AW: Erfahrungsaustausch
Hallo Netti,
ich noch mal.
Ich habe immer und sehr lange Zeit meine chronischen Rückenschmerzen ignoriert, bis ich dann irgendwann total zusammengeklappt bin. Der Krebs kam, als ich schon wegen Rücken und Panik krank und in Behandlung war. (Die Symptome hab ich lange verdrängt, weil ich ja mit dem Rücken beschäftigt war und mich nicht dauernd krank melden wollte.)
Jedenfalls habe ich während des letzten psychotherapeutischen Klinikaufenthaltes (der mir insgesamt eigentlich nicht wirklich geholfen hat) eines gelernt: Es bringt nichts, nach außen immer stark zu sein. Ich habe mir eine so starke Fassade zugelegt, dass mir selbst bei schlimmsten Panikattacken (mit hohem Blutdruck, Herzrasen und Todesangst) keiner angesehen hat, was los ist. Und wenn ich in der Klinik auf den Notknopf gedrückt habe, weil ich dachte, jetzt sterbe ich wirklich, dann sagte eine Schwester zu mir, ich sei doch so souverän, ich müsse die Angst nur annehmen...
Ich habe gut ein Jahr lang ständig (zigmal am Tag) Blutdruck gemessen. Der wurde davon natürlich nicht besser.
Zur Krankmeldung:
Was die Leute denken und reden, ist egal. Das tun sie immer, das habe ich auch manchmal getan, wenn Kollegen krank waren.
Es hat meistens mit der eigenen Angst, Überarbeitung und Überforderung zu tun!
In einer psychosomatischen/psychotherapeutischen Klinik wirst Du viele Leute treffen, denen es genau so geht. Vieles erscheint dann in einem anderen Licht.
Ich merke gerade, dass ich ganz gut dozieren kann, obwohl mein eigener Aufenthalt nicht viel gebracht hat. Aber ich war auch sehr spät dran. Ich habe bis heute nicht richtig realisiert, dass ich neben den Dauer-Rückenproblemen ja auch Krebs hatte...
Also, kurz:
lass Dich krank schreiben und versuch Dich darauf einzustellen, dass es länger dauert.
Liebe Grüße. Anne
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