AW: Erfahrungsaustausch
Hallo ihr Lieben,
keine Ahnung ob das hier überhaupt zum Thema Erfahrungsaustausch passt und ob ich hier so reinplatzen kann. Ich (24) selbst bin "nur" Angehöriger. Es geht um meine Mutter (46). Mittlerweile haben meine Eltern beide Krebs. Es ist so schlimm, dass ich teilweise gar nicht mehr weiß was ich machen soll bzw. wie ich für die beiden da sein kann. Bei meinem Vater (48) wurde bereits 2004 Speiseröhrenkrebs diagnostiziert worauf ein unglaublicher Leidensweg begann. Meine Mutter hat das psychisch stark mitgenommen (seine Launen, sein Leiden). Doch da man ja nicht genug Pech haben kann wurde im Februar 2007, mehr oder weniger durch Zufall, EK bei meiner Mutter entdeckt. Es wurde lt. der Ärzte alles komplett entfernt. Der behandelte Prof. meinte sogar, dass sie wieder vollständig gesund wird. Zur Sicherheit wurde nach der OP eine Chemo gemacht. Nach dieser Behandlung (ca. 3 Monate später) kam der Schock: Metastasen in der Lunge und am Unterleib. Dann wieder Chemo mit der Standardkombination Carboplatin/Taxol. Half wieder nichts. Der Krebs ist sogar noch gewachsen. Letzte Woche waren meine Eltern beide im Krankenhaus. Ich fuhr in dieser Zeit in ihr Haus um einige Dinge für die Beiden zu erledigen und als ich da ganz alleine saß, wurde mir bewusst, dass das wohl meine Zukunft sein wird. Ich rede mit ihr schon offen über den Tod und wie es dann weitergeht. Dieser Schmerz frisst mich auf, aber ich sage mir immer wieder, das ja meine Eltern krank sind und Hilfe brauchen, nicht ich. Mein Vater will inzwischen nun nicht mehr kämpfen und auch niemanden mehr sehen. Es würde zu lange dauern um zu erklären was bei ihm jetzt ist. Auf jeden Fall wird er künstl. ernährt und hat dauernd literweise Wasser im Bauch.
Meine Mutter bekommt seit dieser Woche wieder Chemo aber welche genau, muss ich noch rausfinden. Sie kann es mir selbst nicht sagen. Sie ist psychisch völlig fertig und macht sich natürlich auch noch um ihren Mann große Sorgen. Außerdem läuft sie schon wie eine alte Frau und muss beim Treppensteigen anhalten, was sie – als ehemals sehr sehr sportliche, aktive Frau – auch noch sehr mitnimmt.
Mir gehen auch so viele Fragen durch den Kopf. Soll ich jetzt am Besten wieder zurück nach Hause ziehen, um vielleicht soviel Zeit wie möglich mit meiner Mutter bzw. Vater (wenn er mal wieder kommt) zu verbringen oder soll noch einen gewissen Abstand halten? Abgesehen davon, würde sie es möglicherweise auch nicht wollen.
Dann mache ich mir Sorgen, dass sie vielleicht nicht richtig behandelt werden könnte. Ich sprach auch schon an, eine 2. Meinung einzuholen, doch da ist sie hin- und her gerissen. Sie will jetzt erstmal abwarten was bei der Chemo rauskommt. Aber vielleicht ist es ja dann schon zu spät?
Soll ich Druck bei den Ärzten machen? Was kann ich als Angehöriger nur machen? Außerdem hat man ja auch noch eigene Verpflichtungen. Diese Hilflosigkeit macht mich noch wahnsinnig. Vor allen Dingen aber die Angst.
Der Grund warum ich hier im Forum diesen Roman schreibe ist, weil ich niemanden habe mit dem ich mich darüber unterhalten kann. Ich bin Einzelkind und meine Großeltern leben auch nicht mehr. Meinen Partner kann und will ich damit auch nicht dauernd belasten.
Danke fürs Zuhören (oder Lesen).
Liebe Grüße und viel Kraft
Nico
PS: Es ist schön hier zu lesen, dass es auch noch Hoffnung gibt.
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