AW: Neu hier--Brauche Hilfe!!!
Liebe Anke,
tu das, was Dir guttut und verharre nicht in Passivität. Werde aktiv, geh raus, male, bastel, geh shoppen,etc. nur bleibe nicht in diesem Teufelskreis. Er zieht Dich nur noch weiter runter. Es gibt so viele schöne Dinge, verlier sie nicht aus den Augen! Und was Deinen Mann betrifft. Fälle jetzt in dieser Situation keine so wichtige Entscheidung wie Trennung. Ihr seid im Ausnahmeszustand! Schreibe Dir diesen Gedanken auf und nehme ihn nach der Therapie noch einmal in Augenschein und setze Dich dann gegebenenfalls damit auseinander.
Was Deinen Mann betrifft, so erinnert es mich an meine eigene Beziehung. Mein Mann war wie gelähmt und konnte auch nicht mit mir darüber reden. Während meiner Therapie hat mich meine Freundin begleitet. Viel später wurde mir erst klar, das ich dadurch meinen Mann total ausgeklammert habe und ihn allein mit seinen Ängsten und in seiner Hilflosigkeit gelassen habe. Viele Männer reagieren viel emotionaler als wir und können nicht darüber reden. Niemand ist für sie da. Alles dreht sich um die Betroffene. Ausnahmezustand für die ganze Familie! Alles läuft aus dem Lot! Reaktionen, Verhaltensweisen nichts ist mehr normal. Und der Mann? Er zieht sich zurück in seine Höhle und kommt nicht heraus, weil er keine Lösung findet.
Hab Geduld. Mit meinem Mann konnte ich erst fast 2 Jahre nach der Diagnose richtig reden. Auch heute noch erfahre ich von ihm Dinge, die mir zu der Zeit gar nicht bewußt wurden, weil ich nur mit mir und meinen Problemen beschäftigt war.
1 Jahr später, ich war ganz unten, was meine Beziehung betraf, steckte voller Depris und komischen Gedanken, wozu noch...was hat das für einen Sinn? Alles drehte sich nur noch um Trennung in meinem Kopf. Ausgepowert ohne Ende... Dennoch bin ich ein Mensch, der nicht schnell aufgibt. Hatte ich doch die Krebstherapie bewältigt!! Naja, half nix, die komischen Gedanken nahmen kein Ende. Was tun? Hier war fachliche Hilfe dringend nötig. Ich begann eine Verhaltenstherapie. Doch erst 1,5 Jahre später wuchsen die ersten Früchte. Harte Arbeit sag ich Dir, doch es hat sich gelohnt! Etwa seit einem Vierteljahr kann ich Dir sagen, das mein Mann und ich auf dem Wege sind ein unschlagbares Team zu werden! Das hätte ich nie für möglich gehalten!
Noch etwas möchte ich Dir erzählen. Ich gehe mit meinem Brustkrebs sehr offen um und setze mich für Eigeninitiative und Selbstbestimmung der Betroffenen ein. Das spricht sich herum. Und letzt, mein Mann war einkaufen, da wurde er von einem Mann angesprochen, dessen Frau erst frisch die Diagnose erhalten hat. Er bat um Hilfe und Austausch. Das finde ich sehr sehr mutig und bemerkenswert! Und...mein Mann und ich lernen gemeinsam interessante Menschen kennen.
Vielleicht findest Du eine kompetente Selbsthilfegruppe in Deiner Umgebung? Mit kompetent meine ich eine Gruppe, die sich nicht nur zum Kaffeetrinken trifft, sondern etwas bewegen möchte und wirklich zur Selbsthilfe motiviert. Dort könntest Du sicher auch sympathische Frauen finden, deren Männer sich auch untereinander austauschen. Vielleicht ergibt sich ein Kontakt für Dich und Deinen Mann?
Mensch Anke, ich wünsche Dir, das Du genauso wieder ans Licht kommst wie ich! Das Leben ist einfach wunderbar! Hab Vertrauen!
Liebe Grüße
Heike
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Ich habe nicht mit Krebs gerechnet,
der Krebs hat nicht mit mir gerechnet.
Nicht mit meiner Phantasie,
meiner Lernfähigkeit,
meinem Überlebenswillen...
Ursula Goldmann-Posch
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