AW: Nun bin auch ich hier im Forum angekommen
Liebe Geli,
zunächst: mein aufrichtiges Beileid. Es ist sehr schwer, jetzt zur Ruhe zu kommen und das Geschehne anzunehmen. Den Verlust, dass der liebste Mensch nicht mehr an seiner Seite ist, zu realisieren.
Ich möchte Dir aus der Sicht einer Tochter berichten:
Zwischen Mama und mir gibt es eine Absprache: wir sind ehrlich uns gegenüber, wenn wir den Anderen nicht sehen wollen oder nicht mit ihm telefonieren. So ist es immer ehrlichen Herzens, wenn wir miteinander sprechen. Oder uns sehen. Wir reden ganz furchtbar viel miteinander, Mama erzählt mir von ihrem Kummer und ihrer Trauer. Klar, manchmal fällt es mir auch sehr schwer, das ohne Tränen auszuhalten. Aber es tut ihr gut und sie weiß es. Ich bin ihr Ansprechpartner jetzt, und das ist richtig und gut so. So sollte Familie auch funktionieren.
Liebe Geli, nimm Dich in Deinem Reden - sofern Du es gern tust - nicht zurück. Rede über Deinen Kummer, Deine Trauer. Wenn nicht mit Deinen Kindern, so doch bitte mit Freunden. Geh nach vorn und verbuddel Dich nicht. Die Trauer, der Kummer werden sicher nicht verschwinden. Aber du wirst sie in Deinen Alltag integrieren und sie akzeptieren. Sie werden irgendwann verblassen, aber sie werden da sein. Du wirst Deinen Weg durch diese Zeit jetzt selbst bestimmen. Lass Dir nichts von anderen einreden, was sich gehört oder was nicht. Es ist DEIN Kummer, DEIN Verlust. Und jeder von uns geht damit anderes um.
Ich bin froh, dass Mama dieses Vertrauen in mich hat, und mir viel erzählt.
Mama hat bereits gesagt, dass sie nicht Weihnachten mit uns verbringen will. Ich find es nicht so doll, aber ich respektiere es, weil ich weiß, dass sie uns jederzeit anruft, wenn sie den Wunsch hat, mit bei uns zu sein. Genauso ist es mit Silvester. Ich hatte vor 2 Jahren eine sehr private, für mich schlimme Zeit, in der ich mich für fast 3 Monate von allen und allem zurück gezogen habe. Keine Anrufe, keine Besuche, kein gar nichts. Deswegen kann ich meine Mama so gut verstehen, wenn sie mal ein Nein sagt.
Allerdings hab ich meiner Mama empfohlen, ein leichtes Antidepressiva zu nehmen, dass sie ein wenig innerlich zur Ruhe kommt, mal schlafen kann.
Liebe Geli, ich schick Dir ein grosses riesiges Paket an Zuversicht, Kraft und Mut für die nächste Zeit.
Herzlichst aus Leipzig
Anke
__________________
Betroffener: mein Papa, geb. 21.11.1935
Diagnose erhalten am 5.5.07, Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Metastasen in Leber und Bauchraum
eingeschlafen am 09.07.07. friedlich, still und leise
|