie man meint, es gibt immer auch Gegenargumente, die gegen den entscheidenden Einfluss von Giften, Strahlung oder Genetik sprechen.
Die beiden Autoren sagen, dass es unbewusste Verhaltensweisen und Mechanismen gibt, wie wir rein geistig unser Alltagsleben verarbeiten, die wir in unserem Leben entwickelt haben und die mit (!) dazu führen, dass wir krank werden (Stichwort Magengeschwüre). Umgekehrt müsste es dann genauso laufen, dass uns unsere Psyche auch wieder gesunden lassen kann. Sie betonen aber auch, dass das nichts mit Schuld zu tun hat, weil dies unbewusst abläuft und so gut funtkioniert, dass keiner darauf kommen würde, dass die Mechanismen eventuell schädlich sind.
Ich empfinde einen Hinweis darauf deswegen nicht als Angriff, eher als Chance, noch ein weiteres Feld zu haben, auf dem man arbeiten kann.
Für mich ist es beruhigend, zu sagen: ich habe meinen Anteil daran gehabt, wie klein der auch sein mag und vielleicht ist es der Anteil, der die Waage auf die andere Seite ausschlagen lässt. Wenn es nicht klappt, war der Anteil eben zu klein, aber ich würde mich nie schuldig deswegen fühlen.
LG an alle,
solaris
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