Lieber Markus,
ist doch ganz klar, dass jeder in so einer Krisensituation erstmal hilflos ist. Das weißt du selbst ja auch genau, gerade wenn du in der Krisenintervention gearbeitet hast. In dem Augenblick, wo man selbst involviert ist, funktioniert mit der Theorie gar nichts mehr. Du wirst aber vielleicht etwas schneller als andere auf die Metaebene können und dann auch dich selbst leichter verstehen.
Außerdem hast du dir ja schon den 1. Schritt der Hilfe geholt indem du darüber sprichst / schreibst hier im Forum. Also ganz so hilflos bist du gar nicht
Was dein Vater betrifft, denke ich genauso wie Erle schon schreibt - denkt an die Lebensqualität bei euren Entscheidungen und lasst vor allen Dingen ihn selbst entscheiden. Die Aussage von den vielen verschiedenen Ärzten mag ja stimmen - vielleicht - aber vielleicht auch nicht. Wenn du ihm zuhörst und mit ihm redest und einfach da bist und ihn begleitest, dann ist das verdammt viel und mehr kannst du auch gar nicht tun als zu lernen ihn loszulassen. So hart sich dies anhört - aber wir müssen uns alle hier irgendwann verabschieden und begegnen uns dann irgendwo in irgendeiner anderen Form / Gestalt wieder. Die Trauer und der Schmerz ist immer bei den Hinterbliebenen und dafür ist auch dieses Forum ein guter Platz, um verstanden zu werden. Hier sind Menschen, die diese Art des Schmerzes nachvollziehen und verstehen können. Und dieser Austausch hier, der keine Tabus kennt, lässt uns manche Tränen weinen, die geweint werden müssen und aus dir raus wollen und dürfen.
Dass deine Mutter ausgerechnet jetzt an der Schulter operiert werden muss, ist allerdings eine zusätzliche Belastung für euch alle. Wenn es denn nur irgendiwe möglich ist, dann setzt dieses gemeinsame Wocheende um. Es ist jetzt vielleicht wichtiger denn je für euch alle und ihr braucht ja nicht weit weg zu fahren, Hauptsache ihr seid zusammen, oder?
Ich wünsche dir viel Kraft für die nächsten Tage und melde dich wieder !
Viele Grüße Doro