AW: Thread für junge Angehörige von Krebskranken
Hallo,
es sieht schlecht aus.
Sie bekommt jetzt auf mein Drängen hin Morphium, damit sie die innere Unruhe nicht so quält. Wir waren gestern und heute zwei Mal täglich bei ihr. Gestern sogar bis fast 22 Uhr.
Sie trinkt gar nichts mehr - ich kann nur noch mit "meinem" Trick ihren Mund leicht befeuchten. Reden kann sie gar nicht mehr. Wenn sie eine gute Phase hat, kann sie ein Wort sagen. Ansonsten nur nicken - sofern sie die Frage wahrnimmt.
Vorhin hat wurde sie wieder unruhig und hat phantasiert, habe dann mal wieder auf den Tisch hauen müssen, damit alles so läuft wie es soll... Oh man, wenn man nicht stundenlang Zeit und Geduld hat, sich mit Arzt, Pflegern und Co auseinanderzusetzen... Ansonsten sind eigentlich alle ganz nett - man muss sie nur etwas treiben...
Die letzten beiden Nächte waren bei mir sehr angespannt - ich rechne dauernd mit einem Anruf...
Mein Vater hat sich seit 1 1/2 Wochen nicht bei mir gemeldet - ich mein, es gibt kaum schlimmere Situationen im Leben, als wenn die eigene Mutter im Sterben liegt und er kümmert sich kein Stück... Ich soll mich melden, wenn es etwas Neues gibt - nö, er kann sich ja auch mal melden...
Vorgestern rief mein Onkel an. Wie es ihr gehen würde und so... Seine erste Reaktion seit etwa Februar... Ob sie sich denn über Besuch freuen würde... ich habe geantwortet, dass er da ein paar Wochen zu spät kommt. Er fährt jetzt auch in den Urlaub, wird demnach auch nicht zur Beerdigung kommen. So wichtig ist also die Familie nach über 30 Jahren...
LG
Tanja
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