AW: Club Magic Life
Liebe Mosi, liebe Claudia, liebe Himmelblau, liebe Therese-Babs, liebe Jeannette und alle anderen Adventsfreunde,
ich habe Mosi ja bereits versprochen, mal von der Adventszeit meiner Kindheit zu berichten. Meine vier Geschwister und ich hatten es wirklich sehr idyllisch. Eigentlich vermeide ich es sonst, solche Themen vorzuziehen und sei es nur um einige Tage. Aber da ich gerade heute so in Erzähllaune bin, lege ich doch schon mal etwas verfrüht los:
Für mich begann die Adventszeit früher immer damit, daß meine Mutter den Adventskranz band. Sie machte ihn jedes Jahr selbst aus verschiedenen immergrünen Zweigen, und er sah immer sehr nach ihr aus: groß, kräftig, struwwelig-energisch und doch irgendwie harmonisch. Auf diesen Kranz gehörten von jeher vier dicke rote Kerzen, darüber hinaus war er schmucklos. Die Hauptsache war, daß die Kerzen groß genug waren, daß man sie – natürlich schön der Reihe nach in der richtigen Abstufung – jeden Tag anzünden konnte, ohne eine austauschen zu müssen.
Das war nicht selbstverständlich, denn wir Kinder waren immer sehr darauf bedacht, die Adventszeit gehörig auszunutzen: Wir stellten den Kranz, der auf einem tellerartigen Tablett lag, jeden Morgen auf den ohnehin schon überfüllten Frühstückstisch, um vor der Schule schon mal ein bißchen Kerzenschimmer zu genießen. Auch beim Abendessen durfte er nicht fehlen. Aber ganz besonders wichtig war er nachmittags, in den Dämmerstunden, wenn meine Eltern einen Kaffee tranken und wir uns nach monatelanger Pause wieder dazugesellten. Meist wurden dann Advents- und Weihnachtsgeschichten vorgelesen und ein bißchen gesungen. Für uns Kinder gab es Früchtetee und im Laufe der Tage immer mehr Weihnachtsgebäck.
Zu diesen Adventsstündchen gehörte immer auch die Weihnachts-Pyramide. Es war keine besondere und vermutlich würde jeder Erzgebirgler nur die Nase rümpfen. Aber als Kind hatte sie für mich etwas Wunderbares an sich, etwas sehr Verheißungsvolles und Feierliches. Bekanntlich gehen da ja die Wahrnehmungen von Kindern und Erwachsenen oft sehr auseinander.
So war es bei uns auch mit dem Adventsschmuck: Meine Mutter wünschte sich jedes Jahr, daß unsere Fenstersterne und Figürchen sowie die weihnachtlichen Anhänger und Kerzenhalter erst nach und nach hervorgeholt würden, damit es immer ein bißchen weihnachtlicher würde. Aber wir Kinder erlagen jedes Jahr unserer Dekorationswut und schmückten das Haus gnadenlos von unten bis oben.
Wenn meine Mutter die Schuhkartons, in denen der Schmuck lag, auf den Wohnzimmertisch gestellt hatte, ging es los: Jeder nahm sich etwas heraus und suchte im Haus nach dem passenden Platz dafür. Erst, wenn auch wirklich jedes halbverdrückte Bastelwerk irgendwo hing, waren wir zufrieden. Während meine Mutter ein bißchen seufzte, weil sie sich wohl von den Schmuckmengen etwas erschlagen fühlte, breitete sich in mir ein wohliges Gefühl aus, das sagte: Jetzt ist Advent, jetzt geht es los!
Bei uns wurde immer sehr frühzeitig mit der Weihnachtsbäckerei begonnen. Erstens weil es Spaß machte, zweitens weil wir immer viele Sorten Plätzchen buken und drittens weil Weihnachtsgebäck vor Weihnachten doch immer am besten schmeckt.
