AW: Was hat euch geholfen?
Hallo an alle,
es tut mir so wahnsinnig leid, eure Geschichten zu lesen - es tut verdammt weh, das kann ich gut nachfühlen. Mein Mann verstarb am 13.06., aber immerhin hatten wir noch die Chance, uns kurz zu verabschieden, bevor er ins Koma versetzt wurde und dann nie mehr aufwachte.
Dennoch sind so viele Dinge unausgesprochen geblieben, hätte man gern noch so viel mehr gesagt - in dem Augenblick im Krankenhaus fehlten aber auch einfach die Worte.
Was mir hilft bis jetzt:
viel schreiben, hier und auch private Briefe, die ich an meinen Schatz schreibe, viel mit Freunden/Familie reden und vor allem hilft mir, viel zu lesen.
Am meisten hat mir in den letzten Tagen das Buch von Elisabeth Kübler-Ross geholfen "Leben nach dem Tode" oder so ähnlich heißt der Titel, den habe ich mir nicht genau gemerkt. Kann ich nachher nochmal nachschauen.
Es ist ja so: Jeder hat so seinen Glauben, oder man glaubt an nichts, jeder anders. Ich habe mich immer etwas schwer getan mit reinem "Glauben", ich habe immer ganz gern Beweise.
E. Kübler-Ross "beweist" anhand von 25.000 dokumentierten unabhängigen Fällen von untersuchten Sterbenden und Nahtod-Patienten (also Leuten, die schon einmal "gestorben" sind, klinisch tot waren, und dann wieder zurück geholt werden konnten), was es mit dem Sterben so auf sich hat.
Sie beschreibt sehr eindringlich, wie "schön" - nein, wie "wunderschön" und "unbeschreiblich schön" das Sterben für jeden ist, egal wie er stirbt.
Vor allem ist ein Mensch, wenn er stirbt, NIEMALS ALLEIN.
Es scheint "wissenschaftlich" bewiesen, dass die Seele sich vom Körper trennt, den Körper als funktionslose, leere Hülle zurück lässt und frei wie ein Schmetterling weiterzieht. Die Seele kann im Augenblick des Sterbens und auch noch danach in Gedankenschnelle an jedem Ort sein, wo sie sich hinwünscht. Also auch bei den Lieben daheim, die halt nicht am Bett saßen konnten. Aber das macht nichts, sie waren sicherlich trotzdem bei euch!!
Dieses Buch zu lesen hat mir sehr geholfen, einen festen "Glauben" daran zu entwicklen, dass für meinen Mann (der mit 36 Jahren gestorben ist), das Sterben an sich völlig OK war, dass es ihm jetzt richtig gut geht, viel besser als hier und ich mich um ihn nicht mehr sorgen muss.
Er hat seinen kaputten, kranken und funktionsuntüchtigen Körper verlassen, um sich einem schöneren Leben zuzuwenden.
Wir als Zurückgebliebene müssen mit der entstandenen Lücke zurecht kommen, das ist sicherlich nicht leicht. Aber dennoch erleichtert es mich enorm zu wissen, dass es meinem Schatz wirklich gut geht, dass das Sterben nicht schlimm ist und dass er auch jetzt noch meine Worte hören kann, wenn ich mit ihm spreche oder auch nur an ihn denke.
Vielleicht kann euch dieses Wissen auch ein wenig helfen.
Liebe Grüße,
Shakira
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