AW: Hodgkin - mein neuestes Sammlerstück
Liebe Linnea,
die Nachrichten von deinem Vater berühren mich sehr. Ich würde ihm wünschen, dass er - wenn es denn keine Heilungschance mehr gibt - nicht so lange leiden muss. Es gibt einen Punkt, wo der Tod Trost und kein Schrecken mehr ist, auch wenn natürlich die Lücke für die Angehörigen trotzdem schwer zu tragen ist. Aber nicht schwerer, als den geliebten Menschen leiden zu sehen.
Ich weiß nicht, ob Dein Psychotherapeut recht hat, wenn er sagt, dass du dich hier fernhalten sollst um Kräfte zu sparen. Ich merke selbst immer gerade in den Momenten, wo die Situation hier zuhause schwierig ist und es Klaus schlecht geht, dass mir die "unbeschwerten" Orte gar nicht helfen. Im Gegenteil, ich fühle mich leer und ausgegrenzt, wenn ich mich dort versuche über Alltägliches, Lustiges und Schönes zu unterhalten. Es lenkt vielleicht ab, aber es bringt mich nicht weiter.
Wenn ich hier bin, habe ich oft das Gefühl in unserer momentanen Situation einfach am richtigen Platz zu sein. Wenn ich die Berichte der anderen lese, dann weiß ich eben, dass wir nicht alleine sind und das alle ähnliches durchmachen. Ich brauche nur einen kurzen Satz schreiben und jeder weiß, was ich meine. Ich fühle mich hier sehr wohl und gut aufgehoben.
__________________
Einen schönen Tag wünsche ich euch!
Nicole
Mein Mann: NHL Diagnose 31.10.2007 / Glioblastom Diagnose 31.10.2008
Zur Zeit geht es uns gut.
|