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Alt 25.01.2008, 14:28
Zagorka Zagorka ist offline
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Standard AW: Deine Tochter vermisst dich...Komm wieder!!

Hallo Iva,

ich bin jetzt 31 Jahre alt. Weißt du, ich kenn´ so einige Menschen die über 40 oder sogar schon über 50 sind und immer noch beide Elternteile haben... oder meine Freunde, bei denen zum Teil noch die Großeltern leben während meine gestorben sind als ich noch ein Kind war.

Nach Papa´s Tod hab´ ich mir große Vorwürfe gemacht und mich schuldig gefühlt, weil ich nicht mehr Zeit mit ihm verbracht habe. Meine Eltern waren typisch südländisch streng und haben mich bis ich ca. 21 war gar nicht am Wochenende weggehen lassen. Ich war als Kind und Teenager oft traurig und gar nicht zufrieden mit meinem Leben.

Dann später hab´ ich versucht alles Verpasste nachzuholen... im Zeitraum zwischen 23 bis ca. 28 Jahren war ich das reinste Partytier und dauernd unterwegs. Jedes WE war ich irgendwo feiern, manchmal hab´ ich mich auch unter der Woche mit Freunden getroffen. Wenn meine Eltern mich gebeten haben mehr Zeit mit ihnen zu verbringen, hab´ ich nicht gehört... ich dachte ich sei jung und müsse erstmal leben. Langweilige Familienabende könne ich immer noch mit 40 haben - nie und nimmer hätte ich gedacht, dass mein Bruder und ich gerade mal 25 und 30 sind wenn mein Vater uns verlässt. Meine Eltern - vor allem meine Mutter - haben sich extrem an mich geklammert. Und ich bin auf diese Weise zur Rebellin geworden.

Die letzten Tage waren natürlich nicht einfach... Montag und Donnerstag war ich in der Kirche und hab´ je eine Kerze für ihn angezündet, um wenigstens etwas für ihn zu tun. Leider kann ich nicht so oft an sein Grab gehen, denn er wurde in Kroatien beerdigt. Es war schon immer sein Wunsch gemeinsam mit seinen Großeltern im Grab zu sein (ins Grab seiner Eltern kommen wohl mein Onkel und meine Tante rein). Allzu oft war ich bisher nicht dort - letztes Jahr im Januar waren wir zwecks Beerdigung 1 Woche da (Gott... heute ist die Beerdigung auf den Tag genau 1 Jahr her ) und dann noch im Sommerurlaub für 3 Wochen, wo ich ihn u. a. an meinem Geburtstag besucht habe.

Da fällt mir was auf... du schreibst deine Mama wäre sehr unselbständig. Das kann ich von meiner auch behaupten. Sie hat zwar ihre Arbeit (nicht Vollzeit, nur stundenweise) und gute Freunde, aber nicht viele... Besondere Hobbies hatte meine Mama noch nie. Wir haben oft Streit, weil sie klammert und dauernd Terror macht wenn wir Kinder eigenständig Entscheidungen treffen und nicht alles machen wie sie es will.

Bevor mein Papa krank wurde, hab´ das Thema Krebs dauernd verdrängt... schließlich betraf es mich ja nicht. Seitdem ich mich mehr damit auseinandersetze, hab´ ich von vielen Menschen gehört die schon 5, 10 oder gar 15 Jahre Krebs haben und dazu noch an mehreren Organen und immer noch am Leben sind - Krebs bedeutet nicht immer gleich den Tod innerhalb der nächsten paar Tage oder Wochen. Als wir im Sommerurlaub waren, ist der Vater einer guten Freundin meines Bruders gestorben. Der Mann litt seit über 15 Jahren an Krebs: Magen, Darm, Speiseröhre, Lunge, Nieren etc... ich glaube an 8 verschiedenen Stellen hatte er die Krankheit. Er hat insgesamt 3 Jahre seines Lebens in Krankenhäusern verbracht und lag auch schon zwischendurch mal im Koma. Trotzdem hat er sich immer wieder berappelt. Sein Tod kam trotz der langen Leidesgeschichte kurzfristig und plötzlich für seine Familie. Oder Papa´s Bettnachbar im Krankenhaus, ein älterer Herr der am selben Tag starb wie er... allerdings in einer Hospiz, in die er ca. 3 Tage vorher verlegt worden war. Der Mann hatte 13 Jahre Krebs und an 6 verschiedenen Organen.

Und deshalb kommen immer wieder Fragen auf: Warum gerade er? Hätte man nicht doch was tun und sein Leben verlängern können? Meine Mama sagt nein, wir haben getan was wir konnten... aber ein Krebskranker kann doch nicht einfach so mal schnell wegsterben, ich meine auf sowas ist man doch schon Monate vorher gefasst... oder etwa nicht?
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