Liebe Leena, liebe Beate, liebe Kathrin, liebe Louise, liebe Elke, liebe Birgit, liebe Nicole, liebe Anja, liebes Zickchen, liebe Katinka, liebe Aldente und Ihr anderen Lieben,
so lieb habt Ihr mir alle geschrieben, daß ich z.T. gar nicht weiß, was ich darauf erwidern soll. Auf jeden Fall: herzlichen Dank dafür!
Seit gestern bin ich wieder zuhause: Am Freitag fand die Beerdigung meines Vaters statt udn ich denke, der Ablauf war sehr in seinem Sinne: Die Pfarrerin ist eine langjährige Freundin der Familie und fand sehr treffende, persönliche Worte. Und der Kantor, ebenfalls ein Freund meines Vaters, wählte für ihn, der sich immer für den Dialog der Religionen ausgesprochen hatte, einen jüdischen Gesang als musikalische Einleitung. Alles war sehr stimmig...
...und natürlich anstrengend. Mein Schwager hat mich dann nach der eigentlichen Beerdigung ins Haus meiner Mutter gebracht, so daß mir das Kaffeetrinken erspart blieb. Ich war auch platt wie eine Flunder und habe den Rest des Tages verschlafen... Naja, Zelltief eben...
Zur Zeit bin ich ständig am Schlafen - es fühlt sich heilsam an, so wie früher, als es darum ging, Erkältungen ausgeschlafen. Jetzt habe ich noch eine "Erholungswoche" vor mir, und wenn die Blutwerte dann in Ordnung sind, fängt an Pfingstmontag der zweite Zyklus an.
Zur Zeit fühlt es sich in mir so an, als seien alle Worte versiegt. Die Nachricht, daß mein Vater gestorben ist, dringt in immer mehr Schichten vor, sie buchstabiert sich in mir aus und drängt so vieles andere beiseite. Daher schreibe ich zur Zeit kaum: wenn ich Eure Nachrichten lese, fühle ich mit Euch, aber die Worte, die ich gerne schreiben würde, stellen sich nicht ein. Außerdem bin ich immer gleich wieder so müde... Aber ich denke viel an Euch, Ihr Lieben, und schicke Euch meine anteilnehmenden Gedanken und Gefühle.
In Ermangelung eigener Worte möchte ich Euch ein paar Zeilen hier anfügen, die auf einer Karte standen, die meine Mutter in den letzten Tagen erhielt, und die mich in besonderer angesprochen haben. Seid alle ganz herzlich gegrüßt von Eurer Linnea
Die Nacht wird nicht ewig dauernd.
Es wird nicht finster bleiben.
Die Tage, von denen wir sagen,
sie gefallen uns nicht,
werden nicht die letzten sein.
Wir schauen durch sie hindurch
vorwärts auf ein Licht,
zu dem wir jetzt schon gehören
und das uns nicht loslassen wird.
(Helmut Gollwitzer)