AW: Hilflos auf Omas Tod warten
Hallo Du,
wenn Du an Gott glaubst, dann bete. Viel mehr kannst Du wohl nicht tun.
Deine Beschreibung erinnert mich an die letzten Stunden meines Mannes. Er war dann (durch den Krebs) so dement, dass er auf alle Fragen die selbe Antwort (ja) gab. Willst Du noch Tee trinken? Ja. Willst Du keinen Tee mehr trinken? Ja. Eine echte Willensbekundung ist dies nicht gewesen. Ich habe ihn dann weitestgehend in Ruhe gelassen, denn fürs Trinken (von Essen ganz zu schweigen) hatte er keine Energie mehr. Ich habe ihm nur die Lippen befeuchtet und mit einer Spritze (ohne Nadel) etwas Wasser in den Mund geträufelt.
Wenn Schmerzmittel noch nicht ausreichend verabreicht werden, würde ich sie geben. Wobei das Stöhnen nicht auf Schmerzen zurückzuführen sein muss, sondern auch ein Insgesamt-Unwohl-Fühlen sein kann, weil ja die Organe so nach und nach den Dienst versagen.
Mein Mann starb in meinen Armen. Ich war bei ihm und das war die letzte Liebeshandlung, die ich ihm tun konnte. Er atmete sehr mühsam und schappte noch kurz nach Luft und dann war Frieden. Dies ist wohl normal so. Es ist ein Übergang, der nicht ohne Mühe ist aber dann ist Friede und das Ende aller Schmerzen.
In dieser Zeit war das nicht mehr der starke Mann, der er immer für mich war, er war mehr ein Kind geworden, ein schwaches Kind, dass einfach Liebe brauchte. Ein kleines bisschen Mensch an der Schwelle zu einer großen Reise.
Ich verglich nicht, wie er mal war, ich konzentrierte mich nur darauf ihn wahrzunehmen, wie er in diesem Moment war. Da war das gar nicht schlimm. Es war gut zu merken, dass dann aller Schmerz weg war.
Es war mein Mann und nicht meine Oma Für mich ungleich vertrauter als es meine Oma je war. Du musst überlegen, was Du wirklich willst. Angst musst Du nicht haben. Überlege, mit welcher Entscheidung Du in einem Jahr besser leben können wirst. Ob deine Oma merkt, dass Du da bist, kann ich Dir nicht beantworten, Du aber wirst es wissen.
Ich drück dich
martina
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