AW: Depressionen - Kennt das jemand?
Liebe Michi,
hab erst heute gelesen wie es Dir in der letzten Zeit, im speziellen nach der 4.Chemo ging. War selbst "abgetaucht". Bei mir hatte sich die 3. Chemo wegen extrem schlechter Blutwerte um eine Woche verschoben und dann ging es in die Talfahrt der Chemotherapie. Hatte gedacht, dass ich es langsam im Griff hätte...! Von wegen. Mich hat es komplett zerlegt, war nur noch heulendes Elend. Jetzt nach gut 11 Tagen werd ich langsam wieder ich.
Michi, ich habe in meiner Vergangenheit auch schon mit heftigen Depressionen zu kämpfen gehabt. Und ich glaube ich kann gut nachvollziehen wie dieses "Schreckensgespenst" der Depression dann über einem schwebt. Ich hatte und habe im Zuge der Krebserkrankung massive Angst, dass die alte Geschichte wieder auflebt und zu dem Krebs noch zusätzlich zuschlägt.
Zu der Zeit als ich erfahren hatte, dass ich Krebs habe, hatte ich gerade eine Psychotherapie bei einem Psychoanalytiker gemacht. Gleich nach der ersten Chemo habe ich die Psychotherapie beendet und habe zu einer Psychoonkologin gewechselt. Da gehe ich jetzt einmal die Woche hin und kann bei Bedarf auch anrufen.
Der Wechsel war "damals" eine reine Bauchentscheidung. Heute kann ich sagen, dass es für mich das Beste war, was ich tun konnte. Die Begleitung durch die Psychoonkologin empfinde ich als total hilfreich und meine Angst vor der Depression ist sehr viel kleiner geworden. Auch wenn es mir psychisch oft sehr schlecht geht. Mit dieser Unterstützung gelingt es mir jedoch diese extremen Talfahrten mit der Krankheit und der Chemo im Zusammenhang zu bringen und zu sehen und nicht mehr so sehr mit "meinem Hang zur Depression"! Weißt Du was ich meine???
Und unendlich hilfreich finde ich zu wissen, dass mir die Psychoonkologin ganz klar sagen wird, wenn sie die fachliche Einschätzung hat, dass mir ein Antideppressiva helfen könnte oder sie die Einnahme als angebracht ansieht. Da fühl ich mich bei all dem was so sehr unsicher ist in dieser speziellen Lebenssituation doch sicher und gut aufgehoben. Entlastet mich unendlich.
Liebe Michi, ich hoffe so sehr, dass es dir wieder ein bisserl besser geht. Es ist oft so schwer durchzuhalten, diese Chemos echt bis zum Ende durchzuziehen. Ich hab noch 5 vor mir, bin innerlich oft dabei die weiße Fahne zu schwingen und aufzugeben. Aber ich weiß auch, dass wir das schaffen. Ich werde, genau wie Du die Chemos zu Ende bringen und dann haben wir immerhin einen schweren Teil schon mal geschafft!!!
Ich denk ganz feste an Dich, und umarm Dich ganz lieb
Lundup, die eigentliche Manuela
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