Meine Urgroßmutter war Konditorin gewesen, und ihre Rezepte mußten schließlich zu Ehren kommen. Also buken wir in jedem Jahr:
Buttergebäck
Spritzgebäck
Schokoladenherzen
Zitronenherzen
Basler Gewürzherzen
Marillenringe
Vanillekipferl
Lebkuchen
Honiglebkuchen
Elisenlebkuchen
Gewürzplätzchen
Anisplätzchen
Kokosmakronen
Nußmakronen
Schweizer Nußtaler
und Mandelschnitten.
Wie die Küche aussah, nachdem wir vier, später fünf Kinder gebacken hatten, könnt Ihr Euch vorstellen. Vor allem, wenn Schokoladen- oder Zuckerglasur im Spiel war…
Da mehrere Rezepte Ausstecher in Herz-Form verlangten, wir ja aber nicht für die Konditorei sondern zum Vergnügen buken und keine Lust auf immer die selbe Form hatten, wurde ein bißchen abgewandelt. Trotzdem legten wir Kinder selbst Wert darauf, daß nicht jede Form für jedes Rezept verwendet wurde. Zitronenherzen blieben erstaunlicherweise immer Herzen, während die Schokoladenherzen zu Schokoladenkatzen und –hunden wurden. Die Basler Gewürzherzen stachen wir bald nur noch in Tannen- und Mond-Form aus, während beim Buttergebäck viele goldene Sterne und Glocken entstanden. Für die Lebkuchen gab es spezielle größere Ausstecher in Form eines Elefanten, eines Kamels, eines Schweins, eines Teddybären, eines Sterns, einer Tanne und eines Nikolauses.
Unsere Plätzchenvorräte wurden in Dosen gefüllt, die sich dann in entsprechender Menge auf unserem Flur-Schrank stapelten. Selbstbedienung gab es nicht, aber jeden Tag durfte einer von uns unsere Plätzchenschale mit den Schneesternen nehmen und sie für den Adventskaffee füllen. Aus dem Vollen schöpfen, das war es wohl, was ich hieran besonders genossen habe.
Außerdem hatten wir jeder einen Adventskalender mit Bildern und einen gemeinsamen mit kleinen Päckchen daran. Reihum durften wir dann die Geschenke von der Schnur knüpfen, die meine Mutter unserem Alter entsprechend gefüllt hatte. Zu viert ging das Ganze gut auf, aber als unsere Jüngste dazukam wurde der Gerechtigkeit halber ein Adventskalender mit 25 Päckchen aufgehängt.
Unsere Weihnachtsbaum-Tradition änderte sich schlagartig mit einem besonderen Weihnachtsfest: Meine Mutter war ein paar Tage vor Weihnachten auf dem Glatteis ausgerutscht und lag mit einem angebrochenen Wirbel im Krankenhaus, während mein Vater einen Hilfstransport nach Weißrußland begleitete und nicht erreichbar war. Bis er kurz vor Heiligabend wiederkam, kümmerte sich unsere Großmutter um uns Kinder und legte dabei so viel Arbeitseifer an den Tag, daß sie auch allerlei weniger dringliche Arbeiten erledigte. Jedenfalls stellten wir erst, als wir den Weihnachtsbaum schmücken wollten fest, daß sie die kleinen roten Äpfel, die wir als Gegengewicht für unsere Kerzenhalter benötigten, zu Apfelmus verarbeitet hatte. Der einzige greifbare Ersatz waren rote Zwiebeln, die bis heute unseren Weihnachtsbaum zieren, zwischen Strohsterne und Schokoladenkringeln. Sieht wunderschön aus, kann ich Euch versichern!
So Ihr Lieben, ich hoffe, Ihr verzeiht diesen Vorgriff auf eigentlich erst kommendes. Allen hier viel Spaß beim Schmücken, Backen und vor allem Genießen!
Alles Liebe,
Eure Linnea
__________________
Einen Menschen zu lieben heißt:
Ihn zu sehen wie Gott ihn gemeint hat.
Liebe ist das Geheimnis der Brotvermehrung.
- Christine Busta -
|